Einzelbild herunterladen
 
  

Sette I

Sametag, den 31. Oktober 1931

Rr. 256

Lehrer ersticht Abiturientia

Siet, 30. Gkt. Ein« 18iShrige tobitnirientin wurde heute nachmittag in der Wohnung ihrer Mutter von einem 30jährigen Lehrer, der cm einer hiesigen höhe­ren Schule beschäftigt war, durch zwei Dolchstiche in die Brust getötet. Der Täter brachte sich dann selbst so schwere Verletzungen bei, daß er kurz^ nach seiner Einlieferung im Krankenhaus starb. Man nimmt an, daß die Tat aus Eifersucht begangen wurde.

Schweres Doolsunglück auf dem Mekong

Paris, 30. @M. Wie die Agentur 5nbo Pacifiquo Lus Wientian in Indochina meldet, ist ein Flußboot des Königs von Laos, auf dem sich Mitglieder der königlichen Familie befanden, auf dem Mekong-Fluß auf ein Riff gestoßen und gesunken. Elf Mitglieder der königlichen Familie und 24 Eingeborene seien ertrunken. Ihre Leichen wurden nicht ausgesunden.

Das Schicksal der Flüchtlinge von der Teufelsinsel

Port of Spam (Trinidad), 29. Oft. Neun fran­zösische Sträflinge, die, wie seiner Zeit berichtet, in einem kleinen Boot von der Teufelsinsel entkommen waren und nach einer Reise von beinahe 1000 Kilo­metern an der Nordküste der Insel gelandet waren, wurden heute auf Befehl des Gouverneurs freige- lasien, wahrscheinlich well die Auslieferungsgesetze für einen solchen Fall nicht anwendbar sind. Sie wurden von der Heilsarmee übernommen und wer­den wahrscheinlich künftig in der kleinen Ansiedlung von Flüchtlingen leben, die früher unter ähnlichen Umständen entkommen sind und jetzt als ftiedliche und arbeitsame Bürger leben.

Die „Meivovolltan-Sveva", Ne Svev dev rnllliouSve

Otto H. Kahn, der bekannte Rewyorker Bankier Und Förderer deutscher Kunst ist vom Vorsitz des Direktoriums der „Metropolitan-Opera" zurückge- treten. Auch die Geschäfte dieses Opernhauses der Millionär« sollen schlecht gehen. Das Direktorium oder der Klub besteht aus 21 Personen. „Chairman" ist Otto H. Kahn oder er war es vielmehr bisher. An zweiter Stelle steht Vincent Astor und unter den arideren Mitgliedern sind Vertreter der Familien Vanderbilt, Harrymann, Mackay, Whit- n«y, Moore, Harknes und andere hervorragende Vertreter der amerikanischen Finanzaristokatie. Die Logen sind in festen Händen. Jeder weiß, welche Logennummer einen der berühmten Krösuse birgt. In Loge Nr. 9 sieht man Frau Rockefeller mit ihren Riesenbrillonten neben Frau Harryman, in Loge Nr. 3 kann man Missis Cornelius Vander­bilt bewundert. Pirpont Morgan, der ameri­kanischen Bankengewaltige verfolgt aus Loge Nr.

35 die Vorgänge auf der Bühne, wenn er nicht durch zahlreiche Telegramme daran gehindert wird, die ihm auch während der Vorstellung von seinen Angestellten gebracht werden und oft keinerlei Auf­schub dulden. Hier in den Logen wird oft Welt und Wirtschaftspolitik gemacht. Wenn Morgan ein Tele­gramm bekommt und sich dann erhebt, um das Theater zu verlassen, dann kann er es noch so un­auffällig tun. Er wird von Hunderten von Theater­besuchern beobachtet und jeder weiß, daß jetzt schwierige Entscheidungen fallen. Die größte Ehre bedeutet es, wenn man zum „Metropolitan-Opera-

Werr, mit dem sich selbst englische vornehmste Klubs nicht messen können. Die wenigen Mitglieder dieses Klub verfügen über ein Vermögen, das dem be­rühmten Goldschatz der Bank von Frankreich nicht viel nachstehet. Die Räume für den Klub befinden sich im ersten Rang der Metropolitan-Opera. Vor der Tür stehen zwei riesige Neger in pomphafter Uniform und gestatten den Zutritt nur den Mit­gliedern des Klubs. Der Amerikaner ist stark byzan­tinisch gesinnt, seine Verehrung gilt aber in erster Reihe dem Götzen Dollar. Darum hält er es für seine Pflicht, sich in den Pausen vor den Räumen des Klubs aufzustellen, um die allgewaltigen Fi- nanzbeherscher der Welt von Angesicht zu Ange­sicht zu erblicken, wenn sie in Frack und Zylinder die Räume des Klubs betreten. Die Formlosigkeit des reichen Amerikaners macht vor dem Metropoli- tan-Opera-Club Halt. Hier herrscht eine strenge Etikette, die jeder befolgen muß, der Zutritt zu den Räumen haben will. Die Mitglieder des Klubs sind gewissermaßen die Hausherren der Oper. Sie er­halten den ganzen Betrieb, der alljährlich viele Millionen kostet. Die größten Sänger und Sänger­innen werden hier ohne Rücksicht auf die Honorare engagiert, denn die großen Herren des Dollars wollen es so haben, und dann spielt Geld keine Rolle. Einige von ihnen sind bei den letzten schwar­zen Tagen an der Rewyorker Börse auch ein wenig schwach geworden, so daß der Etat der Metropoli­tan-Opera heute nicht mehr so üppig ist, wie noch vor einigen Jahren oder gar vor fünf Jahren, der Zeit der höchsten geschäftlichen Blüte Amerikas. An de mTheaterbesuch merkt man aber, wie schwer die amerikanische Finanzaristokratie gelitten hat. Wenn man von den sehr reichen 21 Mitgliedern des Klubs absieht, denen selbst Verluste von vielen Millionen nicht viel anhaben können, dann muß man sagen, daß die Verarmung Amerikas größer ist, als man allgemein vermutet. Schon im vorigen Jahr waren zahlreiche Plätze nicht verkauft. Das war früher eine völlig unbekannte Erscheinung. Damals drängte sich jeder dazu, einen Abend in der Oper der Milliar­däre zu verbringen, und das Opernhaus hätte an großen Abenden fünfmal so groß sein müssen, wenn es alle Eintrittheischenden hätte aufnehmen wollen. Jetzt können aber viele der früheren Millionäre die hohen Eintrittspreise zu der Oper nicht mehr be­zahlen, und darum sind viele Plätze leer, die in besseren Tagen von den Vertretern der bekanntesten Familien besetzt waren. Manche Gesichter, die man selbstverständlich seit Jahren hier zu sehen gewohnt war, tauchen nicht mehr auf, und man erzählt sich, daß die Leute, die früher tausend Dollar für einen Opernabend ausgeben konnten, heute ftoh sind, wenn sie die Hälfte dieser Summe im Monat als Angestellte eines früheren Standesgenossen zu ver­dienen. So zeigt sich gerade an dieser Stätte der größten Pracht, des größten Reichtums und des größten Luxus die verheerende Wirkung der wirt­schaftlichen Krise. Die Glanztage der „Metropolitan- Opera" sind vorüber und darin dürfte auch der Grund dafür zu erblicken sein, daß sich Otto H. Kahn von dem Direktorium zurückzieht. Die deutsche Musik erleidet dadurch großen Schaden, denn unter Otto H. Kahns Herrschaft war die Metropolitan- Opera eine Pflegestätte deutscher Kunst, soweit es sich im Rahmen des Programms dieses Opernhau­ses ermöglichen ließ.

Der

im November

liiere Sternkort« gibt den Anblick des Ster­nenhimmels am 1. November, abends 10 Uhr, wieder. Wegen der ständigen, mit dem Ablauf der Jahreszeiten im Zusammenhang stehenden Ver­änderung des Himmelsanblicks gilt sie in der Mitte des Monats bereits eine Stunde früher, also

pJON

MW

Foma

7 èME DM

um 9 Uhr und am Ende des Monats um 8 Uhr abends. Wie uns auf der Erde das Ersterben der Pflanzenwelt das Nahen des Winters anzeigt, so erinnert uns auch das Erscheinen der Winter- sternbilder am Wichen Abendhimmel an den Wechsel der Jahreszeiten. Wir sehen dort unter dem Sternb rlde des Fuhrmanns mit der funkeln­den Kapello die Zwillinge mit den Hauptsternen Kastor und Pollux, den Stier mit dem rötlich fun­kelnden Aldebaran und der sanft leuchtenden Stern­gruppe der Plejaden und das Sternbild des Orion, dessen beide Schultersterne Beteigeuze und Bella­trix bereits deutlich sichtbar sind, während die Fuß­sterne erst gerade über dem Horizont erscheinen. Fast genau im Osten aufsteigend, durch die eben genannte Sterngruppe hindurchgehend, erkennen wir di« matbschimmernd« Milchstraße, die, durch Perseus und Kassiopeia weiterführend, bis zum Zenit, dem höchsten Punkt des Himmels, empor» steigt. Dann windet sie sich durch die Sternbilder Kepheus, Schwan und Adler zum Westpunkt herab. Im südlichen Teil des Himmels stehen nur mäßig helle Sterne. Widder, Andromeda und Pegasus sind die Sternbilder, die sich am deutlichsten her­ausheben. Im Norden steht dicht über dem Hori­zont in seiner tiefsten Stellung der Große Bär.

Auf unserer Karte ist in diesem Monat keiner der Planeten zu finden. Venus, die nur wenige Minuten nach Sonnenuntergang in der Abend­dämmerung sichtbar ist, und der etwas längere Zeit zu beobachtende Saturn sind zu den Gültig- keitsstuttden unserer Karte bereits untergegangen; Jupiter dagegen ist zu diesen Zeiten im Osten noch nicht aufgegangen. Er erscheint im Anfang des Monats erst um 11/4 Uhr, am Ende des Monats

Der SKvM-OMZöß

Die Geheimnisse der Buchhaltung — Trinkgelder

Frankfurt a. 2IL, 30. Okt. Die Freitagverhand­lung im Favag-Prozeß brachte interessante Ein­blicke m die Geheimnisse der Favag-Buchhaltung, in di« einzudringen selbst den Buchfachverständig«n keine Kleinigkeit zu sein scheint. Zur Verhandlung kam zunächst di«

Vergütung von 125 000 RM,

die den Direktoren, den an der Emission beteiligten Banken und noch verschiedenen „Freunden" an­läßlich der Kapitalerhöhung der Favag um 5 Mill. RM im Jahre 1928 zugeflossen ist. Von diesem Betrog bekamen die Direktoren Becker, Dumcke, Schumacher, Lindner und Mädje je 10 000 RM, die an der Emmission beteiligten beiden Bankhäuser je 25 000 RM, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hoff so­wie Sauerbrey und Fuchs wurden je 6250 RM ge­währt. In den Büchern der Südw«stdeutfchen Bank wurden diese Beträge als Zahlungen der ge­nannten Personen verbucht. In einem Schreiben, in dem Mädje die Vergütung von 10 000 RM mit­geteilt wurde, gab Sauerbrey an, daß dieser Be­trag aus „erklärlichen Gründen" als Zahlung ver- bucht worden sei und daß Mädje das Schreiben so­fort vernichten solle. Wie Sauerbrey hierzu er­klärte, habe er auf Veranlassung Beckers diese Buchungsmethode aus steuerlichen Gründen ge­wählt. Bemerkenswert ist die Aussage Schu­machers, daß er prinzipiell gegen die Vornahme der Kapitalerhöhung gewesen sei.

Becker habe damals exotische Pläne vorgehabt,

d. h. das Geschäft sollte auch auf Uebersee ausge­dehnt werden, er, Schumacher, habe aber die Favag für solche Geschäfte als noch nicht genügend. ge­festigt angesehen. Sauerbrey meint, daß nach seiner Ansicht der Zusammenbruch der Favag nicht ge­kommen wäre, wenn die Ueberseepläne Beckers verwirklicht worden wären. Der Verteidiger Mäd- jes stellte darauf einige Beweisanträge, auf Grund deren er nachweisen will, daß bei Mädje jede straf­bare Handlung ausgeschlossen sei. Der Staatsan­walt stellt demgegenüber Eventual-Beweisanträge, daß der vor einigen Tagen über die Vergütungs- frage vernommene Zeuge Walther dem Vorsitz des Transportversicherungsverbandes niederlegen mutzte dq jhm nicht ehrenhaftes Verhalten vorgeworfen

um 9% Uhr über dem Horizont. Merkur und Mars bleiben wegen ihrer sonnennahen Stellung ganz unsichtbar.

Der Mond steht zu Monatsanfang im abneh­menden Lichte. Am 9. November ist Neumond. Die einige Tage darauf erscheinende schmale Sichel

erreicht am 17. das Erste Viertel und nimmt wei­ter bis zum 25 zum Vollmond zu. In den frühen Morgenstunden dieses Tages, etwa zwischen 2 und 5 Uhr, durchwandert der Trabant unserer Erde die Sterngruppe der Plejaden. Dem Sternfreunde, der im Besitz eines Fernrohrs oder guten Feld­stechers ist, bietet dieses Ereignis Anlaß zu inter­essanten Beobachtungen. Nicht nur kann man bei dieser Gelegenheit das Wandern des Mondes an den Sternen vorbei besonders deutlich und ein­dringlich erkennen, man sieht auch, daß er uns näher steht als die Sterne, die hinter seinem Ost- rande verschwinden und erst nach geraumer Zeit wieder an seinem Westrande sichtbar werden. So­wohl das Verschwinden wie das Wiederauftauchen geht im Bruchteil einer Sekunde und ohne vor­hergehende Helligkeitsänderung des Sterns vor sich, was beweist, daß der Mond von keiner Atmo­sphäre umgeben ist.

Um die Mitte des Monats, namentlich in der Zeit vom 14. bis 18. November, werden wir Ge­legenheit haben. einen größeren Sternschnuppen« 'schwärm'zu beobachten. ' 'Die Erde kreuzt in diesen Tagen die Bahn des Kometen von 1866, dessen Uederreste in die Atmosphäre eindringen und sich dort wegen ihrer gewaltigen Geschwindigkeit von 70 Km. in der Sekunde zur Gluthitze erwärmen und meistens verbrennen, bevor sie die Erdober­fläche erreichen. Die Lufthülle wirkt also wie ein Panzer, der uns vor dem gefährlichen Bombarde­ment aus dem Weltenraum schützt. Für uns Be­wohner der Erde ist daher ein Sternfchnnppenfall ganz ungefährlich und wir können uns voll dem ungewöhnlichen Schauspiel des „himmlischen Feuer­werks" hingeben.

für nicht in Anspruch genommene Kredite würde. daß Walther seinen Vorstandsposten beim Deutschen Lloyd im Zusammenhang mit Unregel­mäßigkeiten hat aufgeben müssen, daß er beim Mutzenbecher-Konzern fristlos entlassen wurde und daß er im Barmat-Prozeß auf der Anklagebank ge­sessen habe. Sodann kam die

Verteilung von 219 000 K2R aus dem Vermögen der Favag

zur Sprache, wobei Mädje beschuldigt wird, zum Nachteil der Vereinigten Berlinischen gehandelt zu haben. Sauerbrey soll sich hier der Beihilfe schul­dig gemacht haben. Die Vereinigte Berlinische hatte von der Favag für Aufwertungsarbeiten die Summe von 23 Mill. RM verlangt. Daraufhin wurde von der Südwestdeutscheu Bank ein Kredit von 6 Mill. RM zur Verfügung gestellt, der jedoch später nicht in Anspruch genommen zu werden brauchte. Bei dieser Gelegenheit sind die genann­ten 219 000 RM verteilt worden, wovon Mädje 80 000 RM, Bumcke und Becker je 60 000 RM und Sauerbrey 20 000 RM erhielten. Becker über­brachte Mädje di« 80 000 RM persönlich nach Ber­lin. Mit dem aufgeteilten Betrag von 219 000 RM wurde die Vereinigte Berlinische belastet, womit sich Mädje unter der Bedingung einverstanden erklärte, daß das mit der Südwestdeutschen Bank getroffene Kreditabkommen von 6 Mill. RM storniert würde. Sauerbrey will in dieser Angelegenheit nach dem diktatorischen Befehl Beckers gehandelt haben. Er mußte in der Verhandlung zahlreichen Fragen der Richter standhalten. Dabei äußerte er. daß sich vielleicht ein gewisses System herausgebildet und daß man das Fimgenfpitzengefühl damals verloren hatte. Sauerbrey muß zugestehen, daß er sich heute anders verhalten würde. Er will der Ansicht ge­wesen sein, daß es sich bei der Vergütung um einen von der Vereinigten Berlinischen bewilligten Be­trag gehandelt habe. Die Eigenart dieser Trans- aktion liegt darin, daß hier eine Belohnung für ein Geschäft gegeben wurde, das noch gar nicht ab­geschlossen war. Sauerbrey gab schließlich zu, daß die Entnahme als Bereitstellungsprocision frisiert wurde. Die Verhandlung wird am Samstag fort« gesetzt, fällt dafür aber am Montag aus.

Va»illonLabovatovleu

Im Calmette-Prozeß spielt das „Bazillen-Labo» ratorium" eine große Rolle, da man aus der Ein­richtung dieses Laboratoriums erkennen will, ob es sich um eine Verunreinigung der Calmette- Kulturen mit Virulenten Bazillen handelt oder nicht. Dem Laien ist es meist unmöglich, ein der­artiges Bazillen-Laboratorium kennen zu lernen. Dabei sind diese wissenschaftlichen Stätten für die Bekämpfung der Krankheiten von allergrößter Be­deutung, und man sagt nicht zuviel, wenn man be­hauptet, daß die Verlängerung der Lebensdauer unserer Generation hauptsächlich in diesem Bazil­len-Laboratorium bewirkt wird. Von hier aus geht'' der Kampf gegen die furchtbarsten Epidemien der Welt. Hier wird die Pest bekämpft, hier werden Sicherheitsmaßnahmen gegen die Cholera getrof­fen, die Tuberkulose, der Würgeengel der Mensch­heit, ist das Ziel von Hunderten von Forschern, die gegen diesen gefährlichen Feind Waffen schmieden wollen. Die ganze Bakteriologie ist ungefähr 80 Jahre alt Im Jahre 1849 entdeckte der deutsche Arzt Dr. Alois Polender den Milzbrandbazillus und erkannte in ihm die spezifische Krankheits­ursache. Zwar hatten schon früher hervorragende Forscher vermutet, daß ansteckende Krankheiten und Epidemien durch kleinste Lebewesen erzeugt werden. Ja, der alte römische Schriftsteller Marcus Terentius Varro hat bereits in seiner Schrift „De re rustica" auf diese Wahrscheinlichkeit hingewie­sen, und im 19. Jahrhundert haben mehrere For­scher noch viel eingehendere Behauptungen aufge­stellt. Die wirklich erste Entdeckung eines Bazillus als Krankheitserreger erfolgte aber durch Polen­der, der damit der ganzen Forschung neue Bahnen wies und geradezu eine Revolution der Therapie einleitete. Koch erbrachte im Jahre 1876 den Be­weis, daß tatsächlich, wie Polender angenommen hatte, zwischen Milzbrandbazillus und Milzbrand eine ursächliche Beziehung besteht. In schneller Folge wurden dann zahlreiche andere Bazillen ent­deckt, so im Jahre 1882 von Koch der Tuberkel­bazillus, der in dem Lübecker Prozeß eine unheim­liche Rolle spielt, und im Jahre 1883 der Cholera­bazillus. Fast gleichzeitig mit der Entdeckung der Bazillen ging die Entwicklung der Erforschung die­ser Krankheitserreger einher. Professor Robert Koch, der berühmte Bakteriologe, war zugleich auch der Begründer der Untersuchungsmethoden. Es wurden eigene Laboratorien gegründet, in denen die Bakterien untersucht wurden. Die Präparate werden zu diesem Zweck mit Anilinfarben gefärbt da dann die Bakterien deutlich hervortreten. Er werden Bakterienkulturen angelegt, um ihre Eigen­schaften eingehend prüfen zu können. Diese Kul­turen werden entweder auf festen Nährböden, be­sonders Nährgelatine, oder in flüssiger Fleisch­brühe gezüchtet. Man erinnert sich, daß im Calmette-Prozeß einige Bazillen-Kulturen auf festem Nährboden angelegt worden waren zum Unterschiede von den angeblich harmlosen, die in besonderen Kapseln verschlossen wurden. Es sollen aber Vermischungen vorgekommen sein, als die Krankenschwester Urlaub hatte. Aus dieser Dar­stellung geht hervor, welcher Art die Verwechslun­gen gewesen jein dürften Es gibt noch andere Nähr­böden für Bazillen-Kulturen. Die heutige Fc^

vi re

8

I utfitn ^xm guTl,^ Kolonien von Bakterien zu erzeugen. Nach einigt < Tagen kann man beobachten, wie sich diese gefeit lichen Feinde der Menschheit auf diesem günstige Nährboden vermehrt haben. Nun haben die Fok- scher das Material zur Hand, um ihre Untersuchun­gen anzustelley. Hier ist tausendfacher Tod gezüch­tet, durch den ganze Völker vernichtet werden könn­ten, eine unheimliche Waffe in der Hand des For­schers, der allerdings die Mittel in der Hand H um sie unschädlich zu erhalten. Selbstverständlich werden diese grauenhaften Erzeugnisse, die dem Wohle der Menschheit zu dienen gezwungen wer­den, in ganz sichere Gefängnisse verschlossen, wie er für derartige furchtbare Mörder erforderlich ist- Die besten Panzertresors sind gut genug, um die Pest oder die Cholera in sich zu bergen und zu verhüten, daß einzelne der gefährlichen Bazillen in die Freiheit gelangen können, wo sie unabseh­bares Unheil anzurichten imstande sind. Auf diese Weise gelingt es auch, unbekannte Bakterien zu finden. In zahlreichen Fällen steht heute der For­scher noch vor Rätseln. Krankheiten greifen mit un­heimlicher Schnelligkeit um sich, und es ist mit aller Sicherheit anzunehmen, daß es sich um In­fektionen durch Bazillen handelt, aber der Krank­heitserreger kann nicht gefunden werden. Dann werden Blut, Eiter und andere, vermutlich um Krankheitserreger enthaltende Flüssigkeiten oder Stoffe den Kranken entnommen und werden unter größten Vorsichtsmaßregeln untersucht. Man legi dann sogenannte Reinkulturen an, um irgend einen neuen Bazillus zu finden. Den Beweis dafür kann man allerdings sehr schwer führen. Wenn biefei^ Bakterienart bei allen Kranken, die in der gleichen Weise hinfällig werden, erscheint, dann ist schon Sicherheit zu rechnen, daß es sich um Krankheit-, erreger handelt, besonders bann, wenn die Bar terienart bei keiner anderen Krankheit zu finden ist. Sicherheit hat man allerdings erst dann, wenn man Versuchstiere, wie Mäuse, Kaninchen ooe Meerschweinchen mit den Kulturen impft oo füttert und dadurch die gleiche Krankheit erzeug- So dienen die Vazillen-Laboratorien den aue schwersten Kämpfen, die die Wissenschaft kenn- denn hier wird der Krieg geführt gegen Pest un Cholera, gegen Tuberkulose und Syphilis sow gegen alle anderen ansteckenden Krankheiten, o früher ganze Völker vernichteten, aber jetzt ha»i u im Keime erstickt werden können.

Operationen am menschlichen Körper werde» vielfach statt wie früher mit einem Messer mit trischen Funken ausgeführt.

Fensterbänke polieren geschieht am besten w „Perwachs", denn diese ideale Boden-Creme nicht nur für jeden Fußboden, für alle ' Türen, Leder vorzüglich, sondern auch für und Marmorplatten. Stets ist jedoch darauf S achten, daß „Perwachs" nur hauchdünn aufgetrag und danach sofort poliert wird. Das Aufträgen e folgt zweckmäßig mit einem rauhen Tuch (Trn stoff), das Nachpolieren mit einem weichen A s oder einer weichen Bürste. Neben dem hertMA Hochglanz wird die Annehmlichkeit des erfrischend Tonnenduftes, den „Perwachs" ausströmt, von w Hausfrauen ganz besonders geschätzt. Auf Wun t erhalten Sie von den Thompson-Werken G. 6. H., Düsseldorf, gerne kostenlos eine Probedost.