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wum «Stadt und Land

29. August

1931

Samstag de«

Nr. 292

Orfd)«mt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben M al 3M. 1.-, für den ganzen Monat 3M. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 JUPfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 3kpf^, im Jtefiameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. , Qffertengebühr 50 R-Psg.

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sv unverschuldetem Ausfall der! Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch ans Lieferung oder Rachlieferuag oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet., Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956, 3957,3958 !

-Keine p-MischeuMche« Veehandwnsen

Litwinow weist die polnischen Behauptungen zuvürk - kleine Schwierigkeiten bei den Vevbandinnse« mit Frankreich

KËz» ^Uw^\4wiv

* 3m Reichsarbeitsminsterium erwägt man, ob im Winter im Notfall den Arbeitslosen neben Bar­geld auch Naturalien geliefert werden sonnten.

Zu den MeLungen über eine Aenderung der Besoldungsordnung für Beamte erfahren wir vom Reichsfinanzministerium, daß diesem Ministerium von außenstehender Sette Vorschläge über eine Ab­änderung der Besoldungsordnung gemacht worden sind. Eine Stellungnahme des Ministeriums ist bisher nicht erfolgt.

Der Mecklenburg-Strelitzschs Landtag trat am Freitag vormittag zu einer Vollsitzung zusammen, um über den deutschnationalen Antrag auf ^Auf­lösung des Landtages zu beraten. Nach Schluß der Aussprache wurde der Antrag mit 19 gegen 15 Stimmen abgelehnt und das Parlament vertagte sich auf unbestimmte Zeit.

Der Danziger Dolkstag ncchm gestern in erster Lesung das verfassungsändernde Gesetz über die Aufhebung 'des Bssitzstarches der Beamten mit mehr als der notwendigen Zweidrittelmehrhett an. Die SoziaGsmokraten hatten ebenfalls für das Gesetz gestimmt. Die zweite Lesung des Gesetzes kann ver- fassungsgemäß erst na n stattfinden.

Ebenso wurde das Ermâ tz, das der Re-

Erklärungen Lttwinows

Berlin, 28. Aug. In einer Erklärung, die der Außeukommiffar der U.d.S.S.R. Lil - w i u o w heute nachmittag vor der in- und ausländischen Presse abgab. betonte er, daß eine Pressepolemik über Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und Polen wegen eines Nichl- angrifsspaktes vollständig überflüssig gewesen sei, daVerhandlungen weder geführt wur-

den, noch geführt werden".

Dies sei schon wiederholl von der Sowjetpresse und von der Telegraphenagentur der Sowjet­republik erklärt worden. Er selbst halle es aber für richtig, diese Erklärung noch ausdrücklich zu bestätigen; sei er doch die Stelle, die von den Unterredungen wissen müßte, wenn sie stattgefun­den hätten. Im gegebenen Moment, so sagte Litwinow, diese Einleitend abschließei^,. sei mehr denn je Klarheit und Deuüichkeit in der Charak­terisierung der zwischen den einzelnen Staaten be­stehenden Beziehungen notwendig. Hierauf ging der Außenkornmissar zur Darlegung des wirklichen Tattiestandes der söwjetrussisch-polnischen Verhand­lungen über. Er streifte kurz, wie im August 1926 die Sowjetregierung der polnischen Regierung einen Nichtangriffspatt vorschlug, dessen Abschluß daran scheiterte, daß die polnische Regierung -auf unannehmbaren Bedingungen bestand. Die Ver­handlungen seien 1927 abgebrochen und seither nicht wieder ausgenommen worden.

Das Gerücht, daß der Rätebund im Oktober 1930 keinen Vorschlag Polen gegenüber wieder«

allen Staaten ohne irgendwelche Bedingungen auf sich genommen werden müßten, um so mehr, als der allgemeine Kellogg-Pakt ebenfalls ohne irgendwelche Bedingungen unterzeichnet wurde. Die Vorschläge des Rätebundes über den Abschluß des Pakts sind vorläufig angenommen und durch­geführt von Deutschland, der Türkei, Litauen, Per­sien und Afghanistan. Wir hoffen auch in der aller­nächsten Zeit in den Rechen dieser Staaten auch Frankreich zu sehen, wo die Verhandlungen über den Pakt auf keine Schwierigketten stießen.

Wir erstreben', so führte Litwinow weiter aus,selbstverständlich eine Besserung unse­rer Bedingungen zu Polen. Dies kann aber nicht durch das Verbreiten von Gerüchten über nicht ejiftierenbe Verhandlungen erreicht wer­den. Dergleichen kann nur Aufregung und Polemik Hervorrufen, was gerade zu vermeiden ist. Ich bin gezwungen, so sagte er, diese Erklärung im Inter­esse der Beziehungen zwischen der Sowjetunion

eben.

lassen, in mrmentlicher Schl-^chs gegen 21 SKmmen angenommen.

durch

Der Essener Zechenverband hat die Schiedsspruch vom 20. Juni 1931 mit Wirkung vom 1. Juli d. J. unsreränÄert wieder in Kraft gesetzte Lohnordnung für die Bergarbeiter des Ruhrberg- baues zum 30. September gekündigt.

Der Reichsverband der Deutschen Industrie teilt mit: Ueber den Verlauf der Verhandlungen wegen Bereitstellung von Mitteln für die Finan­zierung des Lieferungsgeschäfts nach Rußland sind Nachrichten verbreitet worden, die dem Stand der Dinge nicht entsprechen. Die Verhandlungen haben noch zu keinem endgültigen Abschluß geführt. Man rechnet aber darauf, daß es den gemeinsamen Be­mühungen gelingen wird, schon in den nächsten Tagen eine Regelung herbeizuführen.

Do X 2 ist gestern nach zioeieinhalbstündigem Flug in Spezia glatt niedergegangen.

Aus Ghodthab wird gemeldet, daß der deutsche Sieger von Gronau gestern mittag nach Port torrfon (Labrador) gestartet ist.

Die deutsche Fliegerin Marga v. Etzdorf ist um 16,02 Uhr auf dem Neuen Flugplatz Haueda bei Tokio gelandet.

* Die Verhandlungen über eine französikch- Vnerikanische Milliarden-Anleihe an England find Abschluß gelangt.

_ Die englische Arbeiterpartei wählte Henderson an «telle Macdonalds »um Vorsitzenden.

In Madrid wurde auf den portugiesischen Bot­schafter eht Bombenattentat verübt. Der Botschafter °»eb unverletzt.

* Di« ungarische Regierung stellt« gestern dem «bgeordnetenhaus nach Abschluß her Debatte über Regierungserklärung die Vertrauens trage. Das ^mrs hat der Regierung mit überwiegender Mehr- M das Vertrauen ausgesprochen und vertagt« sodann auf unbestimmte Zeit.

In einer vertraulichen Konferenz beschloß der Budapester Börsenrat nach lebhafter Debatte zu- nächst die Wiedereröffnung der Berliner Börse und °« Wirkungen der Berliner verkehrsbefchränken- Verfügungen abzuwarten, bevor eine end- Mnge Stellungnahme über die Wiedereröffnungs- lluge erfolgt.

wiederholen, da die polnische Regierung nicht den geringsten Anlaß dazu gab, den Gedanken aus­kommen zu lassen, daß die Einstellung der pol­nischen Regierung dem Vorschlag des Rätebundes gegenüber sich geändert hätte und die Zurücknahme der allen Bedingungen zu erwarten wäre. Das Dokument, das vor einigen Tagen in Moskau durch Patek überreicht wurde, bestätigte wieder einmal die weitere negative Einstellung der pol­nischen Regierung dem Pakt gegenüber, Ha in diesem Dokument nicht nur die alten Bedingungen wiederholt, sondern auch neue gestellt wurden. Als Patek dieses Dokument überreichte, machte er selbst nicht den Vorschlag, di« Verhandlungen zu er­neuern, sondern erklärte bie Ueberreichung des Dokuments damit, daß er wünsche, die Ergebnisse der Verhandlungen der Jahre 1926 und 1927 zu- sammenzufassen. Am Tag, bevor Patek das Doku­ment überreichte, war er bei mir und erwähnte mit keinem Wort die bevorstehnde Ueberreichung des Dokuments, ebenso hat er nichts über den Nichtangriffspakt gesprochen und teilte nur mit, daß er auf Urlaub reise. Ich kann nur hinzufügen, daß die Beziehungen zwischen Polen und dem Räte­bund kein Gegenstand der Verhandlungen zwischen dem Rätebund und dritter Staaten waren.

Die Sowjetunion wünsche den Abschluß eines Nichtangriffspaktes mit allen Staaten, mit denen sie in unmittelbarem Kontakt stehe, und sie habe auch vor einiger Zett die entsprechenden Vorschläge gemacht. Sie sei aber der Ansicht, daß die Ver­pflichtung über das N i cht e i n g r r i fen und über bie Erhaltung des Friedens von

und Polen selbst abzugeben."

_ Ueber die _ schwebenden russilch-fran-

aoch, daß keine Maß. nähme der letzten Jahre für den euro- pärschen Frieden eine solche Bedeu-

enden rufsifch-fran-

tung haben würde wie der Abschluß eines solchen Pakts. Die Verhandlungen begegneten kei­nerlei Schwierigkeiten. Die Beziehungen zwischen Frankreich und Rußland hätten früher viel zu wünschen übriggelassen.

Auf eine Frage, ob Polens Eifer bei der Glaub­haftmachung von Verhandlungen über einen Nicht­angriffspakt mit Rußland mit dem Bekanntwerden der französisch-russischen Verhandlungen in Zu­sammenhang stehe, antwortete der russische Mi­nister des Auswärtigen, . daß er darüber nichts wisse und keine Vermutungen äußern wolle.

Die Ausführungen Litwinows sind sehr in­teressant. Besonders der Hinweis, daß Rußland unter keinen Umständen mit Polen einen Nicht angriffspakt abschließen werde, wenn Polen au den Bedingungen beharre, die bereits vor fün Jahren den Abschluß des Vertrages verhindert hätten. Daraus geht hervor, daß Polen mit seinem Pakt Ziele verfolgt, di« sich mit der von Litwinow betonten Auffassung der Sowjetunion, durch Nicht­angriffspakte den Weltfrieden zu fördern, nicht ver­einbaren lassen. Bemerkenswert ist auch, daß Litwinow den Vermutungen, daß die Note Pateks doch mit Pariser Einflüssen Zusammenhängen könnte, kein striktes Nein entgegengesetzt hat. Er hat lediglich erklärt» daß er darüber nichts wisse und keine Vermutungen äußern woll«.

Der Kredit Mr Gngtand

IC« rUiMonen Mark von Frankerirt, und Amerika

London, 28. Ang. Das Schatzamt gibt ein Kommunique heraus, in dem die bereits aus Rewyort und Paris gemeldete Gewährung eines einjährigen fraa^fischeu und ameri­kanischen 400-Millioueu-Dollar-Sredtts an England bestätigt wird. Der Zinsfuß beträgt 4« Prozeut.

Trn starkes Erdbeben hat gestern gege Belutschistan und Sind erschüttert, ^D aily Expreß" im Sharigh Distrikt er- ^buchen Schaden angerichtet haben. Einige Städte !?"*» vollkommen vernichtet worden sein. Die ^Mtäfje waren bis nach Karatschi fühlbar. Die pinselt einlaufenden Berichte sprechen von Todesopfern.

ien 9 Uhr

es soll

*> Râhere# stehe im politischen Teil

Die Spaltung der Labouv-Pavtv Henderson zum Führer gewählt.

London, 28. Aug. Die Arbeiterpartei-Frak­tion trat Heue zu einer Vollsitzung zusammen, bei der 250 Abgeordnete anwesend waren, darunter sämtliche Mitglieder des vorigen Labiaetts mit Ausnahme von Macdonald, Snowden und Thomas. Nach längerer Aussprache wurde der frühere Staatssekretär des Aeußeren, Hen­derson, als Nachfolger Macdonals zum Führer der Labour-Party gewählt. In der Besprechung wurde in einer Resolution festgelegt, daß die Labour- Party sich als Oppositionspartei offiziell konstruiert.

Was die Gerüchte anbetrifft, denen zufolge Mac­donald die Absicht habe, nach der Ausführung seiner Aufgaben im nationalen Konzentrationskabmett sich vom politischen Leben zurückzuziehen, verlautet aus maßgebender Quelle, daß der Premierminister eine derartige Entscheidung nicht getroffen habe.

Seine gegenwärtig« Absicht ist, seine Ausgabe, die Schwierigkeiten zu lösen, mit aller nur möglichen Energie fortzusetzen.

Schatzkanzler Snowden hat an seinen Wahl­kreis Kaine Dalley ein Schreiben gerichtet, in dem er seinen Verzicht auf eine Klmdidatur bei den nächsten Wahlen mitteilt. Er begründet seinen Entschluß mit Alters- und Gesundheitsrücksichten, die es ihm unmöglich machten, die anftrengénbe politische Tätigkeit weiter auszuüben.

Gleickzeittg mit der Arbeiterpartei traten die Li­beralen und die konservativen Fraktionen zusam­men. Die liberale Fraktion billigte die Beteiligung ihrer Mitglieder an der Regierung, ebenso die kon­servative. Baldwin erklärte u. a, er bleibe sei­ner Zalltarifpolitik treu, denn nur durch sie sei es möglich, die durch die Närkung der Staatsftnanzen begonnene Aufgabe zu Ende zu führen. Nach der Auflösung des Parlaments würden die Konserva­tiven die Frage der Zolltarife zur Kamp spar ole

Die Woche

Die große Weltwirtschaftskrise zieht immer weitere Kreise und wie die Ereignisse der vergangene Woche ge^igt haben, ist noch immer kein Weg über diese Krffe gesunden, bzw. mangelt es der Wet immer noch an Mut, die Verhältnisse, deren zerstörende Wirkung zwar immer erkannt wird, zu ändern. Deutsch­land sbeht am Rande des Abgrundes, in Oesterreich, Ungarn, Polen, Rumänien sieht es nicht viel besser aus und in England kämpft man verzweifelt gegen die Not. Aber auch 1 außerhalb Europas stellen sich überall die Symptome der Weltwirtschaftskrise ein er» ; innert sei nur an die Notlage der ameri- , konischen Farmer, ferner an die Schmie- , rig ketten in der Ölindustrie und am Baumwollmarkt, wo gewaltige Drosselungs- maßnahmen ergriffen werden mußten, weil keine Absatzmöglichkeiten gegeben sind. In der ganzen Welt macht sich die Krise bemerkbar, auch in Austraüen, Indien, China, überall machen sich die Folgen des unsinnigen Weltkrieges und weiter des großen Fehlers jar, der begangen worden ist, als man den Versailler Vertrag abschloß, dessen politische und finanzielle Forderungen dazu führen ' müßten, eines der wichtigsten Glieder des âelllmttjckajtskörxers, nämlich Deutschland wirtschaftlich zu zerstören. Sehr treffend hat sich am Motag der von einer Europareise nach Newyork zurückkehrende amerikanffche Senator Shipstead über die Zukunft der Alten Welt und die Auswirkungen des Versailler Ver­trages geäußert:Die Well fährt geradewegs zur Hölle, und Schuld daran trägt jenes Stück Wahnsinn, das man den Ver­sailler Vertrag nennt." Sehr richtig! Am Ab- grimb der Hölle sind wir angelangt ein Auf- halten auf der Weiterfahrt ist nur möglich, wenn man auch in Frankreich, das von der Krise bis jetzt noch verschont geblieben ist, weil es durch das Versailler Tributsystem zur ersten Geldmacht, wenn nicht der ganzen WÄt, so doch der Alten Welt geworden ist, zur Einsicht kommt, daß Deutschland im Wirtschaftsleben der Welt eine, ja die ausschlaggebende Rolle spielt und daß dieses Land wirtschafttich nicht gekirebelt werden darf, sondern im Gegenteil gefördert werden muß. Kommt diese Einsicht nicht, dann muß die Fahrt zur Hölle wahr werden aber dann wird auch Frankreich, trotz aller Goldberge, mit beteiligt sein.

Frankreich sollte den Ausspruch Shipsteads nicht allzu leicht hinnehmen. Beispiele, daß eine große Krise keine politischen Grenzen kennt, sind vorhanden und die letzten Vor­kommnisse in England lehren erneut, daß auch reiche Länder durch einWelterdbeben" ganz gewallig erschüttert werden tonnen. England war der Beherrscher der Weltwirtschaft vor dem Kriege, auch die erste Geldmacht der Wrlt. Und heute? Das Geschick hat es gewollt, daß gerade England, das einen großen Anteil an )em^Zustandekommen jenes StückesWahn-, mn" hat und das in der ganzen Nachkriegs­zeit für die Durchführmrg beefes Instrumentes eingetreten ist, als zweites größtes europä- ffches Land von der Weltwirtschaftskrise in ihrem ganzen Umfange betroffen wird. Das SchicD'al Englands sollte für Frankreich ein Menetekel sein.

Nun gteicht allerdings die Loge Ertglands nicht ganz der Deutschlands. Einmal sind dort ne Reservekraftquellen, die in Deutschland durch den Krieg und die Inflation vernichtet wurden, zum guten Teil noch intaft, so daß im totfall auf sie 311 es gegriffen werden kann. Darüber ksinaus kann Engicmd mit neuen Kre- fften rechnen unb zwar von Frankreich wie von Amerika. Merdings ist die Erneuerung dieser Kredite und damit die Stärkung des Pfurttres abhängig von der Sanierung des en^rfchen Staatshaushaltes eine Notwenksiokeit die man in dem Augenblick, da die Weüwirt- chastskrffe die Grundfesten des englffchen