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AanaueMzeiger

Stadt und Land

Anzeiger LA^M

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22. Oktober

1931

Das Ergebnis des Grandibesuches

Grandt bet Kindenbnrs

UebeveinWmmuns »wischen Berlin und Rom

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Nach einer Funkmeldung befand sich das Luft­schiffGraf Zeppelin" heute um 5 Uhr 40.55 Grad 1 nördlicher Breite und 11,20 Grad westlicher Länge, also nicht weit von der Küste Portugals. Das Luft­schiff hat mit schweren Gegenwinden zu arbeiten.

* Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 83. Oktober beträgt die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen 29,4 v. H. gegen ?8,6 D. H. in der Vorwoche.

Die Tarifkommission des Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebs trat bereits gestern mit dem Vorstand der Gewerkschaft zusam­men, um zu dem Vorschlag des Reichsverbandes der Kommunalverwaltungen auf 9prozentige Kür­zung der Löhne ab 1. November Stellung zu neh­men. Die Tarifkommission, der etwa 20 Vertreter der Bezirksorganisationen aus dem Reich ange­hören, kam zu dem Ergebnis, daß eine weitere Kürzung der Löhne nicht tragbar fei und der Vor­schlag der Arbeitgeberseite zurückgewiesen werden müsse. Bei den Verhandlungen werden die Ge­werkschaften eine Verlängerung des bisherigen Lohnabkommens bis zum 31. März 1932 fordern.

Durch eine im gestrigenReichsanzeiger" ver­öffentlichte Verordnung vom 24. Oktober werden aufgrund des Paragraphen 2 der Zweiten Verord-

1931 die Untertagearbeiter und ihre Arbeitgeber im oberschlesischen Steinkohlenbergbau mit Wirkung vom 8 Oktober bis zum 30. November 1931, im bayerischen Pechkohlenbergbau mit Wirkung vom ) Oktober bis zum 30 November 1931 von der Bei- tragsvflicht zur Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung befreit.

* Wie dieKölnische Zeitung" erfährt, sind die französisch-russischen Verhandlungen nach Moskau »erlegt worden. Rußland soll bereit sein, Polens Grenzen zu garantieren.

* In Gelsenkirchen wurde ein Polizeibeamter von Kommunisten erschossen.

Der deutsche und der britische Botschafter in Washington wurde gestern und zwar jeder einzeln, von Staatssekretär Stimson empfangen, der mit ihnen das von Präsident Hoover und dem fran­zösischen Ministerpräsidenten Laval ausgegebene Kommunique diskutierte.

Laval ist von Washington abgereist, um sich in Rewyork einzuschissen.

Infolge einer Vereinbarung zwischen den sow- jetrusfischen zuständigen Stellen werden den aus­ländischen Spezialisten die Gehälter nicht mehr in ausländischer Währung ausgezahlt, sondern in Tscherwonzen. Ausnahmen sollen vom Präsidium des Obersten Volkswirtschaftsrates zugelassen werden

König Karol empfing gestern Professor Piccard und zeichnete ihn mit dem Perdienstkreuz für Luft­fahrt aus.

Aus London wird gemeldet: Die allgemeine Lage in Burna hat sich, wie ein soeben veröffentlichter Bericht des Indien-Amtes besagt, wenig verändert. Eine beträchtliche Anzahl von Rebellen ist gefangen genommen worden, darunter drei angesehene Füh­rer. die nicht unter die allgemeine Amnestie fallen.

den Thayetmyo- und Prome-Distrikten sind Raubüberfälle noch sehr häufig und nehmen schärfere Formen an. In einem Falle wurden vier Frauen und ein alter Mann ermordet und über dreißig Häuser niedergebrannt Im Prome-Distrikt über- Nelen 15 Rebellen in Uniform einen Blinden in der Nähe einer Pagode und ermordeten chn, weil er für Frieden gebetet hatte und die Rebellen zur Ueber- gabe überreden wollte.

Zwei englische Militärflugzeuge stießen bei Tid- (Leicestershire) in der Lust zusammen. Drei Insassen wurden getötet. Ein Mechaniker rettete sich durch Fallschirmabsprung.

*

Oberst Sanchez Eerro ist zum Präsidenten der Republik Peru gewählt worden Seme Mehrheit be­trug über 30 000 Stimmen. Gestern wurde auf den neuen Präsidenten geschossen. Die Schütze wurden von einem Kraftwagen aus in den Regierungspalast mnein abgegeben. Eerro wurde nicht verletzt.

) Näheres siebe im politischen Teil.

Die amtliche Mitteilung

Berlin, 26. Ott. Der italienische Staatsbesuch hat am Montag abend mit einem Diner in der italienischen Botschaft seinen Abschluß gefunden. Außenminister Grandi wird sich mit seiner Gattin noch den Dienstag über in Berlin aufhalten, es werden aber keinerlei politische Besprechungen mehr stattfinden. Das Ergebnis der Besprechungen zwischen dem italienischen Außenminister und der Reichsregierung ist in folgendem gemeinsam verein­barten Sommuniquè festgelegt:

Anlätzlich der Anwesenheit des italienischen Außenministers Grandi in Berlin haben zwischen ihm und dem Reichskanzler eingehende politische Besprechungen stattgefunden. Anknüpfend an den freimütigen Gedankenaustausch, den der Reichs- kaazler bei feinem Besuch in Rom mif dem Chef der italienischen Regierung vornehmen konnte, wurden in diesen Besprechungen alle die großen politischen und wirtschaftlichen Probleme inter­nationaler Art einer Erörterung unterzogen, deren Lösung von Tag zu Tag dringlicher wird. Bei der Aussprache, die mif vollster Offenheit und in freundschaftlichster Gesinnung geführt wurde, ergab sich weitgehende Uebereinstimmung in der Beurteilung der Lage und der Notwendigkeiten, die sich aus ihr ergeben. Insbesondere kam auf

sie heule die Welt erschüttert, ohne eine plan­volle Zusammenarbeit der beteiligten Ballonen nicht mehr möglich ist und daß diese Zufammen-

arbeit, wenn sie zum Erfolge führen soll gegenseitigem Vertrauen und gegenseitiger lung gegründet fein muß.

Beidevsetts voAsie JuMedSttheZi

auf Ach-

Berlin, 26. Okt. Bei den Besprechungen zwischen dem italienischen Minister des Aeußern und den deutschen Staatsmännern, die heute abend zu Ende gegangen sind, bestand nicht die Absicht, b e- stimmte Entschlüsse zu fassen oder irgendwie eine gemeinsame Marschroute für die Zukunft fest- zulegen, da der Inhalt dieser Zukunft ja noch in Dunkel gehüllt ist. Es kam allein darauf an, daß man sich über die großen politischen und wirtschaft­lichen Probleme der Gegenwart aussprach und fest- stellte, wieweit hier gemeinsame und wieweit ver schiedene Auffassungen vorlägen. Es stellte sich nun. wie wir härm, erfreulicherweise heraus, daß in keiner Frage ein wirklicher Gegen- satz besteht, daß vielmehr in fast allen Punkten eine gleichartige Beurtei'ung vorliegt und daß es daneben nur einige wenige Punkte gibt, an denen der eine oder der andere Teil sich überhaupt nicht interessiert fühlt. Man kann daher als Ergebnis der Aussprache bezeichnen, daß nunmehr beide Sei­ten genau voneinander wissen, wie sie zu den Fra­gen der Zukunft eingestellt sind, so daß es leicht sein wird, sich bei gegebenen Anlässen über die beste Art des Zusammengehens zu verständigen. Das ist alles, was man wollte, und da es in vollem Umfange erreicht worden ist so besteht auf beiden Seiten auch vollste Zufriedenheit über den jetzt beendeten Besuch.

Die AWÄten dsv Italien lieben Aukenvo i tt

Am Montag vormittag hielt Grandi einen Empfang der Presse ab, bei dem er u. a. ausführte: Ich freue mich außerordentlich, mit den Vertretern der deutschen Presse zusammenzukom­men, die ich vor allem nicht nur als Minister des Aeußern, sondern auch als alter Journalist besonders zu begrüßen wünsche. Es ist für mich eine große Freude, nach Berlin gekommen zu sein und dem Reichskanzler einen Besuch abzustatten. Dieser Besuch fügt sich in den Rahmen der Besprechungen und Jdeentwustausche zwischen Staatsmännern ein, die zuerst in diesem Jahre ihren Anfang genommen haben, in Europa und außerhalb Europas fortgesetzt werden und die bereits viele beachtliche Resultate ge­zeitigt haben und von denen noch größere zu er­warten sind. Die wirtschaftliche, politische und ökono­mische Lage verlangt die ernsteste Aufmerksamkeit, die größte Bereitwilligkeit zur Ueberwindung der allgemeinen Krise für die Wiederber st ellung des Vertrauens zwiscb m den Völkern und des Vertrauens der Völker in sich selbst. Der Ebel der -talienrschm Rech-rung hat wiederholt diese Auf­fassung bestätigt. Gestatten Sie mir, daran zu erinnern, daß er mehrmals gesagt hat, -atz der Wiederaufbau Deutschlands als eines

der wichtigsten Elemente für den Wiederaufbau Europas angesehen werden muß.

Alles, was Deutschland in diesen letzten Mo­naten dazu getan hat, um in sich selbst die notwen­digen Kräfte zu finden, um die Krise zu überwinden, ist ein Beweis seiner Lebensfähigkeit und der moralischen Kräfte des deutschen Volkes, das mit ruhigem Optimismus seiner Zukunft entgegensetzen kann und darf. Die kurze Zeit, die ich hier verbracht habe, genügte, um mir zu beweisen, daß das Ver­trauen, das die Welt in die Arbeitsamkeit, Disziplin und den Patriotismus dieses großen Volkes setzt, vollauf berechtigt sind.

Das Problem der Rüstungen und die Lösungen, die ihm in der nächsten allgemeinen Abrüstungs­konferenz gegeben werden können, sind der drin­gendste Punkt der Anstrengung, die unsere Zivilisation leisten muß, um sich selbst zu reffen und unseren Kindern eine Zukunft des Gedeihens

Ich begebe mich fetzt zu seiner Exzellenz, Feldmarschall v. Hindenburg, dem deutschen Reichspräsidenten, um ihm den Gruß der Regierung Seiner Majestät der Königs von Italien und meine persönliche Huldigung zu überbringen. Die Hoch­achtung und Ehrerbietung, die seine hervorragende historische Persönlichkeit der -ganzen Welt abfordert, machen mir als Soldaten und Frontkämpfer diese Gelegenheit in ihm das tapfere deutsche Volk be­grüßen zu dürfen, besonders schäMmr."

Der italienische Außenminister Grandi wurde am Montag vormittag 11 Uhr vom Reichspräsidenten empfangen. Am Palais in der Wilhelmstraße waren die üblichen Absperrungen vorgenommen worden, doch hatten sich nur einige hundert Schaulustige an­gesammelt. Kurz vor 11 Uhr fuhr das Botschafter- auto mit der italienischen Flagge vor dem Portal des Reichspräsidentenvalais vor. In der Begleitung Grandis befanden sich Botschafter Orsini Baroni und Legationsrat Thomsen vom Auswärtigen Amt. Während der Dovvelposten der Reichswehr präsen­tierte, begab sich Grandi in das Innere des Palais, wo ihn Staatssekretär Meißner empfing, um ihn zum Reichspräsidenten zu geleiten. Dieser Besuch dauerte genau eine halbe Stunde.

Staatssekretär Dr. Meißner begleitete dann Grandi zum Wagen, mit dem er ins Hotel Esplanade zurückkehrte, nachdem er sich am Portal des Reichs- präsidsntenpalais noch den zahlreichen Kamera­leuten zu einer Aufnahme zur Verfügung gestellt hatte. Die Zahl der Schaulustigen in der Wilhelm­straße batte sich in-wischen vergrößert, und als das italienische Botschaftsauto aus dem Vorgarten des Reich-mräsidenten rollte, erhüben sich viele Hände zum Faschistengruß

Um 17 Uhr benennen die großen politischen Be­sprechungen beim Reichskanzler.

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Berlin, 26. Okt. In einem Teil der Presse wird gegen die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung der Vorwurf erhoben, daß sie einen zu hohen Per­sonal- und Sachausgabenetat habe. Von unterrich­teter Seite wird darauf hingewiesen, daß bei die­sen Vorwürfen der ArbeitsuUifang der Reichsan­stalt nicht berücksichtigt worden ist. Man müsse be­denken, daß die Reichsanstall für durchschnittlich 4.5 Millionen Arbeitslose zu sorgen habe. Das be­deute, daß rund 4 Mill. Personen regelmäßig zwei­mal in der Woche durch die Kontrolle der Arbeits­ämter laufen, so daß die einzelnen Arbeitsämter insgesamt einen Publikumsverkehr von rund acht Millionen Personen in der Woche zu bewältigen haben. Der Geldverkehr der Reichsanstalt beträgt dementsprechend in Einnahmen und Ausgaben etwa zwei Millionen Mark im Monat. Die Ver­waltungsunkosten, die im Jahre 1929 noch 4,2 Prozent betrugen, sind im Jahre 1930 auf 3,7 Pro­zent zurückgegangen.

5m Lohnstreit bei der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft fanden gestern vor dem Sonder- schlichter Oberlandesgerichtsrat Dr. Joetten erneut Verhandlungen statt. Nach ausführlicher Erörte­rung wurden die Verhandlungen auf heute mittag vertagt.

Wie sieben die Fronten?

Berlin, 26. Okt. Das Ergebnis der Besprechun­gen zwischen Hoover und Laval, wie es in dem der Oeffentlichkeit übergebenen Kommunique festgelegt worden ist, wird in Berliner amtlichen Kreisen mpr mit sehr großer Vorsicht kommentiert. Die leitenden Kreise in der Wilhelmstraße betonen zunächst, daß von einem völligen Mißerfolg der Kon­ferenz Hoover-Laval nicht die Rede sein könne. Es sei weder von Laval noch von Hoover beabsichtigt gewesen, in den kurzen Tagen des Washingtoner Besuches endgültige Vereinbarungen zu schließen. Zu der entscheidenden Frage, daß man sich im Grunde wieder auf den Youngplan als legale Grundlage der Schuldverpflichtungen zurückgezogen hat, weiß man an den amtlichen Stellen verhältnismäßig wenig zu sagen. Man er­klärt in dieser Beziehung lediglich, daß sich ja da­durch an der bestehenden Situation wenig geändert habe, weil ja auch schon während der abgelaufenen Zeit des Hooverjahres der Youngplan de facto in Kraft geblieben sei.

Wie aus obiger Meldung hervorgeht, be- deutet also nach der offiziösen Lesart des Auswärtigen Amtes der Abschluß der Bespre- chungen zwischen Laval und Hoover kein Miß­erfolg. Wenn man an die Reise Lavals nach Amerika von vornherein keinerlei Erwar­tungen geknüpft hat, so mag man auch die

und gar erfolglos ist die Zwiesprache zwischen Laval und Hoover ja auch nicht gewesen. Wie es scheint, ist vereinbart worden, daß die amerikanischen Goldreserven in Zukunft von französischen Zugriffen verschont bleiben, damit die Goldbasis des Dollars nicht in die Gefahr­zone gerät. Aber dazu hätte es der Reife La­vals nach Washington nicht bedurft. In den Punkten, die für die Reise ausschlaggebend waren, ist zum mindesten nichts Positives er­reicht worden. Ob nach der negativen Seite hin etwas verdorben worden ist, muß die Zu­kunft lehren.

Im Rahmen der Weltprobleme ist die Frage der Goldwährung nur eine Einzelfrage, so wichtig sie gerade für uns auch sein mag. In der Gesamtheit umspannt der Rahmen die Regelung der Reparations- und der Kriegs­schuldenfrage, die entscheidend von dem Pro­blem der deutsch-französischen Verständigung aus politischem Gebiete und von dem Fort­schritt der Abrüstung abhängt. Wenn man, wie es der Reichskanzler in der letzten Zeit wiederholt getan hat, alles auf die inter­nationale Zusammenarbeit und die gegensei­tige internationale Hilfe und Unterstützung als letzte Rettungsmaßnahme abstellt, so sind die politische Verständigung und die Abrüstung die Kardinalfragen. Denn ohne die Voraus­setzungen, die Frankreich alsVerständigung" bezeichnet, ist das französische Gold nicht zu mobilisieren, und ohne die Abrüstung ist Amerika nicht zur Revision seiner Kriegsschuld­forderungen zu bewegen, ohne die auch nicht an eine Herabsetzung der Reparationslei­stungen, d. h. an eine Revision des Poung- planes zu denken ist.

Auf dem Wege zu diesem Ziele sollte so hoffte man die Reise des französischen Ministerpräsidenten nach Washington eine be- deutsame Etappe sein. Der französische Mi- nisterpräsident hatte zweifellos ein fertiges Programm in der Tasche, das er vor, während und nach der Ueberfahrt durch sein jour­nalistisches Gefolge verkünden ließ. Die poli­tische Verständigung sollte fußen auf der Ver­pflichtung Deutschlands zu einem Ostlocarno, vielleicht unter Gewährung geringfügiger Grenzkorrekturen, und auf der Uebernahme einer amerikanischen Sicherungsgarantie für den gegenwärtigen französischen Besitzbestand. Die Regelung der Schuldenfrage sollte an eine allgemein bindende Herabsetzung der- stungsausgaben geknüpft werden und in der Revarationsfrage zielten die französischen Vorschläge auf eine unbedingte Aufrechterhal­tung des Uoungplanes Mit dem System der

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