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Beste I

Samstag, bei 51. Oft ober 1931

Nr. 256

Gegen das Verdat den ^inrigbefahrnns

8m Saale „Zum Riesen" fand gestern abend Vuf Veranlassung der Arbeitsgemeinschaft der Hanauer Kanuvereine und der Ortsgruppe Hanau des D. R. A. f. L. eine sehr stark besuchte Protest­kundgebung der großen Hanauer Paddlergemeinde gegen das Verbot der Kinzigbefahrung im Land­kreis Hanau statt. Sämtliche Wassersportler von Hanau, Frankfurt, Offenbach und Umgebung wissen sich einig in schärfstem Abwehrkampf gegen diese unverständliche wasserpolizeiliche Anordnung, die mit der Verschließung des Paddlerparaüiefes Bulau einen mehr als schweren Schlag für die Belange der Paddler bedeutet. Diese Stimmung beherrschte auch die gestrige Kundgebung, die in einer ein­mütigen Entschließung gipfelte.

Im Mittelpunkt der Protestoersammlung stand ein Referat des Vorsitzenden des Oberrhein- und Mainkreises im Deutschen Kanuverband- Herrn Dr. Seydler» Frankfurt, der sich ausführlich mit dem völlig unbegründeten Verbot und seiner Aus­wirkung befaßte, um zum Schlüsse zum gemein­samen Abwehrkampf in aller Oeffentlichkeit aufzu- sordern. Ganz besonders wies Redner dabei auf den Ausfall an Volksgesundheit und -erholung hin, der zwangsläufig durch dieses unbegreifliche Ver­bot beiringt werde, bei dem „Berechtigte" gegen­einander ausgespielt werden sollten, ohne daß man überhaupt an maßgebender Stelle die Wassersport­ler dazu gehört habe. Die Berechtigungen der Paddler gegenüber denjenigen der Angler und FisHer seien nicht einmal geprüft, geschweige denn berücksichtigt worden. Nachgewiesenermaßen seien sie aber weit älter als das Wasserschutzgesetz von 1913. Der Nachweis für diese Behauptung werde erbracht und der Sache der Wassersportler, die sich auf der gangen Front einig in ihrer Abwehr­stellung seren, damit zum gerechten Siege verhalfen werden. Herr Rektor Galler kam dann auf die Gründe uüd Ursachen des Verbotes zu sprechen und ging zum Schlüsse ausführlich auf irre rechtliche Grundlage der Verordnung ein. Als Ausgangs­punkt des Verbotes sei die Fischereiwirtschafts­genossenschaft für die untere Kinzig anzusprechen, die mit geradezu unsinnigen Argumenten die Tätig­keit der Paddler unterbinden wolle. Nach dem Wasserschutzgesetz vom April 1913 müsse auf der Kinzig als Flußlauf 2. Ordnung das „Kahnfahren" auch in aller Zukunft noch den Buchstaben des Gesetzes gestattet sein und bleiben, da es dort schon lange vor Erlaß des Gesetzes „bisher üblich war". Der Beweis hierfür werde von Paddlerseite er­bracht und damit eine grundsätzliche Entscheidung des Herrn Regierungspräsidenten im Sinne der Wassersportler herbeigeführt werden. Herr Dr. Lade, der die Kundgebung leitete, konnte der Versammlung anschließend mitteilen, daß auf Grund der Beschwerde des Oberrhein- und Main­kreises im D. K. V. die schlimmsten Befürchtungen bereits aus dem Wege geräumt und der Herr Regierungspräsident die ganze Angelegenheit zwecks weiterer Erhebungen im Sinne der von den Wassersportlern angeführten Argumente zur polizeilichen Bearbeitung Mrückverwiesen habe. Mit der Erbringung des Nachweises, daß das „Kahnfâsn" auf der Kinzig schon früher üblich war, falle aber dos wfrnnige Verbot. Las è den Kreisen der Kanusporller eine ungeheuere Empö­rung ausgelöst habe. Nachdem noch Herr Drusche!' die 'Unterstützung des Verkehrsvereins im Kampfe um die Aufhebung des Verbotes zugesichert und Herr Willms als Beweisstück sogar einen alten Kupferstich aus dem Jahre 1648 ins Treffen ge­führt hatte, gelangte nachstehende Entschließung einstimmig zur Annahme:

„Die am 30. Oktober hier versammelten Wasser­sportler der Kanu-Gesellschaft e. V. Hanau, Paddler- ■gilbe Hanau e. V., Kanu-Abteilung der T. G. H., Kanu-Abteilung des T. F. C., Kanu-Abteilung des Ruderclubs 1879, Kanu-Abteilung des Ruderclubs Hasst«, Kanu-Abteilung des 1. Hanauer Schwimmverein 1912, sowie die große Zahl der nicht organisierten Paddler haben mit größtem Bedauern davon Kenntnis genom­men, daß ihnen das Befahren der Kinzig in den

Der Fremdsprachen-Unterrlcht.

Es gilt in Deutschland das Wort, man ist soviel mal Mensch als man Sprachen kann. Man rühmte früher unsere Sprachkentnisse und unsern Lern­eifer in fremden Sprachen. Wer auf Reisen ist, wird eine gewisse Beobachtung machen. Seit dem Kriege spricht man im europäischen Auslande viel mehr fremdländische Sprachen. Es gibt viele Italiener und Franzosen, Engländer und Skandi­navier, die unsere Muttersprache vollständig beherr­schen, und viele, die sich ernstlich Mühe dazu geben. Unser Eifer, in den fremden Sprachen führend zu sein, soll nicht erlahmen. Es macht sich auf irgend eine Weise immer bezahlt, wenn man eine fremde Sprache kennt. Auf Reisen bei Einkäufen, im Handel, bei Anstellungen, beim Studium usw.

Das Wichtigste dabei ist das Sprechen. Leider verabsäumt die Schule noch im hohen Maße die Beibringung dieser Kunst. Uebetlegt man, daß man 6 oder gar 9 Jahre wöchentlich mehrstündig Un­terricht in den fremden Sprachen erhalten hat, so ist das gezeitigte Resultat eigentlich beschämend. Ich denke noch mit Ingrimm an den Unterricht in der Prima zurück, wo unsere frangöftfcfre Stunde nichts anderes war, als ein trostloses Uebersetzen aller möglichen Klassiker, an die französischen schrift­lichen Schularbeiten, die gespickt waren mit Wolfs­gruben und Heimtücken, wo ein Konjunktiv anzu­bringen war oder sonst eine Finesse. Und ich denke an meinen ersten Aufenthalt im Auslande, wo trotz 9 Jahre Französisch die gebräuchlichsten Dinge böhmische Dörfer und die Unterhaltung über die alltäglichen Dinge eine Qual war. Nun sind ja die Lehrbücher besser geworden; sie sind mehr auf den alltäglichen Gebrauch und einen praktischen Wort­schatz eingestellt. Aber das Sprechen! Man zuckt oft verächtlich die Achsel über das Kellnerfranzösisch und Kellnerenglisch, aber ich habe oft im Auslaâe beobachten können, daß ein deutscher Handwerks­bursche in vier Wochen sich besser und verständlicher ausdrücken konnte, wie wir grammatikalisch Ge­bildeten. Es ist unbedingt nötig, daß unsere Kinder vor allem die frembe Sprache richtig sprechen lernen. Sprechen und Verstehen. Das übrige findet sich ganz von selbst. Das Schreiben lernt sich leich­ter und sollte bei dem Bildungsstand unserer

•) Einsendungen, die unter dieser Rubrik veröffent­licht werden sollen, müssen bis Freitag mittag in den Händen der Redaktion sei». Die Verantwortung lüi die Eingänge trägt der Einsender. Die Redaktion.

Kreisen Gelnhausen unb Hamm nunmehr durch Polizeiverfügung verboten wurde. Das Verbot ist die Folge einer Beschwerde von Anaelsportvereinen, die glauben, durch das Paddeln auf der Kinzig in chrem Ertrag geschädigt zu sein. Statt gegen die angeblich hohen Pachtgebühren begründeten Ein­

Liniere Leier verlasen MV.. ♦*)

höheren Schulen keine große Schwierigkeit machen, wenn unsere Kinder einmal sprechen können. Schließlich wollen wir keine Neuphilologen aus­gebildet wissen, sondern nur Menschen mit Rüst­zeug fürs Leben. Menschen nicht mit Wissenschaft, sondern mit Wissen. M a th i ac en si s.

Wandlungen des Arbettsmarkte«

Daß die allgemeine Wirtschaftslage den Arbeits­markt nachdrücklich beeinflußt, ist bekannt und durch Zahlen über Stellenangehörige innerhalb verschiedener Zeitperioden leicht nachzuweisen. Aber nicht alle Wandlungen des Arbeitsmarktes sind lediglich in der Konjunktur begründet. Es gibt außerdem gesinnungsgemäße Wandlungen, wenn­gleich auch hierfür wirtschaftliche Gründe anzufüh­ren versucht werden. Hierher gehören namentlich die Bestrebungen, möglichst jüngeres Personal an­zustellen, dem man wohl den vollen Umfang und die Verantwortung der Tätigkeit übertragen, aber möglichst wenig Gehalt geben will. Jüngere Kraft mit langjähriger Erfahrung" ist die Parole. Der Verband der weiblichen Handels- und Büroange­stellten e. V. zeigt in seinem Arbeitsbericht 1927/30 einige solche Beispiele:

Eine erste Verkäuferin, welche zugleich Leiterin sein soll, im Alter von 22 Jahren, wird von einem Geschäft für Haus- und Küchengeräte gesucht. Nur ,durchaus branchekundige" Bewerber kommen in Frage. — Ein Ausländskorrespondent, 20—25 Jahre, vollkommen „perfekt in tschechischer und slawischer Sprache mit Dranchekenntissen". — Eine Filialleiterin, 22 Jahre, „unbedingt selbständig", für Schuhwaren. Das Warenlager hat einen Wert von zirka 30 000 RM, Gehalt von 135 RM netto und 1 Prozent vom Umsatz. — Eine perfekte Buch­halterin, die gleichzeitig „perfekt in englisch, fran­zösisch und in Stenographie" sein soll, wird für 140 RM Bruttogehalt bei Stägiger Arbeitszeit pro Woche gesucht. — Eine Anfängerin wird als Laden- kassiererin gesucht. '

Auch die Tatsache der übermäßig vielen Aus­hilfen gehört hierher, denn durch verstärkte Ein­stellung von Aushilfen mit täglicher Kündigung wird das Risiko für das Personal durch die Ge­schäfte auf die Arbeitslosenversicherung abgescho­ben. Bei solcher gesinnungsgemäßer Haltung kann sich weder das Wirtschaftsleben heben, noch können die Beitragslasten der Arbeitslosenversicherung ge­senkt werden.

spruch bei den in Frage kommenden Behörden ein« gureidjen, wendet sich die Anglerorganisation gegen die Interessen der „anderen Berechtigten". Wir empfinden dieses Vorgehen gegen unsere Interessen als im höchsten Grade unfair und unsportlich. Daß die Wasserpolizeibchörden der beiden Landkreise

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durch Oktywyew im Hanauer Anzeiger

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von der Waisenhaus-Druckerei

Die Zeit verlangt es!

Oeffettilkchev Dank!

Viele Bürger haben zu unserem Winterhilfs- werk Geldgaben und Lebensmittel gespendet. Der Ertrag der Kleidersammlung war über alles Er- warten reich.

Allen freundlichen Spendern und treuen Helfern auf diesem Wege von Herzen Dank! Helft auch weiterhin.

verband der Hanauer wohlfahrlsorganisationen.

in einseitiger Würdigung der Angler-Interessen einfach ein derart schwerwiegendes Verbot aus­sprechen, ohne die gegebene Vertretung der „an­deren Berechtigten" zu hören, bleibt uns absolut unverständlich. Wir betrachten es als unsere vor­nehmste Aufgabe zur Förderung und Erhaltung der Volksgesundheit durch Ausübung unseres Wan­dersportes' beizutragen. Wenn unsere Bewegungs­freiheit, wie durch diese zwei Verfügungen derart behindert wird, noch dazu in einem idealen Fluß­gebiet, ist uns die Durchführung unserer Aufgabe zurzeit unmöglich gemacht. Da nachweisbar schon vor 1913 die Kinzig in ihrem Lauf von Wächters­bach bis Hanau mit Kajaks, Kanadiern und Kähnen aller Art und feit 1913 in genügender Zahl durch Wanderpaddler aus dem ganzen Deutschen Reich und sogar Amerika befahren wurde, besteht u. E. das Gewohnheitsrecht für das Kahnfahren auf der Kinzig schon längst. Wir protestieren hiermit ganz energisch gegen die einseitige Bevorzugung einer anderen Sportart und fordern die sofortige Aus­hebung des Verbotes."

u Sladlhealer Hanau. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, Sonntag, abends 7^ Uhr findet die erste Wiederholung des großen Operettenerfolges „Peppina", Operette in 3 Akten von Rudolf Oesterreicher, Musik von Robert Stolz, statt. „Peppina" ist die Schlageroperette, die augen­blicklich über die meisten deutschen Bühnen geht. Der Dialog und die gegenüberstellung der einzel­nen Charakteure bilden einen sehr unterhaltsamen und ulkvollen Stof, der in fließendem Bühnen­geschehen sich mit gutem Tempo abrollt. Die In­strumentation ist flott, witzig und immer von famo­ser klanglicher Wirkung. So gewährleisten Buch und Partitur einen Abend von Unbeschwertheit, Wiß und köstlicher Laune. — Kommenden Montag, abends 8 Uhr, gelangt „Viktoria und ihr Husar", Operette in einem Vorspiel und 3 Akten von Paul Abraham zur Aufführung.

* Freiwillige Santtätskolonne vom Roten Kreuz Telephonanruf Nr. 202°. — Arbelker-Samariler- kolonne Telephonanruf Nr. 4030.

* Das hahnenkammhaus ist täglich, das Buch­berghaus nur Samstags und Sonntags geöffnet Ein Besuch an Wochentagen bedarf der vorherigen Anmeldung beim Bahnhofswirt Schmidt, Langen­selbold (Tei. 82).

* von den Apotheken hat Sonntags, bzw. Nachtdienst von heute abend 7 Uhr bis nächsten Samstag abend 7 Uhr die Altstadapotheke.

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jeder befolgen. Denn Kathreiner ist billig/ And schmeckt (richtig zubereitel) jedem gutui

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Besetzung Hanaus durch die Schweden in der Nacht v. 31. Oktober zum 1. November 1631.

Das erste Jahrzehnt des Dreißigjährigen Krieges hatte Hanau selbst keine nennenswerten Beunruhi­gungen gebracht, dagegen hatte das Hanauer Ge­biet, namentlich die Wetterau und das Amt Born- hsimerberg, schwer unter den Durchzügen der Heeressäulen von Freund und Feind zu leiden.

Obwohl der Graf und die Grafschaft evangelisch waren, rechnete man mit dem Schutz des Kaisers, der dem Grafen Philipp Moritz, wie auch allen seinen Vorgängern, stets gewogen war. Der nächst­nachbarliche kaiserliche Dalall war der Kurfürst von Mainz, der nichts unterließ, um dem evangelisch gesinnten Hanauer Grafen lästig zu sein und darauf bedacht war, die Hanauer beim kaiserlichen Hofe dauernd anzuschwärzen. Hier mögen auch persön­liche Machtgelüste des Kurmainzers mit gespielt haben, zog doch die Kurmainzer Grenze rechts des Mains dem Kinzigheimer Weg entlang, schloß Großauheim ein und setzte sich weiter entlang der Birkenhainer Straße fort.

Unter diesen Umständen war die starke Doppel­festung Hanau den Kurmainzern ein Dorn im Auge und sie setzten alles daran, Hanau in die unmittel­bare kaiserliche Gewalt zu bekommen. Die Kur­mainzer Verdächtigungen der Hanauer hatten beim kaiserlichen Hofe eine Strömung gegen den Ha­nauer Grafen großgezogen, die alles weniger als freundlich war. Auf Drängen der Mainzer gab man dem Grafen auf, eine kaiserliche Besatzung in seine Mauern zu nehmen. Der Graf aber, der sich seine freie Hand zu wahren wußte, lehnte. dies Ansinnen ab.'

In Wien schickt« man sich an, Gewalt anzu­wenden und Hanau zwangsweise zu besetzen. Die­ser Auftrag wurde dem Freiherrn General von Lobkowitz zuteil, der am 16. 12. 4629 mit 10 Kom­pagnien des Regiments Witzleben vor Hanau er« schien und die Festung «inschloß. Der Graf ver- ehlte nicht, seine Unterwürfigkeit in Wien zu be­teuern und erreicht« nach vielen Vorstellungen und Bittschriften, daß die Truppen des Regiments Witzleben am 22. März 1630, nach 14wöchiger «Belagerung zurückgezogen wurden. Dafür mußte sich der Graf verpflichten, selbst drei Kompagnien zu je 200 Mann zu werben und als kaiserliche Garnison unter dem Major Brandis zu halten. Der Graf selbst wurde kaiserlicher Oberst,

Anfangs Juli 1630 landete Gustav Adolf auf Usedom und schlug am 17. 9. 1631 das Heer Tillys bei Breitenfeld. Gustav Adolf zog mit feinem Heer« durch Thüringen und Franken, um gegen seine größten Gegner, bie Bischöfe von Bamberg und Würzburg vorzugehen. Am 17. 10. 1631 fiel die als uneinnehmbar gerühmte Feste Marienberg vor Würzburg. Nunmehr richtete Gustav Adolf sein Augenmerk auf Hanau. Die geplante Aktion war nicht gegen den Grafen Philipp Moritz gerichtet, sondern war dadurch bedingt, daß die Festung der Schlüssel zum Weitermarsch auf Frankfurt und Mainz war und man eine Festung mit kaiserlicher Besatzung nicht dulden konnte. Mit der Einnahme der Festung wurde der Oberstleutnant. Christoph Hubald beauftragt, der am Morgen des 31. 10. 1631 aus den Quartieren bei Würzburg und Karlstadt mit 1500 Reitern und 600 Dragonern (berittene Infanterie) gegen Hanau abrückte. Am 1. Novem­ber 1631 morgens zwischen 5 und 6 Uhr traf Hu­ba ld vor Hanau ein. Mit seinen Dragonern über­schritt er die Kinzig an der Nordseite der Alt­stadt, bemächtigte sich bes. Schloßes und rückte ge» g^n den Altstädter Markt vor.

An der Metzgergasst wurden die Schweden, die bis dahin unbehelligt vorgekommen waren be­schossen. Das Feuer erwidernd, fielen hier 6 Bür­ger und 10 Bauern) (Landmiliz).

Dieser Vorgang war durch den Uebereifer der Hanauer verschuldet,, die annahmen, die eingedrun- genen Kaiserlichen vor sich 3u haben, denn in ber« selben Nacht wollten die Kaiserlichen das gleiche Vorhaben zur Durchführung bringen und rückten zu diesem Zwecke von Steinheim aus nach dem Steinbeimer Tor, wo sie schon um 4 Uhr morgens, eine Stunde vor den Schweden, eintrafen. Zwischen dem Major Brandis und den aus dem kurmain­zischen Gebiet kommenden kaiserlichen Truppen war verabredet, daß morgens beim 4 Uhr Läuten das Tor geöffnet werden sollte. Von diesen Ab­machungen hatten aber die Hanauer Wind bekom­men und unterließen das 4 Uhr Läuten. Noch mehr, um sich der kaiserlichen Offiziere in Hanau auf unblutige Art zu versichern und keinen Arg­wohn aufkommen zu lassen, lud Daniel de Satire (Marktplatz 20) hen Major Brandis mit seinen Offizieren und mehrere Hanauer Bürger zum Abendessen ein. Anschließend wurde dem Wein zu- gesprochsn und den Offizieren tüchtig zugetrunken. Auf diese Weise hatte Brandis sein Unternehmen verschlafen und dem aus der Altstadt in bie Neu- I stabt vorrückenden Hubald fiel es nicht schwer, die

Kaiserlichen zu überraschen. Die am Steinheimer Tor auf Einlaß wartenden Kaiserlichen Truppen wurden gewahr, daß sie wieder einmal zu spät ge­kommen waren und räumten tatenlos das Feld.

Das kaiserliche Regime in Hanau war jäh zu Ende gegangen und di« Schweden Herren der Situation.

Es trifft nicht zu, daß die Schweden den Ueber« fall schon 14 Tage vorher geplant hatten und An­haltspunkte hierfür ergeben die schwedischen Kriegs­akten nicht. Der Befehl zu der Einnahme wurde von Gustav Adolf am letzten Oktober 1631 persön­lich gegeben. Unzutreffend ist auch, daß, wie ver­mutet wird, der Graf von Hanau eine geheime Korrespondenz dieserhalb mit Gustav Adolf führte, denn auch hierfür find im schwedischen Kriegsarchiv kein« Unterlagen vorhanden.

Erstes Städtisches Ltborrnementskottzevt

o Donnerstag abend eröffnete das Landes­symphonieorchester für Pfalz und Saargebiet unter dem Stabe von Generalmusidirektor Professor Ernst Boche die Reihe der fünf Städt. Abonnements­konzerte dieses Winters mit einem ganz erstklassigen Symphoniekonzert. Die Vortragsfolge: Webers Ouvertüre zur Oper „Euryanthe", die berühmten Regerfchen Variationen über ein Mozartchema und „Till Eulenfpiegels lustige Streiche" von Richard Strauß, — zugleich eine Erstaufführung für Hanau —, und als Solistenwerke die tiefschürfende „Musik für Violine und Orchester" von Rudi Stephan und bie „Variationen für Violine mit Orchesterbe­gleitung" von Joseph Joachim zum Gedenken an Lie 100. Wiederkehr seines Geburtstages am 28. Juni 1831, beide Kompositionen ebenfalls zum ersten Male in Hanau '

Der Charakter der einzelnen Werke ist in den Vorbesprechungen an dieser Stelle schon erläuternd behandelt worden. Eine gut vorbereitende Ein­führung am Flügel hatte außerdem am Dienstag abend Studienrat Heinrich Schulze gegeben; diese begrüßenswerte Vorbereitung auf die Werke der Städtischen Symphoniekonzerte soll beibehalten wer­den und kann den Konzertbesuchern im Interesse eines höheren Genusses der eigentlichen Konzerte zum Be­suche nur empfohlen werden. — Es erübrigt sich also an dieser Stell» jetzt nochmals auf diese aufgeführten

Werke im Einzelnen einzugehen. Die Darbietung war ein Erlebnis für den fast ausverkauften Saal- Dirigent und Orchester sind in ihren Leistungen W den zwei letzten Jahren noch gewachsen, sofern bis5 überhaupt noch möglich war. Die Ausführung Einzelnen fein und durchsichtig wie zarteste grane, im Ganzen eine lebensfrohe und sprühende Einheit voller Schwung und echtester Musikalität; Führer und Geführte eine Gemeinschaft einheitlichen Wollens und glücklichster Erfüllung für die aufge' führten Werke. Regers Meisterwerk op 132 erstand so unvergleichlich schön und überlegen in Klangsorm, Zeichnung und Gestaltung, daß diese Mozart-Reg^' Synthese ein Höhepunkt unvergeßlicher Größe una Tiefe wurde. Die diesem Riesenwerke Regersch^ Kompositionskunst vorangehende „Musik für Violtm und Orchester" von fRubi Stepban, konnte nebe" den Mozart-Variationen zu vollstem Rechte be­stehen. Die geniale Komposition des jun^, Stephan schuf Elisabeth Bischoff aus Mun chen mit dem herrlich mitmusizierenden Orchester J bestrickendem Klangbild zu zauberischem Leben su die dieser Offenbarung eines ganz großen Gentt tief ergriffen lauschenden Zuhörer. Ein Beifalls sturm sondergleichen feiertige die große Künstlerm- die in jeder Beziehung unbedingt neben Alm Moodie zu stellen ist. Hoffentlich kann das Konzertpublikum dieser großen Künstlerperson w seit Elisabeth Bischoff recht bald wieder zujubeln.

„Till Eulenspiegels lustige Streiche beschloil das Konzert. Dieses „Fortsetzung folgt" für ° kommenden Veranstaltungen war aber so vecu schend dionysisch von Dirigent und Orchester, » die Erwartungen für das 2. Abonnementskonz (Hans Pfitzner als Dirigent!) auf eine Hoh^ 9 steigert sind, die zu erfüllen nur einem orchefter für Pfalz und Saargebiet" ^

o 1. Kammermusikabend Liny Stübing. Am November ds. Is. findet der erste dieswinterc Kammermusikabend von Liny Stübing Stadthalle statt. Wie im Vorjahre steht das m wirkende Frankfurter Streichquartett unter rung des Konzertmeisters Hermann Kraus^ Programm verzeichnet ein Trio von Brahms und ein Klavierquintett von Dvorak. Außerdem wirkt die bekannte Franks Altistin Luise Richartz mit, die Lieder " Brahms und Dvorak zum Vortrag bringen.