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Samstag, den 24. Oktober 1931
Nr. 250
Die Ävbe'tSmavkilage in Hesse« und Hessen Aassau
Verschlechterung in der ersten Oktoberhälfte
Ueber die Arbettsinarktlage in Hessen und Hessen-Nassau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M.: Di« Arbeitsmarktlage hat sich in der ersten Oktoberhä.ste wieder verschlechtert. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist um 5156 auf 276 821 gestiegen. Das Bekleidungsgewerbe und di« Lederindustrie sind auch weiterhin, wenn auch in geringerem Umfange als bisher, aufnahmefähig geblieben, dagegen schwächte sich die Beschäftigung in fast allen übrigen Berufsgruppen, besonders in der Steinindustrie, im Baugewerbe, im Gastwirtsgewerbe und in den Angestelltenberufen merklich ab. Auch die Gruppe Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gärtnerei hat Kräfte freigegeben. Infolge der neuen Bestimmungen, nach denen die Bezugsdauer der Arbeits- -ofeminterstützung auf 20. bei Saisonarbeitern auf 16 Wochen verkürzt wurde, ging die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in diesem Unter- stutzungszweig um 11680 auf 66165 zurück, ba- gegen nahmen die Hauptunterstützungsempfänger '«>r Krisenfürsorge um 8739 zu, ihre Zahl stieg auf To 875, was z. T. auch auf die Erweiterung des Personenkreises zürückzuführen ist.
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versetzt die vSsel mcht!
Dom Hanauer Tierschutzverein wird uns geschrieben: Mehr und mehr bricht sich erfreulicherweise die Erkenntnis Bahn, welch große Bedeutung im Haushalle der Natur die Vögel haben. Das ist immer so, was man nicht mehr hat, das lernt man schätzen. Nun sind zwar noch Vögel vorhanden, aber niemand wird leugnen können, daß chre Zahl in den letzten Jahrzehnten ganz erschreckend abgenommen Hill und wenn die Menschhell nicht bald zu durchgreifenden Schutzmaßnahmen übergeht, dann wird chre Zahl sich weiter verringern. Die Ursachen des Rückganges sind bekannt: Felderberei- nigung, Zusammenlegungen, Flußregulierungen, Trockenlegung von Sümpfen und Mooren, Kultivierung von Oedland und dergl. mehr. Das sind Maßnahmen, die gewiß notwendig sind, um die Ertragfähigkeit des landwirtschaftlich genutzten Bodens zu, erhöhen und doch sollte gerade die Landwirtschaft sich immer daran erinnern, welch ungeheuer nützliche Verbündete im Kampf gegen Unkraut,und Insektenfraß die Vögel sind Trotz der intensiven Bodenbewirtschaftung gibt es noch hier und da im Garten und Feld ein Fleckchen Erde für eine Weißdorn-, Schwarzdorn, Schlehdorn-, wiche Rosen- oder Stachelbeerhecke, die den Vögeln als Brutplatz und Heimstätte dienen kann. Auch das Aufhängen von Nistkästen in den Obstgärten ist noch viel zu wenig verbreitet und doch ist z. B. hier ein einziges Meisenpaar im Sommer von unschätzbarem Werte. Auch Fliegenschnäpper und Gartenrotschwanz leben nur von Irffekten. In diesem Zusammenhang ist es zu begrüßen, daß vor Jahren die Reichsbahn-Direktion Anweisung gegeben hat, bei Anpflanzungen an den Eisenbahn-Böschungen die Schaffung von Vogelschutzgchölzen an,zustreben. Diese dankenswerte Maßnahme ist geeignet, die Vermehrung der Vogelwelt zu fördern. Leider ist aber von ihrer Durchführung bisher nur wenig zu sehen. Früher waren die Bahnstrecken, besonders an eingeschnittenen Stellen beiderseitig mit Tannen- oder Dornhecken bestanden, die sehr zahlreich bewohnt waren von Hänflingen, Grasmücken, Schwarzplättchen, Goldammern usw. Welch eine bunte Belebung der Landschaft und welch ein frohes Musizieren wâr das im Frühjahr und Sommer. Heute stehen an ihrer Stelle Zäune aus Zementdielen, Holz- oder Eisenschwellen. Die Landschaft ist tot und kein Vogelsang erfreut des Wanderers oder Landmanns Ohr.
Ein anderes Gebiet zur Erhaltung der Dogel- welt ist die Wmtersüllerung. Die meisten der bei uns lebenden Vögel sind Zugvögel, die den Winter über die südlichen Länder und warmen Erdteile aufsucb-n. Aber nicht alle verlassen uns. Von fast allen Gattungen bleiben einzelne Exemvlare zurück. Dam gesellen sich die gefiederten Bewohner des
Liniere Leier beklagen KE
Straßenbeleuchtung und Lauwschnitt.
Das leidige Thema „Straßenbeleuchtung", das immer wieder unter „Unsere Leser bellagen sich besprochen wird, muß leider auch auf die Heraèus- straße Anwendung finden. Besonders in ihrer östlichen Richtung laßt die Beleuchtung teilmei'e sehr zu wünschen übrig. So brennt beispielsweise die Gaslaterne in der Nähe der HohenLandesschule schon wochenlang gar nicht. Wenn sie aber brennt, so wird ihr Licht durch den Schatten der toia' überwucherten Bäume außerordentlich ftart beeinflußt. Die Rotdornbäume der Heraeusstraße sind herrlich, besonders im Blütenjchmuck, aber ihre städtische Pflege ist sehr mangelhast Im Frühjahr hat man die unteren kleinen Aestchen etwas ausgeputzr. aber die Kronen der Bäume sind schon jahrelang nicht mehr geschnitten worden. Sie bejwatten die Etagen der Häuser derart, daß keine Sonne durchdringen kann. Gewiß, es muß gespart werden, aber wir glauben nicht, daß das Beschneiden der Baumkronen unerschwingliche Kosten verursacht zumal doch städt. Gärtner vorhanden sind, die zweifellos diese Arbeiten, vielleicht noch im Herbst, vornehmen
können.
JPtijrere Anwohner.
wir Stauen
Der alte Römer Tacitus berichtet staunend von unseren deutschen Geschlechtsgenossinnen, daß sie nicht nur im Frieden die treue Verwalterin des häuslichen Hofes und Herdes gewesen sei, sondern daß sie auch in der Notzeit des Krieges chm treu zur Seite gestanden habe, ja, daß sie, wenn die Männer im Kampfe zurückgegangen sind, die Wagenburg vor dem herandrängenden Feind verteidigt haben. Diese alte deutsche Frauentugend darf nicht erstorben sein Man braucht kein Wort darüber zu sagen, wie schwer es unsere Männer heutzutage haben. Viele stehen ohne Arbell und sind dazu ver- urteilt, ihre Kräfte und ihr Können nutzlos vergehen zu sehen. Andere hinwiederum arbeiten unausgesetzt Tag und Nacht mit dem Erfolg, daß nichts eingeht, und der Verdienst immer kleiner wird und kaum dazu reicht, Frau und Kinder zu erhalten. Sie sehen den Mann sich ab flimmern und sorgen, denn das ist für jeden Mann der schlimmste Schmerz, wenn er die, für die er sich verantwortlich fühlt und die er liebt, nicht verfolgen kann, wie er gerne möchte.
Wo Verzweiflung und Verbitterung die Besten ergriffen hat, müssen wir Frauen uns an die alten Germaninnen erinnern. Wir dürfen unter keinen Umständen durch Klagen und Jammern, durch unsere Sorgen und Nöte dem Manne das Herz noch schwerer machen. Unsere Pflicht ist es, das einzig Belebende immer wieder zu wecken, nämlich die
•) Einsendungen, die unter dieser Rubrik oetoffem acht werden sollen, müssen dis Freitag mittag in bet Handen der Redaktion fein. Die Verantwortung fü> die Eingänge trägt der Einsender. Die Redaktion.
hohen Nordens, denen unser gemäßigtes Klima
sein. Es ist erwiesen, daß die Wmterkälte an sich den Vögeln mchts anhaben kann, solange durch genügende Nahrungsaufnahme die innere Wärmeerzeugung gewährleistet ist. Erst der Mangel an geeigneter Nahrung schwächt die Widerstandskraft der zarten Geschöpfe, so daß sie dem Hunger und der Kälte erliegen Solange kein Schnee liegt, ist die Not nicht groß; es finden sich noch Unkraui- fämereien und Kerbtiere der mannigfachsten Art, aber sobald die Erde mit dem weißen Mantel zuge- deckt ist, beginnt das Vogelsterben Da kommen sie alle die munteren Sänger aus Wald und Feld schütz- und hilfesuchend in die menschlichen Niederlassungen, alle Scheu vergessend. Der frohe Gesang ist verstummt, nur leise Klagelaute lassen sie hören, um das Herz der Menschen zu rühren. Und wer könnte hart bleiben, angesichts der Not der armen hilflosen Geschöpfe. Wir können ihnen helfen durch tägliches Ausstreuen von richtigem Futter auf ge«
Hoffnung. Wir muffen den Blick des Mannes auf jene Güter hinlenken, die unabhängig von allem äußeren Geschehen sind Wir müssen ihm zeigen, was er noch an uns und Lebenswertem besitzt, damit er vergißt, was ec verloren hat. Mehr denn je sollen wir streben mit dem wenigen, was uns verblieb, das Heim zu einer Stätte der Behaglichkest und — das ist das wenigste — des Friedens zu machen. Wir wollen uns bemühen, ihn mit kleinen Sorgen zu umgeben und seine sorgenvollen Augen nur unser ruhiges, steundliches Gesicht sehen lassen.
Frau A.
Offmhaltuug des seiklichen Friedhofslores an der Birkenhainerstrahe
Don der Stadtverwaltung geht uns folgende Zuschrift zu: Auf mehrfache im Sprechsaal des „Hanauer Anzeigers" vorgebrachte Wünsche von Bewohnern des Ostviertels hat sich die Friedhofs- verwallung im Januar d. I. entschlossen, versuchsweise eins der seitlichen Friedhofstore an der Birkenhainerstraße tagsüber offen zu halten. Diese Maßnahme ist seinerzeit mit dem ausdrücklichen Hinweis erfolgt, daß im Falle von Mißständen die Schließung des Tores wieder erfolgen müsse. Die Erfahrung hat leider ergeben, daß für das Entgegenkommen der Friedhofsverwaltung nicht das nötige Verständnis gezeigt wird. Es haben sich trotz schrifllicher Hinweise erhebliche Unzuträglichkesten herausgebildet. Handwagen, Karren- Kinderwagen und Fahrräder werden durch das seitliche Tor in den Friedhof eingebracht, obwohl sich ausreichende Abstellplätze am Haupteingang zum Friedhof befinden. Hunde werden mit in den Friedhof geführt oder aber an dem seitlichen Tor angebunden, so daß sie eine Gefahr für die Passanten bilden. Blumensträuße, Vasen mU Inhalt, ausgepflanzte Blumen, Stühle, Hocker, Bänke, Gießkannen und sonstige Gartengeräte werden von den Gräbern entwendet. Kinder benutzen den oberen Teil des Friedhofes als Spiel- und Tummelplatz. Nicht selten sind die Fälle, wo nach Friedhossschluß das Tor überstiegen wird. Der Magistrat ist verpflichtet, die aus allgemeinen Mitteln geschaffene und gepflegte Friedhofsanlage gegen derartige Verfehlungen zu schützen und wird nicht länger zusehen, daß den ordnungsliebenden Besuchern unseres Friedhofes durch Diebstähle weiterer Schaden zugefügt wird. Er richtet an alle Friedhofsbesucher, insbesondere an die Bewohner des Ostviertels unserer Stadt, die Bitte, die Friedhofsoer- waltung bei der Beseitigung dieser Mißstände zu unterstützen und für Zucht und Ordnung mit zu sorgen; er bitte um Anzeige der Personen, die den getroffenen Ordnungsbestimmungen zuwiderhandeln. Sollte auch diese Ermahnung erfolglos bleiben, wird spätestens in 4 Wochen das Seitentor wieder geschloffen werden.
eigneten Futterplätzen. Die Futterplätze sind ge
ist richtig, wenn es auf den geschwächten Verdauungsapparat der Vögel keine nachteilige Wirkung ausüben kann. Man gebe nichts, was gefrieren und in gefrorenem Zustande von den Tierchen aufgenommen ihren Tod verursachen kann, wie Brot, Kuchen, Kartoffeln, Fleisch und Gemüse. Unbedenklich gegeben werden können alle Sämereien, wie Hanf, Mohn, Raps, Hirse, Glanzsaat, Sonnen- blumenkerne usw., sowie alle tierischen Fette, wie Rindertalg, Hammeltalg und Speck. Letztere werden besonders gerne von allen Meisenarten und verwandten Gattungen, die im Winter zahlreich bei uns vertreten sind, genommen. Wer ganz sicher gehen will und ein paar Pfennige dafür erübrigen kann, der kaufe das in den einschlägigen Geschäften sachkundig zusammengestellte SBogelfutter und er kann gewiß sein, daß er mit diesem Liebeswerk die „Tiere schützt" und den „Menschen nützt".
Go« matt bei offenem Senfiev ftblafen?
Die Frage, ob man bei offenem Fenster schlafen soll, läßt sich allgemeingültig nicht beantworten. Wer nicht ganz gesund ist, wird jedenfalls besondere Vorsicht walten lassen müssen. Für den Gesunden indessen ist das Schlafen bei offenem Fenster erwünscht, aber es sind dabei eine Anzahl von Vorsichtsmaßregeln zu beachten. Zunächst ist für das Schlafen bei offenem Fenster die Außentemperatur maßgebend. Liegt sie unter null Grad, so wird man mit dem Offenhalten der Fenster während der Nacht vorsichtig sein müssen. Unser Körper braucht während der Nachtzeit zur Vorbereitung auf den fommenben Tag unbedingt reine frische Luft, und es ist wissenschaftlich erwiesen, daß wir beim Schlafen mehr Sauerstoff einatmen und mehr Kohlensäure ausscheiden als in wachem Zustande. Findet keine genügende Lufterneuerung während der Nachtzeit statt, so wird bie Luft sauerstoffarm, d. h. schlecht. Es gesellen sich ihr die natürlichen Ausdünstungen dès Körpers hinzu, und man ist bei fehlender Lufterneueruna gezwungen, diese „verpestete" Luft immer wieder einzuatmen. Im Sommer empfiehlt es sich daher, stets bei offenem Fenster zu schlafen. Im Herbst und Winter wird es zweckmäßig fein, vor dem Zubettgehen eine gründliche Lüftung des Schlafraumes vorzunehmen und mindestens einen Fensterspalt bei nicht zu großer KäUe offenzuhalten. Das läßt sich gefahrlos durch Zwischenlegsn eines Stückchens Holz oder Kork erreichen. Dabei darf das Bett nie direkt am Fenster stehen. Noch besser ist es, wenn möglich, im Nebenraum ein Fenster offenzuhalten. Auch ist es ratsam, durch Vorziehen einer Gardine eindringenden Staub abzuhalten.
Das offene Fenster bietet während der Nachtzeit einen Gefahre nschutz gegenüber ausströmsndem Gas, fei es Leuchtgas, das man aus dem Schlafzimmer stets fernhalten sollte, seien es Abgase eines schlecht schließenden Ofens.
Alles in allem läßt sich sagen, daß der Gesunde nach diesem Rezept möglichst bei offenem Fenster, auch im Herbst und Winter, schlafen soll. Wer krank ist oder zu Katarrhen, rheumatischen Beschwerden usw. neigt, sei vorsichtig und frage im Zweifelsfalle seinen Arzt.
* Seinen 70. Geburtstag feiert morgen, 25. Olt, in körperlicher und geistiger Frische Herr Anton Becker, hier, Fallbachftr. 11.
* Was ist ein eigener Hausstand? Den Begriff des eigenen Hausstandes hat das Reichsarbeitr-
gericht in Verlauf eines Urteils ausgelegt. Nach seiner Ansicht hatte die Vorbehörde die Bedeutung der eigenen Hausstandsführung verkannt. Eine solche ist, im Bürgerlichen Gesetzbuch als Tatbestandsmerkmal verwendet, nach der allgemeinen Lebensauffassung dann gegeben, wenn eine eigene Woh' nung zum Mittelpunkt der Lebensbeziehungen des ; Inhabers gemacht wird. Der Begriff erfordert neben der Benutzung der Räume zum Schlafen auch eine allgemeine Bewohnung derselben. Zu dieser wi« meist eine Wirtschaftsführung gehören. Die Bewohnung mit der Führung wird aber nicht ausg^s schlossen, wenn aus besonderen Gründen die Mahlzeiten an einem anderen Ort «iMMWnmen wer-
D : iü»-SÄMivlpun«*-^ Lebens bleibt. In dem "Streitfall hatte eine Frau oorgetragen, daß sie das Essen nur wegen des weiten Weges und der kurzen Arbeitspausen bei Eltern einnimmt und ihr Kind zur Beaufsichtisiunz ; dort lasse. Dann kann nachdem Urteil des Gericht- j nicht verneint werden, daß die Frau sonst ihre Wod s nung zum Hauptpunkt ihres Lebens gemacht h^
* von den Apotheken hat Sonntag». W Nachtdienst von heute abend 7 Uhr bis nächste«
Samstag abend 7 Uhr die Löwenapotheke.
Vei kkeumaMGs« GEmerze« âv èi haben sich Togäl-Tabletten ganz W uorragenb bewährt. Zahlreiche Dankschreiben über Togal bei veralteten Leiden, bei denen kein anderes Mittel half! Ein Versuch überzeugt! Fragen Ihren Arzt — In allen Apotheken M.
12,6 Lith.. 0,46 Chin., 74,3 Acid. acet, eaiio.
Siaditheatev Cattau
Gastspiel der Stuttgarter Oper „Tiefland"
Donnerstag abend ein Operngastspiel in unserem Musentempel: Kräfte der Oper und des Philharmonischen Orchesters der Schwabenmetropole führten d'Alberts „Tiefland" auf. Die durchschnsttlich mit recht großen Erwartungen erschienenen Zuhörer erlebten zum mindesten eine Ueberraschung: denn da dieses Werk d'Alberts vor gar nicht zu langer Zest von eigenen BLHnenkräften unseres Theaters herausgebracht worden ist, drängte sich beim Spiel der Stuttgarter der Vergleich zwischen beiden Operndarbietungen auf, und — zur großen Ehre für Hanaus Theater; Die „Tiefland"-Auf- sührung vor einigen Jahren war um vieles besser und künstlerisch unumstritten wertvoller als die Leistung der Stuttgarter Zunächst das Orchester: kleine Besetzung mit Klavier (J) wirkt unbedingt störend! Gesanglich waren die Äusführenden auch nicht auf dem hier von den Opernaufführungen her gewohnten Niveau.
Das Zusammenspiel an sich gewandter wie die Darsteller unseres Theaters, dafür aber auch in der Zeichnung von an sich Nebensächlichem fast un- künstlerisch, in der Mordszene am Schluß kstschig brutal.
Die musikalische Leitung (Erich Beck) hielt sich bis auf Kleinigkeiten in gutem Kontakt mit dem Bühnenspiel (Regie: Walter Eberhard). Von den Solisten hatten nur die Damen tiefere Wirkung zu verzeichnen (Marg. Wetter als Martha und mit Einschränkung Ellen Beck als Nuri).
Trotz aller dieser Tatsachen wurden die Gäste lebhaft gefeiert, für unsere Bühnenleitung wohl der deutlichste Beweis, daß ein Bedürfnis und Verlangen nach guten Opernaufführungen in Hanau nicht mehr zu leugnen ist. Dr. E. H.
grandioser Einfühlungsgabe um große Schöpferpersönlichkeiten des Geistes herumgewoben sind. Man kennt seine drei Parazelsus-Bücher: „Die Kindheit des Parazelsus", „Das Gestirn des Para- zelsus" und „Das dritte Reich des Parazelsus". sein großer Spinoza-Roman „Amor Dei" reiht sich an, dann der Roman aus der Zell des letzten großen deutschen Mystikers Jacob Böhne „Meister Joachim Pauserwang".
Es ist nicht alltäglich in der deutschen Literatur, daß ein als Epiker zu Ruhm gelangter Autor plötzlich die knappere, ungleich schwierigere, auf starke spontane Wirkungen ausgehende Form des Dramas sucht. Und manche, die es versuchten, haben hier Schiffbruch erlitten. Kolbenheyers Werke, erst spät und eruptiv ins Leben getrete,n meistern die Wirkung; sämtliche Aufführungen können die Wucht bestätigen, mit der ihre Szenen hereinbrcchen und über ein Publikum, das mächtig hineingerissen wird in heutige Probleme, heutige Fragestellungen, heutige Krisen.
Drei solcher Stücke von Kolbenheyer sind da: „Die Brücke , „Jagt ihn — ein Mensch" und „Das Gesetz in Dir". Im Stadttheater wird das zweite gegeben. Es hat seinen Siegeslauf über Zahlreiche Bühnen genommen und war vor allem in München (Prinzregenten-Theater) und Nürnberg (Altes Stadttheater) ein ungewöhnlicher Erfolg. Es ist ein Stück der Technik; die Problematik der Technik wird mutig und unerschrocken in den Blickpunkt gerückt; das hinter aller Herrlichkeit der menich- lichen Erfindergsnialität sich auftürmende Schicks t' der Menschheit, deren Untergang an Technik und Maschine plötzlich diskutabel zu werden droht, schlägt mächtig in Bann. Ein Stück mit Sab Oratorium, Aufsichtsratssitzungen, Jndustriekonleren- zen. ein Stück der Arbeiter- und Unternehmerfrage, d. h. also: ein heutiges, ganz und gar gegenwärtiges Stück, das jeden berühren und angehen mutz Kolbenheyers Mittel sind sachlich und streng; er, ber selber von Haus aus Wirtschaftler ist, hat hier nicht etwa ein Zeitproblem mit vseudowissenichaft- lich:m Hokuspokus romantisiert. Er rollt mit Ernst die wichtiaste Frage der gegenwärtigen Menschhell auf, dieselbe, die etwa Oswald Spenaler in seinem neuen Buche „Der Mensch und die Technik" stell!. Kolbenheyer hebt freilich die Angelegenheit well über den Raum einer mehr oder minder nutzlosen Debatte hinaus, indem er mitten im Kreuzung«- ounft der Meinungen. der materialift'^en Inte'' essen ein tragisch betontes Menlchenichickial setzt. : das Schicksal des Erfinders, um besten Gabe bL
„Last ibn - ein «lento!*
Zur Aufführung im Stadttheater am Sonntag, 25. Oktober.
Das Hanauer Stadttheater wird morgen Sonn- tag, abends 7^ Uhr, seinem Publikum Dr. E. G. Kolbenheyers erfolgreiches Schauspiel „Jagt ihn — ein Mensch" vermitteln. Kolbenheyer ist einer breiteren Leserschicht vor allem durch seine ausgezeichneten Romandichtungen bekannt geworden, die mit
Mächtegruppen der vertrusteten Unternehmerschaft sowie der organisierten Arbeiter sich streiten, während er selber allein der Zukunft, der besseren Zu- kunft der Menschheit, verpflichtet bleibt. . . .
Es wird dieser Äüend wie überall ein Abend der leidenschaftlichen Erregthell, der Stellungnahme, der weiten, plötzlich aufgerissenen Horizonte sein!
s. M. B.
^Hanau kn dev GeMMte des Buchhandels nnd dev Ovutkschvriten"
o In diesen Tagen erscheint als 10. Veröffentlichung des Hanauer Geschichtsvereins aus der Feder des hiesigen Landgerichtsrates Dr. Fraeb eine Abhandlung mit dem Titel der Ueberschrift dieser Besprechung. Der Verfasser, historisch interessierten Kreisen bisher besonders durch feine kulturgeschichtlichen Darstellungen der Vergangenheit von Wilhelmsbad bekannt, veröffentlicht hier auf mehr als 100 Seiten einen sehr erwünschten und wohl gelungenen Beitrag zur Geschichte des geistigen Lebens unserer Stadt.
In einer einleitenden entwicklungsgeschichtlichen Skizze gibt der Verfasser zunächst einen Ueberblick über den Buchhandel in Europa seit der Erfindung Gutenbergs, um dann die Bedeutung der Frankfurter Buchmessen zu würdigen und zu zeigen, wie die rigorosen, auch konfessionell beeinflußten Zensurmatznahmen den Buchhandel von Frankfurt nach Leipzig obwandern ließen. Dabei hören wir, daß bereits 1593 Hanauer Druckwerke in Frankfurter Meßkatalogen erscheinen und nach dem 30jährigen Kriege Hanau mit seinen Druckwerken unter 87 deutschen Druckorten an 14.
Stelle stand.
Ein weiterer Abschnitt befaßt sich mit der Entwicklung der Zensur, die ja nicht bloß eine kirchliche Einrichtung war. Die „Kaiserliche Bücher- kommission" des alten Reiches übte die Zensur genau so aus wie später die Zensurbehörde des deutschen Bundes und ließ u. a. 1680 den Hanauer Zeitungsverleger Böff ihre Macht spüren, als dieser unrichtige politische Nachrichten von Ludwig XVL zu bringen wagte.
Im 2 Hauptteil („H anau und der
Buch- ille von Drucker,
handel") bringt Fraeb eine große Fül Einzelheiten über die ältesten Hanauer :
Verleger und Schriftsteller, die bisher nicht Der
öffentlicht oder nur schwer zugänglich waren, 1« daß wir hier ein eindrucksvolles Bild von dem regen geistigen Leben im alten Hanau erhalle^ Wir hören von den Hanauer Buchdruckern und Ruppel, die als Zeitgenossen Gutenoergs in Basel und Köln druckten, von berühmten nauer Druckereien (Aubry u. a.), von den $or‘ läufern des Hanauer Anzeigers und des Ha»««' ischen Magazins, von einer „Staats- Kanzleiakademie", die der bekannte Staa^' rechtler Moser in Hanau begründen wollte, Jakob Grimms Zensorentätigkeit, was erstaunlich reichen Schätzen an alten Drucken in Bibliothek unserer Hohen Landesschule un° «ndlich von den Plänen des Frankfurter Buchhai"' lers Varentrapp, der 1753 in Hanau ständige Büchermesse einrichten wollte. Erst Jahre später wurde diese Idee Wirklichkeit, worüber Fraeb ausführliche, von Konkurrenzneid Jntereffenpolitik erfüllte Aktenbelege bringt.
Der 3. Hauptteil behandelt „H anau und Zensur in der 1. Hälfte des 19. Jahr hunderts", geht also über das Hanauische un Lokale hinaus auf kurhessi'che und allgemeindeuM Dinge ein. Hier sind besonders die Akten effant, die die Streitigkeiten zwischen dem Hanaue Verleger König und der kurhefsisch^ Zensur wiedergeben, so daß wir einmal.« Hand eines Einzelsalles die Kasseler Zensurbeboro, b. h. den Minister H a s s e n p f l u g, am WèN sehen. Schon dieser jahrelange Kampf H?."?'- Pflugs gegen König zeigt uns, welche Rolle Koni« Vierlag in jenen Jahren der politischen Garun« gespielt haben muß. Hassenpfluqs Vorgehen W uns aber um so verständlicher, wenn wir bas Fraeb rekonstruierte Verzeichnis der von verlegten Schriften überschauen.
Die hier angezeigte Veröffentlichung brinat außerdem einige gute Bilder sowie ausführliches Verzeichnis der archivalischen 2ueu° und der einschlägigen Literatur. Der Verfall- und der von ihm geleitete Ha""",, Geschichtsverein, der das Buch L ausgegeben hat, dürfen sich beglu" wünschen lassen. Diese Schrift (gcdru" in der Waisenhaus-Buchdruckerei Hanau) w ir nicht nur in Hanau, sondern sicher außerdem auch außerhalb $ 0 f r 6' besonders wegen des 3. Hau pttenr-' die verdiente Beachtung finden