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Ke 259 Mittwoch den

4. Kovembev

1931

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder au, Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet, x Geschäftsstelle: Hammerstr. S / Fernspr. 3956, 3957,3958

Die rrepavations-rrevifion gestartet

Eine rweiftündise Becheechnns Laval-Boesch - Die Nespvechungder Älusgangsvunkt eine« Periode gvotzev divlomatischer Älktivität in Europa*'

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Sm Einvernehmen mit der Reichsregierung ist die Reichsbahn augenblicklich damit beschäftigt, ein Arbeitsbeschaffungsprogvaenm für die nächsten Mo­nate aufzustellen.' Für dieses Programm stehen die Mittel aus den Erträgnissen der Reichsbahn-An­leche zur Verfügung. *

Der Stillhalteausschuß tagte gestern ohne beson­dere Beschlüsse zu fassen. *

Der Verfassungsausschuß des Preußischen Land­tages nahm am Dienstag einen Antrag an. wonach angeordnet werden soll, daß die öffentlichen Ge­bäude in Preußen am Volkstrauertag, den die Re­gierung bestimmt, halbmast zu flaggen haben. Von der Regierung wurde der Totensonntag als der geeignetste Tag bezeichnet und eine alsbaldige Rege­lung durch Gesetz oder Polizeiverordnung in Aus­sicht gestellt.

Der badische Innenminister Mayer hat sich in einem Schreiben an den Reichssinanzminister Dietrich ge­wandt, um finanzielle Hilfe für die badischen Ge­meinden zur Erfüllung ihrer Wohlfahrtsvervflich- tungen zu verlangen. In dem SSireiben heißt es u. a., daß das Land Baden zu einer finanziellen Hilfeleistung an feine notleidenden Gemeinden außerstande ist, so daß diese Gemeinden auf eine .angemessene Beteiligung an dem 80 Millionenfonds des Reiches dringend angewiesen feien.

Am Dienstag abend sind zwischen dem deutschen Gesandten in Bern und dem Chef des Volkswirt­schaftsdepartements Noten ausgetauscht worden, wonach die für den deutsch-schweizerischen Handels­vertrag bestehende Kündigungsfrist von drei Mo­naten in ihrer Wirkung auf zwei Monate gekürzt wurde. Man erwartet, daß die Verhandlungen in allernächster Zeit in Berlin wieder ausgenommen werden.

Die Mitteleuropäische Devisenkonferenz wurde gestern in den Räumen der Tschechoslowakischen Nationalbank eröffnet. An der Konferenz beteiligten sich Vertreter der Tschechoslowakei, Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns, Südflawiens, Rumäniens, Polens und Bulgariens sowie zwei Delegierte der Basler BIZ. Die Konferenz tagt hinter verschlosse­nen Türen. Ihr erster Beschluß lautete dahin, über die Beratungen strengstes Stillschweigen zu bewah­ren und erst nach Abschluß der Konferenz ein amt­liches Kommunique herauszugeben. Es scheint, daß den Hauptgegenstand der Konferenz eine gewisse Angleichung der Devisenbestimmungen in den ein­zelnen mitteleuropäischen Ländern, eventuell die Einführung eines zwischenstaatlichen Devisen­clearings und eine Ausschaltung gegenseitiger Rei­bungen im Devisenverkehr bilden sollen.

Unter lauten Rufen nach demNumerus clausus" warfen gestern in Warschau polnische national­sozialistische Studenten eine Anzahl jüdischer Kommilitonen aus dem Hörsaal der Universität heraus. Dabei gab es zahlreiche Verletzte. An­schließend bildeten die nationalsozialistischen Stu- dentm einen Demonstrationszug durch die Straßen der Stadt, der immer wieder in die RufeNie­der mit den Juden" undHaut die Juden" aus­brach. *

Der Beschluß der Vertrauensmänner der öster­reichischen Telegraphen- und Fernsprechangestellten, in der letzten Nacht um Mitternacht mit der passi­ven Resistenz zu beginnen, ist nicht mehr zur Aus­führung gekommen, da -neuerliche Verhandlungen mit der Generalpostdirektion und der Bundesregie­rung über die strittige Frage der Nebenbezüge am späten Abend zu einer vorläufigen Einigung ge­führt haben. Die Verhandlungen werden heute mit der Personalvertretung der Angestellten fortgesetzt. Die sozialistischen und nichtsozialistischen Gewerk­schaften der Post-, Telegravhen- und Fernsprech, angegstellten haben die Weisung ausgegeben, die passive Resistenz nicht zu beginnen, sondern weitere Weisungen abzuwarten.

*

Sir Austen Chamberlain, der in der National­regierung den Posten eines Lords der Admiralität inne hatte, hat in einem Brief an Baldwin seinen Rücktritt von diesem Amt erklärt und gebeten, sein Amt einem jüngeren Manne zu überragen.

Aus Boston wird gemeldet: Ein amerikanisches Küsten-Wachtschiff hat das britische Küstenfahrzeug Sophie E." gestern abend gerammt und zum Sinken gebracht. Die Besatzung wurde gerettet. Der britische Kapitän erklärt, das amerikanische Schiff habe den Zusammenstoß außerhalb der 7 Meilen- aone absichtlich herbeigeführt.

Erste Sitzung der den Bvün'nz

Berlin. 3. Hon. Unter dem Vorsitz des saal der Reichskanzlei die deutsche Abteilung i getreten. ;

Neben den Mitgliedern des Komitees nahmen an der Sitzung teil Reichsfinanzminister Dr Diet­rich, Reichswirtschaftsminister Warmbold, Staats­sekretär des Auswävbmen Amtes von Bülow, Staatssekretär im ReichswirtschaftsmiMsterium Trendelenburg, sowie der deutsche Generalsekretär des Komitees, Ministerialdirektor Ritter. Der Reichskanzler wies in eingehender Rede auf die großen politischen und wirtschaftlichen Aufgaben hin, die dem Komitee gestellt sind. Er führte u. a. aus:

Der Gedanke dèr Einsetzung der deuksch-franzö- fischen Wirtschaftskommission verdanke Entstehung und Ausgestaltung den Zusammenkünften der deut­schen und französischen Minister in Paris und Ber­lin. Hatte die Kommission ihren Ursprung somit auf politischem Boden, so beschränke sich ihr Auf- aabenkrels auf wirtschaftliche Fragen. hier allerdings finde sie ein weites Feld: die Sachverständigen könnten alle wirtschaftlichen Probleme in Angriff nehmen, die geeignet erscheinen, um die Zusammen­arbeit und das Verständnis zwischen den beiden Ra. kionen zu fördern Dabei sei zu betonen, daß die Arbeiten der deutsch-französischen Wirtschastskom- mission sich gegen kein drittes Land richteten. Die Sachverständigen dürften die ihnen obliegende Tä­tigkeit nicht als eine vorübergehende betrachten, die in wenigen Wochen bereits zu einem endgültigen Ziele geführt haben werde, sondern sollten ihre Aufgabe in einer ständigen gegenseitigen Fühlung­nahme und Zusammenarbeit erblicken, die nach und nach alle Fragen in ihren Bereich ziehen könne, die im Rahmen dieser Gemeinschaft gelöst werden könnten.

Sihtf Unterausschüsse

Berlin, 3. Rov. Wie wir erfahren, wird das deutsch-französische Wirtschaftskomitee seine erste gemeinsame Sitzung am 13. und 14. Novem­ber also Ende Zachster Woche in Paris ab­halten. Aus Sparsamkeitsgründen werden von deutscher Seite nicht alle Mitglieder an dieser Sit­zung teilnehmen Es werden vielmehr nur ü re

Hoesch 6

Berlin, 3. Rov. Der deutsche Botschaft nach einem Ministerrat, in dem Laval über sei hatte, die angekündigte Unterredung mit dem vorher vom französischen Außenminister Briai redung nahm zwei Stunden in Anspruch. Catn und die Ergebnisse der Washingtoner Verhau der schwebenden Finanzfragen, zu der auch , tor Bizot hinzugezogen wurden.

Die amtliche französische Mittel, lung über diese Besprechung läßt klar und deut- lich erkennen, welchen Charakter die französische Re. gierung ihr von vornherein zu geben beabsichtigt hatte. Eg heißt darin lediglich:Laval hat Herrn von Hoesch Mitteilung gemacht von seinen Be- fprechungen mit dem Präsidenten Hoover, die sich auf die Ablösungen des jetzigen, durch den Vorschlag des Präsidenten Hoover vom letzten 3uni veran- laßken Moratoriums durch die normale Reglung des Poungschen Plans bezogen". Das ist alles, was die französische Regierung als Inhalt der Be­sprechung angibt. Für sie kommt als Ergebnis der Washingtoner Reise in den Beziehungen Zu Deutsch, land als Wichtigstes die Wiederinkraftsetzung des Poungschen Plans in Betracht. Es spricht aus der Mitteilung ein bewußt diktatorischer Wille, der von vornherein rede Wrderstauosnelgung üt^r die Schwelle zurückweisen möchte.

Eine Kavas-Anslassun»

Paris, 3. Rov. Eine Erläuterung der Agence havas zu der heute zwischen dem deutschen Bot­schafter und Ministerpräsident Laval geführten Unterredung nimmt Bezug auf die Stelle des ge-

Dev deutsch

es Laval

.r in Paris Halle am Dienstag nachmittag ie Reife nach Washington Bericht erstattet französischen Ministerpräsidenten, nachdem er rd empfangen worden war. Diese Unter* lt gab zunächst Erläuterungen über den Gang »langen. Daran schloß sich eine Erörterung finanzminisker Jianbin und Ministerialdirek-

meinfamett französisch-amerikanischen Lommuniquès betreffend die zwischen den Regierungen schweben­den Verbindlichkeiten und eine eventuell notwendig werdende Reuregelung im Rahmen der vor dem Hoover-Moratorium in Kraft gewesenen Bestim­mungen sowie auf die durch den Poungplan vorge­sehene Prozedur, um alsdann über den weiteren Gang der Verhandlungen folgendes vorauszusagen:

Man hat Grund zu der Annahme, daß binnen kurzem der beratende Sonderausschuß regelrecht einberufen und den Auftrag erhal­ten wird, sich noch vor Jahresende über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu äußern. Die an den Reparationszahlungen hauptsächlich interessierten Regierungen werden als­dann im Verlauf einer internationalen Konferenz mit der deutschen Regierung eine Regelung zu treffen haben. Ihr Bestreben wird dahin gehen, diese Regelung noch vor dem 1. Fe­bruar 1932 zu erzielen, damit, wenn möglich, gleichzeitig auch die Frage der namentlich von den Vereinigten Staaken und England Deutschland 6e- «villigten kurzfristigen Kredite geregelt werden kann. Die heutige deutsch-französische Aussprache wird also der Ausgangspunkt einer Periode großer diploma­tischen Aktivität in Europa sein.

sranzösische

be« LNkigüedev erntet Vorsitz

Reichskanzlers ist Heuke im Ländersitzungs- es deutsch-französischen Komitees zusammen-

HöHeren Beamten und die Vorsitzenden der verschiedenen Ausschüsse nach Paris fahren. Diese Ausschüsse sind heute vormittag kon­stituiert worden. Sie gliedern sich folgendermaßen:

1. Ausschuß für Handelsvertragsfragen.

Sein Vorsitzender ist Ministerialdirektor Posse. Ihm gehören außerdem an Reichsminister a. D. Hamm vom Deutschen Industrie- und Handelstag, Reichsminister a. D. v. Raumer, für die Landwirt­schaft v. Schorlemer, für die Gewerkschaften Reichs- tagsabgeordneter Lemmer vom Gewerkschaftsring und Tarnow von den freien Gewerkschaften.

2. Ausschuß für private Wirtschaftsvereinbarungen.

Er hat die Aufgabe, bereits vorhandene Wirt- schaftsvereinbarungen privaten Charakters durch Produktionsangleichungen und weiteren Ausbau zu vervollständigen uni), womöglich, auch auf andere Jnteressenkreise zu übertragen. Vorsitzender dieses Ausschusses ist Clemens Lammers vom Reichsoer­band der Deutschen Industrie, weiter gehören ihm an Geheimrat Bücher von der A. E. G., Direktor Lange vom Verein deutscher Maschinenbauanstalten, Generaldirektor Dr. Poensgen von den Vereinigten Stahlwerken und der Gewerkschaftsführer Schmitz von den christlichen Gewerkschaften.

3. Ausschuß für verkehrsfragen.

Vorsitzender ist Graf Roedern. Dieser Ausschuß wird sich auch besonders mit Schiffahrt und Luft­verkehr beschäftigen.

4. Ausschuß für deutsch-französische Interessen­gemeinschaften.

Sein Vorsitzender ist Abraham Frowein vom Reichsverband der Deutschen Industrie. An bekann­ten Persönlichkeiten gehören ihm u. a. an Otto Wolff-Köln und der Hamburger Bankier Dr. Mel­chior. Dieser Ausschuß soll vor allem die Zusam­menarbeit der Kartelle enger gestalten.

5. Ausschuß für gemeinschaftliche deutsch-französische Zusammenarbeit im Ausland.

Vorsitzender ist der frühere Reichsminister Zen­trumsabgeordneter Dr. Hermes. Von seinen Mit- lFortsetzung auf Seite 2)

Sveihettskamvk ans Eppe««

Von E. Rösner

Ricos! (Cypern), Ende Oktober. Einer Verzweiflungsschrei so könnte man die Vor gange aus Cypern nennen, einen Hilferu eines vergeblich um seine Freiheit ringender Volkes, einen Ruf hinaus in die Welt der wie andere zwecklos verhallen wird, wem auch der hartnächige Kampf der Insel um ihr. Rechte weitergeführt und das vom Metro« politen, von Kition, Rikodemos, angefacht, Feuer nicht so leicht verglimmen dürste.

Wie einst vor 111 Jahren der Bischof Ger manos von Patras die Fahne des Aufstande« in Kalavryta entfaltete, der ein freies Grie­chenland schuf, so dürfte im Volke Cyperns da« Vorgehen seines Führers die gleiche Wirkunc haben, wenn auch ein ähnlicher Erfolg vorerf nicht abzusehen ist. England gibt Cypern nich so leicht auf. Am wenigsten läßt es sich aus diese Weise zwingen. Doch das große Vorbild aus der griechischen Freiheitsgeschichte und bei Wille des Cyprioten, sich der englischen Herr­schaft zu entledigen, werden England aus Cypern noch vor manche schwere Aufgabe stellen.

Cypern fühlt sich unfrei, vernachlässigt, klagt über Ausbeutung und Verarmung der Insel, die einst im Mittelalter die Schatzkam­mer Europas war, von der die Ritter im Nor­den träumten und die der Deutsche Kaiser Friedrich II. erorberte (12281232). Sie ist heute eine Einnahmequelle Englands, das sich nur für den Fortschritt auf der Insel inter­essiert- soweit er bem englischen Schatzamt förderlich ist. Hohe Gehälter der englischen Beamtenschaft saugen die Insel aus; 48 v. H. des Haushalts der Insel gehen allein für Ge­hälter und Pensionen des fremden Verwal­tungsapparates auf. Die einheimische Be­amtenschaft dagegen wird bedeutend niedriger entlohnt, wie überhaupt der Engländer dem Eingeborenen weit überlegen ist und bevor­zugt wird. Englische Industrieunternehmen werden durch besondere Zollgesetze unterstützt, einheimische dagegen oft durch die gleichen Ge­setze unterdrückt.

Wohl besteht einParlament" in Cypern, das in Nicosia tagt; doch es ist nur ein Scheinparlament, dessen Zusammen­setzung ein treffender Beweis für die politische Schlauheit" der Engländer ist. England spielte bisher mit Erfolg die Gegensätze zwi­schen der griechischen und türkischen Bevölke­rung aus, und während die griechische Be­völkerung der Insel nur die Hälfte der Abge­ordneten (12) in diese gesetzgebende Körper- chaft entsenden darf, obwohl es vier Fünftel )er Bevölkerung ausmacht, besteht die andere Hälfte aus Türken und Engländern. Bei Stim­mengleichheit entscheidet der Gouverneur, denn seit dem 5. Mai 1925 ist Cypern englische Ko­lonie. Da die Griechen und Türken eine na­türliche Opposition bilden und die Türken na­turgemäß stets zu den Engländern halten, wenn es sich um für das griechische Element lebenswichtige Fragen handelt, sind die Grie­chen praktisch von der Mitbestimmung an der Verwaltung und Regierung der Insel ausge­schaltet. Den bestimmenden Einfluß haben in Wirklichkeit die Engländer. Kommt es aber einmal zu einer Einigung zwischen Türken und Griechen, versagt also die feingesponnene Spekulation der Engländer, dann werden diese recht spärlichen Scheinfreiheiten unbe­kümmert um alles Recht aufgehoben, wie die Vergangenheit des öfteren bewies. Z. B. fan­den sich einmal in einer Pensionsfrage der englischen Beamten und bei Einführung eines neuen Strafgesetzbuches die sonst so feindlichen Griechen und Türken zusammen, weil diese Frauen beide Teile gemeinsam betrafen und belasteten. Darüber erzürnte das mächtige England und ließ sofort seine Machtmittel spielen. Die politischenFreiheiten" wurden

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