Nr. 259
Mittwoch, den 4. November 1931
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Eine bemerkenswerte Erfindung auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens.
5 Auch die Feuerwehr ist im Zeitalter der Technik ständig bemüht, ihre Einrichtungen zu modernisieren und zu vervollständigen, um damit ihre Schlagkraft zu erhöhen. Auf dem Gebiete der Rauch- und Qualmbekämpfung, das bei der Brandbekämpfung eine Hauptrolle spielt, ist nunmehr eine recht bemerkenswerte Erfindung gelungen. Auf Anregungen des früheren Branddirektors Schänker hat Brandingenieur Stoll von der Frankfurter Feuerwehr den bereits vor 30 Jahren einmal in Hamburg aufgenommenen Versuch in die Praxis umgesetzt, mit Rauch, Qualm oder Gasen gefüllte Räume mit einem großen Exhauster zu entlüften und damit für die Brandbekämpfung den Weg sreizumachen. Da nun aber auf den Brandstellen Elektrizität nicht überall sofort verwendbar ist und außerdem die Mitnahme von Dynamomaschinen auch- recht umständlich ist, ist Brandingenieur Stoll auf die Idee gekommen, Wasser als Antrieb zu verwenden, das die Feuerwehr in ihren Motorspritzen stets bei sich Sihrt oder immer an den Hydranten zur Verfügung at. Der Erhauster wird mit dem Druck der Motorspritze in Tätigkeit gesetzt und ist bei 6 Atmosvhären Druck in der Lage, etwa 75 cbm Lust in der Minute aüzusaugen, abzudrücken oder einzupumpen, so daß innerhalb kurzer Zeit der Brandherd mit oder ohne Rauchmaske, deren Verwendungsmöglichkeit ja nur gering ist, betreten werden kann, zumal nunmehr die durch den Rauch beeinträchtigte Sicht wieder hergestellt ist. Die Verwendungsmöglichkeit 1 der Erfindung ist recht vielseitig; nicht nur verqualmte Räume, Keller, sondern auch vergaste Brunnen, Schächte, Kanäle usw. können rasch entlüftet bzw. entgast werden Auch zum schnellen Wegschaffen, d. h. zum Absaugen von leicht brennbarem Material, z V. Säaemehl, Häcksel, Mehl usw. eignet sich die Anlage Bemerkenswert ist, daß das zum Antrieb des Exhausters benutzte Wasser der Motorspritze wieder zugeführt werden kann. Da die Anlage aus Leichtmetall gebaut und zusammensetzbar ist, wird ihre Mitnahme überallhin möglich. Bei einer Pressevorführung am Dienstag, der sich eine Besichtigung der Telegraphen- und Alarmanlagen der Feuerwache Burgstraße anschloß, konnte man sich anhand von praktischen Vorführungen von der Wirksamkeit und großen Verwendungsmöglichkeit der neuen Anlage überzeugen. Im Interesse der besseren Brandbekämvkung und damit im Interesse der Allgemeinheit wäre zu wünschen, daß die neue Erfindung möalichst bald bei allen Feuerwehren Eingang und Verwendung findet.
Billigeres Brot für die Frankfurter Erwerbslosen zurzeit nicht möglich
In der Frage einer Brotpreisermäßigung für die Erwerbslosen fanden wiederholt unter dem Vorsitz von Bürgermeister Gräf Besprechungen zwischen Vertretern des Magistrats, des Arbeitsamtes, der Mühlen, des Meh'handels, der Bäckereien und des Konsumvereins statt. Das Resultat der Verhandlungen ergab, daß nach den Erklärungen der Gewerbevertreter trotz der seit Mo- maten ständig steigenden Roggenmehlpreise eine längst notwendig gewordene Brotpreiserhöhung nicht erfolgte. Infolgedessen erklärten die Vertreter des gesamten Backgewerbes, daß sie nicht imstande A seien, jetzt eine Ermäßigung des Brotpreises ein- treten zu kaffen; sie seien aber sofort dazu bereit, - wenn eine Senkung der Weltpreise erreicht würde, was nur dann möglich sein dürfte, wenn das Rohprodukt, der Roggen, im Preise gesenkt würde durch wenigstens zeitweise Ermäßigung des über- ' höhten Roggenzolles. Festgestellt wurde, daß zur- £ zeit die Brotpreise in Frankfurt a. M. niedriger I sind als in den meisten vergleichbaren Großstädten, ; sogar niedriger als der dieser Tage in Köln ge- I senkte Brotpreis. Der Magistrat wird ersucht, die I vom Gewerbe gegebenen Anregungen an die zu- I ständigen Reichsstellen weiterleiten und, sofern diese / Schritte erfolgreich sein sollten, sofort die Derhand- / langen mit dem Gewerbe erneut aufnehmen zu M wollen.
! Strafantrag im Betrugsprojeß Dimpfel und Genossen
t Jm Betrugsprozeß Dimpfel und Genossen er- I stattete Psychiater Dr. Kohl ein Gutachten über den I Geisteszustand der beiden Angeklagten Dimpfel und Rhumbler, die er als die letzten Romantiker der I vergangenen Inflation bezeichnete, Romantiker im I Sinne des Strafrechts als Raubritter gemeint. Rhumbler fei kein königlicher Kaufmann, obwohl er angibt, aus einer alten vornehmen Firma zu stammen. Dimpfel ist der Intelligentere von bei- I den Typisch sei das Verhalten der beiden Beschul- I digten im Gefängnis gewesen. Dimpfel dachte sehr I scharf über die Strafe, die er zu gewärtigen habe, [ nach und machte sich Gedanken über die Zukunft. I Rhumbler hingegen beschäftigte sich mit seiner Lie- I besgeschichte und sagte immer wieder: „Lieber tot als das Mäuschen lassen". Die Liebe treibe Rhumb- I ler in alle Handlungen hinein, und wenn es darauf I onkomme, sogar zumMord. Rhumbler sei ein Neurastheniker, der dem Alkohol ergeben war. Bei keinem der Angeklagten kämen die Voraussetzungen des § 51 Str/ G. B. in Betracht. Der Staatsanwalt verwies in seinem Plädoyer auf die Aeußening Dimpfels während der Verhandlung: „Die Tat- [ fachen sollen sprechen". Sie haben gesprochen, führte der Anklagevertreter weiter aus, und ihre Sprache war vernichtend. Der Zweck des ganzen Unternehmens bestand in dem einen Satz: Der Einkauf war die Seele unseres Geschäfts. Die Angeklagten hüten sich als Parasiten im Wirtschaftsleben be- i tätigt und ihr Ziel war, von Dritten Geld durch Betrug zu erlangen. Der Saatsanwalt beantragte gegen Dimpfel und Rhumbler je viereinhalb Jahre ■ ’ Gefängnis, gegen Schellhaas acht Monate Gefäng-
' nis. Das Urteil wird Mittwoch verkündet.
Ende des Dauerlanzes
: Nach rund 450ftünbiger Dauer hat am Dienstag vormittag 11 Uhr das Marathon-Tanzen in M der Frankfurter Festhalle seinen Abschluß gefunden. Obwohl die Veranstaltung in der letzten Woche ganz außerordentlich gut besucht war, drängte die Turnierleitung auf ein schnelles Ende. In der letzten Nacht wurden die Bestimmungen sehr verschärft, die Paare erhielten stündlich nur noch drei Minuten Ruhepause. Die Erschöpfung der Teilneh- wer machte nun rapide Fortschritte und um 11 Uhr ■ I vormittags standen nur noch die Franzosen Rostaing/Mlle. Hamlet (Nr. 27) auf der Tanzfläche. Ihnen fiel damit der Sieg und der Preis von 2000 RM zu. Die nächsten Plätze belegten Ehepaar Sartoris (Italien), Caesar/Mlle. Trocmè (Belgien) und das deutsch-russische Paar Max/Erna. In der I Nacht zum Dienstag mußte um 4 Uhr, als die Polizeistunde eintrat, ein größeres Polizeiaufgebot
eingesetzt werden, um das Publikum aus der Halle zu bringen. Um 9 Uhr morgens, als dis Halle für das Publikum wieder geöffnet wurde, standen schon wieder Tausende vor den Toren.
Das neue Brumlik-Haus.
: Das größte Teppich- und Gardinen-Spezial- Haus Süddeutschlands, Brumlik, Frankfurt, ist in das neue große Brumlik-Haus, Liebfrauenstr. 1/3, umgezogen. Für den Umbau zeichnet der Architekt Regierungsbaumeister a. D. Nathan verantwortlich. Einfachheit und Solidität sind sein Leitmotiv gewesen. Große Passagen führen den Betrachter weit in das Haus hinein. Im Souterrain befindet sich das Linoleum-Lager, im ersten Stock die Abteilung für Gardinen und Vorhänge, im zweiten das Teppich-Lager, im dritten das umfangreiche Reserve-Lager und im vierten Stock eine Reihe von Ausstellungsräumen für besondere Zwecke. Die Eröffnung des schönen Hauses geschah ohne besondere Feierlichkeiten. Statt dessen hat die Firma Brumlik einen namhaften Betrag für die Erwerbslosen gegeben.
Aus «ab und Seen
Ja einer Höhle tot aufgefunden
~ Kassel, 3. Nov. Ein 47jähriger Mann hatte sich, weil er obdachlos war, in einer kleinen Erd- senkung zwischen Rothenditmold und Harleshausen in einer Höhle einen Ausenchaltsraum geschaffen, den er mit Kistendeckeln verkleidet hatte. Als er in den letzten Tagen nicht mehr bei der Speisung im Karlshospital erschien, suchte ihn ein Freund auf, der den Unglücklichen in seinem Verschlage liegend tot auffand.
Großfeuer auf einem Hofgut Fürsorgezöglinge als Brandstifter?
— Herborn. 3. Nov. Auf dem Hofgut Krempel bei Rennerod brach Dienstag morgen gegen 4 Uhr Großfeuer aus. Das Feuer nahm feinen Ausgang in einem großen Oekonomiegebäude, das mit der gesamten Ernte, darunter 50 Wagen Heu, ein Raub der Flammen wurde. Auch der große Wehstall wurde vom Feuer ergriffen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Nur mit großer Mühe gelang es, den großen Viehbestand, darunter über 100 Rinder, in Sicherheit zu bringen. Aus Rennerod und anderen Orten waren rasch die Feuerwehren zur Stelle, so daß ein weiteres Umsichgreifen des Feuers unterbunden werden konnte. Der durch das Großfeuer verursachte Brandschaden beträgt rund 20 000 Mark und ist durch Versicherung gedeckt. Vernichtet wurde das große Oekono- miegebäude mit der gesamten Ernte dieses Jahres. Als Ursache ist einwandfrei Brandstiftung feftge- stellt worden. Als Täter kommt ein Wanderbursche in Betracht, der fünf Monate auf dem Gut beschäftigt war und am Montag entlassen wurde. Bei seinem Weggang äußerte er, daß er das Gut in Brand stecken werde. Nach dem Brandstiftet wird gefahndet Die Domäne Hof Krempel gehört dem Herborn-Dillenburger Gemeinschafts-Pflege- und Erziehungsverein, der dort eine vorbildlich geleitete Fürsorgestätte im Dienste der Evangelischen Inneren Mission in Nassau errrichtet hat. Auch als Wanderheim ist Hof Krempel in weiten Kreisen bekannt.
Die diebische Dohle
— Oberursel, 3. Nov. Ein hier zu Besuch weilender Mann wollte sich, als er mit seinen Angehörigen auf einem Spaziergqng begriffen war, am Äerkaufshäuschen am Bahnhof ein paar Zigaretten kaufen. Er legte ein Montes Dreimarkstück auf den Tisch und drehte sich dabei nach seinen Angehörigen um. In diesem Augenblick kam Oberursels zahme Dohle geflogen, erfaßte das Geldstück und verschwand damit in den Zweigen der Bäume. Dort scharrte sie zwischen zwei Aesten die Rinde auf und versteckte darin das Geldstück. Dem „Bestohlenen" blieb nichts anderes übrig, als eine Letter zu holen und der Dohle nachzusteigen, während der diebische Vogel das Weite suchte.
Bluttat in Oberellenbach
— Hersfeld, 3. Nov. In der Nacht zum Sonntag spielt sich in Oberellenbach eine Tragödie ab, bei der es zwei Schwerverletzte gab. In der Nacht wurde der Familienvater K. von seinen Kindern geweckt, die ihn auf ein Geräusch im Flur aufmerksam machten. Als der Mann die Tür öffnete, erhielt er plötzlich zwei Stiche in den Unterleib und einen in die Lippe. Der Täter flüchtete hierauf. Es wurde festgestellt, daß K. von einem Mann überfallen worden war, der mit der Frau des K. in Verbindung getreten war, als deren Mann drei Jahre in Westfalen arbeitete. Der Täter hatte schon ein paar Stunden vorher versucht, in das Haus einzudringen, wurde aber von K. abgewiesen. Der Landjägerei gelang es nach kurzer Zeit, den Messerhelden zu verhaften. In der Wohnung eines Landjägers, wohin man den Verhafteten vorläufig gebracht hatte, versuchte nun der Täter Selbstmord zu verüben, indem er sich einen Nagel in den Hals stieß. Sein Vorhaben wurde aber rechtzeitig bemerkt. Die Wunde wurde von einem Sanitäter verbunden und der Verhaftete dann nach Hersfeld ins Gerichtsgefängnis gebracht.
Bergsturz bei Cochem
— Cochem, 3 Nov. Am Montag um 20 Uhr begann auf dem Bergrücken bei Cochem ein Absturz von Fels und Geröll, der von Stunde zu Stunde an Schwer und Umfang zunahm. Starke Felsmassen lösten sich am oberen Rande des Berges und stürzten unter mächtigem Getöse zu Dal, alles mit sich reißend, was sich ihnen in den Wg stellte. Bei dem Absturz wurden bis jetzt schätzungsweise 1000 Kubikmeter bewegt. Sie stark gefährdete Pro- vinzialstraße ist im Gefahrengebiet gesperrt, der gesamte Verkehr ist auf die andere Moselseite umgeleitet.
Kind tödlich verbrüht
— Oberstem, 3. Nov. In einem unbewachten Augenblick fiel das dreijährige Söhnchen der Familie Ernst Ruth in einen Bottich heißen Wassers. Der Kleine erlitt so schwere Brandwunden, daß er bald seinen Verletzungen erlag.
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Eine ganz ungewöhnliche Gelegen* heif. Gnädigste, zu einem entzuk- kenden, modernen Kleid zu kommen.
Andere dabei zuvorkommen zu lassen, wäre jammerschade. Tun Sie’s nicht! - Lassen Sie alles stehen und liegen und
BRENNINKMEYER
Die Sakijen (ägyptische Schöpfräder) haben sich in ihrer Form durch einige Jahrtausende hindurch gehalten. Man hat sie auf 4000 Jahre alten Sarg- inschriften gefunden in derselben unveränderten Form wie heute.
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