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znontag, ven 9. November 1931

Nr. 263

gans bekannt ist, eine langatmige Rede, in der er von der weltbeglückenden Mis­sion der Vereinigten Staaten sprach. Un­mittelbar darauf bestieg Senator Borah die Rednertribüne. Er begann mit den Wor­ten: „Gentleman, eben hörten sie die Stimme des Goldes. Was ich Ihnen zu sagen habe, ist bei weitem nicht so verlockend. Es ist, leider, nur die nackte Wahrheit. Sie geht nie in gol­denem Gewand." Diese Redewendung Borahs erregte in Amerika das größte Aufsehen.

Es wäre aber falsch, daraus zu schließen, daß Borah ein weltfremder Idealist sei und seine Politik auf tatenlose Spiegelfechterei beschränke. Schon die Tatsache allein, daß Borah zum Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Senats gewählt wurde und somit die parla­mentarische Kontrolle über die Außenpolitik der amerikanischen Regierung in seinen Hän­den hat, beweist, daß sein Einfluß, gestern noch problematisch und heute im Steigen be­griffen, morgen schon ausschlaggebend werden kann.

Die französische Politik, wenn sie auch wei­terhin auf der Aufrechterhaltung der franzö­sischen Hegemonie in Europa beharren sollte, würde in der Person Borahs einen Widev« facher gegen sich haben, dessen Stoßkraft nicht zu unterschätzen wäre.

Lava« sucht Bviand zu beruhige«

(ForU-'—na von Seite 1) *

sich aus einen Angriff auf die einige tausend Mann starken chinesischen Truppen unternommen hätten. Ueberüies würden die japanischen Truppen sofort zurückgezogen werden, sowie die Brücke wieder auf- gebaut sei, was etwa vierzehn Tage in Änfpruch nehmen werde.

In Pariser diplomatischen und politischen Krei­sen zeigt man sich äußerst besorgt über die Ent­wicklung in der Mandschurei. Man befürchtet, daß nach den Kämpfen am Nonni-Fluß die japanischen Truppen noch weiter nach dem Nor­den der Mandschurei vordringen können. Dort aber müssen sie unbedingt in die Inkeressenzone der Sowjet einbringen und dann droht auch eine militärische Intervention Rußlands.

LNoSkim Meist bie Oktober-

RevolttNott

Moskau, 8. Nov. (Telegraphenagentur der Sow­jetunion). Bei der Feier des 14. Jahrestages der Oktober-Revolution fand auf dem Großen Platze eine Parade der hiesigen Garnison statt. Sie wurde von Woroschiloff abgenommen, der eine Be­grüßungsansprache hielt. Der Parade wohnten bei das Diplomatische Korps und die Militärattaches der fremden Mächte. Im Anschluß an die Truppenschau ergossen sich die Arbeitermassen Ler verschiedenen ■ Stadtbezirke auf den Roten Platz und marschierten ■ am Lenin-Mausoleum und an der Tribüne vorbei, aus der sich die Mitglieder der Regierung und des Politischen Büros des Zentralkomitees der Russi­schen Kommunistischen Partei mit Stalin, Molctoff, Woroschiloff und Kalinin an der Spitze befanden. Die Arbeiter führten rote Fahnen und Tafeln mit sich, auf denen die Leistungen der einzelnen Betriebe geschildert wurden. Auf einigen Tafeln standen auch Lobungen, wie die folgenden: „Mit Stahl und Eisen festigen wir die Macht der sozialistischen Industrie!" „Den 5-Jahr-Plan erfüllen wir restlos in 4 Jahren!" „Wir wollen keinen Krieg, aber wir werden uns auch keinen Zoll unseres Bodens entreißen lassen!". Außerdem führten die Demonstranten auch Attrap­pen und Karikaturen im Zuge mit sich, die sich auf internationale Ereignisse bezogen und u. a. die Hal­tung des Völkerbundes im japanisch-chinesischen Kon­flikt verspotteten sowie die Ziele der Imperialisten an den Pranger stellen sollten. Etwa 1^ Millionen Personen nahmen an der Kundgebung teil. Der Vor­beimarsch der Kolonnen dauerte bis spät in den Abend hinein. Vom Beginn der Dämmerung an erstrahlte Moskau im Lichte elektrischer Transpa­rente und Schaubilder, die den von der Sowjetunion in den letzten 14 Jahren zurückgelegten Weg und deren Erfolge veranschaulichten. Als sinnfälliger Ausdruck der Leistungen der Sowjetindustrie' im dritten Jahre der Ausführung des S-Jahr-Planes waren ferner auf besonderen Postamenten auf Plätzen und Straßen der Stadt Erzeugnisse der Sowjetindustrie wie Traktoren, Automobile, Pro­pellerschlitten usw. ausgestellt worden.

Zurückbevuinng Gandhis durch di« Konsveh-Vavtel

Bombay, 7. Nov. In einer vierstündigen außer­ordentlichen Sitzung des Arbeitsausschusses der Kon­greß-Partei wurde der Beschluß gefaßt, Gandhi mit- Mteuen, daß seine weitere Anwesenheit bei der Rundtisch-Konferenz unnötig erscheine. In dem Tele- gramm an Gandhi wurde ferner seine Aufmerksam­keit auf die sich schnell verschlechternde Lage in Ben­galen, der nordöstlichen Grenzprovinz und an an« oeren Orten gelenkt Es wurde der Ansicht Ausdruck gegeben, daß seine baldige Rückkehr nach Indien wünschenswert und eine lange Reise durch den europäischen Kontinent unratsam sei. Gandhi erhielt die Nachricht in Oxford, wo er inmitten von Freun­den den eonntag verbrachte.

OfthNfe-vevovdnuns

-;^e«^' ^^^'..Amtlich wird mitgeteilt: Zur einheitlichem Durchführung der zur Linderung der „.£'" ^" .° 5 z e b i e t e n vorgesehenen Mah- nabmen her janbmir^ Entschuldung wird sür die Osthilfe bestellt.

^n^i^bkommissar hat ferner die Aufgabe, auch bei den übrigen Maßnahmen zur Linderung wie sie insbesondere im JWlfecjefejjes vorgesehen sind, ft ^ P.âik der Reichsregierung

-8â Landerregierungen hinzuwir- versteht dem Reichskanz- UU1 asn 'ra^ Reichspräsidenten vom errrichtete Oststelle wird aufge- lost. Ihre Aufgaben gehen auf den Reichskommissar für die Osthi fe über. Der Reichskanzler erläßt bie näheren Bestimmungen zur Ausführung dieses Erlaßes, (gez. Unterschriften.)

Dev Wahlkamv- in Geffen

Zwei Wahlrede»: Augenbevg und Dletvdh

«EVas bedeutet âât^btwa^ Handel ist naturgemäß entscheidend die Konkurrenz.

* fahigkest, d. h. die Höhe der Gestehungskosten im

Darmstadt, 8. Nov. In einer Rede in einer deutschnationalen Wahlkunügebung in Darmstadt setzte sich Dr. Hugenberg heute mit der Frage auseinander: „Was bedeutet H a r z b u r g?" Er führte u. a. aus: Nicht umsonst heißt es in der gemeinsamen Entschließung der ver­einigten Parteien und Bünde: „Geächtet ist jeder, der unsere Front zerfetzen will." Wir sind doch sämt- lich keine Kinder, die so etwas heute machen und morgen auseinanderlaufen. Es ist völlig richtig, daß von nationalsozialistischer Seite gesagt wurde: Es handelt sich um ein Zweckbündnis zum Sturz eines verderblichen Systems. Da aber in der Politik ein System nur dann ge­stürzt werden und gsstürzt bleiben kann, wenn ein neues System und Programm und eine neue Macht an die Stelle der alten tritt, so bedeutet die ge - meins ameNega'tion des Best ehenden selbstverständlich auch die gemeinsame Be­jahung des Künftigen. Die Harzburger Kundgebung läßt darüber keinen Zweifel. Daß die Gegner sich bemühen, Zwietracht zu säen, ist selbst­verständlich; daß es dem Zentrum und den Gewerkschaften erwünscht sein würde, mit denNationalsozial!sten in ähnlicher Weise ihren Sonderpakt zu machen, wie früher mit den damaligen Deutschnationalen, ist ebenso selbst­verständlich. Während man sich in der Presse und in Reden gegenseitig Grobheiten sagt, sickert aus Dutzenden von „vertraulichen" Quellen Lie heiße Sehnsucht des Zentrums nach einem solchen Sonder­pakt durch. Es wäre aber töricht anzunehmen, daß Zentrum und Gewerkschaften immer wieder in glei­cher Weise ihren Dummen finden müßten. Es gibt eine gewisse Logik der Tatsachen, über die auch die größte Geschäftigkeit nicht hinwegkommt. An dem Bestände und der Zukunft des Zen­trum schaben ja nicht alle Deutschen ein unbedingtes Interesse — auch diejenigen nicht, die immer wieder erklärt haben, daß sie bereit seien, auf ehrlicher Grundlage mit dem Zentrum zu­sammenzuarbeiten. AuchdieNationalsozia- l ist e n haben — was das Zentrum nicht wundern wird — dieses Interesse nicht.. Das im übrigen über manche Fragen die Auffassungen der Deutsch­nationalen und der Nationalsozialisten auseinander­gehen, ist oft betont. Sonst würden es ja auch nicht zwei verschiedene Parteien sein. Ich habe zum Bei­spiel gestern in Gießen und heute hier deutlich be­tont, daß wir Deutschnationalen nicht Sozialisten, sondern ausgesprochene Anhänger der Privatwirtschaft sind. Wir haben auch nicht die Absicht, wie es irgendwo einmal von nationalsozialistischer Seite liebenswür- )ig angedeutet worden ist, uns als Mischmasch zu ahlen, uns als Vorspann benutzen und dann — da- >ei wurde als Muster Mussolini genannt — einen Fußtritt geben zu lassen. Fassen Sie das bitte als jugendlichen Ueber schwang auf, entfallen Sie ruhig denselben jugendlichen Ueberschwang. Sollten n dieser oder in anderer Beziehung Meinungsver- chiedenhèikèn und Schwierigkeiten entstehen, so wird ras gemeinsame Interesse zur Sache und Vaterlande den Ausweg weisen.

zum

Dv. DretvM

Darmstadt, 8. Nov. In einer Wählerversammlung »erHessischenStaatspartei sprach heute abend Reichsfinanzminister Dr. Dietrich, der u. a. ausführte: Die Weltwirtschaftskrise ist zur Un­erträglichkeit gesteigert worden durch die Vertrauens­krise, die nicht nur das Verhältnis der Völker unter­einander zerstört, sondern auch den Verkehr inner­halb der einzelnen Volkswirtschaften erfaßt hat. Das Mißtrauen hat das ganze Kreditgebäude der Welt zerstört, den Sturm auf Deutschland hervorgerufen

,Einstellung der deutschen Außenzahlungen geführt hat, den Abzug der kurzfristigen Gelder aus England gebracht, in dessen Verfolg das Pfund ab­sackte. In der Wirtschaft der einzelnen Völker aber hat die Sorge um den Verlust von Geld und Kapital oazu geführt, daß die einzlnen Bürger Gold oder, wo das nicht ging, Banknoten gehamstert haben. In Deutschland liegen mindestens l^ > l u in den Brieftaschen und in Den Geldschranken, die dadurch ihrer Aufgabe entzogen werden. Ohne Wiederherstellung des allgemeinen Vertrauens kann es keine geordnete Weltwirtschaft geben. Um das Vertrauen wiederher- zustellen, sind vornehmlich zwei Dinge notwendig: Eine Regelung der Abtragung der kurzfristigen schulden sowie eine Ordnung der Reparationen und der internationalen Verschuldung, die tragbar ist. Zu dem Streit was vorgeht, Privatschulden oder poli- tische Schulden, will ich mich nicht äußern aber das eine sagen, daß die Voraussetzung dafür, daß Deutschland überhaupt zahlen s°"!!-?^^^'»kdereinschaltung in das Kredltgebaude der Weltwirtschaft ist Voraussetzung hierfür ist die Regelung der kurz- fristigen Schulden. Ohne Behebung dieser Hemm- nlsse kann der deutsche Außenhandel nicht gedeihen und die Zahlung von politischen Schulden wird da­mit utopisch. Wenn man die deutsche Krise für sich betrachtet, so sind zwei Gebiete zu untersuchen- Au­ßenhandel und Binnenwirtschaft. Für den Außen-

Masfetivevhafttmgen in âönigSbevg

Königsberg, 8. Nov. Die N. S. D. A P ver­anstaltete heute nachmittag in der Reitbahn des Tattersaals eine Fahnenweihe, an der mehrere Hun­dert uniformierte Nationalsozialisten teilnahmen. Ein großes Aufgebot an Schutzpolizei verhaftete sämtliche uniformierten Nationalsozialisten Sie wurden in einer langen Kette von Lastautos in das Polizeigefängnts gebracht. Zu irgend welchen Zu­sammenstößen ist es nicht gekommen. Die Ration^.

nicht gekommen. Die National- den Autos „Heil Hitler!" und

sozialisten riefen von den Autos „Heil Hitler!" und „Deutschland erwache!" und marschierten in den Hof des Polizeigefängnisses Arm in Arm. Vor Lem Polizerpräsidium hatte sich ein nach hunderten zäh- lende Menschenmenge angesammelt.

Verhältnis anderer Nationen. Insoweit sitzen wir sehr ungünstig, weil durch die Entwertung des Pfun- des die deutsche Konkurrenzfähigkeit gefallen ist. Für die Binnenwirtschaft ist es an sich gleichgültig, auf welchem Preisniveau sie sich entwickelt, sofern nur die Verteilung des wirtschaftlichen Ertrages auf die verschiedenen Berufsgruppen in Ordnung ist. Ent­scheidend sind hier die Kosten der öffentlichen Hand, der sozialen Versicherung und des Kapitals, d. h. der .Zinsen. Daß eine Verringerung des Staatsapparates und damit eine Kostenersparnis noch auf Jahre hin­aus notwendig sein wird, ist unbestritten. Die Kosten der sozialen Versicherung finden wir heute hauptsäch­lich in dem Aufwand für die Arbeitslosen. Die un­erhörte Summe von über 3 Milliarden, die wir o h n e G e g e n w e r t für die an sich arbeits willigen Menschen ausgeben, istderKernpunkt unsererinnerenNöte. Wieweit hier mit Ar­beitsbeschaffung geholfen werden kann, ist ein wei­terer Streitpunkt. Aber an eins müssen wir denken: eine Entwicklung hervorzurufen, bei der wir einen krisenfesten Arbeiter schaffen, d. h. einen Arbeiter, den nicht der Verlust der Arbeits­stelle sofort besitz- und mittellos macht, also einen Mann mit einem eigenen Häuschen und so viel Land, daß er sich darauf einen erheblichen Teil seines eigenen Bedarfs produzieren kann. Daher die Randsiedlung an der Großstadt, die auf mein Be­treiben zurückzuführen ist. Was die Höhe der Zin­sen angeht, so sind hier gewaltsame Eingriffe sehr zu überlegen. Aber es gibt doch vielleicht andere Mittel. Vor allem muß man sehen, daß die Zinsspanne, die viel zu hoch ist, heruntergedrückt und dafür gesorgt wird, daß das vorhandene Kapitel richtig verteilt wird, das jetzt in einem zu starken Ausmaß an die großen Kredit- nehmer ausgeliehen ist.

Im Zusammenhang damit ging der Minister nochmals auf den Bankenkrach ein und stellte fest, daß selbstverständlich die Inhaber der Banken, von Herrn Goldschmidt angefangen, mit ihrem letz­ten Pfennig für die Banken haften, und daß deren Vermögen festgestellt und verhaftet ist, ferner, daß die Direktoren sowohl der Darmstädter wie der Dresdner Bank bei der Stützung ihrer Unternehmen ihr Vermögen wohl im wesentlichen eingebüßt haben. Die Verträge, die sie hatten, sind in keinem Falle respektiert worden. Denen aber, die meinen, die Stützung der Großbanken wäre falsch gewesen, müsse man sagen,.daß, wenn es nicht gelungen wäre, den Zusammenbruch auszuhalten, ein Bankwesen in Deutschland heute nicht existierte und der Zusammen­bruch der Banken die Genossenschaften und Spar­kassen mit in den Ruin gerissen hätte. Der Minister setzte sich dann mit aller Entschiedenheit für eine mfttelständische Politik ein, die in erster Änie in einer Entlastung des Hausbesitzes bestehen müsse.

Verlin, 8. Nov. Sie heute abgehaltene 8. Reichs- agung des Friedensbundes deutscher Katholiken begann mit einer feierlichen Friedensmesse, die Bischof Dr. Schreiber in der katholischen Friedens- ;edächtniskirche am Hummannplatz hielt und bei )er ein deutscher und ein französischer Priester das Abendmahl spendeten. Um 12,30 Uhr trat dann ...... ........... °.er Kongreß im Herrenhaus zusammen. Der Vor- Zur außen- und innenpolitischen Lage stellte er sich ^r- Gunst aus Huesten in

auf den Standpunkt, niemand in der Welt mache um <1“ E .'^u^ die zahlreich anwesenden Be- ~ - ......- ------ yordenvertreter und dankte insbesondere Bischof

Dr. Schreiber, daß er sich als Protektor des Kon- Wffe^en die Spitze ter

der schönen Augen Deutschlands wMen Politik, und es sei pure Einbildung zu glauben, daß uns irgend

jemand um' üMM willen 'M' Hlife w

Santo find nur öie eigenen Interessen maßgebend, wenn diese auch heute mit den unfrigen auf Tod und Leben so verbunden sind, daß unsere ehemaligen Gegner in ihren Entschließungen nicht frei sind. Die Staatspartei unterscheide sich von den rechts von ihr stehenden Gruppen nicht in der nationalen Gesin­nung, sondern nur in den Mitteln und Methoden, die sie anwenden wolle. Sie habe soviel gelernt aus den Vorgängen von 1918 und 1919, daß es nicht bester werde dadurch, daß man dem Radikalismus nachlaufe, wie es damals diejenigen getan haben, die ohne eigene Ueberzeugung zu den Sozialisten und Kommunisten liefen. Dieselbe Enttäuschung werde denjenigen nicht erspart bleiben, die jetzt in Haufen nach, rechts rennen und glauben, daß dadurch die Singe sich bessern würden. Es werde vielmehr zäher und langer Kampf aller verfügbaren Kräfte des deutschen Volkes nötig sein, um durch die Misère hin- durchzukommen.

Ehvrft rch-Sozralev volks- dienst gegen bie heMche

ResrevunssSoarLLkon

Mainz, 7. Nov. Die Reichstagsfraktion des Christlich-Sozialen Volksdienstes tagte heute in Mainz und besprach die politische Lage und die hessischen Landtagswahlen. Die Politik der Reichs­tagsfraktion hat im ganzen Reich und in den hessischen Volksdienst-Kreisen Zustimmung gefunden. Die Fraktion nahm sodann einen Bericht des hessi­schen Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Greb-Mainz entgegen, der der Auffassung Ausdruck gab, daß die bevorstehenden hessischen Landtags­wahlen die Aufgabe haben, die Machtstellung der bisherigen Regierungskoalition, die sich als dem evangelischen Volksteil, seinen Forderungen und Idealen nachteilig erwiesen habe, zu brechen. Der Volksdienst fordere alle bewußt Evangelischen auf, das Ihrige zu tun, um dieses Ziel, zu dem sich der Volksdienst bekennt, zu erreichen. Die Reichstags­fraktion hat von dieser Stellungnahme des hessischen Landesverbandes Kenntnis genommen und sie ein­stimmig gebilligt.

Die Zahl der vechafteten uniformierten National­sozialisten beläuft sich nach einer späteren Meldung auf 800 Mann. Unter den Verhafteten befinden sich auch -der Reichstagsabgeordnete Koch und der ost- preußische SA.-Führer Quitzrau. Im Polizei- Präsidium wurde sofort die Vernehmung der Ver- hafteten eingeleitet Soweit die Personalien ein- wandfrei festgestellt werden konnten, wurden die Verhafteten wieder freigelassen. Zu Zusammenstößen ist es nicht gekommen.

Auch gestern kam es in Warschau an verschie­denen Punkten der Stadt zu judenfeindlichen Aus­schreitungen. Nationalistische Studenten durchzogen die Stadt und drangen in die Straßenbahnwagen, um indische Mitfahrer zu entfernen. Die Polizei ging gegen die Studenten vor und stellte 100 Per- 'onen fest.

Dev neue pveutzlsche

Sivammkuistev

Dr. Otto Klepper

Bettin, 7. Nov. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Der preußische Minister­präsident Dr. Braun hat auf Grund des Artikels 45 der preußischen Verfassung den Präsidenten der Preußischen Zenkralgenossenschafkskasse (Preußen­kasse) Otto Klepper zum Finanzminister er­nannt.

Der neue preußische Finanzminister ist am 17. August 1888 in Brotterode (Kreis Schmal« kalben) geboren. Nach Ablegung der großen juristi­schen Staatsprüfung wurde er 1931 Syndikus des Reformbundes der Gutshöfe in Bad Nauheim. Mitte 1923 übernahm er das Amt eines Geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes des Domänenpächterverbandes, um später nach Gründung der Deutschen Domänenbank (Deutsche Pächter-Kreditbank), an der er an maß­gebender Stelle mitgewirkt hatte, im Oktober 1924 Vorsitzender des Vorstandes dieses Instituts zu wer­den. Anfang 1928 wurde Klepper zum Präsiden­ten der Preußischen Zentralgenossenschastskasse ernannt.

3HW Schvewev über ^deâ und Lvreden"

Achte Reichstagung des Friedensbunde» deutscher Katholiken

vciucyuny in ^eurjqyiano gefreut gäbe. Zweck des Kongresses sei, die innere Be frie» digung der Welt für die im nächsten Februar ftallflndende Abrüstungskonferenz vorzuarbeiten. Nach ihm sprachen die Vertreter der ausländischen katholischen Friedensorganisationen. Drei fran­zösische Vertreter erklärten u. a., daß auch ihre Landsleute anerkennen müßten, der jetzige Friedensvertrag sei auf die Dauer unhaltbar. Nach ihnen kam ein polnischer und ein holländischer Vertreter zu Wort. Den Schluß bildete eine mit stürmischem Beifall ausgenommene Rede des Bischofs Dr. Schreiber über das Thema „Krieg und Frieden". An der Spitze ferner Ausführungen hatte er die These, daß es

et”e.n gerechten Krieg gebe, näm- uch den Krieg der Notwehr eines Staates gegen unbefugte. Eingriffe äußerer Feinde, die feine Existenz bedrohten, als gemeinsame Geisteshaltung des Friedensbundes deutscher Katholiken charak­terisiert. Ein solcher Krieg sei sittlich erlaubt, ja sogar sozial-Mstsche Pflicht. In diesem Sinne wür-

di« im Weltkriege gefallenen Soldaten verherr- lcht. Allem jeher, selbst der gerechteste Krieg, habe so viel moralisches und materielles Elend ™ Gefolge, daß es Pflicht aller Menschen fei, sich für die Herbeiführung des Friedens unter den Nationen einzusetzen. Leider ständen der Er­reichung dieses Zieles außerordentliche Hindernisse entgegen. Dr. Schreiber erklärte: „Wir denken da an gewiffe Bestimmungen desVersaillerVer- trages, die nach den Erfahrungen der letzten 10 Jahre keine Befriedung Eropas auf­kommen lassen Wir weisen hin auf die Kriegs- rustungen, die in dem Maße als sie aufrechterhalten und fortgesetzt werden, eine ständige Beuntuhlgung der Völker und Bedrohung des Völkerfriedens sind. „Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen kam dann Bischof Dr. Schreiber auf die Frage der Kriegsschuld zu sprechen und erklärte, es wäre an der Zeit, unter die Vergangenheit den großen Strich des Vergessens und Vergebens zu setzen. Es müsse viel­mehr der Geist der Verständigung, der Versöhnung, des Friedens sich durchsetzen. Das heiße Anerken­nung der vollen Gleichberechtigung.aller Völker auch des deutschen Volkes, gleichzeitige allgemeine Abrüstung und Ausbau des Völkerbundes zu einem wirksamen, machtvollen Organ der Sicher­heit für jeden einzelnen Staat und den Frieden un­ter allen Völkern. — Der Kongreß wird heute und morgen in mehrerer öffentlichen Kundgebungen die Stellung der Katholiken zum Militarismus und für Abrüstungsfrage erörtern.

Siadtvevoednetenwable» in Avemevkaven

Bremerhaven, 9. Nov. Bei den gestrigen Stadt­verordnetenwahlen in Bremerhaven erhielten- So­zialdemokraten 3799 Stimmen, 11 Sitze (bisher 151 Staatspartei 509 Stimmen, 1 Sitz (4) Zentrum 327 Stimmen 1 Sitz (IL Wirtschaftspakts Stimmen, 3 Sitze 6), Nationalsozialisten 3068 Stimmen 9 (0), Deutschnationale 1275 Stim-

men, 4 Sitze (1928 in der bürgerlichen Vereinigung, Kommunisten 1847 Stimmen, 5 Sitze (2), büraer- li4e ißereinigung 549 Stimmen, 2 Sitze (2). Sie Wahlen sind ruhig verlaufen.