Catton Stadt und Land
K«. 2do
1931
Donneestas den
22. August
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Anzeiger für>
Oie Sicherung der Haushalte
Weitere Reichszufchüsse von seovdnoten Länder- und «Semeindeetats abhängig
ftwtjfi ilar^HsiLotli
* Reichskanzler Dr. Brüning äußerte sich in einer Unterredung mit einem amerikanischen Pressevertreeter über die Zukunft der Reparationen.
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* Die Stadt Berlin beabsichtigt, durch Einschränkungen 25 bis 30 Millionen im laufenden Haushaltsjahre einzusparen.
Die Berliner Staatsanwaltschaft hat das Strafverfahren gegen den bisherigen Vorsitzenden der Wirtschaftspartei, Reichstagsabgeordneten Drewitz eingestellt. Drewitz war beschuldigt worden, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Aussichtsrats Ler Mittelstandsbank Unterschlagungen und Bllanz- fätschungen begangen oder geduldet zu haben.
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Das von dem Dornier-Werk im Auftrag der italienischen Regierung erbaute Flugboot Do X II wird im Laufe des heutigen Tages den Ueber- führungsflug von Friedrichshafen nach Genua antreten. Der Flug geht über die Alpen.
Von Moskau wird der polnische Vorschlag für einen Nichtangriffspakt als undiskutabel bezeichnet. Der russische Außenminister Litwinow wird auf der Durchreise nach Genf in Berlin Aufenthalt nehmen. *
Das polnische Ministerium des Innern und Las der Finanzen haben eine gemeinsame Verordung erlassen, die den Höchstgehalt alkoholischer Getränke ~ ‘- "-"----- -------- - ~ -
6er Schankitätten unS ’ koholische Getränke für sämtliche Woiwodschaften festgesetzt, wobei die Woiwodschaft Schlesien mit 3000 die Höchstzahl erreicht.
Reichskanzler Dr. Brüning hat an Premierminister Macdonald anläßlich des Regierungswechsels ein Glückwunschtelegramm gesandt, in dem er die wärmsten Wünsche „für den vollen Erfolg Les so eminent wichtigen Unternehmens" ausspricht, das Macdonald „im Interesse seines großen Landes" auf sich genomen habe. In seinem Antworttelegramm erwiderte der Premierminister diese Wünsche mit seinem herzlichsten Dank.
Das neue englische Kabinett hat gestern vormittag den Eid auf die Verfassung geleistet.
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Wie Reuter meldet, hat sich der englische König gestern abend wieder nach Balmoral in Schottland zurückbegeben.
Der Besprechung der Aussichten des neuen englischen Kabinetts meist „Excelsior" darauf hin, daß es nicht unmöglich sei, daß demnächst zwischen Paris und London Verhandlungen über den Abschluß einer Konsolidierungsanleihe ausgenommen würden.
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Nach Abschluß der Vergwerkskonferenz erklärte der spanische Minister für öffentliche Arbeiten, daß am 1. September in den spanischen Kohlenbergwerken der siebenstündige Arbeitstag eingeführt werde. In den übrigen Bergwerken bleibt es einstweilen bei der achtstündigen Arbeitszeit.
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Flieger Lindbergh und feine Frau sind gestern in Tokio mit der Bahn eingetroffen und wurden von einer großen Menschenmenge stürmisch be- grüßt. Die beiden Flieger werden sich voraussichtlich sechs Tage in Tokio aufhalten.
Ein außerordentlich heftiges Erdbeben hat die im Epirus gelegene Ortschaft Karpuzi heimgesucht und dort großen Schaden angerichtet. Zehn Häuser wurden völlig zerstört, viele weitere schwer beschädigt. Während des Bebens verbreitete sich ein erstickender Geruch, das Wasser der Brunnen färbte sich rot und dichte Staubwolken verfinsterten den Himmel, so daß die Einwohner van einer Panik er- griffen wurden und unter Zurücklassung ihrer Habseligkeiten flüchteten.
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. Wie die „Berlingske Tidende" aus Tromsö meldet, soll der „Nautilus" bei seiner Fahrt unter dem Polareis gute Fortschritte machen und sich dem Nordpol big auf etwa 200 Kilometer genähert haben. Wilkins, so heißt es weiter, sei guten Muts und fest entschlossen, die Reise bis zur Küste von Alaska fortzusetzen.
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Der Beschluß des ungarischen Mmisterrats, die Verwendung staatlicher Automobile durch die höheren Beamten aufzuheben, wurde bereits durchge- suhrt. Fünfzig derartige Automobile wurden ein- Nogen und einstweilen in Garagen untergebracht. , damit erzielte Ersparnis für das Budget besagt jährlich eine halbe Million Pengö.
*) Näheres stehe tw politilche« Ml
Dev DvuE auf die Lândev
Berlin, 26. Aug. Das Reichsfinanzministerium hat heute ein Rundschreiben an die deutschen Landesregierungen gerichtet, in dem das Reich den Ländern die Richtlinien für die Durchführung der Verordnung zur Sicherung der Haushalte mitkeilt. Ob dieses Rundschreiben ebenfalls veröffentlicht wird, steht noch nicht fest. Eine Unterrichtung der Öffentlichkeit über diese Richtlinien des Reichsfinanzministeriums wäre jedoch sehr erwünscht, da die Notverordnung infolge ihrer kürze alle Möglichkeiten einer Auslegung offen läßt.
Wie hierzu weiter gemeldet wird, überläßt es das Reich völlig der Selbstoerantwortlichkeit der Länder und Gemeinden, was sie auf Grund der Steuerverordnung zum Ausgleich ihrer Haus» halte unternehmen werden. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Maßnahmen in den einzelnen Ländern je nach dem Stand des Etats sehr verschieden sein werden. Es ist den Ländern anhsim- gegeben, Einzelanstângsverträge mit den leitenden Ko-minunalbeamten auf gütlichem Weg zu regeln. . Sie haben aber durch die Notverordnung ohne weiteres die Möglichkeit, in diese Bestimmungen einzugreifen. Das gilt übrigens auch von den Abmachungen mit Gesellschaften und vor allem Theaterbetrieben. Die Regierungen Ler Länder können also etwa schon bewilligte Zuschüsse verringern, wenn das zum Ausgleich des Etats erforderlich sein sollte. Dagegen fallen in den Bereich der Notverordnung nicht die Tarifverträge. Auch die Handhabe einer
die Durchführung der Notverordnung ist nicht vor» gesehen. Das Reich hat aber weitere H i l s -
maßnahmen namentlich auf dem biet der Wohlfahrtsfürforge
G e - von
dem Nachweis abhängig gemacht, daß
der Etatausgleich erfolgt ist.
(Wie
aber soll der Etatwusglsich erfolgen, wenn, wie z. B. in Hanau selbst der Bezirksausschuß keine Einsparungsmöglichkeiten mehr sieht? Die Red.) Bekanntlich standen bisher nur 60 Millionen aus der Elinfuhrbestimmung als Zuschußguelle für die Gemeinden zur Verfügung. Es schweben, wie wir hören, Erörterungen darüber, ■ welche weiteren Unterstützungsmöglichkeiten für die unter Ler Wohlfahrtslast besonders leidenden Gemeinden erschlossen werden können.
Dov e?nev batzvßschen Dot- vevovdnnng
München, 26. Aug. Der Ministerrat hat heute abschließend zu' den Plänen über die Abgleichung
«Dee Weg der Selbsthilfe”
Das wtvischaftsvvosvamm dev Deutsche« Lnduftvie
Köln, 27. Aug. In der heutigen Ausgabe der «Köln. Ztg." veröffentlicht Dr. Herle, Geschäftsführer des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, eine Inhaltsdarstellung des Wirlschaftsprogrammes, das der Reichsverband dem Reichskanzler vor einigen Tagen übergeben hat.
Die Ausführungen tragen die Ueberschrift: „Der Weg der Selbsthilfe". Sie gehen davon aus, daß trotz der Empfehlungen des Layton-Berichtes man sich nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, daß Deutschland auf absehbare Zeit doch auf den Weg der Selbsthilfe angewiesen sei. Diese Selbsthilfe müsse unter strikter Anwendung des wirtschaftlichen Grundsatzes erfolgen, da das zu erstrebende Ziel mit den sparsamsten Mitteln erreicht werden müsse. 3m einzelnen werden die Vorschläge wie folgt fixiert:
3m Mittelpunkt des Selbsthilfeprogramms muß die organische Umgestaltung der Selbstkosten im Sinne einer möglichst weitgehenden Herabdrückung der Selbstkosten und einer Anpassung aller Leiskungsverlräge an das gegenwärtige Wirl- schaftsvolumen stehen. Dieser Grundsatz ist auf sämtliche Faktoren anzuwenden, aus die öffentliche Hand, die sozialen Belastungen, auf Löhne und Gehälter. Daneben spielen aber auch die Kreditkosten eine besondere Rolle und schließlich sind vor allem auch noch die Verkehrslarife und die Tarife der kommunalen Versorgungsbelriebe zu nennen. Auf diesen Gebieten sind durchgreifende Entschlüsse notwendig. Es gibt, wenn ein völliger Zusammenbruch der Wirtschaft noch abgewendel werden soll, nur den Weg, durch eine einschneidende Verringerung der Ausgaben und der Aufgaben aller Teile des Verwaltungsapparates mit größter Beschleunigung den Steuerdruck um mindestens zwei Milliarde» zu mindern. Es werden ferner
des bayerischen Staatshaushaltes Stellung genommen. Bekanntlich schließt der ordentliche Haushalt
r 1931 mit einem Fehlbetrag von 28,6 Millionen Reichsmark ab. Dieser Fehlbetrag soll zum Teil Lurch Erschließung neuer Einnahmen, zum anderen Teil durch weitere scharfe Sparmaßnahmen beseitigt werden. Die neubeschlossenen Einnahmen werden in ihrer Verwendung stark von der gegenwärtigen Not beeinflußt sein,' d. h. sie werden zum größten Teil zweckgebunden sein zugunsten der Fürsorge- lasten der Gemeinden. Die neuen Maßnahmen
werden auf dem Wege Ler Notverordnung noch Saufe dieser Woche veröffentlicht werden?
Die Stechte des StekchsvvSftdenten
Berlin, 26. Aug. Amtlich wird mitgeteilt:
Ausübung Ler ihm auf Grund des Artikels
im
Bei
48,
Absatz 2 der Reichsverfassung zustehenden Befugnisse
......
wird, an die normale oerfastunas- mäßige Zuständigkeitsabgrenzung zwischen Reich
und Ländern nicht gebunden. Er vereint also aus Grund des Artikels 48 jedenfalls die Zuständigkeit sowohl des einfachen Reichsgesetzgebers, wie auch des LanLesgesetzgebers in sich. Soweit es hiernach Maßnahmen trifft, die sonst zur Zuständigkeit des Landesgesetzgebers gehören, gehen sie abweichenden Bestimmungen des Landesrechtes vor.
Artikel 48 verlangt nicht, daß der Reichspräsident alle Maßnahmen, die er zur Wiederherstellung der gestörten oder gefährdeten öffentlichen Sicherheit und Ordnungen für nötig hält, selbst trifft. Es ist vielmehr anerkannten Rechtes, daß dem Artikel 48 Genüge getan ist, wenn der Reichspräsident die Richtung der von ihm für nötig erachteten Maßnahmen in bestimmter Weise umgrenzt und zu ihrer Durchführung im einzelnen andere Stellen ermächtigt.
eine weitere Senkung der persönlichen Unkosten sowohl in der öffentlichen Hand wie in der Privatwirtschaft gefordert. Ferner werden schnelle Maßnahmen gefordert, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten der Gemeinden zu regeln.
Die Ausführungen schließen: Der Reichsver- band der Deutschen Industrie hat sich mit all diesen Fragen in der letzten Zeit eingehend befaßt und positive Vorschläge ausgearbeitet, die der Regierung zur Kenntnis gegeben sind. Der Erfolg der ganzen Selbsthilfeaktion hängt vor allen Dingen davon ab, daß schnell gehandelt wird. Um der Regierung hierfür den Rücken zu stärken, ist es ein Gebot nationaler Selbstdisziplin, sachlich begründete Vorschläge, von welcher Seite sie auch kommen mögen, ohne parteipolitische oder sonstwie begründete Voreingenommenheit zu prüfen. Es ist notwendig, alle aufbauenden Kräfte, ganz gleich in welchem Lager sie stehen mögen, zur Lösung der gemeinsamen Aufgaben zusammenzufassen. Nur auf diese Weise ist es möglich, den schmalen und harten Weg der Selbsthilfe zu gehen, der allein noch eine Rettung verbürgt.
Hovdevunae« dev betete Gewerkschaften
Berlin, 27. Aug. Der Führer des freigewerk- schaftlichenAfa-Bundes S. Aufhäuser richtet im „Vorwärts" eine Reihe von Forde-
(Fortsetzung auf Seit« 2)
rtuMch-potnlichev vakt?
Hinter den diplomatischen Kulissen Frankreichs und seines östlichen Verbündeten Polens wird in den letzten Wochen eine rege Tätigkeit entfaltet. Zweifellos werden jetzt zwischen diesen beiden Mächten und der Sowjetunion sehr wichtige Verhandlungen geführt, deren erfolgreicher Abschluß der weiteren politischen Entwicklung in Europa vielleicht eine neue Richtung geben würde. Die deutsche Oeffentlichkeit wird gut tun, die auffallende außenpolitische Wendung* in den beiden Nachbarstaaten der Sowjetregierung gegenüber besonders aufmerksam zu verfolgen. Auf beiden Seiten wird ein Spiel mit hohem Einsatz gespielt. Obwohl Verlauf und Inhalt der Besprechungen streng geheimgehalten werden, kann man doch aus verschiedenen Anzeichen schließen, daß die Dinge bereits in das entscheidende Stadium getreten sind.
Einige äußere Momente sind bemerkenswert genug, um erwähnt und unterstrichen zu werden. Als vor etwa einer Woche die gewöhnlich gut informierte amerikamsche Nachrichtenagentur „United-Preß" die Mitteilung verbreitet hatte, daß zwischen Frankreich und Sowjetrußland ein Nichtangriffspakt vereinbart und bereits paraphiert worden sei, nahm
vorsichtige Stellung ein. Aus Regierungskreisen wurde die sensationelle Bekanntgabe des angeblichen Pakt-Abschlusses zwar formell dementiert, die Dementis waren aber in einer Form gehalten, die keinen Zweifel darüber übrig ließ, daß eine grundsätzliche Einigung zwischen den beiden Regierungen tatsächlich erzielt worden sei und daß man nur auf das Eintreffen gewisser Voraussetzungen warte, um den Vertrag unter Dach zu bringen.
Schon die Tatsache allein, daß eine amerikanische Presse-Agentur in der Lage war, Mitteilungen über den vertraulichen Gang der äußerst wichtigen Verhandlungen zu machen, mußte jeden, der in den Gepflogenheiten des diplomatischen Spieles Bescheid weiß, aufhorchen lassen. Die Vermutung lag auf der Hand, daß die Information aus Kreisen, die einem der Verhandlungspartner nahe standen, absichtlich in die Hände der „United Preß" gespielt worden war, um durch Bekanntgabe der Paktabsicht den anderen Partner gewissermaßen vor eine vollendete Tatsache zu stellen und somit einen kräftigen Impuls zur Ueberwindung der letzten noch bestehenden Hemmungen zu verleihen.
Man kann mit Sicherheit annchmen, daß diese Hemmungen auf Seiten der französischen Unterhändler sich fast ausschließlich in der Rücksichtnahme auf die Interessen Polens auswirkten. Wiederholt gab die französische Außenpolitik in der Nachkriegszeit ihrer Meinung Ausdruck, daß nach dem Frieden von Versailles die französische Ostgrenze vom Rhein nach der Weichsel verlegt wurde. Einen Neutralitätspakt mit dem Sowjetstaate abzuschließen, ohne den polnischen Verbündeten, den unmittelbar dadurch betroffenen Nachbar Rußlands, in das neu zu schaffende politische System einzubeziehen, war für die französische Regierung ein Ding der Unmöglichkeit. Die halboffiziellen Verlautbarungen gut unterichteter französischer Blätter ließen auch durchblicken, daß Frankreich seine Unterschrift unter den fertigen Paktentwurf von dem Beitritt Polens abhängig gemacht hatte.
Was in den Konventikeln der polnischen Regierungspolitik sich im Laufe der letzten Tage ereignete und welche Einflüsse sich dort geltend gemacht hatten, um Warschau für den Gedanken eines Paktes mit der Sowjetunion zu gewinnen, wird wohl erst in Zukunft bekannt werden. Im höchsten Maße auffallend ist nur, daß am 23. August die offizielle russische Telegraphen-Agentur „Taß" kategorisch erklärt hatte, daß zwischen Polen und der
Oie beuilse Hummer nmfdH 12 Gatten