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«S. 263
Montag den
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6. K-vembev
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Die Mtt Gespräche
Uevevvakchende Nevufung des kvamSKschen Notschattees in Neelin nach Paris
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Die Notverordnung des Reichspräsidenten über die Umgestaltung der 'Osthilfe ist am Samstag veröffentlicht worden. Reichsminister Treviranus wird am Montag die Geschäfte als Ostkomissor dem neuen Kommissar Schlange-Schöningen abgeben.
* Der preußische Ministerpräsident Otto Braun hat den Präsidenten der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse, Otto Klepper, zum Finanz- minister ernannt. *
• Der erste Vorsitzende des Dorstandes des Norddeutschen Lloyd, ' Generaldirektor Geheimrat Dr. h. c. Stimming ist einer Lungenembolie im Krankenhaus Bethanien in Hamburg erlegen. Der Reichspräsident hat der Gattin und der Familie des Verstorbenen in einem herzlichen Handschreiben seine Teilnahme ausgesprochen.
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Nachdem am Samstag mittag, am Tag« der Ablaufsfrist für die Erklärung zum Schiedsspruch der Gemeindearbeiter, beide Parteien, der Kommunale Reichsarbeitgeberverband und die Gewerkschaften, den Schiedsspruch, der eine 4^prozentige Senkung der Löhne für die Gememdearbeiter vorsah, abgelehnt haben, hat der Reichsarbeitsminister die Parteien für heute nachmittag, 14 Uhr, zu Nachverhandlungen eingeladen.
In der gestrigen Vorstandssitzung der BIZ. Lat man, wie verlautet, sich bereits mit der Frage der Ernennung eines Sonderausichufses zur Prüfung der deutschen Lage beschäftigt. Anlaß dazu gab die 'hier herrschende Erwartung, daß Deutschland in Kürze die Einberufung eines solchen Ausschusses beantragen könnte. *
Die französische Abteilung des Deutsch-französischen Wirtschaftsausschusses hat unter dem Vorsitz des Unterstaatssekretärs Gignoux am 6. und 7. November mehrere Sitzungen abgehalten. Es wurden folgende vier Unterausschüsse gebildet: 1. Handelsbeziehungen: Fougère; für den Handelsaus- schuß Elbel; für das Verständigungskomitee Theodore Laurent; 2. Transporte: de Vouguö und Dcmitry; 3. gemeinsame Interessen: Albert Buisson;
4. auswärtige Zusammenarbeit: Louis Marlio.
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Bei der Eröffnung der Tagung der italienischen Handelskammern im Ausland hielt Mussolini eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die Handelskammern sich auch mit der Einfuhr beschäftigen sollten. Man müsse die Einfuhr nach Möglichkeit von den Ländern nehmen, nach denen die italienische Ausfuhr gehe, und mit ihnen loyal zusammenarbeiten.
Laut „Star" bereitet das britische Luftfahrt- ministerium den Bau des größten Personenflugzeugs in der Welt vor. Das Flugzeug wird 120 Personen befördern können und soll für den transatlantischen Dienst mit Kanada verwandt werden. Die Flugstrecke nach Kanada, die ohne Zwischen- landung bewältigt werden soll, beträgt 2500 Meilen.
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Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen der südslawischen Parlamentswahlen wurden mit starker Mehrheit Handelsminister Kumanudr, Unterrichtsminister Maximowitsch, Arbeitsminister Kramer, ferner die Minister Usunewitsch und Sichkitsch gewählt. Auch der Kandidat der deutschen Minderheit, Dr. Kraft, wurde gewählt, ebenso Santo, der Vertreter der ungarischen Minderheit. Im Durchschnitt betrug die Wahlbeteiligung 70 Prozent, in einzelnen Wählgebieten 85 Prozent.
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Reuter meldet aus Tokio, daß sich unter den bei den Kämpfen am Nonni-Fluß getöteten 200 Chinesen auch die Leiche eines sowjetrussischen Offiziers befunden haben soll. Die Zahl der in diesen Gefechten umgekommenen Japaner wird mit 36, die der Verwundeten mit 140 angegeben. Das bereits gemldete Gerücht von den Zusammenziehungen von chinesischen Verstärkungen nach Anganki hat sich unterdessen zu einer japanischen Auslassung aus Charbin verdichtet, die davon spricht, daß die Truppen des Generals Matschantschan konzentrisch gegen Anganki und Tahsing vorgehen.
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Während der Quai d'Orsay bisher erklären ließ, daß die Frage der Zusamrnenberufung des Volkerbundsrates im Zusammenhang mit dem mandschurischen Konflikt noch nicht entschieden sei will die Pariser Ausgabe der „Chicago Tribune von gut unterrichteter Seite erfahren haben, daß Briand die Tagung schon für den 13. November nach Poris einberufen wolle. Eine amtliche Bestätigung dieser Nachricht liegt nicht vor.
Näheres flehe tm polititoen Teil
Kran^ois-V-neet vermittelt
Paris, 8. Nov. Der französische Boffchafter in Berlin, Franyois-Poncek, ist heute nachmittag um 2 Ahr hier eingetroffen. Dieser unvermuteten Reise wird eine besondere Bedeutung beigemessen. Während Botschafter von Hoesch in der vergangenen Woche mit Laval und Alandill mehrere Besprechungen hatte, unterhielt sich zur selben Zeit Aranyois-Poncet mehrfach mit Reichskanzler Brüning, Staatssekretär von Bülow und Aiaanzminister Dietrich. Gegenstand der Unterhaltung waren hier wie in Berlin die Frage der Reparationen, die kurzfristigen Kredite, ihre Verbindung untereinander sowie die Priorität der einen oder der anderen Frage. Die Verhandlungen scheinen derart fortgeschritten zu sein, daß der französische Botschafter es für zweckmäßig erachtete, die von dem Reichskanzler gemachten „konkreten und ins einzelne gehenden" Vorschläge" dem französischen Ministerpräsidenten
persönlich zu unterbreiten.
Von anderer Pariser Seite wird gemeldet: Die plötzliche Pariser Reise des französischen Botschafters Fran?ois-P oncet, hat in Paris nicht allein das größte Interesse erweckt, sondern auch zu Gerüchten Veranlassung gegeben, die sich auf den gegenwärtigen Stand der französisch-deutschen Besprechungen beziehen. Es wird behauptet, daß die Verhandlungen des deutschen Botschafters von Hoesch mit dem Ministerpräsidenten Laval und insbesondere mit Finanzminister Flandin ziemlich schwierig seien, und es einer „vermittelnden Hand bedürfe, um den toten Punkt zu überwinden.
Die Forderung der Pariser Regierung, den Beratenden Ausschuß der BIZ. nur in dem engen, den herrschenden, Verhältnissen .nicht lyM.-Mlägenden Rahmen des A ,ung-Plan es arbeiten zu taffen, wurde durch die deutschen Darlegungen als unerfüllbar nachgewiesen. Ohne eine Annäherung des französischen Standpunktes an den deutschen besteht also keine praktische Möglichkeit, das Reparationsproblem und die Frage der Kurzkredite zu klären. Der deutsche Botschafter Herr von Hoesch gab in seiner vorgestrigen Unterredung mit Laval zu verstehen, daß die Reichsregierung eine grundsätzliche Umgestaltung der dem Beratenden Ausschuß zustehenden Aufgaben als notwendig erachte. Herr Laval soll sich dahin geäußert haben, es werde unter diesen Umständen schwierig sein, die Brücke zu einer Verständigung zu finden. Man kann daher die Mission des Botschafters Fran?ois-Poncet als entscheidend für den weiteren Gang der Ereignisse betrachten.
Womit kam Francois-Poncet nach Paris? Es verlautet in französischen Regierungskreisen, daß
Schwere Ausscheettunsen in Tientsin
Ma» beküvKtet, daS die Savanev T enikin besetze«
Peking. 9. Nov. In der Nacht vom Sonntag auf Wontag ist es im chinesischen Viertel in Tientsin zu schweren Ausschreitungen gekommen. Ueber diese Ausschreitungen
liegen folgende Meldungen vor:
Ein Pöbelhaufen von 1000—2000 Mann hat die chinesische Polizeistation und anscheinend auch dw Residenz des Gouverneurs angegriffen. Nach Mitternacht war das Gewehr- und Maschinengewehrfeuer noch im Gange. Die auswärtigen Truppen im Fremdenviertel werden in Vereitschaft gehalten. Lin japanischer Soldat soll getötet worden sein. In chinesischen Kreisen befürchtet man, daß die Japaner Tientsin besetzen werden.
Eine weitere Meldung besagt: Am Mitternacht von Sonntag auf Montag überfielen tausend Mann bewaffneter Chinesen die chinesische Polizeistation, Eisenbahnstation und Regierungsgebäude. Ausländern drohte die Gefahr der Plünderung. Eine Anzahl der Unruhestifter wurde verhaftet: sie sollen gestanden haben, daß ihnen die Japaner die Waffen geliefert hätten sowie Bestechungsgelder gaben, um Unruhen anzustisten. Ferner wird behauptet, daß die Japaner die Unruhen angeftiflet hätten, um einen Vorwand zu haben, Tientsin zu besetzen. Um 2 Uhr morgens entbrannten erneut Kämpfe, nachdem 2000 chinesische Soldaten, die entlassen worden waren, sich den Kundgebern anschlossen. Amerikanische, italienische und französische Truppen haben ihre Baracken verlassen und bewachen ihre Konzessionen. Tschang- süliang hat einen Panzerzug von Peking nach Tientsin entsandt.
Lava« sucht Veland ru bovudi-en
Paris, 8. Nov. Der japanische Botschafter in Paris, 9}o f ^ i f am a , hat gestern abend bei Briand am Quai d'Orsay einen Schritt unternommen, um im Zusammenhang mit den neuen
er für seine eineinhalbstündige Unterredung, die er heute nachmittag unmittelbar nach seiner Ankunft mit Laval hatte, deutsche Anregungen mitgebracht habe. Tatsache ist, daß der französische Boffchafter in Berlin vor seiner Abreise mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär v. Bülow längere Besprechungen führte. in denen laut einer hier vorliegenden Berliner Havasmeldung wichtige Gesichtspunkte für die weitere Behandlung der schwebenden Fragen gefunden werden konnten. Wie anzunehmen ist, zielt die deutsche Anregung auf eine enge Verbindung der ungeschützten deutschen Jahresleistungen mit Sachliefevungen ab. Die Untersuchung der deutschen Zahlungsfähigkeit muß nach Ansicht der deui- ^r-nLeMuM^n Rahmen der Santen.deutschen Schuldenoerpflichtungen geschehen. Man nimmt an, daß in der französisch-deutschen Kommission, deren Präsidenten hier am 13. November zusammentreten, ein Weg gefunden wird, um dem Beratenden Ausschuß in Basel Anregungen zu unterbreiten. Uebri- gens macht man in politischen Kreisen kein Geheimnis daraus, daß Francois-Poncet auch über seine bisherigen Beobachtungen in Berlin Bericht erstattet und Herrn Laval eine Schilderung der innenpolitischen Lage im Reich geliefert hat. Der Reise des Botschafters, wenige Tage vor dem Zusammentritt des Parlaments, deutet schließlich darauf hin, daß sich der Ministerpräsident Laval zu einer großen Aussprache in der Kammer über die deutsch-fran- zösilchen Bestellungen vorbereitet.
Paris. 9. Nov. Der französische Botschafter in Berlin, Francois-Poncet wird heute von Außenminister Briand empfangen werden.
blutigen Zusammenstößen am Nonni-Fluß die Haltung der japanischen Regierung im mandschurischen Konflikt zu „rechtfertigen". Wie die Pariser Blätter melden, verlief die Unterredung zwischen Briand und dem Botschafter außerordentlich st ü r - misch. Briand habe sich sehr empört darüber gezeigt, daß gerade in dem Augenblick, wo er die japanische Regierung in einer Note aufg^ordert habe, sich mit den von China zuqesandten Garantien zu begnügen, eine wahre Schlacht am Nonni- Fluß entbrannt sei.
Der japanische Botschafter erwiderte, daß Japan nicht die Absicht habe, irgendwelche Feindseligkeiten gegen China zu eröffnen. Es sei aber den japanischen Truppen sehr schwer, die Sicherheit der mandschurischen Bahn zu verteidigen, ohne von Zeit zu Zeit die allzu schmale Schutzzone zu überschreiten und so gegen den Buchstaben der Verträge zu verstoßen.
Briand gab dem Boffchafter zu bedenken, daß der Kampf am Ronni-Fluß sich in einer Entfernung von über 600 Kilometern von der Japan zugesagten Schutzzone abgespielt häkle.
Der Botschafter erklärte darauf wiederum, daß in der Tat die Eisenbahnlinie am Nonni-Fluß chinesisches Eigentum sei, aber die Bahn sei mit japanischen Anleihegeldern gebaut worden und China habe für diese Anleihe weder Zinsen noch Amortisationen gezahlt. Japan habe also das „Recht", die Bahn als „Pfand" in die Hand zu nehmen und es könne nicht gut affen, daß die Bahn durch Sprengung der Brücken über den Nonni-Fluß zerstört werde. Japan habe anfänglich nur 200 Mann an den Nonni- Fluß geschickt, um die gesprengten Brücken zu reparieren. Es sei klar, daß diese 200 Mann nicht von
(ForUeyuna auf Seite 2)
wird Senat»« Norah Präsident?
In politischen Kreisen der Vereinigten Staaten macht sich die Bestrebung bemerkbar, den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Senat, den ebenso berühmten wie gefürchteten Senator William Edgar Borah im kommenden Jahr als Präsidentschaftskandidat aufzustellen. Die Präsidentschaftswahlen lassen nicht mehr lange auf sich warten, und daß Hoover kaum irgendwelche Chancen hat, wiedergewählt zu werden, gilt heute in Amerika sicherer denn je. Die Demokraten, die heute bereits eine Mehrheit im Kongreß erobert haben, hoffen ganz bestimmt, diesmal in das Weiße Haus siegreich einzuziehen. Da muß schon die republikanische Partei mit einer be- sonderen „Attraktion" aufwarten, um Widerstand leisten zu können. Seit dem Tode Dwight Morrows ist es Borah, der es vielleicht noch schaffen könnte.
Als Senator Borah den französischen Besuchern in Washington kurz und bündig erklärte, ohne Revision des Versailler Vertrages sei kein Dauerfriede in Europa möglich, bestätigte er damit wiederum seinen alten Ruf eines Mannes, der, allen diplomatischen Gepflogenheiten zum Trotz, aus feinem Herzen keine Ltördergrube zu machen pflegt.
Es find unzählige Geschichten über Borah in den Wandelgängen des amerikanischen Kongresses im Umlauf. Eine der besten stammt aus jenen ersten Nachkriegstagen, in denen Präsident Wilson nach Unterzeichnung des Versailler Dokumentes in Washington eintraf, und als Triumphator allgemein bejubelt wurde. Nur Borah, der Mann mit dem breiten Bauerngesicht und scharfen, klugen Augen, vertrat eine andere Ansicht. Bel der ersten Begegnung mit Borah sagte Wilson in völliger Verkennung der nächsten Entwicklung freudestrahlend zu ihm: „Ich habe das Friedenswerk vollendet. Es ist eine frohe Botschaft für die Welt." Der Senator antwortete trocken: „Wir haben keinen Grund zur Freude, Herr Präsident. Sie haben der Welt keinen wahren Frieden geschenkt." Darauf warf Wilson lachend ein: „Sie waren von jeher ein Outsider, mein lieber Borah."
Es hatte gar nicht lange gedauert, bis Wilson sich überzeugen konnte, daß nicht Borah, sondern er selbst der große Außenseiter war. Mit einer gewaltigen Welle der allgemeinen Unzufriedenheit des amerikanischen Volkes mit den Ergebnissen von Versailles fortgeschwemmt, schloß Wilson für immer seine müden Augen.
Ein sehr bekannter amerikanischer Publizist behauptete kürzlich von Borah, er sei die einzige Persönlichkeit von Format in dem amerikanischen Senat. Soin Weg richtete sich fast immer gegen den Strom, und insofern hatte Präsident Wilson Recht, als er Borah einen Outsider nannte. In der letzten Zeit findet aber Senator Borah immer größeren Anhang. Er besitzt den Mut, jene Wahrheiten auszusprechen, die von der Mehrheit bet Politiker und vom überwiegenden Teil der Oeffentlichkeit zwar mehr ober weniger anerkannt, aber nicht offen verkündet zu werden pflegen.
Die Kampagne, die Borah für die Verwirklichung seiner politischen Ideen führt, ist keinesfalls mit den Schlachten zu vergleichen, die Don Quichote einstmals gegen die Windmühlen schlug. Der wiederholt gemachte Vergleich des Senators von Idaho mit dem Ritter von La Manchs stimmt nid)t Denn Borah versteht es, seinen idealfftischen Sinn mit Praktizismus eines 100prozentigen Tankees zu vereinen. Er erlaubt sich von Zeit zu Zeit den Luxus, die wahren Beherrscher der Neuen Welt, die Repräsentanten des amerikanischen Finanzkapitals, öffentlich anzugreifen. Eines Tages hielt ein Senator, der in den ein« geweihten Kreisen als Handlanger Mor-
Die heutige Nummer umfadi
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