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Ar. 238

Samstag, den 10. Oktober 1931

Sette S

Stadt Sana«

Der Wes rum rechten Lachen

Don Reinhold Braun.

Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die Gutes in den Men­schen hineinhuschen kann.

Christian Morgenstern.

Der Weg zum Lachen . . . „Sonntags-Schrei­ber, wie kannst du nur in dieser blut-ernsten Zeit solch ein Thema wählen!" höre ich manchen sprechen.

Wart' ein Weilchen, wenn du denkst, daß der gemeinte Weg ein Kino- oder Jahrmarktsweg sei, dann bist du halt auf dem Holzwege oder — modern gedacht — Asphalt-Wege, der in die Wirr­nis führt. Er bedeutet auch keinen Manegen-Ulk und keine Harlekinade.

Dem verständigen Gemüte stellt er sich gar bald als ein Weg ins Abseits dar, und vielen wird er zum Gipfelpfad.

Es ist der Weg, den die Meister der Armut gehen, die heimlichen Könige, ein echter und rech­ter Menschenweg mit allen Irrungen und Wirrun­gen und wohl auch Strecken, da die Wüste uns anfällt wie ein ungeheurer Vampyr.

Es ist der Weg, da die wahrhaften Helden schreiten, Menschen im Harnisch mit der Blume in der Hand und dem Herzen des Kindes in der Brust.

Der Weg, da die Verständigen und Verstehen­den wandeln mit dem Glanz in den Augen, der von innen kommt.

Der Gottes-Kind-Weg ist es, da von uns Krempel um Krempel abfällt wie beim alten Weih­nachtsphilosophen, dem Wilhelm Raabe, oder bei seinem olympischen Urfreunde, dem Goethe. Ja, wenn man mit diesen beiden wandert, da lernt man das Lachen des „hohen Menschen" und lernt gleich­zeitig, alles von sich abtun, was nicht zu einem gehört und lernt das fröhliche Meiden und das „Los-lasien" der starken Seele.

Fürwahr, ich selber hab's erfahren, daß man Knif diesem Wege den ganz Feinen und Weisen be­gegnet, denen, die in Wahrheit die verordneten Diener des Höchsten sind, weil sie mit ihrem ganzen Menschen und Dasein Verkünder, der göttlichen Wirklichkeit sind.

Ich sehe ihn noch neben mir schreiten, den klei­nen, stockdünnen, alten Maler, Augen und Herz voll Ludwig-Richter-Licht, in aller Not-Ständ sei­nes einfalt-treuen Lebens immer lächelnd: gütig, fein, schön aus Weisheit. Sagte er mir nicht beim letzten Male, als wir auf allerlei Drückendes zu sprechen kamen, das die Zeit mit sich brachte: „Mein Leben ist an Weniges gebunden!"

Ein Einsamer ist er ohne Schuld. Seine Kin­der verliehen ihn und folgten der Mutter, seinem ungetreuen Weibe, das ihn nicht verstand und ihm den größten Schmerz seines Lebens bereitete.

Und als ich ihn nun fragte: „Welches ist dieses Wenige, an das Ihr Leben gebunden ist?"

Da blieb er stehen, sah mich leuchtend an und sprach ganz schlicht, fast demütig: „Das Wenige heißt: Gott und meine Kunst!"

Und dabei stand wieder in seinem Gesichte das Lächeln, das ich an ihm so liebe, weil es Ausdruck seiner großen Reife ist, seines Ueberwundenhabens.

Ja, an ihm erlebte ich, daß der Weg zum rech­ten Lachen und weisen Lächeln der Weg ist, auf W, und daß er in allen Bitternissen ein ^rechter „heiliger Hunger-Weg" bleibt.

An seinem Rande stehen die schlichten Herber­gen „Zum guten Herzen", darin man allerlei merk­würdige Wanderer trifft aus der Sippe derer „zwischen zwei Welten"! Und in den Herbergen ist um Menschen und Dinge das klare liebe Herr­gottslicht, und der ewige Nazarener ist 'oft Gast unter den Gästen, die aus den vier Welt-Ecken wandern.

Und das Lachen in der Herberge! Fürwahr, das ist kein Schenkenlachen, sondern das des rei­nen Herzens, der kindhaften Freude, und dabei sitzen doch manche mit schweren Narben unter den Herrgottslächlern.

O du Weg zum rechten Lachen, bist nicht immer ein Frühlingswiesenpfad/ sondern zuweilen ein wil­der Herbst- und Winterweg mit Nebeln und oft voll des weißen, scharfen Sturmes.

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Kriminal-Roman

Don Luise Weslkirch

Copyright by Max Seyfert, Verlagsbuchhandlung. Dresden

33. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Olten sprang auf.

„Führen Sie die Dame herein. Ich bin für Niemand sonst zu Hause."

„Sehr wohl, Herr Leutnant."

Anna von Heesemann trat über die Schwelle, schlug den Kreppschleier zurück. Mit dem Ausdruck eines gehetzten Wildes funkelten ihre großen, brau­nen Augen den Polizeileutnant an.

Der trat auf sie zu, beide Hände ausgestreckt.

„Gnädige Frau — Sie — Sie kommen zu Mir?!"

Sie hatte einen Augenblick stumm gestanden. Es schien sie Mühe zu kosten, die Lippen zu bewegen.

„Retten Sie mich!" sagte sie endlich.

„Was kann ich für Sie tun, gnädigste Frau?

„Retten Sie mich vor mir selbst — vor meinen eigenen Gedanken! Und retten Sie ihn! Sie sind der einzige, der es vermag, der einzige, zu dem ich Vertrauen habe. Aus alter Freundschaft! Sie sind doch einmal mein Freund gewesen. Sein Freund sind Sie heute noch. Darum komme ich zu Ihnen. Meine andern Freunde sind lieb und gut zu mir. Aber was vermögen sie? — In Ihrer Hand liegen alle Fäden, Sie sehen durch all die unseligen Ver­kettungen. — Retten Sie uns!"

„Gnädige Frau, ich begreife, der plumpe Artikel im Morgenblatt hat Sie verstört. Bitte, setzen Sie sich in den Sessel da und versuchen Sie vor allem, ruhiger zu werden. Daß ich für das einstige Fräu­lein von Ramin tun werde, was in Menschenkräften steht, bedarf wohl keiner Versicherung. Ich bitte jedoch, zu bedenken, daß es Geschehnisse gibt, die ihre Entwicklung unabänderlich in sich selbst tragen. Ich will sagen, ich bin in diesem Fall nur ein Rad in ^er Maschine und muß meine Schuldigkeit tun, es jei mir lieb oder leid."

Anna von Heesemann hatte sich auf den ihr ge­botenen Stuhl gesetzt. „Ach," rief sie außer sich, „wissen Sie's denn nicht klar und zweifellos, daß er tem Mörder ist?!"

in der Hanauer Grwerbs- ßofenküche

Zu den Städten, die zuerst an die Einrichtung von Erwerbslosenküchen gedacht haben, gehört Hanau. Die große Erwerbslosigkeit — wir halten ja in Preußen noch immer den traurigen Rekord, die Stadt mit den relativ meisten Erwerbslosen zu sein — hat besondere Mittel notwendig gemacht.

„Eine Wehrpflicht gegen die Not" muß geschaffen werden, um über eine schlimme Zeit hinweg zu kommen. Eine der wichtigsten Aufgaben war es, dafür Sorge zu tragen, daß niemand hungert. Die Küche der Erwerbslosen soll jeden Hanauer vor dem Hunger schützen. Kann sie denn das?

Man kann diese Frage Gott sei Dank bejahen. Und wie sie es macht, das braucht man sich nur ein­mal anzusehen.

Man muß sich, um die Küche kennen zu lernen, nach der Waldstraße begeben. Dort hinter dem Depot der Straßenbahn sieht man ein kleines Schild mit der Aufschrift „Erwerbslosenküche". Man würde es vielleicht gar nicht bemerken, aber um die Mittags­zeit sieht man auffallend viel Leute dahin pilgern mit Eßgeschirren und Schüsseln. In der Küche wird das Essen ausgegeben. Erst muß man sich bei dem Buchführer melden, denn um die richtige Portionen­zahl festzustellen, ist es nötig, daß sich die Essen­holer für den nächsten Tag anmelden. Sie be­kommen dann eine Nummer, und nur, wer diese Nummer im Besitz hat, kann am folgenden Tag wiederkommen. Dann werden die 20 Pfg. bezahlt, denn das Essen ist nicht etwa frei. Die Erwerbs­losen wollen ja auch keine Geschenke, sondern sie wollen

Aber die ihn schreiten, wandern ihn als die ewig Frühlingsvollen, und die, so um die Quellen wissen und die rechten Herbergen und um Gottes ewige Herdfeuer. Sie alle tragen den Glanz der Unverwüstlichkeit in sich bis in die letzte Stunde, und alles an ihnen spricht Zuversicht und Sieg! —

* Daten für 11. und 12. Oktober. 1531: Der schweizerische Reformator Ullrich Zwingli fällt bei Kappel. 1616: Der Dichter Andreas Gryphius in Glogau geb. 1825: Der Dichter Konrad Ferdinand Meyer in Zürich geb. — 1 2. Oktober: 322 v. Chr.: Der griechische Redner Domosthenes auf Kalauria gest. 1492: Kolumbus entdeckt Amerika.

„Wie soll ich das wissen?"

„Sie waren sein KamerÄi, sein Freund! Sie kennen ihn wie wenige."

„Gnädige Frau, Sie kennen ihn besser als irgend jemand. Dennoch war in dem Augenblick, als Brock­mann und ich Alien die Nachricht von der Ermor­dung Herrn von Heesemanns brachten, der Verdacht gegen Herrn von Jlefeld Ihre erste Regung. Oder wollen Sie leugnen, daß Ihre Verzweiflung damals nicht dem Toten galt, sondern einem Lebendigen?"

Sie schlug die Hände vor das Gesicht. „Ach, ich war wahnsinnig. Zu viel drang in wenigen Ta­gen auf mich ein, brachte mich um Besinnung und Verstand."

„Sie müssen doch eine Veranlassung gehabt ha­ben, gerade Herrn von Jlefeld für den Mörder zu halten."

„Nein, nein!"

„Gnädige Frau, wenn ich Ihnen nützen soll, wie ich es von Herzen möchte, so ist die erste Bedingung, daß Sie rückhaltslos offen gegen mich sind."

„3a, ja, das will ich. Dazu komme ich zu Ihnen. Wenn ich an Sie geschrieben hätte, Sie an­gefleht hätte, zu mir zu kommen — Sie würden vielleicht gezögert haben. Und Sie müssen mir den Frieden der Seele zurückgeben — müssen mir Ant­wort geben, ehrlich, klar! Herr von Olten — nicht war, er kann das nicht getan haben?"

„Gnädige Frau, das weiß nur Gott und er."

Sie rang die Hände. „Ich will es Ihnen erzäh­len von Anfang an, nichts auslassen, nichts beschö­nigen, bamit Sie verstehen —"

„Vor allem beantworten Sie mir eine Frage: Herr von Jlefeld ist gegen eine Kaution von 200 000 Mark auf freiem Fuß belassen worden. Der junge Seekamp bot diese Kaution dem Gericht im Namen einiger Freunde Ilefelds. Sind Sie's, die diese Summe hinterlegt hat?"

„Ja."

„Ich dachte es."

„Es ist mein Erbteil von den Großeltern. Mei­nes Mannes Vermögen fällt bis auf einen geringen Bruchteil, den Großpapa mir bei meiner Verhei­ratung als Wittum ausbedungen hat, an seinen Nef­fen Tobias."

„Also erzählen Sie, was Sie mir erzählen woll­ten, gnädige Frau, und bedenken Sie immer, daß

in denen zur Zeit gekocht wird, wird das Essen in die mitgebrachten Gefäße geschüttet. Jede Portion ist ein Liter stark. Schmackhaft und gut zubereitet sind die Speisen, dafür sorgt Fau Zeller, die ehrenamt­lich die Küche führt. Wer nun eine Familie hat, geht mit seinem Eßgeschirr nach Hause, denn es

soll ja der Familiensinn nicht gestört werden und das gemeinsame Mittagessen nicht aufgegeben werden. Aber es gibt auch viele Ledige, die nicht wissen, wo sie ihr Essen einnehmen sollen. Für sie ist ein großer Raum geschaffen mit einfachen sach­lichen Tischen ausgestattet. Hier sitzen die jungen und alten Leute beisammen und lassen sich ihr Essen gut schmecken. Die Zahl der Freunde der Erwerbslosenküche wächst täglich. Es werden z. Zt. ca. 150 Portionen pro Tag gekocht und ausgegeben, aber es kann die zehnfache Zahl bewältigt werden und man rechnet auch im Winter mit einer solch hohen Ziffer. Deshalb gilt es schon jetzt, die Werbe­trommel zu rühren für das edle Werk. Spenden an Naturalien laufen ja auch erfreulicherweise schon ein, aber sie müssen noch vermehrt werden, und Geld braucht dieses Werk der vereinigten Wohl­tätigkeitsvereine Hanaus, viel Geld. Für 5 Pfennig kann man einem Erwerbslosen zu einem billigen Essen verhelfen. Stellt Sammelbüchsen auf in die Gaststätten und Versammlungshäuser. Sicher gibt jeder gern, um dem ungerufenen Gast, „Frau Sorge" das Fortgehen zu erleichtern. Die Aktion marschiert und sie wrd helfen die Not zu mildern.

Rü.

PS. Spenden werden angenommen auf das Lpartântomo 23üüt und auf das Giro-Konto bei der Sparkasse 2371.

1855: Der Dirigent Arthur Mikifch in Szent- Miklos geb. 1896: Der Komponist Anton Bruckner in Wien gest. 1924: L. Z. 126 tritt seine erste Fahrt nach Amerika an.

* Personenstandsaufnahme. Auf die amtliche Bekanntmachung in der heutigen Ausgabe betr. Personenstandsaufnahme sei besonders hingewiesen.

* Die staatliche Zeichenakademie beginnt am 14. Oktober mit dem Wintersemester. Anmeldungen werden an diesem Tage von 9 bis 12 Uhr entgegen­genommen.

* Aenderung des Ausnahmetarifs für Obstsen­dungen. Das Warenverzeichnis und die Anwen­dungsbedingungen des von der Deutschen Reichs-

Sie durch die strengste Wahrhaftigkeit Herrn von Jlefeld einen ebenso großen Dienst leisten wie der Justiz."

„Sehen Sie, Herr von Olten, Sie fühlen's auch, daß Herr von Jlefeld einer von denen ist, die nur gewinnen, wenn man chr Tun und Wesen klarlegt bis in seine verborgensten Triebfedern, während an­dere, wie mein unglücklicher Mann, im Gegenteil — aber von Heesemann wollte ich Ihnen reden. Sie sind im Land geboren und haben all die Menschen gekannt, von denen ich Ihnen sprechen muß. Das ist's, was aus Ihren persönlichen Eigenschaften mir das unbegrenzte Vertrauen zu Ihnen gibt. Sie ha­ben auch meinen Vater gekannt. Er war, was ich eine glänzende Persönlichkeit nennen möchte, ein schneidiger Offizier, ein ritterlicher Mann von be­strickender Liebenswürdigkeit gegen hoch und nied­rig. Er ist viel bewundert worden. Seine Vorge­setzten haben ihn verhätschelt. Meine Mutter — ist an ihm gestorben. Ich hatte sie wenig beachtet, die arme, stille Frau mit den fast immer verweinten Augen, die überall Schwierigkeiten, überall Grund zu Befürchtungen sah. Ich schwärmte für den lufti­gen Papa, der lebte und leben ließ. Es störte mich wenig, daß oft Leute ins Haus kamen, die mit gro­ben Stimmen dies oder das forderten und dann von Papa in gutem oder bösem hinausbefördert wur­den — wenig, daß nach üppigen Gesellschaften karge Wochen folgten — karg für Mama und mich, Papa hat nie mitgedarbt. Einmal kam Großvater Ramin angereift. Es gab laute Worte zwischen ihm und seinem Sohn und dann trat er an Mamas Bett, die seit Tagen still und fast ohne sich zu regeen lag, und streichelte ihre Hände und sprach so mild und schonsam, wie ich Großpapa nie vorher oder nach­her zu einem Menschen habe sprechen hören. Da vernahm ich von ihm das Wort: „Er hat kein Ge­fühl für Verantwortung, dein Mann. Das ist sein und unser Fluch." Meine vierzehn Jahre begriffen den Sinn der Worte nicht. Aber Großvapa, der sonst gar nichts Feierliches hatte, sprach sie mit sol­chem Nachdruck der Verdammung, daß ich ahnte, es müsse etwas Schreckliches sein. Ich begann, Papa zu beobachten. Etwas sollte ihm zur Vollkommen­heit fehlen, etwas Wesentliches, sein eigener Vater sagte das Und wirklich, Papa trug in diesen Tagen den Kopf gar nicht so hoch wie sonst. Ich stand an ihrem Sarg verwirrt, blöd von dem ersten Ster­ben, das ich erlebte. Da hörte ich hinter der halb­

bahngesellschaft zur Förderung des Absatzes der diesjährigen Obsternte eingeführten Ausnahmetarifs 16/0 für frische Aepfel und Birnen in Wagen­ladungen werden mit Gültigkeit vom 12. Oktober 1931 geändert. Der Tarif gilt von diesem Zeitpunkt ab für frische Aepfel und Birnen zur Verarbeitung in industriellen und gewerblichen Verwertungs­betrieben und zur Herstellung von Obstwein, Obst­most und Obstsast, jedoch nur für Sendungen in loser Schüttung ohne jede Verpackung bei Aufgabe als Frachtgut oder Eilgut. Als Verpackung wird auch die Beigabe von Stroh und die Verwendung von Brettern zwecks Aufteilung des Laderaums angesehen. Durch diese Aenderung ist die bisher als Voraussetzung für die Gewährung der Fracht­ermäßigung vorgeschriebentz unmittelbare Abrich­tung der Sendungen an industrielle Verwertungs­betriebe nicht mehr erforderlich. Es genügt, wenn im Frachtbrief der Verwendungszweck des Obstes angegeben ist.

II Stadttheater Hanau. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben. Heute Samstag, abends 8 Uhr, geht „Der Hauptmann von Köpenick", ein Volksstück in 3 Akten von Karl Zuckmayer, in Szene. Zuckmayer hat den Zug und das Zeug zum Volksdichter. Er sieht die Menschen und kann sie formen, wie sie sind. Reich und lebendig sind seine Szenen. Der „Hauptmann von Köpenick" siegte auch in Hanau auf der ganzen Linie. — Morgen Sonn­tag, abends 7^ Uhr, gelangt zum ersten Male die interessante Neuheit „Der rasende Sperling" oder „Straßenmusik", Komödie in 3 Akten von Paul Schurek, zur Aufführung. Der Dichter malt uns in seiner Komödie ein Stück echten deutschep Volks­tums. Jeder, der für die Alltagssorgen und Nöte der kleinen Leute einen Blick hat, jeder, der echtes, deutsches Volkstum liebt, wird von diesem Theater­abend voll beftiedigt und erquickt nach Hause gehen. — Am Montag, abends 8 Uhr, findet die letzte Wiederholung des Zuckmayerschen Volksstückes „Der Hauptmann von Köpenick" statt. — Versäu­men Sie nicht, sich rechtzeitig Eintrittskarten zu dem einmaligen Lieder- und Arienabend des be­rühmten Tenors der Wiener Staaatsoper Lea Slezak am kommenden Donnerstag zu besorgen. Der Vorverkauf hat an der Theaterkasse bereits be­gonnen. . ,

* Ausgestellt. Bildhauer Otto Craß, Hanau, hat zurzeit in Fr. Koenigs Hofbuchhandlung eine Anzahl von Plastiken und Plaketten ausgestellt.

* Die Vereinigung evangelischer Frauenverbände Deutschlands e. V. läßt am 11. Oktober in der Wartburgstadt Eisenach eine evang. Frauenkund­gebung stattfinden, an der jede evangelische Frau ohne Unterschied der Stände, Verbände und Ver­eine sich beteiligen kann. Ein gemeinsames starkes Sichbekennen zu Gott wird vielen bei dem uns drohenden Bolschewismus auf sittlichem und staat­lichem Gebiet und in der schweren materiellen Not Trost und Stärkung sein. Für die evangel. Frau soll die Veranstaltung in Eisenach auch eine Er­innerung an die, wie wir, in Zeiten schwerster politischer Wirren lebende Landgräfin Elisabeth als Vorbild des Glaubens und der opferwilligen Liebe sein. Ferner soll sie zum Ausdruck bringen, daß sich die evang. Frauenwelt darin einig ist, daß Gott allein aus dieser Notzeit retten und helfen kann. — Auch der Deutsch-Evangel. Frauenbund, Orts­gruppe Hanau, beteiligt sich an der Kundgebung.

* Beratungsstunde für Lungenkranke. Die nächste âMtgeMiche , Lermungsjlunde jur Lungenzranze. aus dem Landkreise Hanau findet am künftigen Mittwoch, den 14. d. M., nachmittags 3J4 Uhr im Landeskrankenhaus in Hanau unter Leitung des Herrn Landesobermedizinalrates Dr. Zuschlag statt. Zu beachten ist aber, daß jeder diese Beratungs­stunde aufsuchende Kranke sich im Besitze des blauen Ueberweisungsscheines seines behandelnden Arztes befindet.

* von den Apotheken hat Sonntags, bzw. Nachtdienst von heute abend 7 Uhr bis nächsten Samstag abend 7 Uhr die Engelapotheke.

* Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Telephonanruf Nr. 202A. — Arbeiter-Samarller- Kolonne Telephonanruf Nr. 4030.

* Das Hahnenkammhaus ist täglich, das Buch­berghaus nur Samstags und Sonntags geöffnet. Ein Besuch an Wochentagen bedarf der vorherigen Anmeldung beim Bahnhofswirt Schmidt, Langen- ielbold (Tel. 82).

offenen Vorsaaltür unsere Köchin sprechen. Sie redete zum Burschen: „Gnädig Frau — die hat der Herr Major auf dem Gewissen, das glauben Sie man. Was die Herren Doktors ihrer Todeskrankheit auch für'n Namen geben, ich weiß es: bei kleinem hat er sie umgebracht." Ich rannte in meine Kammer ich steckte den Kopf in die Kissen, hielt mir /die Ohren zu. Umsonst! Ich hörte die Wort« immerwährend, immerwährend.

Mein Papa, der Mama so liebt hatte, der so ritterlich zu ihr war, der ihr die Hand küßte zehn­mal am Tage! — In dieser Stunde hab' ich die Kindheit von mir abgetan. Da hab' ich sehen ge­lernt. Ich lernte es bald noch besser. Denn zu mir kamen jetzt die Leute mit den groben Stimmen, for­derten große Summen von mir, die ich keine Mark hatte, zankten, klagten an. Da erfuhr ich, daß mein Vater Mamas Mitgift vergeudet hatte und, was Großvater ihm zugesteuert hatte, vertan in fröhlichen Gelagen, auf der Rennbahn, am Spieltisch, verschleu­dert in unglaublichen Trinkgeldern, großspurigen Almosen, während daheim die Pfandsiegel an jedem Möbel klebten.

An meinem fünfzehnten Geburtstag brachten sie ihn von der Jagd heim, mit einer kleinen roten Wunde an der linken Schläfe. Er sollte gestürzt sein. Das Gewehr hatte sich im Sturz entladen, sagten seine Freunde. Die anderen sagten anders. Groß­vater Ramin kam. Wieder hörte ich das Wort von dem fehlenden Verantwortlichkeitsgefühl. Dann gab's endlose Verhandlungen. Unsere Einrichtung wurde verkauft, ein gut Stück Raminer Prachtwald dazu. Großvater standen die Tränen in den Augen, als die Holzfäller den ersten Axtschlag taten. „Aber das soll keiner sagen dürfen, daß die Ramins ihr Wort nicht einlösen."

Vier Kutschpferde wurden abqeschafft. Mich nah­merk'die Großeltern mit nach Ramin. Sie hatten das Lachen verlernt um Pavas Willen, den ich nur lachend gekannt hatte. — Wundern Sie sich nicht, daß ich Ihnen all das erzähle. Sie müssen es wissen, um zu begreifen, was dann geschah. Als frühreifes, von Kummer durchschütteltes Kind kam ich nach Ramin. Aber gesunde Jugend überwindet Trauer, Scham und Leid.

(Fortsetzung folgt).