Kr. 235
Mittwoch, den 7. Otfobet 1931
Stift 7
Dev ^echt im Skiobev
' In den Oktoberwochen, wenn die Pflanzenwelt im Wasser immer tiefer auf den Grund taucht und , bei vielen Friedfischen schon der Nahrungsbedarf zu sinken beginnt, ist der Hecht freßlustiger denn je. Zwar hält er sich jetzt mehr in der Tiefe auf, wo das Wasser noch wärmer ist, weshalb denn die Angel manchmal auch ziemlich tief eingesenkt wer- » den muß, aber seine Freßgier und Raublust treibt ' ihn jetzt auch an die Wasserfläche, besonders dann, , wenn ein leckerer Köder lockt, Dank seiner Ge- : sräßigkeit, die den ganzen Sommer und Herbst andauerte, ist sein weißes Fleisch wirklich in keinem anderen Monat des Jahres so schmackhaft wie gerade jetzt; auch besonders nahrhaft ist es um diese Zeit, wie denn überhaupt das Hechtfleisch sehr reich an Nährstoffen und zudem auch leicht verdaulich ist. Beliebt ist das Fleisch des Hechtes von alters- her. Es galt schon im Mittelalter als geschätztes Fastenessen. Den Hecht schmackhaft zuzubereiten, verstand man damals am besten in den Klosterküchen, und ein Klosterkoch hat auch das Rezept ersonnen, einen Hecht gleichzeitig blau gesotten, gebraten und gebacken auf die Tafel zu bringen. Dieses kulinarische Kunststück bestand darin,- daß der mittlere Teil des Fisches mit Salbeiblättekn überbunden, gespickt, dann beständig mit heißer Butter beträufelt und somit auf diese Weise gebraten wurde, während der vordere Teil mit einem in Essig getränkten Tuch umwunden und immer mit heißen Essig übergossen wurde, bis er schließlich blau gesotten war. Der hintere Teil wurde unablässig mit siedend-heißem Schmalz begossen, nachdem man ihn vorher mit Semmelmehl bestreut hatte. Und dieser Teil war dann der Bratfisch. Allgemein üblich war es damals, den in gewässertem Wein gekochten Hecht mit einer pikanten Kräutersauce zu servieren, die aus möglichst vielerlei Bestandteilen zusammengesetzt sein mußte.
Zu den Eigentümlichkeiten des Hechtes gehört auch die, daß er uralt und sehr groß werden kann. Daß der Hecht ein Alter von rund hundert Jahren erreichen kann, unterliegt heute keinem Zweifel mehr, in Ausnahmefällen kann ein Hecht sogar noch älter werden. Ein berühmter Vertreter seiner Gattung war jener Hecht, den Kaiser Friedrich II. im Jahre 1250 in Kaiserslautern, mit einer Marke versehen, aussetzen ließ — Friedrich war ja einer der großen Naturforscher und Tierbeobachter des Mittelalters — und der im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts noch lebte! Inzwischen hatte der Fisch ein Gewicht von mehr als zweihundert Pfund erreicht. Nun ist dies allerdings ein Rekordgewicht, das später nicht miedet erreicht wurde, doch werden in Sibirien öfter hundertpfündige Hechte gefangen, selbst bei uns kommen ausnahmsweise Hundertpfünder vor.
Die AusfovfLuns dev Sahava
In der französischen Zeitschrift „Depèche Coloniale" wird der Plan erörtert, die Wüstenbezirke der Sahara Ler Kultur zu erschließen. Die Anregung hat Bremontier gegeben, der durch die Anpflanzung von Seefichten die Sandflächen der ^Landes", eines der ödesten Flecken Europas, voll- a T ständig umgestaltet hat. Bremontiers Plan sieht
'' IT Eigentümlichkeit hat, auf ausgetrocknetem und
■ wasserlosem Boden, wo keine andere Pflanze mehr
■ ein Fortkommen findet, besonders gut zu gedeihen,' ■ weil sie mit Wasser gesättigt ist. Solche Pflanzen, ' wie der „Cereus Prindlei", erreichen eine Höhe bis zu 18 Meter. Andere wieder entwickeln aus weitverzweigten und verästeten Wurzeln üppiges Strauchwerk in einer Höhe von 10—12 Meter. Noch andere bilden wahre Wa 'rbeymter, die in der Wüste besonders kostbar sind, weil sie große Mengen Wassers enthalten. Die Faser anderer Kaktus- arten liefert überdies den mexikanischen Eingeborenen das Rohmaterial für grobe Gewebe. Ein Wald von solchen Riesenkakteen würde ausreichen, um die klimatischen Verhältnisse der Wüste von Grund auf zu verändern, weil die Felsen und Hügel, teilweise von den Strahlen der Sonne geschützt, weniger rasch austrocknen würden, und weil zudem ein wesentlicher Teil der Sonnenenergie den Boden nicht mehr der ungewöhnlich starken Hitze ausgesetzt, weil diese Energie von der ■ feuchten Oberhaut der Pflanzen absorbiert wird.
I Dev deutsche âadk
Im ganzen Süden Marokkos und der angrenzenden Wüstenzone ist der „Hadi Meman", der deutsche Kadi, bekannt und geschätzt. Alle marokkanischen Rebellen, alle die Blaugesichter der Stämme des Anti-Atas, des Nun, des Draa und von Rio de Oro, kurz, alle Nomaden der nordwestlichen Sahara haben von ihm gehört und verehren in ihm den Führer, der während des heiligen Krieges gegen die Franzosen immer dort zu finden war, wo die Schlacht am heftigsten tobte. Dieser allbeliebte deutsche Kadi ist niemand anders als Erich von Sätzen aus München, der vor dem Krieg als Leutnant des zweiten bayerischen Ulanenregiments in Ansbach stand. Auf seinen Reisen durch das Wustengebiet von Rio de Oro hatte Paolo Zappa Gelegenheit, den ehemaligen deutschen Ulanenoffizier und jetzigen arabischen Kadi, der in der Heimat als verschollen gilt, zu sehen und-zu sprechen.
„Er empfing mich", schreibt der italienische Reise- berichterstatter in der „Stampa", schlicht und ohne ersichtliche Bewegung in seinem Zelt. Nach erfolgter Vorstellung erklärte mir Herr von Sätzen sofort: »Ich bin nicht etwa ein Deserteur der Fremdenlegion. Ich wurde im Jahre 1916 von meiner Regierung in offizieller Mission hierher entsandt, um den Aufstand der blauen Krieger gegen die Franzosen au organisieren. Es war ein ehrlicher Krieg. Die Feinde suchten uns überall zu schädigen. Wir waren deshalb in unserem guten Recht. Am 16. November 1916 traf ich mit dem früheren deutschen Konsul in Fez, Pröbster, und dem türkischen Hauptmann Ahmed Hairy Bey im Lager der „Blauen ein. Unser Auftrag lautete dahin, dem „Hiba", dem Herrscher der maurischen Wüstennomaden, im Namen des Deutschen Kaisers und des türkischen Sultans ein Schreiben der deutschen und türkischen Gesandten ch Madrid zu überbringen. Der Hiba ließ uns nicht pnen Augenblick über seine trostlose Lage im Zwei- Auf dem Papier verfügte er allerdings über 12 000 Krieger, in der Praxis aber stellten sich die Dinge ganz anders dar. Die Marokkaner, besonders oie verheirateten, halten es nicht lange im Dienst 5.US, und es kommt nur zu häufig vor, daß ganze Stämme, denen die Sache langweilig geworden ist, lyre Posten verlassen und ihrer Wege gehen. Ich be- "ann zunächst damit, die Leute an Ordnung und
Disziplin zu gewöhnen. Aber der Maure, der sich, wenn er auf sich selbst gestellt ist, tapfer schlägt, ist als Soldat ein schlechter Typ, der vom Drill und militärischer Unterordnung nichts wissen will. Außer der militärischen Unterstützung verlangte der Hiba Geld, weil dieses allein das Wunder bewirken könne, ein aus arabischen Nomaden bestehendes Heer zusammen und kampffähig zu erhalten. Pröbster versprach ihm auch Kanonen, Gewehre, Munition und Geld. „Aber ich muß vor allem nach Deutschland zurückkehren", erklärte er, „um die Sachen auf den Weg zu bringen." — „Ihr wollt mich also verlassen?" fragte der Hiba mißtrauisch. „Durchaus nicht" war Pröbsters Antwort. „Leutnant von Sätzen bleibt hier, um Eure Leute militärisch auszubilden".
Damit verabschiedete er sich auf Nimmerwreder- sehen. So blieb ich denn angeblich als militärischer Instrukteur des Hiba, in Wahrheit aber als Geisel im Lager zurück. Seit 15 Jahren bin ich von der zivilisierten Welt vollständig abgeschnitten, und erst zwei Jahre nach dem Friedensschluß erfuhr ich überhaupt, daß der Krieg beendet war. Es war am 20. August 1920, als mich der Hiba hat, sieben „Männer mit Käppis", die im Norden von Tiznit gefangen worden waren, zu verhören. Sie können sich meine freudige Erregung vorstellen, die mich bei der Aussicht, Landsleute zu sprechen, überkam. Mit unsicher schwankenden Schritten und dem Ruf „Kamerad, Kamerad" näherte ich mich der Gruppe der Frem- denlegionäre,' die mich wie entgeistert anstarrten. „Leutnant Erich von Sätzen vom 2. Ulanenregiment. Hier in Mission im Namen des Kaisers." Ein Mann löste sich aus der Gruppe: „Hauptmann Max von Hofer vom 3. bayerischen Infanterieregiment". Unwillkürlich stand ich stramm. Der Mann war ohne Käppi, und seine Legionärsuniform hing in Fetzen. Als ich mich von der ersten Ueberraschung echolt hatte, rief ich: „Offizier und in der Fremdenlegion? Weshalb sind Sie nicht desertiert? Weshalb sind Sie nicht an der Front?" — „An welcher Front denn?" — „Nun, im Osten oder Westen?" Die sieben Legionäre sahen mich verständnislos an. „Ja, wissen Sie denn garnicht, daß der Krieg zu Ende ist?" Mit kaum vernehmlicher Stimme stotterte ich: „Und wer hat gesiegt?" Hauptmann von Hofer antwortete kurz und bündig: „Wir haben den Krieg verloren". — „In welcher Schlacht?" Mit schmerzlichem Zucken um den Mund erklärte der ehemalige bayerische Offizier: „Uns hat der Hunger besiegt. Und der Hunger war es auch, der mich dazu gebracht hat, mich bei der Fremdenlegion anwerben zu lassen". Herr von Sätzen schweigt. „Und Sie selbst?" frage ich. „Ich verstand endlich, daß der Krieg auch für mich verloren war, daß Pröbster nie wiederkommen würde, und daß ich ebensowenig Aussicht hätte, hier wieder herauszukommen", falben Sie viel gelitten?" fragte ich nach kurzer Pause. „Furchtbar!" — „Und was war das Schlimmste?" — „Die Un= sauberkeit und die Flöhe. Der Biß der Flöhe ist ja nicht alles. Sie wissen aber, daß sie die Pest übertragen. Bei jedem Biß der ekligen Schmarotzer stieg vor meinem Auge das furchtbare Gespenst der Pest auf. An Schlaf war unter diesen Umständen garnicht zu denken. Vor meiner fiebernden Phantasie stand immer das Bild eines Flohs in der Gestalt eines schwarzen Riesen, der, mit einer langen Lanze bewehrt, mir die Waffe durch den Körper stieß. Ich fühlte den körperlichen Schmerz der Wunde und hatte gleichzeitig das Gefühl, daß ich hem. o^Untt nn eti t.n noum. .
Manchmal dachte ich daran, an meine Mutter zu schreiben, die nicht weiß, ob ich noch am Leben bin. Aber wozu? Der Brief wäre ja doch nicht angekommen. Die Flöhe würden ihn gefressen haben, wie sie mir Arme, Beine und Rücken zerfraßen. Mein Herz schlug mir in diesen Fieberdelirien bis zum Halse herauf. Ich sah meine Mutter am Fenster, beim Kochen in der Küche und meine Schwester heiter lächelnd im Garten sitzen. Aber schließlich habe ich mich auch daran gewöhnt, und wenn ein Europäer sich erst an die Flöhe gewöhnt hat, hat er seine Schwierigkeit mehr, sich auch an das Leben dieser Menschen zu gewöhnen. Nachdem meine euro= päischen Kleider völlig zerfetzt waren, legte ich den Burnus an und ließ mir Bart und Haare nach der Landessitte wachsen. Der Hiba gab mir seine Tochter zur Frau und ernannte mich zum Kadi. So geht es mir leidlich und — ich lebe". — „Und haben Sie nicht manchmal den Wunsch, ins Vaterland zurück- zukehren?" Ein stiller Vorwurf trifft mich aus den Augen des ehemaligen deutschen Offiziers. „Weshalb diese Frage?" sagt er ernst. „Waren es erst die Flöhe, so ist es jetzt das Heimweh, das mich nicht schlafen läßt. Aber —" — „Kann ich etwas für Sie tun?" falle ich ihm in die Rede. „Jawohl. Sagen Sie, daß im Süden Marokkos sich der Leutnant Erich von Sätzen vom 2. Ulanenregiment befindet, der von der kaiserlichen Regierung im Jahre 1916 mit einer Mission betraut wurde, und der von einer anderen Regierung vergessen wurde. Eine solche Nachricht wird vielleicht bewirken, daß irgendeiner an mich denkt und vor allem" — nach einem kurzen Schweigen, als wollte er die aufsteigende Rührung Niederkämpfen — „wird sie für meine Mutter, wenn sie noch lebt, ein großer Trost sein".
Brandseuche bei Osnabrück
Osnabrück, 6. Okt. Im Regierungsbezirk Osnabrück waren im Laufe der letzten drei Monate nicht weniger als 128 Brände zu verzeichnen. Nur m 18 Fällen konnte jedoch die Staatsanwaltschaft Klage wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Brandstiftung erheben, da bei allen andern Bränden die Ermittlungen ohne Ergebnis blieben, obwohl ein besonderes Branddezernat bei der Staatsanwaltschaft in Osnabrück eingerichtet wurde. Es ist aber zweifellos damit zu rechnen, daß Dutzende der nicht aufgeklärten Brände noch auf Brandstiftung zurückgeführt werden müssen.
iw unsere Zeit
Mühseliges Vorwäschen und Einbürsten der Wäsche sind für zeitgemäß denkende Hausfrauen überwundene Dinge. Henko-Bleich- soda nimmt .Ihnen die Arbeit ab!
Abends vor dem Waschtag die Wäsche in kalte Henkolösung legen, nachtsüber stehen lassen, morgens leicht auswringen - damit ist die halbe Wascharbeit getan. Und was Sie dabei gewinnen?
Sie schonen Gesundheit und Wäsche und schonen Ihren Geldbeutel, denn 1 Paket Henko kostet nur wenige Pfennige, und dafür besorgt es alle Arbeit, die sonst Sie am Waschfaß leisten müßten!
Mit Henko abends eingeweicht, wird Dir das Waschen morgens leicht.
rtundsunk-Nvosvamm
Mittwoch, den 7. Oktober
6.15: Wettermeldung. Anschließend: Morgengymnastik. 7.20: Frühkonzert. 12.05: Schallplattenkonzert. 14: Werbekonzert. 15.15: Stunde der Jugend. 17.05: Nachmittagskonzert. 18: Liedorstunds. 18.40: „Reise nach Zentral-Asien". Vortrag. 19.05: Stunde der Arbeit. 19.45: In einem Kali-Bergwerk, Reportage. 20:30: Konzert von Edith Lorand (Moline). 21.15: Englische Soldatenlieder aus dem Weltkrieg. 22.15: Nackwichten.
Devewe, Vevsammluttge«
Sirchenchor der Ariedenskirche. 8 Uhr pünktlich Tenor und Baß, 9 Uhr Sopran und Alt. 1300 Deulschnalionlller Handlungsgehilfen - Verband, Ortsgruppe Hanau. Monatsversammlung am Donnerstag, den 8. Oktober 1931, 8^ Uhr, im Heim. Tagesordnung: 1. Kreistag; 2. Winterbildungsarbeit; 3. Verschiedenes.
Henko
Wasch-und Bleichsoda
Was sich seit über 50 Jahren bewährt hat, m u 6 gut sein! „„^dn Sie zum Aufwaschen, Spülen und ReTntgen Henkels ©