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Freitag, bett 18. September 1931

Nr. 219

Kammergericht zu ersuchen, in einem ehrengericht­lichen Ermittlunigsverfahren aufzuklären, ob und inwieweit diesen Anwälten Verstöße gegen die StanDespflstht zur Last zu legen sind.

12 LMM-uen-Sevlusie

bei der Berliner Schrokthandelsfirma Schweitzer

& Oppler

Berlin, 17. Sept. Das Betrugsdezernat der Ber­liner Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft im Landgericht I in Berlin beschäftigen sich seit einigen Tagen mit großen Unregelmäßigkeiten, die bei der Schweitzer & Oppler vorgekommen sind. Die Schweitzer & Oppler A.-G. hatte in den letzten Jahren etwa 60 Prozent der gesamten Lie­ferungen des deutschen Schrottverbandes in Händen. Vor etwa einem Monat hatte sich nun herausge­stellt, daß die Firma, deren Hauptaktionär die Mit­teldeutschen Stahlwerke, die Oberschlesische Eisen­hüttengesellschaft und die Bismarckhütte sind, einen Verlust von rund 12 Mill. RM, etwa das Sechs­fache des Kapitals, aufzuweifen hatte, dem nur 0,2 Mill. RM Reserven entgegenstehen.

Die drei Hauptaktionäre haben sich zwar zum Tragen des Verlustes bereit erklärt, gleichzeitig ist aber auch eine Untersuchung zur Klärung der Vor­gänge eingeleitet worden, die zu dem Ergebnis kam, daß bei den Verlusten die Hauptrolle nicht Einbußen im normalen Schrotthandel, sondern ausländische Finanzverluste aus Ab­wrack verträgen und Beteiligungen spielten, wobei zur Verschleierung der Verluste mit den ausländischen beteiligten Gesellschaften unge­wöhnliche Finanztransaktionen gemacht wurden, von denen der A.-R. keine Kenntnis hatte.

Ergänzend hierzu meldet das Eonti-Büro:

Die^Millionenverluste bei der Schrotthandels­firma Schweitzer & Oppler, die jetzt die Staatsan­waltschaft beschäftigten, wären in unterrichteten Kreisen schon seit geraumer Zeit bekannt. Schon vor vier Wochen auf der Generalversammlung waren die Dinge zur Sprache gekommen, der Aufsichtsrat hatte erklärt, die Direktoren der Firma hätten Ge­schäfte eingeleitet, die den ihnen gegebenen An­weisungen strickt zuwiderliefen. Die Verluste belau­fen sich schätzungsweise auf 12 Mill. RM.

Dem Vorstand wird zum Vorwurf gemacht, daß er durch Verschleierung der Bilanzen und Täu­schung der Revisoren die Verluste immer wieder verheimlicht habe. U. a. sollen verlustbringende Fi­nanzierung für Geschäfte solcher Personen über­nommen worden sein, die Vorstandsmitgliedern der Schweitzer & Oppler AG. nahestanden.

er Word an einem M jährigen

Regensburg, 17. Sept. Am Montag, in den frü­hen Morgenstunden, ereignete sich in dem zur Ge­meinde Küfering bei Regensburg gehörigen Orte Egglfing ein schweres Verbrechen, das sich als Mordversuch mit Todesfolge an dem 14jährigen Dienstbuben Andr. Müller des Bauern Hagen charakterisiert. Eine Gerichtskommisfion, bestehend aus dem Ermittlungsrichter, Staatsanwalt, Land­gerichtsarzt und einem Gendarmeriekommissär, die sich sofort nach Bekanntwerden der Tat nach Eggl- fing begab, hat folgendes festgestellt:

Am genannten Tage, zwischen 4 und 6 Uhr morgens, wurde von der 45jährigen Magd des Bauern Hagen, einer Kriegerswitwe, der Dienst­bube Müller mit schweren Hiebverletzungen an der linken Kopfseite bewußtlos im Bette seiner Kam­mer, wo er allein nächtigte, aufgefunden. Der Bauer Hagen, einer der bestsituiertesten des Ortes und als engherzig und neidisch nicht gerade beliebt, der an diesem Tage ausnahmsweise erst um 6 Uhr aufgestanden sein will, während er sonst regelmäßig schon um 4 Uhr aus den Federn war, verständigte den Arzt Dr. Bauer, der sofort die Verbringung des Schwerverletzten in das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg anordnete, wo das Opfer des Verbrechens am Dienstag ver­storben ist. In der armseligen Stube, die unmittel­bar neben dem Pferdestall gelegen ist und deren Fenstergitter keine Veränderungen oufweisen, die auf ein Eindringen von außen schließen ließen, wurde in der Tasche der an der Wand hängenden Hose ein Geldbetrag von 1.75 Mk. aufgefunden, desgleichen in der Weste eine Taschenuhr. Es ist also höchst unwahrscheinlich, daß ein Raubmord oorliegt, was den Fall, seinen ganzen Umständen

nach, reichlich mysteriös macht. Die Gerichtskom­misfion nahm Zuerst die Magd des Bauern in ein ausgedehntes Kreuzverhör, bei dem ihr vor allem zum Vorwurf gemacht wurde, daß sie regelmäßig den Schlüssel zum Schlafraum des Dienstbuben aufbewahrte und den Buben auch täglich früh 4 Uhr zur Arbeit weckte.

Das Verhör endete damit, daß die Magd in haft genommen wurde. Ueber ihre Person konnten mir erfahren, daß sie geistig sehr beschränkt ist, mit einem 19jährigen Burschen ein Liebesverhältnis unterhielt und — was wir mit Vorbehalt wieder­geben — vielleicht auch mit dem Bauern Hagen in intimerer Beziehung stand.

Der Staatsanwalt ließ aber anschließend auch den Bauern Hagen selbst in Haft nehmen, der bei seiner Vernehmung sich in Widersprüche verwickelte und überhaupt einen recht unsicheren Eindruck machte In siner Schupfe seines Anwesens versteckt, wurde auch die Mordaxt gefunden.

Es läßt sich denken, daß der Vorfall in der ganzen Umgebung größtes Aufsehen erregt, wobei dem Opfer, "einem fleißigen und braven Burschen, der der Sohn eines Taglöhners in Abbach ist und erst seit Mai 1931 bei Hagen im Dienste stand, größte Teilnahme zukommt. Ohn« die näheren Tat­umstände jetzt schon zu kennen, neigt man allge­mein zu der Ansicht, daß höchstwahrscheinlich sexuelle Vorkommnisse auf dem Hofe des Bauern, von denen der Ermordete vielleicht unerwünscht Zeuge geworden war, den Ausgangspunkt der Tat bilden. Da das Verbrechen ohne größeres Raffine­ment ausqeführt wurde, dürfte es nicht schwer fallen, bald eine Klärung herbei zu führen.

-Kultur, die im Schlamm stavb Das Schicksal der Mayas

Eine neue Erklärung der vielerörterten Frage, wie es geschehen konnte, daß die große Maya- Kultur Mittelamerikas, zweifellos die höchste des prähistorischen Amerikas überhaupt, ohne einen er­kennbaren Grund plötzlich erlosch und verschwand, gab kürzlich Dr. Wythe Cooke vom Geologischen Amt der Vereinigten Staaten in einer Sitzung der Washingtoner Akademie der Wissenschaften. „Die Kultur t>er Mayas", führte der Redner aus, „gab sich selbst den Tod mit dem Schlamm, der von den mit Getreide bestellten Abhängen der Anhöhen her­untergeschwemmt wurde. Das frühere Gebiet der Marias ist heute durch viele schmale und flache Stellen zähen Lehmbodens gekennzeichnet, die bei Regenwetter zumeist unpassierbar sind. Jede dieser Ebenen war einmal ein kleiner See, und da diese Seen mit den Flußläufen in Verbindung standen, so bildeten sie ein System von Wasserstraßen, wie es die nordamerikanischen Seen einmal für die Ka­nus der Indianer waren. Die Städte der Mayas wurden denn auch in der Nähe dieser Seestraße erbaut, di« einer bequemen Güterbeförderung gün- ftig war. Auf den umliegenden Hügeln bauten die Mayas den Mais, der ihre Hauptnahrung aus­machte. Dadurch vernichteten oder begruben sie aber die natürliche Vegationsdecke des hügeligen Geländes. Die Folge war, daß jeder heftige Regen­guß einen Teil des Mutterbodens des Hügellandes in die Seen schwemmte. Langsam füllten sich diese mit Erde, von der sich die Hügel entblößt sahen. Dies« Verschlammung der Seen sperrte daneben die Wasserstraßen, während gleichzeitig der Zerfall des Erdreichs der Hügel und ihre Verwandlung zu Felsgestein die Ackerwirtschaft vernichtete, was eine Verknappung der Lebensmittelvorräte zur Folge hatte. Schließlich war das ganze Volk durch Ver­armung und Hungersnot geizwungen, sich in Ducatan eine neue Heimat zu suchen.

gnügungsdampfer „Meteor" zu einem Zusammen­stoß, wobei beide Schiffe erhebliche Beschädigungen erlitten. An dem auf einer Reise von Leningrad nach Holland begriffenen deutschen 1439 Brt. gro­ßen Dampfer wurde der Steven verbogen und Teile des Vorschiffes eingedrückt, so daß Wasser eindrang. Das Schiff konnte aber nach kurzem Aufenthalt die Reise nach seinem Bestimmungs­hafen fortsetzen. Das norwegische Schiff „Meteor" wurde anscheinend mittschiffs getroffen. Ihm wurde das Promenadendeck eingedrückt. Es konnte aber gleichfalls die Reise fortsetzen. Menschenleben sind nicht zu Schaden gekommen.

Lvünettsasbomben bei einen Scheidemann-Rede

Aachen, 17. Sept. Die SPD. Aachen hielt Mittwoch abend zusammen mit den Freien Ge­werkschaften und dem Reichsbanner eine Versamm­lung ab, bei der Scheidemann als Hauptredner auf­trat. Scheidemanns Rede wurde mehrmals unter­brochen, und als er am Schlüsse seines Vortrages , /sturm über Deutschland" angelangt war, wurden zu gleicher Zeit an mehrere» Stellen des Saales Tränengasbomben geworfen. Das stieberfall- kommando mußte einschreiten, zumal da es nach Schluß der Versammlung zu Zusammenstößen zwi­schen Reichsbanner und Nationalsozialisten auf der Straße kam. Mehrere Verhaftungen wurden vor­genommen.

Mftnvr eines denischen Slugzeuses in Schweden

Alle vier Insassen ums Lebe» gekommen

Gvanenha^ev Movd in Ovesden

Dresden, 17. Sept. Das Dresdener Kriminal­amt hat eine Mordtat ausgedeckt, die der näheren Begleitumstände wegen geradezu grausig zu nennen ist. Am 13, September wurde in der Nähe von Stetzsch, an der Einmündung des Zschornerbaches, der Gärtnergehilfe Bruno hecht mit einer Schuß­wunde am Kopf tot aus der Elbe gezogen. Rach den Erörterungen der Mordkommission konnte es ju- nächst zweifelhaft fein, ob Selbstmord oder ein ver­brechen vorlag.

hecht gefährdet wurde. Stephan war dem hecht übrigens durch erhebliche Darlehen verschuldet. Bei den Erörterungen stellte sich weiter heraus, daß Stephan und Gulbi» schon vor etwa drei Wochen einen Giftmordversuch an hecht unter­nommen hatten, indem sie ihm eine Scheibe Brot mit Butter und Rattengift bei einem Heide­spaziergang als Vesperbrot anboten. Der Versuch war damals mißlungen, weil hecht infolge des schlechten Geschmackes das Brot weglegte. Auch in dieser Sache bestehen noch Widersprüche in den Angaben Stephans und Gulbins, die sich gegensei­tig belasten. Beide wurden am 17. September der Staatsanwaltschaft zu Dresden zugeführt. Die Sek­tion der Leiche hat ergeben, daß hecht durch einen Nahschuß in die Schläfe getötet wordèn ist Es wurden noch Pulverkörner in der Wunde vorge­funden.

Dev Dovvelmovd von Hetebov« ankseklSvt Der Doppelraubmord in Heteborn (Kreis Oschers­leben) ist nunmehr völlig aufgeklärt. Das Land­wirtsehepaar Klump wurde von dem 21 Jahre alten Walter Semper aus Kroppenstedt und dem ebenfalls

Langensalza

Bei den von der Mordkommission angestellten Erörterungen ergab sich, daß hecht beabsichtigt hatte, sich an einem Lebensmittelgeschäft in der Rampischen Straße zu beteiligen, das von seinem Freund Stephan betrieben wurde. Zu diesem Zweck hatte hecht dem Stephan bereits Geld Mr Verfü­gung gestellt. In dem Geschäft war außerdem noch ein Freund des Stephan, der stellungslose Jnstalla, teur Gulbin, beschäftigt. Beide konnten angeblich keinen Aufschluß über den Tod des Hechts geben. Obwohl festgestellt wurde, daß Stephan am 12. September in der siebenten Stunde den hecht tele­phonisch gesprochen hatte, war zunächst eine weitere Klärung der Angelegenheit nicht möglich. Das Kri- min-alamt mußte deshalb Stephan und Gulbin auf freiem Fuße lasten. Durch weitere Beobachtungen verdichtete sich aber sehr bald der schon vorher gegen sie gehegte Verdacht, obwohl sie nach den Angaben . . . der Schwester Stephans am Abend des 12. Septem-

leroor, daß sie am 31. Juli 6er nach Geschästsschluß ihre Wohnnug nicht wieder verlassen haben sollten. Das Kriminalamt schritt deshalb Mr Festnahme Stephans und Gulbins. Nach anfänglichem, sehr hartnäckigem Leugnen mußten beide schließlich unter der Last des Beweis- materials zugeben, Bruno hecht beseitigt M haben.

Nach den Angaben der beiden hat Stephan durch das erwähnte Telephongespräch am 12. September abends hecht nach dem Pirnaischen Platz bestellt und Gulbin an den vorgesehenen Tatort an der Elbe mit der Straßenbahn vorausgeschickt. Ueber den eigentlichen Verlauf der Tat gehen die Angaben der Täter noch auseinander. Stephan gibt zu, den Hecht nach längerem Elbufer mit einem Revolver

Stockholm, 17. Sept Ein deutsches Flug, zeug mit der Zulassungsnummer D. 1812 der Baye- rischen Flugzeugwerke stürzte heute um 12.45 Uhr einen Kilometer nördlich des Vire-Sees im Bezirk Jönköping in Millelschweden ab. Das Flugzeug zerschellte aus dem Boden, seine vier Insassen kamen ums Leben. Bei zwei der Getöteten wurden Pa­piere gefunden. aus denen hervorgehk. daß es sich um einen gewissen Johann Wirtz und einen ge­wissen Franz Paul, beide aus Bayern. handelte. Aus ihren Pässen geht h' ' ' "_____" * "

Malmö auf der Einreise nach Schweden passiert haben. Bei den anderen Getöteten wurden keine Papiere gesunden. Die Untersuchung hat jedoch in­zwischen ergeben, daß es sich um den schwedischen Ingenieur Fritz Danielsson und seine Ehefrau handelt.

Berlin, 17. Sept. Zu dem bereits gemelde­ten Flugzeugunglück im Bezirk Jönköping in Mittelschweden wird aus Luftsahrkkreisen milge- leilt, daß es sich um ein Flugzeug der Deutschen Verkehrsflug A.-G. Fürth handelt. Die Maschine, die mit einem siebenzylindrigen Wright-Dirlwind- Motor ausgeslaltet ist, wurde vor einiger Zeit an die Photogrammetrie in München verchartert, um in Schweden Luftbildaufnahmen zu machen. Bei den Verunglückten handelt es sich um den Piloten Johann Wirtz, den die Photogrammetrie gestellt hatte; Franz Paul ist vermutlich der Photograph der Expedition.

Damvßevmiammenstotz cm dev Elbemünduns

aber bereits

Zögern am ______.....______ . , .

erschossen zu haben, während Gulbin einige Schritte davon entfernt gewartet habe. Nach Gul- bins Angaben hat Stephan auch allein die Leiche ins Wasser geschleppt, während Stephan behauptet, Gulbin habe ihm dabei geholfen. Den zur Tat be­nutzten Revolver und de» Hut Hechts hat Stephan nach der Tat in die Elbe geworfen. Den Mantel

Hamburg, 17. Sept. In dem ersten Nebel, der sich auf der Unterelbe in der vergangenen Nacht bis zu den frühen Morgenstunden bemerkbar machte, kam es bei Brunsbüttel nachts zwischen dem deutschen Dampfer „Dalaeloen" der Ham-

des Toten hat er unter seinen eigenen gezogen und am 13. September morgens durch Gulbin bei Verwandten unterbringen lassen, wo der Mantel auch gefunden wurde. Darüber, wer von beiden die Anregung zur Tat gegeben hat, kann bei den aus­einandergehenden Angaben Stephans und Gulbins zunächst keine Klarheit geschaffen werden.

, ________ _,. .,_... Der Anlaß zur Beseitigung Hechts kann darin

burger Reederei Bolten und dem von Hamburg j zu suchen sein, daß ein Liebesverhältnis, das nach New Castle ausgehenden norwegischen Ver- Stephan mit einem Mädchen unterhielt, durch

erschlagen.

Zemper war vor einiger Zeit bei dem Ehepaar Klump als Arbeiter tätig gewesen und ist wegen Unregelmäßigkeiten entlassen worden. Er ist mehr­fach vorbestraft, u. a. wegen Diebstahl und Ur­kundenfälschung. Zemper und Fleischmann befanden sich auf Wanderschaft. Sie kamen aus der Richtung von Burg und trafen am 12. September in Magde­burg ein. Dort zechten sie, ließen ihre Mützen zu­rück und drückten sich ohne zu bezahlen. Von Magdeburg wanderten sie bis Heteborn. Da sie kein Geld hatten, beschlossen sie, bei den Eheleuten Klump in Heteborn einzubrechen. Sie stie­gen durch das halbgeöffnete Fenster in die Wohnung ein und begaben sich in das Schlafzimmer. Die Eheleute waren zu dieser Zeit nicht in der Wohnung. Zemper verbarg sich im Schlafzimmer in einem Schrank, und Fleischmann kroch unter das Bett. Als die Eheleute zurückkehrten und sich zu Bett gelegt hatten, kroch zuerst Fleischmann unter dem Bett hervor. Der Landwirt Klump sprang aus dem Bett und wollte Fleischmann Mr Rede stellen. Er erhielt sofort einen Schlag auf den Kopf, daß er zusammen-brach. Dann kroch Zemper aus dem Schrank und fiel über die Ehefrau her. Sie erhielt fünf bis sechs Schläge aus den Kopf, die die Schädeldecke vollkommen zer­trümmerten. Die Raubmörder nahmen dann einige Kleidungsstücke non unbedeutende Wert und zwei Mäntel mit. Das Geld, das in einer Truhe ver­schlossen war, haben die Täter nicht gesunden, nur etwa drei RM, die der Landwirt Klump in der Tasche hatte. Nach der Tat haben die Verbrecher in der Küche gegessen.

Zemper ging nach Halberstadt zum Gerichts­gefängnis und erklärte, er habe vor einigen Tagen bei Tangerhütte in einer Gastwirtschaft aus der Ladenkaffe 29 RM gestohlen. Er sei des Umher­wanders müde und habe sich deswegen gestellt. Zemper beantragte eine sofortige Ueberführung an das Amtsgericht Stendal. Bei näherer Untersuchung seiner Kleider fand man, zwar ausgewaschen, aber doch für den Kenner bemerkbar und durch den Ehe- miker einwandfrei nachweisbare Blutflecken an dem Rock und einige abgerissene Menschenhaare. Zem­per wurde deswegen nicht nach Stendal überge­führt. Vielmehr wurde ihm aufgegeben, sein Midi nachzuweisen. Bei diesem Nachweis verwickelte er sich in verschiedene Widersprüche. Schließlich be­quemte er sich zu einem Geständnis der Mordtat. Fleischmann konnte bisher nicht ergriffen werden.

Die „Role Fahne" auf vier Wochen verboten

Berlin. 17. Sept. Der Polizeipräsident hat die in Berlin erscheinende Tageszeitung „Die Rote Fahne" einschließlich der Kopfblätter , mit sofor­tiger Wirkung auf die Dauer von vier Wochen verboten. In dem von der „Roten Fahne" ver­öffentlichten Telegramm des ZK. der KPD. an die englische Marine wird eine schwere Störung der freundschaftlichen deutsch-englischen Beziehun­gen erblickt. Der Schlußsatz des Telegramms stellt überdies eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze dar.

Zwei Todesopfer eines Streifes

Füssen (Allgäu), 17. Sept. In Schwangau kam es gestern abend zwischen Handelsleuten zu Auseinandersetzungen, die in einen blutigen Streit ausarteten. Im Verlaufe der Streitigkeiten wurden die beiden Brüder Joses Kronewitter, 25 Jahre alt, und der 21jährige Max Kronewitter durch Schüsse getötet. Durch zwei Schüsse schwer ver­letzt wurde der Händler Peter Bernannseder. Als Täter wurde der Händler Laver Gensmandel er* mittels, der ins Amtsgerichtsgesängnis Füssen ein­geliefert wurde. Eine Gerichtskommission ist gestern i nacht noch an Ort und Stelle einMrvffem,, 2 '~ 1

Tragischer Tod eines Zollbeamten Vj

Bocholt, 17. Sept. In Suderwich ereignete sich^ gestern nacht ein schwerer Unglücksfall, der eich Todesopfer forderte. Der Zollassistent Vrewe, her sich mit zwei anderen Zollbeamten auf einem Dienstgang befand, wollte seine Pistole nachsehen. Plötzlich lösten sich mehrere Schüsse, und Brewe stürzte tödlich getroffen zu Boden. Einer seiner Kollegen wurde schwer verletzt. Es konnte noch nicht festgestellt werden, wie das Unglück geschah; eine sofortige Untersuchung wurde eingeleitet.

Erwerbslose plündern Sarkoffeläcker

Köln, 17. Sept. Zu aufregenden Szenen kam es gestern nachmittag in dem Vorort Köln-Gremberg, Etwa 300 Erwerbslose zogen mit Gartengeräten versehen auf ein Kartoffelfeld und begannen die Kartoffeln auszuroden und einzusammeln. Beim Erscheinen der von den Landleuten alarmierten Polizei stob die Menge auseinander. Etwa 30 Per­sonen, die noch im Besitz von gestohlenen Kartoffeln waren, wurden dem Polizeirevier zugeführt.

verworfenes Gnadengesuch

Weimar, 17. Sept. Das thüringische Kabinett hat am Mittwoch über das Gnadengesuch des wegen Ermordung seiner Ehefrau und einer Haus­angestellten vom Rudolstädter Schwurgericht zum Tode verurteilten Landwirt Koppe aus Zwabitz beraten. Da die Beschlußfassung im Kabinett streng geheim gehalten wurde, wird angenommen, daß das Gnadengesuch verworfen worden ist und die Hinrichtung des Doppelmörders demnächst voll­zogen wird.

Waffenfunde bei einem kommunistischen Funktionär

Karlsruhe, 17. Sept. Wie der Polizeibericht meldet, wurden gestern bei einem kommunistischen Funktionär in der Vorstadt Rüppurr, der früher Waffenhändler war, 13 Revolver und Pistolen, neun zum Teil veränderte Militärgewehre verschie­dener Systeme, fünf Jagdgewehre, vier Klein­kalibergewehre und mehrere tausend Schuß Munition, sowie acht Kilo Schwarzpulver gefun­den. Der Funktionär wurde in haft genommen.

Schweres Segelbootunglück im Revaler Hafen

Reval, 17. Sept. Auf der hiesigen Reede ken­terte ein Segelboot, in dem sich sechs Jugendliche befanden. Fünf Insassen ertranken.

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