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Sette 4

Dienstag, den 20. Oktober 1931

Nr. 248

Roten Kreuz durch Frau v. Rieß eröffnet, die mitteilte, daß die bisherige Vorsitzende des Ver­bandes, Frau Geh.-Rat Harnier, aus Gesundheits­rücksichten ihr Amt niedergelegt hccke. Gleichzeitig schlug Frau v. Rieß vor, Frau Geh.-Rat Harnier zur Ehrenvorsitzenden zu ernennen, was von der Versammlung mit lebhaftem Beifall be­grüßt wurde. Der neuen Vorsitzenden, Frau Gene­ralarzt Krummacher, widmete die Rednerin herzliche Worte der Begrüßung und übergab ihr dann offiziell den Vorsitz. Frau"Generalarzt Krum­macher dankte für das ihr entgegengebrachte Ver­trauen und hieß die Vertreter dèr Behörden und Organisationen willkommen. Eine gewaltige Verantwortung ruhe gerade in diesen Mo­naten auf den -schultern der grauen, die unter dem Roten Kreuz ständen. Vor allen Singen gelte es, für die Notleidenden zu sorgen und das schlimmste Elend zu lindern.

Anschließend erstattete Oberregierungsrat Bur­henne als Schriftführer den Bericht über die Tätig­keit des Vereins. Man sprach dann kurz den Kassenbericht durch, erteilte Direktor Koch Ent­lastung und genehmigte die Satzungen für das neu­gegründeteHessen-Nassauische Rote Kreuz".

Der Höhepunkt der gutbesuchten Versammlung wurde durch das großangelegte und tiefschürfende Referat von Frau Professor H o « tz s ch, Berlin, er­reicht, die überD as R ote Kreuz in natio­naler und internationaler Bezie­hung" sprach. Frau Professor H o e tz s ch über­brachte zunächst die Grüße des Zentralvorstandes und den Dank und die Anerkennung für die Arbeit, die gerade im hiesigen Bezirk vorbildlich geleistet werde. Es geht in den kommenden Monaren um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Sie erfordert einen noch engeren Zusammenschluß der Frauen. Es ist nationale Rote-Kreuz-Hrauenarbeit im besten und edelsten Sinne des Wortes, die jetzt geleistet werden soll. Die Bedeutung des Roten Kreuzes liegt einmal in der Wohlfahrtsarbeit und zum anderen in der organisierten Hilfsbereitschaft. Ein ungeheures Arbeitsgebiet untersteht den Lan­desfrauenvereinen, in denen 95 0 000 Frauen gesam­melt sind. Manchmal erhebt sich die bange Frage: Reichen diese Zahlen aus, um der furchtbaren Not wenigstens etwas steuern zu können? Wenn die Frauen vom Roten Kreuz jetzt wirklich national handeln wollen, dann müssen sie ihre Maßnah­men zur Linderung der Not auf.d.ie Familien einstellen. Sie Winterhilfe, die das Rote Kreuz mit organisiert, erstreckt sich, wie die Rednerin weiter ausführte, auf Speisung, Kl« idung und Heizung.

Der organisierten Hilfsbereitschaft galt der nächste Teil der Rede. Was sich im Kriege herrlich bewährt hat, darf nicht verloren gehen. Darum will das Rote Kreuz die Schulung des Personals nicht außer Acht lassen. Ernste Sorge bereiten die Verhältnisse in der Schwesternschaft. Man muß von einer Krise sprechen, weil

der Andrang zum Beruf der Schwester sehr stark geworden

ist und auf der anderen Seite ein Rückgang an Arbeitsplätzen festgestellt werden muß. Das Rote Kreuz will aber unter allen Umständen eine Ein­schränkung vermeiden, weil die Folgen nicht zu übersehen sind.

Mit Freude hörte man noch aus dem Munde der Vortragenden, daß das deutsche Rote Kreuz im internationalen Roten Kreuz an hervorrender Stelle Webt - '

Nach einem Referat des Privatdozenien Dr. Brock, Marburg, überErziehungsfaktor bei Krank­heiten der Kleinkinder" und Referaten aus den Zweigveremen über die Einrichtung und den Be­trieb des vom Vaterland. Frauenverein Hanau- Land in Bischofsheim eingerichteten Kindergartens und über Mitgliederwerbung wurde die Versamm­lung geschlossen.

Dev LebvevKruen-Develtt rum Schulftetteuabba«

Im Abwehrkamps gegen die infolge Notverord­nung der Hanauer Volksschule drohende schwere Schädigung sandte der Lehrerinnenverein Hanau-Stadt und Land folgende Eingabe an den Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und an die anderen maßgebenden Behörden:

»Die Lehrerinnenschast Hanaus richtet in tiefer Sorge um die Volksschule die dringende Bitte an (folgen die Anschriften) den beabsichtigten unbe­greiflich hohen Abbau an den Hanauer Volksschulen auf ein Mindestmaß zu beschränken.

Die überhöhte Schülerzahl sie bewegt sich schon jetzt um 50 mit all ihren Nachteilen muß in Verbindung mit Herabsetzung der Wochenstunden zu einer schweren Schädigung der Kinder führen. Dabei hat das Dolksschulkind in unserer Zeit mehr denn je Anspruch auf einen harmonischen, Körper und Seele bildenden Unterricht. Die Not und Un­ruhe unserer Tage belasten es ohnehin auf stärkste. Groß ist die Zahl der Schwererziehbaren. Gerade Hanau hat eine besonders hohe Erwerbslosenziffer; es soll in Preußen an 2. Stelle stehen. In einer Schulklasse, die keine Ausnahme darstellt, hatten Ostern von 50 Kindern nur 8 einen oollerwerbs- tätigen Vater; die übrigen Väter waren erwerbs­los, einige wenige Kurzarbeiter.

Weite Kreise sind heute am Werke, um der Kul­tur willen und aus dem inneren Wunsche der Lehrerschaft heraus, immer bessere, verfeinerte Methoden in der Menschenbehandlung zu finden. Auf dasselbe Ziel weisen ja auch verschiedene Re- gierungsverfügungen, z. B. über die Körperstrafe, hin die doch für uns Lehrende nach wie vor bindend sein werden.

Es ist aber ein Unding, solche edlen Ziele zu verfolgen und gleichzeitig die Klassen derart an­zufüllen, daß das einzelne Kind wohl knapp einen Sitzplatz, aber keine pflegliche Betreuung mehr fin­den kann.

Wir wenden uns in dieser Zeit der Spannung nicht an die Elternschaft. Wir vertrauen aber dar­auf, daß unsere dringende Bitte bei den maß­gebenden Stellen Beachtung finden und so dazu dienen wird, das Dolksschulkind, den Staatsbürger von morgen, vor ernstem Schaden zu bewahren..

Gleichzeitig bittet die Hanauer Lehrerinnenschaft einmütig, bei dem vorzunehmenden Mindestabbau von Stellen auf unsere bewährte Simultanschule Rücksicht zu nehmen, indem das Verhältnis Zwischen den Bekenntnissen gewahrt wird."

NerwkStasung des VaievlSndt- schen Svaue«vever«e vom

Roten âveur

Die Winterhilfe.

Der B ezirksverb and Kassel der Vaterländischen Frauenvereine vom Roten Kreuz hielt in der vergangenen Woche in Kassel eine Mitgliederversammlung ab, die auch aus dem hiesigen Gebiet besucht war. Ein Be­grüßungsabend brachte u. a. einen Vortrag von Frau Dr. Kläre Burhenne überDer amtliche Sanitätsdienst als Pflichtaufgabe der Vaterländi­schen Frauenvereine v. R. K." Die Vortragende schilderte die Entwicklung'des Hilfswerks, das einst auf dem Schlachtfeld entstanden sei, bis in unsere Tage, in denen die Aufgaben des Roten Kreuzes wesentlich erweitert wurden. Frau Dr. Burhenne schi- derte hierauf die Ausbstdungsarten der Helfe­rinnen. Der amtliche Sanitätsdienst umfaßt alle Aufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege, soweit sie dem Staat und den Kommunen gesetzlich über­tragen sind. Die Frauenvereine können ihre Auf­gaben aber nur dann erfüllen, wenn sie über ein gleichmäßig verbreitetes Netz solcher Hilfskräfte ver­fügen. Es könne allen Zwergvereinen nicht drin­gend genug ans Herz gelegt werden, die Unterstützung des amtlichen Sanitätsdienstes stärker zu betreiben und sich mit allem Eifer der Ausbildung weiblicher Hilfskräfte anzunehmen.

Am Freitag morgen wurde die Mitglieder­versammlung des Verbandes der Vaterländischen Frauenvereine vom

Die Belastung der Gemeinden duved -le GeweeLsloftskett

Auf der am Sonntag abgehaltenen Kreiskonfe­renz der Sozialdemokraten sprach Herr Landrat Kaiser über die Belastung der Gemeinden durch die Erwerbslosen. Nach einem Bericht der Dolksstimme" führte Redner u. a. aus:

Die Aufwendungen für die Krisenunterstützung, die mit ein Fünftel von den Gemeinden und zu

Robert Schuman« sucht den Tod

Die Tochter des Komponisten über ihren Vater

o Von allen Tonschöpfern hat wohl keiner in seinen Kompositionen sein Seelenleben so intim enthüllt wie Robert Schumann. Und das, was der Musiker im Tonbild nur ahnen läßt, hat der dem Musiker ebenbürtige Schriftsteller in seinen ge­sammelten Aufsätzen unter den sein Doppelweien kennzeichnenden Decknamen Eusebius und Florestan nicht umsonst nannte sich Schumann einen Doppelgänger" so ausführlich behandelt, daß uns das Bild des in die Wett seiner romantischen Träume eingesponnenen Künstlers in all seinen wechselnden Phasen und charakteristischen Einzel­zügen scharf und deutlich entgegentritt. Dafür war derfest in sein Talent eingesperrte" Tondichter im persönlichen Verkehr umso wortkarger.

Schumann war, wie Hebbel nach einem Besuch in seinem Tagebuch verzeichnet,nicht nur ein hartnäckiger, sondern auch ein unangenehmer Schweiger, der ebensowenig zu hören als zu reden schien". In dieser Schweigsamkeit, die sich ständig steigerte, wollte man allein schon ein Symptom der schleichenden Geisteskrankheit sehen, die den überarbeiteten Musiker schließlich zum Selbst­mordversuch und in die Irrenanstalt trieb. Die Tochter von Robert und Clara Schumann, Euge­nie Schumann, hat nach der eigenen Beobachtung und den Mitteilungen ihrer älteren Schwester Marie ein Bild des Vaters, wie sie ihn sah, im Rahmen einer Biographie gezeichnet, in der sie vor allem der Anschauung, die Schumanns Leben nur im Schatten der Krankheit sieht, entgegentritt und die Erscheinungen, die als Krankheitssymp- tome gedeutet werden können als Aeußerungen des normalen Zustandes eines durch Ueberanstren- guno und Enttäuschungen zermürbten sensitiven Künstlers zu erklären sucht.Auch im täglichen Leben" schreibt Eugenie Schumann in einem dem­nächst bei Koehler und Amelang in Leipzig er­scheinenden BuchRobert Schumann ,zeigte sich keine Veränderung. An gewisse Er,chemungen, wie Anfälle von Nervenschwäche, schwindel, Rheumatismus, hatte man sich - seit sieben Jahren gewöhnt. Joachim und Brahms, Dietrich, v. Sahr,

Ruppert, Becker, die ihn täglich sahen, verkehrten mit meinem Vater wie mit einem Gesunden. Ge­gen die jungen Freunde Brahms und Joachim konnte er, wie meine Mutter erzählt, oft sehr be­redt sein. Noch vierzehn Tage vor dem Zusam­menbruch waren die Eltern in Hannover, wo sie mit beiden schöne Tage verlebten, an denen mein Vater, auch jetzt noch seiner Gewohnheit treu, ge­wisse Stunden der Arbeit vorbehielt.

Ahnungslos trennte man sich am Bahnhof. Ahnungslos bis zuletzt blieb auch meine Mutter. An alle Krankheiten habe sie gedacht, so sagte sie mir einmal, wenn sie den Vater so unwohl gesehen, nie aber an die eine, die schrecklichste und schmerz­lichste. Die ersten Anzeichen einer nach außen hin sich bemerkbar machenden Veränderung glaube ich in einigen Briefen an Joachim aus dem Spät­herbst des Jahres 1853 zu sehen. Sa ist es, als vetlöre Her Geist die Herrschaft über sich selbst, als hielte er nur noch mit krampfhafter Anstren­gung den Faden des Gedankenganges in der Hand. Besonders auffallend wird dies an den Stellen, wo mein Vater über Brahms spricht. Ge­wiß ist, daß dessen Erscheinen in seinem Gesichts­kreis sein Gemüt bis in die tiefsten Tiefen ergriff.

Noch einmal lasse ich hier Marie reden. Sie erzählt vom 27. Februar 1854. ,Zuletzt sah ich meinen Vater an jenem Tage, als er aus dem Hause ging, um sich das Leben zu nehmen. Ich wurde, da meine Mutter mit dem Ärzte zu spre­chen hatte, gerufen. Ich sollte in der Mutter klei­ner Stube sitzen und achtgeben, ob der Vater, der in seinem Zimmer daneben war, etwas brauchte. Ich hatte eine Weile do vor der Mutter Schreib­tisch gesessen, da öffnete sich die Tür des Neben­zimmers, und mein Vater stand darin in seinem langen grüngeblümten Schlafrock. Sein Gesicht war ganz weiß als er mich erblickte, schlug er beide Hände vor das Gesicht und sagte:Ach Gott" Darauf verschwand er wieder. Ich war kurze Zeit wie festgebannt, dann fiel mir ein, weshalb ich da war. Ich ging in des Vaters Stube sie war leer, und bie Türen, die in die Schlafstube der Eltern und von da auf den Vorplatz führten, waren weit geöffnet. Ich stürzte zu meiner Mutter, der Arzt war noch da, und nun wurden alle Räume der Wohnung durchsucht. Es war klar, mein Vater war fort. Nun wurde nach ihm- ausgesandt, mich aber hieß meine Mutter zu

vier Fünftel von dem Reich getragen wird, belasten die Gemeinden sehr stark. Sie sind höher als die Lasten der Wohlfahrtsunterstützung. Die Schulden der Gemeinden im Landkreis Hanau betragen 200 000 RM. Sie neue Notverordnung kürzt die Zeit der Unterstützung um sechs Wochen, sieht aber eine Verlängerung der Krisenunterstützung vor. Das belastet die Gemeinden aufs neue. Sparmaß­nahmen lassen sich kaum mehr durchführen. Sie neuerliche Kürzung der Gehälter, die vom Regie­rungspräsident schön genehmigt ist, bringt nur eine Ersparnis von 5000 RM. Die Aufwendungen, von denen die Gemeinden 70 Prozent und der Kreis 30 Prozent zu tragen hat, sind heute höher als früher größte Ausgabeposten im Etat, Straßen­erhaltung und Anstalten. Die Beschaffung der Mittel für die Wohlfahrtserwerbslosen sind das große Problem. Das Reich müßte in viel grö- ßerem Maße dafür aufkommen. Der Kreis bringt jetzt 1^' Millionen RM dafür. Im vergangenen Jahr wurden für Notstandsarbeiten im größten Umfang, für den Bau von Wasserwerken, Gas­leitungen und Straßen insgesamt nur 750 000 RM verausgabt.

Sie Schwierigkeiten für die Gemeinden began- nen, als die Anleihefperre verhängt wurde. Im Jahre 1928 erzielte der Kreis noch einen Uebelschuß von 188 000 RM, 1929 noch 280 000 RM und das Jahr 1930 brachte schon ein erhebliches Defizit. Einen sicheren Weg aus den Schwierigkeiten gibt es nicht. Aber der Antrag der Sozialdemokratie, der schon vor Jahresfrist zur Arbeitslosenversiche­rung noch eine zusätzliche Arbeitslosenfürsorge for­dert, würde fühlbare Erleichterungen bringen. Das Reich müßte von den Kosten 50 Prozent, das Land und die Bezirksfürsvrgeverbände je 25 Pro­zent tragen. Die Anträge wurden damals vom Reichsrat abgelehnt. Die in der Juni-Notverord­nung vorgesehenen Zuwendungen an die Gemein­den aus der Lohnsteuerrückerstattung und der An­teil aus den 60 Milliönen-Ersparnissen der preu­ßischen Beamtengehälterkürzung brachten dem Kreis 188 000 RM bei einer Aufwendung von l^ Millionen RM.

Im Kreisetat wird ein Fehlbetrag von einer halben Million RM entstehen und in den Gemein­den werden 300 000 RM ungedeckt bleiben. Es ist unmöglich, einen Ausgleich durch Sparmaßnahmen herbeizuführen.

Der Rsichsfinanzmimster sagt, daß die Reichs- finanzen in. Ordnung feien, die Gemeinden aber gehen ihrem Untergang entgegen. In viel stär­kerem Maße müßten die Länder und die Provinzen zu finanziellen Leistungen herangezogen werden, denn sie sind bis jetzt fast noch unberührt geblieben.

Sie von der Sozialdemokratie geforderte zu­sätzliche Arbcit-lofenfürsorge muß sofort eingesührt werden, wenn Schlimmstes verhütet werden soll.

* Das Fest der silbernen Hochzeit begehen mor­gen die Eheleute Reichsbahnwerkführer J o h. Sitter und Frau Marie geb. Boller, Odenwald­straße 3.

* Verworfene Berufung. Wegen andauernder schweren Mißhandlungen seines 48jährigen geistes­schwachen Schwagers war ein 32 Jahre alter Drechsler aus Gersfeld vom Schöffengericht Fulda zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen das Urteil legte der Angeklagte Berufung ein, mit der sich am Freitag die hiesige Groß» Strafkammer zu besassen hatte. Nach ausführlicher Beweisauf­nahme gelangte das Gericht zu einer Unterbrechung der Verhandlung, über die wir in unserer Sams­tagsausgabe unter der SpitzmarkeMartyrium eines Geistesschwachen?" bereits ausführlich berich­teten, und beauftragte den Vorsitzenden mit der Vornahme eines Augenscheinstermins am Tatort. In diesem Termin stellte der Richter fest, daß man von der Wohnung der als Belastungszeugen in Tätigkeit getretenen Nachbârseheleute " sehr wohl Einblick in die Werkstatt des Angeklagten hatte, was von letzteren in der Verhandlung bestritten worden war. Angesichts dieser Tatsache und der ein­schlägigen Vorstrafe von 2 Monaten 1 Woche Ge­fängnis, die der Angeklagte vor Jahre wegen zweier in unmittelbarem Zusammenhang miteinander stehenden Rohheitsdelikte erlitten hatte, gelangte das Gericht zu einer Verwerfung der vom Ange­klagten eingelegten Berufung.

Fräulein Leser, der blinden Freundin unserer Mutter, gehen, ihr das Geschehene mitzuteilen. Als ich nur auf die Straße kam, sah ich von wei­tem einen großen Troß Menschen mit viel Lärm mir entgegenkommen, und als ich näher hinzu­kam, erkannte ich meinen Vater, der von zwei Männern unter den Armen gestützt wurde, und der die Hände vor sein Gesicht hielt. Ich war entsetzt, laut weinend lief ich vorüber bis zu Fräu­lein Leser, der ich alles erzählte und die sich so­gleich mit Fräulein Junge aufmachte, um mit mir zu kommen. Wir fanden meine Mutter in höchster Verzweiflung, sie hatte den Vater ankommen sehen, der Arzt-und Fräulein Leser suchten sie zu beruhigen, und dann drang der Arzt darauf, daß sie mit zu Fräulein Leser ginge. Mein Vater be­kam einen Wärter, und nach wenigen Tagen wurde er eines Morgens in einer Droschke fort­gebracht. Wir Kinder standen oben am Fenster und sahen ihn einsteigen. Die Droschke war in den Hof gefahren, um Aufsehen auf der Straße zu vermeiden. Dr. Hasenclever und der Wärter stiegen zu ihm ein. Uns Kindern hatte man gesagt, unser Vater würde in kurzer Zeit ganz gesund wieder kommen, die Mädchen aber, die bei uns standen und mit zusahen, meinten."

o Sfabfthealer Hanau. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Als 4. Vorstellung im Diens­tag-Abonnement wird heute abend 8 Uhr zum ersten Male das entzückende LustspielMar­guerite : 3" von Fritz Schwiefert wiederholt. Der Dichter hat in dem dreiaktigen Lustspiel einen ingeniösen Einfall keck, raffiniert, fesselnd ausge­baut, mit geistvollen Witzen, satirischen Seiten- hieben, lachlustigen Spitzen buntfarbig geschmückl und mit wortgewandtem Dialoge ausgestattet. Morgen Mittwoch, abends 8 Uhr, gelangt als 4. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement der große OperettenerfolgVictoria und ihr Husar", Operette in einem Vorspiel und 3 Akten, von Paul Abraham zur Aufführung. Am Donnerstag, abends 8 Uhr, findet ein einmaliges, erstklassiges Stutt­garter Operngostspiel mit der beliebten, volkstüm­lichen OperTiefland" von d'Albert statt. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen des Ober­spielleiters Walter Ebechard. Die musikalische Lei­tung besorgt Kapellmeister Erich Beck. Das

Wir bitten

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für November 1931 nicht zu ver­gessen, damit keine unliebsame Ver­zögerung in der Lieferung eintritt

VerlagHanauer Anzeiger"

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* Ei« Unfall ereignete sich heute morgen gegen ^10 Uhr am Kanalplatz an der Tankstelle. Eine 23 Jahre alte Hausangestellte, die mit ihrem Fahr­rad auf der linken Straßenseite fuhr, wurde von einem Lieferwagen angefahren und verletzt. Sie wurde in das St. Vincenzkrankenhaus gebracht.

* Deutschlands Geburtenüberschuß auf die Hälfte gesunken. Nach den Ermittlungen des Statistischen Reichsamts wurden im Deutschen Reich im ersten Vierteljahr 1951 178 020 Lebendgeborene festgestellt, denen 118 621 Gestorbene (ohne Totgeborenes gegenüberstanden. Der Geburtenüberschuß betrug mithin 59 399, gegen 103 061 im ersten Vierteljahr 1930. Das Abwärtsgleiten des Gebuktenüberschusies hat sich auch in allen übrigen Ländern bemerkbar gemacht. Eine Erhöhung der Sterblichkeit wird hierfür angeführt, die sich im Deutschen Reich noch relativ am wenig­sten bemerkbar gemacht habe.

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Durch bie Entwicklung eines kräftigen Sturm- wirbels über Skandinavien hat sich von Grönland her kalte Luft nach Süden zu in Bewegung gesetzt. Sie wird später auch bei uns zu neuem Druckan­stieg und kräftiger allgemeiner Abkühlung führen, doch werden sich zunächst mit westlichen Winden di« Ausläufer des nördlichen Wirbels bemerkbar machen. Vorhersage bis Dienstag abend: Nach kalter Nacht, vielfach mit Nebelbildung, rasch zu­nehmende Bewölkung, doch nur geringe Nieder- schlagsneigung, bei westlichen Winden, tagsüber ziemlich mild. Witterungsaussichten für Mitt­woch: Bei Luftzufuhr aus Norden im ganzen käl­ter, Bewölkung wechselnd und Neigung zu einzelnen Schauern.

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i Allenstadl, 19. Okt. Der heute hier abgehaltene Schweinemarkt war trotz dèr zurzeit herrschenden drückenden Preise immer noch gut angefahren. Es wurden kleinere Ferkel für 4, 5 und 6 RM pro Stück verkauft. Stärkere Tiere kosteten 8, 10 und 12 Mark. Für Springer und Einleger wurden 15 RM und je nach Alter noch mehr gefordert. Der Handel ging nur langsam von statten, was auf bie auch in der Landwirtschaft alWmeftr nèbrscheM KriftzuruckMühren ist.

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Orchester wird von einem großen Teil des Ph^' harmonischen Orchesters Stuttgart gestellt. Das Ensemble setzt sich aus hervorragenden Solisten zusammen, wovon in erster Linie' der große be^ deutende Baritonist Max von Wistinghausen und die jugendliche, dramatische Sängerin Margarethe Wetter, sowie der Tenor Walter Maurer genannt seien. In den übrigen Hauptpartien sind beschäl" tigt: Ellen Beck, Erika Stein, Liesl Keßler, Emma Mayer, Karl Rebstock, Willy Holtz, Adolf Harlachen Freunde guter Opernmusik werden dieses Gastspiel mit großer Freude begrüßen und dürfte auch hiek das Interesse sehr groß sein.

o Georg Engel f. Gestern starb plötzlich kurz vor Vollendung des 65. Lebensjahres an einer Lungenlähmung der Dichter Georg Engel, .ber eine Anzahl Romane und Bühnenwerke geschaffen hat.

Ällevle! W-rttenswevtes

Die meisten und auch die verschiedensten 5nüt ten halten sich auf den Eichen auf, danach auf Ka« stanien und Ulmen, die wenigsten auf Erlen.

Sternschnuppen leuchten in einer Höhe vnn etwa 150 Kilometer auf und verlöschen, d. h. verbrannt, bevor sie auf die Erde selbst gelangen.

Die Bruchbelastung eines menschlischen Schads in der Längsrichtung beträgt bis zu 13 Zenrner.

Kleine Fadenwürmer, wie die Weizenälchen- die sich als Larven zu 8 bis 10 in sogenannten gichdkranken Weizenkörnern finden, können im Zu stand des latenten Lebens völlig bewegungslos un ohne Lebensäußerung jahrelang verharren un dann beim Benetzen mit Wasser wieder zum AM leben gebracht werden. Nach einem Bericht sogar noch nach 27 Jahren.

Auf der internationalen Kartoffelausstellung äU Altenburg waren 2644 gezüchtete Kartoffelarie" vertreten.

Eine Biene kann zwölfmal mehr Honig usw. 1,1 einem Fluge forttragen als sie selber wiegt.