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Freitag den
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23. Sstobev
1931
Laval in Mafhington
Begeisteviev Empfang in Älmevika - Laval schneidet beveits in feine# ersten Rede die Stchevheitsfvase an
Reichskanzler Dr. Brüning, der morgen von seinem kurzen Erholungsurlaub nach Berlin zurückkehren wird, hast sich seit zwei Tagen im Hotel „Margaretenhof" im Siebengebirge auf. Auch während seines kurzen Urlaubs hat der Kanzler verschiedene Besprechungen geführt, so mit dem Ober- präsidenten der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, dem westdeutschen Industriellen Springorum und dem Amsterdamer Finanzmann Dr. Broel. Der Reichskanzler wird morgen zunächst nach Köln und dann «ach Berlin Weiterreisen.,
Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird der italienische Außenminister Grandi, der, wie angekündigt, am Sonntag in Berlin eintreffen wird, voraussichtlich am Montag vom Reichspräsidenten empfangen werden. Der Reichskanzler wird am Sonntag abend zu Ehren des italienischen Gastes ein Festbankett veranstalten. Am Montag abend ist ein Empfang in der italienischen Botschaft vorgesehen.
•■ Der Preußische Landtag lehnte die Miß- Irauensanträge der Deutschnationalen und Kommunisten gegen das Kabinett Braun mit 225 gegen 195 Stimmen ab und ebenso alle übrigen Anträge der Opposition zur großen politischen Aussprache. Annahme fand das Vergarbeltersckukvrogram das der Aussprache
Botschafter Dr. v. Schubert hat gestern abend Rom verlassen, um an den bevorstehenden deutsch- italienischen Besprechnugen in Berlinteilzunehmen.
Wie die Parteileitung der Wirtschaftspartei mitteilt, entbehren alle Gerüchte über Absplitterungen jeder Grundlage.
In der Herzogstraße in München wurde gestern ein 20jä()rtger Hilfsarbeiter von seinem Vater, einem Möbelpacker, durch einen Stich in die Brust getötet. Vater und Sohn waren in einer Wirtschaft in Streit geraten, der sich auf der Straße fortsetzte. Plötzlich zog der Vater sein Messer und stach auf den Sohn ein, der bewußtlos zusammenbrach und im Krankenhaus starb. Der Vater stellte sich der Polizei. *
Die Lohnverhandlungen, die gestern zwischen der Reichsbahnhauptverwaltung und den am Reichsbahn-Lohnvertrag beteiligten Gewerkschaften geführt wurden, haben zu einer Einigung nicht geführt. Die Reichsbahnhauptverwaltung wird nunmehr den Reichsarbeitsminister um die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens ersuchen.
• Im Lübecker Prozeß beantragte gestern der Verteidiger von Prof. Deycke die Ladung eines Mediziners, der darüber Auskunft geben soll, daß in Bulgarien 1927 nach Anwendung der BCG.- Fütterung ein schwerer Fcblschlaa eintrat, der das Ünglück in Lübeck noch ganz erheblich übertroffen habe. *
Im Bayerischen Landtag wurden gestern die Anträge der Deutschnationalen und Kommunisten auf Auflösung des Landtages mit 94 gegen 20 Stimmen abgelehnt.
„ Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist von seiner Fahrt nach Rio de Janeiro nach Pernambuco zurückgekehrt. Es wird vorausü^tlich heute (Freitag) nacht zur Heimfahrt nach Deutschland starten.
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. Die Wiener Amtliche Nachrichtenstelle teilt mit: Auf Grund der finanzellen Verhandlungen m Paris, die von Minister a. D. Dr. Juch geführt Mürben, hat sich die Bank von Frankreich bereit erklärt, der Oesterreichifchen Nationalbank im Wege der BIZ. einen Kredit von rund 60 Millionen Schilling in Devisen zur Verfügung zu stellen. Die diesmal unter so ungünstigen internationalen Kre- ditverhältnifsen erreichte Kreditgewährung konnte nur dank der nachdrücklichen Unterstützung der französischen Regierung zustandekommen, die damit ein sichtbares Zeichen eines verständnisvollen Interesses für die Bemühungen der österreichischen Regierung um die Aufrechterhaltung der Ordnung Budget und in der Währung gegeben hat.
Aus Schanghai wird gemeldet, daß durch eine mntliche Bekanntmachung alle antijapanischen Erklärungen verboten sind. Hieraus wird gefolgert, die Chinesen alles zu tun gedenken, um eine Verschlechterung der Lage zu verhindern.
... * Auf Eypern ist ein Aufstand ausgebrochen. Die Bevölkerung fordert die Vereinigung mit Griechenland.
- •) Näheres siede im politischen Teil.
Lavals erste Rede in Amerika
Aewyork, 22. Oft Nachdem der französische Ministerpräsident Laval am Donners- lag morgen an Bord der „Jle de France" im Newyorker Hafen eingetroffen war, ging er kurz nach 15 Uhr (MEZ.) mit seiner Begleitung an der Battery an Land. 3m Battery- Park wurde Laval von Staatssekretär Stimfon offiziell begrüßt, worauf die Fahrt über den Broadway nach der Lilyhall angetreten wurde. Ein langer Zug Automobile, an der Spitze die französischen Gäste und die amerikanischen Regierungsverkreter, fuhr denBroad- man entlang, wo er mit Konfetti und Papier streifen förmlich überschüttet wurde. Wie gewöhnlich bei solchen Anlässen brach die Wengeln Jubel aus. 3n der Lityhall wurde Laval
oon Bürgermeister Walker begrüßt. Alsdann
Laval führte in französischer Antwortrede aus: Er komme von einem Lande, das entschlossen sei, mit Amerika für Wiederherstellung der Prosperität zusammenzuarbeiten. Eine schwere Krise sei hereingebrochen, welche die Entwicklung Amerikas und der anderen Länder unterbrochen habe. In einer von Zweifeln zerrissenen Welt müßten bis beiden großen Demokratien zusammen Methoden suchen und anwenden, welche die Ruhe und das Meichgewicht wiedevherstellen werden. Frankreich war, so fuhr Laval fort, tief gerührt, als Präsident Hoover mich zu einem Besuch einlud. Cs erkannte, daß die Geste nicht nur
schen unseren großen Demokratien war, sondern daß die amerikanische Regierung sich an Frankreich gewandt hat, weil es inmitten der weitverb reiteten Störungen unberührt geblieben ist. Mit voller Zuversicht möchte ich dem amerikanischen Volk gegenübertreten. Ich kenne seinen Enthusiasmus und weiß, daß es großmütiger Impulse fähig ist. Ob es unsere Arbeiter oder unsere Künstler sind, sie werden von demselben Geist chrer Vorfahren geleitet. Dies sind die Eigenschaften, die unser altes Land zu einem geordneten und wohlbalancierten Ganzen machen. Dieses Gefühl der Ausgeglichenheit schützt uns vor absurden Anschuldigungen, die. manchmal gegen uns erhoben werden, daß wir irgendwelche Form der Oberherrschaft in Europa ausüben wollen. Frankreich ist ein den Frieden Redendes Land; unsere Geschichte, unsere Vergangenheit erlegen uns Vorsicht auf, wir wünschen nicht im geringsten die Würde einer anderen Nation zu beeinträchtigen.
Lypern in Au-suSe
Me svrechiithe VevöMvnng WM zu Griechenland EnEche AriegsschMe unieswess
London, 22. Oft Am Donnerstag ist in der englischen Kronkolonie Lypern ein Aufstand ausgebrochen. Eine größere Menschenmenge griff das Verwaltungsgebäude der britischen Regierung an und steckte es in Brand. Das Gebäude brannte vollkommen nieder. Die Polizei sah sich gezwungen, auf die Menge zu feuern.
Die Unruhen erklären sich aus den Bemühungen Unterstützung durch Kriegsschiffe gebeten. — Wie der griechischen Bevölkerung, die die überwiegende Mehrheit aus Lypern bildei, die Insel mit Griechenland zu vereinigen. Den unmittelbaren Anlaß soll ein am Mittwoch erlassener Aufruf des griechisch-orthodoxen Erzbischofs von Lypern bit- den, in dem diese Vereinigung Lyperns mit Griechenland bereits ausgerufen wird.
Kairo, 22. Oft. Rach weiteren hier eingegangenen Meldungen ist in Ricosia auf Lypern das Haus des Gouverneurs niedergebrannt worden. Die Lastern Telegraph Company muhte ihre Büros schließen mit Ausnahme in Larnaca, wo noch bis heute abend um 6 Uhr gearbeitet wurde. Die Behörden von Lypern haben die schleunigste Entsendung eines Kreuzers und eines Flugzeugmutterschiffes erbeten. Morgen werden Truppen auf dem Luftwege von Alexandrien nach Lypern entsandt werden. Rach Meldungen aus Malta soll die Lage in Ricosia sehr ernst sein, und man befürchtet, daß die Bewegung sich noch weiter aus- breiten wird. Rach einem inoffiziellen Bericht hätten sich große Volksmengen für Griechenland erklärt.
EnsMrbe Maßnahmen
London, 22. Okt. Reuter meldet aus Malta: Infolge der Unruhen, die sich aus der nationalistischen Agitation für die Vereinigung mit chnechen- land in Eypern ergeben haben, hat der Gouverneur »oii Lypern den Gouverneur von Malta um
antwortete Laval.
Unser einziger Wunsch ist der Friede, «Ger wir legen großen Wert auf unsere Sicherheit. Die Regierungen und die Völker sollten verstehen, daß die Sicherheit nicht in hoffnungsvollen Worten ausgedrückt werden kann, sie sollte organisiert werden. Wenn Frankreich und die Vereinigten Staaten übereinskimmen und sich In immer zunehmender Zusammenarbeit vereinigen können, so können wir einer bessere«
Gestaltung der Dinge entgegensehen.
Laval erklärte zum Schluß: Ich spreche im Namen eines Landes, das entschlossen ist, seine Anstrengungen .mit den Ihrigen zu verbinden, um
Laval in Washington
Später reiste Laval mach Washington. Hier machte Laval dem amerikanischen Präsidenten Hoover einen kurzen Antrittsbesuch und nahm abends an einem Bankett teil, zu dem auch der deutsche Botschafter geladen war. Laval empfing nachmittags die Presse, die er eindringlichst bat, sich nicht in Vermutungen zu ergehen oder von Ent- scheidunigen zu sprechen, die noch gar nicht gefällt seien. Er sei hierhergekommen, um mit Hoover alle Probleme zu besprechen, welche die Welt zurzeit bewegen. In einigen Punkten hoffe er zu einer endgültigen Verständigung zu kommen, in anderen werde die Lösung nicht mit einem Schlag kommen. Frankreich sei weder kriegerisch, noch wolle es in Europa dominieren ; es wolle im Gegenteil durch die Besuche in London, Berlin und Washington dartun, daß es bereit sei, seinen Teil an der internationalen Zusammenarbeit zu übernehmen.
Reuter ferner berichtet, verlautet in Kairo, daß
zwischen den Regierungen von Eypern und Aegypten ein Meinungsaustausch über die militärische Unterstützung Eyperns im Hinblick auf die Unruhen stattgefunden hat.
London, 22. Oft Wie zu den Unruhen auf Eypern verlautet, soll eine Abteilung von 50 Soldaten mit Flugzeugen nach Eypern gebracht wor> den sein. Diese Truppen dürsten, falls der Bericht zutrifft, von einem Flugzeugmutterschiff stammen, da Flugzeuge mit Truppen aus Aegypten erst morgen früh starten. Sechs Dickers-Truppen- Transport-Flugzeuge sind heute mit einer Compagnie nach Alexandria abgegangen, um morgen früh nach Eypern weiter zu fliegen. Eine weitere Compagnie ist mit der Bahn nach Port Said abgegangen, wo sie sich nach Cypern einschiffen wird. Die von der Admiralität nach Cypem beorderten vier Kriegsschiffe sind die 10 000-Tonnen-Kreuzer „London" und „Shropshire" und die Zerstörer „Achates" und „Achafta".
Ministerpräsident Braun ist aus Ascona, wo er sich in einem Sanatorium aufhielt, zurückge- kehrt, wird aber zunächst noch nicht die Regierungsgeschäfte übernehmen, da sein Gesundheit-- Zustand noch zu wünschen übrig läßt. Er wird noch einige Tage zur Erholung in der Scherfheide zubringen.
I Kan« Moskau zahlen?
Von unserem Rußland-Mitarbeiter
Seit einiger Zeit sind Gerüchte über bte bevorstehende Einstellung der russischen Zahlungen im Umlauf. Die dem Reichskanzler nahestehende „Germania" wollte sogar wissen, daß die Sowjet-Handelsvertretungen von Moskau aus angewiesen wurden, ein Mora- torium für die russischen Wechsel im Auslande zu beantragen. Von offizieller deutscher Seite wurde diese Nachricht dementiert und auch die Sowjetvertretungen haben sich gegen diese Behauptung, die sie als kreditschädigend an» sehen, zur Wehr gesetzt. Was hat nun zu der Aufrollung der Frage der russischen Zahlungsfähigkeit geführt?
Der russische Außenhandel ist bekanntlich verstaatlicht und einem besonderen Ministerium, dem Volkskommissariat für Außenhandel (russische Abkürzung: „Narkom-wnesch- torg") unterstellt. Dieses Ministerium unterhält im Ausland große Agenturen die man Handelsvertretungen nennt. Es besteht also ein grundlegender Unterschied zwischen dem Handel mit Rußland und dem Handel mit sämtlichen Säubern der Welt. Wird irgend- eine auâtüijche Firma zahlungsunfähig, so ist es die Sache der Privatinteressenten, insoweit hinter den Firmen keine Staatsgarantien stehen. Im Falle Rußlands gibt es nur eine einzige Firma, die an das Ausland verkauft und vom Auslande kauft: der Staat selbst. Alle ruffischen Wechsel sind hiermit staatliche Wechsel und ihre Nichteinlösung bedeutet einen Staatsbankerott. Bisher ist noch kein einziger Sowjetwechsel zu Protest gegangen. Eine Diskontierung der Sowjetwechsel erfolgt zu einem hohen Prozentsatz und es ist ein offenes Geheimnis, daß zahlreiche „weiße" Emigranten sich mit Vorliebe damit befassen und daran schweres Geld verdienen. Diese Sowjetfeinde leben also gewissenmaßen von Sowjetrußland und schwören auf die Kreditfähigkeit der verhaßten Bolschewiken.
Was hat sich nun an dieser Gesamtlage in der letzten Zeeit geändert? Nichts, außer dem Umstand, daß die russische Handelsbilanz im laufenden Jahre passiv geworden ist. Der Sowjethandel leidet nämlich außerordentlich stark unter der Weltwirtschaftskrise. Der Preisverfall auf den Weltmärkten hat dazu geführt, daß Rußland mengenmäßig rund um 50 Prozent mehr exportieren mußte, um zahlenmäßig auf dem alten Niveau zu bleiben. Es ist bekannt, daß viele Warengattungen, die Rußland ausführt, auch von anderen Ländern erzeugt werden, was den Verkauf der russischen Erzeugnisse im Auslande nicht gerade erleichtert. Kurzum: Rußland betrachtet die Krise der „kapitalistischen" Welt mit einem heiteren und einem nassen Auge. Einerseits muß man in Moskau froh darüber sein, daß das kapitalistische Ausland mit großem Eifer sich selbst zerstückelt und in Lebensgefahr bringt. Andererseits jedoch erschwert der „vorzeitige^ Verfall der kapitalistischen Wirtschaft den Aufbau der Sowjetindustrie, insoweit diese die eingeführten Maschinen mit dem Erlös von den im Ausland abgesetzten Waren bezahlen muß.
Fast alle Länder der Welt, selbst diejenigen, die Sowjetrußland auf das schärfste besämp- fen, sind recht froh, wenn ihnen Sowjetaufträge zufallen. Sie sind aber begreiflicherweise weniger froh, wenn auf ihren Märkten die sowjetruffische Ware angeboten wird. Jeder ist heute überhaupt mehr denn je darauf bedacht, lieber zu exportieren als zu importieren. Daher auch die Freude vieler englischer Unternehmer über den Pfundsturz, daher auch die ständigen Zollerhöhungen in einer Reihe von Ländern, daher auch die sich immer mehr häufenden Konflikte in der Art der deutschschweizerischen oder der deutsch-italienischen Auseinandersetzungen. Rußland tritt in fei»
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