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M IHH Mittwoch den

26. ÄlttSNst

1931

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aüf Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platz Vorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. / Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956,3957,3958

Das Vertraue« des -Kanzters

Keichskanzlev Dv. Nvünins hofft, daß wie übev den schwersten aller Winter glücklich binübev- kommen - Ein Hilfswerk der chavitativen Vereine

Kii«)«-SonyfrSj^cs-H'

Reichskanzler Dr. Brüning ist gestern abend mit dem fahrplanmäßigen Zug um 21.31 nach Berlin abgereist.

* Die Notverordnung zur Sicherung des Haus­halts von Ländern und Gemeinden ist veröffentlicht worden. *

In der gestrigen Sitzung der deutschen Bör­senvorstände erklärten sich die versammelten Bör­senvorstände für die Wiederaufnahme des amtlichen Börsenverkehrs am 3. September 1931 unter Be­schränkung auf das reine* Kassageschäft.

Die Reichsregierung hat eine neue Bestim­mung über die Devisenbewirtschaftung erlassen, die heute in Kraft tritt.

Auch ine kommunistische Fraktion hat jetzt die sofortige Einberufung des Preußischen Landtages beantragt. Die Kommunisten begründen ihre For­derung mit dem polizeilichen Vorgehen gegen die Komunistische Partei und mit den angekündigten neuen Notverordnungen.

ReichsernShxungsmittister Schiele hat angesichts der Brotpreiserhöhung in Berlin die Marktprü­fungsstelle beauftragt, die Preisbildung für Brot zu untersuchen und ihm darüber Bericht zu er- Müen. __________

Die vorläufige Tagesordnung für den Außer­ordentlichen Parteitag dèr Deutschen Staatspartei, der für den 26. und 27. September 1931 nach Ber­lin einberufen wurde, ist nun festgesetzt. Reichs­finanzminister Dietrich spricht über das Thema: Der Kampf der Deutschen Staatspartei um Deutschlands Gesundung." Im Anschluß daran spre­chen der preußische Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff und Ministerialdirektor Dr. Pötzsch-Hefster über das Thema:Reichsreform und Preußen­wahl." Es findet danach die politische Aussprache statt. *

Die Abfahrt des Zeppelin zu seiner großen Fahrt nach Südamerika ist nunmehr endgültig auf Samstag, 29. August, 23 Uhr, festgesetzt. An der Fahrt werden Vertreter der englischen Luftschiffahrt, Amerikaner und Brasilianer teilnehmen. Die Fahrt wird über Südfrankreich, Spanien, Gibraltar, die Azoren, die Canarischen und Cap Verdischen In­seln nach der Nordwestecke Brasiliens gehen. In Pernambuco (Recife) wird das Schiff zwei Tage vor Anker liegen, um dann die Rückfahrt anzu­treten.

Auf seinem Fluge nach Newyork ist das deutsche FlugschiffDo X" am Dienstag um 18.45 Uhr MEZ. in Charleston im Staate Süd-Karolina ge­landet,

e

Das am 13. Juli ergangene Verbot aller Ver­sammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel in Hamburg wurde mit Rücksicht auf die am 27. Sep­tember stattfindende Bürgerschaftswahl für die Zeit vom 6. bis 27. September aufgehoben.

Zu der deutsch-belgischen grundsätzlichen Kohlen- Einigung Vermirüierung der belgischen Pro­duktion und gleichzeitig Verminderung der Ein- iuhr nach Belgien erklärt derPeuple", die Einfuhr nach Belgien werde für die vier kommen­den Monate, d. h. bis Ende d. I., wo der Vertrag abläuft, um 50 Prozent des Normalkontingents, also um etwa 2,5 Millionen Tonnen herabgesetzt werden. Auf Deutschand entfalle eine Einfuhroer- minderung von 1300 000 Tonnen, auf Holland von 500 000 Tonnen und auf Frankreich von 350 000 Tonnen.

Die Arbeitslosigkeit hat in Oesterreich weiter zu­genommen. Sie erhöhte sich in der ersten Hälfte des Monats August um rund 1600 Personen auf 196 023.

Das Gerücht, nach welchem die amerikanischen Banken die Herabsetzung der Arbeitslosenunter­stützung in Großbritannien gefordert hätten, wird amtlich als jeder Grundlage entbehrend bezeichnet.

*

Die Bergener Radiostation stand sowohl vor­gestern wie auch gestern abend in Funkverbindung Sir Hubert Wilkins Unterseeboot Nautilus".

Ein in La Rochelle beheimateter Fischdampfer, aer während starkem Sturm leck geworden und von einem Segler ins Schlepptau genommen worden war, ist auf der Heimeise mit sieben Mann Be­satzung gesunken.

) Näheres siebe im politischen Teil.

Ansprache des

$ f u f f g a t f, 25. Aug. Bei einem parier im Vereinshaus St. Vincenz heute aus Anlaß krums veranstaltete, richtete Reichskanzler : tzungsansprache.

Der Kanzler ging davon aus, daß es ein Nach­teil der überreichlich mit Arbeit gesegneten Zeit der vergangenen Wochen gewesen sei, daß es für die Minister und für ihn persönlich nicht in dem Um­fange wie früher möglich gewesen sei, häufiger in das Land hinauszugehen. Das habe daran gelegen, daß das Tempo der Notbeschlüsse und -entschlüsse im Sturmschritt in den letzten Monaten und Wochen Dorangegangen ist und daß die Lage Deutschlands die Verantwortlichen zwang, auch in den vergan­genen Monaten im stärksten Maße in persönliche Beziehungen und Aussprachen mit den verantwort­lichen Statsmännern anderer Länder einzutreten. Der Reichskanzler betonte, welchen Wert diese Aus­sprachen nicht nur für Deutschland, sondern für die Klärung der internationalen Atmosphäre gehabt haben.

Der Reichskanzler fuhr fort:

Die Well kann nur gesunden, wenn eine Reihe von Maßnahmen auf inlernakionialer Safis in die­sem Augenblick und in dieser Zeit der größten zeichnen hat, erfolgt.

Die Regierung ist sich bei allen Ueberlegungen und bei allen Maßnahmen, die sie getroffen hat, darüber klar gewesen, daß, wenn nicht das Ver­trauen, die Disziplin des deutschen Volkes vorhan­den gewesen wären, diese Maßnahmen nicht von Erfolg begleitet gewesen wären. Und es gibt kei­nen größeren Erfolg im ganzen Ausland, keine größere Erhöhung der Achtung und des Prestiges, als daß das deutsche Volk in den Wochen, wo die Banken und die Sparkassen vorübergehend ihre Zahlungen einstellen mußten, es niemals zu einer Ausschreitung und nirgendwo zu einem Tumult ge­kommen ist und daß die kritischsten Ausländer fesk- gestellt haben, daß das deutsche Volk noch nie so ruhig gewesen sei, als in diesem Augenblick höchster Not.

Und das soll uns die Hoffnung geben, getrost trotz aller Schwierigkeiten dem außerordentlich schweren Winter entgegenzusehen.

Es ist ja so, daß durch die Botschaft des Präsi­denten Hoover, wenn sich ihre Auswirkungen auch nicht sofort in voller Tragweite zeigen konnten, im­merhin die erste Grundlage gelegt wurde für eine dauernde Besserung. Damit ist es nicht allein ge­schafft, und viele internationale Besprechungen und Vereinbarungen müssen folgen, wenn die Völker der Welt diese ungeheuerste aller Wirtschaftskrisen werden überstehen sollen. Und ich betone das aus­drücklich, um Ihnen auch zu sagen, wo die Grenzen unserer Möglichkeiten liegen.

Das neue eng

London, 25. Aug. Die endgültige Zusa abend kurz vor 7 Uhr offiziell bekannkgegeben folgendermaßen besetzt:

Premierminister Macdonald (Arbeiterpartei) Staatssekretär des Aeußern Lord Reading (liberal)

Staatssekretär für Indien Sir Samuel Hoare (konservativ)

Lordpcäsidenl des Geheimen Staatsrates Bald­win (konservativ)

Schahkanzler Snowden (Arbeiterpartei) Innenminister Sir Herbert Samuel (liberal) Lordkanzler Lord Sankey (Arbeiterpartei) Staatssekretär für Dominions und Kolonien

3. Thomas (Arbeiterpartei)

Wohlfahrtsminister Reville Chamberlain (konservativ)

Präsident des Handelsamtes Sir Philipp Cun­liffe-Lister (konservativ).

Folgende Persönlichkeiten gehören dem Ministe­rium, aber nicht dem Kabinett an: Luftfahrtminister Lord Amulree, Erster Lord der Admiralität Sir Austen Chamberlain, Sekretär für Schottland Sir Archibald Sinclair, Unterrichtsminister Sir Donald Maclean, Arbeitsminister Sir Henry Betterton, Erster Kommissar der öffentlichen Arbeiten Lord Londonderry, Kanzler des Herzogtums Lancaster Lord Lothian.

Das neue Kabinett hat 10 Mitglieder: vier Ver­treter der Arbetterpartei, vier Konservative unb

Mi zu vefüvMeu

Eine Rede des Relchsinnenmlnisters Dr. Wirth.

Stuttgart, 25. Aug. Im weiteren Verlaufe des parlamentarischen Abends der Stuttgarter Zen­trumspartei ergriff u. a. Reichsminister Dr. Wirth das Wort. Er erklärte, daß es mit der Reichs­reform zurzeit nicht so schlimm stehe, wie man viel­fach höre. Es sei politische Verhetzung, zu sagen, daß er mit dem Art. 48 den Ländern den Garaus machen wolle. Die Reichsregierung fei nur in einer ruhigen Atmosphäre möglich. Das katholische Volk im Zentrum wünsche, daß die konservativen Kreise des evangelischen Deutschland neben es treten.

Der Redner wies dann aus die großen Gefahren des kommenden Winters hin und sagte, daß die Regierung alles tue, um in dem kommenden schwe­ren Winter moralisch und materiell zu helfen, aber die Regierung könne nicht alles tun. Daher müsse neben den Staat die charitative Hilfe treten. 3n zwei bis drei Wochen werden die charitativen Ver­eine Deutschlands mit einem großen Aufruf an die Oeffentlichkeit treten, Naturalien zu sammeln. Es sei somit alles vorbereitet, daß Deutschland den nächsten schweren Winter überstehen könne. Ein gewaltsamer Umsturz sei im Winter nicht zu be­fürchten, denn die Regierung sei stark genug, eine Revolution «iederzuschlagen. Richt eine Sekunde dürfe gezögert werden, der Gewalt mit höchster Ge­walt zu begegnen. Wer die Hand erhebe, dem werde sie abgeschlagen werden. Die Regierung werde sich nicht überraschen lassen.

IBe Btabineit nmensetzung des Koalitionskabinetts ist Heuke worden. Die einzelnen Miniflerposken wurden

zwei Liberale. Es ist feit vielen Jahren das kleinste Kabinett, abgesehen von den Kriegskabinetten von 6 bis 8 Persönlichkeiten, welche eine Art Kabinett innerhalb des größeren Kabinetts von 20 bis 22 Ministern darstellten. Die normale Stärke ist unge« führ 16 bis 17. Ein weiteres Merkzeichen des neuen Kabinetts ist, daß alle sogenanntenAusgaben- minifterien" mit Ausnahme des Wohlfahrtsmini- fteriums nicht in das Kabinett eingeschlossen worden sind. Krieg, Luftfahrt, Admiralität, Schottland, Unterricht, Landwirtschaft und Arbeit sind alle aus­geschlossen. Dies zeigt, daß das neue Kabinett ent­schlossen ist, diesen Ministerien strenge Sparsamkeit zur Pflicht zu machen. .

Die Liste des neuen Kabinetts bietet keine Ueber- raschungen. Sie entspricht im wesentlichen den im Laufe der letzten Tage gemachten Voraussagen. Be­merkenswert ist der' neue Präsident des Handels­amtes Sir Philipp Cunliffe-Lister, der nicht er­wähnt worden war.

(Sitte Rundfunkvede Macdonalds

London, 25. Aug. In einer Rundfunkansprache an das bvitlusche DE sargte Macdonald Hsute

(Fortsetzung auf Sette 2)

nenkarischen Abend, den die Zenkrumspartei der Tagung der Reichkagsfraklion des Zen- Srüning an die Parteifreunde eine Begrü-

Und wir sind der festen Ueberzeugung, daß, wenn das deutsche Volk diese Probe durchmacht, so wie eg diese Proben in den vergangenen Monaten zur Bewunderung der ganzen Welt durchgemacht und überstanden hat, dann wird es gelingen, die deutsche Wirtschaft und das soziale Leben bis zu dem Punkt zu bringen, wo wir mit sicherem und begründetem Optimismus sagen können, daß eine weitere Hilfe zur Ueberwindung der Weltwirt­schaftskrise nicht mehr nölig ist.

Der Reichskanzler schloß mit der Feststellung, daß nach dem Vorbild von Württemberg, seiner Politk und seiner Finanzgebarung alle deutschen Länder wiederum aus eigener Kraft nur genesen und gesunden können, und sprach die Hoffnung aus, daß das deutsche Volk mit den Maßnahmen, die die Regierung getroffen hat, und zu treffen haben wird, über den schwersten aller Winter glücklich hinüberkomme, damit dann endlich die Grundlage für einen Ausstieg und für eine glücklichere Zukunft gefunden ist.

Das Rennen um Svankveichs Gunst

Nur jene Politik kann darauf Anspruch er­heben, den vielfachen Schwierigkeiten der Lage mit Aussicht auf Erfolg entgegentreten zu können, die den bestehenden Tatsachen, mögen sie an und für sich erfreulich oder penibel sein, Rechnung zu tragen versteht. Die Ausdehnung und Verschärfung der weltwirtschaftlichen Krise hat auf dem Gebiete der europäischen Politik infolge der durch sie bewirkten Verschiebung der wirtschafts- und finanzpolitischen Macht­verhältnisse ein Ergebnis gezeitigt, dessen Aus­wirkung für die europäische Gestaltung der nächsten Jahre ausschlaggebend werden muß.

Dieses Ergebnis kann dahin zusammenge­faßt werden, daß, während alle europäischen Großmächte, von den drohenden wirtschaftlichen Gefahren gehandicapt, ihre ganzen Kräfte der Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts widmen müssen, Frankreich allein sich in der glücklichen Lage befindet, ohne Rücksicht auf seine innere Lage oder vielmehr unter Aus­nutzung seiner günstigen inneren Situation, eine gesteigerte außenpolitische Aktivität zu be­treiben. Eine nach der anderen zogen sich die iüllreuden Machre Europas in legrer Zeit in auffallender Reihenfolge aus dem Bereiche die­ser Aktivität in den Kreis der sogenannten nationalen Selbsthilfe zurück. Dieses in Deutschland in der Stunde höchster Not ge­prägte Wort von der Notwendigkeit nationaler Selbsthilfe bekommt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus einen europäischen Klang. Mussolini sah sich durch die schlechte wirtschaft­liche Lage seines Landes veranlaßt, feiner ge­gen Frankreich gerichteten Außenpolitik die Spitze abzubrechen und anstelle desheiligen Egoismus" die internationale Solidarität als einziges Mittel zur Abwendung der wirtschaft­lichen und sozialen Katastrophe zu verkünden. Der schwere deutsche Finanzkollaps wirkte sich gleichfalls in der offen zutage getretenen Ein­engung der deutschen außenpolitischen Kraft­entfaltung aus. Und nun zeitigt die englische Finanzkrise dieselben außenpolitischen Folgen, die sich in einer Hemmung der britischen Be­wegungsfreiheit nach außen hin auffallend be­merkbar machen.

Die geschwächte Stellung anderer europä­ischer Großmächte war am besten geeignet, Frankreich die größten Trümpfe in die Hand zu spielen. Schon als Präsident Hoover seinen Vorschlag eines Noung-Moratoriums gemacht hatte, stellte es sich bald heraus, daß ohne Zu­stimmung Frankreichs keine internationale Fi­nanzregelung mehr möglich fei. Die Bank von Frankreich, die in ihren Tresors etwa 10 Mil­liarden Mark an barem Gold beherbergt, ist heute imstande, jede ihr unangenehme Finanz­transaktion durch ihren Machteinspruch im Keime zu ersticken. Am deutlichsten offenbarte sich diese Tatsache, als die Bank von England unter dem Drucke französischer Goldabzüge sich gezwungen sah, zur Rettung der ins Wanken geratenen englischen Pfundwährung sich in Frankreich einen großen Rediskontkredit zu verschaffen. Für absehbare Zeit scheint die tra­ditionelle britische Vorherrschaft auf den Geld­märkten Europas durch Frankreich gebrochen zu sein.

Dieser Entwicklung mußte die englische La­bour-Regierung in ihrer Außenpolitik Rech­nung tragen. Die an die deutsche Adresse ge­richteten Ratschläge, mit Frankreich eine direkte Verständigung zu suchen, waren nicht zuletzt auf die außenpolitische Passivität zurückzu­führen, in die Großbritannien durch den Lauf er Ereignisse und vor allem durch eigene Schwächung und Frankreichs Erstarkung not­gedrungen hineinmanövriert wurde. Zweifel­los wird das englische Koalitionskabinett noch mehr ins Fahrwasser der französischen Politik gedrängt löerden. Somit erweist sich die große

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