Einzelbild herunterladen
 

Seife 2

Donnerstag. Seit 17. September 1931

Rr. 218

vermissen lassen. Wenn er hätte zu verstehen geben wollen, der Besuch sei nicht sehr er­wünscht, so hätte er sich nicht anders ausdrücken können. Alles in allem: eine sehr schlechte Zensur!

Man erinnere sich bei dieser Gelegenheit einmal an die Art, wie der französische Mi­nisterpräsident die Ankündigung des deutschen Besuches in Paris in einer öffentlichen Kam- merreite beantwortet hat. Seine Ausführun­gen Nangen so unfreundlich, daß man bei einigem bösen Willen in Deutschland darin eine offene Absage hätte erblicken können. Man hat also wirklich auf franzöfischer Seite keine Veranlassung, sich über die Källe des Tones in der Rede des deuffchen Außenministers zu beschweren. Die oanze. Tendenz aber ist ent­scheidend. Man stellt sich unter derVerstän­digung" offenbar ein ZusEmengehen auf einer Linie vor, die Frankreich zu bestimmen hat. Von einem Angriff auf dieReparatio­nen" oder von Vorwürfen an die Wresse der Gläubiger Deutschlands kann auf dieser Linie natürlich keine Rede sein. Vielmehr wird es sich auf der Grundlage einer solchenVer­ständigung" darum handeln, daß Deuffchland sich seiner Pflichten als Schuldner bewußt ist. In Paris weiß man bereits zu berichten, Frankreich werde die nächste Verlängerung des letzten Ueberbrückungskredites für die Reichsbank nicht so ohne weiteres passieren lassen. Es werde auch bei den nächstenStill- halteverhandlun'gen" Schwierigkeiten machen.

Soll man darin etwa die Grundlage für die Besprechungen in Berlin erblicken? Man wird jedenfalls sagen können: Hätte derPetit Parifien" die Absicht gehabt, den Wert der Berliner Besprechungen von vornherein auf ein Mindestmaß herabzusetzen, so hätte er es gar nicht anders anfangen können.

DevRun

aus Deutschlaud'*

(Forts?«-'mq von Seite 1)

gewaltsam Einhalt gebot, und das war ohne Bruch mit der grundsätzlichen Freiheit des Bankenverkehrs nicht möglich.

Es kann nicht behauptet werden, daß die Schalterschließung einer Großbank, die ja niemand gewollt hat deren Verhütung im Gegenteil, so­lange es anging, mit allen zur Verfügung fixen­den Mitteln versucht worden ist und die darauf folgenden Bankfeiertage die einzige Möglichkeit waren, ein Halimachen der Berennung herbei- zuführen. Es kann aber ebenso wenig behauptet werden, daß irgend ein anderer Weg, wie etwa die Erklärung eines Auslandsmoratoriums bei freiem Jnlandsverkehr, nicht auch gewaltige Schwierigkeiten hätte hervorrufen müssen. Niemand kann sagen, ob die dann auftauchenden Schwierig­keiten und selbst Gefahren größer oder geringer gewesen waren als die, die wir tatsächlich durch- gemacht haben. Uebrigens ist das eine Frage durch­aus politischen Charakters.

die Ereignisse vom 13. Juli hatten die fürchter­liche Ueberzeugungskraft eines Elemenlar- ereignisses, die stärker ist als die besten Beweisgründe und führten der ganzen Welt vor Augen, daß es so nicht weitergehen konnte.

Der Vorwurf derCamouflage" konnte seitens des so unendlich schwer zu überzeugenden Auslandes gegen Deutschland nicht mehr erhoben werden.

Dr. Luther bespricht dann die

inländische Kredilversorgung

Mist 3 Milliarden Gold und Devisen hat der Run der Ausland gläubiger der deutschen Wirtschaft seit Beginn des Jahres 1931 entzogen, und diese 3 Milliarden sind im wesentlichen aus den Devisen- und Goldvorräten der Reichsbank und der Banken gezahlt worden. Das ist eine ungeheure Leistung und beweist die weitgehende Zahlungs­bereitschaft Deutschlands gegenüber seinen privaten Gläubigern. Diese Devisen stellten gewissermaßen die volkswirtschaftliche Kassenreserve Deutschlands dar, und als ehrlicher Kaufmann hat Deutschland sie zur Befriedigung der Gläubigeransprüche ver­wandt.

Diese Loyalität wird in Zukunft dem Wieder­aufbau von Deutschlands internationalem Kredit zugute kommen,

für die Gegenwart aber stellt der Devisenentzug die deutsche Kreditwirtschaft vor schwere Auf­gaben. Es handelt sich um die Frage, ob etwa in dem gleichen Umfang in dem ausländische Zah­lungsmittel abgeflossen sind, das inländische Kreditvolumen abgebaut werden muß. Tatsächlich ist schon heute in starkem Umfang der Re ich sba n k k r « dit an die Stelle des ent­zogenen ausländischen Kredits getreten. Dadurch ist die private Bankwelt aus der Zwangslage befreit, ehren für die Wirtschaft äußerst gefährlichen Weg zu gehen. Man muß sich die wirtschaftlichen Folgen eines allgemeinen Kreditabbaus vor Augen halten. Ein dementsprechender Debitoren abbau der Banken, verbunden mit der Einschränkung von neuen Krediten, müßte noch so manchen Betrieb zur S ch l i e ß u n g, so manche Unternehmung zum Untergang bringen.

Der Weg des rücksichtslosen Debitoren« Äbbaues. der unvermeidlich in sich gelunde Bestand, teile unseres Wirtschaftslebens erfassen würde, ist nach meiner Meinung nicht gangbar. Wenn auch eine Sichtung der Debitoren nach Qualität und Leistungsfähigkeit nicht nur nicht zu umgehen, sondern geboten ist, muß doch aus die Befriedigung der legitimen Kreditbedürsnisle größter Wert gelegt werden; sonst würde in Deutschland der Deflations­prozeß. der ja international ist und aus dem sich Deutschland nicht herausziehen kann, übertrieben werden und dadurch zu einem so übermäßioen Druck ausarten, daß d>e Folgen kaum absehbar wären.

Auf der anderen Seife kann eine Aufrechterhal­tung des Sredilvolumens verantwortet werden, nachdem wir durch Stivhaltunq und Deviien- bewirtschaktun« einen Zustand geschaffen haben, der es aeffaffef. mit einer qerinaeren volkswirt­schaftlichen Lassenreserne an Gold und Devisen austufommen.

Eine sehr viel schwierigere Frage ist die, ob und inwieweit das deutsche Kreditvolumen noch ausge­dehnt werden kann Dies darf nur in dem Umfange Mchehen, in dem sich das innere deutsche Handels-

Völkerbund und Minderheiten ffiine Rede von Suvtkus - SvauSveiA und feine Vasallen gegen eine Aenderung des ledigen Systems

Genf, 16. Sept. In der politischen Kommission wurde zunächst die Fortdauer des Mandats für die Tätigkeit des Europa-Ausschusses int Rahmen des Völkerbundes angenommen.

Dann ergriff Reichsaußenminister Dr. Curtius das Wort, um einen Rückblick auf die Arbeit des dreigliederigen Minderheiten- Komitees des Völkerbundes zu liefern und eine Reihe praktischer Anregungen zu machen, die sich auf den Ausbau des Minderheitenverfahrens be­ziehen und deren Fortführung um so wichtiger ist, da der Völkerbund die Garantieverpflichtung auf sich genommen hat, das Minderheitenrecht auszu­gestalten, um im Interesse der friedlichen Zusam­menarbeit ein reibungsloses Verfahren zu schaffen. Hier erinnerte der Außenminister besonders an die im Vorjahre vom damaligen englischen Außen­minister Henderson abgegebene Erklärung, die in der Forderung eines liberalen Minderheitenschutzes gipfelte.

Curtius beantragte, daß die Veröffentlichung der erledigten Streitfälle in größerem Umfange, als dies bisher geschah, stattfinden soll. Dort, wo die Regierung den Minderheiten Zusagen gemacht habe, dort wo es sich um übernommene Verpflich­tungen seitens der interessierten Regierungen han­delt, würde sich die Veröffentlichung der Aktenstücke dringend empfehlen.

Ferner sprach Dr. Curtius den Wunsch aus, daß den Beschwerdeführern in breiterem Umfang als bisher die Möglichkeit gegeben wird, zu einem im Gang befindlichen Verfahren rechtzeitig Stellung zu nehmen. Die Zubilligung des Rückfragerechts der Beschwerdeführer wurde in dem Madrider Be­

schluß den Minderheiten zuerkannt. Es könnte in dieser Richtung so manches geschehen. Aus den vor­liegenden Statistiken des Generalsekretärs ergebe sich eine stärkere Betätigung des Dreierausschusses für Minderheitenfragen. Die Anwendung aller in dem Madrider Beschluß den Minderheiten zuer­kannten Garantien seien noch nicht in Kraft ge­treten. Deshalb müsse die Verwirklichung aller Verpflichtungen, die der bund gegenüber den Minderheiten auf sich genom­men habe, erstrebt werden.

Völker

Die Attsidvache

Nach der Rede des Außenministers gab ein Ver­treter Rumäniens im Namen der Tschechoslo­wakei, Jugoslawiens,, Griechenlands, Rumäniens und Polens eine Erklärung ab, in der er auf die Erkläungen hinwies, die vom diesen Staaten tm vorigen Jahre zu der Frage abgegeben worden seien und in denen die genannten Staaten betont hätten, daß sie Verpflichtungen, die über die be­stehenden Minderheitenschutzverträge hinausgingen, nicht zu übernehmen gedächten.

oolumen ausdehnt. In diesem Umfange wäre eine Ausdehnung von Kredit und Zahlungsmittelumlauf nöglich und je nachdem notwendig. (Völlig ausge- chlossen ist demnach eine Kreditausdehnung nicht, Denn man annimmt, daß in der deutschen Wirtschaft Kapazitätsreserven schlummern, die bei einer wieder­erwachenden unternehmerischen Initiative zu einer chnellen Ausdehnung des Handelsvolumens führen vürden. Dies ist aber di« Voraussetzung aller kre- ditpolttischen Erleichterungen.)

Daß hiermit noch nicht entfernt all« Wünsche nach Kreditausdehnung und Zinssenkung befriedigt sind, ist klar. Es ist daher an sich verständlich, daß immer wieder Binnenmark- und ähnliche Projekte auf­tauchen, die der deutschen Wirtschaft Milliarden- reträge von Zahlungsmitteln zur Verfügung stellen ollen

Alle solche Pläne sind Jnftafion.

Der Wert eines Zahlungsmittels hängt nicht allein und nicht einmal entscheidend von Art und Höhe seiner Deckung, sondern hängt, abgesehen von der Greifbarkeit und Verwertbarkeit dieser Deckung, hauptsächlich von seiner relativen Knappheit im Ver­hältnis zum Handelsvolumen ab. Wenn Gold die Zcchlungsmittel so wertbeständig hält, liegt das daran, daß Gold knapp ist. Alle anderen Deckungs­objekte, wie Häuser, Boden usw. lassen sich in solchen Massen bereitstellen, daß man auf dieser Grundlage eine unbegrenzte Inflation erzeugen könnte. Daher keine Jnflat'onsexperimente.

Es ist schwer für den Fernstehenden, heute das gesamte Problemgebilde der Geld- und Kreditwirt- schast zu übersehen. Ich fasse daher meine Ausfüh­rungen noch einmal zu einigen kurzen Sätzen zu­sammen:

1. Was den Bruch in Kredit- und Zahlungssystem am 13. Julj erzwang war ein Run der Auslands­gläubiger auf Deutschland.

2. Stillhaltung und Devisenbewirtschaftung sind die vorläufige Sicherung gegen die Wiederholung eines Runs der Auslandsgläubiger.

Z. Stillhaltung und Devisenordnung machen es möglich, trotz des starken Devisenverlustes der ersten sieben Monate des Jahres 1931 das alte Kreditvolumen, soweit es noch wirtschaftlich gerecht­fertigt ist, im wesentlichen aufrechtzuerhaüen. Eine Ausdehnung des Handelsvolumens hat zur Vor­aussetzung eine Ausdehnung des Handelsvolums, die zuzeit nicht besteht.

4. Binnenwährüngsprojektc und Aehnliches kön­nen die Kreditnöte nicht beseitigen, sondern führen in eine Inflation. Sofern eine entsprechende Aus­dehnung des Handelsvolumens sich vollzieht, ist eine gesunde und gerechtfertigt« Kredit­ausdehnung auch in R ei ch sma r k w äh - rung möglich.

Die Arbeiten des ReiMS- kabinettS

Berlin, 16. Sept. Das Reichskabinrtt ist heute nachmittag zu der von uns bereits angeküirdigten Sitzung zusammengetreten, mit der die Dauerbera- tungen beginnen, die für die nächsten Tag« zu er­warten sind, damit das Wirtschaftsprogramm bis Mitte nächster Woche herausgebracht werden kann. In der heutigen Besprechung ist zunächst die Er-

An diese Bemekung knüpfte sodann der Ver­treter Ungarns, Graf Apponyi, an mit der Er­widerung, daß er sich ebenfalls auf seine vorjähri­gen Erklärungen berufen könne und daraus ver­zichte, auf die von dem Vertreter der genannten Staaten wiederholten Erklärungen näher einzu­gehen.

Sehr eindrucksvoll trat dann ein Vertreter Ka­nadas, ein kanadischer Abgeordneter, in dessen Wahlkreis eine starke ukrainische Minderheit wohnt, für den Schutz der Minderheiten und für die Schaffung einer ständigen Minderheitenkom­mission ein. Nur auf diese Weise könne den Min­derheiten ein wirklich großer Dienst erwiesen werden.

Lord Cecil bekannte sich ohne Vorbehalt zu den vor Dr. Curtius zitierten Worten HendersoNs über die Minderheitenfrage und betonte, daß auch die gegenwärtige englische Regierung an dieser Auf­fassung der Frage festhalte.

_ Der französische Unter st aatssekre- tär Maurice Petsche, der die Vertretung Frankreichs in der politischen Kommission über­nommen hatte, nachdem Briand nach der Rede von Dr. Curtius das Völkerbundshaus verlassen hatte, gab eine kurze Erklärung ab, in der er sich den Ausführungen Lord Cecils anschloß und sich im übrigen auf die im vorigen Jahre von Briand ab­gegebenen grundsätzlichen Erklärungen bezog. Er stellte fest, daß das gegenwärtige System nicht un­mittelbar in die Debatte gezogen werde, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß das Verfahren in einem liberalen Geiste, entsprechend den Rechten der Minderheiten und den Interessen der beteiligten Staaten, gehandhabt werde.

Als Vertreter Spaniens sprach der in Kata­lonien gewählte Abgeordnete Miro, der sich grund­sätzlich im Sinne der deutschen Anregungen aus­sprach.

Zum Schluß stellte der Vorsitzende Motta fest, daß die Aussprache zweifellos von Wert gewesen sei, auch wenn keine formulierten Anträge einge­bracht worden seien. Der Völkerbundsrat werde zweifellos die gemachten Anregungen nutzbar ver­werten. Motta schlug sodann die Ernennung des finnischen Außenministers Prgo Köskinen zum Be­richterstatter vor, der die Aufgabe hat, einen Be­richt über die Völkerbundsoersammlung vorzube­reiten. Damit war die Debatte über die praktische Förderung des Minderheitenschutzverfahrens be­endet.

Die Behandlung der Minderheitenfrage auf der diesjährigen Vollversammlung ist somit ohne jede praktischen Ergebnisse in einer zweistündigen, voll­ständig allgemeinen Aussprache abgeschlossen. Es wurden nur Erklärungen abgegeben, die keinen grundsätzlichen Fortschritt auf dem Gebiete der Be­handlung der Minderheiten durch den Völkedbund bedeuten ckönnen.

örterung des Bankkuratoriums -wieder aufgenom­

tuen worden, mit dem das Reichskabinett sich be- kanntlich am Montag bereits ausgiebig befestigt hat. Um 19% Uhr trat eine Pause ein. Gegen 22 Uhr trat das Kabinett wieder zusammen. Wie wir erfahren, ist es in der Nachmittagssitzung ge­lungen, die Frage des Bankenkuratoriums im wesentlichen soweit zu erledigen, daß nur noch einige geringfügige Formulierungen geändert zu werden brauchen. In der Nachtsitzung fand zunächst "' -"----- w-be über die Finanz- und

eine

Wirtschaftspolitik statt. ..... T

dann die Reichsregierung in den nächsten Tagen die Erörterung der Einzelentwürfe fortsetzen.

luf dieser Basis wird

Stttevvetttton der GeweEthattsn bei der Sterchsveskevuns

Esseu, 16. Sept. Die Gewerkschaften aller Rich, tungen, werden, wie hier gerüchterweise verlautet, in den nächsten Tagen ein Termin steht noch nicht fest bei der Reichsregierung vorsteWg wer­den und aus die katastrophale Lage der rhöindsch- westfÄischen Eisenindustrie Hinweisen. Seit Juni 1929 bis 1. August 1931 ist die Belegschaft M Be­reich der nordwestlichen Gruppe der Eisen- und Stahlindustrie von 220 000 aus 133 000 zurück- gegangen. Hinzu kommen noch die in der letzten Zeit angekündigten Entlassungen und Be-tviobsstill- legungen, durch die weitere 8000 Arbeiter brotlos werden,

Ek«e Sktzuttg dev Fübvev dev «.G.D.A.V.

München, 16. Sept. Wie die Pressestelle bei der Reichsleitung der NSDAP, mitteilt, fand am 15. und 16. September in München unter dem Vorsitz Adolf Hitlers und in Anwesenheit fast aller namhaften Führer Jber nationalsozialistischen Be­wegung eine Tagung der Gauleiter und SA.- Führer des ganzen Reiches statt, die sich mit der politischen Lag« befaßte und bei der die Richtlinien für dem kommenden politischen Kampf festgelegt wurden. Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser und iyr Chef des Stabes Röhm leiteten die Führerbefprechungen. Auf der gemeinsamen Tagung zeichnete Hitler in mehrstündigem Vortrag ein Bild der innen- und außenpolitischen Lage und legte die Grundsätze dar, die für den politischen Kampf der NSDAP, im den nächsten Monaten maßgebend sein werden. Der Redner machte dabei auch die Feststellung, daß die nationalsozialistische Bewegung sich überall in auffteigenber Welle finde.

be-

VovNnev Ausviihvev vor dem «StbueUvkbtev

Berlin, 16. Sept. Die Tumulte, di« sich am Man. tag vor der sozialdemokratischen Versammlung in der Umgebung des Sportpalastes ereigneten be­schäftigten bereits heute den Schnellrichter beim Amtsgericht Mille. Verhandelt wurden fünf Fälle, und die Anklagen lauten auf Aufforderungen zum

Resrevnussvat blasses M.S.D.A.P.) bvaunschweigtttbev

Regierungsral Klagges (Ralionalsozialifl) wurde mit 20 gegen 19 Stimmen zum zweiten braun­schweigischen Minister gewählt; gegen ihn stimmten die Linksparteien und die Volksnationalen.

Ungehorsam, Nichtbefolgung polizeilicher Anordnun­gen, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Auf­forderung zur Begehung einer strafbaren Handlung. Der 30jährige mit Zuchthaus vorbestrafte Arbeiter Alfons Christmann hatte aus einem Lokal in der Potsdamer Straße bei der Räumung der Straße durch die Polizei herausgerufen:G e - noffen, weicht nicht zurück! Nieder midt Severing und nieder mit dem Rotfrontverbot!" Das Gericht erkannte gegen ihn auf 6 Monate Gefäng­nis. Nach dem Urteil drohte der Angeklagte dem als Zeugen vernommenen Polizeibsamten:Dir streiche ich es an, du Bursche, wenn ich erst wieder heraus bin, selbst wenn ich 10 Jahr« Zuchthaus be­komme". Ein Arbeiter, Willi Matzke, der einen Polizeibeamten zu Boden geworfen hatte, erhielt wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt einen Monat Gefängnis und zwei Tage Haft. Ein« Frau, die aus der zurückgedrängten Menge den Polizsi- beamien zugerufen hatte:Euer Tod ist euch gewiß", und zu Gewalttätigkeiten aufgchetzt hatte, wurde mit 5 Monaten Gefängnis bestraft. Die anderen Fälle endeten mit Verurteilungen zu durchschnillllch einem Monat Gefängnis.

Amevièa im Vvimw fäe die fünfkSbvise Rüstungsvause

Rewyork, 16. Seps. Das Staatsdepartement erklärte heute feine volle prinzipielle Zustimmung zu der von Senator Borah vorgeschlagenen fünf­jährigen Rüstungspause. Eine solche würde, sofern sie allgemein erfolge, zum mindesten in dreifacher Hinsicht segensreich wirken. Erstens würde " Genfer Abrüstungskonferenz, an deren für de» feffgefeWn nachdrMMM festhM/Ä in einer viel freundlicheren Atmosphäre staktfinden. Denndie Ohren der Delegierten würden nicht ^ durch das hämmern in den Munitionsfabriken und^ Werften iritiert werden". Sodann gebe eine solche Pause Zeit und damit bessere psychologische Vorbe­dingungen für die Besprechung der verschiedenen politischen Probleme. Die ameritanlfdje Regierung erwarte von der Genfer Abrüstungskonferenz fein plötzliches Aufhören aller Rüstungen, sondern ledig­lich einen ersten großen Schritt zur Beseitigung des Wettrüstens der Landheere und zur Beschränkung sämtlicher Rüstungen Eine Rüstungspause würde sowohl hierfür wie auch für die allmähliche Be­seitigung der europäischen Streitpunkte sehr gün­stig sein. Drittens würde eine Rüstungspause an-- gesichls der Weltwirtschaftslage ganz zweifellos durch die Einsparungen bei den Wehrelats von großem Ruhen fein. Dies stelle Amerikas prin­zipielle Einstellung dar. Man habe zwar weder von Grandi noch von Borah bisher Einzelheiten über ihre Vorschläge erfahren, aber man fei bereit, diese zu prüfen und hoffe, nützliche Winke geben zu kön­nen. Amerika würde gern für eine Rüstungspause eintreten, sobald die anderen Mächte mitmachten.

Ein Eisenbahnunglück verhütet

Rosenheim, 17. Sept. Auf der Bahnstrecke Rosenheim-Salzburg wurde durch die Aufmerksam­keit eines Streckenwärters ein Eisenbahnunglück ver­hütet. Der Wärter entdeckte mehrere große Steine auf den Schienen, die sofort entfernt wurden, wo­durch ein Unglück verhütet wurde. Die Gendarmerie hat sich der Sache angenommen.

Die Pazifikslieger gerettet

Seattle, 16. Sept. Bei der hiesigen Küsten­wache lief heute eine Meldung ein, daß die in Ja­pan vor einer Woche gestarteten Flieger Ellen und Moyle, die bisher als vermißt galten, sich wohlbehalten auf den Aleuten befinden.

Letzt« Telegramme

Zum ÄluSftaud -ev ensttfche« Flotte

London, 17. Seps. Die Presse veröffentlicht eine von der Admiralität ausgegebene Tabelle über Aen­derung in der Löhnung der Seeleute, aus der her­vorgehl, daß die Abstriche nicht 2025 Prozent, sondern nur 1013 Prozent betragen. So weit die Bläffer zu den Vorgängen Stellung nehmen, äußern sie Bedauern über dieUnbesonnenheit" der jugend­lichen Seeleute.Morningpost" sagt, die Vorgänge hätten Unruhe verursacht. Wenn man sie deutlich charakterisieren wolle, was heute nicht mehr Mode sei, dann müsse man von Meuterei sprechen. Schär­fer äußert sich nochDaily Mail", die von einem 24ffiinblgen Streik der Flotte des Königs spricht und mit den Worten schließt: Ungehorsam gegenüber den Befehlen der Regierung In einer Zeit wie der jetzigen, fei ebenso schlimm wie Ungehorsam im Kriege.