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Nr. 191

Montag den 17. August 1931

° kam «hm â rettentder Gedanke. Ohne daß seine ' Fahrgäste es sehen konnten, schaltete er das Licht * 3li3 und fuhr dunkel -weiter, da er hoffte, daß eine : Schirpastreife ihn anhalten würde. An der Ecke der i Winger Straße und der Landsberger Mee traten ; !>am âh Zwei Schupobeamte dem unbeleuchteten - Wagen in den Weg und hielten ihn an. Mit we­nige Worten verständigte der Chauffeur die Poli- ; giften von dem Vorfall, und die beiden Insassen ' mußten mit aufgehobenen Händen herouskormnen. ; Sie wurden auf der Wache als zwei junge Bur-, I schm aus Essen, Probs und Dehn, festgüsbelft.

Lin neuer Fall Tetzner?

Berlin, 17. Aug. Vor einigen Tagen wurde aufs dem Dobel zwischen Herrenalb und Wildbad der ausgebrannte Wagen des Besitzers der Mercedes- genz-Niederlassung in Bingen Heinz v. Lacum mit der angeblichen Leiche des Wagenbesitzers aufge- suuden. Nachträglich waren jedoch Bedenken laut geworden, daß die Leiche die des Lacum sei. Nach einer Meldung der „Mantagspost" habe sich jetzt | herausgestellt, daß Lacum Wechselschiebungen und wahrscheinlich auch Wechselbetrug begangen und Jahrzehnte hindurch eine Anzahl Firmen hinters Licht geführt hat. Er habe sich als Akademiker ausgegeben, was ebensowenig zutreffe wie sein an» gebliches Ingenieurexamen. Für die Autopsie war । non Wichtigkeit, ob der Schädel der gefundenen [ Leiche eine aus dem Kriege stammende Silberplatte ; frug. Der Schädel war jedoch völlig zertrümmert, und es fanden sich nicht die mindesten Reste der Silberklatte vor. Lacum hätte — so schließt diè I Verlautbarung der „Montagspost" — Schulden in ; Höhe von einer Million RM gehabt, denen nur etwa 2500 RM Aktiven gegenüberstanden.

Geständnis eines FrauenmSrders

Berlin, 15. Aug. Im Dorfe Grammitz bei Kloster- ! Heide wurde, wie gemeldet, am Dienstag vormittag ' ein Frauenmord entdeckt. Nach dem Brande einer Scheune fand man in dem Gebäude die in Decken eingewickelte Leiche einer 22 Jahre alten Frau Mal­witz, die, wie die Spuren ergaben, erschlagen wor­den war. Der Täter hatte versucht, die Leiche bei s dem Brande der Scheune zu vernichten. Unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft war ein 28 Jahre alter Mann namens Schattschneider verhaftet ' worden. Schattschneider hat jetzt ein Geständnis ab­gelegt. Er hat, wie er angibt, die Frau Malwitz in einem Streit mit einer Zaunlatte erschlagen und die Leiche in die Scheune hinübergetragen. An dem Feuer will er keine Schuld haben, er behauptet, ihm müsse seine Tabakpfeife aus der Tasche gefallen sein iunb den Brand entfacht haben. Der Mörder ist dem zuständigen Gericht zugeführt worden.

Politische Schlägerei in Leipzig

Leipzig, 15. Aug. Zu einer schweren politischen SchläWrei kam es heute nachmittag an der Ecke Merseburger und Lützener Straße, wo sozraldomo- kratische Flugblattverteiler von Kommunisten ange- pöbelt und schließlich mit Messern gestochen wür­den. Der 21jährige Maurer Markus erhielt einen so schweren Lunigenstich, daß er kurz nach seiner Ein­lieferung in ein Krankenhaus starb. Ein zweiter Flugblabbverteiler, der SteiNdrucker Baumgärtel, er­hielt einen Stich in den Hals. Ferner wurde ein f lnbetâgter namens Kleemann ebenfalls durch

von Notm

den konnten

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'n ihre Wohnungen entlassen werden. Das Ueber- allkomuMuho stellte die Ruhe wieder her und nahm huch einige verdächtige Personen fest, doch konnten (sie 'Verhaftungen nicht aufrechtärhalten werben. Sie, wahren Täter sind noch unbekannt,

1 Kin Nationalsozialist bei politischen Zusammen­stößen erschossen

■ Limbach (Sachsen), 15. Aug. Nach der gestrigen WbadtverordneteNsiitzung fammân' sich auf den Utraßen der Stabt größere Menschenmengen an, Wobei es zu Schlägereien und Messerstechereien »zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten kam. Hierbei wurden vier Personen schwerverletzt. Gegen 1 Uhr nachts wurde auf der Hohenstsiuer Straße ein in seine Wohnung zurückkehrender Nationalsozialist von bisher unbekannten Personen engeschossen. Der Schwerverletzte ist kurz nach keiner Einlieferung in das Stadtkrankenhaus ver­storben. Die Täter find geflüchtet.

14 Landfriedensbrecher verurteilt

Stralsund, 15. Aug. Nach dreitägiger Verhand­lung wurde gestern abend in dem Prozeß gegen 15 Kommunisten und Sozialdemokraten aus Barth Las Urteil gefällt, das gegen sechs Angeklagte auf je brei Monate, gegen weitere sechs auf je sechs Mo- uote und gegen zwei Angeklagte auf je sieben Mo­nate Gefängnis wegen einfachen und schweren Land- medensbruches in Verbindung mit Aufruhr und Ergehen gegen das Waffengesetz lautete. Ein Ange­klagter wurde wegen Mangels an Beweisen freige- 'prochèn. Der Verhandlung lagen die Vorgänge am

April in Barth zugrunde, wo bei einem Propa- p-andamarsch des Stahlhelms mehrere Personen von Kommunisten und Sozialdemokraten verletzt wur­

Eisenbahnunfall im Rheinland

Willlich, 16. Aug. Der den hiesigen Bahnhof ™ 21.55 Uhr verlassende Personenzug fuhr gestern auf einen leeren Wagenpark, der sich aus hn unbekannter Ursache von dem Nebengleis auf «Z ^uuptgleis verschoben hatte. Zwei Wagen des ^Lchparks und die Lokomotive des Personenzuges ..‘Skiffen. Personen wurden nicht verletzt, doch Sachschaden bedeutend. Das Gleis der Wittlich-Mengerohr war bis Sonntag früh Die Abendzüge in Richtung Trier-Bern- durch den Unfall erhebliche Vèrfpä-

®’e wichen der im vorigen Jahr abgestürzten Brüder Hoffmann ausgesunden

der Abdruck, 15. Aug. Eine Rettungsexpedition ^atr^ - ^Erie hat ine Leichen der seit vorigem Versio einer Tour von der Berliner Hütte aus

^n Brüder Hans und Walter Hoffmann, auf hL des Generaldirektors Hoffmann in Kassel, Am » Dchsenerkees in der Gunkel aufgefunden, alt«» August v. I. waren sie mit dem 29 Jahre unter Prokuristen Theodor Holzbauer aus Granz bei stiâ^^g des Bergführers Alexander Pendl Wetter aufgebrochen, um über die kibmsi-;^"^ und durch die Gunkel nach Ginzling thaten «»P'r ^e Nachforschungen nach ihnen Prokurist ° ^os geblieben, lediglich die Leiche des Leitern ^ ^okâbauer konnte gefunden werden.

* ^ Lbend ^tieß nun die seit 14 Tagen suchende

Die Kinder von DreivamsreU besEen den Reichs"

Für ein paar kurze Urlaubswochen ist der Reichspräsident setzt auf dem bayrischen Gut Dietrams­zell eingetroffen. Die Kinder des Ortes begrüßen den Reichspräsidenten, dem sie seit Jahren eine große Liebe entgegenbringen, auf herzlichste

Aäubevhauptmattn â9M vor Gericht

Dreißig Stunden im Kohlen schacht belagert

Olmütz, 16. Aug. Vor dem Olmützer Divifions-hierbei sehr lückenhaft, weil man die Raubgenossen ......> Kolenkos noch nicht hat und ganz auf seine An-

gericht hatte sich Nikolaus Kolenko, der berüchtigte

Rä'Uberhauiptmann Oberschlesiens und des angren­zenden Ostrauer Kohlenreviers, wegen einer Unzahl von Verbrechen zu verantworten.

Kolenko, der heute erst 24 Jahre zählt, war vor zwei Jahren aus der tschechischen Armee nach Deutschland desertiert. Als er wieder in die Heimat zurückkehrte, wurde er verhaftet und neuerlich im die Uniform gesteckt. Aber lange hielt Kolenko den Zwang nicht aus. Zunächst beging er einen Mord­versuch an einem Vorgesetzten, verschwand augen­blicklich aus der Kaserne, ehe man seiner noch hab- haft werden konnte. Dies geschah in Praa. und von dort fuhr er auf kürzestem Wege noch preußisch Schlesien. Hier

gründete er eine Räuberbande, deren unbestrittener Führer er war. Aus seinem 'Hauptquartier unternahm er Räuberfahrten nach Hultschin, Teschen und in das Ostrauer Gebiet, und brandschatzte die ganze Gegend. Ein ganzes Re­giment von Gendarmen machte Jagd auf ihn, aber immer schuf er sich mit dem Browning freie Bahn und hielt seine Derfotgec mit wohlgszielten Revol- verschüssen^ in Schach. Aus diesem Schießereien re­sultieren eine ganze Reihe von Anklagepuntten. Ein einziges Mal schien es, als ob Kolenko unschädlich gemacht sei. Es gelang einem Gendarm, so nahe an ihn heran zu kommen, daß er ihm

einen schweren Säbelhieb auf den Schädel versetzen konnte. Aber selbst mit dieser furchtbaren Wunde gelang es ihm noch, zu flüchten.

Nicht nur dm tschechischen, auch dm deutschm Behörden machte, Kolmko viel zu schaffen. Eine Un, menge von Raubüberfällen auf offener Straße werden ihm zur Last gelegt, doch ist das Material

«um

Mannschaft auf die Leichen des 23jähr!gen Hoch­schülers Hans Hoffmann und seines 19 Jahre alten Bruders Walter. Es ist zweifellos, daß die beiden, die noch mit dem Seil verbunden waren, nicht ab» gestürzt sind, sondern infolge von Ermattung und Kälte bei dem stürmischen Wetter des Tages er­froren waren. Die Leiche des Bergführers konnte noch nicht gefunden werdm.

Der Flug v. Gronaus

fiopenffogen, 16. Aug. Das Marineministeriuni teilt mit: Einem Telegramm des Jnspektionsschiffs „Hvidbjörnen" zufolge ist v. Gronau um 0.15 Uhr Greenwicher Zeit bei Sukkertoppm gelandet. „Hvidbjörnen" ist mit Brennstoff für v. Gronau nach Sukkertoppen ab gegangen.

Kopenhagen, 15. Aug. Nach einer Mitteilung der grönländischen Kolonialverwaltung ist von Gronau heute 14.11 Uhr Greenwicher Zeit von Scoresbysund nach Godthaab gestartet. Der Flug ging quer über das Inlandeis. Das Wetter ist vorzüglich.

Die Ursache des Hauseinsturzes in Lyon Versicherungsbetrug

Paris, 16. Aug. In der Angelegenheit der Lyoner Explosion, die zehn Personen das Leben gekostet hat, ist heute nachmittag von der Mutter der, wie bereits gemeldet, bei der Explosion gleich­falls ums Leben gekommenen Besitzerin des ein- gestürzten Haufes ein Geständnis abgelegt worden. Danach hat ihre Tochter die»Absicht gehabt, ihr Haus in Brand zu stecken, angeblich weil die Mieter nicht zahllen, tatsächlich aber um die Ver­sicherungssumme zu erhalten. Nach einem gemein­samen Spaziergang sei die Tochter ins Haus ge­gangen; kurz darauf erfolgte die Explosion. Die polizeilichen Ermittlungen haben ergeben, daß an dem betreffenden Abend ein Nachbar die Besitzerin des Haufes mit einem umfangreichen Paket ge­sehen hat. Durch die ärztliche Untersuchung der Leichen wurde festgestellt, daß die Hausbesitzerin unmittelbar durch den Explosionskörper, die übri­

gaben angewiesen âst, in denen er die ganze Schuld auf sich allein nimmt.

In seiner freien Zeit war Kolenko ein leiden­schaftlicher Jäger. In den reichsdeutschen Wäldern und auf der Herrschaft RvthschiK» hat Kolenko mehr als tausend Fasanen abgeschossen sowie zahlreiches Hochwild. Erst eine förmliche

Belagerung mit Gasangriff führte zur Festnahme Kolenkos.

Im Dezember vorigen Jahres gelang es der tschechischen Gendarmerie, Kolenko in einem auf-

zusiSbern. Ein großes Aufgebot von lSendarmen umstellte den Eingang, und man forderte nun Ko­lenko auf, sich zu ergeben. Als dies ergebnislos blieb, drang eine Abteilung, die sich mit Stahl­schildern geschützt hatten, in den Schacht efin, um Kolenko zu eniwaiffen. Doch der Versuch scheitert«. Kolenko entwickelte

ein wahres Trommelfeuer gegen seine Angreifer die sich zurückzi«hen mußten. Nun versuchte man, den Verbrecher mit Hilfe von Ammoniakdämpfen auszuräuchern. Ganze dreißig Stunden hielt Ko­lenko dieser Belagerung stand, bis er sich schließlich ergeben mußte. Unter bes^onders starker Gendar- mebi'ebewachung wurde er dem Divisionsgericht Ol- mütz eingeftesert.

Der Militärprokuratvr beantragte die Todes­strafe. Das Gericht erkannt« den Angeklagten zweier Mordversuche, des Verbrechens des Dieb- ftaUs, der Insubordination und des Verbrechens der Defertation schuldig. Er wurde zu acht Jahren schweren Kerkers verurtâ Der Angeklagte nM Berufung einlegen.

gen Personen aber durch den Einsturz des Hauses getötet worden sind.

Ein Eisenbahnatieniai in Irland

London, 15. Aug. Banden bewaffneter Männer hielten einen Güterzug bei- R-ichhill in der irischen Grafschaft Armagh an, nachdem sie zuvor einen Teil der Gleis« abgebissen hatten. Dann zwangen sie LokvmMvführer und Heizer unter Drohungen, die Lokomotive des Zuges abzukoppvln und in die Gleiskücke zu fahren,, wo sie ums turnte und den Eis enbahndamm versperrte. Man nimmt an, daß dieses Attentat mit den letzten Vorgängen in Coote- Ml in Jnsammenhang steht.

Lindbergh auf der Insel Saraginskoi bei Kamkschalka

Seattle, 15. Aug. Lindbergh ist mit seiner Frau auf der Insel Karaginskoi bei Kamtschatka mit sei­nem Flugzeug gelandet.

Die Aeberschwemmungen in China

Ivashinglon, 16. Aug. Rach Mitteilungen des amerikanischen Gesandten in Peking an das Staatsdepartement sollen 31 Millionen Menschen durch die Aeberschwemmungen im Pangtsetal schwer gelitten haben. Man schätzt die Opfer auf 15 Mil­lionen, die ihre Häuser verlassen mußten. Rach den Schätzungen des amerikanischen Konsulats in hankau sind mehrere tausend Menschen ertrunken. Der Schaden an der Banumwollernte dürfte 150 Millionen RM betragen.

Pangborn und Herndon verurteilt

Tokio, 15. Aug. Di« beiden amerikmüschoir Flie­ger Pangborn und Herndon, die wegen Ueber» fliegens japanischen Festungsgebietes verhaftet worden waren, sind heute zu einer Geldstrafe von je 2000 Yen verurteilt worden-.

Hochwasser im Süden Mexikos

Mexiko (Stadt), 16. Aug. In Südmexiko rich­teten heftige Regengüsse großen Schaden an. In

etner Ortschofft starben 200 Kinder an Ruhr. Das Wasser stieg so plötzlich, daß die Bewohner davon im Schlafe überrascht wurden. Die Zahl der dabei Verunglückten ist bisher nicht bekannt.

Bootlegsev im «Uberkvan,

Der Staatsanwalt macht Ernst — Jack Diamond verurteilt

Machen die berufenen Hüter der Ordnung in den Bereinigten Staaten nun wirklich Ernst? Jack Diamond, merundzwanzigmol freigesprochen, wurde in der Jubiläumsoerhandlung soeben zu 4 Jahren Gefängnis und Geldstrafe verurteilt. Der Steuer- fiskus hat schon vor einiger Zeit erklärt, daß er der Unterwelt zu Leibe gehen werde; will sich der Staatsanwalt anschließen?

In Europa liest man schon über die tägliche Skandalgeschichte aus Newyork hinweg — altbe­kannte Dinge das, über die niemand mehr «in Wort verliert. Dennoch bestehen ganz falsche Vorstellungen von der Sphäre amerikanischen Lebens. die man „Unterwelt" nennt. Diese Unterwelt ist nichts Einheitliches; ihre Bewohner bestehen aus drei ganz scharf zu unterscheidenden Kategorien: den Boot­leggers, den Gangsters und den Racketeers. Der Bootlegger ist ein Mann, der die vom Gesetz ver­botenen Spirituosen einführt, herstellt oder verkauft ein Gangster, der richtige Straßenräuber und Ban­dit, lebt von seinem Revolver, und Racketeer be­treibt ausschließlich das Erpresserhandwerk. Diese drei Derbrechertypen haben nur das eine geemein- sam: ungeheure Einkünfte, unbegrenzte Gewinn­möglichkeiten. Jack Diamond ist Großbootlegger, sein Rivale Al Capone beherrscht das Braugewerbe von Chicago und wird heute auf seine 10 Millionen Dollar, geschätzt. Er leitet ein Konsortum, ^dessen Geschäftsgebiet ein Viertel der Vereinigten Staaten umfaßt, und das in den letzten vier Jahren nahe­zu 20 Millionen Liter Alkohol verkauft hat. Hier­zu ist ein weitverzweigter Betrieb notwendig, zu dem Arbeiter, Verkäufer, Wächter, natürlich auch bestochene Richter und Polizisten gehören. Man rechnet, daß ein Faß Bier Al Capone durchschnitt­lich zwei Dollars kostet; er verkauft es an die Aus- schankstellem für 55 Dollars. Von dem Gewinn, der 53 Dollars beträgt, werden 20 an die Polizei, 10 an die Angestellten der Betriebe verteilt, sodaß der beträchtliche Rest, 23 Dollars, Al Copones Reinge­winn darstellt. Er bezieht ferner Einkünfte aus verbotenen Ausschankstellen, Freudenhäusern und an- deren Unternehmungen, die sich die Vergnügungen, die sie ihren Gästen bieten, teuer bezahlen lasten. Das Spiel, der Aalkohol und die Prostitution wer­den so die Quellen ungeheuren Reichstums.

Zwischen den Bootleggers bestehen scharfe Spannungen; sie sind eifersichtig darauf bedacht, daß die Konkurrenz nicht in ihr Interessengebiet eingreift. Eine Stadt ist in mehrere Sektoren rin- geteilt. deren jeder einem besonderen Unternehmer vorbehalten ist. Wehe dem, der es sich einfallen ließe, dem anderen ins Gehege zu kommen! Er ist ein toter Mann, wenn er dem andern nicht zuvor- kommt. Ein bekannter Boollegger, der große Ted, sagte eines Tages zu feinen Freunden in Brooklyn: â- GeiE« aedLU hier.uÄteciL. ich werde Mch Chicago übersiedeln. Ich will den Jungens einmal zeigen, wie ein Newyorker den Laden schmeißt." — „Nichts wirst Du ihnen zegen", sagten feine Freunde besorgt, „man wird Dich hochgehen lassen." —- „Meint Ihr?", erwiderte Ted und setzte sich auf den nächsten Zug. Am Abend feiner Ankunft be­gab er sich nach Cicero, in das Vergnügungsviertel Chicagos, wo er eine alte Bekanntschaft, die In­haberin einer verbotenen Bar, aufsuchen wollte. Di« Hände in den Hosentaschen, eine mächtige Havanna im Mund, betrat er harmlos, wie ein beliebiger Gast, das Lokal und begrüßte seine Freundin. In diesem Augenblick spielte das Orchester einen Wal­zer. „Ein Walzer!", sagte der Bootlegger träume­risch", für einen schönen Walzer gebe ich mein Le­ben! Komm, laß uns tanzen!" Er hatte nur zu wahr gesprochen, denn er war kaum mit seiner Partnein bis in die Mitte der Tanzfläche angelangt, als er zwei Kugeln im Rücken hatte. Kein Mensch regte sich weiter darüber auf und der Tote wurde unauffällig hmMlsgeschafft. Die Vergnügungslokale dieser Art haben überhaupt manchmal einen heißen Boden. Vor einiger Zeit geschah in einer Chica­goer Bar, die Al Capone gehörte, folgendes: Die Gäste waren gerade beim Tanzen, als drei Ban- biten aus der Kategorie der Gangsters am Ein- gang auftauchten und mit vorgehaltenem Revolver die Anwesenden zwangen, die Hände hochzuheben. Alle gehorchten. Ein Börsianer, der schon stark an­geheitert war, fand die Situation äußerst komisch und lachte. „Sind Sie bald fertig mit Lachen?", sagte der eine Gangster, und als der Mann im Smoking keine Neigung zeigte, seiner Heiterkeit Zügel anzulegen, schoß der Bandit und tötete den Unglücklichen auf der Stelle. „Damit Sie sehen, daß mir nicht mit uns spassen lassen!", sagte er zu den entfetten Gästen, und nun aber heraus mit der Kasse!" In diesem Augenblick erschien in der Tür­öffnung ein neuer Gast, der sofort die Situation überschaute und schleunigst verschwand, um di« Poli, zei zu alarmieren. Die Banditen gerieten darüber in solch« Wut, daß sie das Licht auslöschten und ihre Revolver in das Lokal abfeuerten, wobei sie­ben Personen tot am Platz« blieben.

Die Racketeers arbeiten besonders in den gro« ßen Städten. Ihre Organisationen terrorisieren di« Geschäftswelt, vor allem bie deinen Gewerbe­treibenden. Dies« Opfer müssen beträchtliche Prä­mien zahlen, um vor empfindlichem Schaden be» wahrt zu bleiben. Die Besitzer von Wäschereien und Färbereien machen z. B. eines Morgens die Ent­deckung, daß die ihnen anvertraute Ware mit Vi­triol übergossen und ruiniert ist; die Orchester- musiker finben ihr« Instrumente zerschlagen. Es gibt nur eines für sie: zahlen! Ein Gang zur Poli­zei kostet in sehr vielen Fällen das Lebm. All das geschieht in den großen Städten, besonders in den Bronxoierteln Newyorks und im Chicagoer Stadt­teil Cicero. Eines Tages hatten es die Wäschereien von Brooklyn satt, an die Erpresser weiter zu zah­len, sie taten sich zusammen und wählten die Fmu eines für seine Aktivität und Energie bekannten Richters zur Leiterin des Aktionsausschusses mit un- beschränkter Vollmacht. Am nächsten Tage erklärten sie in den Zeitungen, sie wollten den Racketeers nicht mehr tributpflichtig sein. Acht Tage später teilten dieselben Zeitungen mit, daß die betreffende Dame demissioniert, der Aktionsausschuß sich aufge- löst habe, „wegen Meinungsverschiedenheiten", wie es schämig hieß. Vor einigen Wochen^war eine Ab»