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Seine Freunde von der Marine und der Fliegerei nannten Kid­stone mit Recht denGefeiten". Schon mit fünfzehn Jahren ent­kommt er an einem Tag zweimal dem Tode. Durch Beziehungen ist es ihm, dem Sohn der mil­lionenschweren Glasgower Eisen­firma, gelungen, kurz vor Welt­kriegsbeginn Dienst auf dem KreuzerHogue" zu bekommen.

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Mitten auf der Schilfinsel lendet er: die Krokodile erroischen nichts als die Seiten- und Böhensfeuer des Flugzeuges.

Man erinnert sich noch: der Hogue" wurde im Herbst 1914 von dem deutschen U-Vootshelden Weddigen in die Tiefe geschickt. Kidston wird mit Hunderten anderer in das eisige Wasser geschwemmt. DieCresty" rettet ihn, aber kaum hat er dort seinen Becher mit einem heißen Grog an die Lippen gesetzt, da zerreißt eine weitere Mine vonU 9" auch dieses Schiff. Wieder geht er nicht unter, treibt stundenlang ver­liert das Bewußtsein, wird von holländischen Fischern gerettet. Das grauenhafte Erlebnis bringt ihn zu einem seltsamen Entschluß: er beschließt selbst U-Bootsführer zu werden. Im Krieg hat er keine Gelegenheit mehr, mit dem Tode zu spielen. Aber 1922 fährt er mit dem englischen U-BootL 3" nach China. Vor einer der Mün­dungen des Gelben Flusses jagt er lein Boot in eine Schlamm­barre Zehn Stunden hält sie ihn fest, bevor es ihm gelingt, dem Grab in der Unterwelt zu ent­rinnen. Merkwürdig, schon damals war der Glaube unter seinen Leuten, ihm könne nichts geschehen, so stark, daß sie keinen Augen­blick lang an dem guten Ausgang dieses fürchterlichen Abenteuers gezweifelt hatten.

1928 quittiert er den Dienst Langst sind kbm die Kriegsschiffe zu lanasam. Er sucht nach neuen Möglichkeiten, mit dem Schicksal zu spielen. Bei jeder Geschwindiq- keitsprüfung auf den englischen Autostraßen ist er dabei, dann

Eine arme Frau aus Chem­nitz befreit ihren Sohn aus der Fremdenlegion.

Immer noch, auch heute, ist die Fremdenlegion Frankreichs diese Armee angeworbener Söldner, die unter der glühen-

schafft er sich ein Motorboot an, das jeden bisherigen Rekord brechen soll. Wie er es ausprobt, mit seiner Frau an Bord, bricht es bei 90-Stundenkilometern in der Mitte auseinander. Der Frau und dem Mann geschieht nichts. Dann tun es ihm die Motorräder an. Er meldet sich für das lllsterrennen. Mit 145 Kilo­metern Geschwindigkeit rast die

festesten scheinende winzige In­sel. Ein Meisterstück! Das Flug, zeug schlägt genau so weit ins Wasser, daß es nicht in Stücke geht und den Insassen die hastige Flucht auf den festesten Teil der Schilfbank gestattet. Die Krokodile erwischen nichts als die Seiten- und Höhensteuer, die sie zerfetzen. Drei Tage lang hocken Kidsione und seine Gäste in dem Nest. Dann werden sie durch Ein­geborene gerettet.

Immer wieder lockt ihn das Neue. Diesmal ist es Südafrika, Neuland der Fliegerei. Zwischen­durch leistet er sich wieder einen kleinen Rekord. Er fliegt von' London nach Kapstadt in sechs und einem halben Tag, nur um dem englischen Luftminister zu be­weisen, daß die neuerrichtete Luftpost dreimal langsamer fliegt, als sie's nach Kidstones Ansicht

Maschine von der Fahrbahn, über den Graben, und wie ein Geschoß in die Hecke dahinter. Jeder glaubt ihn tot, aber den Herzu­eilenden humpelt er vergnügt und höchst lebendig entgegen.

Bald langweilt ihn auch das. Da ist eine neue Sensation, das Fliegen. Er lädt eine An­zahl seiner Freunde zu einem Jagdausflug nach Zentralafrika und fort gèht's. Schon ist man am Weißen Nil. Da setzt, über den endlosen Papyrus­sümpfen, der Motor aus. Die un­bewegten Wysierflächen unten wimmeln vpn Krokodilen. Keine andere Landungsmöglichkeit weit und breit gibt es, als eine der schwimmenden Inseln, von denen man nie weiß, ob sie auch stark genug sind, einen Menschen zu tragen, von einem Flugzeug gar nicht zu reden. Nur noch Sekunden hat Kidstone Zeit. Aber er ver­liert nicht den Kopf. 3m Nieder­gleiten zieht er einen Kreis und fährt mitten in die ihm am

dürfte. Nichts ist selbstverstând. licher, als daß er wieder ein paar Mal dabei mit dem Tode Per­stecken spielt. Ueber dem Mittel­meer streift er fast das Master, in Rhodesia rennt er fast in die Urwaldwipfel. Das nächste Mal will er Tag und Nacht fliegen und den Weg in drei Tagen machen, meint er.

Aber nun geht es zu Errde. Keine Ankündigung vorher, keine Ahnung, keine Warnung. Kid­stone hat den Kontrakt für eine Diamantenlinie zwischen Johan­nesburg und Natal in der Tasche. Ein wilder Sandsturm faßt in den Bergen seine kleine Maschine, treibt sie gegen die Bergwände...

Farmer finden später zwei Leichen. In der Tasche des einen sind die Papiere von Kapitän­leutnant Kidstone.

Desgefeiten" Kidstone, der für hundert Jahre Glück gehabt hatte und doch nur 31 Jahre alt war, als er starb.

K. Figdor.

den Sonne Nordafrikas Militär­dienste für Frankreich tun, dem seine eigenen Landeskinder hier­für zu schade sind das Schreck­gespenst aller Eltern, deren Söhne plötzlich und ohne Abschied ver­schwunden sind. Und tatsächlich

ist sie ja auch in zahllosen Fällen die letzte Zuflucht für einen solchenAusreißer" geworden, nachdem er wochen, und monate­lang hungernd und frierend auf der Landstraße gelegen hat, ver­zweifelt und verbittert, trotz allem Elend aber zu eigensinnig, als reuiger Sohn nach Hause zurück­zukehren. . .

Vor etwa 14 Monaten ver­schwand der 17jährige Sohn einer armen Witwe in Sachsen: Ar­beitslosigkeit. die Unmöglichkeit, vorwärts zu kommen und zu ver­dienen, hatten ihn aus dem Hause getrieben. Monatelang saß seine Mutter einsam, wartete mit zit­terndem Herzen auf die Heimkehr ihres einzigen, geliebten Kindes. Aber der Junge kam nicht! Alle Nachforschungen bei den Behörden und der Polizei blieben ergebnis­los, Monat um Monat verging, immer mehr schwand die Hoff­nung in der alten Frau, jemals noch ihren Sohn wiederzusehen.

Und dann traf eines Tages, im Frühling des Jahres 1931, ein Brief von ihm ein, der den Poststempel eines kleinen, ganz unbekannten Ortes in--Mo- rakko trug. Ein geschmuggelter Brief, wie sie zu Hunderten täg­lich unzensiert aus den fran­zösischen Afrika-Kolonien heraus- gehen, kurz nur, aber trotz der Kürze erzählte er doch eindring» ich von der Not und der Sehn- ucht eines jungen Menschen, der ich hatte verleiten lasten, in die Fremdenlegion einzutreten.

Ein langer Briefwechsel mit den Behörden begann, eine Mutter kämpfte mit all ihrer schwachen Kraft um ihren Sohn. Die deut­schen Aemter hörten ihre Klagen an, bedauerten das Schicksal des Legionärs, konnten aber nichts tun, da der Versailler Vertrag Deutschland die Einmischung in die Verhältnisse der französischen Kolonialarmee verbietet. Auch die französischen Behörden be­dauerten: der Junge sei frei­willig gekommen, man habe obwohl er minderjährig sei! kein Mittel, ihn zur Rückkehr zu ! wingen. Und außerdem: Vertrag ei Vertrag, er habe sich auf die üblichen fünf Jahre verpflichtet, also habe er diese Zeit auch ab­zudienen!

Das waren klare, eindeutige Bescheide, die wahrscheinlich bte meisten von weiteren Schritten abgefchreckt hatten. Diese Mutter aber, arm, alt und einsam, gab den Kampf nicht auf! Von ihrem

Eine seltsame Begegnung:

Die Mutter besucht ihren Sohn in der Fremdenlegion.

winzigen Verdienst legte sie Groschen auf Groschen zurüch sparte sich jeden Pfennig vom Munde ab, bat wohl auch hier und da um eine kleine Unter­stützung. Und dann setzte sich die Frau auf die Bahn und fuhr ab, um selbst ihren Sohn aus der Fremdenlegion zu befreien. -~

In Personenzügen, auf har. ten, ungepolsterten Banken, im Zwischendeck billiger Mittelmeer- dampfer zu Fuß von Bahnhof zu Bahnhof, kaum das Allernotwen­digste essend und in rauchigen, un­sauberen Wartesälen schlafend so legte die Alte den langen, langen Weg nach Tunis zurück. Wohl hatte sie ein Visum für Frankreich, nicht aber für die nordafrikanischen Kolonien, so daß sie fast von Tunis aus zwangsweise zurücktransportiert worden wäre. Hier aber geschah das Unerwartete: ein höherer Offizier der Legion, von dem deutschen Geschäftsträger auf die Frau aufmerksam gemacht, legte sich ins Mittel, er setzte durch, daß sie die Aufenthaltserlaubnis erhielt, ja, er brachte sie sogar selbst zu dem Abschnittskomman- deur der Legion, dem sie ihr« Bitte um Entlastung ihres Sohnes vortragen durfte.

Von diesem Augenblick an klingt diese Geschichte einer tapse* ren Mutter wie ein Märchen. Zwar stand auch der Truppen» kommandeur der Legion auf dem Standpunkt: Vertrag ist Vertrag, trotzdem aber beurlaubte er den jungen Freiwilligen auf drei Jahre (also auf die gesamte Dauer seiner restlichen Dienst, zeit), er besorgte seiner Besuche­rin eine Freifahrtkarte bis zu empfahl sie nochmals eindringlich - dem Gouverneur, und dieser--' / stellte tatsächlich beiden, Mutter und Sohn, kostenfreie Plätze aus einem Regierungsdampfer bis Marseille zur Verfügung.

In wenigen Tagen wird der befreite Fremdenlegionär und seine tapfere Mutter wieder in Deutschland eintreffen. Es hat keinen Sinn, dieses strahlende Beispiel aufopfernder Mutterliebe in großen Reden und Empfängen zu feiern. Aber hoffen muß man, daß es jetzt dem jungen Mann gelingen wird, Arbeit und Ver- dienst zu finden, so daß er Ge­legenheit hat, wenigstens einen kleinen Teil des Dankes abzu­tragen, den er feiner Mutter schuldet.---

Ernst Sellow.