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Der Sitz der Seele und der schlechten Laune.
Das Geheimnis der Drüsen im menschlichen Körper — Warum haben wir eine Nebenniere, einen Hirnanhang, eine Zirbeldrüse?
Von Dr. S. Werner.
Es gibt so vielerlei Ursachen, mit denen man schlechte Laune begründen kann, nicht wahr? Die allgemeine wirtschaftliche Depression und der bevorstehende Besuch beim Zahnarzt und andere Unannehmlichkeiten höchst persönlicher Natur. Und schlechte Laune — eine alte Erfahrung — pflegt sich häufig auch körperlich auszuwirken. Man verliert in der Mißstimmung die Freude an kulinarischen Ee- nüffen: Appetitlosigkeit, man bekommt schlaffe Züge und blasse Gesichtsfarbe, verminderte Blut- zirkulation. Die geistige Gleichgewichtsstörung führt zu einer Unordnung im Körper; die Nerven „geben uns durch", Kopfschmerzen Fiebererscheinungen können sich einstellen. Alles wegen ein bißchen schlechter Laune!
Will man einmal ganz absehen von den vielen Steinen des Anstoßes die sich in unserem Unterbewußtsein herumtreiben, und von körperlichen Leiden, die wir nicht gleich zu erkennen vermögen, so können wir bei einer anscheinend unerklärlichen Mißstimmung getrost auf einen bösen Störenfried in unserem Organismus tippen — die Nebenniere.
Ueber die Bedeutung der Nebenniere nun hat man sich jahrhundertelang den Kopf zerbrochen. „Im Wunderwerk des menschlichen Körpers ist nichts überflüssig" hat schon ein großer Wissenschaftler des Altertums gesagt. Und — „selbst der Blinddarm ist höchst wichtig" — erklärte einmal scherzend der große Berliner Operateur V. — „er wird am meisten operiert und garantiert uns Aerzten zumindest ein Existenzminimum". Wozu aber brauchen wir eine Nebenniere? 2n ihr sitzt — nach Ansicht vieler moderner Gelehrter — das Organ, das d " -' •- ■ ■ —
tionierende Nebenniere ——und
ihr Träger ist ein optimistischer Mensch voll Lebensmut und Tatkraft! Das Gegenteil: eine Nebenniere, die schlecht und zögernd oder unregelmäßig arbeitet, ist schuld an den Schwankungen im Gefühlsleben des Menschen, dem sie gehört; ihre Unterfunktion erzeugt Passivität, Bedrücktheit, Melancholie und — schlechte Laune. Nun wird, sollte man meinen, ein Mensch, der im glücklichen Besitz einer allzu eifrig arbeitenden Nebenniere ist, ein Sonnenkind voll höchster Leistungsfähigkeit sein. Aber — hier tritt wieder einmal das natürliche Gesetz von der goldenen Mittelstraße in seiner vollen Bedeutung zutage — ein Mensch, dessen Nebennieren übermäßig arbeiten, die allzuviel lebenswichtige Hormone erzeugen, wird auf die Bahn des Verbrechers gedrängt. Man will gerade bei Mördern diese übersteigerte Leistung der Nebennieren gefunden haben. Die Nebenniere selbst als Ausgleichsorgan für die Funktionen des Körpers und der Seele mutz ohne Uebertreibung arbeiten.
Aehnliche Eigenschaften mißt man einem kleinen Organ zu, das, kaum einen Zentimeter im Quadrat groß, zwischen den beiden Gehirnhälften versteckt, dem Dach Des Mittelgehirns aufsitzt, die Zirbeldrüse. Man nannte sie noch im 17. Jahrhundert — in instinktiver Erkenntnis ihrer Bedeutung — „Sitz der Seele" und wunderte sich nur, daß dieses wichtige Organ im ausgereiften menschlichen Körper einer langsamen Rückbildung verfällt. Heute wissen wir, daß diese Zirbeldrüse — epiphyse genannt — ganz ähnlich dem kleinen Hirnanhang — der hypophvse — als Kontrollorgan für das körperliche und geistige Wachstum des jungen Menschen eingesetzt ist. Man findet bei Kindern, die in ihrer Entwicklung sowohl körperlich als auch geistig zurückgeblieben sind, sehr häufig eine verkleinerte, verkümmerte Zirbeldrüse oder einen anormal gebil.
.Lasset die
Kindlein
mir kommen, denn ihrer das Himmelreich!“
Mitteln — derherzen gemacht und sie Hunger
Es müßte in ] A ) jeder Stadt, in ,
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Stelle einge- richtet werden, J
die bedürftige Kinder nach- weist und ihnen die Menschen, die. Pflegschaften übernehmen wollen, zuführt
helfen. Vielleicht habt Ihr in Euren Schränken und auf Euren Speichern Kleider, Kinderspielzeuge oder sonstige nützliche Gegenstände, die Ihr entbehren könnt Und auch aus Euren Vorratskammern könnt Ihr sicherlich manches abgeben, ohne daß dieser Verzicht Euch schmerzlich trifft Es versteht sich von selbst daß Eure Pflegschaft mit großem Takt gehandhabt werden muß, damit die innige Beziehung zwischen Kind und Eltern nicht gestört wird und Vater und Mutter keine Beschämung darüber empfinden müssen, daß sie selbst nicht mehr allein für ihr Kind sorgen können.
Wir leben in einer außergewöhnlichen Zeit Laßt alle Bedenken, alle Hemmungen fallen, verhärtet nicht Euer Herzl Gibt es eine größere Freude als dankbare glückliche Kinderaugen, die Euch entgegenstrahlen? Werdet Ihr in einer Zeit die die Kräfte frühzeitig zum Altern bringt nicht verjüngt wenn ein frohes, lächelndes Kind die Aerm- r Chen um Euern
Hals schmiegt wenn Ihr wißt Y daß Ihr in der
traurigen Ein- l öde der Not ein
> Kinderjauchzen
entzündet habt wenn Ihr — vielleicht mit bescheidenen
reich habt
vor und
strecke des Lebens bedeutet, in der das Dasein noch eine Freude ist und der Lebenskampf noch nicht allen Lebensgenuß erstickt? Ist es nicht eine schöne Aufgabe, den Kindern die en Anfang ihrer Erdentage einigermaßen sorgenlos und heiter zu gestalten?
Und nun tauchen vor uns aus die Millionen von Kindern, die um sich Not und Sorge sehen. Die Eltern umdüstert und verzweifelt, die Kleidung kümmerlich und zer- rissen und der Tisch so ärmlich, daß man nur vor dem Verhungern bewahrt wird. Dürfen wir uns damit abfinden, daß durch diese traurigen wirtschaftlichen Verhält- niffe der Heranwachsenden Generation die Jugend vergällt wird, Körper und Seele in schwerste Gefahr geraten? Die Kräfte des einzelnen reichen nicht aus,
Kleinen auch gelegentlich zu einem harmlosen Vergnügen, einem Kinderfest oder Kinobesuch zu ver-
Kälte bewahrt? Zögert nicht einen Tag!
Haltet Um- schau nach Kin- dern, denen es am Nötigsten fehlt und übernehmt bei ihnen die Pflegschaft damit sie über diese grausame Zeit ohne le- bensgefährliche . V* Wunden hin-
' wegkommen,
I damit ein jun-
M ges Volk her-
m anwächst das
M an der Mensch
heit nicht zu verzweifeln
M braucht und
fr nicht in Feind-
schaff gegen die menschliche Gesellschaft heranwächst! Denn das allein ist Gewähr für eine Bavari a-Veriat bessereZükunft!
Wir richten daher an alle die- jenigen, die es sich leisten können, die eindringliche Ermahnung, für \ X
Kinder von Arbeitslosen die Pflegschaft zu übernehmen. Es genügt hierbei — je nach Vermögen — sich « JJL,;
eines oder einiger bestimmter Kin- der anzunehmen, sich um sie zu kümmern, sie mit Kleidung zu versorgen, den Müttern für die Kinder geeignete Nahrungsmittel regelmäßig ZU beschaffen und den Zeichnung von Gelbke
Wer hätte nicht den Wunsch, Kinder zu beglücken, diese kleinen unschuldigen Geschöpfe, die noch so hilflos dem Leben gegenüberstehen und auf unsere Herzlichkeit angewiesen sind? Haben wir nicht eine große Verantwortung gegenüber diesen jungen Menschen in dem Gedanken, daß die Jugend
Fabriken und Werkstätten zurück- zusühren. Jeder aber, der guten Willen hat und selbst noch über ein Arbeitseinkommen verfügt, kann mithelfen, die Kinder der Arbeitslosen vor körperlichem und geistigen Verfall zu bewahren.
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deten Hirnanhang. Andererseits erzeugt eine ungewöhnliche Vergrößerung dieser Organe Elefantenwuchs — wenn sich die krankhafte Bildung körperlich auswirkt — Großmannssucht — wenn sie auf steigendem Gebiet einen Ausdruck findet. Ein ausgewachsener Mensch, dessen Entwicklung in körperlicher und geistiger Beziehung normal ausgereift ist, bedarf dieses Kontrollorgans nicht mehr. Es schrumpft langsam ein und verkümmert.
Zu den geheimnisvollen Unbekannten des menschlichen Körpers gehörte lange Zeit auch die Schilddrüse. Heute sind uns vielseitige Einflüste der Schilddrüse auf den Organismus bekannt. Wir wissen vor allem, daß eine Schrumpfung der Schilddrüse Verblödung nach sich zieht. Das Gegenteil jedoch ist von ebenso- ?roßen Schaden — wie ein ameri- anischer Gelehrter festgestellt haben will. — Wenn nämlich die Schilddrüse übermäßig stark arbeitet und produziert, dann sind schwere asoziale und verbrecherische Neigungen des betroffenen Menschen die Folge.
„Er hat sich die Gelbsucht an den Hals geärgert" sagt man von einem Menschen, „dem die Galle
übergelaufen ist", „dem -ine Laus über die Leber rannte." Auch hier zeigt sich, welche Bedeutung die normale Arbeit der innersekretorischen Drüsen für die Stimmung des Menschen hat. Nur irrt sich der Volksmund in der Reihenfolge der Vorgänge — der Mensch ärgerte sich nicht solange, bis er die Gelbsucht bekam, sondern die übersteigerte Funktion seiner Leber war der Ausgangspunkt seiner schlechten Laune. Bei übergroßer. Arbeit der größten Körperdrüse des Menschen der Leber, tritt das Produkt dieser Drüse, die Galle, in die Blutbahn und erzeugt neben äußeren Erscheinungen der Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten unbehagliche, krankhafte Gefühle, gereizte, unausgeglichene Stimmung.
Zu ebensolchen und häufig viel schwereren Stimmungsschwankungen neigen Menschen, die an der sogenannten Zuckerkrankheit leiden. Auch hier liegt in der Hauptsache die Schuld bei einer Drüse, der Bauchspeicheldrüse. Die Störungen in der Funktion der Bauchspeicheldrüse führen durch Ausscheidungen von Zucker zu einem stetig fortschreitenden Kräfteverfall. Der leidende Mensch ist in einem Gefühl zunehmender Schwäche —
von wenigen Lichtpunkten unterbrochen — schwersten Stimmungsschwankungen nach der negativen Seite hin unterworfen. Bedingt ist die Krankheit durch eine schlechte produktive Arbeit in einzelnen Teilen der Drüse, Inseln genannt. Um die Krankheit zu heilen, führt man den Patienten das fehlende Produkt dieser Inseln der Bauchspeicheldrüse, das Insulin, aus tierischen Drüsen gewonnen, zu.
Verhängnisvoller als die schlechte Laune kann in einem gewißen Falle die gute Stimmung sein. Es ist eine viel gebrauchte Redewendung der Ausspruch „eines schönen Tages". Jnterestant ist es, wie man neuerdings diesen Volksausspruch wissenschaftlich als zu recht bestehend zu erklären versucht. Speziell bezieht man, die Deutung auf die Tatsache: „Eines schönen Tages traf ihn der Schlag." Die Betonung sollte in diesem Ausspruch auf dem Eigenschaftswort liegen, denn in der Regel können die Personen, die einem durch Schlaganfall Gestorbenen nahe standen, sich nicht genug darüber wundern, daß der Mann gerade die Augen für immer geschloffen hätte nachdem er sich „so wohl wie selten" ge
fühlt habe. Meistenteils handelt es sich bei diesen Fällen um sogenannte „Schlaganfalls-Typen" mit kurzem dickem Nacken, Nei, aung zu Fettansatz, Alter für Arteriosklerose (Brüchigkeit der Gefäße). Durch die dadurch bestehende Verlangsamung in der Zirkulation tritt vielleicht ein mangelnder Austausch der Kohlensäure gegen Sauerstoff in den Venen ein, die Kohlensäurestauung im Körper nimmt zu und erzeugt einen rauschähnlichen Zustand. Der zuvor so leidende Mensch fühlt sich hochgespannt und wohler denn je. Aber langsam vergiftet sich der Körper durch die Kohlensäureanhäufung, die durch den Lebensprozeß entstand. Das Gas spannt die verkalkten Gefäße, und durch Platzen eines solchen Gefäßes im Gehirn tritt der Schlaganfall ein. „Eines besonders schönen Tages ..."