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Jte. 228

Dienstag, den 21 September 1931

Aus Sraukkuvt Ä. M

Vrlklel-Gchallszahlung in Frankfurt o. M.

» Der Magistrat hat beschlossen, um eine glatte Auszahlung aller Wohlfahrtsunterstützungon sowie die ordnungsgemäße Zahlung der Ende September und am 1. Oktober fälligen Anleihezinsen völlig sicherzustellen, vorsorglich die am 1. Oktober als Borauszahlung für den Monat Oktober fälligen Ge. Halter und Pensionen statt wie bisher zur Hälfte zunächst nur zu einem Drittel auszuzahlen.

Aus dem Fenster gesprungen

: Ein in der Wittolsbacher Allee wohnender junger Bankbeamter, sprang in der vergangenen Nacht aus einem Fenster seiner im vierten Stock S'genen Wohnung auf die Straße. Dor junge nn erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus Jtarb. Welche Beweggründe ihn zu der Tat veranlaßt haben, konnte noch nicht festgeftcllt werden.

Feldgrundstücke für Erwerbslose

: Der Magistrat hat in seiner heutigen Sitzung hie zur Verwirklichung des wiederholt erörterten Planes, Feldgrundstücke für Erwerbslose bereit zu stellen, notwendigen Beschlüsse gefaßt. Die Stadt­verwaltung und Die großen Frankfurter Stiftungen sind durch Entgegenkommen der bisherigen Pächter in die Lage versetzt, in Kürze Grundstücke zur Ver­fügung zu stellen, die in rund 1800 Einzelparzellen von je 4 Ar cingeteilt und an Erwerbslose zur Be- mtzung vergeben werden sollen. Die Grundstücke liegen in verschiedenen Stadtteilen, meist in der Nähe von größeren Wohngebieten. Der Frankfurter Vrtsverband der Kleingartcnbauvercinc hat sich be­reit erklärt, Neulinge auf dem Gebiete des Fcld- und Gartenbaus zu beraten, so daß Mißerfolge möglichst vermieden werden. Die jetzt zur Vergebung vorgesehenen Feldparzellen sind keine Kleingärten: sie sollen vorzugsweise dem Kartoffel- und Gemüse­anbau dienen. Ueber die Zulässigkeit der Anpflan­zung von Obstbäumen und Beerensträuchern kann nur von Fall zu Fall entschieden werden. Die Ar­beitslosen, denen Grundstücke dieser Art zugewiesen werden, werden dadurch in die Lage versetzt. einen Teil des Nahrungsbedarfes ihrer Familie selbst zu ziehen; außerdem wird ihnen dadurch Gelegenheit zu einer gesunden Beschäftigung im Freien geboten, als wertvolles Gegengewicht für Nachteile längerer Slrbeitslosigkeit. Besondere geldliche Aufwendungen entstehen für die Stadt durch diese Maßnahmen nicht.

Ein teurer Aukounfall

: Ende Mai ereignete sich auf der oberen Eschersheimer Landstraße ein schwerer Automobil­zusammenstoß. Ein Senator fuhr mit einem Rechts­

anwalt in einem Auto, das in die Liliencronstraße einbiegen wollte. Der Chauffeur hatte den Rich­tungsanzeiger etwa 60 Meter vor dem Einhiegen eingestellt. sinter dem Auto kam ein anderer, aber sehr schwerer Wagen gefahren, der von dem Kauf­mann Fritz G. gelenkt wurde. Dieses Auto fuhr den anderen Wagen an, der etwa 10 Meter weit weggeschleudert wurde. Während der Rechtsanwalt, der ebenso wie der Senator aus dem Wagen flog, Ä durch ein Wunder unverletzt blieb, erlitt der

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Dcr Besuch beim Reichspräsidenten. Auf der Treppe des Reichspräsidenten-Palais.

Von links nach rechts: Botschafter Poncet, Ministerpräsident Laval und Außenminister Briand.

Senator schwere Verletzungen am Ober- und Unter­schenkel. Er mußte ins Krankenhaus gebracht wer­den und schon bei der ersten Operation zeigte sich die ganze Schwierigkeit des Falles, denn es war eine stundenlange Behandlung notwendig. Richt weniger wie viermal mußte der Patient, der am 23. September das Krankenhaus verlassen konnte, operiert werden. Die Verletzungen waren so stark, daß ft* auch noch andere Krankheitserscheinungen einstellten und einmal bereits im chirurgischen In­stitut alles vorbereitet war, um bei dem Patienten eine Brustoperation vorzunehmen. Die Ansprüche, die der Verletzte an den Urheber des Zusammen­stoßes stellen wird übersteigen schon jetzt den Be­trag von 100 000 RM. Das Kleine Schöffengericht stellte ein fahrlässiges Verschulden des Kaufmanns G. fest und verurteilte ihn zu 5 Wochen Gefängnis mit Bewährungsfrist bei Zahlung einer Buße von 500 Mark.

ner Richard Gehrig vor Gericht zu verantworten. Bei dem Ueberfall, bei dem der Postbeamte nicht unerheblich verletzt wurde, erbeuteten die Täter eine Summe von über 3000 Mark. Schwarz und Kaspar wurden zu je fünf Jahren und einen Monat Zucht­haus, Heck, der weniger an der Sache beteiligt war, __ __r____,,_____ zu drei Jahren sieben Monaten Gefängnis verur- ger Woche erstattete ein Kassierer in Obertshausen teilt. Die Idee, sich durch einen Ueberfall Geld zu

Aus Nah und Seen

Fingierter Raubüberfall.

Ottenbach a. HL. 28. Sept. Am Freitag vori-

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Anzeige bei der Polizei, er fei hn Walde zwischen Obertshausen und Bieber überfallen und seines Geldes beraubt worden. Inzwischen ist festgestellt worden, daß der Kassierer den Ueberfall fingiert hat. Den Betrag, den er für einen Verband kaffiert hatte, hat er anscheinend für sich verbraucht. Der Staffierer wurde dem Gericht zugeführt und, nach­dem er ein Geständnis abgelegt hatte, vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt.

Sühne für den Mannheimer Geldbriefträger- ricbersall

Mannheim, 28. Sept. Die beiden Kunstschüler Camille Schwarz und Adolf Heck, Schüler der Kunst­akademie Karlsruhe, sowie der 1910 in Berlin ge­borene Zimmermann Erich Gustav Kaspar hatten sich heute wegen des am 8. Mai ds. Js. ausgefallen Raubüberfalls auf den Mannheimer Oberpoftfchaff-

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beschaffen, soll in den abenteuerlichen jungen Köpfen! durch die in den Zeitungen berichtete Beraubung des Gildbriesträgers Reins in Berlin gereift fein. Der Anfang Mai verabredete Plan wurde bis ins Ein­zelne genau besprochen. Am 8. Mai vormittags fuhr Kaspar, das Modell der beiden Maler, mit Heck nach Mannheim, erkundigte sich auf dem Hochschulwoh- nungsnachwcis nach Zimmern und mietete sich bei der Witwe Radloff in der Seckenheimer Straße ein. Nom Bahnpostamt gab er eine Postanweisung über 2 RM an Frau Radloff auf. Bei der Vermieterin hatte er sich als ein Student Schmied aus Ham­burg ausgegeben. Am folgenden Tag vormittags nach 7 Uhr kamen Schwarz und Heck in Mannheim an. Sie hatten sich schon mit Schnüren zur Fesse­lung versehen. Schwarz führte einen von ihm ge­nähten, durch beide Studenten mit Sand gefüllten schlauchartigen Sack bei sich. Kaspar führte sie sofort in seine Wohnung und stellte beide als Freund und Bruder vor. Als um 8 Uhr die beiden Kinder der Vermieterin zur Schule gegangen waren, packte Kaspar die Frau am Halse; Schwarz schlug ihr mit dem Sandsack auf den Kopf, warfen sie dann auf» Bett und alle drei fesselten sie mit Schnüren. Dabei faaten sie ihr, daß sie es nur auf eine Beraubung des Geldbriefträgers abgesehen hätten, ihr werde nichts geschehen. Aber wenn sic schreie ober den Briefträger warne, werde siekalt gemacht". Die Frau wurde dann gefesselt auf das Bett gesetzt und Heck übernahm die Wache. Schwarz und Kaspar war» t:ien dann draußen auf dem Gang auf den Geld- briefträger. Als er um %9 Uhr erschien, erhielt er sofort Schläge ins Gesicht und auf den Kopf. Sie zerrten und stießen dann den Mann unter Mithilfe des Heck in das Zimmer und schlossen hinter ihm die Türe. Sie warfen ihn zu Frau Radloff aufs Bett, schlugen ihn weit:: und banden ihn an Händen und Füßen. Heck nahm während dieser Zeit das Geld aus der Tasche des Briefträgers, rund 3000 RM, meist Papiergeld, das er in ein mitgebrachtes Säckchen steckte. Sie setzten dann die Frau auf. einen Stuhl und banden sie auf diesem fest. Dann entfernten sie sich und fuhren mit Taxameter nach Heidelberg und von da nach Karlsruhe, wo sie das geraubte Geld gleichmäßig teilten. Die Räuber erfreuten sich nicht lange ihres Besitzes. Kafvar wurde in Holland be­reits am 13. Mai verhaftet, die Verhaftung von Schwarz und Heck erfolgte wenige Tage später. Bei dem lieb erfass hatte der Oberposts-bafsner Gehrig Kratzwunden am Kopf sowie einen Bluterguß über dem linken Auge und einen Bruch des linken Rasen- beinflügels davangetragen.

Zwischen die Puffer geraten.

Oberlahnstein, 28. Sept. Der Rangiermeister Anton Münch aus Riederlahnstein geriet beim Ran. gieren auf dem Bahnhof Oberlahnstein zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde auf der Stelle getötet. Münch war Vater von drei Kindern.

In einem Schuppen erhängt aufgefunden.

Nieder-Ingelheim, 28. Sept_ Einen Selbst­mord verübte der 56 Jahre alte Steinbruch- und Kalkbrennereibesitzer Johann Struth aus Nieder- Ingelheim. Er wurde morgens in einem Schuppen tot aufgefunden, wo er durch Erhängen feinem Leben ein Ende gemacht hatte. Die Gründe zu die­sem Schritt sind nicht bekannt.

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