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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag IS, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg., im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. , Osfertengebühr 50 R-Psg.

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Samstag de«

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder au, Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956, 3957,3958

24. Sktove«

1931

Sensation in Washington

Senatov Novad fordert Sleadevuns des Versailler Oevivages und Aenderung der Grenzen im volnifcheu Korridor zugunsten Deutschlands - Stimion erklärt: ^eln Abkommen zu erwarten

* Der Preußische Landtag erledigte die Aus­sprache zu dem deutschnationalen Mißtrauensantrag gegen Landwirtschaftsminister Steiger. Die Ab­stimmung wurde aus die nächste Sitzung am 4. No­vember vertagt.

* Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß hat am Freitag eine Kundgebung zur Kriegsschuld­frage erlassen, in der alle Christen der Welt zum Kampf gegen den Geist der Lüge und des Hasses aufgerufen werden.

* Wie mir von zuständiger Seite erfahren, wird in den nächsten Tagen die in der Notverordnung BOm 6. Oktober vorgesehene Verordnung über den Notgeldverkehr veröffentlicht werden. Die Verord. nung, die wesentlich fertiggestellt ist, bedarf lediglich noch der Unterschrift des zurzeit beurlaubten Reichsfinanzministers. Entsprechend den Richt­linien der Notverordnung wird tue Notgeldverord­nung den Umlauf von Notgeld verbieten. Es han­delt'sich aber dabei, wie in unterrichteten Kreisen betont wird, weniger um ein Verbot des zurzeit umlaufenden Notgeldes, das aus dem Verkehr ge­zogen werden soll als um ein " generelles Verbot der Ausgabe von Notgeld überhaupt,

Im Krematorium des Braunschweiger Haupt friedhof.es Wurden gestern jigr- -......

am Sonntag den Tod gemäßen ffett. taufend Menschen hatten sich eingefunden. Kommunisten bildeten trotz des Verbotes einen

Demonstrationszug, um nach dem Friedhof zu mar­schieren. Der Zug mußte in der Stadt mehrmals aufgelöst werden. Nach Beendigung der Trauer- veranstattung wurden die Fensterscheiben von drei Geschäften in der Innenstadt zertrümmert. Die Täter konnten bisher noch nicht verhaftet werden.

* Die gewerkschaftlichen Spitzenverbände sehen die Aufgabe des Wirtschaftsbeirates in dem von der Regierungserklärung umrittenen Rahmen. Der Reichswirtschaftsminister hat gestern die Führer der Gewerkschaften empfangen.

Mit Rücksicht auf die Not der Landwirtschaft ist die Regierung in Danzig dazu übergegangen, die Bezahlung der Steuern von den Landwirten in Naturalien zu ermöglichen Die Erwerbslosen auf dem Land erhalten ihre Unterstützung zum Teil ist bar, zum Teil in Naturalien. Die neue Reg­lung sieht vor, daß die Erwerbslosi ständigen Versorgungsämtern Scher

en von den zu-

.. ........ _^_ine erhalten, die

sie gegen eine entsprechende Menge Naturalien beim Landwirt in Zahlung geben können. Der Landwirt wiederum kann diese Scheine bei seiner eignen Steuerzahlung weiter verwenden. Ebenso gibt die Hauptkasse Steuerverrechnungsscheine aus, die jeder Bezieher landwirtschaftlicher Erzeugnisse erstehen kann. Diese Scheine werden dem Landwirt gegen seine Erzeugnisse in Zahlung gegeben und können von ihm bei seiner Steuerzahlung verwandt wer­den.

«Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist heute früh Uhr (MEZ) in Pernanbuco zum Rückflug ^ach Friedrichshafen gestartet.

Der japanische Vertreter beim Völkerbund hat « Auftrag erhalten, die Annahme der Vorschläge Völkerbundsrates durch Japan bekanntzugeben. 'Japan wird die Zurückziehung feiner Truppen aus per mandschurischen Eisenbahnzone beginnen und sein Bestes tun, um die Operationen innerhalb von orei Wochen durchzuführen. Voraussetzung dabei 'st. daß China die vertraglichen Verpflichtungen an­erkennt und geeignete Maßnahmen ergreift, um die antijapanische Agitation zu unterdrücken

3n maßgebenden Kreisen Tokios wird betont, es sei unmöglich, ein festes Versprechen darüber abzugeben, daß die Räumung der außerhalb der Vahnzone besetzten Punkte am 16. November, dem patum des Zusammentritts der nächsten Rats- wgung beendet sein werde. Der Fortschritt der Räumung werde notwendigerweise von dem Willen und der Fähigkeit Chinas abhängen, die Aufrecht- "Haltung des Friedens und der Ordnung nach der Zurückziehung der Truppen zu gewährleisten

, ®ie Regierung in Paraguay hat bis März 1932

Belagerungszustand verhängt. Dieser Vesch' m durch studentische Kundgebungen gegen die Zei­tungLe Liberal" verursacht. Die Studenten Wben auch Steine gegen das Palais des Präsi- ^enten von Paraguay geschleudert.

> Näheres stehe im politischen Teil.

Vorab über die außen- p-lttikchen Probleme

Washington. 23. Okk. Senator Borah, der gestern eine längere Unterredung mit Präsident Hoover hatte, empfing am Freitag nachmittag Vertreter der französischen Presse und betonte, daß er jede Form eines Sicherheitspaktes aufs äußerste bekämpfen würde. Die wahre Abrüstung in Europa sei unmöglich, solange nicht gewisse Bestimmungen des Versailler Vertrages aufgehoben würden, insbesondere müsse die Frage des Weichsel- korridors durchgreifend zugunsten Deutschlands neu geregelt werden.

Eine ausführliche Meldung über die Aeuße­rungen lautet: Senator Borah empfing heute die französischen Korrespondenten, die mit Laval nach Washington gekommen sind, und beantwortete mit voller Offenheit deren Fragen über Europas Pro­bleme. Er betonte, daß er zwar Vorsitzender des Außenausschusses des Bundessenats sei, aber le­diglich seine eigenen Ansichten dar­lege. Auf Lavals Wunsch werde er morgen abend mit ihm bei Stimson speisen, um diesem gleichfalls seine Meinung über die außenpolitischen Probleme zu unterbreiten. Senator Borah er­klärte, dann, folgendes sei seine Ansicht:

Keine Besserung der Weltwirtschastslage ist möglich ohne Aenderung des Versailler Vertrages,

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Friede

in Europa, aber es ist ein Frieden brutaler Gewalt, nicht ein aus Zufriedenheit gegründeter Friede. Die Zeit für den Ausbau des Kellogg- Paktes ist noch nicht gekommen. Auch wirtschaft- sicher Druck als Verstärkung des Kelloggpaktes kommt nicht in Frage, denn wirtschaftlicher Druck ist von Kriegsmaßnahmen nicht verschieden. Wür- de« wir jetzt im Fernen Osten einen derartigen Druck ausüben, so käme das einer Kriegserklärung an Japan gleich. Eine Verringerung der Rüstungen auf prozentualer Basis ist undurchführbar; über­haupt ist eine Einschränkung der Rüstungen nicht möglich, solange die Vereinigten Staaten nicht mit Sowjetrußland diplomatische Beziehungen auf­nehmen. Die von Frankreich geforderte Sicherheit kann nur auf Gerechtigkeit gegründet werden. Ich bin für Streichung der Kriegsschul- den der Alliierten an uns, im glei­chen Maßstab mit der Streichung der deutschen Reparationen. Es ließe sich ein Weg sinden, Frankreich für den tatsächlichen Dach­schaden in den zerstörten Gebieten zu entschädigen, aber mehr darf man von Deutschland nicht vertan-

^Das deutsche Wit muß die Nerven behalten!"

Sius Rede des Steichsminifters Tvevivanus

Berlin. 23. Oft Auf einem Vortragsabend der Deutschen Weltwirtschaftlichen Ge­sellschaft im preußischen Oberverwaltungsgericht sprach Reichsminister Treviranus vor einem zahlreichen und interessierten Publikum über Gegenwartsprobleme.

Der Minister ging von der Bildung des W irt - f ch a f t s b e i r a t e s aus, bei dem der Reichs­präsident deshalb den Vorsitz übernommen habe, damit garantiert sei, daß Sondermleressen bei den Beratungen zurücktreten und die für eine Ueber« Windung der Krise notwendigen Maßnahmen be­schlossen werden können. Das deutsche Volk müsse im jetzigen entscheidenden Augenblick die Nerven behalten. Eine große Aufgabe sei der Regierung darin gestellt, das natürliche Gleichgewicht zwischen Kaufkraft und Erzeugung ohne Auslandshilfe zu gewinnen.

Die Reichsregierung habe sich für den Weg der Anpassung dèr fixen kosten der Erzeugung an die Kaufkraft entschieden,

und der Weg des Reichskanzler? sei in den kom­menden zehn Jahren der einzig richtige. Ein Aktivum habe der Reichskanzler sich erworben, in dein das Ausland vertrauensvoll seine ehrlichen Absichten erkenne, die nicht nur im Interesse des deutschen Volkes, sondern der gan­zen Welt lägen Zum Passivum gehöre einmal die bislang fehlende Einheit des politischen Willens, ferner die wirtschaftliche Verschuldung an das Aus­land. Es heiße also jetzt die Zeit zu nutzen, um die Stabilität der beuUrhen Währung zu wahren und keine Zweifel in der Welt an der ZwhlungswiMgkeit Deutschlands aufkommen zu lasten

Deutschland werde im geeigneten Augenblick dem Auslande einen Tilgungsvlan vorlegen

gen. Die Zeit für Moratorien ist vorbei. Wir müssen jetzt tatsächlich Abstriche an den Kriegsschul­den vornehmen, sonst geht Deutschlands Kredit voll­kommen verloren. Amerika kann seine eigene De­pression ohne Zusammenarbeit mit Europa nicht

beenden.

Die überaus machten auf die

freimütigen Aeußerungen Borahs französischen Pressevertreter offen­

sichtlich den stärksten Eindruck. Der am

Samstag

stattfindenden Unterredung zwischen Senator Borah und Ministerpräsident Laval sieht man da­her mit größter Spannung entgegen.

Laval m!n$t ab

Anspielung auf die geskric des Senators Borah, er sei nicht nach Washington gekommen, um sich in eine Polemik mit Borah ein- zulassen und auch nicht, um über die Revision des Versailler Vertrages zu verhandeln.

Lavals Elie Nttievvedutts mit GtZmion

Washington, 23. Okt. Staatssekretär Stimson hatte heute bereits eine halbstündige Unterredung mit Ministerpräsident Laval, in der die Reihenfolge der zu diskutierenden Probleme festgelegt wurde. Stimson war sichtlich befriedigt, daß Laval auf alle diesbezüglichen, allerdings rein formalen Vor­schläge eingegangen ist. Im Staatsdepartement wurde mitgeteilt, daß zuerst die Finanzfra- gen erörtert werden sollen, da die poli­tischen Probleme leichter angegangen werden könnten, wenn durch eine Verständigung über die Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschafts-

(Fortsetzung aus Seste 2)

und verlangen, daß die Gläubigerseite ihre selbstverständliche Pflicht als Gläubiger tue und bei erträglichem Zinsfuß eine Zurückerstat­tung der Schulden in bestimmten Raten er­mögliche, und daß Deutschland ein gewisser Zeitraum mit einer Jahresquote von nicht über

1 bis 1,5 Milliarden zugebilligt werde.

Das A und 0 der künftigen Regierungspolitik bleibe die Frage der Hilfe für die Wirtschaft. Schließlich wandte sich der Reichsminister dagegen, daß viel Kritik an der Arbeit der Reichsregierung geübt, aber kein Weg gewiesen werde, wie es besser zu machen sei Er wies ebenfalls jene Parole zu­rück, die Deutschland in zwei Lager spalten wolle, von denen eines vernichtet werden müßte, das andere aber allein herrschen solle Man benötige Jahre, bis Deutschland sich so aus der Krise heraus­finden werde, daß man überhaupt wieder von den Vorschätzungen bei Haushaltsaufstellungen reden könne. Notwendig sei zunächst eine solide Grund­lage künftigen Planens zu finden. Siachdem der Reichsminister noch die Haltung der Regierung be­gründet hatte, die sich über Partei- und sonstige Sonderinteressen im gegenwärtigen entscheidenden Augenblick Hinwegsetzen 'müßte, schloß er mit den Worten:

wenn wir dem

Ich glaube an den Sieg des persönlichen Ein­satzes über alle Kollektiven. Deshalb glaube ich auch, daß wir recht handeln, wenn wir dem Reichskanzler Vertrauen schenken".

Vertrauen schenken".

Die Woche

Den politischen Auseinandersetzungen im Reichstage in der vorigen Woche, die zu einer weiteren Tolerierung der Politik des Reichs­kanzlers Dr. Brüning führten, ist eine Pause der politischen Entwicklung gefolgt. Abge- sehen von dem Entschluß des Reichswehr­ministers Groener, der jetzt auch das Reichs­innenministerium inne hat, Terrorakte gegen politische Gegner und blutige Auseinander­setzungen von Volksgenossen untereinander durch drakonische Maßnahmen unmöglich zu machen und weiter abgesehen von der Bil­dung des Wirtschaftsbeirates sind in der ab­gelaufenen Woche Entscheidungen soweit sie die Reichs-Znnen- und Außenpolitik an­gehen, nicht getroffen worden. Und dennoch bot sich den Zeitungen genug Stoff, der vor dem Kriege genügt hätte, die Gemüter der gesamten zeitungslesenden, zivUisierten Welt monatelang in Atem zu halten. Die Reichs­tagsabstimmung zitterte noch nach und machte für verschiedene Parteien Erklärun­gen nötig, die kommunalen Spitzenverbände erließen eine gemeinsame Kundgebung zur Notlage der Gemeinden, im Preußischen

Herne ereignete sich ein schweres Gruben­unglück, das 17 Todesopfer forderte, drei Riesenprozesse: Sklarek. Calmette und Favag wurden verhandelt, der Völkerbundsrat be- schäfkigte sich mit dem japanisch-chinesischen Konflikt in der Mandschurei, in Cypern gab es einen Aufruhr gegen die englische Herr­schaft und schließlich befand sich der franzö­sische Ministerpräsident Laval auf der Reise nach Amerika, die zu manchen Gerüchten über das Besprechungsprogramm und über die Lage der amerikanischen Finanzen Ver­anlassung gab. Die Nerven der Menschen der guten alten Zeit würden dem Ansturm all dieser Geschehnisse nicht gewachsen gewesen sein für den Menschen von 1931 ist es etwas Selbstverständliches, daß eine Sensation die andere jagt. Sogenannte politische Pausen sind mit anderen Ereignissen bis zum Platzen gefüllt es gibt keine Zeit mehr beschaulicher Ruhe zu pflegen.

Auch für den Reichskanzler Dr. Brüning, der sich während dieser politischen Pause einen kurzen Erholungsurlaub gönnte, gab es keine vollkommene Ruhe. Er hat verschiedene Besprechungen geführt, die, wenn auch dar­über nichts näheres bekannt geworden ist, sicher im Rahmen des Arbeitsprogramms der Regierung gelegen haben dürften, das nach Er­ledigung drängt. Schon heute geht dieser Urlaub zu Ende, denn für morgen wird der Besuch des italienischen Außenministers Grandi in Berlin erwartet und nächste Woche soll der Wirtschaftsbeirat seine Arbeit begin­nen, die darin bestehen wird, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenzuführen', in Form einer Arbeitsgemeinschaft ihre ganzen Kräfte für die ruhige Abwicklung der gegenwärtigen Krise, für die Wiederoesundung unserer Wirt­schaft einzusetzen. Wir wissen schon heute, daß diese Arbeit nicht leicht sein wird, daß es vor allem nicht so einfach sein wird, in die- en Verhandlungen brauchbare Einigungen zu erzielen. Denn in den Grundfragen der Wirt­schaft steht Standpunkt gegen Standpunkt, ver­meintliches Interesse der Arbeitgeber gegen ver­meintliches Interesse der Arbeitnehmer und beide Interessen unter einen Hut zu bringen... Eine chwierige Aufgabe, die sich hier unser allver- ehrter Reichspräsident von Hindenburg, der ja den Vorsitz übernommen, gestellt hat. Doch wir haben Vertrauen zu ihm, daß er sie lösen wird, bzw. daß unter feiner Leitung Arbeit­geber und Arbeitnehmer die Opfer bringen werden, die dazu dienen sollen, einen neuen Aufstieg vorzubereiten. Die Schwierigkeiten der kommenden Monate können nur über­wunden werden, wenn dem Sinken des Be-

Die heutige Stummes umfaßt 26 Seiten