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Samstag, den 17. Oktober 1931

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Riederrodenbach, 17. Ott. Silberne Hoch- «eti feiern morgen Sonntag Spengler Karl Wil­helm und Ehefrau Anna, geb. Kunkel.

Roßdorf, 16. Okt. Rekordernte. Einen Wir- fing von 17% Pfund konnte Herr Weißen st ein aus Roßdorf auf seinem Grundstück ernten.

Viudecken, 16. Okt. Der Rendant der hiesigen Spar- und Leihkasse, Herr Valentin Fuß, hat mit dem gestrigen Tage sein Amt niedergelegt. Herr Fuß steht im 79. Lebensjahr und hat über 28 Jahre die Kasse in vortrefflicher Weise geleitet. Er hat es während seiner langjährigen Tätigkeit ver­standen, das Institut gut auszubauen und auf eine wesentliche Höhe zu bringen. Herr Fuß genießt bis weit über die Grenzen unseres Städtchens hinaus bei allen Kreisen der Bevölkerung größtes Ver­trauen und erfreut sich großer Wertschätzung.

Kos Steinheim «ud Ämsebuns

w Klein-Auheim, 15. Okt. Oeffentliche Eemeinüeratssitzung. Zu Beginn der Sitzung, auf deren Tagesordnung als erster Punkt die Einführung und Verpflichtung des neuen Bei­geordneten steht, gedenkt der Bürgermeister in an­erkennenden Worten des seitherigen Beigeordneten Herrn Karl Jung (SPD.), der als Beigeordneter und vorher als Gemeinderat viele Jahre für die Ge­meinde in einer Weife gewirkt hat, die auch dem volitischen Gegner Achtung gebot. An Stelle des aus­scheidenden Herrn Jung, der auf eine Wiederwahl verzichtet hatte, wird Herr Joseph A. Winter I. als Beigeordneter eingeführt und verpflichtet. Für ihn rückt als Gemeinderat nach. Herr Andreas Heck III. Das Verhältnis der Stimmen wird dadurch im Gemeinderat etwas verschoben. Das Zentrum zählt nun mit dem Beigeordneten 6 (5), die SPD. 3 (4) Stimmen. — Es werden Vorschläge zu einem neuen Ortslohn von feiten des Ministeriums ange­fordert. Der Gemeinderat schlägt vor, die seitherigen um 25 Prozent zu erhöhen. — Für die am 15. 11. 31 stattfindende Landtagswahl werden die Wahlvor­stände nach den Vorschlägen der einzelnen Parteien zusammengesetzt. — Das Baugesuch des Engelb. Möser, der beabsichtigt auf seinem Grundstück am Breitenweg ein Bienenhaus zu errichten, wird ge­nehmigt. — Durch die Kündigung des Tarifs der Holzbauerlöhne ist in der Aufarbeitung des durch den Sturm gefällten Holzes eine Pause eingetreten. Bis zur Bekanntgabe des neuen Tarifs sollen 20 Prozent am Lohn einbehalten werden, womit die Holzhauer jedoch nicht einverstanden sind. Obwohl das Losholz für sämtliche Ortsbürger bereit steht, soll, soweit die Wellen noch schien, die Ausgabe der entsprechenden Lose unterbleiben. — Das Gemeinde- Holz (Rathaus, Schule usw) wird in den üblichen Mengen genehmigt. Gegen das Pfarrholz sind die KPD. und SPD. — Der Verkauf des fetten Ebers im Faselstall zu 16 Pfg. pro Psd. Lebendgewicht an Josef Kemmerer wird genehmigt.

ai Hainstadt, 16 Okt. Kirchweih. Sonntag findet in hiesiger Gemeinde das Kirchweihfest statt. Acht Tage später ist Nachkirchmeih und gleichzeitig das Kirchenpatronsfest des hl. Wendelinus.

der Tagung wurde noch ein Arbeitsausschuß für den Landkreis gewählt.

Gemeinden.

Was in Kastel für den Bezirk geschaffen ist, was in Hanau für den Kreis eingerichtet wird, daß muß

8 Gelnhausen, 17. Okt Der Kreiskirchenvorstand des Kirchenkreises Gelnhausen hat in seiner kürzlich stattgehabten Sitzung beschlossen, den diesjährigen Abgeordnetentag des Kirchenkreises Gelnhausen (Kreiskirchentag) aus Sparsamkeitsgründen aus­fällen zu lassen. — In den Orten Hailer, Nieder­mittlau, Gondsroth. Neuenhaßlau, Rothenbergen, Lieblos, Roth und Niedergründau findet morgen das herkömmliche Kirchweihfest statt.

Somborn, 16. Okt. Gestern abend gegen 6.30 Uhr ereignete sich in der Hanauer Straße an der Ein- fchrt zur Russensteinfabrik der Herren Gebrüder Biba, hier, ein sehr bedauernswerter Unfall. Der aus dem Nachbarort Neuses stammende 16jährige Kaufmannslehrling Edmund Kern, in der Lehre in

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Die Winterhilfe im Landtreis Kanan

Gestern nachmittag fand im Kreishaus zu Hanau eine Besprechung der Bürgermeister des Kreises, der Vorstände der freien Fürsorgevereini­gungen und der Vertreter der Fürsorgeunter­stützungsempfänger, zwecks Durchführung einer Winterhilfe für Erwerbslose und sonstige Hilfs­bedürftige, statt.

Herr Landrat Kaiser, der zu dieser Sitzung eingeladen hatte, begrüßte die zahlreich Erschiene­nen und legte in längeren Ausführungen sein Programm dar, das er in zwei Teile gliederte, einmal

die Winterhilfe und zum anderen die Natural­belieferung

der Unterstützten. Er führte etwa aus: Der Reichspräsident und die Regierung hat zu einer großen Hilfsaktion für den kommenden Winter auf­gerufen, um die Hilfsbedürftigen über den Winter hindurchzubringen. Im Kreise Hanau haben wir zurzeit 1589 Wohlfahrtserwerbslose, dazu kommen 3095 Angehörige, ferner 51 Kleinrentner mit 5 An- gehörigen, 430 Sozialrentner mit 240 Angehörigen und 150 weitere Hilfsbedürftige, das sind 5560 Personen oder 10 Prozent der ganzen Kreiseinge- sessenen, die unterhalten werden müssen. Es kom­men aber noch hinzu die Kriegsbeschädigten, Er­werbslose und Krisenunterstützungsempfänger, so daß im ganzen Kreis gezählt werden

21 530 Personen, die in irgend einer Weise heute Renten und Unterstützungen beziehen.

40 Prozent der Kreisbewohner erhalten also ir­gendwie Unterstützung. Matt braucht diese Zahl nur zu betrachten, um zu wissen, wie groß die Not ist und die bange Frage wirft sich auf, ob es möglich sein wird, auch in den folgenden Monaten das große Elend fern zu halten. Wir haben im Som­mer die Unterstützungssätze um 10 Prozent herab- setzen müssen. Die jetzigen Sätze hoffen wir halten zu können. Wer auch wenn wir diese Sätze halten, dann müssen wir bedenken, daß die Menschen, die wir unterstützen, schon ein Jahr lang arbeitslos waren und schon sehr zurückgeworfen sind. In wei­ten Kreisen macht sich eine Resignation geltend, und es gibt viele, die meinen, man sollte die Dinge laufen lassen. Aber wir sind durch den größten aller Kriege gegangen, wir haben die größte In­flation überwunden und

es wird uns auch gelingen, unser Volk durch die Zell der Not und der Deflation zu bringen.

Die Kreise, an die wir uns wenden können, sind nicht zahlreich und es geht ihnen seihst nicht gut. Die Landwirtschaft hat schwere Katastrophen hinter sich, da 50 Prozent der Frucht vernichtet wurde und der Mittelstand ist am Ende seiner Kraft. Eigentlich reiche Leute gibt es in unserem Kreise nicht, aber wenn wir uns der Schwere der Zeit bewußt werden, wird noch allerhand zur Linderung der Not getan werden können. Der Kreisausschuß, die Bauernschaft und die Fürsorge-Vereinigungen haben zu erkennen gegeben, daß sie sich für die Winterhilfe einsetzen werden-M

Gelnhausen, bat in Gelnhausen, da er den Zug zur Heimfahrt versäumt hatte, den Sohn des Herrn Josef Biba von hier, welcher von einer Lieferfahrt auf dem Heimweg mit Bulldogg und zwei Anhän­gern begriffen war, ihn mitzunehmen. Schon kurz nach der Einfahrt in Somborn wollte der junge Mann den Anhänger verlassen, wurde jedoch von dem Bibaschen initfahrenden Personal mit dem Hinweis darauf, daß bis zur Fabrik Biba nur noch eine

auch in jeder Gemeinde zu tun sein. In jeder Ge­meinde ist ein Ausschuß für die Winterhilfe zu bilden unter dem Vorsitz des Bürgermeisters. Die­ser Ausschuß muß die Fürsorgeorganisationen ein­laden und dann muß eine große, umfassende Sam­meltätigkeit organisiert werden. Zur Mitarbeit sollen alle Kreise ohne Unterschied der Religion und Partei herangezogen werden. Zu sammeln sind Lebensmittel, Bedarfsgegenstände (Schuhe und Kleider) und Bargeld. Die gesammelten Gegen­stände müssen dann nach dem Stande der Bedürf- tigkell verteilt werden. Vielleicht kann auch für Winterbrand gesorgt werden, durch Schlagerlaub­nis trockenen Holzes. Wer in der Lage dazu ist, soll Kinder an seinen Mittagstisch holen. Was in den einzelnen Orten eingeht, soll zunächst im eigenen Ort verbraucht werden, und erst in zweiter Linie

nach ders wird

den Gemeinden kommen, wo die Not beson- groß ist. Ohne Schaffung von Organisationen man aber leicht

zu einem inlerkommunalen Ausgleich

kommen. Sofort ist aber die Sammeltätigkeit ein­zuleiten und eine Sammelaktion zu Weihnachten und im Februar zu wiederholen. Wir müssen mit einem allgemeinen Aufruf vor die Bevölkerung treten.

Dann kam der Redner auf den zweiten Teil des Winterprogramms

die Naluralversorgung zu sprechen. Auf den Gedanken der Naturalversor­gung sei der.Kreis gekommen durch die Ueber- legung, wie die rückständigen Steuern zu mobili­sieren sind. Die Gemeinden haben bei der Kreis­kommunalkaste dauernd eine Schuld von 125 bis 150 000 RM, well sie die Steuern nicht hereinbrin­gen können. Nach langem Ueberlegen ist man zu dem Ergebnis gekommen, einen Teil der Unter­stützung in Gutscheinen zu geben, die zum Kauf von Milch und Kartoffeln von den Landwirten an­genommen werden müssen, die dann ihrerseits die Scheine an die Gemeinde zur Begleichung der Steuern weitergeben können. Man wird die Gut­scheine in den einzelnen Gemeinden je nach Bedürf­nis ausgeben. Größere Schwierigkeiten wird es machen, die Scheine beim Einkauf an Brot und Fleisch zu verwenden, denn es muß auf alle Fälle vermieden werden, auf dem Umweg dieses Systems wieder zur Zwangswirtschaft zu kommen.

In der sich anschließenden

Aussprache

stimmten der Evangelische Wohlfahrtsdienst, der Reichsbund für Kriegsbeschädigte und die Arbeiter- Wohlfahrtsorganisation den entwickelten Plänen zu und erklärten sich zu tatkräftiger Mitarbeit be­reit. Von kommunistischer Selle wurden dagegen Einwände geltend gemacht.

In einem Schlußwort erklärte Landrat Kaiser daß schon in den nächsten Tagen ein Aufruf für die Winterhilfe erscheinen würde, so daß die Sammel­aktion sofort in vollem Umfange durchgeführt wer- kann. " '........—'

ganz kurze Strecke zu fahren sei, daran gehindert. Nachdem nun das Fahrzeug von der Hanauer Straße nach der Fabrik Biba eingetragen war, sprang der junge Kern unbeachtet ab. Entweder ist er nun mit den Kleidern beim Absprung hängen geblieben oder aber er verlor durch den Ruck um die Kurve das Gleichgewicht und stürzte auf den Kopf. Er erlitt einen schweren Schädelbruch, an dessen Folgen er nach zehn Minuten verstarb.

AuS S«a«kku«t a. M

Die Wahrheit bricht sich Bahn — Ein kanadischer Soldat sucht seinen ehemaligen deutschen Feind

: Eine nicht alltägliche Fahndung ist dem Frank­furter Polizeipräsidium zugegangen: Vor einigen Monaten erschien bei dem deutschen Konsul in Winnipeg (Kanada) ein ehemaliger kanadischer Kriegsteilnehmer namens Muston, der folgendes erzählte: Im Jahre 1916 habe er in einem briti­schen Kriegslazarett an der Somme bei St. Poht en Artois mit einem deutschen verwundeten Unteroffizier zusammengelegen. Es handelte sich um einen Unteroffizier der preußischen Garde namens Weiß, der aus Frankfurt a. M. gebürtig fein soll. Diesem ehemaligen Feinde habe er da­mals das Eiserne Kreuz.und das Soldbuch weg- genommen. Jetzt nach vielen Jahren fei er zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Behauptung von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege auf einem großen Irrtum beruhe, außerdem habe er in den letzten Jahren hinreichend Gelegenheit gehabt, das deutsche Volk von einer ganz anberen Seite kennen zu lernen und daher auch feine Ansicht über das­selbe von Grund auf zu ändern. Er habe daher das dringende Verlangen, seinem ehemaligen Feinde die diesem abgenommenen Ehrenzeichen etc. wieder zurückzugeben, überhaupt möchte er sich mit diesem in Verbtnudng setzen. — Mit Rücksicht auf die diesem Ersuchen zuarundelieaende Tendenz hat der deutsche Konsul in Winnipeg sich an das Reichs- archio nach Berlin gewandt, das nun ben Unter« ofnziar Weiß aus Frankfurt sucht. Er wird ge­beten, sich zu melden.

Das Frankfurter WarakhonDauer-Tanzlurnier

: Das Marathon-Dauer-Tanzturmer hat am Donnerstag abend in ber* Frankfurter Festhalle seinen Anfang genommen. Diese echt amerikanische Angelegenheit hatte am ersten Abend bei der Frankfurter Bevölkerung noch kein allzustarkes Echo gefunden, was aber an sich nicht zu verwun­dern ist, da das Interesse des Publikums an einer solchen Veranstaltung naturgemäß erst mit ihrer Dauer wachsen wird. Die 30 Paare, die nun Tag und Nacht durchwalzen und -faxen wollen. begaben sich in leichter Kleidung und solidem Schuhwerk an den Start. Sie waren in ben ersten Stunden noch sehr munter und überraschten bas_ Publikum durch Einlagen von Solo- und Grotesktänzen. Sie tanzen jeweils 45 Minuten und erhalten dann 15 Minuten Pause, die sie in Ruhezeiten verbringen. Die „Fütterung" wird täglich achtmal während des Tanzens durch die Diätküche des Veranstalters vor­genommen. Inzwischen wird der „Baumsis^r", der in einem beauemen Stuhl auf einem Mast über dem Dach der Festhalle Platz genommen hat. bis zum Ende der Veranstalmng frierend und zähne­klappernd seine Tage verbringen.

Lastzug aus Höchst in Bayern verbrannt

: Wie aus Remlingen gemeldet wird, geriet auf der Ortsstraße vor Remlingen ein beladener Last­zug mit Anhänger in Brand. Der Anhänger konnte durch die Feuerwehr noch aerettet werden. Der .Fug war von Höchst nach Müncben unterwegs; der Brand dauerte länger als zwei Stunden.

A«s Haft und Lern

Sprengstoffanschlag auf das „Kasseler Volksblalt"

— Kassel, 16. Okt. Gegen die Geschäftsräume des sozialdemokratischen „Volksblattes" wurde heute morgen gegen 3 Uhr von unbekannten Tätern ein Sprengstoffanschlag verübt. Nach den bisheri­gen Feststellungen ist' eine mit Sprengstoff und Eisenteilen gefüllte Zigarrenkiste, die mit Bind­faden umwickelt und durch das Eisengitter vor die Ladentür gelegt und mit einer Zündschnur zur Ex­plosion gebracht worden. Die Ladung durchschlug die Mauer unterhalb des Schaufensters und zer­trümmerte die Ladentürscheibe sowie die beiden Seitenscheiben. Personen wurden nicht verletzt. Der

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