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Vauau GLadt und Land

«V. 264

General Anzeiger für

Dienstag de«

10. November

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1931

Vor der Mund-GtavttMerung7

Das Loedmavov-Vankett in der Guildhall - Macdonald kündigt die Stabilisievung des Pfundes an - Die Lage Deutschlands mutz der Gegenstand einen völligen »«ebevholnng* werden

Äiw^» ^lvt-^5^otü-

Der Reichspräsident empfing gestern den neu­ernannten Reichskommissar für die Osthilfe Reichs­minister Schlange-Schöningen» zur Vereidigung. Hieran schloß sich ein Vortrag des neuen Reichs­kommissars über die Neuorganisation der Osthilfe und die nunmehr in Angriff genommenen Arbeiten.

Wie wir erfahren, hat das Reichskabinett die gestern vormittag begonnenen Beratungen über die Leitsätze, die heute den Ausschüssen des Wirtschafts- beirates vorgelegt werden sollen, am Nachmittag und Abend fortgesetzt. Die letzten Entscheidungen über die Wirtschaftsmaßnahmen werden erst ge­troffen werden, wenn die Ausschüsse des Wirt- schastsbeirates ihre Gutachten abgegeben haben.

* Reichsfinanzminister Dietrich sprach in Frank­furt über die Schwierigkeiten der Kredit- und Preis­politik. *

In den Nachoerhandlungen über den von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ab gelehnten Schiedsspruch, der die Löhne der Gemeindearbeiter um 4% Prozent gekürzt wissen will, ist gestern «och keine Entscheidung erreicht worden.

Das ehemalige deutsche KanonenbootPanther", , bekannt durch seinenSprung nach Agadir", wird .Milte-in JüientiMbei: Veroueuuno am AvvruM ver- rausr

Einer Meldung aus Cadiz zufolge, soll der DampferRomeo" bei Las Palmas dem deutschen Dornier-Wasserflugzeug mit der Zulassungsnummer 2069 begegnet sein, das wegen eines Motorschadens auf die Wasseroberfläche niedergegangen sein soll.

Die Postverwaltung des aargebiets teilt mit, daß wegen Ueberschreitung der zugelassenen Kon­tingente die Einfuhr von Butter und Fleischkonser­ven in das Saargebiet mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres verboten ist.

Der französische Botschafter In Berlin Francois- Poncet wird erst heute mit Außenminister Briand Fühlung nehmen, der, wie Havas mitteilt, übrigens auch eine Unterredung mit Botschafter v. Hoesch haben rpird. *

Don deutscher Seite wird festgestellt, daß Fran­cois-Poncet keine deutschen Vorschläge nach Paris übermittelt hat.

Das Völkerbundssekretariat teilt mit: Der Völ­kerbundsrat ist endgültig zum 16. November nach Paris einberufen worden.

In einer Mitteilung an die Presse gibt der All­gemeine Arbeiteroerband (EGT.) die Zahl der Ar­beitslosen in Frankreich mit 500 000 und die Zahl der Kurzarbeiter mit mit 1500 000 an.

In einem Präferenzabkommen über französische Getreideankäufe in Südslawien verpflichtet sich Frankreich, 10 o. H. feiner gesamten Getreide­einfuhr in Südslawien zu taufen, was annähernd 15 000 Waggons entspricht.

Von der österreichischen Generalpoftdirektion wurde gestern allen Telegraphen- und Telephon- abeitern für Kabellegungen, Montage usw. in den Bundesländern gekündigt, da keine Mittel mehr für derartige Arbeiten zur Verfügung stehen. Von dieser Maßnahme werden insgesamt 1230 Arbeiter betroffen.

Der englische König enmpfing gestern im Buckingham Palace die ausscheidenden Minister und die Mitglieder des neuen Kabinetts, um diesen die Amtssiegel zu übergeben. Im Anschluß an diese Zeremonie fand unter dem Vorsitz des Königs eine Sitzung des Geheimen Rates statt.

Meldungen, wonach der russische Volkskommissar des Aeußeren bei seinem Besuch in Angara versucht hat, die türkische Regierung zu überreden, dem Völkerbund nicht beizutreten, werden als vollkom­men unrichtig bezeichnet.

Auf der Höhe von Doulogue ist der Fischkutter Friisoie" von einem Dampfer aus Le Larre ge- gerammt worden. Von der 6 Mann starken Be­satzung des Kutters sind 4 ertrunken, 2 konnten ge­rettet werden.

) Näheres stehe im politischen Teil.

Die Rede Macdonalds

England bat den Vüvgevu aller Nationen ein Beispiel gegeben"

London. 9. Nov. Auf dem Jahresbankett anläßlich der Amkseinsetzung des neuen Lordmayor von London in der Guildhall hielt Premierminister Macdonald eine Rede, in der er u. a. erklärte:Wir haben die Absicht, sobald es die Zustände zulassen, Maßnahmen zu treffen, durch die die englische Währung unbedingt auf einer solchen Basis sta­bilisiert wird, die sie von spekulativen Bewegungen oder Tagesgeschehnissen un­abhängig macht."

Macdonald führte u. a. aus: Wir haben ein nationales Mandat erhalten. Wir sind eine na­tionale Regierung. Das Kabinett und die Regie­rung bestehen aus Mitgliedern aller Parteien, die sich zusammengeschlassen haben, um der Nation bei der Ueberwindung besonderer Schwierigkeiten in ihrem wirtschaftlichen Leben zu dienen. Sich der wirtschaftlichen Lage zuwendend erklärte Macdonald, die Wirtschaft Europas müsse geregelt und rationalisiert werden.

Vorher könne keine Regierung in Europa eine Grundlage für stabile wirtschaftliche und industrielle Bedingungen finden. Die augenblickliche Lage Deutschlands im Verhältnis zum übrigen Teil der SBßli' thpT einst döIIIqshIX b s r =

Holiung" werden, bei der Deutschland selbst ein williger Mitarbeiter sein müsse, und endgültige Vereinbarungen müßten erzielt werden, die erträg­lich und durchführbar seien; die ferner nicht in ihrer Auswirkung zu immer größeren finanziellen und Handelsschwierigkeiten führten, und die nicht ver­hinderten, daß der internationale Austausch der Waren und Dienste in normale Bahnen zurückkehre. Macdonald fuhr fort:

Wir haben den völligen Zusammenbruch der Doktrin nationaler wirtschaftlicher Selbstgenüg­samkeit erlebt, und wir haben den Historikern und den Wirtschaftlern aller Zeiten Wakerial für viele Studien über die Unwirksamkeit und Unzulänglichkeit dieser Doktrin geboten.

Man steht in Wirklichkeit, so fuhr der Premier­minister fort, einer seit dem Kriege erwachsenen Revolution der Ueberzeugungen" gegenüber. Wie alt, wie überleibt, so rief er aus, ist doch die Welt von 19131 Welche Veränderungen haben doch statt­gefunden! Macdonald bemerkte unter Beifall, zwei Probleme seien zu lösen, und er könne die Versiche­rung abgeben, daß seine Kollegen sie auch zu lösen beabsichtigen. Das erste Problem sei, daß die Nation ihr Budget balanciere.

Außerdem müsse die Nation ihren Handel ba­lancieren. Macdonald appellierte an seine Zu­hörer, der Regierung ihr volles Vertrauen zu der Arbeit zu schenken, die sie auf sich genommen habe. Macdonald fuhr fort, es bestehe heute in der Welt ein Währungsproblem, das nicht durch die innere Lage Großbritanniens geschaffen worden sei, und diesem Problem könne nicht erfolgreich ent­gegengetreten werden, bevor sich die Bedingungen der Welt außerhalb gebessert hätten. Es sei nicht nur ein inneres Problem.

Zur augenblicklichen Lage Deutschlands führte Macdonald dann im einzelnen aus: Als ich letztes Jahr von dieser Stelle aus sprach, waren alle von der weltweiten industriellen Depression und der weltweiten finanziellen Krisis bedrückt. Die Bankschwierigkeiten in Oesterreich waren der erste Zusammenbruch. Die Erschütterungen dehnten sich auf Deutschland aus, dasuns warnen mußte, daß es nicht nur mit Regierungs-, sondern auch mit privaten Ausländsanleihen in Verzug geraten müsse." Eine Atempause ist durch Präsident Hoovers rechtzeitige Moratoriumsvorschläge ange» boten worden. Wer kann sagen, was geschehen wäre, wenn der amerikanische Präsident nur ein be­sorgter Zuschauer geblieben wäre? Die Unter­redungen in Paris und die darauf folgenden Kon­ferenzen in London haben, so fuhr Macdonald fort, eine Vereinbarung vorgeschlagen, die Europa zeit mollige Erleichterung gewährte. Die britische Re­gierung befaßt sich mit der Prüfung der gesamten Lage. Aber

es ist Sache der in Betracht kommenden Regie­rungen an erster Stelle Frankreichs und Deutschlands. zu einer Vereinbarung darüber zu gelangen, was jetzt geschehen muß und später, wenn das hoover-Woratorium zu

Ende- gegangen ist.

Dafür darf keine Zeit verloren gehen. Eine Reihe stückweiser und vergänglicher Kompromisse rein zeitweiliger Art wird nicht den Umständen be­gegnen können.

Eine umfassende und dauernde Regelung ist jetzt erforderlich. Alle Staaten müssen jetzt

Zugeständnisse machen ans dem ein- fachen Grunde, daß, wenn sie sie nicht machen, die Weltlage immer schlimmer werden wird, bis ein Zusammenbruch und eine Revolution . der einzige Ausweg sein mögen.

Macdonald fuhr dann fort, die britische Regie­rung habe mit großer Genugtuung von Lavals Be­such in Washington gehört und hoffe, daß darauf ein Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutsch­land folgen möge, das als eine wesentliche Bedin­gung für die Wiederaufbauarbeit in Europa be­trachtet werden müßte. ' Der Premierminister sagte: Wir beabsichtigen, sobald sie durchführbar sind, die Schritte zu tun, die am sichersten dazu

es auf einer endgültigen Basis unabhängig von spekulativen Bewegungen oder tagtäglichen Trans­aktionen machen. Aber die Zeit für die Stablli- sierung muß zum großen Teil von Faktoren ab­hängen, die außerhalb unserer besonderen Kon­trolle sind. Inzwischen wird jedoch, bis das Pfund Sterling wieder endgültig stabilisiert ist, das Hauptziel unserer Politik die wesentliche Auf­rechterhaltung der inneren Kauf­kraft des Pfund Sterlings sein. Der Premier­minister bemerkte weiter, die Stabilisierung des Pfundes ist eine der wesentlichen Bedingungen für einen gesunden Welthandel. Wir haben wichtige eigene Interessen bei jeder Regelung zu wahren, und es ist an der Zeit, daß fremde Länder wissen, daß dies sich so verhält. Die herannahende A b -

r ü st u n g s k o n f er e n z kann nicht gelöst werden I monie, Frieden und Sicherheit zu geben. (Lebhafter und darin schließe ich mich vollkommen Präsi-1 Beifall).

dent Hoover an, von der allgemeinen Weltlage. 1 '1

Der Reichs-inanzminiftev über Kredit und Oreis

Frankfurt a. M., 9. Nov. Reichsfianzminister Dr. Diekrich sprach am Montag in einer internen Parteiversammlung in Frankfurt über die dringendsten Fragen der gegen­wärtigen deutschen Politik.

Er äußerte sich über die Gefahren, die von der Konzernwirtschast her der Allgemeinheit drohen. Die Banken, deren große Leistungen man nicht verken­nen dürfe, hätten den Konzernen gegenüber eine durchaus verfehlte Kreditpobitik getrieben, und man könne die Konzernwirtschaft geradezu als ein Un­glück bezeichnen. Demgegenüber könne die Reichs- regierung nur dafür Sorge tragen, daß in den Großkonzernen nicht noch mehr Geld investiert wird und daß sie sich wieder auf ein normales Maß reduzieren. Daß das möglich ist, werde die Zukunft bei Schultheiß-Patzenhofer zeigen. Wenn man dort alles abschreibt, was nicht in den Konzern Hinein- Sehört, dann sei Aussicht vorhanden, daß in einem ähr die Gesellschaft wieder eine bescheidene Divi­dende bezahlen kann.

In dieser Richtung müsse der Gesundungsweg für die Konzerne überhaupt gehen, denn heute stehe es doch so, daß von der rheinisch-westfälischen Groß­industrie und den Banken kein Pfennig Steuer zu holen sei. Dr. Dietrich habe von Anfang den Stand­punkt vertreten, daß, wenn eine von den vier Groß­banken umfällt, die anderen rettungslos mitgerissen werden. Das wollte ein Teil der Großbanken zu­nächst nicht einsehen, bis ihnen dann endlich die Augen ausgegangen sind. Noch wichtiger als diese Frage sei

die Wiederankurbelung der Kapital- und Kredit- versorgung der selbständigen einzelnen Unter- nehrner.

Hier wäre alles noch unentschieden. In diesm Zu­sammenhang streifte Dr. Dietrich dann das Re­parationsproblem. Die Reparationsfrage stoße sich an den verschiedenen und einander widersprechenden Interessen Ame­rikas und Frankreichs. dieser Aus­einandersetzung müsse sich selbstverständlich bie*

Die britische Regierung wird ihr äußerstes tun, um den Erfolg dieser Konferenz sicher zu stellen.

Macdonald lenkte hierauf die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf gewisse hoffnungsvolle An­zeichen für ein Wiederaufleben des britischen Han­dels. Die Zahl der Arbeitslosen habe sich in den letzten fünf Wochen um 144 000 verringert. Diese Besserung sei zum Teil in großen, wichtigen Industrien, wiè z. B. der Baumwollindustrie und ähnlichen erfolgt.

Maadonald sagte in seiner Rede weiter: Wir stehen einer unglücklichen und ungeordneten Welt gegenüber, die nur durch Kaltblütigkeit und Energie befriedet und in Ordnung gebracht werden kann. Ich glaube, daß England durch seine Wahlen zwei große Dinge zustande gebracht hat. Es hat in den Herzen aller Männer und Frauen den Glau­ben und das Vertrauen zur repräsentativen Demo­kratie wieder hergestellt.

Es hak aber noch mehr getan. Es hak nämlich den Bürgern aller Rationen der Welt, die Selbstregierung besitzen, ein Beispiel dafür ge­geben. daß es bei einer nationalen Rotlage keine Weinu ngsverschiedenheiten gibt, sondern daß alle Klassen und alle Par­teien aller Richtungen beim Eintreten solcher Rotlage sich in einer gemeinschaftlichen An­strengung zusammenschließen. um der Welt den nötigen Wut und den entschlossenen Willen zu geben, sich durch diese Schwierigkeiten hiu- durchzuarbeiten, und der ganzen Welt zu zeigen, was «attanale Einigkeit ist, und wie diese nationale Einigkeit zustande gebracht werden kann.

. Macdonald schloß: Bei dieser Pionierarbeit, die nicht in einem Tage oder einem Monat geleistet werden kann und die auf mancherlei Hindernisse stoßen wird, muß das ganze Volk mithelfen. Jeder einzelne hat bei diesem Unternehmen eine große Rolle zu spielen. Die britische Regierung und ich glaube hierbei im Namen aller an dieser großen Bemühung beteiligten Parteien zu sprechen, wünscht in Reih und Glied mit anderen Nationen im Osten und Westen zusammenzuwirken, die in der Erkenntnis, daß kein Volk für sich allein be­stehen kann, ihren Einfluß und ihren Wohlstand benutzen wollen, um jeder einzelnen Nation Har-

Reichsregierung durchaus zurückhalten. So viel sei allerdings klar, daß für die Lösung der Frage die deutschen kurzfristigen Schulden an das Ausland die Wiedereinschaltung Deutschlands in die Weltwirt­schaft nötig sei, die ihrerseits wieder davon ab­hängt, daß das ganze Kreditwesen der Well be­stehen bleibt.

Die Sorgen für die Zukunft und für den bevor­stehenden Winter seien nicht gering. Der Steuer­schwund, den das Reich heute erlebt, gehe auch über die Grenzen hinaus, die man vor Monaten bei vorsichtiger Kalkulation glaubte feststellen zu können. Das Reichsfinanzministerium kann, um nur ein Beispiel zu nennen, es nicht wagen^ mehr als 25 Prozent des heutigen Eingangs der Körper­schaftssteuer in den nächsten Etat einzusetzen. Dem­gegenüber sei erfreulich, daß endlich die Vermögens­steuerdeklarationen in einem geradezu unerwarte­ten Umfang nachgeholt werden. Das mildere natürlich den starken Ausfall auf der anderen Seite, wenn es ihn auch nicht wettmachen kann.

Die Frage, ob wir durch den Winker kommen, glaubt Dr. Dietrich mit 3a beant­worten zu können. Das deutsche Volk, das sich ernähren kann und sich auch diesen Winter ernähren wird, muß vertrauen zu sich selbst haben.

Bei der Frage der Preissenkung und Zinsenreduzierung sei die Währungslage in Europa zu berücksichtigen. Neben Deutschland haben nur Holland und die Schweiz die Borkriegs­währung, während die übrigen Länder zum Teil eine inflationierte oder reduzierte Währung haben.

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