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He. 212

'Kanarr Stadt und Land

1031

16. September

Mittwoch den

Srschckw täglich mit Ausnahme der E«m» und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Meaat XR. t-, für den ganzen Monat XSL 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 Xpfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Xpfe, im Rcklameteü von 68 mm Breite 25 Xpfg. / Qsfertengebühr 50 Xpfg.

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Vor einer neuen Ättton Coovers?

^EZ» Skwy&^ow*

Der Reichskanzler empfing am Dienstag vor­mittag in Gegenwart des Reichsfinanzministers Dietrich die Finanzminister Bayerns, Sachsens, Württembergs, Badens und Hessens. Die Bespre­chungen dürften den mit der gegenwärtigen Finanzlage der Länder zusammenhängenden Finanzfragen gewidmet gewesen sein.

Der Vorstand des Landesverbandes der höheren Beamten Preußens hat gegen die soeben veröfieni- lichte Notverordnung der Staatsregierung Stellung genommen und angekündigt, daß er eine Entschei­dung über die Rechtsgültigkeit der getroffenen Maß­nahmen im ordentlichen Rechtswege her-eiführen werde.

O

Die deutschrmtiormle Landtagsfraktion hat beim Staatsgsrichtshof eine Klage eingere^t, in der die Recht-gültigkeit der prächischen Sparnowerord- nung angefochten wird.

Im Laufe des Dienstags sind in Bersin ndch über 20 Nationalsozialisten unter dem Verdacht der Beteiligung an den judenfeindlichen Ausschreimn- gen am Kurfün'terchamm festgenommen worden, da­runter einige Personen, denen von Zeugen eine Führerrolle bei den Ruhestörungen zugeschrieben wurde. Da inzwischen einige wieder auf freien Fuß gefegt worden sind, werden mehr als 30 Angeklagte cor das Schöffengericht Charlottenburg kommen.

Der Landtagsvorstand hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den Sächsischen Landtag zu

Leierjahv für drei bis fünf Sahre?

Washington, 15. Sept wie der im allgemeinen gut unterrichtete Korrespondent der »Jletmjorf Evening Post" meldet, haben die Mitglieder des Beirates des Federal Re­serve Board, die gestern abend zum Esten bei Präsident Hoover geladen waren, diesem ge­raten, unverzüglich das einjährige Moratorium für Kriegsschulden und Reparationen in ein

drei- bis fünfjähriges umzuwandeln.

Washington, 15. Sept wieRewyork Evening Post" weiter meldet, ist Schatzsekretär Mellon für eine Ausdehnung des einjährigen Mora­toriums für Kriegsschulden und Reparationen auf drei Jahre.

Die Bankiers sollen dafür eingetreten sein, daß man die gegenwärtig immobilisierten kurzsriftigen deutschen Kredite, die sich auf 600 Millionen Dollar belaufen, in einzelne Gruppen einleile, damit sie von der Federal Reserve Bank rediskontiert wer­den könnten. Diese Vorschläge sollen im Verlaufe einer langen Erörterung gemacht worden sein, die nach dem Esten im weißen Hause folgte, zu dem Präsident Hoover den Beirat des Federal Reserve Boards eingeladen hatte.

Es scheint offensichtlich, daß die amerikanischen amtlichen Kreise feinesfafis eine vorzeitige Ver- ötfentlichnnq hinsichtlich einer Verlängerung des Hoover-Moralormms wünschen. Ein Beamter im Büro des Präsidenten erklärte bezüglich der Mel- Meldung der .Newyork Evening Post":Das sind

englische Blatz weiter miffeilf, jedoch einem außerordentlich starken Druck ausge- fetzt. 3n den letzten Wochen ist unter den ameri­kanischen Bankiers vollkommene Einigung darüber erste» worden, daß die gegenwärtige bestehende Unsicherheit über di« Zukunft der Kriegsschulden und Reparationen katastrophale Auswirkungen haben muß. Abgesehen von den finanziellen Argu­menten weist man auch darauf hin, daß nur ein vier- oder fünfjähriges Moratorium den Hinter­grund für eine allmähliche deutsch-französische An­näherung abgeben sann, die zur Beruhigung der we» unbedingt notwendig ist.

Rar Präsident Hoover kann Me Eutscheidung treffen und hat sich offenbar noch nicht entschlossen, ob er den Ratschlägen nachgeben sott, die von sehr vielen einflußreichen Seiten gegeben werden. Es muß daran erinnert werden, daß während der Finanzkrise im Juni ein fünfjähriges Moratorium von Europa aus angeregt worden war und zu- nächst auch in Washiagton erörtert wurde, Dieser

Die falsche und die richtige Rechnung

Paris, 15. Sept. In der ZeitungRevue de Paris" entwickelt Wladimir bDrmeffon wieder einmal Gedanken über eine vernünftige deutsch-französische Diskussion über wirtschaftliche, finanzielle, militärische und politische Fragen. bDrmeffon erklärt. Frankreich sei stets bereit, chm von Amerika erlassene Schulden auch entsprechend Deutschland nachzulassen. Allerdings sei der außer­ordentliche Charakter der sogenannten ungeschütz­ten Zahlungen feierlichst von allen oertragschlleßen- den Teilen anerkannt worden. Don 1918 bis 1931 habe Deutschland 21 Milliarden Goldmark bezahlt, wovon auf Frankreich 49 Milliarden Papiersranken entfallen seien, aber Frankreich habe für die Wiedergutmachung der Sachschäden 174 Milliarden PapÈr franken au ratenden müssest. In der Kredit- frage habe Frankreich in diesem Jahre durch ine Annahme des hoooervoncblages und durch die Verlängerung der Vorschüsse an die Reichsbank alles getan, was es habe tun können. Das fran­zösische Sporvermögen sei nicht ein politisches Werkzeug, über das die französische Regierung Pach ihrem Belieben verfügen sonnte. Deutschland leide jetzt, weil es zu viel Geld ausgegeben habe. Jetzt müsse es nicht sein Heil in ausländischen Anleihen suchen, sondern versuchen zu leben, ohne Anleihen zu machen. Frankreich könne Deutschland während dieser finanziellen Wiederherstellung insofern be­hilflich sein, als es während dieser Zeit der Ein­schränkung Deutschland nicht behindere. Nachdem bDrmeffon den wirtschaftlichen Leerlauf behandelt und die Abrüstung-frage gestreift hat, bemerkt er ....._______. ... .. . . ........h

Für den Monat Oktober werden die Iehältèr der Beamten und Angestellten des hamburgischen Staates, wie die Staatliche Pressestelle mitteilt, in drei Raten, am 30. September, am 10. und 20. Ok­tober ausgezahlt werden.

* Ueber das Schicksal der deutschen Ozeanflieger Jahannssen und Rody liegen keine Nachrichten vor.

Das UnterseebootNautilus" befindet sich nach einer neueren Meldung auf der Fahrt nach Bergen.

Der Besuch, den Reichsaußenminister Dr. surtius gestern nachmittag dem französischen Außenminister Briand in dessen Hotel ab gestattet hat, war die Erwiderung des vorige Woche er­folgten Besuchs Briands. Es wurden heute die Emzelheiten des Berliner Besuchs und die in der Vöikerbunüsverfammlung zur Debatte stehenden, die beiden Länder gemeinsam interessierenden Fragen besprochen. Die Besprechung, die um 18 Uhr begonnen hatte, dauerte eine Stunde.

Zu der weiteren Behandlung des russischen Mrsschastlichen Nichtangriffspaktes empfahl Dr. Curtius gestern im Politischen Ausschuß des Völ­kerbundes die Einsetzung eines Sonderausschusses, in dem gleichmäßig außereuropäisch« und euro­päische Staaten vertreten sein sollen. Er empfahl, daß der Politische Ausschuß bei der Vollversamm­lung beantragen soll, den Europa-Ausschuß zu be­rechtig«:, einen Sonderausschuß mit Zuziehung der außereuropäischen Staaten einzusetzen.

Der englische G-neralpostmeister Ormfby Gor« machte gestern im Unterhaus die Mitteilung, daß die brittidie Rundjunkgesellschaft (D. C.) sich ent- schlossen habe, als Beitrag zur Linderung der nationalen Notlage zeitweise auf die.Einnahme für Radiolizenzen zugunsten des Schatzamtes zu ver­zichten. Di« Einnahmen des D. B. C betrugen im vergangenen Jahr 1224 355 Pfund, wovon 1643 623 Pfund aus Linzenzen stammten.

Vor dem Verfassung-ausschuß der englisch- tndischen Konferenz hielt Gandhi seine erste Rede, in der er erklärte, er fei als Beauftragter des In­dischen Kongresses für eine Zusammenarbeit zwischen England und Indien aus der Grundlage der i'^eich- beiL Tiefe Zusammenarbeit müsse freiwillig sein und aufgehoben werden können, wenn eener der leit Nehmer es verlange,

Die Zahl der Arbeitslosen in England betrug am 7 September 2 800 631. was eine Zunahme um 38 412 gegenüber her Vorwoche und um 66! 060 gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Bor jähre« bedeutet

Auf den Hilferuf in der Dâlkerbundsversamm lang zu Gunsten der durch die Uederschwemmungen Des 'Kragt : , Kiang geschädigten und ««Uchen preis- gegebenen Millionen von Eyin«t«n hat die dänische Regierung als erste geantwortet indem fit 100 000 Serum-Dosen gegen bk Cholera und den Typhus der chinesischen Regierung übersenden ließ.

) Rädere, Rebe im politischen $

foriums nicht Gegenfkmb irgendeiner Konferenz gewesen sei und daß da- Weiße Hans in dieser Hinsicht keinen Schrift ins Auge gefaßt habe. Man glaubt zu wissen, daß Hoover gestern abend auf einem Diner seine Gäste über ihre Meinung wegen der Notwendigkeit befragte, einen Beweis von Großzügigkeit hiusichllich der Kredite für ameri­kanische Unternehmungen zu geben, und über die Möglichkeit, den ungeheuren Goldvorrat der Ver­einigten Staaten nutzbringend zu verwenden, ohne eine Inflation hervorzurufen.

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Schon gestern brachten wir eine kurze Meldung des Washingtoner Korrespondenten derTimes, aus der hervorging, daß in Washington die Aus­dehnung des Moratoriums für die Kriegsschulden erwogen wurde. Der Korrespondent berichtet weiter, daß ein derartiger pian zweifellos der amerikanischen Regierung vorliegt und von einigen Mitgliedern der Regierung gebilligt wird. Es ist aber noch ungewiß, ob Präsident Hoover bereits überzeugt ist, daß eine Ausdehnung des Mora­toriums schon jetzt erforderlich ist. Er neigt dazu, ab3umatten, bis der Konareß Gelegenheit gehabt hat, fein ursprüngliches Moratorium zu erörtern und zu billigen. Präsident Hoover ist, wie das

Ltttruhe« auf der engiifchen âtte

Die Älilauirkmanövev abgebvocheu

London, 15. Sepk. Die Admiralität teilt mit: Rach Meldung de« Kommandanten der Atlantikflotte hat die Bekanntgabe der Sotdheradsetzungen für die Marine bei einem Teil der Besatzungen Erregung ausgelöst. Insolgedesten hat man er für wünschenswert gehalten, die Durchsührung des Manöverprogramms einzustellen und die Schiffe wieder in die Höfen

zurückzuschicken. In der Zwischenzeit sollen die regelung Hervorgerusenen Härten geprüft und zugeleitel werden.

Auf Rückfrag« weigerte sich die Admi­ralität über bie amtliche Meldung hinaus wei­tere Mitteilungen zu macken Die atlantische Flotte befinbet sich zurzeit in Inveraordon. einem Marinestützpunkt an der Offfüfle Schottland«. Dit Bockt, in Ott Jaoerpotbon float beißt Eromirty Firth und mar während des Kriege« ein wichtiger Schutz- und Ausfahrthafen der sogenannten Großen Flotte.

Die C o h a und Gehaltsherabsebungen bei der Marine sollen auf Grund der Sparmaß- nahmen erfolgen, die gestern in Zweiter tefung im Unterhaus angenommen wurden. Der Umfang der .Unruhe" sprint ziemlich erheblich zu fein, sonst würde der «bmirat nicht die gesamte Flotte zurück- beorbetf haben. 4» handelt sich nicht nur um eine Disziplinlosigkeit, sondern auch um einen Schritt, der erhebliche Hutsmirfung auf andre von der t ahnkcrobiehung betroffene streik haben dürfte, vor allem ans des Militär und die Polizei. Marineminifttr ist zurzeit Sir Husten Chamberlain.

Moratorium zu stark war. Sdtfiefyid? konnte die amerimnssch« Regierung nicht mehr <rts ein Johr Aufschub anbieten. Ob die jetzige neue Bewegung für eine Verlängerung des Moratoriums, der sich sämtliche amerikani'che Bankiers angeschlossen haben, stark genug ist, um den Plan eines fünf- jährigen Moratoriums durchzusehen, steht noch da. hin. Es ist jedoch zu erwarten, daß in den nächsten Wochen oder vielleicht sogar in den nächsten Tagen eine bedeutsame Wendung in b»r amerikanischen Potitik eintreten wird.

Vas paeikeeLouenal" protestievt bereits

Pari«, 16. Sept Havas berichtet aus Washing­ton. Staatssekretär Mellon soll für eine Verlänge­rung der Zahlungsaussetzung der Kriegsschulden und Reparationen während dreier Jahre sein. Das Journal" protestiert auf alle Fälle schon jetzt gegen die Gewährung eines Moratoriums. Das erste Moratorium habe Frankreich genug Lasten gebracht, es dürfe sich nicht zu einem zweiten über­reden lassen.

Beschwerden über die durch die neue Sold- der Admiralität zu weiterer Bejchlutzfassuug

London. 15. Sept Ein heute veröffentlichtes Commurtiguee dar Admiralität besam, daß di« Sorbe der Admiralität mit der zeit»«»- arn Unterbrechung der Fttmrnüdung«» im Allan- traten Ozean e inner standen sind, während ge­wisse Darstellungen wegen der Entbehrungen, die sich aus der Anwendung der neuen Sohn Ordnung ergaben, geprüft werden. Das (Ergebnis bitter Un- terluchung werde dann von den Horbs ber Admi­ralität überprüf werben.

London, 1.1 Sept In Marinekressen in My- mouth herrscht starte Unzufriedenheit über die Her­absetzung der Löhne und GehäUer. Man behauptet daß bei den Herabsetzungen große UngerechtigkMM zu verzrichnen seien. Ein Seemann erklärt, daß von einem gleichmäßigen Opfer aller gar keine Rede sei. Der Lohn eines Obermatrosen werde um 1 Mark je Tag oder um 25 Prozent brrabgricRt Ein Vize­admiral verliere aber nur 10 Prozent oder 11 Mark

(Fortsetzung auf Seite D

fund des Vertrauens für die deutsch-französischen Beziehungen wäre unter Umständen eine deutsch- sftanzssifche Abmachung, die bestimmen würde, daß die beiden Lander sich verpflichten, sich gegenseitig zu befragen und ihre Ansichten auszutauschen, wenn eine politische oder wirtschaftliche Frage auf­tritt. bDrmeffon schließt feine Ausführungen mit einem neuerlichen Hinweis auf die Notwendigkeit der Entgiftung der Presse, die eine solche einmütige Maßnahme begleiten müsse.

Graf bDrmeffon, der in einem Teil der deutschen Pvesse als französischer Fürsprecher der deutsch-französischen Annäherung großes Ansehen genießt, zeigt sich in oben zitiertem Artikel in einem etwas anderem Lichte. Er verficht dort eifrig Frankreichs Recht auf wei- tere Reparationszahlungen und behauptet da­bei, Deutschland habe bis jetzt 21 Milliarden Goldmark an seine Gläubiger gezahlt und I damit seine Verpflichtungen noch lange nicht erfüllt. Das deutsche Reich müsse also weiter zahlen.

Wenn der französische Graf mit dieser Rechnung den französischen Anspruch auf wei­tere deutsche Reparationszahlungen begrün­den will, so steht er auf einer sehr brüchigen Grundlage. Die Behauptung, Deutschland habe bisher nicht mehr als 21 Goldmilliarden gezahlt auch das wäre schon eine sehr re­spektable Leistung ist in jeder Beziehung falsche Nach der Berechnung, die seinerzeit Brentano angestellt hat. belaufen sich die bis­herigen deutschen Zahlungen in Goldmark auf 55 bis 56 Milliarden. Ausländische Berech­nungen bleiben hinter diesem Betrage zurüit, gehen aber über die 21 Milliarden des Grafen bDrmeffon weit hinaus. So berechnete das amerikanischeInstitut of economics" im Jahre 1923 die bis zu diesem Jahre entrichte­ten deutschen Leistungen auf 25 bis 26 Mil­liarden RM. Zu einer ähnlichen Summe kam Keynes. Nimmt man diese sicher zu nied­rige Schatzung als (Brunblage mb rechnet man die Leistungen Deutschlands nach dem Dawes- und dem Poungplan mit rund 11 Milliarden hinzu so kommt man zu einem Betrag von 37 Milliarden, der als Mindest- schatzung der deutschen Stiftungen in Rech­nung gèftetti werden muß

Frankreich soll bieReparationen" für seinen Wiederaufbau erhalten Die Kosten bie« 'es Wiederaufbaues sind von dem Grafen bDrmeffon mit hundert Milliarden Franken ongesetzt worden. Andere französische Schatzungen bleiben hinter diesem Betrage zurück, so der bekannte Journalist Sauerwein mit 90 Milliarden, Elements mit 88 Mil-

Oie beuttae Hummer timfafti IC «eiten