Einzelbild herunterladen
 

Kv. 222

Mittwoch den

22. September

Erschâ täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«. / Bezugspreis: Für den halben Monat IM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag iS, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Ii-Pf-., im ReNameteil von SS mm Breite 25 R»pfg. / Offertengebühr 50 R-Psg.

«Zeiger

Vauarr Gtadt und Land

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch ans Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platz» orschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./-Geschäftsstelle: Hammerstr.s / Fernspr. 3956,3951,3958

1931

Dev Slrvettsptan des Reichstages

Es bleibt beim 13» Okiobev - Regievunsseeklavung und mebvwbchige Debatte

KEA» Iwyt^W*

Wie WTB. -Handelsdienst erfährt, finden in Ber­lin am Mittwoch nachmittag Besprechungen zwi­schen dem Berliner Bankvorstand und den Vorstän­den der Provinzbörsen statt, in denen über die zu ergreifenden Maßnahmen« beraten werden soll.

Das Präsidium des Deutschen Richterbundes veröffentlicht folgende Mitteilung: Das Präsidium des Deutschen Richterbundes hat gegen die Rechts­gültigkeit der preußischen Sparverordnung die schwersten Bedenken, insbesondere insoweit, als sie willkürlich einzelne Beamtengruppen herausgreift und in ihren Bezügen heruntersetzt, als sie ferner diese Anordnung entgegen der Notverordnung zeit­lich nicht einschränkt.

* Der Aeltestenrat des preußischen Landtags lehnte eine vorzeitige Einberufung des Landtags ab.

Äus-prache Brüning-LSbe

B e r 1 i n, 22. Sept Die Aussprache zwischen dem Reichskanzler und dem Reichskags- präsidenten Löbe, die heute vormittag stattgefunden hak, hat endlich Klarheit darüber ge­schaffen, daß der Reichstag am 13. Oktober zu feiner ersten Sitzung nach der langen Sommer­pause zusammentreten wird. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung steht als einziger Punkt eine Erklärung der Reichsregierung.

* Im Rechnungsjahr 1930 der Deutschen Reichs- post sind 2,208 Milliarden Mark eingenommen worden. Das Mehr gegenüber den Betriebsaus­gaben beträgt 154,4 Mill. Mark.

Entgegen einer von denLandvolk-Nachrichten' verbreiteten Mitteilung wird von amtlicher preußi­scher Seite erklärt, es fte^ noch nicht fest, daß am 1. April 1932 keine Neuaufnahmen bei den pädago- ; gischen Akademien erfolgen werden. Keinesfalls zÜNcFder laufenden LehrgSntze geschloffen werden.

Die Nachricht, daß die deutsche Regierung den ^italienischen Außenminister Grandi für Anfang ' Oktober, also kurz nach dem französischen Gegen­besuch, nach Berlin eingeladen habe, trifft nicht zu. Der deutsche Außenminister hat vielmehr während der Genfer Tagung den italienischen Außenminister gebeten, Ende Oktober nach Berlin zu kommen. Der italienische Außenminister wird auf der Reise nach Berlin von seiner Gattin begleitet werden. Ueber die Frage eines Gegenbesuches Mussolinis ist im Augenblick noch nicht entschieden.

Zu dem Bootsunglück bei Juist wird gemeldet: Nach einer von der Gemeindeverwaltung Borkum eingelaufenen Nachricht befanden sich 19 Personen in dem verunglückten Motorboot. Die Gesamtzahl der Geretteten beträgt vier. Es sann keinem Zwei­fel mehr unterliegen, daß die übrigen 15 Personen, darunter der Badedirektor und Zeitungsverleger Specht von Burkum, ein Opfer der Wellen gewor­den sind.

Der Völkerbundsrat wurde ermächtigt, auf Japan und China zur sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten einzuwirken. Dr. Curtius ermahnte den Völkerbundsrat zu konkreten Beschlüssen im Chinakonflikt, um das Ansehen des Rates zu retten.

Der österreichische Beamtenverband hat in einer Sitzung seiner Hauptleitung beschlossen, jede wei­tere Kürzung der Gehälter der Bundesbeamten für das Jahr 1931 unter allen Umständen abzulehnen. Auch die Bediensteten der Generaldirektion für die Post- und Telegraphenverwaltung und der unter­stellten Dienststellen haben ohne Unterschied der Partei eine Entschließung gefaßt, die sich gegen jede Kürzung der Bezüge wendet.

Wie amtlich mitgeteilt wird, leidet Minister­präsident Macdonald an den Folgen von Ueber- arbeitung. Auf ärztliches Anraten wird er London heute abend verlassen und einige Tage auf dem Lande verbringen. Während der Abwesenheit Macdonalds wird Baldwin den Ministerpräsidenten vertreten. * w

Die Sparmaßnahmen in der englischen Armee werden, wie das Kriegsministerium bekannt gibt eine Herabsetzung der Feldübungen , der regulären Truppen auf ein Minimum notwendig machen. Die Uebungen der Infanterie sollen in Zukunft m der des Standortes ausgeführt werden, und die bis­herigen Feldüüungen der Artillerie werden alle zwei Jahre stattfinden, mit Ausnahme der Uebun­gen der Luftabwehrbatterien, deren Munitionsver­brauch jedoch eingeschränkt wird. In Zusammen­hang mit den Sparmaßnahmen werden auch die geplanten Touren nach den Schlachtfeldern in Flan­dern und Frankreich ausgegeben.

Die United States Steel Corporation, der größte Stahlkonzern der Welt, hat die Gehälter sämtlicher Angestellten und Arbeiter um zehn Prozent bereits mit Wirkung ab 1. Oktober gekürzt. Die jährliche Ersparnis für die Gesellschaft beträgt 25 Millionen Dollar. Die Minderbeschäftigung des Unternehmens die Beschäftigung beträgt nur 32 Prozent der Leistungsfähigkeit hat diese Maßnahme notwen­dig gemacht.

Rüderes siede Im politischen Tei»

Blif der Beratung dieser Regierungserklärung werden sämtliche Anträge und Interpellationen ver­bunden werden, die von den Parteien zur Politik der Reichsregierung eingebracht worden sind oder noch eingebracht werden. Nan darf also mit einer umfangreichen außen- und innenpolitischen Debatte rechnen. Außerdem müssen vor Weihnachten noch einige dringliche Vorlagen erledigt werden. Die weitere Entwicklung hängt von der Stellungnahme der Parteien ab; sie war daher nicht Gegenstand der Besprechung zwischen dem Reichskanzler und dem Reichslagspräsidenten.

die Sozialdemokraten, die sich allerdings im wesent­lichen mit Vorgängen in der eigenen Partei beschäf­tigten.

Reichsaußenminister Dr. Curtius, der mor­gen abend von Genf abreist, trifft am Donnerstag nachmittag in Berlin ein. Er wird sich alsbald zum Reichskanzler begeben und ihm über die Vorgänge in Genf Pericht erstatten. Es wird damit gerechnet, daß noch am gleichen Tage der Reichsaußenminister dem Gesamtkabinett seinen Bericht wiederholt.

In parlamentarischen Kreisen rechnet man jedoch damit, daß die Herbsttagun mehrere Wochen in An und daß dann über Wechnachten tritt, während der die Parlamer

des Reichstags > r u ch nimmt ine Pause ein-

tritt, während der die Parlamentsausschüsse ihre Arbeiten fördern können. Im neuen Jahr wird der Reichstag sich dann mit dem Haushalts­plan für 1932/1933 zu beschäftigen haben. Im Reichsfinanzministerium ist der Plan erwogen

Ende Juni 1932 31t verlängern. Das Reichskäbinett hat sich jedoch mit diesem Plan noch nicht be­schäftigt. Eine Klärung dürfte jedoch noch vor Ab­lauf dieses Jahres durch internationale Verhand­lungen herbeigeführt werden. Eine solche Klärung ist spätestens vor dem Ablauf des sogenannten Stillhalteabkommens notwendig.

Der Reichsral tritt bereits am Donnerstag zusammen, um kleinere Vorlagen zu beraten. Angesichts des bevorstehenden Zusammentritts des Reichstages macht sich schon jetzt eine stärkere Aktivität der Fraktionen geltend. Morgen tritt die Reichstags­fraktion der Landvolkpartei zu einer Sitzung zu­sammen, ebenso steht eine Sitzung der Deutschen Volkspartei bevor. Am heutigen Dienstag tagten

Von dieser Aussprache zwischen Reichskanzler und Reichsaußenminister dürfte die Entschei­dung über die künftige Besetzung des Reichs- außenministeriums abhängen, wie es heißt, will Reichsaußenminister Dr. Curtius darauf drängen, daß ihm von feiten des Reichskabi- netks ein ausgesprochenes Ver­trauensvotum erteilt werde, da er sich andernfalls nicht in der Lage sähe, die Leitung der auswärtigen Politik weiterzusühren.

Nev kvanrSKkche Besuch in Berlin u. Washington

Paris, 22. Sept. Die aus der Umgebung des Ministerpräsidenten Laval verlautet, werden Laval und Außenminister Briand am kommenden Samstag um 16.25 Uhr mit dem Rordexpreß aus Paris ab­reifen und am Sonntag um 8.37 Uhr in Berlin ein­treffen. Sie werden Berlin am Dienstag verlassen. Für Sonntag ist ein Frühstück beim Außenminister vorgesehen, abends sind sie Gäste beim Kanzler. und am Nontag ist der Empfang in der französischen Botschaft. Die übrige Zeit ist für Besprechungen vorbehalten.

Diefranzösischen Tage" in Berlin stehen also unmittelbar bevor. Es war zwar seit lan­gem bekannt, daß die Deutschlandreise der französischen Staatsmänner Ende Septem­ber stattfinden sollte, doch bis in die letzten Tage hinein wurden Stimmen laut, die davon wissen wollten, daß infolge der Verschlechte­rung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich der Besuch noch abgesagt wer­den könnte. Nunmehr steht der Besuch end­gültig fest, ebenso ist das Programm bereits festgesetzt. Auch gelegentlich des gestrigen Amtsantritts des neuen französischen Bot«

cois Ponc

n-

en Botschafter

Auch dev Landtag erst am 13. Sktadev

Berlin, 22. Sept. Der Aeltesteurak des preu- ßischm Landtages lehnte den kommunistischen An­trag auf sofortige Einberufung des Parlaments zwecks Beratung über die preußische Spar-Rotver- ordnung mit den Stimmen der Regierungsparteien gegen die gesamte Opposition ab. Es bleibt daher beim Zusammentritt des Landlagsplenums am 13. Oktober. Staatssekretär Weißmann hatte für die Staatsregierung auf der Beibehaltung dieses Ter­mins bestanden.

Seaneois Voncet M KG vor Dev StettbSpvSKdent empfängt SvankveichS neuen VotkÄaktev

Berlin, 22. Sept Der Reichspräsident empfing heute den neuernannten französischen Botschafter Francois-Poncet, zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens.

Der Botschafter führte u a. aus: Die hohe Mission, mit der ich betraut und deren voller Be­deutung ich mir bewußt bin, ist mir unter Berhält- nissen übertragen worden, die zu mancher Besorg­nis Anlaß geben. Die gesamte Welt leidet unter einer Wirtschafts- und Finanzkrise, die sich seit Mo­naten fortsetzt, die nun schon unter den Völkern ein Gefühl der Unruhe verbreitet.

Diese Lage erfordert von allen Staaten ins­besondere von Frankreich und Deutschland, daß sie ihre Anstrengungen auf eine zielbe­wußte Zusammenarbeit richten.

Dies ist die Ueberzeugung der Regierung der französischen Republik. Sie hat ste in Genf ausge­sprochen, sie hat sie den deutschen Ministern ge­legentlich ihres Besuchs in Paris zum Ausdruck gebracht. Sie wird sich zu dieser Ueberzeugung demnächst nach Berlin erneut bekennen, wenn der Ministerpräsident und der Minister des Auswär­tigen der französischen Republik der liebenswürdi­gen Einladung, die an sie ergangen ist, Folge leisten werden. Die französische Regierung wünscht mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften den Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern das Höchstmaß an Festigkeit und Sicherheit zu geben. Dem Beispiel meines hervorragenden Vor­gängers folgend, werde ich mein Möglichstes tun, um diese Absichten meiner Regierung zu förtfern.

Reichspräsident v. Hindenburg erwiderte mit folgenden Worten: Sie treten Ihr hohes und verantwortungsvolles Amt in einer besonders schweren Zeit an.

Die große Gefahr, welche die außerordentliche Wirtschaftskrise für die ganze Welt bedeutet, ist auch nach meiner Ueberzeugung nur durch Zu­sammenwirken aller Völker zu bannen. Bei sol­cher gemeinsamen Abwehr von Rot und Zusammen­bruch hat das Schicksal Deutschland und Frankreich eine besondere Aufgabe zugewiesen. Sie wird nur dann erfolgreich zum Heile Europas und der ge­samten Welt gelöst werden können, wenn die bei­

den Völker an sie mit dem Dillen zur Verstän­digung im Geiste aufrichtiger Zusammenarbeit her­angehen.

Die Absichten der französischen Regierung, ein solches gedeihliches Zusammenwirken auf der Grundlage vertrauensvoller Beziehungen herbei- zuführen, begegnen durchaus unseren aufrichtigen Wünschen, deren Erfüllung auch der bevorstehende Besuch der führenden Staatsmänner Frankreichs in Berlin fördern möge.

EvAStrunsen vor dev Weise

Berlin, 22. Sept. Der neue französische Bot­schafter Francois-Poncet empfing heute die Presse und gab bei dieser Gelegenheit folgende Erklärung ab:

Die Ansprache, die ich bei der Ueberreichung meines Beglaubigungsschreibens gehalten habe, be­weist deutlich, in welchem Sinne ich versuchen werde, die mir anverträute Aufgabe zu erfüllen Obwohl Frankreich bisher von der Wirtschaftskrise weniger betroffen wurde als andere Länder, wünscht es doch keineswegs, sich von der übrigen Well abzuschließen. Selbstverständlich möchte es seine eigenen Interessen wahren, bleibt aber dabei nicht dem Schicksal der benachbarten Völker gegen­über gleichgültig. Im Gegenteil

wünscht Frankreich, daß eine immer enger ge­knüpfte Solidarität die Rationen miteinander verbindet und daß nur eine ehrlich gemeinte Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe Europa und die Welk instand sehen werden, eine be­sonders schwierige Zeitspanne ohne über­

mäßige Leiden zu überwinden.

Soweit es in ihrer Macht steht, wird die Re­gierung der französischen Republik alles versuchen, um mit Deutschland zu beständigen Beziehungen und einer mirffamen Zusam­menarbeit zu gelangen. Dies entspricht dem

tForUebung auf Sei»» 2)

schaftPrs in Berlin, Francois-Poncet, ist in den Ansprachen auf diesen Lesu nom»

bevorstehenden Bespre

soll, in den Mittelpunkt gestellt worden. Es ist bemerkenswert, daß Francois-Poncet sich in der Bewertung der Weltwirtschaftskrise aus den Standpunkt gestellt hat, den man auch in Deutschland vertritt. Die ganze Welt leidet unter der Krise und kein Land wird von ihr verschont. Dies ist in Deutschland immer wie­der betont worden. Es ist erfreulich, daß man sich diese Auffassung nun auch in Frankreich zu eigen macht. Denn aus ihr ergibt sich mit Notwendigkeit die Schlußfolgerung, die auch der neue französische Botschafter gezogen hat: alle Staaten, insbesondere Frankreich und Deutschland, müssen zielbewußt zusammen­arbeiten. Der Reichspräsident hat diese Er­kenntnis nach einer wichtigen Seite hin er­gänzt. Er hat betont, daß man an diese Zu­sammenarbeit mit dem Willen zur Verständi­gung und im Geiste aufrichtigen Zusammen­wirkens herangehen müsse.. Ohne diese Grund­lage wird in der Tat jeder Versuch der An­näherung zwischen Deutschland und Frankreich scheitern. Nicht Forderungen dürfen von der einen Seite gestellt werden, sondern es muß von vornherein der aufrichtige Wille zur Ver­ständigung vorhanden fein. Es ist gut, daß der Reichspräsident dies vor der Ankunft der beiden französischen Staatsmänner noch ein­mal mit allem Nachdruck betont hat.

Die französischen Minister werden aber auch nach Washington reisen, und auch dieser Besuch nimmt in der Reihe der persönlichen Zusam­menkünfte, die feit Chequers Brauch geworden sind, eine ganz besondere Stellung ein. Die 9^-MStaaten und Frankreich sind die­jenigen Länder, in deren Besitz sich das Gold angèhäuft hat, während die anderen Länder dnr I den Geldmangel immer tiefer in die Fi­nanzkrise verwickelt werden. Eine der greif­baren Ursachen der Weltwirtschaftskrise ist diese völlig unausgeglichene Verteilung des Go..es. Was liegt unter diesen Umständen näher, als daß sich die führenden Staatsmän­ner der goldreichsn Länder einmal gemeinsam bssorseben, um sich darüber klar zu werden, ob sie nicht durch rasche Maßnahmen helfen und die L' der Goldvorräte wieder etwas mehr ins Gleichgewicht bringen können? Nachdem das englische Notsignal gehißt worden ist, be­darf der Plan des französisch-amerikanischen Besuchs keiner Begründung mehr. Die Frage ist nur: was werden Hoover und Laval beraten und beschließen? Ob sie wohl etwas von dem Gefühl des Triumphes verspüren, das der Franzose sicher empfunden hat, als er sah, daß sich nun auch das stolze England vor dem Thron des französischen Goldfranken verbeu­gen mußte? Es wäre gefährlich, wenn sich

Dis Heutige Kummee umfaSt 8 Setten