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Ar. 240

Dienstag, den 13. Oktober 1931

Seile 3

Stadt Kanan

Kvkeg de« Statte« r

Nach Berichten aus den verschiedensten Gegen­den des Reiches, vor allem aber aus 9torb= und Westdeutschland, hat die Zahl der Ratten im Laufe dieses Jahres erschreckend zugenommen. Aehnliche Meldungen kommen auch aus Holland, Belgien und Nordfrankreich. In einzelnen Hafenstädten kann man die Zahl der Tiere auf runde Millionen schätzen, aber auch die Städte des Binnenlandes sind von der verheerenden Plage nicht verschont ge­blieben. So wird z. B. aus Recklinghausen gemel­det, daß der Bestand an Kleingeflügel durch die Ratten dezimiert worden sei. Die Stadt hat eine Reche von Abwehrtagen angesetzt, an denen mit Fanggeräten und Gist gegen die Tiere vorgegangen werden soll. Außerordenüich gefährlich sind die Ratten weiter für die Landwirtschaft, gerade jetzt zur beginnenden Winterzett drohen die Tiere in die gefüllten Scheunen einzubrechen und in die Hüh­nerställe, wo sie am Getreide und Eiern die Nah­rung finden, die ihnen zur warmen Jahreszest auch draußen geboten ist. Die Hamburger Hafenbehörde, die auch einen Großkampf gegen die Ratten in den Silos und Lagern plant, schätzt, daß eine Ratte in einem Jahr rund 38 Kilogramm Brotgetreide frißt. Daraus mag die Landwirtschaft ersehen, welchen Schaden die Nager in den Scheunen anrichten. Es handell sich bei dieser Plage um die graue Wander­ratte, die stärkere, gefährlichere und gefräßigere Art, die auf ihrem Ost-West-Zuge die kleinere, schwarze Hausratte schon fast vollkommen verdrängt hat. Gegen diese großen Tiere kann auch unsere Hauskatze viel weniger ausrichten als gegen die Hausratten. Sehr interessant ist es darum zu hören, daß der französische Zoologe Dr. A. Loir den verschiedensten europäischen Behörden eine neue Katzenzüchtung angeboten hat, die besonders freßlustig auf Ratten sein soll. Es bleibt abzuwar­ten, ob die neue Katzenart das häll, was sie ver­spricht. Wir können aber auf diese Resultate jetzt nicht warten, da die Plage immer mehr anwächst. Wir müssen vorerst mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, in den Rattenkrieg ziehen.

Sitte Evwwevuns der Haus- betttzevveverne

Dom Bezirksverband Hessen-Nassau-Süd der Haus- und Grundbesitzer-Vereine wird uns ge­schrieben: Im „Hanauer Anzeiger" vom 1. Oktober 1931 war eine Protestentschließung des Provinzial- verbandes hessen-nassauischer Mieter zur Hauszins- steuersenkung abgedruckt, deren Schlußsatz lautet: „Der ProvinZialverbanb protestiert namens seiner vielen tausend Mitglieder aufs Schärfste gegen den neuen Raubzug auf die Taschen der verarmten Mieter und ruft Ler Reichsregierung zu: Werde hart und weise die unverschämten Forderungen des unersättlichen Interessentenhaufens zurück." Hier- mit sind gemeint die Vorschläge, die die Spitzen- verüLnde der gesamten deutschen Wirtschaft auf Grundlage Les Humar-Planes der Reichsregierung zur Sanierung Les GrunLkredites durch Senkung Ler Hauszinssteuer unterbreitet haben, und Leren ebt, die Hauszinssteuer soweit zu sen.

h

rigorosen Maßnahmen eine Reform Les Dermal

gleichzeitig für eine Wiederherstellung der ente aus dem Grundbesitz geschaffen wird; denn ohne Mietensenkung keine Befriedung des Verhältnisses zwischen Mieter und Vermieter, ohne Wiederher­stellung der Rente aus dem Grundbesitz kein Er­trag aus den Häusern, ohne Ertrag kein Wert, ohne Wert keine Kreditunterlage, ohne Kreditunterlage in Grund und Boden Kapitalflucht, Konkurse unb Arbeitslosigkeit. Nur die Wiederherstellung eines an­gemessenen Ertrages aus den Häusern kann das Fluchtkapital in den deutschen Grund und Boden aus dem Ausland zurückführen und kann hierdurch die Betriebsmittel für billige Hypotheken und für wirtschaftliche Unternehmungen schaffen. Wirtschaft- liche Unternehmungen geben aber der Arbeiterschaft Arbeit und Brot.

Wenn sämtliche Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft dies als richtig erkannt haben und , die Reichsregierung jetzt durch Senkung ber Hauszins-

c6w ‘ifo/ffpW Kriminal-Roman

Don Cuife westkirch

Copyright by Max Seyfert. Ver In gehn eh Handlung Dresden

35. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

„Nichts Verbotenes. Eine Wrechnung. Ein Abschied. Ich glaubte auch La noch, wir kämen voneinander los. Ich wollte es. Ich fürchtete Heese­manns Eifersucht. Ich war feig, müd. Ich wollte vom Leben nichts mehr als Frieden."

»Sie sind aber nicht von einander losgekom­men."

»Es scheint das Verhängnis der Eifersüchtigen, zu fördern, was sie verhüten möchten. Heesemann, der mich seit unserem Hochzeitstag mit grundlosen, uh schwöre es Ihnen, ganz unbegründeten Ver­dächtigungen gepeinigt hatte, ahnte Ungewöhn­liches. Er war den ganzen Abend gereizt gegen Jlefeld, gegen mich. Er ließ sich hinreißen, mir rücksichtslos zu begegnen. Jlefeld trat für mich ein. ~5 wurden ein paar unfreundliche Worte zwischen dkn beiden gewechselt. Dann fuhren wir heim/

War nun ein heftiger Zank zwischen Herrn von cheeiemann und Ihnen die Folge?"

. »Zu einem Zank gehören zwei. Ich hab mich we mit ihm gezankt."

„.In den drei Jahren Ihrer Ehe nicht? — Das uraulein von Ramin, das ich kannte, war tempe­ramentvoll — soviel ich mich entsinne." m »In der ungeheuren Enttäuschung über meinen Jtann war mein Temperament gestorben. Ich wie eine Tote neben ihm hin gelebt— bis zu msmem Erwachen."

„Ihr Erwachen? Was verstehen Sie darunter?

. .Ja, wie soll ich es Ihnen deutlich machen?! Ich als junges Ding viel Herrliches rom Leben k 5 ™etn gutes Recht erwartet. Als ich das Wesen ^ Cannes erkannte, den meine feige Vorsicht hatte wählen lassen, da wurde ich vor Entmutigung I umps wie der Stein am Weg. Ich wagte nichts »u wollen, zu planen. Ich liebte auch nichts m™ âwal mein Kind, denn es war Heese- Kind. So war es vor jenem Jagdtag ge= ®pen. Am folgenden schickte Herr von Jlefeld

deinem Mann seine Kn'rtesttröger. Verstehen Sie? dieser Zusammenkunst verabredet?"

VerivLstagung des Kandwerrs- «nd Geweeveamtes

Das Handwevk und Gewerbe vevlaugi die Be-eMgung der Hausrlnsfteuev und den Abbau dee Lwausswivtichast

Die diesjährige Vezirkstagung des Handwerks» und Gewerbeamtes Hanau fand am vergangenen Sonntag in Schlüchtern statt. Trotz der schweren wirtfchafüichen Not, die auf dem gewerblichen Mittelstände lastet, war der Besuch dieser Ver­anstaltung aus allen Teilen des Bezirkes besonders aber aus dem Stadt- und Landkreise Hanau überaus zahlreich, Hauptgegenstand der Erörte rungen bildete die gegenwärtige Wirtschaftslage des Handwerks und Gewerbes Die Notoorordnungs! pMtik der Reichsregierung, auch die letzte Notver­ordnung vom 6. d. M. hat keinen Ausweg aus dem ungeheuren wirtschaftlichen Elend, in dem sich das deutsche Volk und insbesondere der gewerbliche Mittelstand befindet, gezeigt. Die Maßnahmen der Regierung sind bisher nur Stückwerk gewesen. Vor allem dem gewerblichen Mittelstand gegenüber hat die Politik der Reichsregierung vollständig versagt. Es ist 'daher nicht zu verwundern, daß Mut- und Hoffnugslofigköit in den Kreisen des Handwerks und Gewerbes immer mehr um sich greifen, da eine Besserung der Verhältnisse unter den obwallenden Umständen nicht erwartet wird. Die allgemeine Klage über die Vernachlässigung der mittel- ständischen Wirtschaft bei allen Regierüngsmaßnah. men, die bisher erfolgt find, kam in beredten Wor­ten zum Ausdruck. Weder auf steuerlichem Gebiete, noch hinsichtlich der Beschaffung von Arbeitsmögliche ketten, bzw. des Schutzes der gewerblichen Ärbött find irgendwelche Maßnahmen' ergriffen worden, die zu einer Besserung Ler Verhältnisse des gsweMichen Mittslstanües führen könnten. Die steuerliche Belastung lastet in unven minderter Schwere auf ber Wirtschaft und lähmt jede Unternehmungslust und Arbeitsfreudigkeit. Das Schwarzarbeiterunwesen greift immer mehr um sich und untergräbt die Existenz des gewerblichen Mittelstandes. Regiebetriebe des Reiches, der Län­der und Gemeinden machen in immer empfind­licherer Weise unlautere Konkurrenz. Arbeitslosig­keit in den Kreisen des selbständigen Handwerks und Gewerbes ist zur Regel geworden. Der Ruf nach Arbeit, die Forderung zur schnellsten Beschaf­fung von Arbestsmöglichkeiten bildete daher das immer wiederkehrende Thema aller Diskussions­redner.

Nach Eröffnung der Verfammluno durch den Vorsitzenden des Handwerks- und Gewerbeamtes Hanau, Herrn Schneidermeister Georg Gilbert, der bereits in feiner Begrüßungsansprache auf die wesentlich verschlechterten Verhältnisse glegenüber der letzten Tagung hinwies, schilderte Herr Syndy- kus Dr. Ferber die bisherigen Maßnahmen der Regierung zur Behebung der Wirtschaftskrisis im allgemeinen und unter dem besonderen Gesichts­punkt des gewerblichen Mittelstandes . Er kam zu dem Ergebnis, daß die NotverordnungspolM der Regierung mit vollständig unzulänglichen Maß­

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Bild von dem hohen Stand der LehrRngsauMl- tungs- und Steuerwesens, der Sozialpolittk und der dung ihn Kreise Schlüchtern vermittelte.

steuer den ersten Schritt zur Verwirklichung des Humar-Planes tut, bann liegt es nunmehr an der tätigen Mitarbeit aller Kreise, sowohl auf feiten der Vermieter, als auch auf Seiten der Mieter, weiter an diesem Projekt zu arbeiten, indem mit der nächsten Senkung der Hauszinssteuer eine Sen­kung der Mieten verbunden wird und hierdurch den Wünschen aller Beteiligten Berücksichtigung zuteil wird.

Durch die unsachlichen Bemerkungen von Ent­schließungen vorstehender Art wird aber in der Sache gar nichts geholfen, weder den Mietern noch der Wirtschaft. Man kann wohl auch annehmen, daß derartige Papierproteste von der Reichsregie­rung nicht ernst genommen werden.

Meinetwegen tat er das. Der kurze Wortwechsel zwischen ihm und Heesemann war kein Grund — Heesemann blieb immer vorsichtig, auch in der Wut — nur ein Vorwand wars. Für mich geschahs. Begreifen Sie? — Niemand hatte nach mir gefragt Jahre lang, niemand gehörte zu mir. Und da war nun eineri der liebste Mensch, Len Lie Erde je für mich getragen hatte — Ler hatte mich lieb. Der setzte ohne Zögern sein junges, frohes Leben ein für mich — mich, die ich in meiner verbrecherischen Klugheit ihn fortgestoßen hatte! — Das riß mich auf. Das rüttelte mich wach. Auf einmal war das Leben wieder schön! Auf einmal konnte ich wieder lachen und glauben. Gott, wie bin ich an dem Abend glücklich gewesen."

„Wie stellte sich Herr von Heesemann zu der

Forderung?" . , ,

„Er nahm sie nicht an, natürlich. Ich sage Ihnen ja, er war vorsichtig. Was kümmerte das mich? Nicht einen Augenblick — glauben Sie mir, ich lüge nicht in dieser Stunde — nicht einen Augenblick hab ich erwogen, gehofft, daß Heesemann von Ilsfelds Hand fallen möchte. Ich hab seinen Tod nicht gewünscht, nicht damals, nicht später. Gar nicht dran gedacht hob ich. Ich fühlte nur das eine: „Da ist ein Mensch, der hat dich lieb. Du bist mcht mehr allein in der Welt. Einer ge­hört zu dir. Und — mag sein Leichtsinn uferlos sein wie das Meer — er ist der warmherzigste, der herrlichste, der sonnigste Mensch, den die Erde trägt. Da schrieb ich an ihn."

„Sie schrieben an Herrn von Jlefeld?"

„Sa. Ich wollte ihn sehen, zu ihm reden. Das begreifen Sie. Heesemann pflegte SonnabenÄs nach Hamburg zu fahren. Sonnabends konnte ich über Len Wagen ungefragt verfügen. So schrieb ich an Herrn von Jlefeld, daß ich ihn Sonnabend im Seeberger Wald treffen wollte."

„Herr von Jlefeld leugnet aber, am Sonnabend mit ihnen zusammengetroffen zu sein."

„Er leugnet?! — Ja, das sieht ihm gleich. Er möchte meinen Ruf schonen. Aber hier steht mehr auf Lem Spiel, als der zerzauste Ruf einer Frau. Ja, einst bin ich besorgt um diesen Ruf gewesen, daß ich sogar die Schmach meiner Che stumm ge- tragen habe. Das ist vorbei. Mögen alle Läster­zungen im Lande diesen Ruf zerreißen, wenn nur Slefelb rein wird von dem Mordverdacht!"

Was haben Sie nun mit Herrn von Jlefeld bei

Zwangswirtschaft durchzuführen, habe sie der Wirt­schaft und insbesondere dem gewerblichen Mittel­stände nur neue Belastungen beschert, ohne das ausschlaggebende Problem' der Arbeitsbeschaffung mit nennenswertem Erfolg in Angriff zu nehmen. Er kritisierte insbsondere die neueste Notverord­nung, von der man sich allgemein angesichts des schweren Winters, der uns bevorsteht, durchgrei­fende Maßnahmen versprochen hatte. In Anleh­nung an die kürzlich veröffentlichte Erklärung der Wirtschaftsoerbände Deutschlands formulierte er dann die Forderungen, die die Spitzenverbände des Handwerks fett' Jahren erhoben haben. Er machte sich die Forderungen der Wirtschastsverbände bezüglich der radikalen Abkehr der Wirtschaftspolitik von sozialistischen Tendenzen zu eigen und begrün­dete eingehend die Forderungen auf Beseiti­gung der Zwangswirtschaft auf dem Gebiete des Wohnungs- und Tarif- und Schlich­tungswesens, auf Beseitigung der Regiewirtschaft und auf Einführung eines gesetzlichen Vâotes der Schwarzarbeit.

Nach einer eingehenden Diskussion, in der die Ausführungen des Referenten unterstrichen und Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung, insbesondere durch vollständige Beseitigung der Hauszinssteuer gefordert wurLen, fand eine Entschließung, die nach­stehende Forderungen enthält, einstimmige An­nahme:

L Abbau der steuerlichen Belastung und Beseiti- gung der rigorosen Verzugszuschläge für rück­ständige Steuern;

2. Beseitigung der Hauszinssteuer als Mittel direkter Belebung des Wirtschaftslebens;

3. Aufhebung jeglicher Zwangswirtschaft, insbe­sondere auf dem Gebiete des Wohnungs-, Tarif- und Schlichtungswesens;

4. Gesetzliches Verbot der Schwarzarbeit und Maßnahmen gegen die unlautere Konkurrenz der Doppelverdiener;

5. Beseitigung der Regiebetriebe, soweit eg sich nicht um gemeindliche Versorgungsbetoiebe handelt.

Ueber ein Thema, das vor allen Dingen das Baugewerbe angeht, referierte Herr Maurermeister Konrad Fuchs-Langenselbold. Es handell sich um eine neue Bauordnung, die für die Landgemein­den in Vorbereitung ist und zu deren Entwurf die Handwerkskammern in Verbindung mit den Bau­gewerksinnungen Stellung nehmen sollen. Herr Fuchs forderte insbesondere die einzelnen Bau­handwerker auf, geeignetes Material zur Verfügung zu stellen, das die Unzulänglichkeit der bisherigen Bauordnung einwanLsfrei begründen kann. Es wurde die Anregung gegeben, in einer besonderen Bauhandwerker-Versammlung nochmals zu dieser Frage Stellung zu nehmen.

Am Nachmittag besichtigten die Teilnehmer die

Die Teilnahme am Rundfunk

Aus allen Rundfragen, die bisher über die Teil­nahme des Publikums an den Rundfunkdarbie­tungen veranstaltet wurden, hat sich bisher noch nichts anderes ergeben, als was jeder Einsichtige schon längst weiß, daß Unterhallungsmusik bevor­zugt wird. Mes weitere ist von der Person des Hörers abhängig, denn es ist klar, daß ein Vor­trag, der den einen aufs höchste interessiert, den» andern völlig gleichgüllig läßt. Deshalb kommt es ganz auf die Auswcchl der Themata und der Reden an, die aber leider bei den Programmleitungen stark durch Protektionswirtschaft beeinflußt wird.

„Verabredet? Ich hab ihm gesagt, was ich für ihn empfand. Er mir auch."

„Es wird behauptet — nicht bloß in dem Artikel der Zeitung — Sie hätten in dieser Unterredung von Herrn von Ilsfeld gefordert, daß er Ihren Gemahl töte."

„Das hab ich nicht getan — so wahr mir Gott helfe in dieser größten Not meines Lebens! Die Scheidung zu fordern und Lurchzusetzen, war ich entschlossen. Der Möglichkeit seines Todes haben mir mit keinem Wort gedacht."

„Gnädige Frau, man kann eine Sache be­gehren, sie dem anderen nahe legen, ohne sie mit Namen zu nennen. Sollten Sie nicht durch irgend­ein Wort, eine Andeutung — vielleicht unabsichtlich — den Anstoß gegeben haben" —

„Ob ich" -

„Seien Sie wahr, gnädige Frau!"

Sie stand, schwer atmend, blaß bis in die Lip­pen. Ihre rechte Hand zerrte an ihrem Handschuh, und ihre Augen blickten irr vor QuaL

„Das ist das Schwerste", sagte sie endlich, kaum verständlich. „Aber Sie sollen mir ja helfen. Ich will auch das Letzte, Aeußerste sagen. Herr von Jlefeld war — er war — als ich zu ihm sprach, war er" —

„Ms er Ihre Gesinnungen für ihn erfuhr, ist er jedenfalls in eine sehr leidenschaftliche Aufregung geraten", half Osten ein.

„Sa, ja."

„Er hat seinen Gefühlen für Sie, seinen Hoff­nungen und Wünschen rückhalüos Ausdruck ge-

geben."

„Er sagte mir, daß seine Dermögenszustände sich verschlechtert hätten, daß er jedenfalls Raven- horst nicht würde halten können, daß —"

Olten unterbrach. „Sagte er Ihnen, daß es Herr von Heesemann sei, der ihn von seinem Erb­gut trieb?"

Sie hob mit raschem Aufschlag die gesenkten Lider. „War auch das Heesemanns' Werk? — Da­von weiß ich nichts. Aber es sieht ihm gleich. Ja, es sieht ihm ähnlich!"

„Verzeihen Sie die Unterbrechung. Also Herr von Jlefeld sagte Ihnen, daß er von Ravenhorst fort müßte?"

„Sa. UnL daß er ins Auslaß gehen werde, nach Afrika oder Südamerika, bald, in Wochen, in Tagen. Ich sollte chn kurzweg begleiten, forderte, 1 er." —

Von einer Rundfrage an die Jugend, die voll dem Institut für Zeitungskunde in Berlin ausging, sind 5000 beantwortete Fragebogen bearbeitet wor­den. Daraus ergibt sich, daß bei allen Jugendlichen die Unterhaltungsmusik in jeglicher Form weitaus an der Spitze des Interesses steht. Prozentual füh­ren da die Berliner Berufsschüler mit 42,5 Prozent. Ueber dem allgemeinen Durchschnitt stehen auch die Volksschülerinnen mit 34,3 Prozent, unter dem Durchschnitt die Volksschüler mit 23,1 Prozent. Von den höheren Schülern geben 30 Prozent Mädchen, 29,3 Prozent Jungen die Unterhallungsmusik an 1. Stelle an. Diese Zahlen beziehen sich nur auf Berlin. Auch in der Provinz Brandenburg steht die Unterhaltungsmusik an der Spitze.

Bei sämtlichen höheren Schülern von Berlin und Braunschweig und den Berufsschülern in Preu­ßen folgt an zweiter Stelle die ernste Musik. (Ber­lin: Mädchen 21,3 Prozent, Jungen 17,1 Prozent.) Die Volks- und Berufsschüler Berlins aber nennen an zweiter Stelle Tagenachrichten, was verständlich ist, wenn man an die starke Politisierung der Ber­liner Massen denkt. Die Politik selbst (politische Vorträge usw.) erscheint bei allen erst an achter Stelle. Die Berliner Volksschülerinnen im Aller von 12—15 Jahren nennen als einzige an zweiter Stelle die Jugendstunde (15,6 Prozent), während sie bei den Berliner Volksschülern erst an vierter

Stelle (13,5 Prozent) erscheint.

An britter Stelle nennen sämtliche höheren Schü­ler mit einer Ausnahme Vorträge (Verlin: männ­lich 12,3 Prozent, weiblich 11,9 Prozent). Nur die höheren Schülerinnen der Provinz Brandenburg nennen an dritter Stelle Tagesnachrichten, während die Vorträge bei ihnen an vierter Stelle stehen. Bei den Berufsschülerinnen in Preußen stehen Sende­spiele, bei den Berufsschülern Tagesnachrichten an dritter Stelle. Alle übrigen nennen hier die c""'

Musik.

An vierter Stelle folgen ganz verschieden

ernste

ange»

ihnen

gebene Sendespiele und Tagesnachrichten.

Erstaunlich ist, daß die Jugendlichen den eigens gewidmeten Sendungen der Jugendstunden außerordentlich geringes Interesse entgegenbringen. Auch hier liegt zweifellos ein Fehler in der Pro­

grammgeftaltung vor.

• Daten für 14. Oktober. 1066: Sieg Wilhelm des Eroberers über König Harald bei Hastings. 1758: Niederlage Friedrich des Großen bei Hoch­kirch. 1806: Siege Napoleons I. und Davouts über die Preußen und Sachsen bei Jena und Auerstädt. 1813: Beginn der Schlacht bei Leipzig. 1919; Rati­fikation des Versailler Vertrages durch Frankreich. 1644: William Penn in London geb.

* Das Fest der silbernen Hochzeit begehen heute, 13. Oktober, die Eheleute Wagnermeister Valen­tin Heil und Frau, Nordstraße 42.

* Betriebsunfälle. Ein 20jähriger Arbester kam bei einer hiesigen Großfirma vergangene Nacht ge­gen 3 Uhr mit der rechten Hand zwischen zwei Wal­zen, die gequetscht wurde. — Ein zweiter Unfall er­eignete sich gestern abend %7 Uhr in Bruchköbel in der Scheune eines Landwirts. Der 52 Jahre alte Landwirt stürzte von der Lester und fiel auf eins landwirtschaftliche Maschine. Er hat die Kniescheibe gebrochen. Beide Verletzten wurden von der Sani»

* Bevölkerungsvorgang im September 1931. Es wurden 34 Kinder (6 unehelich) lebend und 1 ehe­liches tot geboren. Es starben 33 Personen, und zwar an Tuberkulose 4, Krebs 4, Zuckerkrankheit 2, Gehirnschlag 9, Altersschwäche 2. Unter 1 Jahr starb 1 eheliches Kind.

* Reichs-Edeka-Woche. Unter dem Geleitwort: „Die Edeka, der Helfer in der Not", treten die un­ter dem Namen „Edeka" zusammengeschlossenen selb­ständigen 30 000 Kolonialwaren- und Feinkosteinzel» Händler während der Reichs-Edeka-Woche vom 10. bis 17. Oktober in einer Kundgebung an die Oeffent- lichkeft, um ihre durch den gemeinsamen Großein­kauf bedingte Leistungsfähigkeit besonders eindrucks­voll unter Beweis zu stellen. Siehe auch Inserat.

* Freibank-Verkauf am Mittwoch, 14. Oktober 1931, von 8 bis 9 Uhr. Zum Verkauf kommt Rind­fleisch. Preis Pro Pfund 20 Pfg. Höchstgewicht 2 Pfund.

„Waren Sie einverstanden?"

„Nein! Und das ist es, was ich mir nie im Leben vergeben werde. Ich wollte reinliche Sachs haben, verstehen Sie? Unsereins saugt die An­betung der Regel ja mit der Muttermilch ein. Die Scheidung wollte ich zuvor erlangen, gang säuberlich und öffenttich losgesprochen werden von dem Mann, der unsere Ehe hundertmal gebrochen hatte. Dann erst, wenn kein Philister im Lande das geringste dagegen einwenden konnte, wollte ich mich dem Manne schenken, den ich geliebt habe, seit ich ein Weib war."

„Sie sagten zu Herrn von Jlefeld: „Wenn ich frei bin! Sobald ich frei bin!"

„Ich weiß nicht mehr, ob das die Worte waren." „Ja, Sie riefen: „Wenn ich frei bin!"

„Es ist möglich."

„Das war gegen halb sechs Uhr nachmittags?" „Ja."

„Und zwei StunLen darauf lag ihr Gemahl ermordet auf den Schienen."

Sie sprang auf „Das ist es ja, was mich auf» schreien ließ, als Sie mir die Todesnachricht brach- ten, was mich fast verrückt gemacht hat! Der Gedanke, die Möglichkeit, daß meine Protzentugend aus dem herrlichsten Menschen Las gemacht haben könnte! Lieber, als das glauben zu müssen, wollte ich gleich sterben. Aber dann kam die Vernunft, sagte mir. es kann, es kann ja nicht sein! Jlefeld ist keiner, der heimlich, hinterrücks einen Feind aus dem Weg räumt. Sie kennen ihn auch. Darum komme ich zu Ihnen. Sie sollen mir wiederholen. Sie sollen es beweisen, daß es unmöglich ist, Laß er der Mörder sein kann."

„Jlefeld ist ein sehr leidenschaftlicher Mensch, gnädige Frau."

„Aber kein hinterlistiger!"

„Heesemann hat gegen ihn auch heimtückisch ge­handelt, ist dem offenen Kampf ausgewichen und hat heimlich Ilsfelds Existenz untergraben. Und wenn Sie sich ihm versagten, wenn er von hier fort mußte, und sah Monate, Jahre zwischen sich und ein Wiedersehen mit Ihnen gerückt —"

„Sie glauben trotzdem nicht, daß er der Mor, der ist, so wenig wie ich es glaube. Herr von Olten, helfen Sie uns! Uebertreffen Sie sich selbst! Bieten Sie all Ihren Scharfsinn auf! Finden Sie den wirklichen Täter!"

(Fortsetzung folgt).