Einzelbild herunterladen
 
  

„3a fuhr der Detektiv fort. „Seine wertvolle Uhr, seine Brieftasche und wahrscheinlich auch eine Anzahl roher Steine, die er bei sich zu tragen pflegte, sind verschwunden."

„Und" — Hettner glaubte, seine Unbefangenheit durch einige Worte beweisen zu müssen, „hat man eine Ahnung von dem Täter?"

„Bis vor kurzem schwebten wir seinetwegen völlig im Dunkeln; aber seit einigen Minuten weiß ich, daß es ein gewisser — Hettner ist. Nicht wahr, so lautet doch Ihr Name?"

Der Ertappte war kreidebleich geworden. Müh­sam stammelte er: „Wie kommen Sie auf diese ausgefallene Vermutung? Ich habe mit der Sache nichts zu tun."

„Wirklich nicht?" lächelte Brrkmeyer. „Ich glaube doch. Wissen Sie, ich ging gestern, kurz bevor ich ausstieg, noch in den Speisewagen, um einige Zigaretten zu kaufen. Davei sah ich Flatow in seinem Abteil liegen. Ich bemerkte sofort — unser­eins hat für so etwas einen besonderen Blick —, daß er tot und außerdem beraubt war. Bei der Untersuchung des Abteils fand sich nichts Beson­deres; nur ein Zeitungsblatt steckte ich ein, aus dessen Briefmarkenteil zwei Stückchen ausgeschnit­ten waren. Nachdem ich vorhin beobachtet hatte, wie Sie aus der heutigen Ausgabe wieder einige Ausschnitte machten, was den Neckereien Ihrer Freunde zufolge Ihre feste Gewohnheit zu sein scheint, war der Schluß, daß Sie der Täter sind, nicht allzu schwer."

Der Zug lief in den Lehrter Bahnhof ein.

„Heute fahren Sie wohl ein wenig weiter, Herr Hettner", wandte sich Dirkmeyer an den gänzlich Zusammengebrochenen, „und begleiten mich bis zum — Alexanderplatz."

Dev TauseudmavVscheètr

Skizze von Alexander RosemannRoßburg

Die leichte Brise trug vom Kai her einen Geruch von Teer und Salzwasser bis nach den alten, wuchtigen Gebäuden im Hintergründe der Hafen- anlaae, die -ihre Häupter ernst und schweigend in die Abendlust reckten. Unten, zu ihren Füßen, lagerten bereits schwere Schatten. Nur ganz vorn, wo sich bie dunkelgrün« Meeresflüche vom Pier bi» zum Horizont ausdehnte, hing , noch helles, vom scheidenden Sonnenlicht durchflutetes Zwielicht. Kerzengrade stieg von einem der arn Damm ankernden Ueberieedampfer eine dünne Rauchfahne gen Himmel.

Die Augen des Mannes, der im Halbdunkel eines Lagerschuppens hockte, hingen an dieser sich langsam in der Ferne verlierenden graublauen Strähne. Ja, dort, weit draußen, hinter dem Meer lag seine Heimat. Er aber mußte hier in diesem fremhen deutschen Hafen sitzen und konnte nicht nach jenem fernen, sonnenüberfluteten Küsten­strich zurückkshren. Der Mann warf die aufge- rauchte Zigarette fort und stieß wütend mit dem Fuß nach dem verglimmenden Stummel. „Kein Geld, kein Geld!" hämmerten unablässig seine Ge­danken. Er ballte die Faust. Dieser verflixt« nor- awegrsche Kapitän! Fortgejagt hatte der ihn, ein« von Bord geworfen — nur wegen der einem eraden entwendeten Uhr. Schade, sie war aus gutem Gold, und man hätte an Land gewiß einen halben Eimer Schnaps für sie bekommen. Und nun konnte man sich nicht den allerklsinsten Schluck leisten, alle Taschen waren leer. Der Mann stützte das Kinn in die Hand und grübelte. Wie von hier fortkommsn? Er hatte sich eingehend erkun­digt: Auf keinem der Schiffe im Hafen wurden neue Matrosen an geworben. Er fluchte halblaut vor sich hin.

Er hatte mächtigen Hunger und verteufelten Durst!

Plötzlich schlug er sich mit der Hack, vor die Stirn — natürlich, das war ein Ausweg! Hatte nicht heute morgen feine Loaiswirtin, diese alte, balbblinde Frau, ein paar Silbers Miete in das Küchenspind gelegt?

Stumm lag das alte Haus, in dem er billige Unterkunft gefunden. Still und finster war es auch in der miebrigen, fliesenbelegten Diele, durch die er mit angehaltenem Atem schlich. Kein Licht­schimmer kam aus der Stube seiner Wirtin — die Alte schlief wohl schon längst. Er huschte in die kleine Küche und zog die Tür hinter sich zu. Sie knarrte, und er ballte wütend die Faust. Als er die rußige Petroleumsfunzsl ansteckte, klingelte das Glas teile. Er lauschte gespannt in das Dunkel hinein: Mes blieb still Hastig trat der Mann an das Spind, mit einem Ruck zog er die Schub­lade auf. Er starrte hinein: kein Geld zu sehen. Nervös warf er das Gerümpel im Schiebfach durch­einander. Halt — etwas klimperte in dieser alten Zigarrenkiste. Rasch schlug er den Deckel auf. Richtig, M Oberst lag Geld. Drei, vier, sechs Mark zählte er. Ein befriedigendes Drinfen ging über sein Gesicht. Also doch! Mechanisch griff er tiefer in den Kasten hinein Ein paar vergilbte, ein ab­gegriffener Notizbuch, und da — seine Augen wei­teten sich — ganz unten in der schmalen Kiste lag ein Schein, ein Tausendmarschein! Einer? Ein ganzes Bündel davovn la« dort: Hastig stülpte er den ganzen Inhalt der Zigarrenkiste um. Neun- zehn Daui endmarkscheine zählte er beim trüben Lampenlicht. Welch ein Fund! Er [achte heiser und schlug mit der Hand auf den Disch. Nun war er reich! Jetzt konnte er ohne Verzug die Heim­reise antreten.

Da zuckte der Mann zusammen und fuhr her­um: Ein Knarren ertönte, und im Türrahmen ftanb aschfahl und schlotternd, die Logiswirtin. ®f" kleiner, spitzer Angstschrei schrillte durch die Stille. Den Kopf vorgereckt, starrte der Man» sie an. Nun war sein Traum von Freiheit und Reich­tum dahin! Unsinnige Wut packte den Dieb Mit heiserem Schrei stürzte er sich auf die Frau, seine harten Seemannsfäufte umschlösse» ihren Hals. Lechzend brach die Greisin zusammen im Fallen griffen ihre Finger nach den Geldscheinen. Wütend entriß er ihr das kostbare Bündel, stülpte sich di« Mütze auf und stürzte davon.

Draußen in der kühlen Nachtluft wurde er ruhig. In der Hand hielt er die Tausendmark, scheine. Er hatte getötet, dieses Geldes wegen. Pah, was war dabei? Das erbeutete Vermögen konnte er gewiß besser verwenden als die alte Frau, die sowieso mit einem Fuße im Grabe ge­standen hatte. Er spähte di« stille Gasse entlang. Sie war leer. Der Mann lehnte die Haustür an und schlich eilig davon. Es wurde Zett, einen stärkenden Schluck zu nehmen. Irgendwie flau und elend war chm doch zu Mute.

Die ssibs Mark in Silber waren bald dahin, und die Flaschen hinter dem Schanktisch lockten. Der Mann überlegte. War es nicht unvorsichtig,

in dieser Kneipe einen Tausendmarkschein zu wechseln? Ach was!

Der Wirt machte ein erstaunte Gesicht: Einen Tausendmarkschein wollte der Gast gewechselt haben? Der fremde Maat, der ein holpriges Eng- lisch und knapp drei Worte Deutsch sprach? Hatte der nicht vorhin ein ganzes Bündel ähnlicher Scheine aus der Dache geholt? Da stimmte etwas nicht, da war «s ratsamer . . . Der Mann atmete auf als der Wirt freundlich lächelnd sich bereit erklärte, den Schein zu wechseln; es würoe aller- dings ein Weilchen dauern, er müüffe erst kleines Selb aus seinem Wohnzimmer holen. —

Die dunkle Gasse war in ihrer Ruhe gestört. Ein verspäteter Fußgänger hatte die Tür des alten Hauses nur ongelehnt vorgefunden und, Einbrecher vermutend, die Polizei alarmiert. Nun hielt das groß« Auto der Mordkommission vor dem finsteren, niedrigen Gebäude, in dem ein Kriminalkommissar mit einen Beamten emsig tätig war. Nachdenklich betrachete der Beamte ein Stückchen Papier, das die Tote in ihren erstarr­ten Fingern gehalten hatte. Es war die abge­rissene Ecke einer Geldnote. Eine hastig geflüsterte Meldung platzte in feine Gedanken. Der Kom­missar ichaute zweifelnd auf den Unterbeamten, doch dieser wiederholte: „Soeben kam Nachrich vom Revier. Gastwirt Petersen hat angerufen. Ein Tausendmarkschein . . ."

„Vorwärts-" rief der Kommissar und legte die abgerissene Geldscheinecke schnell in seine Brief­tasche.

Die leere Schankstube füllte sich plötzlich mit neuen Gästen. Der Wirt kam aus dem Hinter­zimmer und tuscheüe mit einem von ihnen. Dieser nickte und war mit ein paar schnellen Schritten am Tisch, an dem der Fremde hinter der halb­geleerten Flasche saß. „Wo ist das Geld, das Sie vorhin wechseln wollten? Eine ganze Menge da­von sollen Sie bei sich haben."

Ein tückischer Blick traf dem Sprecher.

„Was geht's Dich an?" gab ber Man» mürrisch zurück.

„Kriminalpolizei", war bie lakonische Antwort. Der Mann sprang auf, aber links und rechts standen drohend, wie aus der Erde gewachsen, kräftige Gestalen. Mit einem Fluch warf er das Geldbündel auf den Tisch. „Habs auf her" Straße gefunden", knurrte er.

„So, so", nickte der Kommissar und blätterte schnell die Scheine durch. Zu Unterst lag einer, dessen Ecke fehlte und der — tatsächlich! '— mit dem Stück, das die Tote gehalten hatte, ausge­zeichnet ergänzt wurde. Der Beamte blickte dem Manne fest in die Augen. „Sie haben Ihre Wir­tin beraubt und getötet", sagte er laut. „Hier ist der Beweis, es hat keinen Zweck zu leugnen."

Langsam sank der Mann auf den Stuhl zurück, sein Gesicht überzog sich mit fahler Bläffe. Ja, es hatte wirklich keinen Zweck mehr zu leugnen, er sah es ein. „Ich bins gewesen", keuchte er und schlug mit der Stirn auf die Tischplatte.

Als die Beamen ben Verhaftens» in die Mitte nahmen, schaute er nachdenklich auf die Hand- schellen. „Schade", flüstert« er wie zu sich selbst, „schade, mit dem vielen Geld hätte ich . . ."

„Gar nichts hätten Sie!" unterbrach ihn der Kriminalkommissar. „Na ja, Sie aus Ueberfee konnten wahrscheinlich nicht wissen" — der De- amte hielt bas Notènbündel hoch — „daß alle biete Scheine nichts weiter sind, als altes wert­loses — Inflationsgeld."

L-SDS-2-S

Dsv Mann, dev »um Tiger wurde

Der Wirklichkeit nacherzählt von G. D. Brandstetter

Die Nacht war ein wenig unheimlich in ihrer lautlosen Stille, und sie verlieh dem Gespräch der Männer dort auf der Veranda des Bungcflows das Gepräge.

„Werwolfe?" wollte schließlich der eine ein Ge­fühl des Unbehagens ab schütteln, „Unsinn! Daß es heutzutage überhaupt noch Menschen geben sann, die an solche Hirngespinste glauben!"

„Das finde ich ganz naürlich", sagte ein anderer. „Denn es gibt immer; mal Dinge, die wir uns nicht ohne weiteres zu erklären missen, und dann ent« teht nur zu leicht eine Sage von irgenb einem Fabelwesen. Hier auf der Pflanzung war ich ein­mal selbst an so einem Fall beteiligt.

Es sind ein paar Jahre her, da kam eines Ta­ges ein Malaie zu mir und bat um Arbeit als Gummi-Ernter. Er nannte sich Pillai und hatte gleich seine junge Frau mit ihrem kleinen Kind mitgebracht. Papi«re besaß ex nicht. Angeblich wa­ren sie ihm auf dem Wege von seiner Heimat hier­her gestohlen worden. Ich hatte zuerst Bedenken, ihn einzustellen. Doch dann stimmte mich sein offe­nes Gesicht um.. So stellte ich ihn ein und ließ ihm dort drüben bei den Kulis eine Hütte zuweissn.

Am nächsten Tag kam der malaiische Aufseher zu mir. Er war sichtlich verlegen: Ich hätte Pillai nicht einstellen sollen. Der Mann hav« eine flache Oberlippe, und an ihr erkenn« man deutlich solche Teufel, die tagsüber in Menschengestalt lebten und ich nachts in Tiger verwandelten. Ich verbat mir derartige dumme Redensarten. Der Aufseher ging mit einem Gesicht wie ein Mann, dem schweres Unrecht angetan worden ist.

Ein paar Tage später beglückwünschte ich mich zu Pillais Einstellung. Ich beobachtete ihn bei sei­ner Arbeit und stellte fest, daß er bei weitem der fleißigst« nub geschickteste unter allen unseren Ku­lis war. Ich sagte das dem Aufseher, und doch schüttelte der den Kopf, daß ich mich ärgert«: „Esel!"

Drei Wochen später war Palloi eines Tages verschwunden. Er hatte nicht um Urlaub nachge- sucht, und feine Frau wußte auch nichts Näheres. Er war am Abend vorher fortgegangen, ohne zu sagen, wohin. Der Aufseher aber nickte verständ­nisinnig. Er verschwand, als er mein wütendes Glicht sah.

Zwei Tage später tauchte Pillai wieder auf. Er entschuldigte sich damit, er habe einen Freund in einem Dorf, ein paar Stunden entfernt, aufgesucht, und vergessen, vorher um Urlaub zu bitten. Ich ließ ihn mit einem Verweis laufen.

Am nächsten Abend ging ich hinüber zu Stim- sons Pflanzung, wo wir Weißen uns von Zeit zu Zeit treffen. Im Laufe des Gesprächs sagte einer: „Wisftn Sie schon, daß ein Tiger drüben beim Dorf Pansum in einer einzigen Nacht — es sind drei Tage her — sechs Ochsen gerissen hat? Das Vieh scheint es nur aus reiner Lust am Morden getan zu haben, denn feines der Tiere war an« gefressen.

Ganz unwillkürlich mußte ich an Pollai denken. War er nicht in jener Nacht in Panjum gewesen, um seinen Freund zu besuchen? Unsinn, dachte ich gleich darauf, der Aufseher mit feiner Geschichte von der flachen Oberlippe hat dir schon einen Spar­ren in den Kopf aesetzt. —

Ich hatte mir die Sache schon ganz aus dem Sinn geschlagen, als Pallas ein paar Wochen später — gerade um Vollmond zu mir kam und um zwei Tage Urlaub bat. Er müßte seinen Freund in Panfum besuchen.

Zwei Tage später war Pillai wieder pünNlich bei der Arbeit. Ich woâ schon an ihm vorüber gehen, als ich sah, daß sein rechtes Bein mit schmutzigen Lappen umwickelt war: „Was hast Du da?" Er sagte mir, auf dem Heimweg von Pansum sei er auf einer Brücke ausgeglitten und habe sich an einem hervorstehenden Nagel das Bein verletzt. Ich ließ ihn zu mir ins Haus kommen und ver­band ihm die Wunde sachgemäß. Sie konnte wirk­lich von einem Nagel herrühren, doch ebenso gut auch von einem Schuß, der die Wade gestreift und aufgeriffen hatte.

Am Abend besuchte mich Stimson. Er berich­tete mir, vor zwei Nächten habe er bei Pansum auf Anstand gesessen, um den Tiger zu schießen. Leider sei der einzige Schuß, den er anbringen konnte, dem Tier nur durch das rechte Hinterbein gefahren, und hinkend habe es sich davongemacht. Ich sagte kein Wort dazu und war beinahe schon so weit, daß ich an die Behauptungen des Auf­sehers glaubte. Und doch wollte ich mich nicht vor mir selbst lächerlich machen und Pillai, den „Wer­tiger", zur Rede stellen.

Uèbrigens hatte ich das auch nicht nötig. Denn ein paar Tage später kam ein Eurasier zu mir und bat mich um eine Büchse. Er habe sich fest vorge­nommen, den Tiger, der Pansum unsicher mache, zur Strecke zu bringen. Er hatte noch ein haar Malaien bei sich, und aus deren Geschnatter hörte ich, er wollte die Kugeln mit einer geheimnisvollen Medizin bestreichen, die den Tiger unbedingt töten würde. Plötzlich kam mir die ganze Sache höchst lächerlich vor, und ich nannte mich selbst einen Esel, daß ich auch' nur einen Augenblick an das Geschwätz des Aufsehers hatte glauben können.

Am nächsten Morgen war großes Geschrei hier vor dem Bungalow. Der Eurasier stand vor der Tür und glühte vor Eiser und Stolz: Ich sollte doch gleich kommen. Er habe den Tiger erlegt. Er log nicht.

Drei Stunden später stand ich nämlich selbst vor dem toten Tiger. Und dann erlebte ich eine Ueber» raschung. die für mich wie ein Schlag auf den Kopf war: Im rechten Hinterbein des Tieres fand ich eine noch nicht verharschte Rißwunde! An der gleichen Stelle, wo Pillai verletzt war.

Ich mochte dem Tier nicht mehr ins Gesicht blicken. Denn ich wußte genau, ich würde nur Pillais Augen, Pillais Lippe sehen. Ich weiß nur, daß die Malaien mich erstaunt ansahen, als ich mich nicht mehr um den Tiger kümmerte, sondern hierher lief.

Ich ging selbst zu Pillais Hütte. Ich wußte 1 Aon, was kommen würde und war doch wie g«- chlagen, als ich bie Gewißheit hatte: Pillai war — o sagte mir die Frau, bie teilnahmslos mit ihrem Kinde auf der Erde hockt — am Abend vorher fortgegangen, ohne ein Ziel zu nennen!

Zwei, drei, vier Tage lang wehrte ich mich ge­gen den wahnfinigen Glauben, Pillai sei wirklich WerwRf q«wE Mt« ich immer noch? «r würde plötzlich auftauchen und dieses ganze Hirn­gespinst fortwischen. Doch Pillai kam nicht. Seine Frau saß noch zwei oder drei Monate allein mit ihrem Kind in der Hütte und lebte von dem, was ich ihr schickt«. Dann nahm ein anderer Kuli sie zu sich.

Damit müßte eigentlich die Geschichte von Pillai, dem Wertiger, ein Ende haben. Das wäre auch der Fall, und ich müßte selbst an den Unsinn glau­ben, würde ich nicht ein Jahr später auf Urlaub nach Hause gefahren sein. Denn unter den Kulis, die in Singapur am Bahnhof standen und mein Gepäck zum Bahnhof bringen wollten, stand nie« mand anders als Pillai, der längst Totgeglaube. Er erkannte mich sofort, wunde einen Schatten blasser und verschwand.

Ich kann Sie versichern, daß ich in diesem Augenblick erleichtert aufatmete. Also war bie ganze Sache mit dem Tiger nur Hirngespinst ge« wesen, und Pillai hatte den Aberglauben auf irgend eine Weise — wie, ist mir noch unklar — benutzt, um unter bie Toten gerechnet und von feiner Frau befreit zu merbett. Deswegen glau­ben aber die Eingeborenen noch heute unent­wegt an den Mann, der zum Tiger wurde."

s-s-iss-L-s

Gommesnachistvaum

Skizze aus den Bergen von Karl Perklold-Traunstein

Schweigen unter uns. Di« Hochwälder ruhen im dunklen Blau der Dämmerung. Die Felsen sehen wie große, violette Vorhänge aus. Weit brühen im Süden leuchtet rot der Firn. Das ewige Cis glüht unter den letzten Strahlen des Tages. Tief, tief unten im Walde blitzen Lichter, vereinzelt zuerst, dann immer mehr und mehr. Gleich bläulichen Bänder» ziehen Flüsse ihre Fur­chen durchs Tal.

Schweigen über uns. Der Himmel zieht das bunteste Abendkleid an. In rotem, rötlichem, tief« dunkelblauem, bann gelblichem und violettem Licht strahft dieses ewige Gewölbe, das von den Glet, schern des Südens zu den Felsen des Ostens, vom Firn des Westens zum Tale bes Norden sich dehnt.

Wir taffen unsere Klettorarbett ruhen und tau­schen in das Schweigen der Bergeseinsamkeit hinein. Minuten der Unendlichkeit erfüllen uns mit heiligem Erschauern. Die Minuten des Mit- schweigen« mit der- heiligen Serge sei nfamleit sind unser Gebet, das uns die Gigantik des Felsen, und Eisdomes «bringt. Und nur schweren Herzens können wir uns entschließen, zum Pickel zu greifen und Stufen in das ewig« Eis zu schlagen Es Sfüttert unter dem Hämmern. Der Klang des tahles echot über das Gletscherfeld, das vom Tage noch nicht Abschied nehmen kann und das die Schlerer der Nacht von sich weist. Das Eis leuchtet während es unten im Tale Nacht ist. Ueber uns

t^r und erhaben thronen sie über Eis und Fels. SoUbe das Leuchten des ©letidiers versinken, mürben sie uns den Wen weisen

Die «inzige» Menschen! Soweit das" Auge riA^«^^^ Schatten der Dunkelheit und feier-

®8 Achten bie Vergriesen in bi® W^t hinaus und harrten im Heiligen Schwei» gen auf Antwort der Menschheit. Aber zu diesen Dreitaufenbern dringt kein menschliche? Laut

Nur das W-gbröckely des ^unb^ Mi MKfSK

Hammern unserer Pickel entweihen die Stille. Stunde um Stunde und Meter um Meter geht es höher empor — den Sternen entgegen.

Das Leuchten des Gletschers verlischt. Die Nacht geht über das Eis. Und der Mitternachts» wind beginnt zu fingen. Von weiter, weiter Sterne streicht das Klagelied des Bergwindes herüber. Es verfängt sich an den Fölsen. Bald braust es im Eisdom empor wie Orgelklang . , . W-md, Eis, Felsen, Stemel Herrliche Nächte — dem Himmel nahe! ,

Nebekfetzen sind es, die den Morgen verkünden, die aus der grausigen Nacht der Gletscherspalten emporsteigen. Der Spuk der Nacht ist vorüber. Wohl singt und pfeift und heult der Wind, wie er nur auf diesen weltentrückten Höhen singen, pfeifen und heulen kann.

Winzige Pünktchen sind mir. Die Wucht der Vergriesen, bie Eis- und Felfenwunder in nacht­klarer Reinheit — klein und kleiner wird da der Mensch, findet keine Worte nd sucht in seinen Ge­danken den Weg aus dem nächtlichen Märchen­wunder in die Wirklichkeit zurück.

Und ehe er die Wunder der Deraesnacht zu fassen vermag, erhebt sich im Osten der Sonnengott und schreitet in Gold und Purpur über di« Rein­heit des ewigen Eises.

Raisel

Kreuzworträtsel '—

Die Wörter bedeuten von oben nach unten: 1 Getränk, 2 Teil der Wohnung. 3 Abschiedsgruß, 4 Verzierung, 5 Linker Nebenfluß des Rheins, 9 Lied des Alten Testaments, 10 Griechische Unter­welt, 11 Gezeit des Meeres, 13 Abscheu.

Von links nach rechts: 1 Nndelgsricht, 6 Befehl, 7 Eingang, 8 Fluß in Afrika, 10 Flächenmaß (Ab­kürzung), 12 Religion, 14 Geliebte des Zeus. 15 Teil des Schiffes, 16 Stadt im Schweizer Kanton Solothurn, 17 Naturerscheinung, 18 Gewandstrsi- fen kachol. Priester.

Silbenrätsel

Aus den Gilben: a, a, bet, brat, bro, bu, dein, ein, er, ga, ge, ge, hol. t, jekt, ter, la, laech, las, laus, le, lom, mite, ne, m, on, ra. ral, rau, reb, reu, ru, fa, sch«, sie, so, fti, stie, fub, fug, t*, ter, trag, u, mal, wie, sind 17 Wörter zu bilden, deren erste und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen Spruch ergeben.

Die Wörter bedeuten: 1 Strom Nordamerikas. 2 Geier, 3 Blattfchmarotzer, 4 Deutscher Immer, 5 Straferlaß, 6 Beeinflussung, 7 Sitz der gorman. / Götter, 8 Pferd von bestimmter Färbung, 9 Geo. metrische Figur, 10 Teil des Satzes, 11 Geschäft, sicher Gewinn, 12 Berühmter Psychiater, 13 Musik­instrument, 14 Wallfahrtsort in der Schweiz. 15 Plattdv^scher Dichter, 16 Hoher Offizier, 17 Be­deutender Schachspieler.

wabenrätfel

Um isdes Nummernseld gruppiert sich ein Wort von 6 Buchstaben, das in Uhrzeiger-W chtunig ver­läuft. Die Wörter bedeuten:

1 Ghines. Weiser, 2 Teil des Beines, 3 Getrock­nete Weinbeere, 4 Teil des Hauses, 5 Gewebe, 6 Schiffseigentümer, 7 Zeitungswesen.

•

Auflösungen aus voriger Nummer

Kreuzworträtsel mit magischem Quadrat

Silbenrätsel

1 Wartburg 2 CM, 3 Nikolaus, 4 Nvaat, 5 ^rbèrei, 7 Turnier, 8 Karbid, 9 2lrehio, 10 Lorelei, 11 Turbine, 12 ©ulenspieget, 13 Romeo, 14 Teesieb, 15 Archimedss, 16 Unter« feeboot 17 Finow 18 Aargau. 19 Exemplar, 20 Laboratorium, 21 Lotos, 22 Trikot, 23 Jmmi, 24 Mârnlch, 25 Amalfi, 26 Untersberg

Die Bauernregel lautet: Wenn oft kalter Tau