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30. Oktober
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Veeatung über die Neparations-raae
Erste LNlnistevbefvvechung über die LVasbingtonev Evssbn'tte NotkchaKev Aoesch kommt nach VevUn
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• Botschafter von Hoesch trifft heute aus Paris hier ein. Seine Berufung nach Berlin erfolgte im Zusammenhang mit den Beratungen im Reparationsausschuß des Reichskabinetts.
Der preußische Ministerpräsident Dr, Braun hat <rm Donnerstag die Amtsgeschäfte wieder über, nommen Er wird der für Freitag angesetzten Kabinettssitzung vorsitzen. Dabei wird auch die Frage der Nachfolgeschaft für Höpker-Aschoff erörtert werden. Die Annahme, daß Höpker-Aschoff bas Amt des Finanzministers wieder übernehmen wird, hat einige Wahrscheinlichkeit für sich.
Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Auf die vielfachen Mitteilungen und Meldungen von einer unmittelbar bevorstehenden Auflösung und Zusammenlegung von preußischen Landkreisen durch Notverordnung erklärt der preußische Minister des Innern, daß nicht beabsichtigt sei. solche Maß- nahmen zu Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung ohne vorherige Verbindung mit den Landtagspärteien überraschend mittels Notverordnung durchzuführen. *
Nachdem Dr. Eckener die Werke der Goodyear Zeppelin Company in Akron und das neue Marine- luftschiff „Akron" in Lakekurst besichtigt hat, tritt
* Der frühere amerikanische Botschafter 'm Berkin hat sich in einer Rede vor der Historischen Gefell' schaft in Westchester (USA.) scharf gegen den Versailler Vertrag und den polnischen Korridor ausgesprochen, bet zu einem neuen Elsaß-Lathvingen werden müsse, wenn sich keine friedliche Lösung finden lasse. *
Bei den Wahlen zum englischen Unterhaus wurden in den beiden Wahlkreisen der Grafschaft Jn- vernes in Schottland zwei Nationallibera'e gewählt, so daß sich die Regierungsmehrheit im Unterhaus auf 557 erhöht, während sich die Zahl der 'Oppositionellen nach wie vor auf 50 beläuft, wozu noch 5 Unabhängige kommen. Die Ergebnisse aus drei Wahlkreisen stehen noch aus.
Die Minister der nationalen Regierung in England werden, wie allgemein angenommen wird, ihre Portefeuilles dem Premierminister Macdonald zur Verfügung stellen, worauf ein erweitertes Kabinett gebildet wird. In einigen Kreisen glaubt man, daß, bevor ein umfassendes Finanz- und Wirtschafts- Programm aufgestellt wird, gewisse Einfuhrbeschränkungen beschlossen werden, die noch uor Weihnachten in Kraft treten würden.
Der diplomatische Korrespondèt des „Daily Telegraph" erfährt, daß ein unformeller Ausschuß, dem große Finanzsachverständige angehören, sich bereits Mit der Frage einer britischen Reichswähruug besaßt hat. Dèr Regierung soll eine Denkschrift über die Frage unterbreitet werden.
Die offizielle Erklärung der Bereinigten Staaten, daß sie einer einjährigen Rüstnngspause zustimmen, nach Genf telgraphiert worden.
Wie aus Pernambuco gemeldet wird, haben 2 ^gerbataiHone gemeutert. Die Meuterei ist jedoch im Keime erstickt worden.
Der kanadische Premierminister Bennett gab bekannt, die kanadische Regierung würde sofort bei den Regierungen des Empire beantragen, die für das nächste Jähr geplante Weltreichswirtschaftskon- i?^"z foba'b wie möglich in Ottawa zusarmnen- treten zu lassen.
Gegenüber Meldungen aus englischer Quelle, wonach zwei französische, aus der Fahrt nach Jndo- Mna befindliche Unterseeboote und ein Deveschen- .ot untergegangen sein sollen, gibt das ?Äarine= Ministerium bekannt, daß die betreffenden Fahr- ^uge am 25. Oktober in Pord Soid eingetroffen iwo. Sie werden ihre Reife fortsetzen.
m Die gemischte nationale Bergwerkskommission in .feI9ien hat eine Herabsetzung der Beraarbecterlohne w a Prozent ab 1. November beschlossen.
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^5 spanische Kammer hat einen Zusatzartikel zur Erfassung angenommen, und zwar einen Artikel, ^, äs Volksbegehren einführt: das Volksbegehren rs sich weder auf die Verfassung selbst, noch aus e internationalen Abkommen, noch auf das Bud- M^r^em Es ist zulässig, wenn 15 Prozent der ~ apler es begehren.
Anderes siehe im politischen Teil.
D-G deuffOe Reparatiousrnttiative 7
Berlin, 29. Ott Heute abend hakdieersteMinisterbesprechungüberdie Washingtoner Ergebnisse stalkgefunden. Es wurden die Mittel und Wege erörtert, wie eine neue Aufrollung der Reparationsfrage erreicht werden könne. Man erwartet hier, daß mit der Rückkehr Lavals die diplomatischen Besprechungen zwischen Berlin und Paris un- verzüglich wieder ausgenommen werden. Die weiteren Entschlüsse der Reichsregierung dürften von dem Resultat abhängen, das sich aus dem ersten Gespräch zwischen Laval und dem deutschen Botschafter ergeben wird.
3n politischen Kreisen rechnet man mit der Möglichkeit, daß der deutschen Regierung von fran. zösischer Seite nahegelegt wird, auf Grund des Artikels 119 des Poung-Plans die Einberufung des Sonderausschusses der DIZ. Zu bean-
in
tragen. Rach der Feststellung, daß Deutschland nicht in der Lage fei, ohne Gefährdung der Währung die ihm obliegenden Transfer-Verpflichtungen zu erfüllen, wird als nächste Etappe wahrscheinlich dann eine neue Reparalionskonferenz Frage kommen. Man hegt starke Hoffnungen, daß parallel mit dieser Aktion Präsident Hoover das Problem der interalliierten Kriegsschulden vor den Kongretzausschuß bringen wird.
irts, um sich auf Ver^
ließ am Donnerstag abend anlassung der Reichsregierung nach Berlin zu begeben. Der Botschafter wird dort die Anweisungen der Reichsregierung entgegennehmen, um bei der Rückkehr Lavals aus Amerika sofort mit ihm Fühlung nehmen zu können. Es handelt sich hierbei in erster Linie um bic Besprechung der in Frankreich gewünschten Einberufung des Sachverständigenausschusses für die Tribute. .
Deuffthltmd soll die Snillative ergreifen
Rewyork, 30. Ott. Ein Bericht dec »Herold Tribune" betont auf Grund von Informationen aus höchsten Regierungsstellen den Wunsch, daß die Regierung in Deutschland ohne Säumen die Initiative zur Aenderung der Reparalionsabkommen durch den Poungplan-Apparat ergreife. Gleichzeitig wird erneut berichtet, die Regierung werde die Revision der Kriegsschulden unter Zugrunde- legung der Zahlungsfähigkeit anstreben.
Säe ein „ordentliches" verfahren
Rewyork, 29. Okt. Thomas Lamont, der Mitinhaber der I. P. M o r g a n-Bank bespricht in der Zeitschrift „Saturday Review" Schachts Buch „Das Ende der Reparationen. Lamont fordert Deutschland auf, die Jntitwtioe zu ergreifen, um eine Verständigung mit Frankreich über die Reparationsfrage herbèizuführen, bevor die Der- einigten Staaten aufgefordert würden, eine entsprechende Revision der internationalen Schulden vorzunehmen. Lamont ist der Ueberzeugung daß, falls die europäischen Regierungen diese Aufgaben erfüllen würden, auch die amerikanische Regierung bereit fein würde, neue Vorschläge zur Schuldenfrage entgegenzunehmen. Dagegen könne nicht erwartet werden, daß die amerikanische Regierung tn dieser Richtung die ersten Schritte tun werde, noch könne das amerikanische Volk Deutschland Anleihen für Reparationszahlungen weiterhin gewähren. Die Lösung des Reparationsproblems müsse daher auf „realistischer Grundlage" erreicht werden.
Lamont erinnert daran, daß die amerikanische Finanzwelt in den letzten 12 Jahren einen un- verhältnismäßigen Anteil an Reparationslasten getragen und dadurch es den Gläubigernationen erleichtert habe, eine wirklich endgültige Lösung der Reparationsfragen zu vermeiden. Daher sollte Deutschland „je rascher je besser" entweder imrd) den Doungschen Plan oder durch die d i r e k t e Ver- ständigung mit Frankreich im Rahmen des doung- schen Planes die Initiative ergreifen. Ferner betont Lamont, daß das internationale Vertrauen in Deutschlaiü) untergraben werde, wenn es nicht den durch das Hoooersche Moratorium geschaffenen Aufschub benutze zur Liquidierung seiner kurzfristigen in- und ausländischen Verpflichtungen. Deutschland solle der Agitation für eine Revision des Versailler Vertrages ein Ende machen und größeres Vertrauen in ein „ordentliches Verfahren" setzen, um eine Revision zu erreichen, wie sie zu rechtfertigen sei Er sei einer der letzten, zu glauben, daß der Versailler Vertrag ein Werk der Vollendung sei.
Dieser entölte durch und durch ungünstige Bedingungen. Jedoch sei kein Grund zu der Annahme vorhanden, so viele dies auch in Washington und London zu glauben schienen, daß das französische Volk sich in dieser Frage als unvernünftig erweisen würde. Man müsse aber Frankreichs Neigung für eine methodische Behandlung berücksichtigen und nicht ungeduldig werden, wenn die Franzosen auf einem solchen Verfahren bestünden. Wir wüßten, daß politische Fragen erster Ordnung ihrer Lösung auf ‘ dem europäischen Kontinent harren, und wenn wir von Reparationen sprechen, seien mir uns bewußt, daß keine wirklich endgültige Verständigung erreicht werden kann, ohne Berück-
<$hw NerOevrmg Latzions
London, 30. Okt. Im „News Chronicle" schreibt Sir Walter Layton, Deutschland hätte einen sehr beträchtlichen Ausfuhrüberschuß erziell, der aber noch nicht genüge, um die Schuldenzahlungen zu erledigen und andere Länder drängen bereits aus Konkurrenzgründen mit Maßnahmen gegen Deutschland. Die internationalen Schulden sind jetzt so umfangreich, daß ihre Rückzahlung alle bestehenden Handelskanäle bedroht. Es ist keinem Schuldnerland mehr möglich, das Problem der Rückzahlung der Schulden aus eigener Kraft zu regeln. Die Gläubigerländer müssen sich endgültig darüber
Der Wiritchakistzeèvai eröffnet Sindenbuvg mahnt mm Ausgleich dev koria'e» Gegensätze
Berlin. 29. Oft 3m Hause des Reichspräsidenten fand heule die erste Sitzung des vom Reichspräsidenten berufenen Wirlschaftsbeirales statt, zu der sich außer den Mitgliedern des Wirtschaftsbeirales der Reichskanzler und die Reichsminister, der Reichsbankpräsideul und der Generaldirektor der Reichsbahn eingefunden hatten.
Reichspräsident von Hindenburg empfing die Erschienenen im Großen Saal des Präsidentenhauses und begrüßte sie mit folgender Ansprache:
Meine Herren? Es ist mir eine angenehme Pflicht, Sie — ehe wir an unsere ernste Arbeit gehen — willkommen zu heißen und Ihnen für die Bereitwilligkeit zu danken, mit der Sie meinem Rufe Folge geleistet und Ihre Mitarbeit zur Verfügung gestellt haben. Die schwere Krise der Weltwirtschaft und Deutschlands besondere wirtschaftliche Bedrängnis erfüllen alle Schichten unserer Bevölkerung mit banger Sorge. Sie rütteln an den Grundpfeilern des wechselseitigen Vertrauens und erschüttern die Zuversicht in die Erhaltung der Grundlagen unserer Volkswirtschaft. Im Bewußtsein der Verantwortung, die ich vor dem deutschen Volke ^ind vor meinem Gewissen trage, habe ich mich entschlossen, angesichts der außerordentlichen Wirtschaftswirrnis einen besonderen und außergewöhnlichen Weg zu beschreiten. Ich habe nach Vorschlägen der Reichsregierung aus führenden Persönlichkeiten des wirtschaftlichen Lebens, aus den großen Wirtfchaftsgruppen von Industrie, Landwirtschaft, Handel Handwerk und Kleingewerbe, aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen Wirtschaftsbeirat zusammenberufen, und Sie, meine Herren, heute zu einer gemeinsamen Beratung mit der Reichsregierung zu mir eingeladen, um der Reichsregierung bei ihren Bemühungen um einen Weg zu helfen, auf dem die wirtschaftliche und soziale Not des deutschen Volkes zum Besseren gewendet werden kann.
Niemand von Ihnen wird verkennen, in welchem Maße d ie Lage Deutschlands durch weltpolitische und weltwirtschaftliche Umstände bestimmt wird. Hier liegen die schweren und großen Aufgaben der beut«, schen Außenpolitik. Von Ihnen aber erwarte ich, daß Sie sich mit mir pnd mit der |
einigen, ob sie die Schulden in Form von Sachwerten haben wollen, oder ob sie es vorziehen, die Schulden herabzusetzen.
Stalle« und die Kevlsio« dev ÄevtvSse
Rom, 29. Okt. Ueber Grandis Reife geht die Polemik zwischen der italienischen und französischen Presse fort. Eine halbamtliche Note des „Gwrnale d'Jtalia" wendet sich gegen einen Aufsatz des Pariser Journals, der behauptete, Italien suche ein Sondereinverständnis mit Deutschland, und es wolle Europa durch seine Revisionspolitik in eine Katastrophe stürzen.
Es ist schon hundertmal gesagt worden, so lagt bas „Giornals d'Jtalia" wörtlich, Laß kein Sonder- einverstänLnis, keine stabile, an vereinbarte Formeln gebundene Zusammenarbeit von Italien bei Deutschland angestrebt worden ist. Die italienische Politik bewegt sich Deutschland gegenüber genau so wie jedem anderen Lande der Welt gegenüber auf der Bahn offener Zusammenarbeit im allgemein neu Interesse Europas und der Welt. Hinsichtlich der Ueberprüfung der Verträge scheint das „Journal" nicht zu merken, daß diese Ueberprüfung schon im Gange ist. Der Versailler Vertrag und das System der Reparationen sind heute nicht mehr das, was sie im Jahre 1919 in Paris und 1920 in Spa waren. Die italiemsche Revisionspolitik, dir 1922 besonnen hat, unterste eute einen Histon schen Prozeß/ den: auch 8 und zu dem es seinen Beitrag gegeben hat die Welt vorwärts geht, ist es zum wenigsten unsinnig, auszuschließen, daß auch die Frage der Vertragsrevision und der Reparationen neuen Etappen entgegen gehen kann. Es ist also nicht Mussolini, der Europa in neue Verwirrung zu stürzen droht, sondern es sind jene Länder unnd jene Doktrinen, bis sich heute noch auf unhaltbare Formeln versteifen möchten, und zwar in einer Zeit, da die Ereignisse laufen und sich sogar überstürzen und alle Nationen, bie das Gefühl der Verantwortung haben, vor gigantische neue und bis gestern noch unbekannte Probleme stellen, die jedem außer der Ueber- Prüfung der Verträge vor allem die Ueberprüfung der Gewissen zur Wicht machen. ,
Reichsregierung von dem unbeugsamen Willen be- seelen lassen, wie auch immer die Entwicklung der Well sein mag»
aus der eigenen Kraft Deutschlands heraus von unserem Volke abzuwenden, was eigenes handeln nur irgend abzuwenden vermag. Nur so wird eine Grundlage geschaffen für die notwendigen internationalen Bemühungen zur Lösung der gesamten Weltkrise.
Nur das Bewußtsein solcher Pflichterfüllung und äußerster Kraftanstrengung wird unser Volk befähigen, in innerer Verbundenheit und mit nationaler Würde das zu tragen, was sich an feinem Schicksal als unabwendbar erweist.
Die Aufgabe, die Ihnen gestellt ist. kann nur bei richtiger Wertung der wirtschaftlichen Kräfte und in gerechter Abwägung widerstreitender Jn- teressen gelöst werden. Ich erhoffe als Ergebnis dieser Zusammenarbeit wirtschaftlicher Sachverständigen und der Reichsregierung einen Ausgleich wirtschafts- und sozialpolitischer Gegensätze und eine Besserung der deutschen Wirtschaftsnot. Wenn diese schwere Aufgabe gelöst werden soll, darf jeder von Ihnen sich nur der Gesamtheit des deutschen Volkes und dem. eigenen Gewissen verantwortlich fühlen, muß sich jeder innerlich loslösen von Gedanken a-n Gruppeninteressen und an Einzelrücksichten.
Nur wen^ solche Gesinnung Sie, meine Herren, erfüllt, werden Ihre Beratungen den sittlichen Wert und die überzeugende Kraft besitzen, ohne die ein gesundes und lebensstarkes Volk sich nicht führen läßt. Wenn das deutsche Volk durch die wirtschaftlichen und moralischen Wirrnisse und die Gefahren innerer Zersetzung hindurch zu besserer Zukunft ge-
Oie heutige Kummer umfaßt "6 Geiten