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Nr. 253

Mkkwoch. den 28. Oktober 1931

SeN- 3

Stadt Sana»

LebettSfuttke«

Der Herr, der nach der Uhr ficht, tut das nicht chunal, sondern zehnmal. Hat er zum zehnten Mal dingèblickt und du fragst ihn nach der Zeit, so «reift er zum elften Mal in die Tasche und hott seinen Zeitmesser heraus. Er will dir nichts Der- yrtes jagen, und es kommt ihm auf die Minute st. Außerdem hat er fich so daran gewöhnt, nach inner Uhr zu greifen, daß sich feine Hand ohne tiefen Griff für überflüssig hält Er wird dir «Hi sagen, daß er in feiner Tasche ein kleines Merfutteraf hat, in das die Uhr jedesmal zurück- Met damit das Futter der Tasche geschont wird. Ä ist ein Zauberkünstler!

Wie oft wird_ wohl am Tage nutzlos gefragt Said heisst es: „Hat der Briefbots was gebracht?" «Ser «3ft die Zeitung schon da?" ober „War je» sand zu Besuch da?" Man könnte sich diese Frä­sen selbst beantworten, aber man beantwortet je nicht selbst Wenn der Briesbote dagewesen ist, r^gi die Post fein säuberlich auf dem Tisch zu siegen; die Zeitung verleugnet sich wegen ihres großen Formates schon nichl, man kann sie nicht Sersehen; und wer soll heute zu Besuch kom­men? — Man bedient sich dieser Fragen als einer Sri Unterhaltung, die unvermeidbar zu sein scheint 8as soll man sich sonst sagen, wo alles schon ge* sagt ist Die Frage ist ein letztes Bindemittel, da- mit nicht du und ich sich ganz getrennt fühlen. Manchmal ist Pedanterie ganz hellsam!

Eine graue Mühle macht den ganzen Tag rickeracke. Ueber sie laufen bte Minuten und die 6fimbtii und treiben sie. Die Mühle wird nicht müde.ssie mahll bei Tag und Nacht Man hat sich so an sie gewöhnt, daß man sie gar nicht mehr hört Es geht uns allen wie dem Müller, der, erst aushorcht, wenn seine Mühle stille steht — Kann tiefe Mühle stille stehen? Was bedeutet das? Was bedeutet es, wenn bit Minuten und die Stunden

Der „LreventtSser" im Giral verfahren

nicht mehr rinnen und laufen? Dann ist der Bach verflecht, und das Leben ist fort. Wie hängen wir alle am Leben! Pedantisch, geizig und doch schwenderisch mit den Minuten und Stunden.

Don besonderer praktsscher Bedeutung ist zu» weflen die Frage, wann man sich der öffentlichen Klage als NebenNäger anschließen kann.

Sobald die Staatsanwaltschaft durch eine An­zeige oder auf anderem Wege von dem Berdacht einer strafbaren Handlung Kenntnis erhält, ist sie gesetzlich verpflichtet den Sachverhall zu erforschen bzw. einzuschreiien (Legalilätsprinzip). Nur bei Beleidigungen, Körperverletzungen und einigen anderen Delikten, welche den Strafantrag des Ver­letzten erfordern, hat sie noch § 376 Strafprozeß­ordnung ihr Vorgehen davon abhängig zu machen, ob dasselbe im „öffentlichen Interesse" geboten sei! Solch« Taten kann nämlich der Verletzte selbst als „Privatkläger" strafrechtlich verfolgen. In den­jenigen Fällen, in denen die Staatsanwaltschaft es ihrerseits für richtig erachtet hat, dis öffentliche Klage zu erheben, kann der Verletzte sich ihr als „Nebenkläger" anschließen. Der Verletzte kann also hier auch in anderer Gestalt eine Verfolgerrolle un Strafprozeß haben und braucht daher nicht nur als „Anzeiger" in Erscheinung treten.

Unter „NebenNage" versteht das Gesetz den An­schluß eines Privaten an eine bereits erhobene öffentliche Klage der Staats» ober Amts anmatt» schaft. Die Zulässgkeit der Nebenklage ist durch die §§ 395, 403 Strafprozeßordnung gesetzlich geregelt. Die Anschlußerklärung ist bei dem Gericht schrift­lich einzureichen. Das Gericht entscheidet über die Berechtigung nach Anhörung der Staatsanwalt» 'chast. Der Anschluß kann in jeder Lage des Ver­fahrens erfolgen, aber nur von demjenigen, der als Privatkläger aufzutreten gesetzlich berechtigt wäre. Durch das Gesetz sind unzweckmäßigerweise unter dem Namen „Nebenklage" zwei grundver­schiedene Erscheinungen zusammengeführt: einer­seits die reine Nebenklage mit der Möglichkeit der Ueberwachung der staatsanwaltschaftlichen Tätig­kett, andererseits die Bußeklage mit dem Erstreben pekuniärer Vortelle. Der Antrag auf Zuerkennung

einer Buße kann nur bis zur Verkündung des Urteils erster Instanz gestellt werden.

Die Bußeberechttgung existiert bei folgenden Straftaten:

a) Ueble Nachrede und Verleumdung, falls die­selbe nachteilige Folgen für die Vermögens- Verhältnisse, den Erwerb oder das Fortkom­men des Beleidigten mit sich gebracht haben.

b) Jede Art von Körperverletzung.

c) Jede Straftat nach dem Wettbewerbgesetz.

d) Urheberrechtsverletzungen.

e) Verrat und Ausbeutung von Geschäfts- und Betriebsgeheimninen durch nichtbeamtete, bei Behörden beschäftigte Personen.

Das Wesen der Buße ist bestritten. Bald wird sie als Strafe, bald als Entschädigung, bald als eine aus den beiden Genannten zusammengesetzte Einrichtung betrachtet. Die allgemeine Rechtsauf­fassung geht jedoch dahin, daß sie besser gesagt unter den Begriff der „Genugtuung" fällt. Meistens ist weder der Nachweis eines Vermögensnachteiles noch ein solcher Nachteil überhaupt Bedingung für das Entstehen des Anspruches. Der Anspruch ver­jährt nach den Grundsätzen des Zivilrechts. Bei Bemessung des Betrages der Buße find in erster Linie die Vermâgensverhältniffe des Geschädigten, nicht diejenigen des Angeklagten maßgebend. Steht dem Verletzten ein Anspruch auf Unfallrente zu, so kann hierdurch sein Anspruch auf Buße gemin­dert oder aufgehoben werden. Der Nebenttâger hat den Betrag, welchen er als Buße verlangt, anzu­geben. Ueber diesen Betrag darf das Gericht in seiner Entscheidung keineswegs hinausgehen. Der Anspruch auf Buße ist ein persönlicher An­spruch des Verletzten! Eine Geltend- machung durch die Rechtsnachfolger oder Erben ist unzulässig. Wird der Angeklagte freigesprochen oder das Verfahren eingestellt oder die Sache ohne Urteil erledigt, so gilt auch der Antrag auf Buße ohne weitere Entscheidung für erledigt!

führlicher Beweisaufnahme beantragte der Staats­anwalt schließlich wegen Betrugs 5 Mon. Gefängnis. Demgegenüber gelangte das Gericht zu einem Freispruch des sich äußerst geschickt verteidigenden Angeklagten wegen Mangels an Beweisen. Gestraft waren also auch in diesem sehr lehrreichen Falle die kleinen Ge'.dsucher, denen dieses betrübliche Köpftet nur angelegentlich für bk Zukunft als Warnung empfohlen werden kann.

will das fassen!

Der»

Wer

Ein Großmütterchen brät sich AepfeO ___ Zischen und Knistern dieses Schmorens ist ihr ein gar liebliches Geräusch. Sie mag das Radio nicht, besonders nicht die Borttäge, aber, wenn ein Wiener Walzer kommt, dann lauscht sie doch. Aus ihrer Jugend steigen Lichter auf, Landschaften, Bälle, rote Wangen und etwas, das sehr schön

Das

war und nicht wiederkehrt. Wenn der Walzer hingt, übertönt er sogar das Brutzeln der Brat­äpfel.

Hvvotbeke« und Darlehen gesucht

Wie der Ertrinkende nach dem Strohhalm, greift di den heutigen Zellen schwerster wirtschaftlicher Rot drr gekdsuchendè, kleine Mann bedenkungslos nach

Hand, die sich ihm zur Rettung entgegenzurei-

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erst eingegangen, dann folgt eine ganze Weile gar» nichts, bis der Geldjucher schließlich den Geschmack verliert, noch sein gutes Geld in eine faule Sache zu stecken Sollte der Geldgeber aber nach weiteren Vorschußzahlungen doch noch die Kühnheit aufbrin­gen, sich nach dem Stand der Angelegenhell zu er­kundigen so wrrd ihm nach etlichen Wochen der lako­nische Bescheid zuteil, die gebotene Sicherheit genüge nicht oder die Gewähr für die Rückzahlung sei nicht vorhanden. Man sieht daraus, daß die „Finanz- männer", sobald man ihnen an den Kragen will, um eine Ausrede nicht verlegen und die Geldsucher am Schluffe immer die Dummen sind. Solange es aber noch Zeitgenossen gibt, die trotz aller Warnungen auf derartige schwindelhafte Geldangebote hineinfallen, solange blüht der Weizen jener dunklen Existenzen, die selbst den Kampf mit der Staatsanwaltschaft auf- nehmen und nur schwer, sehr schwer am Kragen ge­faßt und für längere oder kürzere Zeit unschädlich gemacht werden können

sicherlich auf Leute vom Schlage des Angeklagten die ausdrückliche Feststellung des Gerichts, daß Oie Verhandlung keineswegs die Unschuld des Angeklag­ten erwiesen habe. Vielmehr durfte der Angeklagte mit einiger Sicherheit daraus Hinweisen, daß das Ge­richt ausdrücklich die weitere Feststellung getroffen hat, daß die eigentliche hauptsächliche Schuld die bei­den famosen Hintermänner und Auftraggeber des Angeklagten, einen gewissen Sittich in Ehrenbreit­stein und Giesecke in Braunschweig, treffe. Immerhin könnte die Verhandlung den Erfolg gezelligt haben, daß der mit einem blauen Auge davongekommene Untervermittler zum Wohle der kleinen Geldsucher in Zukunft die Finger von derartigen unsauberen Geschäften lassen wird, wie er wenigstens gestern

* Daten für 28. und 29. Oktober. 28. Oktober; 1802: Der Mineraloge Johann Reinhard Blum in Hanau geb. (f 1883 in Heidelberg). 1846: Der Prässdent der Deuffchen Reichs- und Preu- ßffchèn Ltaatsschuldenverwaltung v. Bischoffs« hausen in Hanau geb. (f 1928 in Brannen­burg in Bayern). — 29. Oktober: 1790: Der Päda­goge Adolf Diesterweg^ in Siegen geb. 1863: Der Äsrikareisende Franz Stuhlmann in Hamburg geb. 1918: Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie.

* Delliparlag. Am 30. Oktober 1931 wird an» lâUich des Weltspartages für die Südwestdeutsch« Rundfunk A.-G-, Frankfurt a. M-, Oberbürger­meister Dr. Blaum- Hanau, der Lerbandsvor- fteher des Hessen-Raflauijchen Sparkassenverban­des, einen kurzen Vortrag hatten, bei dem er auch auf die jetzige Lage der Sparkassen in der Geld­krise zu sprechen kommen wird.

* Gefunden. In der Zett vom 20. bis 26. Okto­ber 1931 sind als gefunden angezergt worden: 1 Aktentasche mit einem Gebetbuch, 1 rötlich« Damenbluse, 1 Handtäschchen aus Bast mit Inhalt, 1 braungefleckter Jagdhund (Hündin), 1 weißer rechter Wildlederhandschuh, 1 schwarzer aus klei­nen Tellen geflochtener Lackledergürtel, 1 dunkel­grauer rechter Herrenhandfchuh aus Stoff, 1 grün« liche Handtasche aus Wolle mit Reißverschluß und Inhalt, 1 kleiner Schlüssel und 1 Schlüsselring mit 2 verschiedenen Schlüsseln. Die Eigentümer wollen sich im Fundbüro der Polizeidirektwn auf Zimmer 196a in der Zeit von 8 bis 12 Uhr melden.

• Die Sleuerkarle 1932. Den Finanzämtern ist jetzt das Muster der Steuerkarten für 1932 be­kanntgegeben worden. Die Grundfarbe soll Hell­orange sein. Sie haben den Druckaustrag mit gro­ßer Beschleunigung zu erteilen, damft die Aus­schreibungen der Steuerkarten nach der Personen­standsaufnahme nicht verzögert wird und bet deutsche Bürger pünktlich in den Besitz der Karte gelangt Die Anordnungen für die Eintragungen haben sich nur wenig gegen die vorjährigen ge­ändert. Die Liste für die Lohnsteuerbescheinigungen

aus der zweiten Seite hat jedoch Vierecke damit der Arbeitgeber vermerken kann, etwa in Frage kommende Ledi""nsteuer Arbeitnehmer gezahlt wurde. Seite drei üblichen Beachtungen vor, wie z. B. die

erhalten, ob die bei dem sieht die Anträge

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iiaufulierten Vertrages und die o § von schuß- und Prüfungsgebühren in oft recht beträcht­licher Höhe wird von solchen Fällen als notwen­diges Uebel gerne in Kauf genommen, da im Hin­tergrund die so dringend benötigte paar Hundert Mark winken. In fast 100 Prozent aller Fälle bleibt es daun leider aber beim „Winken" und der Geld- sucher ist obendrein noch um etliche Mark leichter ge­worden. In diesen knappen Sätzen spiegelt sich im großen und ganzen die Tätigkeit jener geheimnisvol­len, dunkelen Ehrenmänner ab, die sich stolz als Selbstgsber von Darlshns- und Hvpochekengslder M bezeichnen pflegen und aus der Not ihrer Mit- fnmschen skrupellos Kapital zu ziehen verstehen. Selbstredend bleiben sie meist hübsch im Hintergrund und schicken ihre Untervertreter vor, die erst die gut» gläubigen Geldsucher kirre zu machen und fein säuberlich einzuwickeln haben. Ist der erforderliche änirag mit den diversen erforderlichen Vorschüssen

hoch und heilig versprach.

In der Verhandlung selbst marschierten 18 Zeu­gen aus der näheren Umgebung auf, von denen kei­ner je einen Pfenmg Geld gesehen hatte, trotzdem sie Vorschüsse und Gebühren in Höhe bis zu 150 Mark

auf Aenderungen der Lebensverhältniffe des Steuerpflichtigen. Die vierte Seite gibt Auskunft über die Bürgersteuer für 1931. Das zuständig« Finanzamt schreibt pH* die zu zablenden Teil­beträge vor, diesmal jedoch in einer besseren Uebersicht. Gleichzeitig ist angegeben, wer di« Steuern bezahlen muß und wer befreit ist.

Sortierung.

Da wollte «n, He er „:,

Krim irw!-Rom an

Von Cuife Desskirch

iS Seyfert, Var^a^h z ^ * - i^’hmz. Dresdes

(Nachdruck verboten.)

ich meine Klissch« von ihm ?or« nahm. Er >oHk mir berausgeben. Und wenn er sich we igerte, —

®as mejt war._________, , „

^5'3 er üch wrigene —! Ja, was dann z:>chrheu — es ist Demütigung, es dir zu gestehen. — «ir was dann geschehen wäre, ich weiß es nicht km daß alles gekomwen wäre, wie es beur rt — aib daß ich zur fistele hätte greif tu müssen, »?’ rhe du famft Unmöglich üfs nicht Ich '-d i, ;! vor bei Augen, als ich die Tür zu seinem rjs-l auftiß. So" aufgeregt war ich, daß ich den ch»h, den ich abzirben wollte, in Fegen ntz- baâei sie bot der Tür gefunden.*

.und bann, — als du die Tür aufgenffen

sm ihm standest — Bolf!?* . .

-ab stand nicht vor ihm, Anna. Das "t bas --Mderbare, für -bas ich Gott danken werde, jo uh lebe. Das Ab-eil war leer."

-. .j'Y^war leer? Leer, plötzlich während der -7, '^" Zug hatte ein paar Minuten auf freiem ..p-e gehalten, um einen anderen oorüberzulanen. S t^lè, daß Hee emonn gemerkt haben wurde.

53 uh im selben Wagen mir ihm fuhr, ich ganz -.^ und daß er bedenklich geworden wäre. Mut Vij* ^ lernt HervorstrSh-ndstr Eigerss^art Ich °“rt während des kurzen Aufenthalts io - neS*n. hätte in einem der drchtgenillten £--^?n, brater Klasse fein Leben in Sicherheit ge»

"iât du ihn getötet! Nicht du?"

9 f-.vJL $k ich kam. um Rechenichost von chm èkhtttea^' ^È EE andrer schon seine Abrechnung $!^”^ sssir Zeit, was du sagst, zu taffen! toy l ^ ÄEit! Freispruch vom Tod ift's buch- P,"nä.?^.du hast ihn gemordet! Nicht ich bin beide« Tode-! Umchuldig sind wir

trtuinstH — ”'tr 1° liegt das Leben ja licht und vor uns. Wir dürfen glücklich fein.*

dige Strafverhandlung werfen, die gestern unter Zuziehung eines 1% Dutzend starken Zeugenappa- rates vor dem hiesigen Schöffengericht gegen einen 52jährigen früheren Schreinermeister von hier durch­geführt wurde. Es handelt sich bei dem Angeklagten um eine Persönlichkeit, die schon etliche Berufe durch­laufen und ^ließlich die Vermittler- und Vertreter- tätigkell ergriffen hat, bei der man sich unter Um» ständen garnicht schlecht stehen soll. Ganz besonders scheint dies bei GeldvermitUungsgeichäften, wie sie weiter oben ausführlich beschrieben sind, der Fall zu sein. Schließlich sind 50 Pro-ent Provision der ein­gegangenen Vorschüsse und Gebühren kein Pavven- stiel und mehr als leicht verdient, zumal man sich in Fällen der Gefahr auf seinen guten Glauben beru­fen kann und dann meistens einen Freispruch erzielt, wie ein solcher auch gestern aus Mangel an Bewei­sen erfolgen mußte Wenig Eindruck machte dabei

»Ja, Anna."

„0, du —! Wenn du wüßtest-- Horch' Ist das nicht ein Wagen? Ja. sicher diesmal ein Wagen. Sie kommen! Ach, wo hatte ich meine Gedanken in meinem Taumel von Seligkeit? Sie kommen. Sie holen dich, sperren dich ein. Wenn sie

dich verurteilen trog deiner Schuldlosigkeit?!"

.Sei ruhig. Ich werbe um meine Freisprechung kämpfen im Perrrauen auf Gott, der mich gnädig vor schuld bewahrt hat. Aber dich braucht nie» mand hier zu ishsn. Geh durch diese Tür. Geh hinau-, bevor sie kommen."

»Wenn du schuldlos bist fürchte ich nichts auf der Well mehr. Ich gehöre zu dir."

„Geh dennoch. Lieb Wozu ein Schauspiel geben? Aus ein Siebers eben in Freuden."

Er drängte sie aus der Tür und rief

Dienrr.

^âfl der Wagen der gnädigen Frau hier der Tür?"

»Nein. gnäbiat Frau sind ansae'uroem

Wagen hält hinter Sem Park am Waldrand."

den

vor

Der

»So ist's gut* _

Jetzt knirschten deutlich Räder im Sand. Man hörte dazwischen bas leise Ausschlagen der Hufe. Der Wagen hielt Schwere Schrute auf der Diele, Stimmen. Der Diener öffnete die Tür. Blanke

Litzen und Knöpfe schimmerten im Rahmen, ter den Gendarmen stand Polizeileutnant Otten.

Hm- von

Er hob sich ein wenig auf den Zehen. Er nichi sehr groß. Flüchtig und scheu sahen , scharfen Augen ins Zimmer und verharrten, sich wettend, erstaunt und unalaudig auf der großen, breiten Gestatt Ilefelds. Nicht aufrecht hatte er den ju finden erwartet Wußte er etwa noch nicht, daß er verloren war? Otten hatte Frau Anna doch

war seine

Zell gelassen.

Aber da war ein Ausdruck von Pertrâumrbett in JleseDs Zügen. eine heimliche Glückseligkeit, die er kaum verbarg. Unb ein schwarzer Handschuh lag auf dem Teppich im Schatten neben dem niedrigen Sessel, ein schmaler, schwarzer Frauenhondikbuh. Otten sah es deutlich — sie war bei ihm gewesen. Er wußte. Und er stand da lebendig und aufrecht Und eine unaewollte Wirde lag in der Haltung des großen Menschen. Sieht so einer aus, der mit her reinlichen und hschoemut-n Ser rangen -eit Solf Ilrfetds auf des Lebens Mittagshöhe plötz­lich himrrrücks feinen Feind erwürgt hat?

rwrxwss

spielte dabei eine wesentliche Rolle und stützte den Angeklagten auch wesentlich in seiner Derteidigung, da er angeblich fest und steif die Reellität seiner Auf­traggeber geglaubt haben wollte. Entlastend führte er dann auch ins Tressen, daß er seine Beziehungen zu dem Ehrenbreitensteiner „Geldgeber" sofort ab­gebrochen uni) für diesen keine Aufträge mehr an­genommen habe, als ihm die Sache nach einem per­sönlichen Besuch bedenklich vorzukommen begann. Dann kam der große Rsinfakl mit dem Braunschwei­ger „Geldmann", dem sich noch einige weitere wie mit der „Citp-Gssellschast", einer gemeinnützigen Bau- und Wohmmgsgenosseirschast in Duisburg und einem Berliner Finanzunternchmen zweifelhafter Art anrechten. In allen Fällen aber waren die Geldsucher die Dummen, die zunächst im Glauben er­halten wurden, in kürzester Zell seien sie im Besitze der dringend benötigten Summe. Nach höchst aus«

ML

Gerate diese Mschrm- schmeckt

»Herr von Jleseld, auf Grund schwerer Ver- hachtsgründe gegen Sie in der Heefemannschen Sache habe ich ine peinliche Pflicht, Sie zu ver­haften."

»Ich stehe zur Derfugung."

Olren winde einem Gendarmen, der Dortrat

.Bringen Sie den Gefangenen in das Unter» uchunasgesängnis in Siel Ich möchte Ihnen die Fesselung gern ersparen. Herr von Ileield."

.Ich "mache keinen Fluchtversuch. Auf Ehren­wort."

.Mir liegt noch ob, gemeinsam mit dem Wacht­meister eine genaue Haussuchung in Ravenhorst immun ec men.*

Ilrttld wandte sich an den Diener. .Friedrich, geben Sie dem Herrn Polizeileutnant die Schlüssel zu all meinen Schränken."

Olten hatte den Schreibtisch geöffnet kramte Mischen den Popieren. E- waren meist Briefe ungeduldiger Gläubiger, geschäftliche Mittellungen des Reck-sanwolls. Von Frau von ss^esemann keine Zeile. vederhaMt sein Brief von Frauen­hand. Er rief Friedrich herbei. Der Wagen mit dem Gutsherrn fuhr langsam vom Hof.

„Friedrich, wann ist Herr von Ilefeld am Abend des dritten November nach Hause gekommen?"

.Dos war Glock neun. Der Kutscher bat ihn um acht Uhr zehn von Föhrde abgeholt. Ich bin miige; obren-*

.War Herr von Ilefeld gleich auf dem Bahn- Hof anwesend?"

Ja, gewiß. Als der Zug hielt, kam er durch die Sperre."

^Hm! Schien er sehr erhitzt ober aufgeregt ober irgendwie anders als sonst?"

.Wenn ich 'ogen foa — ich mein', er war in fern’ guten Stimmung. Aber fein' Stimmungens wechseln oft*

.Hat er in der Nacht geschlafen? Oder ist er aufgestonden? Bar er unruhig^

.Er hat fest geflafen bis in den lichten Morgen."

.Waren Sie zugegen, als Ärr Herr von Herrn von Hees-'manns Ermordung erfuhr?"

.Re«, dabei bin ich nid) gewesen.*

»Wer hat ihm die Nachricht gebracht?"

.Ich mein', er hat das im Abendblatt gelesen.*

-Wie benahm er sich bertn. als er es wußte?"

»Er war ganz erfrofen. wie wir alle, ja, das war er. Aber daß ihn das besonders traurig machen tat net, das will ich pich lügen." । ■

.Haben Sie seine Kleidungsstücke am Abend des dritten November nachgefehen?"

»Das tu ich jeden Abend. Er is was flüchtig, der Herr, und er hält doch auf fein' Anzu^ da muß ein aufpapen.*

»Ist Ihnen an jenem Abend etwas Besonderer an des Herrn Kleidung ausgefallen?*

.Sein* Stiefels waren ganz mit Lehm befmiert Aber das find sie oft*

.Bar kein Stück Anrissen? Ich mein« etwa der Mantel» Fehlte da nicht etwa an einem Vorderteil ein Stückchen?"

»Sein Kantel war heil."

-Was für ein Mantel war’s**

-Das war so 'n grauen mit ’n kragen und ohne SermeL Der Herr Leutnant hat chn ja mü» genommen. Aber heil war er."

senken Sie genau nach. Sie werden Ihr« Ausfrae beschwören müssen."

»Will ich gern tun. Der Mantel war heil."

gönnten Sie nicht das Fehlen eines kleinen Fetzen- übersehen haben?"

»Ich hab dem Herrn seine sämtliche Mantels noch kürttich voraehabt. auf ein Bett gelegt, ge« bürstet mit Benzin abgerieben. Da nt kein zer­rissener beigewefen.'

„Wann haben Sie diese Reinigung vor ge­nommen?"

»Das waren am Sonnabend genau acht Tose."

„Friedrich", faste Otten. „Sie haben den Ile- telds ein paar Menschenalter treu gedient. Ich we.fj, wie lehr 6 e Ihrem Herrn ergeben sind Aber auck, die Treue bars Sie nicht zu einem Meineid verketten. Denken Sie an Ihre in Ebrea ergrau­ten Haare und sagen Sie die Wahrheit"

„Der Mantel is Sonnabend vor acht Tagen noch heil gewesen. Da will ich zehn ED« auf chwsren."

»M zwischen dem zehnten November und vor­gestern eine frembe Person in der Kammer des Herrn gewesen?"

JEme fremde Perlon? Nee, Herr Leutnant. Wie sollt das woll an geben?*

„Ich meine, heimlich Haben Sie keine verdäch­tig« Sour gefunden — sein Geräusch gehört?"

„Siebens nnb Einbrechers sind hier bestimmt nich gewesen."

(Fortsetzung folgt)