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Nr. 254

Donnerstag, den 29. Oktober 1931

Seile I

Line Muller, die ihre Kinder vergiften wollte

Hamburg. 28. Okt Vor dem Schwurgericht hatte H eine Frau wegen versuchten Totschlags, begangen an ihren Kindern, zu verantworten. Die Angeklagte, bie in erster Ehe glücklich verheiratet gewesen war, hatte nach dem Tode ihres Mannes zum zweitenmal geheiratet und ein Kind aus erster Ehe mitgebracht. Diese zweite Ehe war sehr unglücklich. Infolge von Seldschwierigkeiten kam es öfter zu Streitigkeiten zwischen den beiden Gatten. Der Mann setzte das aus erster Ehe mitgebrachte Kind immer zurück. Schließlich kam es zu einem erbitterten Eheschei- Hungsprozeß, in dem die Frau Lurch die unwahre Aussage eines Zeugen unterlag. Aus Verzweiflung hierüber versuchte sie. chre beiden Kinder und sich selbst am 27 Juni Lurch Gas zu vergiften. Sie konn­ten aber alle drei gerettet werden.' Die Angeklagte gab in der Verhandlung vor Gericht eine erschütternde Darstellung ihrer Ehe. Der Staatsanwalt billigte ihr in weitestem Maß mildernde Umstände zu und be­antragte sechs Monate Gefängnis mit Bewährungs­frist. Das Gericht erkannte auf Freispruch.

Zugzusammenstotz bet Leipzig — 24 verletzte

Leipzig, 29. Okt. Am Mittwoch abend gegen 21 Uhr fuhr auf dem Bahnhof Zwenkau ein aus Leipzig kommender Personenzug auf ein falsches Gleis und stieß auf eine Wagengruppe auf. 24 Per­sonen wurden leicht verletzt. Der Sachschaden ist gering. Der Betrieb wurde nicht gestört. Die Ur­sache des Zusammenstoßes ist noch nicht geklärt.

Die Tragödie in St. Georgen

Linz. 28. Okt. Zu der Tragödie in St. Georgen im Attergau wird noch folgendes gemeldet: Als der Attaché der Gesandtschaft Guatemalas in Lon­don Godoy in St. Georgen eintraf und seine Schwester an einer schweren Lungenentzündung er- krankt vorfand, verlangte er die Hinzuziehung eines weiten Arztes aus Salzburg, was im Hinblick auf die Hoffnungslosigkeit des Falles sowohl vom be­handelnden Ärzte als auch vom Gatten der Frau, dem Privatier Max Reinhart, abgelehnt wurde. In dem sich darauf entspinnenden Streit scheint Godoy die Bluttat unter dem Eindruck begangen zu haben, daß sich sein Schwager seiner Frau ent­ledigen wolle, zumal er sie noch hatte versichern lassen. Frau Reinhart ist noch im Laufe des gestrigen Abends verschieden. Sie hinterläßt drei Kinder, zwei Knaben und ein drei Wochen altes Mädchen. Godoy wurde von der Gendarmerie ver­haftet und heute dem Kreisgericht Wels zugeführt.

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Vor kurzer Zeit ist es der chemischen Wissenschaft gelungen, eine eigenartige Aethlinglykol-Verbindung Herzustellen, die eine eßbare Seife ist. Sie hat weder Geschmack noch Geruch, ist nicht nur völlig unschädlich, sondern hat auch nach der „Umschau einen Wert als Nahrungsmittel, der Lem des Specks ähnlich ist Für die Körperpflege dürfte diese Seife eine weit größere Bedeutung erlangen, als es den Anschein hat. Ihre Nahrhaftigkeit wird wohl kaum ausgebeutet werden, da man zur Ernährung des Körpers andere Mittel zur Verfügung hat. Aber irogbem ist diese Eigenschaft wertvoll, wenn es fi<f)j

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stellen, Die meinen von rynen enthalten in irgend èiner Form eine Seife, die durch Beimischung von Zucker oder Sacharin und von wohlriechenden Oelen erträglich und schmackhaft gemacht wird. Sonst könn­ten Seifen zu Zahnputzmitteln nicht verwendet wer­den, da sie von den feinen Geschmacksnerven im Munde als belästigend empfunden werden würden. Es gilt, diese unangenehmen Eigenschaften zu über­tönen. Schon lange suchte man nach einer Seife, die in jeder Beziehung neutral ist und eine Bei­mischung von irgendwelchen ätherischen Oelen oder Geschmacksverbesserern nicht erforderlich macht. Die eßbare Seife dürfte diesen Zweck endlich erfüllen, denn sie ermöglicht es, in großen Mengen dem Zahn- putzmittel zugesetzt zu werden, und sie ist reinigend und desinfizierend, ohne die Haut zu reizen oder zu schädigen. Auch wenn man, wie es häufig vor­kommt, die Seife verschluckt, so hat man keine un-

angenehmen Folgen zu befürchten. Diese eßbare in einer Eiche verbarg und ihn dadurch den Nach- Seife scheint also nach allen Richtungen hin für die I stellungen seiner Feinde entzog. So erhält all-

An den englischen Wahlen

Ankunft des englischen Königs 'm London, der für den Wahltag seinen Landsitz in Sandringham verlassen hatte und in die Hauptstadt zurückgekchrt war.

Stanley Baldwin, der Führer der siegreichen Konservativen

So sah London am Wahltag aus.

Ueberall mußten wegen des dichten Nebels riesige Pechfackeln aufgestellt werden.

KEm dsv Ahrren IM dem Gräm deuten

Die englische Presse beschäftigte sich dieser Tage mit den Pensionen, die von altersher bis auf den heutigen Tag noch immer gezahlt werden. Man hatte geglaubt, daß die Pension von 5000 Pfund Sterling, die alljährlich den Nachkommen Nelsons ausgezahlt wird, die älteste dieser Renten sei, die für besondere Dienste bewilligt wurden und sich in der Familie forterben. Aber das ist nicht der Fall. So werden an rund 40 in der ganzen Welt ver­

streuten Nachkommen der Familie Pendrell Pen­sionen gezahlt. Pendrell war der Waldwärter, der nach der Schlacht von Worcester König Karl II.

____________________________,,<iHM Waldwärters die gesetzliche Pension von 50 Pfund Sterling. Auf Grund des gleichen Herkommens werben dem auf Neufundland lebenden Dr. Fran­

cis E. Walker weitere 10 Pfund Sterling bezahlt. Der Hauptpensionär George Pendrell, der heute 77 Jahre alt ist, wird diese Pension auf den ältesten seiner Söhne vererben, nach dessen Tode sie wie­der auf den ältesten Sohn übergeht. Wenn der Hauptzweig der Familie Pendrell aber einmal aus- fterben wird, so werden noch drei Leute ein An­recht auf die Pension haben. Die Urkunde, die den Pendrells den Genuß der Pension sicherte, ist im Tresor des Generalstaatsanwalts von Wolver­hampton sicher verwahrt. Erwähnt sei noch, daß diese Pendrell-Pension aber nicht direkt aus dem Staatsschatz fließt, sondern aus den Erträgen einer Landkonzession gezahlt wird, die Karl II." gehörte.

von dev âZuobübtte.

Lentraltheater. Der amüsante Roman von Wil­helm Speyer ,Jch gch aus und du bleibst La" hat den Vorwurf zu einer leichtflüssigen Fllmkomödie ge­geben, die ganz besonders durch die feine Ausarbei­tung hübscher, kleiner szenischen Einfälle und das flotte, äußerst kultivierte Spiel eines vortrefflich auf­einander eingestimmten Ensembles besticht. Das ganze lustige Spielchen ist aus liebenswürdige Kon­versation abgestimmt und von einem diskreten Humor erfüllt, höchst prickelnd und bisweilen etwas pikant, kurzum eine selten glückliche Mischung, die als Volltreffer einschlagen muß. Glänzend im Spiel und bei Laune ist vor allem Camilla Horn als lieb­reizendes Manneyum Gaby, das ungeachtet seiner großen und tiefen Liebe zu dem naturburschenhaften Autosahrlehrer Georg (Hans Brausewetter) den Sprung in die große Welt wagt, um als „versöhnen­der Engel" in eine Aristokratenfamilie emzufallen und sich durch diese gefährliche Aufgabe den Fonds zur Heirat mit ihrem braven Georg zu verschaffen. Wie die Sache beinahe schief gegangen wäre und die reizende Gaby über den Umweg eines „entliehenen" Rerzmantel» reumütig zu ihrer alten Liebe zurück­kehrt, macht den Inhalt des allerliebsten Filmwerk- chens aus, dem man nur gelegentlich eine bessere ton- liche Wiedergabe gewünscht hätte. — Im Beipro­gramm läuft der stumme Film „Hochverrat in den Bergen", der einen Spionagefall im Hochgebirge be­handelt und durch seinen Schauplatz stark an Reiz gewinnt.

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Donnerstag den 29. Oktober

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6.15: Wettermeldung. Anschließend Morgen­gymnastik. 7.20: Frühkonzert. 12.05: Schallplatt, konzert. 14: Werbekonzert (Schall platden). 15.30? Stunde der Jugend. 17.05: Nackmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: Stunde des Buches. 19.05: Zum 100. Geburtstag von Leopold Sonne­mann", Vortrag. 19.45: „Vorgestern", ein bunter Abend. 21.30: Karlsruhe: Kammermusik. 22.15:

Nachrichten. 22.35: Funkstille.

geteilte, Äevsammlrmsen

1. H. J. L. 1893 e.V. Für das am kommenden Soml- tag stattfindende Spiel gegen Rotwcriß haben atr an den bekannten Stellen einen Vorverkauf zu er­mäßigten Proisen eingerichtet. Karten für Mit­glieder und Erwerbslose werden nur gegen Vor­zeigung des Ausweises an der Platzkasse abgegeben»

FL. Viktoria 1930. Freitag, 30. Oktober pünkt­lich 8 Uhr Spieler» und Dorstandssitzung beim Mèt- lgied Gast. 1323

Motor-Sport-Club Hanau 1931. Am Freitag, 30. Oktober wichtige Versammlung betr. Orientie- rungsfahrt. • 1321

Evang. Kasino (Gefangsabtoilung). Die Sing­stunde fällt heute abend aus. Morgen abend 8 Uhr Generalprobe für das Reformationfest in der Stadthalle. 1322

AfA-Vund — Orkskartell Hanau Am Sams­tag, 31. Oktober, abends 8.15 Uhr spricht im Ge­werkschaftshaus (Kolleg 7) Kollege Meyer-Frank­furt, Mitglied des Bezirksvorstandes, über den 4. AfA-Gswerkfchaftskongreß in Leipzig. Me Mib . âüer des â_ »i tââ Wâârvs^ bandss find zu bisfem wichtigen Vortrag erngeladen.

Merkmetster-Ortsverein Hanau. Wir bitten unsere Kollegen um zahlreiche Beteiligung an dem am Samstag im Gewerkschaftshaus stattfindenden

Vortrag des AfA-Ortskartells.

1325

Resormationsfestfeier. Die versrnigten Kirchen-, chöre — Marien-, Iohannes-, Friedenskirche und die Gesangsabteilung des evang. Kasinos — wer­den gebeten, morgen Abend 8 Uhr pünktlich und vollzAMg in der Stadthalle zur Hauptprobe zu erscheinen. 1327

Muß das fein? Muß der Waschtag immer in dieser Hatz verlaufen? Müsien die guten Vorsätze an der Unzulänglichkeit einer überlieferten Wasch­methode scheitern? Nein, das muß anders werden! Krisenstimmung im allgemeinen und Ermüdungs­erscheinungen im besonderen kommen nicht mehr

M*‘ vv|UHMvicn Lvmmcii »uu;i iuuji vor, wenn Sie nach der arbeit-, zeit» und gelb sparenden Persilmethode waschen.

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das heißt soviel wie besonders billige Preise, besonders hohe Leistungen in Qualität und schöner Ausführung. Große Auswahl in den Preislagen:

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Freitag den SV. Oktober 1981 werde ich in a) Niederrodenbach (Bürgermeisteramt), 9 Uhr:

1 Büfett, 1 Sofa, 1 Nähmaschine, 1 Vertiko, 1 rotbraune Kuh,

b) Rückingen (Gastwirtsch. Rothamel), 11 Uhr: 1 Nähmaschine, 1 Bild, 2 Schleifmaschinen, 1 Rübenschneider, 1 Krupper, 1 Kuh, 1 Rind, c) Langendiebach (Gastwirtsch. Dietz), 12 Uhr:

1 Chaiselongue, 1 Sofa,

d) Ravolzhausen (Bürgermeisteramt), 13 Uhr:

1 Schränkchen, 1 Kuh, 1 Rind,

e) Hüttengesäh (Gastwirtsch. Köhler), 14 Uhr: 1 Wirtschastsbllfett, 1 Nähmaschine, 1 Jauche- pumpe, 2 Schweine,

f) Neuwiedermus (Bürgermeisteramt), 14% Uhr: 1 Kommode, 1 Sofa

öffentlich meistbietend gegen Barzahlung ver- steige.rn. 6217

Hanau a. M. den 29. Oktober 1931.

Schmidt

Obergerichtsvollzieher

Prima Ochsenfletsch .......Psd. 60 Pfg ohne Knochen Ptd. 80 Pfg.

Prima Rindfleisch........Ptd. 40 Pfg.

ohne Knochen Pfd. 60 Pfg.

Prima Schweinefleisch.....Pfd. /« Pfg. Prima Kotelett».........Psd. 80 Pfg

Hack, letsch stets frisch ...... Pfd. 50 Pig. Schmalz...............Pfd. 70 Pfg.

Nrerenfett..............Pfd. 30 Pfo.

Fleijchhalle Kl.- Slemheim

Bekanntmachung

Im Auftrag der Landesrenterei Hanau zu Hanau werden am 30. Oktober d. 3., nach­mittags 2 Uhr, im Hause der Landesrenterei Hanau, Steinheimerstrahe 16/18, die nachbe­zeichneten gepfändeten Sachen, nämlich:

1 Schreibmaschine, 1 Warenschrank öffentlich meistbietend gegen Barzahlung ver­steigert. 8906

Hanau den 28. Oktober 1931.

Vollziehungsbeamter der Landesrenterei. i

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