Nr. 221
Montas de«
21. September
1931
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temt Giadt und Lund
Die Goidwâhvuns in Gngland anSer Mi sefetzt
Gleichzeitig Diskonterhöhung von 4'/- auf 6 Neozent - Die Börse« geschlossen
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Nach einer Meldung der Associated Preß ist das Luftschiff „Gras Zeppelin" gestern abend 22.30 Uhr (Greenwicher Zeit) in Pernambuco gelandet.
Reichsinnenminister Dr. Wirch hat einem Mitarbeiter der Pariser radikalen Zeitung „La Republique" erNärt: Er als Abgeordneter von Schlesien sei der Ansicht, ,daß die Grenzfrage zu bessern bleibe und daß man sich zur Revision der deutschen Grenzen entschließen müsse. Für den europäischen Frieden sei es durchaus notwendig, eine entsprechende Lösung zwischen Polen, Frankreich und Deutschland zu finden.
In Meseritz kam es gestern abend nach einer kommunistischen Kundgebung auf dem Marktplatz vor dem Verkehrslokal der Nationalsozialisten in der Brätzer Straße zu schweren Zusammenstößen zwischen Kömmunisten und S. A.-Leuten, bei denen der 24jährige Arbeiter Gustav Seydlitz, der Mitglied der Meseritzer S. A ist, von Kommunisten erschossen wurde. Nach der Mordtat flüchteten die Kommunisten. Die Polizei ist dem Täter aus der Spur. Sie hat bisher 14 Festnahmen vorgenommen.
Eine unerwartete Ueberraschung bildete der Ab- 'versämmlung: die Einladung der dem Völkerbund ^nicht angehörenden Staaten (die zur Abrüstungskonferenz bereits eingeladen sind: Äereinigte Staaten, Sowjetrußland, Türkei, Afghanistan, Argentinien, Brasilien, Costarica, Ecuador und Aegypten) zur Teilnahme an den Beratungen über die sofortige Abbremsung der Rüstungen bis zum Schluß der Ab- rüftungskonferenz. *
Im wirtschaftspolitischen Ausschuß des Völkerbundes hielt der deutsche Vertreter, Ministerialdirektor Posse, eine Anklagerede, in der er erklärte, bis zum Letzten würden sich die Deutschen gegen das Unrecht wehren, das ihnen täglich bereitet werde. Europa zu zerschlagen sei leicht. Wer es erleben werde, werde sehen, wie schwer sein Wiederaufbau sein werde..
Die Deutsche Volkspartei hat im preußischen Landtag einen Urantrag ein gebracht, in dem die Nachprüfung der preußischen Notverordnung gefordert wird.
Das Arktisuntersesboot „Nautilus" ist gestern in Bergen eingetroffen. Professor Wilkins vermochte jedoch noch nicht anzugeben, wie lange das Boot in Bergen liegen wird.
Rewyorker Sonntagsblätter bringen in großer Aufmachung den Entschluß des Präsidenten Hoover, der nach einer Rücksprache mit führenden Kabinettsmitgliedern am Montag nach Detroit reisen will, um auf der dortigen Tagung der American Legion zu sprechen und das Ersuchen zu stellen, von weiteren Bonusforderungen im Hinblick auf die Lage der Bundesfinanzen abzusehen. Gleichzeitig gibt das Schatzamt bekannt, daß die Einkommensteuereinnahme vom 1. bis 7. September mit 197 Millionen eine Abnahme um 82 Millionen gegen die gleiche Zeit im Vorjahr aufweise.
Aus Indianapolis wurden ausgedehnte Erdbeben gemeldet. Nennenswerter Schaden scheint aber nicht angerichtet worden zu sein.
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„Humanitè" berichtet über Erscheinungen von Ungehorsam bei französischen Reservisten, die an den Herbstmannövern teilgenommen hatten. Bei der Heimfahrt nach Paris hätten in einem Zuge 300 Reservisten die „Internationale" angestimmt und sich auch um die Vorhaltungen der Offiziere nicht gekümmert.
„People" betont in einem Leitartikel, daß ein großer Teil der britischen Probleme internationale Probleme sind, die nur durch internationale Aktion auf einer Konferenz der führenden Nationen geregelt werden können. Das Blatt dringt in die Regierung, sofortige Schritte zur Einberufung einer solchen Konferenz zu unternehmen.
Im Staatsdepartement zu Washington wird zu den Vorgängen in der Mandschurei erklärt, daß die bisher aus dem Fernen Osten eingegangenen Berichte keinen Grund zur Annahme gäben, daß eine Verletzung des Kellogschen Antikriegspakts vorläge.
•) Näheres siehe im politischen Teil.
Schneller als selbst die ärgsten Pessimisten krise ausgedehnt und Wellen von einer Höhe i Jinanzgeschichte der Völker kaum erlebt habe dem früheren Bollwerk internationaler Fina läge hat sich in den letzten Wochen weiter ver anspruchnahme des erst vor wenigen Woche Stützungskredikes, so daß sich die Bank von die Goldwährung einzu stellen und
6 Proz. zu erhöhen. Maßnahmen von so auf das weltwirtschaftliche Gefüge vorläufig
Die amtliche Mitteilung
London, 20. Sept. Renker veröffentlicht folgendes Lommunique: Die Regierung ist sich nach Zurateziehung der Bank von England darüber klar geworden, daß es notwendig ist. ab Sonntag den 20. September Mitternacht, die Goldwährung außer Kraft zu sehen. Lin Gesetzentwurf, der die Bank von England ermächtigt die Linlösuna der Banknoten in Gold einzustellen, wird dem Parlament am Montag zugeleilet und sofort in allen Lesungen erledigt werden.
Seit Mitte Juli sind die Summen, die sich auf über 200 Millionen Pfund belaufen, vom Londoner ist man teilweise mif Hilfe der Bestände an Gold und fremden Daluken nachgekommen, teilweise mit Hilfe der in Frankreich und Amerika eingeräumlen Kredite.
Durch die oben angeführten Beschlüsse werden Verpflichtungen der englischen Regierung oder der Bank von England, die i n fremden Währungen zahlbar sind, nicht berührt.
Eine Unterbrechung des gewöhnlichen Bankgeschäfts wird morgen nicht einkreten und eg besteht kein Grund, daß solche Transaktionen, die sich in Sterling vollziehen, durch die neuen Maßnahmen, in Mitleidenschaft gezogen werden.
Die Börse wird morgen nicht geöffnet sein, da morgen das Parlament die Annahme der notwendigen Gesetzentwürfe erledigen muß.
Die Regierung ist der Ansicht, daß die augenblicklichen Schwierigkeiten nicht auf Kapitalexport durch englische Staatsangehörige zurückzuführen seien, da die große Masse der Kapitalzurückziehungen auf fremde Rechnung erfolgte.
Die Banken haben sich verpflichtet, ihre Mitwirkung bei der Einschränkung der Käufe von frem- den Devisen durch englische Staatsbürger zur Verfügung zu stellen. Ausgenommen sind nur solche Devisenforderungen, die zur Erfüllung bestehender Verpflichtungen oder durch die tatsächlichen Bedürfnisse des Handelsverkehrs sich ergeben. Die Regierung wird, wenn es rötlich erscheint, nicht zögern, noch weitere Maßnahmen zu ergreifen.
OrskonievbShtms dev Dank von Enslaud
London, 20. Sept. Die Bank von England hat ihren Diskontsatz von 4% auf 6 Prozent erhöht. Dieser Satz kommt mit Beginn des Geschäftes am Montag, den 21. September zur Anwendung.
Oke deutsche« Wesen auch geschlossen?
Berlin, 21. Sept. In einzelnen Berliner Montagblättern werden Meldungen veröffentlicht, nach denen bereits heute die Schließung der deutschen Börsen beschlossen worden sein soll. Wie wir von maßgebender Seite hören, kann ein solcher Beschluß für die Berliner Börse noch nicht vorliegen, da der Berliner Börsenvorstand erst heute vormittag zusammentreten und zu der durch die Vorgänge in England geschaffenen Situation Stellung nehmen wird. Es ist jedoch als sicher anzunehmen, daß auch die deutschen Börsen heute geschlossen bleiben.
Ihre eine vorübevgehende Maßnahme
London, 20. Sept. Die Verkündung ber vorübergehenden Außerkraftsetzung der Goldwährung ist, wie Reuter meldet in einer Atmosphäre völliger Ruhe vor sich gegangen. Die Kabinettsmitglieder haben bereits Downing Street verlassen, „und zwar erhobenen Hauptes". Die Erkundigungen des diplomatischen Korrespondenten des Reuter-Büros er- gaben, daß die Bank von England bis zum letzten Augenblick gehofft hatte, diesen Schritt zu vermeiden.
ahnen konnten, hat sich die Wettwirtschafts- md Wucht geschlagen, wie wir sie in der i. Jetzt schlagen sie über der Londoner Lity, lzmacht zusammen. Die englische Währungs- chlechtert, ungeachtet der weitgehenden Jn- i aufgenommenen französisch-amerikanischen England entschlossen hat, von heute ab gleichzeitig den Diskontsatz von 415 auf großer Tragweite, daß ihre Auswirkungen kaum abzusehen sind.
Doch machten die Kapitalrückgänge am Freitag und Samstag diese Maßnahmen für sofort notwendig.
Regierungsbeamte betonten, daß die Aufhebung der Goldwährung nur als vorübergehende M aßnahme zu betrachten ist, und betonten ferner, daß es ein Unterschied sei, ob ein Land mit ausgeglichenem Haushalt feine Goldwährung außer Kraft fetze oder ob das ein Land mit unausgeglichenem Haushalt tue. Beamte des Schatzamtes bemerkten, daß Snowden alle Ausgaben eingeschränkt habe, um den Haushalt auszugleichen. Es wurde
darauf hingeroiefen, daß die Welt sich ö^cmvaru« w eimm ^«uiGujimtö vei-â und daß die Lage noch dadurch verschlechtert wurde, daß das "Vertrauen der Länder, die in London Kapital angelegt hatten, sich verminderte, auch seien die sensationellen Nachrichten, die über den englischen Flottenzwischenfall, der ins Ausland gekabelt wurde, Mitschuld. Es wurde betont, daß die Außerkraftsetzung der Goldwährung nur vorbeugenden Charakter habe und daß der eingefleischte Gemeinsinn und Patriotismus des britischen Volkes jegliche Beunruhigung oder Panik verhindern werden. Weiter wurde erklärt, daß die Regierung sofort energische Schritte unternehmen würde, um irgendwie den nationalen Interessen zuwiderlaufenden Handlungen von Personen entgegen- zutreten, die nur ihre eigenen Interessen wahrnehmen wollten. Doch hofft man, daß es soweit nicht kommt.
Auf jeden Fall werden die Behörden verhindern, daß die Lage sich zuspihe, und man hofft, daß auf der Börse keine besondere Beunruhigung hervorgerufen wird.
„Mach, das Rennen", so wird der Appell der britischen Regierung an das Volk lauten, und wenn das Volk darauf eingeht, was stark gehofft wird, so wird die Ordnung bald wieder hergestellt seip. Der Kapitalexport seitens britischer Untertanen wird in Zusammenarbeit mit den Banken überwacht werden.
Oke Sovseschrchie
London, 20. Sept. Die Tatsache, daß England von Mitternacht ab vom Goldstandard obgehen wird, hat in allen Kreisen tiefsten Eindruck hervorgerufen. Ueber die Vorgeschichte dieser Maßnahme kann folgendes mitgeteilt werden:
Macdonald hatte während der ganzen Krise die engstmöglich-e Fühlung mit seinem .Hauptberater aufrechterhalten und war am Freitagnachmittag von Downing Street nach Chequers abgefahren in der Annahme, daß die Dinge normal liefen. Kurz nach seiner Abreise trafen jedoch neue Informationen ein, die den Premierminister bewogen, sofort zurückzukehren. Er hatte in Downing Street sofort Beratungen mit seinen Hauptratgebern und Kabinettskollegen und kehrte am Abend nach Chequers zurück, nachdem er eine Kabinettssitzung für den Sonntnag einberufen hatte, in der dann der Be- chluß, vom Goldstandard abzugehen, gefaßt wurde. In der Sitzung, die von 16 bis 18 Uhr dauerte, he« Land volle Uebereinstimmung unter den Ministern.
Die nationale Regierung hatte bisher geglaubt, daß der Sterling-Kurs nicht ernstlich gefährdet sei. Als der Premierminister am Freitagnachmittag nach Chequers abgefahren war, gingen auch alle Informationen dahin, daß die Börsen einen normalen Tag gehabt hätten. In Chequers erhielt Macdonald jedoch kurz vor 19 Uhr eine telephonische Mitteilung,
daß am Freitag eine Einbuße von 17 bis Millionen Pfund Sterling, davon zwei Millionen Gold und der Rest Anleihe und Kredite, zu verzeichnen gewesen sei.
Wie verlautet, wurde dem Premierminister mitgeteilt, daß die Bank von England zu der Fest- tellung gelangt sei, «haß sie das Pfund Sterling richt auf seiner Goldbasis schützen könne, daß sie aber noch die Gelegenheit nehmen wollte, die Märkte am Samstag zu sondieren. Man hatt« geglaubt, daß der Samstag ein ziemlich sicherer Tag
Oke neue« tr-tvee-v-tmusett
Die beiden Notverordnungen über die Bankenaufsicht und die Aktienrechtsreform sind am Samstag erschienen. Sie treten am 1. Oktober in Kraft. Unsere Leser finden Mitteilungen aus den Notverordnungen im Handelsteil der vorliegenden Ausgabe. In den neuen Notverordnungen wird noch einmal die Steueramnestiefrist bis zum 15. Oktober verlängert und ferner eine steuerfreie Reichsbahnanleihe vorgesehen in Höhe der bisher von den Steuerpflichtigen nicht angegebenen Werte, d. h. also in Höhe des bis« her gegenüber der Steuerbehörde verschwiegenen Vermögens. Wer die Anleihe als Weg zur Erlangung der Steueramneftie benutzt, muß die Anleihe fünf Jahre lang ununterbrochen in Besitz behalten. Der Zinssatz für die Anleihe beträgt 4 Prozent. Gegenüber weiteren Steuerhinterziehungen aber werden die allerfchärssten Strafen angekündigt.
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fei, da die Börsen. nur einen halben Tag offen sind und daß, selbst wenn die Operation gegen das Pfund ausfallen würde, der Verlust nicht sehr ernst sein werde.
Maxdonald erhielt jedoch am Samstag den Bericht, daß an dem halben Tage der Samstag zehn Millionen Pfund verloren
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Die »uspe Mons--Vorlage kann «ich: vor moM gen abend Gesetz werden, da die Bank von England jedoch bereits von der Regierung ermächtigt worden ist, sofort unter dem neuen Gesetz zu handeln, wird die Vorlage der Bank Indemnität geben. Das Oberhaus ist ebenfalls einberufen worden, da die Maßnahmen in beiden Häusern des Parlaments morgen durch alle Lesungen durchgedrückt werden sollen. Die Gesetzesvorlage wird morgen abend die Zustimmung des Königs erhalten, sofort nachdem bas Oberhaus sie genehmigt hat. Die Fondbörse wird nur für den einen Tag geschlossen bleiben, h. h. bis die Notgesetzgebung durchg-eführt ist. Die Fondsbörsen in den Provinzzentren werden ebenfalls am Montag geschlossen bleiben.
Die Regierung ist der Meinung, daß, wenn jeder die Ruhe und Kaltblütigkeit bewahrt, die Gefahrperiode abgekürzt und daß das Land bald wieder ins Gleichgewicht gelangen wird. Von maßgebender Seite wird erklärt, daß kein Anlaß zur Panik besteht. Es wird auch bekannt gegeben, da die Regierung beabsichtigt, die Preise unter genauer Kontrolle zu halte«.
Amerikanische Silke?
Washington, 20. Sept. Die Burtdesrefsroeban? und die Rewyorker Banken erwägen zurzeit die Gewährung weiterer Kredite zur Stützung des englischen Pfundes. Ein Meinungsaustausch mit der Bank von Frankreich list im Gang. In amerikanischen Kreisen wird die Stabilisierung Les englischen Pfundes durch weitere Kredite für möglich gehalten.
SkftLevuns des Devisen- yanoers m ^enevveny
Wien, 21. Sept. Wie der „Morgen" erfährt, beabsichtigt das Finanzministerium, Montag um 8 Ihr früh die Sistierung des freien De« visenhandels in ganz Oesterreich anzu- ordnen. Ls wird daher nicht mehr erlaubt fern, ausländische Banknoten, Wechsel oder Schecks auf ausländische Banken, Gutschriften auf ausländische Banken gegen Schillinge zu erwerben. Ausländische Zahlungsmittel sollen nur beim Nachweis des Verwendungszweckes und nur, wenn die Behörden die Erwerbung von Devisen für den angegebenen Zweck ür notwendig erachten, zugeteilt werden. Man er» vägt darüber hinaus auch eine Sperrung der Lin- uhr von Devisen. Durch diese Maßnahme, die allerdings noch nicht am Montag in Kraft treten dürfte, soll eine Zunahme der Verschuldung Oester- reichs an das Ausland verhindert werden. Die Wiener Börse bleibt Montag wegen des jüdischen Ver- söhnungstages geschlossen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß der Börserat den Beschluß fassen wird, die Effektenbörse von Dienstag an bis auf weiteres gesperrt zu halten, da man die Auswirkungen der Ereignisse in England abwarten will. Der Verkehr bei den Wiener Banken wird sich bis auf die Beschränkungen im Handel mit Devisen und Valuten in der gewohnten Weise ab- wickeln.
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