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Saturn SiadS und Land
Sie. 218
12. September
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1931
De« Ausstand der eugttscheu Motte
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Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtages hat an den Präsidenten Bartels ein Schreiben gerichtet, wonach die Fraktion den kommunistischen Antrag auf Einberufung des Landtages und des Aeltestenrates zur Festsetzung des Termins unterstützte Da ein Antrag auf Einberufung des Aeltestenrates der Unterstützung durch drei Mitglieder des Aeltestenrates bedarf und diese Unterstützung nunmehr vorliegt, ist mit der Einberufung des Aeltestenrates für die nächsten Tage zu rechnen.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst einem Runderlaß des Ministers des Innern entnimmt, sind zur Erleichterung der polizeilichen Ueber- wachung politischer Veranstaltungen die örtlichen Reichsbahndienststellen neuerdings angewiesen worden, künftig bei Beförderung größerer Trupps von Angehörigen politischer Verbände und Organisationen in jedem Falle die Ortspolizeibehörden der Zielbahnhöfe über Abfahrt, Ankunft und Umfang solcher Transporte fernmündlich zu verstän- digen.
Nach einer Meldung der Associated Preß aus Washington hat der amerikanische Handelsattache in Berlin, Douglas Miller, heute dem Handelsdepartement durch Funkspruch mitgeteilt, daß die finanzielle Lage Deutschlands mehr und mehr normal werde. Wenn es auch noch nicht möglich sei, die Auswirkungen der Finänzkrise des ver-
Der Schulstreik der deutschen Kinder in Dirschau ist seit gestern beendet. Die deutschen Kinder neh- * " .......Das
Schulstreiks
men wieder am deutschen Unterricht teil. Blatt bezeichnet diesen Ausgang des Schu. als einen Erfolg der einmütigen Haltung der deutschen Eltern,* deren Druck die polnischen Behörden schließlich nachgeben mußten.
Wie der Deutsche Städtetag mitteilt, betrug die Zahl der von den Arbeitsämtern anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen in den Städten mit mehr als 25 000 Einwohnern am 31. August rund 832 000, was eine Zunahme gegenüber dem Vormonat von weiteren 51 000 oder 6,5 o. H. bedeutet.
Alle Nachforschungen, das Flugzeug der deutschen Ozeanflieger Johannsen und Rody zu entdecken, blieben ergebnislos,
Dr. Pfriemer hat sich nach Italien begeben und gedenkt dort zunächst zu bleiben. In österreichischen Regierungskreisen wird die Entwaffnung und Auflösung sämtlicher Selbstschutzverbände erwogen.
Ueber eine gestern stattgefundene Unterredung des Bundeskanzlers Buresch mit dem französischen Finanzminister Flandin berichtet „Petit Parisien", wenn sich der französische Finanzminister auch herzlich und sogar zuvorkommend gegenüber einem Mann gezeigt habe, der glücklicherweist gegen Schober absteche, so habe der französische Minister doch betont, daß man kaum erkenne, was man für Oesterreich tun könne, bevor nicht eine Stabilisation des internationalen Kreditmarktes ernge- treten und das österreichische Budget wieder ausgeglichen ist. *
Nach einer Havasmeldung aus Genf dementiert man in französischen Völkerbundskreisen, daß französisch-italienische Verhandlungen in dec Flot- tenfrage gestern' in Genf wieder ausgenommen worden seien. Zwar seien beide interessierten Regierungen von dem gleichen Wunsch beseelt, eine Lösung zu finden. Doch habe, seitdem Frankreich in Rom neue Vorschläge hatte unterbreiten lassen, keine Besprechung stattgefunüen.
Im Rahmen der Maßnahmen zur'Sanierung der ungarischen Staatsbahnen tritt am 1. Oktober d. I. eine Erhöhung der Fahrpreise in Kraft, die bei den Personenzügen durchschnittlich 7,5 Prozent, bei Schnellzügen 3,3 Prozent beträgt. Im Fernverkehr über ‘251 Kilometer dagegen werden nach dem neuen Tarif die Fahrpreise niedriger sein als die bisherigen. Im Güterverkehr treten für einige landwirtschaftliche Erzeugnisse Tarifermäßigungen in Kraft, die bei Weizen 20 Prozent, bei Wein 11, bei Obst 9 bis 21 und bei Eiern 15 Prozent betragen. *
Wie Havas aus Madrid berichtet, hat das spanische Parlament gestern nach einer Rede des Sozialisten Araquistasir mit 170 gegen 152 Stimmen beschlossen, Spanien zu einer „Arbeiterrepublik" zu erklären. *
, Wie der Edison behandelnde Arzt mitteilt, verschlechtert sich der Gesundheitszustand Edisons seit etwa einer Woche von Tag zu Tag.
Macdonald antwortet im LtntechauS
London. 16. Sept Die Einzelheiten, die über die Vorgänge in der atlantischen Flotte bekannt werden, zeigen, daß dieser Teil der englischen Flotte sich seit Samstag praktisch im Ausstand befindet. Als die Schiffe am Samstag zu Uebungen ausfahren sollten, weigerten die Mannschaften sich. dem Signal zum Ankerlichten zu gehorchen. Statt dessen Netzen sie den König hochleben, um so zu zeigen, daß es sich um keine revolutionäre Handlung handle. Dann fetzten sie sich auf die Ankerketten, so daß es nicht gelang, die Anker zu lichten.
Der Erste Lord der Admiralität, Austen Chamberlain, erklärte im^Unterhaus zu den Borgängen auf den Schiffen der atlantischen Flotte:
Die Admiralität hak die Vorstellungen des Oberbefehlshabers der atlantischen Flotte über die Benachteiligung der Seeleute einiger Soldklassen durch die von der Regierung angeordneten Kürzungen der Löhnung geprüft. Die Regierung hat die Admiralität ermächtigt. Vor- schlüge zu machen, um die Lage der Seeleute in den angeführten Fällen zu erleichtern, soweit die Tatsachen durch die geplante Untersuchung bestätigt sein werden.
Diese Erklärung, die praktisch ein Nachgeben gegenüber den Forderungen der Matrosen bedeutet, wurde bei der Arbeiteropposition mit lautem Beifall
jetzt darzulegen, daß die Lohnherabsetzungen bei der Marine erheblich höher seien als bei den übrigen Waffengattungen und bei den Beamten. Sie versucht begreiflicherweise die ganze Angelegenheit als unbedeutend hinzustellen, worin sie von den Zeitungen in jeder Weise unterstützt wird. Es heißt, die Beziehungen zwischen Ofizieren und Mannschaften seien sehr gut, und die Disziplin sei aufrechterhalten.
Nach der Erklärung Chamberlains kam es im Unterhaus zu einer Debatte, die zum Teil recht lebhafte Formen annahm. Das Unterhausmitglied von Portsmouth, Kapitän Hall, wies darauf hin, Laß die Seeleute Kürzungen um 23 Prozent erlitten, während der Erste Lord der Admiralität und andere geringere Kürzungen erführen. Denken Sie daran, so fragte er den Ersten Lord der Admiralität, daß diese Leute nicht in der Lage sind, ihren eigenen Fall zu vertreten? Warauf Sir Austen Chamberlain unter Beifall und Gegenkundgebungen erklärte: Ich kann die aufgestellte Behauptung nicht entgegennehmen und mißbillige Fragen dieser Art. Der ehemalige Erste Lord der Admiralität, Alexander (Arbeiterpartei), begrüßte die geplante Revision der Kürzungen und fragte, ab der Premierminister die Absich^habe, dies auch bei allen anderen Kürzungen zu tuM "
Macdonlad drückte sein Bedauern darüber aus. daß diese Frage gestellt wurde. Der Fragesteller habe genau gewußt, daß von vornherein klar die Aufastung vertreten worden sei, den Ressorts dieser Teile der durch die Etatkürzungen nötign- digen Sparmaßnahmen selbst zu überlassen.
Der Abgeordnete Kennworthy warf der Regierung vor, daß sie nicht vor Bekanntgabe der Kur- Zungen eine Untersuchung über die Lage bei der Flotte angestellt habe, worauf Chamberlain darauf hinwies, daß die Regierung sich bei Amtsantritt einer Situation gegenübergesehen habe, die rasches Hanseln erforderte.' Weiteren Versuchen, die Debatte über diesen Punkt auszudehnen, wurde von dem Sprecher ein Ende gesetzt. *
Dee »Run aut DeuKMIand" Relchsbaukvvükldeut »v. Lutbev «bev aktuelle «vobleme dev ^vedttvolktik
Berlin, 16. Sept. In einem demnächst erscheinenden Heft des ..heimatdienst" ergreift Reichsbankpräsident Dr. Luther das Wort, um sich mit den Finanz- und Kreditproblemen der Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen.
Dr. Luther führt u. a. aus: Nicht selten hört man in der Bevölkerung die Meinung, der 13. Juli 1931 sei der Tag. der durch seinen katastrophalen Verlauf die heutigen Kreditnöte verursacht habe. Wer sich so äußert, denkt vielleicht sogar: Hätte man die Geschehnisse vom 13. Juli vermieden, dann wäre heute alles besser. Es ist begreiflich, daß sich Vorstellungen vorwiegend an äußere Erscheinungen, wie Schaltsrschließung einer Großbank, Bankfeiertage und Beschränkung des Zahlungsverkehrs, halten.' Dennoch ist diese Anschauung nicht richtig. Was Ler heutigen Kreditlage ihre Besonderheit oer»
EmMetten von dev Lohnbewegung
London, 16. Sept. Die Demonstrationen auf der atlantischen Flotte — ein in der englischen Geschichte in diesem Ausmaß bisher unbekannter Vorfall — beschäftigen die Oeffentlichksit auf das lebhafteste. Die Zeitungen bringen ausführliche Berichte, die sich zum Teil erheblich widersprechen. Es scheint indessen einwandfrei sestzustehen, daß es sich bei der Bewegung unter den Seeleuten lediglich um einen Protest gegen die Soldkürzungen handelt, die zum Teil 25 Prozent betragen. Antimonarchistische Motive scheinen Ler Streikbewegung nicht zugrundezuliegen; denn die Mannschaften haben verschiedentlich ihre Loyalität der Monarchie gegenüber durch
am Sonntag zeigten, bei denen die „Rote Flagge" gesungen wurde. Wie es heißt, wurden durch kommunistische Agitatoren Gerüchte in Umlauf gesetzt, die das Ausmaß der Soldkürzungen übertrieben darstellten. Die Haltung der Mannschaften ist die der passiven Resistenz. Die Lage ist jedoch ruhig und die Leute erwarten mit Zuversicht die Entscheidung der Admiralität.
Die erste Mastengehorsamsverweigerung fand Dienstagmorgen um 8 Uhr statt. Kurz nachdem unter den Klängen der Musikkapellen die Flaggen gehißt wurden, erging der Befehl, die Anker zu lichten. Diesem Befehl wurde nicht Folge geleistet. Statt besser brachten die Mannschaften ein dreimaliges Hoch au den König aus und setzten sich dann rücklings au die Ankerketten, um ihre Lichtung zu verhindern. Nachdem die Ausfahrt der Flotte unmöglich gemacht war, vertrieben sich die Seeleute die Zell mit Musizieren und Spielen Der heutige Tag versief ähnlich. Wieder wurden die Flaggen zu den Klängen der Kapellen gehißt, wieder brachte die Mannschaft Hochrufe auf den König aus. Inzwischen haben die Heizer das Kesselheizen eingestellt. Die bereits erteilten Landurlaube wurden widerrufen. Der Streik ist bisher ruhig und in Ordnung verlaufen. Auf manchen Schiffen wird er von den Mannschaften nicht so streng beobachtet, nur daß weniger Arbeit geleistet wird.
Dw Saftet nach den hernErhen Oasen angeiveien
London. 17. Sepk. (Reuter). Sämtliche Schiffe der Atlantischen Flotte haben gestern abend um 9.30 Uhr die Fahrt nach den heimischen Häfen angetrelen. Es gab einige Verzögerung, bis den Mannschaften die Zusicherung gegeben war, daß die heimischen Häfen der Bestimmungsort der Schiffe seien.
leiht, hat sich in den 6 Wochen vor dem 13. Juli abgewickelt;
das war nicht mehr und nicht weniger als ein „Run" der Auslandsgläubiger auf Deutschland, eine „Berennung Deutschlands" durch ine
Auslandsgläubiger.
Nachdem in Deutschland alle sozusagen normalen Mittel zur Beruhigung dieses Runs versagt hatten, mußte irgend etwas kommen, was diesen überstürzten und "gehäuften Forderungen auf Rückzahlung (Fortsetzung auf Seite 2)
pavis und des Bevlinev Besuch
„Frankreich, getreu seinem Friedenswillen und seiner politischen Linie, wird nach Berlin gehen, wenn die Reise angetreten wird, mit dem festen Willen, keine Möglichkeit der Verständigung und der Zusammenarbeit zu versäumen. Im Falle der Erfolglosigkeit oder einer Verschiebung wird es nicht die Verantwortung tragen." Mit diesen Worten wird im „Petit Parisien" der Entschluß der französischen Regierung verkündet, die Einladung nach Berlin anzunehmen. Der „Petit Parrsien" steht der gegenwärtigen französischen Regierung nicht ^fehr fern. Da der Artikel, aus dem der oben' wiedergegebene Satz zitiert wurde, aus Genf datiert ist. so wird er wohl mit der Ansicht der französischen Delegation und des französischen Außenministers Briand einigermaßen übereinstimmen. Man kann deshalb aus dieser Quelle wohl Klarheit darüber gewinnen, mit welchen Absichten Laval und Briand nach Berlin gehen, wie sie die Verständigung und die Mitarbeit auffassen, von denen in dem Artikel als dem Ziel der Berliner Reise die Rede ist.
In dem Artikel des „Petit Parisien" wird Curtius wegen seiner Rede in der Völker-
lI)Tn iYOTXyßWß VyGYt, £F mit QTOffëT ©fiv|la aefcrlkrgkeit vor der Versammlung ausgebreitet habe, was ein deutscher Minister hätte verschweigen müssen. Auf der anderen Seite hätte er verschwiegen, was unbedingt hätte gesagt werden müssen.. Der erste Tadel bezieht sich auf die Worte des Vorwurfs, die Curtius an die Adressen unserer ausländischen Gläubiger gerichtet hat, die ihre Kredite in großen Mengen zurückzogen und dadurch die deutsche Fi- nanzkrise verursacht haben. Er betrifft ferner die Feststellung, daß die politischen Zahlungen die Grundursache der ganzen finanziellen Verwirrung sind.
Der „Petit Parisien" findet es sehr bezeichnend, daß Curtius nicht von „Reparationen" gesprochen habe. Offenbar habe die „Wiedergutmachung" in seinen Augen ihre Geltung verloren. Aber viel mehr noch hat er daran auszufetzen, daß der deutsche Außenminister die „politischen Zahlungen" überhaupt in diesem Sinn und in dieser Bedeutung erwähnt hat. Nach der Ansicht des „Petit Parisien" haben die Reparationen" ebensowenig mit der Finanzkrise etwas zu tun, wie die Zurückziehung der ausländi-
Be-
ußenmrnifters
schon Kredite aus Deutschland. Das Blatt bittet feine Leser, über die gegenteiligen Hauptungen des deutschen Außenmini, nicht zu lachen. Offenbar sind sie aber doch nach seiner Ansicht lächerlich. Auf sed«! Fall gibt es sich reichlich Mühe, sich darüber luftig
zu machen.
Was aber hätte der Vertreter der deutschen Außenpolitik und des deutschen Volkes nach der Ansicht des „Petit Parisien" in Genf sagen sollen. Er hätte — so heißt es wörtlich in dem Pariser Blatt — bei der Betrachtung der schwierigen deutschen wirtschaftlichen und finanziellen Lage an die eigene Brust schlagen und rufen sollen: „Das ist unsere Schuld". Dann — so meint das Pariser Blatt — hätte man dem Redner seine Sympathien zum Ausdruck bringen, ihn vielleicht bewundern können. So aber müsse man feststellen, daß feine Worte einen ärgerlichen Eindruck gemacht hätten.
Die Ausführungen, die Curtius über die Abrüstungskonferenz und die damit zusammenhängende Verpflichtung des Völkerbundes gemacht hat, werden in dem Pariser Blatt ebenfalls heftig getadelt. Man findet, der deutsche Minister habe da sehr anmaßend gesprochen und nicht mit der Zurückhaltung, die ihm mehr geziemt hätte. Ferner wird sehr stark getadelt, daß Curtius sich sehr kühl über den bevorstehenden Besuch der französischen Minister in Berlin geäußert und jede Wärme im Ton habe
Die beuikse «umme« umkadt