Nr. 211
AMtwoch, den 9. September 1931
Sette 5
Die Frankfurter Kriminalpolizei macht eine große Cinbrecherbanüe unschädlich.
4 Nach längerer Fahndung gelang es vorgestern der Frankfurter Kriminalpot^ei, eine aus vier jungen Leuten und einem gefährlichen alten Zuchthäusler und Hehler bestehende Einbrechevvanoe festzunehmen. Seit Wochen gelangten Lützende von Einbrüchen im Wohnungsviertel des Haupt- bahnhofes bei der Kriminalpolizei zur Anzeige, ohne daß es gelungen wäre, die Einbrecher zu er« ' mitteln. Schließlich wurde durch einen Hinweis aus dem Publikum die Polizei auf eine Anzahl junger Leute aufmerksam gemacht, die in einer Mansarde in der Moselstraße hausten. Durch rasches Zugreifen gelang es dann auch der Polizei, das Rest vollkommen auszuheben. Die Einbrecher waren in der Tat der Polizei ins Garn gegangen. Die jungen Burschen gingen nachts zusammen auf Raub aus. Zwei bewachten auf der Straße den Verkehr, während die beiden anderen als geschickte Fassadenkletterer in ine offenstehenden Wohnungen hineinkletterten und beinahe vor den Augen der Bewohner alles, was nicht niet- und nagelfest war, mitgehen hießen. Der Wert der bisher als gestohlen festgestellten Gegenstände beträgt 7000—8000 Mark. Die gestohlenen Sachen wanderten sofort zu dem Hehler, der einen Spottpreis dafür bezahlte. Die Burschen sind geständig, wissen aber teilweise nicht, wohin die gestohlenen Sachen gekommen sind. Die Polizei hat Grund zu der Vermutung, daß ein großer Teil an Straßenmädchen versilbert wurde, zu denen die vier Burschen gute Beziehungen hatten. In der Hauptsache wurden Schmuckstücke, Wäsche, Kleider, Pelzmäntel, aber auch Toilettegegenstände und selbst Bettwäsche aus den Betten gestohlen. Bisher sind verhaftet worden: der Autoschlosser Mennel, geb. 15. 6. 05 zu Nürnberg, der Arbeiter Karl Schmalz, geb. 21. 10. 08 in Gießen, der Arbeiter Fritz Schwarz, geb. 4. 12. 07 und der Maler Leo Gatz, geb. 30. 4. 11, der der eigentliche Fassadenkletterer ist. Auch der Hehler Calot befindet sich in Haft. Ueber die Tätigkeit der Einbrecherbande werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Bei der Einbrecherbande handelt es sich um insgesamt fünf Männer und eine Frau. Ihre Spezialität war das Eindringen durch offene Fenster, gleichgültig ob es sich um Parterrewohnungen oder Räume im ersten, zweiten oder gar dritten Stock handelte. Zwei Täter drangen ein, während die Komplicen Schmiere standen, um so bei Zeiten warnen zu können. Das Diebesgut wurde zum Teil im Pfandhaus versetzt, zum größten Teil aber an Straßenmädchen verkauft. Mit welcher Frechheit die Täter zu Werke gingen, geht daraus hervor, daß sie in einem Falle sogar Bettzeug von einem Bett abzogen, das für einen Besuch hergerichtet war. In einem anderen Falle stahlen sie einem Schlafenden nicht nur die Kleider, sondern sogar das Hemd, Unterhose und die Strümpfe vom Bett. In eine recht unangenehme Lage brachten sie einen im i Stadtteil Bockenheim wohnenden Lehrer. Ihm entwendeten sie eine gefüllte Aktentasche in dem Glauben, sie würde wertvolles Material enthalten. Die Täter fanden aber zu ihrer Enttäuschung — Aufsatzhefte und das namentliche Verzeichnis einer Schulklasse mit den Zensuren der Kinder. Die geistigen Urheber der Bande waren der Kraftwagen- führer Karl Schmalz aus Gießen und der Autoschlosser Wilhelm Mennel aus Nürnberg. Mittäter sind der Machn Leo Gatz aus Konitz und der Ar- I Afi eifer Fredy Schwarz aus Ehringhäusen, sowie die 'MWrig» Margarete & Der Abnehmer âs Die- «Mesgutes war der bei Gericht und Polizei binrei- chend bekannte Hausdiener Paul Calot. Selbst- redend zahlte er für die Beute lächerlich geringe W Preise.
Beim Putzen tödlich verunglückt
: In den Räumen der Städtischen Volksbücherei in der Darmstädter Landstraße rutschte vor einigen Tagen eine Putzfrau bei ihrer Arbeit aus und kam zu Fall. Wegen der dabei erlittenen Verletzungen mußte sie einem Krankenhaus zugeführt werden, wo sie gestern gestorben ist.
Das Deutsche SSngerbundesfest findet statt.
: Ein Wiener Blatt bringt die Nachricht, daß man in Frankfurt die Erwägung anstelle, ob das Deutsche Sängerbundesfest 1932 nicht verschoben werden solle. Die Leitung des Deutschen Sängerbundes teilt demgegenüber mit, daß diese Meldung unbegründet ist; die Vorbereitungen nehmen vielmehr ihren ungestörten Fortgang. Die deutschen Sänger lassen den Mut nicht sinken und werden den Beweis liefern, daß sie die Spannkraft besitzen, auch in den Zeiten wirtschaftlicher und politischer Not ihren Idealen treu zu bleiben. Darum werden sie an ihrem schon jetzt in allen Grundlinien vorbereiteten Gesangs- und Musikfest in Frankfurt am Main unentwegt festhalten
Aus Kab und Seen
Schwere Bluttat in LNavvevsbalu
Den Stiefvater erschossen
— Vad Schwalbach. 8. Sept. Im benachbarten Mappershain hat der 21jährige Willi Flach seinen in den 40er Jahren stehenden Stiefvater Karl Kunz durch zwei Revolverschüsse getötet. Der Mörder lebte schon seit einiger Zeit mit seinem Stiefvater in Streitigkeiten und hatte am 3. September dessen Haus verlassen und sich polizeilich in Kemel gemeldet. Gestern kam er mit einem Auto vor dem Hause des Kunz an, um Papiere in seinem Zimmer zu holen. Dabei kam es zu Streitigkeiten, die im Wohnzimmer ihren Fortgang nahmen. Plötzlich zog Flach eine Mauserpistole und gab auf seinen Stief- vater zwei Schüsse ab, die diesen in Kopf und Brust trafen und den sofortigen Tod herbeiführten. Auf dem Hofe gab Flach nochmals drei Schüsse in die Luft ab. Dann konnte Ihm die Waffe abgenommen werden. Der Mörder wurde in das Wiesbadener Gerichtsgefängnis gebracht.
Das Unglück an der Staustufe Klein-Heubach
— Mittenberg, 8. Sept. Wie wir zu dein gestern gemeldeten schweren Unglück an der Staustufe Klein-Heubach weiter erfahren, handelt es sich bei den Ertrunkenen um den verheirateten 60 Jahre alten Arbeiter Schramm und den ebenfalls verheirateten 39 Jahre alten Arbeiter Jertz. Beide stammten aus Mainz. Bei den Rettungsarbeiten hat sich besonders der bei der staatlichen Bauleitung in Klein-Heubach angestellte Schlosser Frey hervor- getan, der unter Einsetzung seines eigenen Lebens einen der vier ins Wasser gefallenen Arbeiter
GchneUvoft-BefSvdevttttg durch OvabiseMchwebebabu
Das Postlufttorpedo des Berliner Erfinders Richard Pfauh (Porträt links)
Ein Berliner Ingenieur, Richard Pfautz, hat dem Reichspostzentralamt ein Projekt unterbreitet, nach dem durch ganz Deutschland ein Netz von Drahtseilanlagen gespannt werden soll, an dem besonders konstruierte Lufttorpedos in bisher ungekannter Geschwindigkeit Postsendungen befördern sollen. Es soll so möglich sein, Briefe innerhalb von 2—3 Stunden von einer Grenze Deutschlands zur andern zu schicken.
Dirve verhaften einen Ouwrüer
und stellt« ihn ins Gefängnis
Die erfolgreichste« Söpenickiade des Jahrhunderts — 2 Millionen Lire Beule.
Rom, 8. Sept. Vor dem römischen Assisen- gèricht wird gegenwärtig ein Sensationsprozeß verhandelt, dem ein Verbrechen zugrunde liegt, das in der Geschichte der Kriminalistik wohl kaum seinesgleichen haben dürfte. Der Tatbestand ist folgender:
In einem der größten Juwelengeschäfte Roms erschienen eines Tages um die Mittagstunde ein Polizeihauptmann und ein Schutzmann, beide in voller Uniform, und zeigten dem Besitzer einen Haüssuchungs- und einen Haftbefehl vor, die beide ordnungsgemäß ausgefertigt und mit Stempeln von der.-Staatsanwaltschaft versehen waren. Sie erklärten dem erschrockenen Juwelier, daß sie beauftragt seien, bei ihm Haussuchung abzuhalten, weil UiiiiiyMüj^^
stânde. Er solle mit internationalen Juwelentneben in Geschäftsverbindung stehen und deren Beute in seinem Geschäft umarbeiten und verkaufen.
Vergeblich beteuerte der Juwelier seine Unschuld. Mit der Bemerkung, daß die Feststellung seiner Schuld oder Unschuld Sache des Gerichts sei, beschlagnahmte der Polizeihauptmann die gesamten Juwelen, dann ließ er sich den Geldschrank aufschließen und beschlagnahmte auch den gesamten Inhalt desselben. Sorgfältig wurde nun alles in das vor der Tür stehende Auto verstaut. Den verhafteten Juwelier in die Mitte nehmend, bestiegen nun die beiden Polizisten das Auto und brachten
ihn nach dem Untersuchungsgefängnis, wo er von ihnen auf Grund des Haftbefehls ab geliefert und auch anstandslos inhaftiert wurde.
In dem Untersuchungsgefängnis saß er vier Tage Als er dann noch nicht vorgeführt worden war, ließ er sich dem Gefängnisdirektor varführen und legte Haftbefchwerde ein. Die Haftbeschwerde wurde dem Staatsanwalt vorgelegt, dessen Unterschrift der Haftbefehl trug. Dieser jedoch erklärte, daß er von der ganzen Sache nichts wisse, daß er den Haftbefehl nie gesehen und nie unterschrieben hatte.
Jetzt erst wurde es klar, daß zwei raffinierte und verwegene Gauner sich einen Geniestreich geleistet hotteü. Bei der Verhaftung des Juweliers cs», wie een nachträglich besannt geworden ist, einige echte Polizisten ihrem vermeintlichen Vorgesetzten und ihrem angeblichen Kollegen in zuvorkommendster Weise Beistand, indem sie die große Ansammlung von Neugierigen abdrängten und salutierend das Auto ab fahren ließen.
Das Unglaublichste an der Sache aber ist, daß in den vier Tagen, in welchen der unglückliche Juwelier inhaftiert war, die gesamte Presse in großen Schlagzeilen von dieser sensationellen Verhaftung des hochangesehenen Juweliers Menchini berichtete. Die Beute der Diebe betrug 2 Millionen Lire.
rettete. Der vierte Arbeiter konnte sich bekanntlich durch Schwimmen selbst retten. Die Tiefe des Wassers an der Unglücksstelle betrug mehr als drei Meter.
Veile. Hammer und heißes Wasser
— Marburg, 8. Sept. In einem Hause der Oberstadt gerieten zwei Familien in Meinungsverschiedenheiten, in deren Verlauf es zu einer schweren Schlägerei kam. Beile, Hammer und heißes Wasser dienten als Waffen und erst die Polizei konnte die Streiterchen trennen. Eine Frau hat durch heißes Wasser erhebliche Brandwunden im Gesicht erlitten.
Unterschlagungen bei einer staatlichen Kreis- und Jorfftaffe. — 40 000 RM veruntreut.
— Dillenburg, 8. Sept. Bei der hiesigen staatlichen Kreis- und Forstkasse wurden umfangreiche Unterschlagungen aufgedeckt. Der Oberrentmeister Zwanziger, ein angesehener Bürger und früherer Kreistagsabgeordneter, sowie der ebenfalls in die Affäre verwickelte Berwaltungssskretär Berghäuser aus Katzenfurt, Kreis Wetzlar, wurden gestern nachmittag festgenommen unb in das Gerichtsgefängnis in Wetzlar gebracht. Die im Laufe mehrerer Jahre veruntreute Summe beläuft sich auf etwa 40 000 RM. Der 50 Jahre alte Oberrentmeister ist geständig. Es soll sich in der Hauptsache um die Unterschlagung von HolzgeÄern handeln. Sein Sohn betreibt ein grroßes Sägewerk in Dillenburg. Um bestätigte Vermutungen gehen dahin, daß Zwanziger mit dem Gelde seinem Sohne zur Hilfe kommen wollte.
Selbstmord aus gekränktem Ehrgefühl
— Rheinböllen, 8. Sept. Ein in den zwanziger Jahren stehender junger Mann beging Selbstmord durch Erhängen, weil seine Eltern ihm Vorhaltungen wegen seiner allzu eifrigen Beteiligung am einer Kinnesfeier gemacht hatten.
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KamMeutvasSdre
vier Personen durch Gas vergiftet
München, 8. Sept. In der nahen Stadt Pasing wurden heute nachmittag vier Personen, und zwar Frau Dr, Dehn mit chijen beiden Söhnen im
Alter von 5 und 12 Jahren und das Dienstmädchen in ihrer Wohnung in der Rembrandtstraße durch Gas vergiftet tot aufgefunden. Nach den Fest- stellungen handelt es sich um eine Verzweiflungstat der Frau Dehn, die bereits in der vergangenen Nacht ausgeführt worden sein dürfte. Die Frau lebte von ihrem Manne getrennt, und die Ehe sollte geschieden werden. In einem Schreiben an ihren Anwalt hatte sie die Absicht mitgeteilt, aus dem Leben zu scheiden. Die Frau hatt« einen Posten als Platzanweiserin in einem Kino inne. Drückende Notlage und die zerrütteten Familienverhältnisse dürften der Grund zu der schrecklichen Tat fein.
Zu der schrecklichen FamilientragSdie erfährt der Landesdienst des Süddeutschen Korrespondenz- Büros noch: Frau Dr. Dehn wohnte früher in Gräfelfing und lebte seit einem halben Jahre von ihrem Manne, dem Kamtänleutnant a. D. Debn, getrennt in Pasing in dürftigen Verhältnissen. Sie schreckt« vor keiner Erwerbsmöglichkeit zurück und griff auch zu, als ihr vor einiger Zeit ein Posten als Platzanweiserin in einem Kino angeboten wurde. Die Mutter der Frau Debn, die kürzlich bei ihr zu Besuch weilte, wollte deshalb ihre Tochter wieder in ihre Heimat nach Königsberg zurückholen. Wie Frau Dehn trotz dieser einigermaßen erträglichen Existenz zu ihrem furchtbaren Entschluß kam, ist nicht geklärt. Wahrscheinlich fiel die sehr sensibel veranlagte Frau einem Nerven- rückscklag zum Opfer. Außer Zweifel stellt. daß das Dienstmädchen mit ihrer Herrin freiwillig in den Tod gegangen ist. — Die schreckliche Tat wurde heute nadjmütafl entdeckt. Mitbewohner des Hauses hatten schon vormittags Gasgeruch wahraenom- men, legen dieser Tatsache aber keine besondere Bedeutuna bei. Sväter wurde die Polizei verständigt, die die Tür erbrach. . Den Eintretenden bot sich ein erschütternder Anblick: Frau Dehn lag auf einer Matratz-- ans dem Boden, in jedem Arme eines -ihrer Kinder, das Dienstmädchen auf der Ottomane.
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Eine ganze Familie verhaftet
Hamm, 8. Sept. Nach vsraufgegangenem Streit mit seinem Söhne Ottomar versuchte der Invalide Ludwig 363 i erf ft in Osterflierich vor einigen Tagen sein Wohnhaus in Brand zu stecken unl) selbst den Tod in den Flammèn zu suchen. Es gelang jedoch, Iezierski vom Selbstmorde zurück
zuhalten. — Aus einer Aeußerung Ottomar Iezierskis während des Streites mit seinem Vater ging hervor, daß in der Familie Iezierski bisher unbekannte Straftaten begangen worden sein müssen. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß zwischen Ottomar I. und seiner verheirateten Schwester Frau Beck seit langen Jahren unerlaubte Beziehungen bestanden haben, aus denen zwei Kinder entsprungen sind. Das zweite Kind ist nun kurz nach der Geburt von der Mutter umgebracht worden; seine Leiche konnte jetzt gefunden werden. Auf Drängen Ludwig Iezierskis hatte sein Schwiegersohn Josef Koeberl« aus Altenboegge die Vaterschaft für das erste Kind, den jetzt fünfjährigen Rudolf übernommen gegen Zusicherung eines Erbteils. Desgleichen hat bet Invalide Ludwig Iezierski eingeftanSen, mit einer anderen auswärts wohnenden Tochter ebenfalls in unerlaubten Beziehungen gestanden zu haben. Ludwig und Ottomar Iezierski, Frau Beck und Koeberle wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt.
Dec tiebeefaU auf Sven Sedins Expedition
Stockholm, 6. Sept. Nachdem Sven Hedin sich anfangs unter Berufung auf die Schweigepflicht feinem deutschen Verleger gegenüber geweigert hat, sich zu dem chinesischen Ueberfall und der Ausplünderung seiner zentralastatischen Expedition zu äußern, hat er jetzt um so ausführlicher dazu Stellung genommen. Zur Vorgeschichte gehört, daß Hedin auf die in der letzten Zeit in hervorragenden amerikanischen wissenschaftlichen Zeitschriften gemachten Behauptungen, China sei neuerdings bemüht, der ausländischen Forschung in China alle erdenklichen Hindernisse int den Weg zu legen und dies« geradezu aus dem Lande hinauszudrängen, antwortete, alle ihm anfänglich gemachten Einschränkungen seien allmählich fallengelassen, nur dürfen historische Ur« künden und Dokumente, di« geeignet sind, die graue Vorzeit Chinas irgendwie zu erläutern, nicht aus dem Lande geschafft werden. Die einzigen, und zwar unbedeutenden Schwierigkeiten, denen die Expedition begegnet ist, sind in der Provinz Sinkiang zu verzeichnen, und di« mürben mit Hilfe der Regierung in Nanking und des Komitees in Peking beseitigt. Wenn man nur die Chinesen als Ebenbürtige, das heißt, genau wie die Weißen behandelt, dann gewinnt man mit Leichtigkeit ihr Vertrauen und kann auf ihr Entgegenkommen und ihre Hilfe rechnen. Was den räuberischen Ueberfall betrifft (von dem mir vor einigen Tagen berichten), so war dieser Hedin durch direkte Depeschen aus Pei- ping seit 1 Monat bekannt. Es handelt sich um einen am 6. Juni erfolgten allerdings sehr unangenehmen Vorgang, wobei die Mitglieder der Expedition Bexell in der Nähe von Suchou von zehn bewaffneten entlassenen mohammedanischen Soldaten überfallen und ihres Geldes und'ihrer wissenschaftlichen Instrumente beraubt wurden. Auf so etwas muß man aber immer gefaßt sein, erklärte Hedin gelassen. Dr. Hummel wurde ja vor einem Jahr in ähnlicher Weise ausgeplündert. Das Geschehene ist, so endete Hedin, der in absehbarer Zeit nach dem Fernen Osten wieder zurückkehrt, ohne Einfluß auf die nach meinem Plan ruhig fortlaufende Arbeit der in acht Unterabteilungen aufgeteilten großen Expedition.
««autUus" nur leicht beschädigt
Longyear Liky (Spitzbergen), 8. Sept. Das Unterseeboot Nautilus", das hier mit voller Geschwindigkeit einlief und nur leicht beschädigt ist, wird, sobald es neuen Brennstoff ausgenommen hat, südwärts weiterfahren. Die Fahrtteilnehmer haben sich über die Erfahrungen mit den mitge- nornntenen wissenschaftlichen Geräten sehr zusrieden geäußert. Vor allem habe der Kreiselkompaß allen Anforderungen genügt, sogar als das Unterseeboot sich am weitesten nördlich zwischen dem 82. und 83. Breitengrad befand. Die Funkverbindung wurde durch das Untertauchen unter das Eis gestört; außerdem brannte in dem Funkgerät eine «puls durch, deren Ausbesserung etliche Tage dauerte.
Ein Hommunistenführer durch eine Handgranate verletzt
Ueberlingen, 8. Sept. In Stockach (Baden) wurde am Samstag der Kommunistenführer Schiinvnski mit einer vollständig zerfetzten Hand ins Krankenhaus eingeliefert. Die Hand mußte ihm abgenommen werden. Schimanski gab an, er habe im Walde ein Gewehr gefunden, das losge- gangen fei und ihm die Hand zertrümmert habe. Die Untersuchung hat jedoch inzwischen ergeben, daß die schwere Verletzung Schimanskis von einer Eierhandgranate herrührt. — Dazu meldet der „Ueberlinger Sendbote", daß es den Erhebungen der Gendarmerie gelungen fei, einen Uebungsplatz der Kommunisten in einem Walde bei Stockach zu entdecken. In einem dort befindlichen Bierkeller fand man Dr-ehbänke und andere zur Herstellung von Waffen benutzte Werkzeuge und Material dazu das beschlagnahmt wurde.
Zweimal 300 000 RM in der Lotterie gewonnen
Glciwitz, 8. Sept. In der Samstag-Zishung der Preußisch-Süddeutschen Mrssenlottevie entfiel ein Hmrptgewinn von 300 000 RM auf das Los Nr. 285 245. Wie die „Obevschlefrsche Volksstimme" dazu erfährt, befindet sich das Glückslos in beiden Adtei-liungen im Besitz eines Gleiwitzer Kaufmanns, der das ganze Doppellos allein spielt. Es wurde demnach Anspruch auf zusammen 600 000 RM hgiben. Es dürfte bisher nur selten vorgekommen sein, daß ein so hoher Gewinn einem einzigen Inhaber ungeteilt zufâllt.
Eine Tribüne eingeslürzl
Madrid, 9. Sept. Bet einem Stierkampf in Po- tillo de Aguada stürzte eine Tribüne ein, auf der 200 Zuschauer saßen. Ein Mann wurde getötet, 90 verletzt, davon 30 lebensgefährlich.
Feuergefecht zwischen Verbrecher« unb Polizei in Chicago
Chicago, 8. Sept. Bei einem Feuergefecht zwischen Verbrechern und Polizei wurden heute zwei Schulknaben durch Schüsse verletzt, glückerlicher- weise nicht lebensgefährlich Es handelt sich um die Verfolgung von drei Verbrechern, die nach einem Raubüb«-rsall auf eine Zeitungsfiliale in einem Auto flüchteten unb von einer Anzahl Polizisten mit einem Auto verfolgt wurden. Die wild« Jagd führte zurzeit der Beendigung des Vormittagslchul- unterrichts durch die Straßsn, die voll von Schul- tinöan «raren. Die Verbrecher sind entkommen.