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Dienstag, den 6. Oktober 1931

Nr. 234

Seite I

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Die MivtschaftSlase im September

Dem Monatsbericht der Industrie und Handels­kammer Frankfurt a. M.— Hanau entnehmen wir, daß bei der Edelmetall- und Schmuck- warenindustrie eine Veränderung der Sage nicht eingetreten ist.

Ueber die Gummi-Industrie wird ge­schrieben: Nachdem sich im Juli der Geldmarkt be­sonders schwierig gestaltet hatte und sich auf die Ge­schäfte ungünstig auswirken mußte, hat der Monat August einen verhältnismäßig guten Absatz ge- bracht; auch die Geldeingänge waren noch zufrieden­stellend. Infolge der fortgesetzten schwierigen Ver­hältnisse, wozu außerdem die ungünstige Witterung kam, hat sich der September weit weniger gut angelassen. Die Industrie, welche als Groß­abnehmer in Frage kommt — hierzu gehören in erster Linie die Automobil-, Lastwagen- und Zug- maschinen-Fabriken —, hat größte Einschränkungen vorgenommen. Die Händlerkundschaft kaufte, um sich nicht unerfüllbare Zahlungsverpflichtungen auf­zubürden, nur das, was sie gerade für die Erhal­tung des laufenden Geschäftes benötigte. Hierzu kommt noch, daß die Preise infolge von Unterbie­tungen weiter gedrückt werden und die laufenden Spesen sich sehr schwer und nicht so schnell dem sinkenden Umsatz anpassen können. — Es ist immer­hin zu hoffen, daß, wenn bessere Witterung einsetzt, das Geschäft sich wieder etwas reger gestaltet, weil in allen Abnehmerkreisen nur sehr geringe Be­stände vorhanden sind. — Der Geldeingang war in diesem Monat nicht befriedigend; der Schuldner be­gründete das Nichteinhalten der Zahlungstermine damit, daß er seine Außenstände nur überaus schwer hereinbringe.

Besonders muß noch bemerkt werden, daß das Geschäft mit den Behörden entgegen aller Erwar­tungen und Voraussagen seitens dieser Stellen ge­ring war und in diesem Jahr auch keinen größeren Umfang mehr annehmen dürfte.

GesansS-Äbtekluns des Svans.

Kaftn-S

10jährige Gründungsfeier

Die zehnjährige Gründungsfestfeier der Ge­sangsabteilung des Evg. Kasinos, die am Sonntag, den 4. Oktober in dem festlich geschmückten Saal der Zentralhalle unter sehr starker' Beteiligung der evg. Bevölkerung stattfand, kann in allen ihren Teilen als gut gelungen bezeichnet werden. Der Festaus­schuß, an der Spitze der Dirigent der Gesangsab­teilung, Herr Lehrer Möller, hatte ein feines kunstsinniges Programm aufgestellt. Als Mit­wirkende bei der Durchführung des Programms waren erwählt: Herr Ludwig Aumüller, Bari­ton, Herr Ludwig Emmerich, Klavier, Herr I. Bock, Rezitator, der Hanauer Orchesterverein unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Max Vil - l i n g e r und die Rhythmische Abteilung der Turn- und Sport-Vereinigung 1860, Leiter Herr Otto Staitz. Es wurde ein Fülle von Gutem und Schönem geboten, die weit über den Rahmen der sonstigen Veranstaltungen des Kasinos hinaus­gingen. Im ersten Teil gab der Hanauer Orchester­verein . „Marsch aus Tannhäuser", „Andante aus der 2. Sinfonie von Beethoven"

5; Sinfonie von Schubert", „Solveigs Lied aus Peer Gynth" in einer so herrlichen Weise wieder, daß man sich auf einen großen Musikabend versetzt fühlte. Herr Ludwig Aumüller (Bariton) als guter Konzertsänger bekannt, sang Valentins Gebet' aus „Margarete" mit hinreißendem Gefühl und vor­züglicher Stimme. Die Gesangsabteilung, die schon vormittags im Hauptgottesdienst packende Weisen sang, hatte sich in den Chören: „Ich heb' zu dir die Hände", „Der Herr ist mein Hirt", „ßanber= kennung" von Grieg mit Orchesterbegleitung nicht allzu leichte Aufgaben gestellt. Sie hat sie aber restlos und gut gelöst. Es war eine Freude, die kleine Sängerschar unter der zielbewußten und straffen Leitung ihres Dirigenten, Herrn Lehrer Möller, zu hören. Am besten gelungen war der Chor „Landerkennung", der packend und stimmlich sehr gut vorgetragen wurde. Im zweiten Teil sang die Iubilarabteilung noch „Das deutsche Lied",

„Liebe", Villanella alla Napolitana", „Tanzlied" klangvoll und schön. Herr Konzertsänger Aumüller brachte Wienerlieder „Grüß mir mein Wien" aus Gräfin Maritza und „Weinlied" aus „Der lachende Ehemann" in künstlerischer Weise zum Äortrag. Am Klavier saß Herr Lehrer Emmerich, der den Künst­ler mit großer Hingabe unterstützte.

Inmitten dieser akademischen Feier und der Kunstgenüsse nahm der Vorsitzende der Gesangs­abteilung, Herr W. Bauer, das Wort zu einer freundlichen Begrüßungsansprache. Die Festrede hielt der Vorsitzende des Evg. Kasinos, Herr Kreis­pfarrer Kranepuhl, der den Daseinszweck des evg. Kasinos erörterte und den Werdegang der Ge­sangsabteilung schilderte, sowie die Glückwünsche des Kasinos Mm 10jährigen Bestehen übermittelte. Anschließend zeichnete er eine Anzahl Sänger mit der schlichten Ehrennadel des Sängers aus. Wei­tere Glückwünsche für die Gesangsabteilung entbot der Vorsitzende des Gesangsvereins der Marien­kirche namens der beiden Kirchenchöre der Marien- und Iohannesgemeinde.

Der heitere Teil wurde von dem Orchesterverein mit „Rosen aus dem Südeü" eröffnet, worauf in bunter Reihenfolge Gruppentänze und Volkstänze der Rhythmischen Abteilung der Turn- und Sport­vereinigung 1860, unter Leitung ihres Herrn Staltz, sowie Rezitationen unseres heimischen Rezi­tators Bock dargeboten wurden.

* Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute die Eheleute Carl Dörrhöf er und Frau Else geb. Henrich.

* Bestandene Prüfung. Fräulein Mia Schüßler aus Hanau, Lehrerin an der Mädchenschule in Schmalkalden, bestand die zweite Prüfung (Staats­examen) mit dem Prädikat „Gut".

* Eine Gedenkfeier für Prof. Dr, hülsen ver- ainftaltet heute Dienstag abend 8 Uhr der Frank­furter Verein für Volksbildung im Volksbildungs­heim am Eschenheimer Tor. Prof. Hülsen ist in Hanau bekannt durch sein langjähriges Wirken als Dozent für Kunstgeschichte und Stillehre an der Staatlichen Zeichenakademie und durch seine Vor­träge im Kunstindustrieverein und im Kunstge­werbeverein.

* Kin interessanter Beleidigungsprozeß mit stark politischem Einschlag spielte sich dieser Tage vor dem hiesigen Zivilrichter ab. Es handelte sich um gewisse Vorkommnisse innerhalb der national­sozialistischen Partei, die eines Tages zu einer förmlichen „Meuterei" der SA.-Leute in der hie­sigen Parteigeschäftsstelle führten. Schuld daran trug die gewaltsame Entfernung des früheren Ge­schäftsführers und selbständigen Inhabers der „Deutschen Buchhandlung", dem man die Unter­schlagung von Parteigeldern in Höhe von 1200 RM nachsagte. Als Verbreiter dieses haltlosen Ge­rüchtes wurde der frühere Kassenwart und spätere Nachfolger des Beleidigten ermittelt, gegen den jetzt der Verleumdete den Weg der Privatklage be­schritten hat. Nach einer recht erregt verlaufenen Verhandlung wurde der Beleidiger wegen übeler Nachrede zu 100 RM Geldstrafe verurteilt. — Die gleiche Klage war von dem Beleidigten auch gegen den damaligen Ortsgruppenleiter der Partei ange­strengt worden. In diesem Fall kam das Gericht zu einer Vertagung des Prozesses zwecks weiterer .Klärung Der zu damaliger' Zest in der Partei hërr'-' schenken Verhältnisse.

LVettevbevicht

Während im ganzen Küstengebiet der Nord- und Ostsee die Ausläufer der ozeanischen Tiefdruckge­biete Bewölkung und vielfach auch Regen bringen, hält bei uns dâs heitere und trockene Wetter noch an. Allerdings wird bei fallendem Luftdruck auch bei uns das Hochdruckgebiet allmählich' abgebaut, doch find Niederschläge erst später zu erwarten. Die Temperaturen steigen bei stüdliichen Winden tags­über verhältnismäßig hoch an. — Vorhersage bis Dienstag abend: Nach kalter und nebliger Nacht noch ziemlich heiter und mittags wieder recht warm, vorerst noch trocken, südliche Winde. — Witterungs­aussichten für Mittwoch: Verschlechterung und späterhin auch Regenneigung.

Deutschen Gerichtsvollzieherbundes) hielten hier «un­ter der Leitung ihres Vorsitzenden, Obergerichts, Vollzieher Bührmann (Kassel) am Sonntag unter stattlicher Beteiligung ihre diesjährige Herbst, tagung ab. Nach Entgegennahme eines Berichtes über die letzte Tagung wurden die OG. NAke- Oberaula und Förster-Hanau als neue Mit, glieder des Vereins ausgenommen und bei bem Bericht über die Kassenlage auf die Wichtigkeit der Erkenntnis verbandlicher Pflichten hingewiesen. Einem Bericht über die Tagung des Preuß. Lan­desverbandes des Deutschen Gerichtsvollzieher- Bundes war die Tatsache zu entnehmen, daß sich die deutsche Beamtenschaft in der Defensive befin­det und es an ihr ist, ihre Rechte zu verteidigen. Als Beamtenvertreter beim Oberlandesgericht in Kassel wurden die Obergerichtsvollzieher Bühr­mann und Robes (beide Kassel) einstimmig wieder­gewählt, als Ort der nächsten Tagung, die am 1. Sonntag im Mai stattfindcn soll, Kassel. Nach Be­handlung dienstlicher Angelegenheiten kam man zur Behandlung des auch für die breitere Oefsent- lichkeit wichtigen und interessanten Entwurfes der neuen Zivil-Prozeßordnung, die voraussichtlich am 1. April 1932 in Kraft treten soll und für das Vollstreckungswesen insofern eine einschneidende Aenderung bringen wird, als nach ihr die Voll- streckungsâufträge künftig nicht mehr vom Gläubi­ger, sondern dem zu bildenden „Vollstreckungs­gericht" gegeben werden, Widerspruch und Ein­spruch bei den Vollstreckungen wegfallen und die gesamte Tätigkeit der Gerichtsvollzieher mehr zen­tralisiert werden wird. Eine für den Berufs- und Existenzkreis der deutschen Gerichtsvollzieher hier­bei sehr wichtige Frage ist die, ob diese Beamten in die neuen Vollstreckungsämter hereinkommen, oder man andere Beamte aus anderen Dienststellen herübernimmt. Gefordert müsse werden, daß in den neu zu bildenden Aemtern nur Leute mit der nötigen Vorbildung und Menschenkenntnis einge­stellt würden; Vereins- und Standes-, sowie rein berufliche Angelegenheit bildeten den Beschluß der harmonisch verlaufenen Tagung.

m Somborn, 4. Okt. Gemeindevertretersitzung. Auf Antrag der hiesigen beiden Kinobesitzer Schaff­rath und Trageser bezüglich Ermäßigung der Kino- steuer sowie Neuregelung der Lustbarkeitssteuer wurde der Beschluß gefaßt, ab 1. Oktober 1931 die Lustbarkeitssteuer wiè folgt zu regeln: Von dieser Steuer werden für die Gemeinde 10 Proz. und für den Kreis 5 Proz. erhoben. Die Berechnung der Steuer für die hiesigen Gastwirtschaftssäle nach der Quadratmeterzahl bleibt wie seither bestehen. Fer­ner wird die Sartenfteuer für die Kinobesitzer in Höhe von 10 Proz. für die Gemeinde und 5 Proz. für den Kreis erhoben. Es wurde ferner beschlossen, bei mehr als einer Tanzbelustigung, die «in Verein innerhalb des Jahres abhält, die doppelte Lustbar­keitssteuer einzuführen. Zwei weitere Punkte der Tagesordnung mußten wegen vorgerückter Stunde bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt werden.

k Niedergründau, 4. Okt. Raiffeisen- Generalversammlung. In der Gastwirt­schaft Emmel fand am Samstag abend die Herbst- Generalversammlung des hiesigen Spar- und Dar- lehnskassenvereins statt. Der Vorsteher, Herr

A«S Steluheim und Ämgebuns

— Groß-Steinheim, 3. Okt. Auf der Tagesord­nung der letzten Gemeinderatssitzung stand als erster Punkt die Bürgermeisterwahl. Herr Beige­ordneter Pfeiffer gab zunächst die Bedingungen be­kannt, wie die Wahl eines Berufsbürgermeisters vorgenommen wird. Gemeinderat Volk schlägt als­dann im Auftrage der Zentrumspartei den seit­herigen Bürgermeister Rachor zur Wiederwahl vor. Es entspinnt sich nun eine längere Debatte, bis schließlich auf Antrag des Gemeinderats Kemmerer die Wahl von der Tagesordnung abgesetzt und so lange zurückgestellt wird, bis die kreisamtliche Ge­nehmigung des Gemeinüeratsbeschlusses vom 16. Juni 1931 zurück ist. Zu Punkt 2, Gesuch des Frz. Rhein um Ueberlassung von Gemeindegelände, wurde beschlossen, das fragliche Gelände öffentlich zu verpachten. Der ortsübliche Tagelohn wurde wie folgt festgesetzt: Männliche Erwachsene 6 Mk., von 16 bis 21 Jahre 5 Mk., unter 16 Jahren 3.50 Mk., weibliche Erwachsene 4.50 Mk., von 16 bis 21 Jahre 3.50 Mk., unter 16 Jahre 2.50 Mk. pro Tag. Als Vertreter für die Bezirk^sparkasse Seligenstadt wurde Bürgermeister Rachor bestimmmt, als Stell­vertreter Eemeinderat Kemmerer. — Der Rückkauf von Straßengelände in der Eppenheimerstraße wurde zu den vorgeschlagenen Sätzen genehmigt. — Bei Punkt Verschiedenes wurde Klage geführt über die mangelhafte Beleuchtung der Straßen und demgemäß beschlossen, daß ab 1. Oktober wieder sämtliche Laternen brennen sollen. — Der Rat­hauskeller wird an Gg. Baier für 20 Mk. verpach­tet. — Nach Mitteilung des Kreisausschusses wird für die Gemeinde Groß-Steinheim die Erhöhung der Biersteuer um 100 Prozent verfügt. Hierauf nichtöffentliche Sitzung.

— Klein-Steinheim, 3. Okt. Am Samstag, 10. Oktober, abends 8 Uhr, wird der Gesangverein Lie­derkranz Klein-Steinheim (Dirigent: Herr Musik- direttor Robert Herber- Darmstadt), im Saale von Mich. Herty sein diesjähriges Hauptkonzert ver­anstalten. War das Frühjahrskonzert, das allgemein als eine Glanzleistung des Vereins angesprochen wurde, ausschließlich dem Volkslied gewidmet, so soll das bevorstehende Konzert in erster Linie den. Verein im Vortrag schwieriger Chorwerke älterer sowie zeitgenössischer Komponisten zeigen. Selbstver­ständlich wird auch das Volkslied, dessen Pflege sich der Verein zum besonderen Ziele gesetzt hat, nicht schien. Das Programm weist u. a. auf: Hochamt im Walde v. J. Werth, Glöcklein im Thal« v. Orth, Lilienmädchens Wiegenlied v. O. Neubner, Heide­krieg v. I. Werch (Preischor 1914 in Seligenstadt) usw. Den musikalischen Teil bestreitet das Streich­orchester der hiesigen Freiwilligen Feuerwehrkapelle.

ai hainstadt, 4. Okt. Autounfall. Sonntag nachmittag 4 Uhr fuhr auf der Provinzialstraße Hainstadt— Klein-Auheim ein Kleinauto (Hanno­mag). An der Kurve am Bahnübergang Klein- Auheim sprang plötzlich der Reifen des rechten Vor­derrades heraus. Beim Bremsen löste sich auch der rechte Hinterradreisen, und das Auto überschlug sich nach vorn. Fahrer und Begleiter kamen unter das Auto zu liegen. Spaziergänger befreiten die Ver­letzten aus ihrer Notlage. Ein hinzukommendes Auto verbrachte die Verletzten zu" einem Arzt, wel­cher bei dem einen Herrn eine Gehirnerschütterung und bei dem anderen eine klaffende Wunde am Kopfe feststellte. Das Auto war stark beschädigt und mußte abgeschleppt werden. Beide Insassen waren aus Frankfurt-Heddernheim.

ai Hainstadt, 4. Okt. Bei der heute stattgefun­denen Beigeordneten-Stichwahl wurden folgende Stimmen abgegeben. Der Zentrumskandidat Peter Joseph König erhielt 867 Stimmen. Der kommu­nistische Kandidat Jacob Friedrich Seib erhielt 650 Stimmen. König ist mit einer Mehrheit von 217 Stimmen gewählt. Abgestimmt 1662, ungültig 145. Wahlberechtigt 1829.

Wilhelm Schneider 2. eröffnet die Versammlung, begrüßte die erschienenen Genossenschaftsmitglieder und die Gäste und erteilt Herrn Bertram, Geschäfts­führer des „Kalkwerk Atlas G. m. b. H." Ält.en-

mittlau das'Wort zu seinem Vortrag über „Sylt- f t bimgina^-'lKW^

wartete der Referent nacheinanver oie Fraget. R

„Warum muß der Landwirt kalken?", „Wann mHj er kalken?", „Wieviel muß er kalken?". Er c11’/

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Srets Gelnhausen

s Gelnhausen, 4. Okt. Die Gerichtsvollzieher des Oberlandesgerichtsbezirkes Kassel (Verein Kassel des

dabei viele treffliche Beispiele aus der Praxis ustt zwar aus dem Kreise Gelnhausen. Zum Schluff • ging er auf die Frage „Kalkdüngung und Milch ] wirtschaft" ein und zeigte die Notwendigkeit für die deutschen Landwirte, dem Kalk mehr Beachtung zu erweisen, eine Notwendigkeit, die man in Dänemark mit seinem staatlichen Kalkdienst, in Holland usw. schon längst ersannt hat. So kam er auf die Kalkung von Wiesen- und Weideland zu sprechen. — Die außerordentlich wertvollen Aus­führungen des sachkundigen Vortragenden fanden einmütigen Beifall. — Sodann gab Herr Ver­bandsrevisor Linneberger-Hanau auf Grund der kürzlich vorgenommenen Revision einen kurzen Geschäftsbericht, dem zu entnehmen war, daß bk Geschäftsführung der Genossenschaft in guten Händen sei und der Verein eine gute Aufwärts-

Kegev-Beetboven-Veahms

Eine Vorbetrachtung zum Sonaten-Abend am 8. Okt. von Willi Bissing.

o Das erste Konzert der Hanauer Kammermusik- Vereinigung ist ausschließlich Werken für Viottne und Klavier Vorbehalten, und zwar sicht das Pro­gramm Regers „Suite im alten Stil" op. 93, Beet­hovens G Dur-Sonate op. 30 Nr. 3 und Brahms d moll-Sonate op. 108 vor.

Das kompositorische Schaffen Max Regers — es umfaßt alle Gattungen der musikalischen Kunst mit Ausnahme der Oper — wird. in erster Linie charak­terisiert durch den ungewöhnlichen Reichtum des Harmonischen; er geht hier zweifellos bis hart an die Grenze des überhaupt möglichen. Ein weiteres Hauptmerkmal ist die bis zum letzten gesteigerte Polyphonie, die ihn ohne Frage noch über Bach stellt. Bei aller kontrapunktischen und harmonischen Kühnheit hat er. jedoch den Boden der — allerdings modernste Wirkungen gebrauchenden — Tonalität und gestaltenden Logik nie verlassen. Am glücklichsten ist er da. wo ihn eine festumrissene Form in be­stimmte Bahnen zwingt, wie etwa in der Variation und in der Fuge, wo seine reiche Erfindungskraft und eminent polyphone Natur mit besonderer Klar­heit hervortritt. So erscheint in der zur Aufführung gelangenden „Suite im alten Stil" nach einem freien Präludium und einem tief empfundenen „Largo" als letzter Satz eine grandiose Doppelfuge, die Regers ganze Meisterschaft dieser Formengattung aufs trefflichste offenbart. Der ins titanische gesteigerte Schluß zeigt den Meister im Vollbesitz aller kompo­sitorischen Kunstmittel — dokumentiert ihn jedoch auch als durchaus absoluten Musiker.

L. v. Beethovens G Dur-Sonate op. 30 Nr. 3, gemäß chrem Entstehungsjahr 1802 noch Mr ersten, den Einfluß Haydns und Mozarts verratenden Schaffensperiode gehörig, atmet in allen Sätzen aus­gelassenste Heiterkeit. Das an Stelle des sonst üblichen langsamen Satzes stehende „tempo die minuetto“ gehört zu den edelsten Offenbarungen des Meisters. Aus den beiden Ecksätzen spricht schon stark der Ideengehalt der 7. und 8. Symphonie.

Den Schluß des Programms bildet Iohannes Brahms großangelegte d moll-Sonate, das gewal­tigste der 3 Werke dieser Gattung. Die Tiefe der Empfindung, die äst neuen Wendungen reiche,

archaistisch beeinflußt« Harmonik und die als direkte Fortsetzung Beethovens erscheinende konstante Rhyth­mik kennzeichnen vor allem sein Schaffen. Der aus zwei Themm bestehende erste Satz, dessen gesamte Durchführung auf einem 46 Takte langen Orgelpunkt der Dominante ruht, weist stark auf Schumann, mit »essen Werken sich Brahms weitgohendst vertraut zemacht hatte. Auf ein cantilenenreiches Adagio olgt ein höchst delikates Intermezzo in fis moll, das Scherzo-Stelle vertritt. Man gewahrt mit Staunen, wie Brahms aus einem aus drei Achteln bestehenden Motto ein Musikstück von beinahe 200 Takten ent­wickelt. Das Finale, ebenfalls fchumannisch beein­flußt, ist «in grandioses, wetterleuchtendes, von Stürmen der Leidenschaft durchwühltes „Presto agitato“, dem eine zigeunernde Tarantelle zugrunde liegt, die von zwei gemessenen Themen unterbrochen wird. Im wildesten brioso klingt der Satz aus.

An dieser Stelle sei bemerkt, daß die damals nahezu siebzigjährige Clara Schumann, die schon immer eine große Verehrerin Brahms'scher Kunst war, am 2. Dezember 1888 in ihrem Tagebuch ver­merkte: „Ich studiere mit Begeisterung Brahms d moll-Sonate . . .“, eine schöne Tatsache, die greise Künstlerin von diesem Kunstwerk ergriffen zu sehen.

Ävbovrsme«

Von Heinrich Renk.

Eine Sache ist um so besser, je mehr ungeschickte Verfechter sie vertragen kann, ohne daß es ihr schadet. *

Höflich zu sein ist keine Kunst, aber mit Anstand grob zu fein, das ist eine.*

Eine edle Zerstreuung kann mehr Sammlung er­fordern als die gewöhn?« Tätigkeit.

Wer immer an der Wahrheit vorbeiredet, denkt schließlich auch an ihr vorbei

o Stadttheater. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend 8 Uhr geht als 2. Vorstel- luyg im Dienstag-Abonnement zum vorletzten. Male

der große Erfolg „Der Hauptmann von Köpenick", ein Volksstück in drei Akten von Carl Zuckmayer in Szene. — Morgen Mittwoch, abends 8 Uhr ge= langt zum ersten Male die Operetten-Neuhe-it „Walzer aus Wien", Operette in drei Akten von Bittner-Johann Strauß zur Aufführung. Die Handlung dieser Operette wurzelt im Heimatboden der Walzerdynastie Strauß. Sie mischt, altwiene­risch anheimelnd, heitere und rührende Elemente, die, aus den dramatischen Phasen eines Künstler­aufstieges geholt, an einen unsterblichen Nomen geknüpft und durch chn gewecht sind. In den Haupt­rollen dieser Operette sind beschäftigt die Damen Mangel, Klann und Wirch sowie die Herren No­seda, Stübler, Hannak, Heimburg, Schirmer und Leube.

o Gotthold Ditter singt im Jubiläumskonzert der ID eins er. Gotthold Ditter, der Heldenbariton der städt. und Staas-Oper Berlin, wurde von dem Weins'schen Gesangverein für das Jubiläums- Konzert anläßlich seines 75jährigen Bestehens als Solist verpflichtet. Gotthold Ditter konnte erst in diesem Sommer wieder einen ganz großen künst­lerischen Srfolg erringen; er wurde von der Lei­tung «der Bayreuther Festspiele für die Partie des Klingsor in „Parsilfal", der unter der Stabführung von Toscanini gegeben wurde, verpflichtet, und konnt« die Rolle mit größtem Ersolg durchführen. Die Press« schreibt darüber wie folgt: „Kreuz- zeitung", Berlin: „Gotthold Ditter (Berlin) als finsteren, energisch deklamierenden Klingsor. Die Zauberer haben in Bayreuth die letzten Jahre viel gewechselt, Ditter dürfte wohl wiederkommen. — „Wiesbadener Tageblatt": „Gotthold Dit- ter, der zum ersten Mal den Klingsor fingt, ist ein Gewinn: sein Zauberer ist finster, markig und her­risch, vor allem auch eindrucksvoll in der energischen Deklamation." — „Fränkischer Kurie r", Nürnberg: „Einen Sänger von beträchtlichen Stimmitteln und mit viel Spieltalent lernte man in dem Klingsor Gotthold Ditters kennen. Der Bari­ton Ditttrs ist starker dramatischer Steigerungen fähig, die durch eine überzeugende Beseeltheit der Tongeb«ung und durch eine hemmungslose Hingabe an die Szene noch viel gewinnen. Ditter behan­delt den Klingsor gesanglich, musikalisch und dra­matisch außerordentlich markant." — „Hambur­ger Ar emdenblatt": „Der Klingsor Gotthold Ditters (Berlin) war stimmlich und deklamatorisch eine fabelhafte Leistung." — Ditter wird im Jubi»

läumskonzert von Willy Bissing (Hanau) am Flügel begleitet, einem Künstler, der 'durch seine Konzert- tätigkeit aufs Beste bekannt ist. Eine Einzeichnungs- liste zirkuliert, ferner sind Karten im Musikhaus E. Schaaf, Inh. K. Müller, Marktplatz 15, zu haben.

o Der Eiffelturm wird Goethes „Faust" senden. Bei der Aufstellung des Programms für die neue Saison hat sich Georges Delamare, der künstlerische Leiter der Rundfunkstation des Eiffelturms, be­müht, die Sendung so abwechselungsreich wie Mög­lich zu gestalten. Abgesehen von Vorträgen und musikalischen Darbietungen verspricht das Pro­gramm als besondere Gabe eine Aufführung Dantes „Hölle" mit Chören und Instrumentalmusik, zu der Stücke von Saint-Saens, Beethoven und Wagner verwendet werden sollen. „Ich gedenke auch", erklärte Direktor Delamare den Pariser Be­richterstattern, „ein deutsches Stück aufzuführen, das mit Ausnahme von Frankreich in ganz Europa gespielt worden ist. Es ist eine Kriegsgeschichte mit lebhaft bewegter tragischer Handlung. Man muß es den Deutschen lassen, daß sie auf dem Ge­biet des Sendespiels starke Leistungen aufzuweisen haben." Es sollen ferner Bruchstücke aus Goethes „Faust" gesendet werden, um anläßlich der hun­dertsten Wiederkehr feines Todestages des größten deutschen Dichters zu gedenken.

ÄUevler wMenSwevteS

Auf einen Atemzug kommen normalerweise beim Erwachsenen vier Herzschläge. Es gibt aber verschiedene Krankheiten, in denen dieses Verhält­nis stark wechselt, es können dann zehn oder auch nur ein Herzschlag auf einen Atemzug kommen.

Um das Jahr 1000 hatten die Chinesen bereits einen Verkehr mit Dschonken nach Amerika er­öffnet.

Die Geschwindigkeit des Mauerseglers wird auf 290 Kilometer in der Stunde geschätzt.

Groß-London zählt acht Millionen Einwohner, zwei Millionen mehr als der australische Kontinent (mit 8,9 Millionen Quadratkilometer) beherbergt.