Seife 2
Arettag, den 9. Oktober 1931
Mr. 237
ten Wahlkampf emgreifen kann. In seinem Wahlkreis ist er einer Wiederwahl sicher, solange er noch einen Atemzug tun kann. Welchen Anfang er in der liberalen Fraktion des neuen Unterhauses haben wird, läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Sein Sohn Gwilym und seine Tochter Megan, die beide dem Unterhause als liberale Abgeordnete angehörten und die wohl auch wieder in das neue Unterhaus einziehen werden, können sicher zu der Gefolgschaft ihres Vaters gezählt werden. Darüber hinaus wird aber der zahlenmäßige Anhang wohl nicht sehr stark sein. Die Ar- bellerpartei geht nicht mit großen Aussichten in den Wahlkampf. Ihre Kassen sind leer und sie hat dem Aufruf der Regieruung fein positives Programm entgegenzusetzen, sondern nur ihre Opposition. Sie ist ferner durch ihre Uneinigkeit in den eigenen Reihen geschwächt. Die Gruppe der Unabhängigen Arbeiterpartei wird wahrscheinlich eigene Kandidaten aufstellen, da die Kandidaten der Arbeiterpartei ihr nicht „rot" genug sind. Die Arbeiterpartei wird also aller Voraussicht nach mit dem Verlust von Mandaten rechnen müssen. An die Möglichkeit, daß sie die Mehrheit gewinnt und die nationale Regierung aus dem Sattel werfen kann, glaubt in ihren eigenen Reihen niemand mit Ueberzeugung.
Der Ministerpräsident Macdonald wird seine Propagandatätigkeit aus ein paar Wahlreden beschränken. Reben der Wahlbewegung nimmt ihn die Indische Konferenz noch sehr stark in Anspruch. Außerdem kann er sich mit ziemlicher Sicherheit auf den Sieg der Regierung verlassen. Bleibt aber das Kabinett Macdonald am Ruder, so wird in England eine Periode der Schutzzölle und der Einfuhrverbote beginnen und das europäische Zollsystem wird um ein weiteres vermehrt werden. Es läßt sich verstehen, daß Lloyd George als überzeugter Freihändler die bevorstehende Wahlentscheidung nicht wünscht. Es dreht sich bei chr um die Streitfrage „Freihandel oder Schutzzoll". Und die Anhänger des Freihandels werden aller Voraussicht nach unterliegen.
£fo&b George gegen die
AaLiorsawegZerttug
London. 8. Okt. Der Sohn Lloyd Georges hat heute fein Amt als Pa rlam entssekr etär des Board of Trade niedergelegt. Dieser Schritt von Gwilym Lloyd George wird in wohlinformierten Kreisen als Zeichen der ablehnenden Stellung seines Vaters zur Nationalregierung angesehen.
Naldwins tvabimavikett
London, 8. Okt. Der Führer der Konservativen Partei Baldwin veröffentlicht heute ein Wahlmani- feft, in dem es u. a. heißt: Auf dem internationalen Gebiet ist es notwendig, daß mir die Fragender Kriegsschulden, der Reparationen, der Abrüstung, der ungleichen Verteilung des Goldes in der Welt und der finanAellen Verflechtung der Länder einer Prüfung unterziehen. Unter den Fragen der Innenpolitik ist die wichtigste diejenige der passiven Handelsbilanz, deren Reaktivierung für die Stabilität unserer Finanzen wesentlich ist. Diese kann nur durch die Senkung der Einfuhr oder die Steigerung der Ausfuhr oder durch beides zusammen bewerkstelligt werden. Ich bin bereit, alle Methoden zu prüfen, durch die das Notwendige erreicht werden kann. Ich erkenne an, daß sich die Lage durch die Entwertung des Pfund Sterling geändert hat, ich bin aber der Meinung, daß diese Entwertung keinen richtigen Ersatz für sorgfältig ausgearbeitete und bi? gegenwärtigen Lage angepaßte Zolltarife darstellen kann. Ich werde also fortfahren, den Wählern Zolltarife als die schnellste und sicherste Waffe zu empfehlen, nicht nur zur Senkung der übermäßigen Einfuhr, sondern auch um uns zu gestatten, in wirksamer Weise die anderen Länder dazu zu bewegen, die Höhe ihrer Zollmauern herabzusetzen. — Zum Schluß betont der Wahlaufruf: Das Problem des Reiches ist, die wirtschaftliche Einheit zu erzielen. Das Ideal der Reichswirtschaftseinheit ist heute weit verbreitet und ich bin überzeugt, daß die Grundlage einer solchen Einheit mit der allgemeinen Unterstützung unseres Volkes gelegt werden wird.
Doch ein neue« Schritt Asovers!
(Fortb>-'ma von Seite 1)
Dollar unter der Bedingung einverstanden erklärt hätten, daß Hoover durch einen neuen Schritt in der Reparationsfrage zur Entspannung der internationalen Lreditlage beifrage. Dagegen habe sich in der Konferenz im Weißen Hause bei einigen Parlamentariern Widerstand erhoben. Hoover hoffe jedoch, nach der Konferenz mit Laval auch die Zustimmung der Kongreßsührer zu seinem neuen Plan erhalten zu können.
Lovd Readings Vavisev Beivvechttnsstt
Rach London zurückgerelst.
Paris, 8. Okt. Ministerpräsident Laval hat über die Besprechungen mit Lord Reading ein Kommunique ausgegeben, in dem u. a. mitgeteilt wird, man fei in einem eingehenden freimütigen Meinungsaustausch über bie Weltlage unb die geeigneten Maßnahmen zu ihrer Besserung eingetreten. Laval und Briand hätten Lord Reading über bie Ergebnisse ihres Berliner Besuches unterrichtet. Der Besuch Lavals in Washington fei gleichfalls zur Sprache gekommen und seine Bedeutung unter den gegenwärtigen Umständen vollauf gewürdigt worden Die Minister seien überetngefommen, daß ihre Regierungen in möglichst enger Fühlungnahme bleiben müßten und hätten erkannt, daß die glücklicherweise vorhandene freundschaftliche Zusammenarbeit im Interesse des Friedens und der wirtschaftlichen Wiederausrichtung der Welt fortgesetzt werden müße. ,
Am Donnerstag nachmittag ist Lord Reading «ach London z u r ü ck g e r < i ft
Die Rationalisierung dee Onftizpftege
Die Answivknngen dee Rotvevoednuns
Berlin, 8. Okt. Die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 6. Oktober 1931 hat auf dem Gebiete der Strafrechtspflege eine wichtige Neuerung für die Aburteilung der sogenannten Monstrefachen gebracht, über deren allzu langsame und schwerfällige Aburteilung in den letzten Jahren in der Des« femlichkeit wiederholt Klage geführt ist. Eine schnellere Aburteilung dieser Sachen wird künftig baburd) ermöglicht, daß sie nach gerichllicher Voruntersuchung vor die Große Strafkammer (brei Berufsrichter, zwei Schöffen) gebracht werden können und so in einer einzigen Tatsacheninstanz ab geurteilt werden, unbeschadet der im gleichen Umfange wie bei Schwurgerichtsurteilen zulässigen Revision an das Reichsgericht.
Dein wichtigen Ziel, jeder Straftat die Ahndung möglichst auf dem Fuße folgen zu lassen, dient ein in Ergänzung der Notverordnung ergangenes Rundschreiben des Reichsjustizministers vom 7. Oktober 1931 an die Landesjustizverwaltungen, in dem diese ersucht werden, bei dm Strafverfolgungsbehörden auf eine stärkere Anwendung des geltestdsn Paragraphen 154 der Strafprozeßordnung hinzuwirken. Danach sollen die Strafverfolgungsbehörden darauf besonders Bedacht nehmen, in den Fällen, in denen
HUtimatum
Sapans an
Mina Zuspitzung des mandschnvischen âonMis - Sov einem Siner dee javanischen Kegkevung
Paris, 8. Okt. Die aus dem Fernen Osten vorliegenden Kabelmeldungen deuten auf eine außerordentliche Verschärfung der japanischchinesischen Situation hin. Einem Telegramm aus Washington zufolge, haben zehn japanische Flugzeuge die Stadt Kintschau, eine bedeu, tende Station an der Linie Peking— Mulden, mit Bomben belegt. Mehrere Gebäude wurden schwer beschädigt und zwei Chinesen getötet.
Reuter meldet aus Tokio, daß der Angriff der apaNischen Streitkräfte auf Kintschau damit be- zründet wird, daß sich dort eine chinesische Regierung gebildet habe, bie nach Auffassung der sapa- nischen Militärs eine Störung des Friedens und der Ordnung bedeute. Wenn sich diese Nachricht bestätigen sollte, so wird es, wie wohlinformierte Kreise ju wissen glauben, den Sturz derjapani - chen Regierung nach sich ziehen, weil man in der Tatsache eines solchen Schrittes ein eigenmächtiges Vorgehen der Armee erblicken würde, die damit Handlungen hinter dem Rücken
der Regierung beginge unb dadurch deren Lage aufs
Andererseits wird aus Tokio gemeldet, daß 8er . .
japanische Ularineminiffer der chinesischen Regierung Zwischenfälle im Abschnitt des Jangtsekiang Kriegs- die Entsendung von 24 Torpedobootszerstörer, vier Handlungen Heraufbeschören werden, eine Aussicht, Schlachtkreuzern und eines Flugzeugmutterschiffs in die angesichts der bürokratischen Verständigungsver- die Häfen des Jangtsekiang angedroht hat, falls suche des Völkerbundes höchst seltsam anmutet
Suvtius verabschiedet sieb
Berlin, 8. Okt. Dr. Curtius nerabfdfiebete sich heute mittag von seinen Mitarbeitern im Auswärtigen Amt. Heute abend wird er einen längeren Erholungsurlaub antreten und sich in den südlichen Schwarzwald begeben. Es verlautet, daß er nicht daran denke, sein Mandat niederzulegen, er wolle vielmehr in der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei eine aktive Rolle spielen.
Karlsruhe, 8. Okt. Parteileitung und Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei Badens haben an den aus dem Amte scheidenden Minister Dr. Curtius, den der Wahlkreis Baden in den Reichstag entsandt hat, ein Begrüßungstelegramm gerichtet, in dem sie ihm weiterhin „treue Gefolgschaft" versichern.
Geringes Anwachsen der SlvbeitsioNskeit
Berlin, 8. Okt. Nach dem Bericht der Reichsanstall hat der herbstliche Anstieg der Arbeitslosenzahl auch in diesem Jahre in der zweiten Hälfte des Monats September eine Abschwächung erfahren. Die Zahl der Arleitslosen, die in der vorhergehenden Berichtszell um rund 109 000 gestiegen war, hat in der Zeit vom 15. bis zum 30. September um rund 31000 zugenommen und betrug am letzten Stichtage rund 4 355 000. Die Zunahme seit dem tiefsten Stand des Sommers beläuft sich damit in diesem Jahre auf rund 401000, übertrifft also die Steigerung in der entsprechenden Zeit des Vorjahres (rund 396 000) nicht erheblich. In der Arbeits- losenoersicherung wurden am 30. September rund 1 344 000, in der Krisenfürsorge rund 1140 000 Hauptunterstützungsempfänger betreut. Nach der letzten jetzt vorliegenden Statistik der Wohlfahrts- erwerbslosen waren am 31. August rund 1131000 arbeitslose Personen vorhanden.
Luther zur Aeichsvesorm
Berlin, 8. Okt. In der heutigen Hauptausschußsitzung des Deutschen Industrie- und Handelstags ergriff nach einleitenden Worten des Vorsitzenden Senator Witthoefft-Hamburg als erster Redner Reichsbankpräsident Dr. Luther das Wort zu dem Thema „Reichsreform und Wirtschaft". An die Spitze seiner Ausführungen stellte Dr. Luther ein erneutes nachdrückliches Bekenntnis zur stabilen Währung und unterstrich ihre Bedeutung für das gesamte Schicksal des Reiches, da Währungsfragen und politische Fragen eng mit» einander verbunden seien. Der Hauptton der Darlegungen zur Reichsreform lag aus der Notwendigkeit einer einheitlichen kraftvollen Führung des Reiches durch Herstellung einer R e a l u n i o n zwischen Reich und Preußen oder richtiger durch Wiederherstellung in neuer Form, und zwar in Reichshand, jener Reichs» und preußischen Ge
jemand einer größeren Zahl strafbarer Handlungen beschuldigt ist, von der Verfolgung der minderschwe- ren Fälle abzusehen und die Untersuchung auf die schwererwiegenLen zu beschränken, sofern die Strafen, M Lenen die Verfolgung der minderschweren Taten führen könnte, neben den Strafen, die der Beschuldigte für die schweren Taten zu erwarten hat, nicht ins Gewicht fasten würden. Auch für die Verfolgung einer strafbaren Handlung, die sich aus einer Mehrzahl von Einzelhandlungen zusammensetzt, wie z. B. für Lie Untersuchung einer fortgesetzten Handlung, einer Handlung, bei der Gewerbs- oder Gewohnheitsmäßigkeit Tatbestandsmerkmal ist usw., ergeht die Anregung, in jeLem einzelnen Falle zu prüfen, ob es erforderlich und zweckmäßig ist, alle Einzelhandlungen in langwieriger Arbeit zu untersuchen und aufzuklären, und ob nicht vielmehr von der Aufklärung solcher EinzelhanLlungen, Lie für das zu erwartende Urteil nur von nebensächlicher Bedeutung sein würden, abgesehen werden kann. Wenn Liese Anregung in der Praxis der Strafverfolgungsbehörden, sich durchsetzt, darf eine wesentliche
Beschleunigung, Vereinfachung und Verbilligung Strafrechtspflege erwartet werden.
der
nicht sofort alle Maßnahmen zum Schuh der japanischen Untertanen in China getroffen würden.
Weitere Meldungen besagen, daß Japan sich in der Mandschurei diè Unterstützung einiger mongolischer Häuptlinge gesichert habe und sie in ihren Unabhängigkeitsansprüchen bestärke. Munition und Waffen wurden reichlich zur Verfügung gestellt. In mandschurische Verhältnisse eingeweihte Berichterstatter behaupten, daß die drei mandschurischen Regierungen auf Wunsch und mit Unterstützung der japanischen Okkupationsarmee gebildet wurden. Die japanische Regierung habe das größte Interesse, die Lage in dem ungeheuren mandschurischen Absatzgebiet zu klären. 300 000 Japaner und 900 000 Koreaner haben in der Mandschurei ihren Wohnsitz. Man darf gespannt sein, was die Argumente des Völkerbundes angesichts dieser Jnteressen- kämpfe in Japan ausrichten werden.
Inzwischen nimmt die Mobilisierung der japanischen Kriegsmarine ihren Fort- gang. Die Forderung Tokios an die chinesische Re- gierung, die in China lebenden japanischen Untertanen ,n schützen, trägt u 1 1tmatinen Cf atak-
r. Es muffe bèfurMëi
le gerinasken
walteneinheit, die der tragende Pfeiler des Reichs Bismarcks gewesen sei. Dabei sei es richtig, diejenigen Länder, deren Eigenleben noch von innerer Kraft getragen sei, in ihrer bisherigen staatsrechtlichen Stellung zum Reich zu erhalten. Der Einwand, die jetzige Notzeit wäre zur Reichsreform un= geeignet, sei durchaus unrichtig. Höchste Aktionsfähigkeit der Reichsregierung, die nur durch Reichs- reform erreicht werden könne, fei von entscheidender Bedeutung für die Möglichkeit zweckmäßiger und fester Durchführung und Durchhaltung der jetzt so brennend wichtigen Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet. Nur eine das deutsche staatliche Gesamtproblem lösende Reich^resorm würde das deutsche Volk vor der Gefahr eines Rückfalls in den schweren finanzpolitischen Fehler einer unüberlegten Ausnützung besserer Wirtschaftsverhältnisse in der Zukunft bewahren.
Das Reichsbanner: zuv Spaltung dev 6.4.9.
Ulagbeburg, 8. Okt. Der Bundesführer des Reichsbanners, Hörsing, erläßt einen Aufruf, in dem er angesichts einer Drohenden faschistischen Diktatur" zum Zusammenschluß aller Republikaner auffordert. Ueber bie Spaltungsbewegung in der Sozialdemokratischen Partei wird in dem Aufruf gesagt: Wir sprechen unser tiefstes Bedauern aus über den hinterhältigen Abfplitterungsoersuch von der größten republikanischen Partei, der Sozialdemokratie. Wir sind um so mehr berechtigt, das Verhalten dieser Spalter zu verurteilen, da augekündigt wird, daß man auch eine Abwehrorganisa-' Hon errichten wolle."
„Vettrken übev bett Mein"
Eine zweite deutsch-französische Kundgebung in Frankfurt a. UL
Frankfurt a. UL, 8. Okt. In Fortsetzung der dieser Tage von der Deutsch-Französischen Gesellschaft begonnenen Versttzndigungsaktion fand am Donnerstag abend im Volksbildungsheim eine zweite deutsch-französische Kundgebung statt. Redakteur Franz Clemen t-Luxemburg, der Verfasser des Buches „Das geistige Frankreich von heute" sprach über „Brücken über den Rhein". Element ging in seinen geistreichen Betrachtungen von der Erkenntnis aus, daß nach dem Kriege die deutsche Fähigkeit, Frankreich zu verstehen, größer gewesen sei als die französische, Deutschland zu verstehen. Eines der Hindernisse für eine Verständigung sei die dauernde Bedrohung der deutschen Demokratie, die den demokratischen Franzosen beunruhige. Darum sei die Frage der deutschen Demokratie nicht nur eine deutsche, sondern eine deutsch-französische, ja eine europäische Frage. Auch die deutsche Vorliebe für die Flucht in den Kollektivismus, die Zersetzung der bürgerlichen Kultur, beunruhige in Frankreich, in dem heute noch starke Schichten des Bürgertums
vorhanden sind. Die große Mehrheit des französt. schen Volkes sei durchaus revisionsbereit. In der Frage der Revision sei aber ein Versagen d er französischen Presse festzu. st e l I e n. Wenn es gelingen würde, die französische Meinung über die bloßen Tatsachen aufzuklären, würde sich die Revisionsbereitschaft französischen Volkes sofort in die
dann des Tat
umsetzen. Die Revision könne nicht erzwungen werden, sondern müsse aus dem französischen Polke heraus gewonnen werden. Zurzeit mache sich in Frankreich auf außenpolitischem Gebiete eine Bewegung nach links bemerkbar. Angesichts der bevorstehenden Kammerwahlen hänge es von Deutschland ab, wie sich in Frankreich die neue Strömung durchsetzen werde. Der Redner empfahl der deutschen Außenpolitik, diejenigen Mittel und Methoden wieder anzuwenden, mit
denen Stresemann im französischen Volk einen so großen Erfolg gehabt habe. Die Welt und Europa könnten nur gerettet werden durch übernationale Lösungen. In diesem Punkte habe er zu Deutschland mehr Vertrauen als zu Frankreich. Clément 1 schlug die Bildung eines deutsch-französischen Kulturbundes vor, der die Massen der beiden Völker erfasse und der von der für die Verständigung reifen geistigen Elite beider Völker geleitet werde. — Zum Schluß fragte Element, an ein persönliches Erlebnis anknüpfend, wörtlich: Müssen über die Brücken über den Rhein immer nur Soldaten gehen? Können nicht auch die Pilger und Apostel hinüberwandern und zueinander hingehen, die das Wort der Völkerverständigung predigen? Es heute für uns, neue geistige Brücken über Rhein zu bauen.
gilt
den
SefiemreiMscheS EvmÄchtßgsmgsse-stz über Geld, und Kreditwesen
Wien, 8. Okt. Ueberraschend brachte die Regie- rung in der Donnerstagssitzung des Nationalrates den Entwurf eines Ermächtigungsgesetzes zum Schutze der Währung und des Srebites ein. Nach dem Entwurf wird bie Regierung ermächtigt, während der Dauer der durch die Weltwirtschastskrise heroorgerufenen außerordentlichen Verhältnisse mit Zustimmung des Hauptausschusses des Nationalrates gefehesänbernbe Verordnungen zum Schutze der Wirtschaft auf dem Gebiete des Geld- und Kreditwesens zu erlassen und in diesen Verordnungen Strafbestimmungen zu treffen. Das Gesetz, soll mit dem Tage seiner Verkündung in Kraft treten. Nach der Vorlage sollte_es bis zum 30. Juni 1932 befristet sein. Die Sitzung wurde unterbrochen unb die Vorlage sofort dem zuständigen Finanzausschuß zugewiesen, der der Vorlage zuftimmte mit der Abänderung, daß das Gesetz am 31. März 1932 zu erlöschen hätte. Mit dieser Aenderung wurde bie Vorlage einstimmig vom Nationalrat genehmigt.
Nach Schluß der Sitzung trat gegen 14 Uhr der Bundesrat zusammen, um seinerseits den Beschluß des Nation-alrates über die Bundespräsidentenwahl > und das Evmächtigmigsgesetz zu verabschieden.
Schwere Gas-SKNwNo« itt
Gdingen
Diele Tote
in Gdingen eine ungeheure Lxploslönskatas^roph^ Lin neuerbauter Häuserblock, der der Versicherungs^ anstatt für geistige Arbeiter gehört, ist durch eine? Explosion von Leuchtgas zum Teil in die Luft ge/ flogen. Die Gasanlage war erst kürzlich eingerichtet worden. Die Detonation war außerordentlich stark, Die Explosionsstelle bietet einen erschütternden Anblick. Aus den Trümmern sind schon eine Anzahl Tote und Verletzte hervorgeholt worden. Die Rettungsmannschaften der Feuerwehr, der Polizei und eine Kompagnie der polnischen Kriegsmarine sind bei der Bergung tätig. Etwa 11 Wohnungen sind völlig zerstört. Sieben Personen wurden bis jetzt schwer verwundet ins Krankenhaus eingetiefert. Die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten ist augenblicklich noch nicht bekannt.
Gdingen, 9. Off. Durch die gestern abend erfolgte Explosion eines Gasbehälters in dem Wohnhäuserblock des Verbandes der Geistesarbeiter, stürzte ein Teil des 200 Wohnungen umfassenden Gebäudes ein. 14 Wohnungen sind zerstört. Die ganze. Rächt wurde gearbeitet, um die Verschütteten zu reffen, bisher konnten 9 Tote und 7 Verletzte, darunter ein schwer Verletzter geborgen werde"n. Unter den Trümmern befinden sich vermutlich n o ch 7 P e r s o n e n. Die Explosion erfolgte während einer probeweisen Zuleitung von Leuchtgas.
Letzte Telegramme
Gchavfe Absage der RGDAV. au das âabweit
Bvünèus
Magdeburg, 9. Off. In der wegen Ueber- füllung geschlossenen Magdeburger Stadthalle harrten gestern 7000 Menschen zwei Stunden lang auf das Erscheinen Dr. Goebbels, dessen Auto bei Genthin einen Achsenbruch erlitten hatte. Die Rede Dr. Goebbels war eine scharfe Absage an das Kabinett Brüning. Heute gehe der Kampf nicht mehr um diese oder jene Männer, sondern um ein System. Wenn nicht das System beseitigt und durch ein anderes ersetzt werde, werde die Krise nicht behoben, sondern nur aufgeschoben. Die Nationalsozialisten täten gut daran, voerst nicht in die Krise einzugreifen. Wenn der Reichskanzler glaube, er könne die Krise durch einen Burgfrieden abhallen, dann mühten die Nationalsozialisten ihm antworten, daß sie Burgfrieden nur halten könnten, wenn der Feind außerhalb der Burg stehe, solange aber der .Feind eine entscheidende Machtposition beseht halte, so lange gebe es im Burghof keinen Burgfrieden, sondern Krieg. Wir sehen, fuhr Dr. Goebbels fort, den Feind deutscher Freiheit im Marxismus und vor allem in der Sozialdemokratie. Solange diese Partei noch eine Machtposition hält, kommt ein Mitregleren für uns nicht in Frage. Der Redner schloh: Wer wagt zu prophezeien, was im November ds. I s. der Vergangenheit angehören wird? Jedenfalls stehen wir Gewehr bei Fuß, jederzeit bereit, in die Entwicklung einzugreifen.