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7. November

1931

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Zeichnung ton Q W. KjeBlich.

Herbstlicher Markt

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Zerbrechen der Kruge nnt hellen Krachen von Schüßen Explosionen, das Dröhnen

den»

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der

Von Ludwig E. Popper.

„illustrierte Beilage zum Hanauer Anzeiger

ls Vater der artilleristischen Kunst — des ehrsamen Handwerks der heiligen Barbara — wurde früher der Mönch Berthold Schwarz ange­sehen. Aber mit der Erfindung des Schießpulvers ging es genau wie mit vielen anderen angeb­lichen Errungenschaften neuerer Zeiten: Je mehr die Wissenschaft die Schleier lüftet, die die ganze Vorzeit verhüllen, desto ferner rückt der Zeitpunkt, an dem ihr Erscheinen nachgewiesen werden kann.

Jedenfalls war Pulver und Kanone schon lange vor Berthold Schwarz bekannt, der seines Er­finderruhmes längst entkleidet ist; denn diese Kampfmittel spielten bereits bei der Belagerung der spanischen Feste Niebla durch die Mauren im Jahre 1257 eine ent­scheidende Rolle. Aber schon der

byzantinische Kaiser Leo war zwei­fellos ein tüchtiger Kanonier, der im Jahre 811 „Griechisches Feuer" zur Vernichtung seiner Feinde an» wandte. Dieses Feuer, das angeb. lich auch unter Wasser brannte und in Form von Bomben und Zündschnüren gegen die feindlichen Schiffe geschleudert wurde, bestand nach den Beschreibungen zeitge- nössischer Chronisten ganz offenbar aus mit Harz oder Petroleum vermischtem Schießpulver.

Die furchtbaren Wirkungen einer Mischung aus Holzkohle, Salpeter und Schwefel waren also schon im alten Byzanz bekannt, und die Chinesen besaßen um diese Zeit sogar schon richtiggehende Kanonen. Aber jetzt betreten wir Neuland; denn wir wollen nun»

mehr den Nachweis führen, daß Hannibal, der große karthagische

peter gewesen sein. Livius, der

K™' ^ra^ natürlich keine Ahnung von Schieß-

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war und sich dessen in seinen Kriegen mit den Römern bediente. Da erklärt der römische Historiker Titus Livius. Hannibal habe auf feinem berühmten Marsch über die Alpen, die Felsen, die seinem Heère den Weg versperrten, da­durch beseitigt, daß er Feuer auf ihnen anzünden und dann Essig darüber gießen ließ, so daß sie „zerbarsten". Eigentlich sollte es jedem Quartaner, der seinen Livius übersetzt, auffallen, das Feuer und Essig keine Felsen aus dem Wege

räumen sönnen, die

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groß genug

find, um den Vormarsch einer Armee zu verhindern; aber nach­dem der gute Titus den Rus eines gewisienhaften Chronisten besitzt, muß doch etwas wahres an dieser sonderbaren Geschichte gewesen sein. Und tatsächlich ist die Er­klärung einfach: Hannibal ließ anzllnden. um Holzkohle zu ge­winnen. und die als „Essig" be­zeichnete Flüssigkeit, die dann über die Kohle gegossen wurde, muß

eiste Lösung von Schwefel und Sal­

der Pulverfabrikation mißverstan­den und den ihm unbekannten panischen Namen der verwendeten Säure bezeichnenderweise mit „Essig" übersetzt.

Wir haben noch einen anderen Beweis dafür, daß Hannibal ein tüchtiges Mitglied der Artilleristen­gilde war. Als sein Heer, so er­zählt Livius, in den Apenninen von den römischen Legionen um­stellt war, der Proviant ausge­gangen war und der Hungertod drohte, rettete der schlaue Punier-

general sich und die Seinen, indem

er zweitausend Ochsen, an deren Füßen der Kämpfer, eine fürchter-

Hörnern Feuerbrände befestigt liche Explosion erschütterte die

Luft. „Nebel", also Rauch, ver­hüllte das Schlachtfeld, die Erde öffnete sich, und Felstrümmer stürzten auf die Köpfe der Legio­näre. Das steht ganz so aus. als

waren, gegen die feindlichen Stel­lungen treiben ließ, worauf die Römer entsetzt die Flucht ergriffen, und den Karthagern den Weg aus der Falle freigaben.

Es ist nicht gerade rühmlich für unsere Philologen, daß sie diese höchst seltsame Geschichte völlig unbeachtet ließen. Woher nahm, zum ersten, Hannibal zwei, tausend Ochsen, wenn seine Trup­pen am Verhungern waren? Hab wie kam es, zum zweiten, daß die kriegserprobten römischen Vetera­nen vor einer Herde Vieh davon­

liefen? Das Rätsel ist gelöst, wenn wir hannehmen, daß Hanni­bal auch hier Schießpulver, etwa in Form von Raketen, anwandte, und daß die ganze Ochsengeschichte lediglich den römischen Deutungs- versuch eines unerklärlichen Vor­gangs darstellte. Und Livius

liefert uns noch eine dritte An­deutung dafür, daß die Punier mit Pulver recht wohl umzugehen wußten: In der Schlacht am Trasymenischen See gab es, so et»

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zahlt er plötzlich ein „Erdbeben"; der Booen schwankte unter den

ob die Karthager eine Mine auf­fliegen ließen; denn ein Erdbeben erzeugt weder Rauch, noch schleu­dert es Steine in die Luft.

Wenn wir in Betracht ziehen, daß Livius aus die kindlichen Schilderungen unwissender, primi­tiver Soldaten angewiesen war, so kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß das karthagische Heer im Gebrauch von Schieß­pulver unterrichtet war, und diese schreckliche Waffe mit Erfolg an» zuwenden wußte. Die Karthager waren ja Phönizier, und es scheint überhaupt, als ob dieses Volk ur» sprünglich das Geheimnis des ge­fährlichen schwarzen Pulvers besaß

und nach Palästina, Arabien und Indien brachte. Denn' schon Alexander der Große machte ge­legentlich seines Feldzuges nach Indien dort Bekanntschaft mit seinen verderblichen Eigenschaften,

und wir lesen, daß eine Stadt als ' von den Göttern beschützt betrachtet

wurde, weil von ihren Mauern „Donner und Blitz" kam und die anstürmenden Feinde zerschmet­terte. Donner und Blitz . . waren das etwa Kanonen?

Als Zweig des phönizischen Stammes müßten auch die Israe­liten das Schießpulver gekannt haben, und tatsächlich finden wir in der Bibel — wenn wir sie nur verstehen wollen — mehrfache Beweise für diese Annahme. Richter VlI wird dargetan, wie der Feldherr Gideon das Lager der Midianiter eroberte. Drei­hundert Mann zerbrachen irdene Krüge, bliesen Posaunen und schwenkten Fackeln — mit dem Erfolg, daß bei den Midianitern eine Panik entstand, „daß im gan­zen Heere eines jeglichen Schwert wider den anderen war. Und das Heer floh bis Beth-Sitta gen Zereda . . . und die Männer Israels . . . jagten den Midia­nitern nach." —

Ist es glaublich, daß ein ganzes Heer in wilder Angst flieht, weil der Feind irdene Krüge zer­schmeißt? Fackeln und Posaunen, bekannte Dinge, konnten doch den Midianitern unmöglich Furcht eingeflößt haben. Dieses Ereignis, das lebhaft an die Schilderungen des Römers Livius erinnert, ist umso unverständlicher, als aus­

drücklich sestgestellt wird, daß die Israeliten keineswegs einen An­griff unternahmen; denn „ein jegllcher stand auf feinem Ort um das Lager her". Aber es kommt sogleich Licht in das Dun­kel, wenn wir uns vorstellen, daß auch hier Schießpulver im Spiele war. Was liegt näher, als das

Posaunen mit dem lang nach­hallenden Donner, das Fackel­schwenken mit Pulverblitzen zu vergleichen? Hatte General Gideon irgendeine Art primitiver Artil­lerie, so kann man die sonst un­begreifliche Panik der Feinde ohne weiteres verstehen.

Nicht genug damit, können wir sogar den Nachweis erbringen, daß schon Moses sich erfolgreich als Kanonier und Feuerwerker betätigte. Die Revolte der Rotte Korah hat er ganz augenscheinlich mit Hilfe von Schießpulver unter­drückt. Man lese 4. Mose 16, wie er offen seine Absicht ausspricht, die Aufrührer zu vernichten; wie er ihnen „eherne Pfannen mit Räuchwerk" in die Hände gibt, die sie entzünden müssen, worauf eine schreckliche Explosion erfolgt: „die Erde zerriß unter ihnen, und tat ihren Mund auf und verschlang sie . . . und sie fuhren hinunter lebendig in die Hölle .. . und die

Erde deckte sie zu . . . dazu fuhr das Feuer aus von dem Herrn und fraß die zweihundertfünfzig Männer, die das Räuchwerk opfer­ten". Dieses Räuchwerk war eben Sprengstoff, die ehernen Pfannen waren Bomben, und das vierte Buch Mosis gibt die wahrheits­getreue, lebendige Schilderung der Jn-die-Luft-Sprengung der Rebel­len. Moses machte in solchen und ähnlichen Fällen kurzen Prozeß — wie andere Bibelstellen zeigen, immer wieder unter Anwendung von Schießpulver. Als die Söhne Aarons eine feinen Anordnungen zuwiderlaufende Handlung begin­gen, über deren Art wir im Dunkel gelaßen werden, traten prompt wieder die ehernen Pfannen und das „Räuchwerk" in Aktion: „Sie nahmen jeglicher seinen Napf und taten Feuer hinein und legten Räuchwerk darauf und brachten das fremde Feuer vor den Herrn, das er ihnen nicht geboten hatte. Da fuhr ein Feuer aus von dem Herrn und verzehrte sie" (3. Mose 10).

Die Geschichte von dem bren­

nenden Busch riecht Pulverdampf. Kurz, Anspruch darauf, in berühmter Kanoniere zogen zu werden.

auch nach Moses hat die Reihe mit einbe-