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. Montag, den 2. November 1931

Nr. 257

Herr Strasser will damit keine grundfätz- Uche Ablehnung der Kräfte der christlichen Ge­werkschaftsbewegung ausgesprochen, sondern nur gesagt haben, daß diese ihre bisherige politische Arbeit restlos aufgeben müßten, wenn nach dem Ausspruch Habermanns sich ver­wirklichen solle: Was heute Feind ist, muß morgen Freund werden können.

Die Presse Hugenbergs hat sich bisher ge­genüber der Erörterung des Themas: „Syn­these Brüning-Hitler" mit einer einzigen Aus­nahme eine weitgehende Zurückhaltung auf­erlegt und sich im wesentlichen auf das Re­gistrieren der Meinungen und Behauptungen anderer beschränkt. Dagegen finden sich jetzt in anderen deutschnationalen Blättern Er­örterungen, die gegenüber dem nationalsozia­listischen Verbündeten kein Blatt mehr von den Mund nehmen, sondern mit einer zwischen Bundesgenossen ungewöhnlichen Schroffheit den Nationalsozialisten Vorhaltungen machen. Die „Deutsche Zeitung" sieht in der Beteili­gung des Zentrums an der öffentlichen Aus­einandersetzung nur ein jesuitisches Intrigen­spiel. Die „Kreuzzeitung" geht noch weiter und greift in breiter Oeffentlichkeit die National­sozialisten an. Zunächst wird dem Partei­führer Hitler die Gefahr vorgehalten, daß seine heutigen politischen Trabanten vielleicht seine Gegner von morgen sein würden. Im Augenblick überschlage sich die Partei förmlich in ihrem Siegesrausch wegen ihrer Wahl- ae und tue so, als ob allein die National­sten die Nationale Opposition schlechtweg darstellten. Für den Fall, daß es dem Zen­trum gelingen sollte, die Nationalsozialistische Partei oder wenigstens ihre produktiven Kräfte zu einer vom Zentrum geleiteten Reichspolitik hinüberzuziehen, wäre nach An­sicht der „Kreuzzeitung" die nationale Oppo­sition zerschlagen und wahrscheinlich obendrein die Nationalsozialistische Partei zertrümmert. Dann wäre die Partei in die Rolle des betro­genen Betrügers versetzt.

Nach einer Mitteilung des „Vorwärts", die sich zunächst nicht auf ihre Zuverlässigkeit prü­fen läßt, soll Hugenberg bei dem Berliner Vertrauensmann Hitlers, Göring, Aufklä­rungen über die Verhandlungen der Partei mit dem Zentrum verlangt haben. Göring habe jedoch Hugenberg diese Aufklärung unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Hitler ver­weigert. Die Unterredung zwischen Göring und Hugenberg soll mit einem heftigen Zu­sammenstoß geendet haben und das Vorspiel zu der bekannten gereizten Auseinandersetzung zwischen der Hugenbergschen Nachtausgabe und dem von Dr. Goebbels herausgegebenen Angriff gewesen sein.

Wie die Dinge sich weiter entwickeln wer­den ist abzuwarten. Vor allem ist anzu­nehmen, daß in den nächsten Tagen auch von verantwortlicher Stelle aus eine Erklärung zu diesen Auseinandersetzungen erfolgt.

LanLkveiswablen itt LNeMenbuvsSchtvevi«

(Forti-'", na von Seite 1)

AmtGüstrow: Sozialdemokraten 8093 (9388) Kommunisten 3003 (2704), Nationalsozialisten 10501 (4867), bürgerliche Einheitsliste 2771 (0), mecklenburgische Heimatliste 693. Mandate: 8 So­zialdemokraten, 3 Kommunisten, 10 Nationalsozia­listen, 2 bürgerliche Einheitsliste und 0 mecklen- buraische Heimatliste.

Amt Hagenow: Sozialdemokraten 9212 (7959), Kommunisten 2189 (2199), Nationalsozia­listen 9767 (4766), bürgerliche Einheitsliste 3914 (0). Mandate: 8 Sozialdemokraten, 2 Kommu­nisten, 8 Nationalsozialisten und 3 bürgerliche Ein­heitsliste.

Amt Ludwigslust. Kommunisten 2279 (1872), mecklenburgischer Bauernverein 1135 (0), Sozialdemokraten 7027 (6882), Liste für Handel, Handwerk ugb Beamte 2263 (0), Nationalsozia- lichen 8040 (6882), Landvolkliste 2188 (0). Die Mandate verteilen sich wie folgt: 2 Kommunisten, 1 mecklenburgischer Bauernverein, 6 Sozialdemo­kraten, 2 Liste für Handwerk, Handel und Beamte, 7 Nationalsozialisten und 2 Landvolk.

Amt Rostock: Sozialdemokraten 7175 Stim­men (7 Sitze), Kommunisten 2388 (2 Sitze), Natio­nalsozialisten 11638 Stimmen (11 Sitze), Beamte 1282 (1 Sitz), Nationale Wirtschaftsliste 4473 Stim­men (4 Sitze).

Amt Grevesmühlen: Sozialdemokraten 4182 (bei der letzten Reichstagswahl 5166), Kom­munisten 1055 (758), Nationalsozialisten 4024 (2822), bürgerliche Einheitsliste 3081 (Vergleichs­zahlen liegen nicht vor).

Amt Wismar: Sozialdemokraten 6999 (bei der letzten Reichstagswahl 8361) Stimmen, 8 Sitze, Kommunisten 1737 (1525) Stimmen, 2 Sitze, Nationalsozialisten 7723 (4398) Stimmen, 8 Sitze, bürgerliche Einheitsliste 1073 (0) Stimmen, 1 Sitz, nationale Wirtschaftspartei 2684 (0) Stimmen, 3 Sitze.

Zwei Kommunisten erschösse«

Bad Doberan, 1. Nov. Zu einem solgen- schweren Zusammenstoß, der zwei Menschenleben forderte, kam es heute nacht hier zwischen Kommunisten und Nationalfozia- listen. Den Anlaß zu der blutigen Auseinander- fehung gab, daß einige Nationalsozialisten kommu­nistische Plakate für die heutigen Amtsvertreter­wahlen abrissen und dabei von Kommunisten über­rascht und gestellt wurden. Bei dem Zusammenstoß wurden die Kommunisten Bohm und Klöcking von dem Nationalsozialisten Ingenieur Waller Gödicke erschossen. Gödicke selbst mußte mit schweren Schußverletzungen ins Krankenhaus üdergesührt werden.

Ergänzend hierzu wird gemeldet: In einem kurzen Wortgefecht zwischen den beiden Gegnern zog der 26jährige Nationalsozialist Maschinen- mgenieur Walter Gaedecke plötzlich einen Revolver aus der Tasche und gab mehrere Schüsse auf die

Laval über Washington

Erklärun

patie, 2. Nov. Der Sonderkorrespondent der Agentur Haoas meldet von Bord des Dampfers „Isle de France", daß chm Ministerpräsident ßa« val vor seiner Ankunft in Frankreich folgende übergeben hat:

‘ 'i an, Laß die Unterredun-

Erklarung übergeben Als ich aüfuhr, gab ich gen, die ich mit Lem P . würde, sich weder auf Grund eines Protokolls noch auf Grund eines bestimmten Programms ab­rollen würden. Bei meiner Rückkehr nach Frank-

Präsidenten Hoover haben

reich kann ich sagen, daß

die Aufgabe, die ich übernommen habe, wich­tige Folgen haben kann.

Die Gegenüberstellung der Ansichten der fran­zösischen und amerikanischen Regierung, die ich mit Präsident Hoover in freier Diskussion vorgenom­men habe, wird in Zukunft auf alle Fälle Miß­verständnisse vermeiden oder wenigstens mildern. Dieses Ergebnis ist beachtlich, weil nunmehr die französische und die amerikanische Regierung ein­ander besser verstehen werden. Man kann daraus schließen, daß die Zusammenarbeit zwischen Frank­reich und Amerika dadurch erleichtert und gestärkt wird. Ich werde am Dienstag im Minffterrat über meine Unterredungen Bericht erstatten und die französische Regierung kann bann darüber befinden, welche praktischen Folgerungen man daraus ziehen kann. Ich habe von meiner Reise einen guten Ein­druck davongetragen. . Die Aufnahme, die ich als Chef der französischen Regierung in Amerika ge­funden habe, ist ein Zeugnis für die freundschaft­lichen Gefühle, die Frankreich in Amerika gemeßt. Beim Wiederzusammentritt des Parlaments wird dieses übrigens über die Politik, die wir eingeschla­gen haben und über die, die wir verfolgen sollen, M urteilen haben.

Es ist notwendig. Laß wir das unvergleichliche Prestige, das Frankreich gegenwärtig in der Welt genießt, benutzen, um unsere wesentlichen Interessen zu wahren und den Frieden zu kon- solldieren. ch

Ministerpräsident Laval hat an Bord der „Isle de France" dem Außenpolitiker des „Paris

kommunistischen Arbeiter Wilhelm Bohm und Heinrich Klöcking ab. Während Bohm zwei Schüsse in die rechte Seite erhielt, wurde Klöcking von einem Schuß in die Magengegend getroffen. Bohm brach auf der Stelle tot zusammen, während Klöcking auf dem Wege zum Krankenhaus den Verletzungen erlag. Der Täter steckte seine Pistole nach vollendeter Tat unaesichert in die Hosentasche. Dabei entlud sich ein Schuß und drang ihm in den rechten Oberschenkel. Auch im weitern Verlauf des heutigen Sonntags kam es in Doberan wiederholl zu gefährlichen Zusammenrottungen, so daß man sich schließlich veranlaßt sah, zur Sicherung der Ruhe und Ordnung ein Kommando Sicherheits­polizei anzufordern.

Zu einer regelrechten Straß enschla cht kam es weiter in der Nacht zum Wahltag in der Nähe der mecklenburgischen Stckdt Gadebusch Mischen Reichshannerleuten und Nationalsozialisten! Die Reichsbannerleute wurden von zwei aus ent­gegengesetzter Richtung kommenden nationalsozia- lsstischen Trupps, die zusammen etwa 200 Mann stark waren, eingekeilt. Es gab eine wüste Schlä­gerei, bei der die Streitenden mit Wagenrungen, Knüppeln usw. aufeinander einschlugen. Fünf Per- sonen wurden mehr oder weniger schwer verletzt.

Eine Rede Diuseldevs

Gießen, 1. Nov. In einer außerordentlich stark besuchten öffentlichen Wähleroersammlung der Deutschen Volkspartei sprach am Sonntag abenL in Gießen der Führer der DVP., Abgeordneter DingelLey. Er ging bei seinen Darlegungen von den bevorstehenden neuen Ver­handlungen zwischen Deutschland und Frankreich aus und gab dabei zu erkennen, Laß er Lem Verlauf und dem Ergebnis Lieser Verhand- lubng mit großem Pessimismus entgegensehe, well er politische ForLerungen der Franzosen als Voraus- setzung für wirtschaftspolitisches und finanzielles Ent- gegenkommen befürchte. Dingeldey sprach sich weiter für eine Verständigung mit Frank- reich aus, aber nur auf der Grundlage völ­liger Gleichberechtigung für Deutschland nach jeder Richtung hin. Hinsichtlich der I n n e n - Politik rechtfertigte er die von ihm bisher ver­tretene politische Haltung unL seine Absage an Las zweite Kabinett Brüning, weil dieses bisher das Steuer der Politik noch nicht herumgeworfen habe. Er forderte mit Nachdruck die Abkehr von der Sozialdemokratie und ihren Grundsätzen, die nur wirtschaftszerstörend wirkten und die Heran­ziehung der Nationalsozialisten zur Re­gierungsverantwortung, eine Entschlie­ßung, die schon nach dem Ergebnis der letzten Reichs­tagswahlen hätte getroffen werden müssen. Mit Klugheit und Entschlossenheit müßten diese Kräfte und alle nationalen Kreise zusammengefaßt werben, um die Abkehr von Ler Sozialdemokratie gründlich zu machen.

Nach Lem Beispiel Englands müßte auch in Deutschland eine nationale Regierung gebildet werden,

zumindesten hätte der Reichskanzler mit dieser For­derung vor die Parteiführer treten müssen, und wenn diese abgelchnt hätten, dann wäre ihnen vor dem Volk« die Verantwortung geblieben; das Vertrauen zu Brüning wäre entschieden größer geworden Lei­der habe sich Ler Kanzler auch hier wieder als ein Skeptiker gegenüber dem eigenen Volke und als Zauderer erwiesen. Darin fei eine bedauerliche Schwächung der Autorität der Reichsregierung zu er­blicken. Deutschland könne nur wieder aufgebaut wer­den durch eine Regierung, die es sich zur Aufgabe ge­stellt habe, mit dem Schutt der letzten zehn Jahre aufzuräumen und sich freizumachen von dem sozia­listischen Einfluß.

Zur Erreichung dieses Zieles und zur BekSmp- hing der Gefahr des Bolschewismus, der in Deutschland in diesem Winter sehr groß sei, müsse der von ihm geforderte Zusammenschluß aller I nationalen Kräfte in einer nationalen Kenterung i mit größtem Nachdruck von der Reichsregierung gefordert werden.

Der Redner gab schließlich zu erkennen, daß er von ' der gegenwärtigen Pressedebatte Mischen Lem Zen-

die er-

Midi" verschiedene Fragen betreffend Washingtoner Besprechungen beantwortet. Er klärte u. a. zur Frage, was die Worte des meinsamen französisch-amerikanischen .Communi- qués „neue Regelung" bedeuten: „Wir haben für die Periode wirtschaftlicher Depression eine Neu­regelung der zwischen den Völkern schwebenden Schulden in Aussicht genommen, ohne jedoch die Bedingungen und Modalitäten des neuen Abkom­mens präzisiert zu haben".

ge-

Auf die Bemerkung des Zounakisten, Latz also nach allem Anschein Amerika zum ersten Male Lie Eventualität einer Schuldenherabsetzung annehme, erwiderte Laval: „Das ist keine schlechte Auslegung des Lommuniqnös". Auf die Frage nach den Re­parationen antwortete Ler Ministerpräsident: „Selbstverständlich sind auch diese bei den künftigen Vereinbarungen für die wirtschaftliche Depressions­periode vorgesehen", jedoch lehnte Laval es kate­gorisch ab, sich eingehender zu äußern, und betonte nur noch, er habe die Gewißheit, daß die Washing­toner Reise sehr nützlich gewesen sei.

Stefan des Besprechungen Brüninss

Berlin, 1. Nov. Der Reichskanzler hat über die Frage der Schulden- und Reparationsreglung jetzt auch Fühlung mit den B o t s ch af t e r n der zu­nächst interessierten Mächte genommen. Da er mit Grandi am vorigen Sonntag unmittelbar Bespre­chungen hatte und die französische Stellungnahme erst nach Lavals Rückkehr geklärt sein wird, sind zunächst die Botschafter Englands und Amerikas eingehend unterrichtet worden. Vom Beginn der nächsten Woche, d. h. sobald die Verhandlungen Mischen dem deutschen Botschafter in Paris und dem französischen Ministerpräsidenten begonnen haben, wird wahrscheinlich fortlaufend in der Wikhelmstraße auch mit dem italienischen und dem sranzösischen Botschafter verhandelt werden.

trum und den Nationalsozialisten die Anbahnung einer solchen Entwicklung und eine Verständigung erhoffe, durch Lie eine breite nationale Front wach­gerufen werde zur Schaffung einer nationalen Regie­rung zum Besten des ganzen Volkes.

Teevivanus übe« SiedlungS- svagen

Essen, 1. Nov. Auf einer Arbeitstagung der Vokkskonservativen Vereinigung der Westmark äußerte sich Reichs minister Treviranus ingsfrage. Er erwähnte zunächst, daß der Plan der Reichsregierung für die Erwerbslosen­siedlung in völlig verzerrter Form in die Oessent- üchkeit gedrungen sei. Es sei die falsche Aufsagung entstanden, als dächte die Reichsrvgierima baran, / Erwerbslose auf zwei bis vier Morgen Land änzu- —^ r:- -T- °—^------ einem ungewissen

keit habe die

zur Siödlw

> tiefem unè sie als Zwergbauern einen >- Schicksal zu überlassen. In Wirklichk n Regierung nur daran gedacht, den D

auererwerbs-

losen eine zusätzliche Hilfe für den Lebensunterhalt zu bieten. Als wirksame Hilfe für das rbeinifch- westfälische Industrie geb it, in dem die Verhältnisse

Sanders gelagert seien als in anderen deutschen

. rken, käme nur eine großzügige Aussiedlung in Frage, und zwar nach dem Osten, wo Land in Hülle und Fülle angeboten werde. Bei der Erörte­rung der Beschaffung von Wohnungen sei chm ein Plan zur Prüfung vorgelegt worden, wonach ein Siedlerhaus 2055 Mark kosten solle. Der Minister meinte, daß das ein annehmbarer Preis fei und

man hierbei mit einem Reichszuschuß von 2000 Mark rechnen könne. Solle das Werk der Ansied­lung gelingen, dann müsse man primitiv anfangen. Die dem Staate gegenüber eingegangenen Ver­pflichtungen müßten erfüllt werden. Hauptzweck aller Siedlung sei die Bildung neuen Eigentums. Die Ansiedler müßten mit einer Belastung von 15 Mark monatlich für Wohnung und Feldpacht rech­nen. Die ganze Siedlunasfrâge könne nur durch ganz individuelles Vorgehen gelöst werden. Von außerordentlicher Bedeutung für das Gelingen des Werkes sei auch die körperliche und seelische Eig­nung der Frau für die Siedlung. Er glaube, daß die Sehnsucht des Volkes nach einer stärkeren Ver­bindung mit der Scholle alle Schwierigkeiten über­winden werde.

Sichiedssvvurh im Lohnstveit dev Gemeindeavbcitev

Berlin, 1. Nov. Die im Beichsarbeiisminl. sterium geführten Schlichtungsverhandlungen über die Neuregelung der Gemeindearbeiterlöhne erbrach­ten, wie der „Berliner Lokal-Anzeiger" meldet, in dm heutigen Morgenstunden einen Schiedsspruch, zu dem sich die Parteien bis zum 7. November, mittags 12 Uhr, dem Schlichter gegenüber zu erklären haben. Die neue Lohnregelung sieht vor, daß die am 31. Ok­tober 1931 bestehenden Stunden-, Wochen- und Mo- nalslöhne sich um 4% Prozent ermäßigen.

Heue SpavmaS«ahmen in Naveen

München, 1. Nov. Die soeben erlassene Zweite Notverordnung zum Vollzug des Staatshaushaltes erhöht das Schulgeld an den staatlichen höheren Unterrichtsanstalten und sieht eine Kür- 3uug der Beamteng ehälter und Pen- s i o n e n vor. Am bedeutsamsten sind die Bestim­mungen über weitere Vereinfachung and Per- billigung der Staatsverwaltung. Danach werden aufgehoben: Das Staatsministerium für Llind- wirtschaft und Arbeit am 1. April 1932, das Ober- landesgericht Augsburg, die Landgerichte Fürth, Neuburg a. d. D. und Straubing ebenfalls am 1' April 1932. Dle Regierungsbezirke von Nieder- Bayern und Oberpfalz werden mit dem Sitz der Kreisregierung in Regensburg am 1. April 1932 zusammengelegt. Die Regierungsbezirke von Oberfranken und Mittelfranken werden am 1. Januar 1933 mit dem Sitz der Kroirsegierung in Ansbach ebenfalls vereinigt. Weitere Zusammen­legungen treffen die landwirtschaftlichen Berufs­

genoffenschaften und die LanLesversicherungsanstal- ten Ler vier genannten Kresse, wobei daran gedacht ist, die bisherigen Kreisregierungssitze Landshut und Bayreuth zum Sitz der Sozialen Versicherungs, arrstalten der vereinigten Kreise M machen.

Bis zum 1. April 1933 sind weiterhin 24 Amts­gerichte, 8 Bezirksämter, drei Bauämter, 10 Mes­sungsämter und 12 Forstämter und Forstamts­außenstellen aufzulösen, die durch Verordnungen des Gesamtminiisteviums bestimmt werden.

^ommunMlschs Aus- Mvettungen in Lèmbuvg

Limburg, 1. Nov. Am Samstag nachmittag kam es hier zu größeren kommunistischen Ansamm­lungen. Es handelte sich um geschlossene Trupps von Kommunisten, die von einer Versammlung kamen, in der eine Kommission ernannt worden war, die der Stadtverwaltung die Forderungen der Erwerbslosen unterbreiten sollte. Nachdem es bereits kurz nach der Versammlung zu Reibereien zwischen Kommunisten und Polizeibeamten gekom­men war, nahmen die Zusammenstöße im Innern der Stadt einen ernsteren Charatker an. Rufe wie „Ihr Bluthunde" fielen, und dann gingen die Kom­munisten gegen die Beamten vor, die vom Gummi­knüppel Gebrauch machten und mehrere Kommu­nisten verletzten, darunter einen so schwer, daß er ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Schließ­lich war Lie Polizei gezwungen, einige Verhaftungen vorzunehmen. Auch im Laufe des Abends kam es wiederholt zu Zusammenstößen, wobei die Kommu­nisten in kleineren Trupps in verschiedenen Stadt­teilen auftauchten, um Lie Kräfte der Polizei zu ver­zetteln.

Die deutsth-kchweizevifwon HandelsvertvagSvevband- ittttseu

Entgegenkommen bet deutschen Regierung

Bern, 1. Nov. Die deutsche Gesandtschaft hat heute dem eidgenössischen volkswirtschaftlichen De­partement zur Kenntnis gebracht, daß die deutsche Regierung bereit fei, die für die Kündigung des schweizerifch-deutschen Handelsvertrages bestehende Frist von drei Monaten auf zwei Monate herab­zusehen, um so den Beweis zu geben, daß die deutsche Regierung keine Möglichkeit unversucht lassen werde, einen Bruch zu vermeiden. Die An­nahme des Vorschlages durch die schweizerische Re­gierung würde gestatten, die Verhandlungen lm No. vember fortzusehen ohne daß dadurch der Ablauf einer etwaigen âunbigungsf^-wctollQrt Der Bundesrat wird in dieser Angelegentzttt^gm Dienstag Beschluß fassen.

Gedenkfeèev an den deut­schen âkegeeKvZheen ist srandeen

Ppern, 1. Nov. Eine Abordnung von 600 Deut­schen, die die Verbände der Kriegsteilnehmer, ber, Krrè gsbefchädl gkèn und der Sewertfdjäfte^ ten, traf heute aus Aachen hier ein, um die Grä­ber der deutschen Krieger in Flandern, besonders auf dem großen deutschen Friedhof Broodfeinde, zu besuchen. Der Präsident der Vereinigung Deut­scher Kriegsbeschädigter Schmitz im Namen der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer und Vikar Hochmann aus Köln-Deutz im Namen der Frie­densverbände gedachten der Toten. Die Choroer­einigung „Harmonia" aus Aachen fang einen Trauerchoral. Bei der Feier waren auch die deutsche Gesandtschaft in Brüssel, die Stadtge­meinde von Aachen und die Verwaltung der Reichsbahn vertreten. Die Abordnung reiste am Mend nach Deutschland zurück.

Brüssel, 1. Nov. Mitglieder der hiesigen deut­schen Kolonie begaben sich heute auf den Friedhof von Brüssel, wo der deutsche Gesandte mit dem Personal der Gesandtschaft vor dem Denkmal der im Kriege gefallenen Deutschen einen Kranz mit einer Schleife in den Farben der deuffchen Repu­blik niederlegte, v. Lerchenfeld hielt eine Ansprache, in der er der für ihr Vaterland Gefallenen ge­dachte. Die Deutschen versammelten sich dann vor dem Denkmal der Toten von 1870 und gedachten schweigend der Kriegsopfer.

Gvubenexvlosson fa SchotKand

Jehn lote

London, 1. Nov. Durch eine Explosion auf der Bowhill-Grube bei Lochgelly in der schottischen Grafschaft Fifefhire wurden zehn Bergleute getötet

Die Grube ist eine der größten in Schottland und hat eine Belegschaft von 1440 Mann. Sams­tag nachmitag wurde eine Detonation wahrgenom­men, die die ganze Ortschaft Lochgelly erschütterte, so daß die Fensterscheiben klirrten. Sofort füllten sich die Straßen mit Menschen, und die Bevölke­rung eilte zur Grube. Rettungsmannschaften orga­nisierten sich und stiegen hinab. Sie nahmen sechs Kanarienvögel mit, um die Luft zu prüfen. Dis Vögel starben aber sämtlich unter dem Einfluß der Gase. Trotzdem hielt die Mannschaft weiter aus. Nach sechsstündiger schwerer Arbeit mutzte sie je­doch wieder zurückkehren, ohne Erfolg gehabt zu haben. Weitere Rettungsmannschaften wurden hinabgesandt und nach vielen Stunden eifriger Arbeit gelang es ihnen endlich, in den Nachtstun­den an die Ünglücksstelle zu gelangen, wo sie zehn vollkommen verstümmelte Leichen unter den Trüm­mern fanden.

Das Unglück ereignete sich 600 Meter unter der Erde. Am Eingang der Grube warteten Frauen unter Tränen auf weitere Nachricht, bis sie endlich die Unglückskunde erhielten. Das Unglück ist das größte, das sich jemals in dem Kohlenbergwerk von Fifejhire ereignet hat.

Der Reichsverband der Deutschen Schuhittdustrie hat in feinem und im Namen der anderen am Reichs» tartfvertrag beteiligten Arbeitgeberverbände Las get« tenbe Lohnabkommen zum 30. November 1931 ge­kündigt. Von den Arbeitgeberverbänden Ler Schuh­industrie wird eine Herabsetzung Les MindeststunLen- ohnes für einen männlichen Arbeiter über 21 Jahre in Drtstlaffe 1 von 90 auf 75 Pfennig, im übrigen gestaffelt nach den Bestimmungen des Hauptvertrages “n^r™e entsprechende Herabsetzung sämtlicher tat- sachlicher ^'tlohne und Akkordsätze im gleichen pro­zentualen Verhältnis begehrt.