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28. September

1031

Suspendierung des Goldstandards

in Schweden und Norwegen

Äiieyt Shuyt&^w*

Don unterrichteter Seite wird zu den Gerüchten über eine angeblich geplante Reise des Reichskanz­lers nach Washington mitgeteilt, daß ein derartiger Plan nicht bestehe. In Berliner politischen Kreisen weist man vielmehr darauf hin, daß angesichts der bevorstehenden politischen Ereignisse, die im kom­menden Monat u. a. den Beginn de Reichstags am 13. Oktober und den Besuch des italienischen Außen­ministers Grandi zu Ende des Monats bringen, vor­läufig Reisen des Kanzlers, wie die erwähnte, .dis ein. Abwesenheit von mindestens drei Wochen nötig machen würde, gar nicht denkbar sind.

Das LuftschiffGras Sepperm hat heute früh Arles überflogen und fahlst das Rhonetal aufwärts weiter.

* Schweden und Norwegen haben den Gold: standard suspendiert Außerdem haben die Reichs­bank von Schweden und die Nationalbank von Norwegen den Diskontsatz von 6 auf 8 Prozent erhöht.

Das italienische Amtsblatt meldet, daß die Er­höhung des Diskontsatzes von 5 $4 auf 7 Prozent erfolgen wird.

, M's disRote Fahne" meldet, hat der sozial- seineulWWri- klärt.

Bet einer sozialistischen Veranstaltung in Mont'ucon erklärte der Führer der französischen Sozialisten, Séon Blum, zu der Reise der franzö­sischen Minister nach Berlin, die französische sozra- listische Partei könne Kartellbildungen nur insoweit unterstützen, als diese Kartelle für die produktiven Volksklassen die gegenwärtigen Löhne und ihre Kaufkraft sowie die Organisation der Produktion und des Warenaustausches aufrechterhalte.

Studenten, die mit der Stellungnahme des Völkerbundes in der mandschurischen Frage unzu­frieden sind, überfielen den chinesischen Außen­minister Wang in seinem Arbeitszimmer und brachten ihm am Kopf und Körper schwere Ver­letzungen bei und sie hätten ihn getötet, wenn das Personal dem Minister nicht zu Hilfe gekommen wäre.

Ueber die weitere Behandlung des chinesisch- japanischen Konfliktes im Völkerbunds verlautet, daß der Rat beabsichtige, der Völkerbundsversamm­lung vor ihrem Auseinandergehen eine Erklärung über den Stand der Angelegenheit zugehen zu lasten. Man spricht davon, daß der Völkerbündsrat erst am Dienstag wieder zu einer öffentlichen Sitzung zu­sammentreten wird, um, wie man hofft, abschließend zu dem Konflikt Stellung nehmen zu können.

Aus Waldenburg wird gemeldet: 5 Wassersport­ler machten gestern in 4 Faltbooten auf der Wei­stritz einen Ausflug Arn Wehr bei Würben kam ein mit 2 Mann besetztes Boot dem Strudel zu nahe so daß Gefahr bestand, daß das Boot das Wehr heruntergeristen würde. Die beiden Insassen sprangen aus dem Boot, wurden aber mitgerissen und ertranken. Die Ertrunkenen sind die beiden Brüder Herden.

Wegen Auftragsmangels gibt die Betriebsleitung der Dortmunder Union die Stillegung des Hutten­betriebes für die Zeit vom 27. September bis 4. Oktober bekannt. Es handelt sich um eine Zusam­menziehung der Feierschichten, die sonst über einen längeren Zeitraum verteilt worden wäre An­schluß an die einwöchige Stillegung soll statt in drei nur noch in zwei Schichten täglich gearbeUe werden. Dadurch wird wahrscheinlich einem Drittel der Belegschaft gekündigt werden. Der Umfang der Entlassungen hängt ganz von dem Eingang der Aufträge ab.

Zu einem Grenzzwilchenfall, der sechs Tote und eine Anzahl Verwundete forderte. ist es zwi­schen Bolivien und Paraguay gekommen. Laut Meldungen des bolivischen Genera'stabs aus Hörl Munoz griffen 200 paraguayische Soldaten den Grenzort Aguarica an Die bolivischen Truppen konnten nach sechsstündigem Kampf die Feinde zurückschlaaen. ohne selbst irgendwelche Verluste zu erleiden. Die flüchtigen Angreifer wurden jedoch von den Boliviern nicht verfolgt. Es wurden ledig­lich einige Verwundete gefangen genommen.

) Näheres siehe im politischen Test.

Stockholm, 28. Sept. Die schwedische Regierung hat für die Zeit vom 28. Sep. kember bis 30. November die Suspendierung des Goldstandards verfügt und die Gold- ausfuhr verboten.

Oslo, 27. Sept. Die norwegische Regierung hak die vorübergehende Aufhebung des Goldstandards verfügt und die Ausfuhr von Gold verboten.

Stockholm, 28. Sept Die Regierung hat am Sonntag auf Antrag der Reichsbank und im Einverständnis mit der Schuldenverwaltung der Reichsbank die Genehmigung erteilt, für die Zeit vom 2 8. September bis 30. No- vember den Goldstandard zu suspen­dieren. wenn die Verhältnisse es erlauben, kann die Bank schon früher zur Goldparität zurückkehren. Gleichzeitig hat die Regierung eine Bestimmung erlassen, nach der nur die Reichsbank oder aus- ländische Zentralbanken Gold in Münzen oder Barren exportieren dürfen.

Als Grund ihres Antrages erklärt die Reichs­bank: Die Krise des internationalen Zahlungs­verkehrs, die besonders während der deutschen Krise im 3ufi zum Vorschein kam, wurde durch die Suspendierung des Goldstandards durch England sehr verschärft. Durch diese Verhältnisse sind Schwierigkeiten entstanden, das schwedische im Auslande placierte Kapital zurückzubekommen. An­läßlich der großen Unruhe, die die Maßnahmen Englands innerhalb und außerhalb Schwedens hervorgerufen haben, stieg in der letzten Woche die Nachfrage nach Gold und ausländischen Iahlungs-

Der Bestand der Reichsbank an Gold und ausländischen Devisen, der wäh- rend des Sommers u. a. infolge der Zurückziehung ausländischen Kapitals aus Schweden stark ver­mindert wurde, ist während der letzten Woche um weitere 100 Millionen Kronen gesunken. Die Hoffnung der Reichs- bankleitung, einen ausländischen Kredit zu erhal­ten, durch den den Abhebungen begegnet werden könnte, ist jedoch fehlgefchlagen.

Stockholm, 28. Sept Zur Suspendierung des Goldstandards in Schweden erklärte der Finanzminister Pressevertretern, daß die Maß. nähme ausschließlich durch die unnormale Wirt­schaftslage und die äußerst starke Nachfrage nach Goldwährung gezeitigt. Die Trennung von der Goldwährung sei nicht als endgültig aufzufassen.

GoWanSknbvvevboi in Äesvvten

London, 28. Sept DieTimes" meldet aus Kairo, die ägyptsiche Regierung hat beschlossen,

Die Kambusgee Wahren

Starke Zunahme der Natioualkorlalifte« nnv «Kvmniiinhnn

Hamburg, 28. Sept. Die gestrigen Wahlen zur Bürgerschaft find ganz ruhig, ohne irgendwelche Störungen verlaufen. Die Polizei halte für diesen Tag alle Umzüge und auch das Herumfahren von Kraftwagen zu Propagandazwecken verboten. Schon in der Frühe eilten viele Wähler zur Urne, und allgemein konnte eine sehr rege Wahlbeteiligung feffgeffedt werden. Die Wahlbeteiligung wird auf 85 Prozent geschätzt.

Das Endergebnis stellt sich wie folgt:

Stimmen:

Mandate:

Reichstagswahl

14.9.30:

Bürgersch.wahl.

19.2.28;

Seitherige Mandate:

SPD.

214 509

46

(240 984)

(246 685)

(60)

KPD.

168 618

35

(135 279)

(114 257)

(27)

Deut chnationale

43 269

9

(31 376)

(94 048)

(22)

Staatspartei

67 088

14

(64 129)

(87 553)

(21)

Deut che Volkspartei

36 920

7

(69 145)

(85 507)

(20)

Wirtschaftspartei

11373

2

(16 910)

(20 136)

(4)

Nationalsozialisten

202 465

43

(144 684)

(14 760)

(3)

Zentrum

10 794

2

(10 980)

(9 402)

(2)

Volksrechtspartei

1156

(1 937)

()

Liste Heydorn

1937

«MW

(1 037)

(-)

Chr. Soz. Volkdienst

10 874

2

(11 968)

(5 609)

(2)

Die Große Koalition, die in der letzten Bürger­schaft über 102 von 160 Mandaten verfügte, ist in die Minderheit gekommen. Das ist das hauptsäch­lichste Ergebnis der gestrigen Wahlen. Theoretisch besteht zwar nach wie vor die Möglichkeit einer Mehrheitsbildung zwischen Sozialdemokraten unb Kommunisten, die in der neuen Bürgerschaft über 81 Sitze verfügen, da diese Koalition aber praktisch kaum in Frage kommt und auch keine andere Kom­bination möglich ist, wird zweifellos der jetzt regie­rende Senat von der verfassungsmäßig gegebenen Möglichkeit Gebrauch machen und weiter im Amte bleiben.

Wenn man auch unter den obwaltenden Verhält­nissen mit einem weiteren Ansteigen der Stimmen für die radikalen Parteien rechts und links gerechnet hatte, so ist doch die starke Zunahme der National­sozialisten, die rund 57 000 Stimmen gegenüber den

Reichsparrenas der Giaatspavtei

Berlin, 27. Sept. Nach einer vorbereitenden Sitzung des Parteivorstandes wurde der Reichs­parteitag der Deutschen Staatspartei unter starker Beteiligung von Delegierten aus dem ganzen Reiche und vielen Gästen gestern nachmittag im Plenar­saal des preußischen Landtages eröffnet

Der Vorsitzende, Reichstagsabgeordneter Dr. Weber, eröffnete den Parteitag mit einer Be­grüßungsansprache, in der er

letzten Reichstagswahlen gewannen, bemerkenswert. Sie sind mit 43 Sitzen die zweitstärkste Fraktion der Hamburger Bürgerschaft geworden und haben so­mit Anspruch auf Vertretung im Präsidium. Die bis­herige zweitstärkste Partei in der Bürgerschaft, die Kommunisten, sind an dritte Stelle gerückt, obwohl sie rund 33 000 Stimmen gegenüber der letzten Reichstagswahl zugenommen habend Einen Gewinn von 12 000 Stimmen gegenüber der letzten Reichs­tagswahl haben auch die Deutschnationalen zu ver­zeichnen, die Staatspartei hat rund 3000 Stimmen gewonnen. Am stärksten gelitten hat die Deutsche Volkspartei, sie hat gegenüber der Reichstagswahl einen Verlust von 33 000 Stimmen, dann folgt die Sozialdemokratische Partei mit einem Verlust von 26 000 Stimmen und die Wirtschaftspartei mit 5000 Stimmen Verlust.

als ratsam betonte, die bürgerlichen Kräfte zwischen Hugenberg und den Sozialdemokraten zusammen-usassen und ihnen mehr Einfluß auf die Reichspolitik einzuräumen.

Zwischen verschiedenen Persönlichkeiten Deutschlands hätten Besprechungen mit diesem Ziel stattgefunden, die fortgesetzt werden sollten.

Zum Hauptthema des ersten Derhandlungstages .Reichsreform und Preußen* referierte

Ministerialdirektor Dr. Poettzsch-Hefftex und Finanzminister Dr. H ö p k e r - A s ch o f f. Nach langer Debatte nahm der Parteitag zur Reichs­reform einstimmig folgende Entschließung an:

Die Staatspadei fordert die sofortige Vorlegung des Reichsresormgesehes nach den im Verfassungsausschuß der Länderkonfe» renz angenommenen Grundsätzen. Durch das Gesetz ist c'r Dualismus zwischen Reich und Preußen ja beseitigen und eine einheitliche nationale Staats­macht zu bilden. Die Gesamtverwaltung ist wesent- sich zu vereinfachen. Die Vertreter der Partei wer- den ersucht, bei der Reichsregierung für die Ein- brinouna des Gesetzes mit Nachdruck einzutreten und auf eine fchleuniae Verabschiedung hinzuwirken. Die Sfaaf^adei fordert die beschleunigte Verabschle- duv" des Gesetzes über Errichtung eines Rmchsver- nalfttnagedchfs. Sie fordert ferner die sofortige Vorlage eines Gesetzes über die deutsche Staat- angehöriykeit, in dem die Beschlüsse des Lübecker 3uriffenfages 1931 berücksichtigt werden."

Auf der Sonntagstagung des Parteitages hieß Zunächst der Vorsitzende der Reichstagsfraktion, Dr. Weber den einleitenden Vortrag über die

Gegenwartsaufgaben der Partei.

Nach einem Hinweis auf den Besuch der fran­zösischen Staatsmänner in Berlin und die damit in Zusammenhang stehenden Möglichkeiten einer wirt» haftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich betonte er die Sympathie, die das

nachzuahmen, vor allem deshalb, »eil die deutsche Auslandsverschuldung in der Hauptsache auf De­visenbasis beruhe und selbst ein Teil der inner­deutschen Verschuldung auf Goldbasis abgestellt sei.

Voraussetzung für eine Gesundung der Wirk- schaft sei in erster Linie die Wiederherstellung des deutschen Kredits. Zu diesem Zweck sei vor allem eine feierliche Erklärung der Reichsregie, rung notwendig, daß sie an der Goldwährung seskhalte.

Wichtig sei ferner die Senkung der Hauszinssteuer, um durch die Herabsetzung der Mieten einen Aus­gleich für die Lohn- und Gehaltskürzungen zu schaffen. Auf diesem mittelbaren Weg werde man mehr zur Bekämpfuna der Arbeitslosinkeit erreichen als durch unmittelbare Staatseingriffe. Mit be­sonderem Nachdruck verlangte Dr. Weber schließlich die Rücksiedlung der vom Land stammenden Er­werbslosen. Er schloß seine Ausführung mit der Erklärung, daß die Stoatsvartei nach wie vor be­reit sei, sich hinter die Regierung Brüning zu stellen.

SiaaiSvaviet und Währung

Nach dem Vorsitzenden der Reichstagsfraktion ergriff der Parteioorsttzende, Reichsfinanz­minister Dietrich das Wort. Er gab zunächst einen Ueberblick über die Entwicklung der kurz­fristigen Verschuldung Deutschlands. Als die innern Aufgaben des Reichs bezeichnete er vornehmlich die Kleinsiedlung in der Nähe der großen Städte als eine der dringendsten Aufgaben. Die Reichs­reform fei vor allem aus der Tatsache heraus dringlich, daß eine große Anzahl der Länder sich in finanziellen Schwierigkeiten befinde.

Der Redner ging weiter ausführlich ein auf den französischen Staatsbesuch. Er bezeich- nete es als einen großen Fortschritt im Leben der Völker, daß die Staatsmänner in einen unmittel­baren persönlichen Gedankenaustausch treten. Gegenüber den Angriffen der Rechtsopposition be­tonte er, nationale Gesinnung bestehe darin, in Notzeiten alle Kräfte einzusetzen, dabei aber die volitischen Möglichkeiten nicht zu übersetzen. Die Vorstellung, èin Systemwechsel genüge, um die deutsche Lage zu bessern, sei irrig. Besonders ein- gehend befaßte sich Dietrich dann mit

der englischen Krise.

Zu der Frage, was soll Deutschland tun? erklärte er wörtlich:Ich kann diese Frage positiv heute so wenig beantworten, wie der Reichs­kanzler sie vorgestern in seiner Rede auf Geheim­rat Duisberg beantwortet hat. Zunächst muß man die Nerven haben, die Wirkungen des englischen Vorgangs abzuwarten. Aber eines muß man fest­stellen:

Es darf von devlfcher Seite nichts unter­nommen werden, was irgendwie nach einer Inflation auch nur avsfleht. Wir können unsre Weltgeltung nur behaupten, wenn wir entschlossen sind, "^f""^E Ver­pflichtungen auf privatwirtschaftlichem Gebiet loyal und restlos ;n erfüllen. Eine andre

Die heutige Nummer umfatzt IC) Serien