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Seite I

Freitag, den 6. November 1931

Nr. 261

der Polizei stellen. Die Sitzung wunde dann auf Samstag vertagt.

Lludenkekttdliche -Kund­gebungen in tvavswau

Warschau, 5. Nov Die judenfeindttchen Aus­schreitungen an der Universität nahmen heute ihren Fortgang. Jüdische Studenten wurden mehrfach verprügelt. Die polnischen nationalistischen Stu« deuten zogen dann in das Judenviertel, um dort die antisemitischen Kundgebungen fortzusetzen. Eine Gruppe drang in den von jüdischer Bevölkerung besetzten Sächsischen Garten ein und verprügelte die Mische Bevölkerung. Die jüdischen Kaufleute schlossen zum Teil ihre Geschäfte. Die Polizei nahm etwa 60 Studenten fest.

Loo facher Mordversuch r

Ein Verbrecher festgenommen, der 400 Menschen mit Rohbakterien infizieren wollte!

Londonos. Nov. In Leeds verhaftete die Polize einen Arbeitslosen der sich ein ganzes Laboratorium mit Giften eingerichtet hatte. Er hatte sich u. a. Rotzbakterien verschafft und diese gezüchtet. Er hatte schon über 400 Briefe an wohlhabende Ein­wohner der Stadt fertiggestellt und wurde gerade noch rechtzeitig vor deren Versendung verhaftet. Die Rotzbakterien waren so in die Briefe verpackt, daß alle mit solchen Briefsendungen Bedachten der Ge- ahr der unheilbaren Rotzerkrankung ausgesetzt varen. Der Arbeitslose erklärte auf der Polizei, das Geld zu den Massenmordversuchen von dritter Seite erhallen zu haben, die er aber nicht nennen will.

FreWvuch des LNalevs Groß

von der Anklage der Gollerlästerung

Leipzig, 5. Nov. In dem seit dreieinhalb Jah- ren schwebenden Strafverfahren gegen den Zeich­ner George Groß und den Direktor des Maul- Verlages. Wieland Herzfelde wurde heute vom Zweiten Strafsenat des Reichsgerichts die Revision der Berliner Staatsanwaltschaft verworfen, du y gegen den am 4. Dezember von der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts Al Berlin ergangenen Freispruchs von der Anklage der Gotteslästerung richtete.

Das Urteil des Reichsgerichts lautet: Dem An­trag der Reichsanwaltschaft auf Einziehung der noch vorhandenen Exemplare der den gekreuzigten Christus mit der Gasmaske darstellenden Zeichnun­gen von Georg Groß und auf Unbrauchbarmachung der zur Herstellung verwendeten Platten wird statt- gegeben. Im übrigen wird aber die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende Urteil des Landgerichts 3 in Berlin verworfen. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last.

Der erkennende Senat des Reichsgerichts be- gründet seine Entscheidung damit, daß die Straf, kammer hinreichend festgestellt habe. Groß habe weder gewollt, noch gewußt, noch mit der Mög­lichkeit gerechnet, daß ein Unberufener diese Zeich­nung mißverstehen und sich als Mitglied einer christlichen Kirche in seinen religiösen Gefühlen ver­letzt fühlen könnte.

Nvozetz gegen die Mörder Kennings

Hamburg, 5. Nov. In der heutigen Verhand­lung im Henning-Prozeß wurden mehrere Führer der NSDÄP. vernommen. Der Sturmbannführer Oberleutnant a. D. Stäublin erklärte, daß die beiden Opfer des Attentates den Nationalsozialisten kaum dem Namen nach bekannt gewesen seien. Gauleiter Kaufmann, dec als nächster Zeuge vernommen wurde, ist nur politischer Leiter und hat mit SA.- Angelegenheiten nichts zu tun. Geschäftsführer von Alwoerden, Mitglied der Bürgerschaft, hatte, als er von her Tat erfuhr, Jansen und Huekmayr zu sich bestellen lassen und ihnen erklärt, sie müßten sich bei

Neues Verbot des Braunschweiger „Volksfreunds"

Braunschweig, 5. Nov. Der Innenminister Klagges hat, wie die Braunschweigische Landeszei- tung meldet das örtliche Organ der SPD, den „Bolksfreuno", erneut auf acht Tage verboten, und zwar weil tn dem Blatt in einem Landtagsbericht inter der Ueberschrift „Minister Klagges provoziert" ich ein Zwischentitel befand „Der Minister ent- chuldigt den Mord an Fischer". Das Verbot trat osort in Kraft..

Von neun Monaten Gesângni» zum Freispruch

Berlin, 6. Nov Wegen passiver Bestechung war ein Kriminalbeamter zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden, west et sich von Buchmachern auf den Rennbahnen, die er regelmäßig nichtdienst­lich aus Wettleidenschaft besuchte, Geldbeträge hatte geben lassen. Gegen das Urteil wurde mit der Be­gründung Berufung eingelegt, daß der Angeklagte die Geldbeträge nicht als Bestechungsgelder erhal­ten habe, da er nicht in seiner Eigenschaft als Ueber- wachungsbeamter die Rennbahnen besucht habe. Er habe bei den Buchmachern gewettet und sei von ihnen aus Mitleid über erlittene Verluste entschä­digt worden. Die Strafkammer hielt daher eine Bestechung nicht für erwiesen und sprach den An­geklagten auf Kosten der Staatskasse frei. Er wurde lediglich wegen unerlaubten Wettens bei wilden Buchurachern zu 100 RM Geldstrafe ver­urteilt.

Selbstmord eines Arztes in Stettin

Stettin, 5. Nov. Heue morgen wurde die Mord­kommission der Kriminalpolizei nach dem außerhalb der Stadt liegenden Ernst Moritz-Arndt-Kranken» Haus gerufen, wo der Chefarzt der Anstalt, Dr. Görlitz erschossen aufgefunden worden war. Da schon am 19. Oktober ein Attentat auf Dr. Görlitz verübt worden sein sollte, nahm man zunächst an, daß es sich um ein Verbrechen handelt Die Polizei hat aber festgestellt, daß Dr. Görlitz sich selbst er­schossen hat. Dr. Görlitz hatte versucht, seinen Selbstmord zu verschleiern, in dem er einen Unfall beim Reinigen seiner Pistole vorzutäuschen ver- suchte. Man nimmt an, daß Dr. Görlitz wegen zerrütteter Nerven in den Tod gegangen ist.

Selbstmord

Eberswalde, S. Nov. Der Verwalter Mielke der Ziegelei Lichwerder I, dem vor einiger Zeit gekün­digt worden war und heute seins Wohnung im Ver­waltergebäude verlassen sollte, verrammelte heute morgen Fenster und Türen des Gebäudes und legte an sechs Stellen Feuer an Dann trank er eine Flasche Lysol aus. Die Feuerwehr fand nach ge­waltsamer Oeffnuna des brennenden Gebäudes die jalb verkohlte Leiche des Mielke im Hausflur in der Nähe der Tür auf. Mielke muß demnach noch versucht haben, im letzten Augenblick den Flammen »««^.«»»««-.«»«-«EwâlSMSMMMWWWI^IIMIKIWIII««!

zu entrinnen. Dar Feuer konnte bald gelöscht wer. den.

15 Fälle spinaler Kinderlähmung in Hagen

Hagen, 6. Nov. wie in mehreren anderen Kreisen de» Regierungsbezirk» Arnsberg sind auch in Hagen Fälle von spinaler Kinderlähmung auf. getreten. Es find bisher im Stadtgebiet 15 Lr- krankungsfälle zu verzeichnen, von denen vier einen tödlichen Ausgong nahmen. Die erforderlichen seuchenpolizeilichen Vorkehrungen sind gelrossen.

Zehn Jahre Zuchthaus wegen Raubes

Bremen, 5. Nov. Das Schwurgericht verurteilte heute den Landstreicher Otto Krüger wegen Rau- des mit Todeserfolg zu zehn Jahren Zuchthaus, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf sechs Jahre und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht. . Krüger hatte im Juli, als er sich am Deich einen Schlafplatz sucht«, den 17 Jahre alten Kellnerlehr, ling Hillmann in eine Decke gehüllt schlafend an­getroffen. Um sich dessen Koffer anzueignen, schlug Krüger mit einer Eisenstange Hillmann über den Kopf. Dann raubte er seinem Opfer Koffer, Fahr­rad und Opernglas, das Hillmann an einem Band um den Hals trug. Hillmann ist im Krankenhaus, - ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, seiner schweren Verletzung erlegen. Eine Mord- absicht konnte Krüger nicht nachgewiesen werden. « ,

Fünf Todesopfer einer Gasvergiftung (

Dresden, 5. Nov. Als der Postschaffner Stein ; 1 heute vormittag vom Dienst in seine Wohnung zu- " I rückkehrte, fand er seine 34 Jahre alte Ehefrau und < seine vier Kinder im Alter von einem bis elf £ Jahren durch Gas vergiftet tot auf. Aus einem x ' hinterlassenen Briefe geht hervor, daß die Frau mit ihren Kindern freiwillig aus dem Leben ge- 1 schieden ist.

Schmucksachen im Werke von 10 Millionen Pfund Sterling gestohlen.

London, 6 Nov. Einem Delegierten der Indien- E konferenz am Runden Tisch, dem Maharadscha von / Darbangha. sind aus seinen Räumen im Savy-Hotel L Schmucksachen im Werte von 10 Millionen Pfund H Sterling gestohlen worden.

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