Nr. 200
Großfeuer -» Zwei Wohnhäuser, fünf Scheunen vernichtet
Demantsfürth b. Neustadt/Aisch, 26. Aug. Einem Großfeuer fielen heute nacht zwei große Wohnhäuser und fünf Scheunen samt allen Erntcvor- räten und landwirtschaftlichen Maschinen zum Opfer. Der Sachschaden beträgt über 200 000 RM. Es liegt offenbar Brandstiftung vor.
Urteil im Prozeß gegen den Führer der schlesischen Landvolkbewegung
Oels, 26. Aug. Vor dem Erweiterten Schöffengericht Oels hatten sich der Führer der schlesischen Landvolkbewegung, Rittergutspächter Pauly, sowie zehn weitere Landwirte und Kleingewerbetreibende, die am 23. Februar 1931 in Oels eine Versteigerung mit Gewalt verhindert hatten, wegen Aufruhrs zu verantworten, Pauly außerdem wegen Aufforderung zum Steuerstreik. Neun Angeklagte wurden freigesprochen, da das Gericht annahm, daß sie sich des Begehens einer strafbaren Handlung nicht bewußt waren. Pauly wurde wegen Vergehens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten vom 15. September 1923 (Sicherung des Steueraufkommens) anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat zu 300 Mark Geldstrafe und zu weiteren 100 Mark, insgesamt also zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt. Ein weiterer Angeklagter wurde wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt.
13 Steine auf Bahnschienen
dernis auf
Kriebitzsch (Kreis Altenburg), 26. Aug. Der Führer eines Güterzuges auf der Staatsbahnstrecke Kriebitzsch — Rositz bemerkte am Dienstag ein Hin- 'ernis auf der Strecke und hielt den Zug an. Das Bahnpersonal mußte 13 große Steine von den Eisenbahnschienen entfernen, die von zwei Knaben darauf gelegt worden waren, offenbar, um den
Donnerstag, den 27. August 1931
-------------------- ■ - - Zug zur Entgleisung zu bringen. Knaben sind unerkannt entkommen.
Die beiden
Liebestragödie
Wien, 26. Aug. Der Direktor des hiesigen Apollo-Kinos, Leopold Alexander, wurde heute nacht von feiner ehemaligen Sekretärin Rosa Piregger durch einen Pistolenschuß in den Kopf getötet. Die Täterin brachte sich hierauf ebenfalls einen Kopfschuß bei. Ihr Befinden ist fast hoffnungslos. Aus Abschiedsbriefen geht hervor, daß cs sich um eine Liebestragödie handelt.
Der frühere japanische Winiskerpräsident Hamaguchi t
Tokio, 26. Aug. Der frühere Ministerpräsident Hamaguchi ist gestern an den Folgen der Verletzungen, die er am 14. November v. Js. bei einem Attentat durch ein Mitglied der Reaktionären Patriotischen Vereinigung erhalten hatte, gestorben. Man hatte zunächst geglaubt, den Ministerpräsidenten wieder der Genesung zuführsn zu können; doch war im Befinden des Verletzten kürzlich ein Rückfall eingetreten.
Oke amevkkauksche Heu- schvetkeuplase
Tausende von Quadratmeilen sind in fünf der Nordweststaaten Amerikas von Heuschrecken vollständig verwüstet worden. Die Berichte, die aus den von der Plage heimgesuchten Staaten eingehen, übertreffen alles, was man von der Zerstörungswut dieser Schädlinge bisher gehört hatte. Die Kampffront der Heuschrecken legt in ihrem Vormarsch täglich im Durchschnitt 80 Kilometer zurück. „Eine schwarze Wolke am Horizont des tiefblauen Himmels", schreibt ein Blatt aus Des Moines im Staate
Iowa, „ein schwaches, summendes Geräusch. Die schwarze Wolke gewinnt an Größe und nähert sich mit dem Ungestüm eines Präriefeuers. Das summende Geräusch wird lauter und verstärkt sich, je breiter und niedriger die Wolke wird, schließlich 5um ohrenbetäubenden Lärm. Gleichzeitig verwan- elt sich das Wolkenbild in ein Ungeheuer von schwarzen Flecken, dessen Gestalt sich immer deutlicher abzeichnet". Ueber das Ergebnis eines solchen Heuschreckeneinfalls schreibt ein anderes Blatt: „Auf den sonnenverbrannten braunen Feldern ist die Vegetation so vollständig vernichtet, als wäre eine riesige Sense über sie dahingefahren. In einem Feld Süd-Dakotas von 400 Hektar war von den Heuschrecken nicht so vieles Gras übrig gelassen worden, um auch nur ein einziges Tier zu füttern. Zahlreiche Farmer sind so gut wie ganz vom Verkauf der Eier und des Geflügels abhängig. Die Felder, die ihnen Futter lieferten, sind wie abrasiert. Einer Vernichtungsarmee gleich ziehen die in Schlachtlinie vorrückenden Heuschrecken vom Missourifluß ostwärts. Die Entomologen sind außerstande zu sagen, woher die Insekten kamen und wohin sie ziehen. Sie scheinen sich geradezu aus der Luft zu materialisieren. Angesichts dieser ungeheuren Plage haben die Staaten Montana, Dakota, Iowa, Nebraska und Minnesota einen Fonds von 15 Millionen Dollars aufgebracht, der der Bekämpfung dieser Plage dienen soll. Dr. Howard, der Chef-Entomologe des Ackerbauamts in Washington, schätzt den durch die Insektenplage in diesem Jahr entstandenen Verlust auf einen Goldwert, der zwei Milliarden Dollars übersteigt."
Odysseus tat EkseukiMs
Das Schicksal des Machrned Faich, eines gebürtigen Türken, der die englische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, erinnert an die Zeiten, in denen Sklaven aus einem Land ins andere in eisernen Käsigen transportiert wurden. Machmed, der sich
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in Rio de Janeiro aufhielt, verlor durch die Wret- schaftskri.se, die sich auch in Südamerika bemerkbar macht, feine Stellung und begab sich nach Newyovk, das vielen Auswanderern als das gelobte Land erscheint. Er verbarg sich im Bunkerraum des Dampfers „Western World", der die Verbindung zwischen Newyork und Rio Le Janeiro herstellt. Unterwegs wurde der Ausreißer von dem Kapitän bemerkt und in einen eisernen Käfig gesperrt. In keinem einzigen Hafen durfte Machmed an Land gehen, da er englischer Staatsangehöriger ist, und keine Papiere hatte. Während des letzten Aufenthalts der „Western World" im Hafen von Rio de Janeiro wurde der Gefangene von einem Zollinspektor entdeckt. Sofort ließ der Zollinspektor die Hafenpolizei benachrichtigen. Machmed, der an einen lebenden Leichnam erinnerte, schleppte sich mühselig aufs Deck. Es stellte sich heraus, daß er sich seit Dezember 1930 in dem eisernen Käfig befand. In dieser Zeit war die „Western World" viermal in Newyork gewesen. Aus die Frage, weshalb er sich zu dieser Reise entschlossen habe, erwiderte der lebendig Begrabene: „Not und Arbeitslosigkeit haben mich gezwungen, heimlich und ohne Geld nach Newyork auszureisen. Wenn das ein Verbrechen ist, so habe ich es längst gesühnt. Sieben Monate schmachte ich in diesem eisernen Käfig, wohin die Lust kaum den Weg findet. Ich habe öfters gebeten, man solle mich ins Meer werfen. Ich ziehe den Tod im Rachen eines Haifisches dieser Qual ohne Eride vor. Ich dachte, daß ich als eng- licher Untertan mehr Rechte haben würde denn als Türke. Wenn ich ein Verbrecher bin, so soll man mich Hinsichten." Die Aussagen Machmeds wurden protokolliert, worauf der Unglückliche wieder in seinen Käfig zurückgeführt wurde.
In Deutschland bestehen zur Zeit 70 Krematorien. Die Zahl der Einäscherungen beträgt im Jahre jetzt etwa 35 000 gegen 10 650 im Jahre 1914.
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