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Samstag den 15. August 1931

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Landkreis Kanan

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Niederrodenbach, 14. Aug. Das diesjährige Be- zirksÄugen-dturnen des 3. Bezirks im Kinziggau ! war der hiesigen Turngesellschaft übertragen. Es mhm unter recht guter Beteiligung und bei gün« rjiger Witterung am vergangenen Sonntag einen Ratten Verlauf. 185 jugendliche Turnerinnen und -Turner bewarben sich im friedlichen Wettkampf um den schlichten Eichenkranz. Die Organisation war gut, besonders verdient machte sich der Be- Msturmvart Steinhauer-Niederrodenbach. Sei- ims der Einwohnerschaft Niederrodenbach wurde den Turnem ein herzlicher Empfang bereitet. Die Freiübungen am Nachmittag waren in ihrer Aus­führung vortrefflich, ebenso das Schauturnen des gastgebenden Vereins. Nachstehend die ersten 3 Sie­ger der einzelnen Abteilungen: Mädchen- Iberstufe: 1. Marie Raab 126 Punkte, 2. Eli- abeth Haupt 120, 3. Marie Breideband 110, alle Igf. Niederrodenbach. Knaben-Ober stufe: l. Karl Fischer, Tgs. Somborn, 155 Punkte, 2. Mois Streb, Tgs. Somborn, 153. 3. Philipp Loos, Tu. Hüttengssäß, 147. MädchenMittel- lufe: 1. Anna Reußwig, TV. Jahn Gondsroth, 113 Punkte, 2. Minna Wagner, TV. Jahn Gonds- I rath, 112, 2. Marie Haupt, Tgs. Niederrodenbach, 112, 3. Lotte Weingärtner TV. Jahn Gondsroth, 107. Knaben-Mitt el stufe: 1. Heinrich I Reußwig, TV. Jahn Gondsroth, 123 Punkte, 2 I Heinrich Pfeffer, Tgs. Somborn, 120, 2. Rudol I Reuß, Tgs. Somborn, 120, 3. Alfred Hähnel, TV I Hahn Gondsroth 119. Mädchen-Unter- I stufe: 1. Mariechen Lehr 119 Punkte, 2. Gretchen Nabel 118, 3. Anna Kühn 117, alle Tgs. Nieder­rodenbach. K n ab e n - U n te r stu fe ; 1. Jean I Otto, TV. Hüttengesäß, 121 Punkte, 2. Johs, Haber- I mann/ TV. Hüttengesäß, 118, 3. Karl Reuther, DV. I Jahn Gondsroth 116.

Turner bewarben sich im fri um den schlichten Eichenkranz.

KeimSehr aus der «Sommerfrische

Familie Schulze hat diesmal ihre Zelt in der Sommerfrische mit freudigen Gefühlen abgebrochen. Das schlechte Wetter, die harten Betten, die teuren Preise haben den Abschied von den Bergen leicht ge­macht, viel leichter als sonst. Vater Schulze, der die Berge am liebsten von unten sieht, freut sich, daß

Hanau, nachdem sie vorher in München nochmals Station gemacht haben. Um diese Kunststadt richtig kennen zu lernen, hatten sie sich auf den Besuch des Hofbräuhauses beschränkt, alles andere sei ja doch Schnick Schnack, meinte Vater Schulze und die Seele Münchens könne man nur im Hofbräuhaus

schäft auf der Zeil, und zwar aus dem Oberlicht der Tür, ein Mann heroussprang. Der an der Hauptwache stehende Polizeibeamte wurde sofort herbeigerufen, und am Hamdelshof gelang es, den Mann, einen 19 Jahre alten Arbeiter, sestzuneh- men. Er hatte vollkommen zerschnittene und blu­tige Hände. Diese Verletzungen hat er sich mit größter Wahrscheinlichkeit bei dem Einschlagen der Scheibe zugezogen. Der Arbeiter setzte seiner Si­stierung den größten Widerstand entgegen. Es ge­lang ihm, sich wieder zu befreien. Erst durch H'im- zukommen von weiteren zwei Polizeibeamten konnte er wieder ergriffe» roerfoen.

Ein Anschlag auf die Frankfurter Straßenbahn Stromzusuhr der Oberleitung zerstört. — Buben­streich oder lleberfall?

: Am Donnerstag abend mußte der um 23 Uhr von Frankfurt nach Homburg abgehende Straßen­bahnzug der Linie 25 in Nieder-Eschbach halten, während gleichzeitig der 23.10 Uhr in Homburg ab- gehende Wagen in Gonzenheim liegen blieb. Der Strom der Tausendvoltleitung hatte plötzlich ver­sagt, ohne daß sich jemand die Ursache erklären konnte. Auch ein Absuchen der Strecke nach einem etwaigen Kabelbrand blieb erfolglos. Endlich ent­deckte man nach etwa zweistündigem Suchen, daß auf der Strecke zwischen Obereschbach und Nieder­eschbach die Stromzuführung der Oberleitung zer­stört und die Schaltstange etwa 20 Meter weit ent­fernt ins Feld geworfen worden war. Nachdem nun die Ursache festgestellt worden war, gelang es innerhalb kurzer Zeit die Stromzufuhr wieder her­zustellen. Die Fahrgäste konnten erst mit erheb­licher Verspätung gegen drei Uhr an ihr Ziel gelangen.

Nach Ansicht der zuständigen Stellen muß die Ausschaltung des Stromes unbedingt von sach­kundiger Hand borgenommen worden sein, da sich ein Unkundiger kaum an die gefährliche Stark­stromleitung herangewagt hätte. Ein Racheakt, etwa eines entlassenen Angestellten, scheint nach der ganzen Sachlage als ausgeschloffen, umso mehr, als in der letzten Zeit keine '(Entlassungen vorgenom­men wurden. Es bleibt also die Frage, ob es sich um einen Bubenstreich handelt oder ob etwa eine Beraubung der Fahrgäste beabsichtigt war, die nur deswegen unterlassen wurde, weil die Wagen stark besetzt waren, so daß ein Ueberfall zu gewagt er«

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Langenselbold, 15. Aug. Todesfall. Im Alter I «n 68 Jahren verstarb gestern abend Herr Sani- lâtsrat Dr. I. Clauß, der ein kleines Menschen- ■ alter hindurch die ärztliche Praxis am hiesigen I Orte ausübte und bei der gesamten Bevölkerung ungemein beliebt war.

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Langenselbold, 14. Aug. Kirchweihe. Das diesjährige Kirchweihfest findet am Sonntag, 16., Mittwoch 19. und Sonntag 23. August statt und dürfte auch in diesem Jahre mit einem starken Be­such von auswärts zu rechnen sein.

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Ans Steinheim und «mgeduns

ereignete sich auf der Landstraße Kl.-Krotzenburg— Hainstadt, ein schwerer Autounfall. Ein Rechts­anwalt aus Dortmund mit Familie, welcher zur Kur in Höchst i. O. weilte und heute nach Hause fahren wollte, rannte infolge Versagens der Bremse an einen Baum. Der Fahrer trug eine lassende Wunde am Kopfe, seine Ehefrau eine olche an der Brust davon. Die beiden Verletztem

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Id. Slein-Steinheim, 13. Aug. In der letzten meinÄeratssitzunq gab der Bürgermeister zunächst e kreisamtliche Verfügung bekannt, wonach die iersteuer durch die Notverordnung um 50 Proz. r das Jahr 1931 erhöht ist. Eine Entscheidung der die Bürgerstouer wird ebenfalls auf diesem »ege erfolgen. — Die Erhebung eines Gemeinde- Uschlogs auf die Besteuerung der größeren durch­ziehenden Wanderlager wurde beschlossen, um die einheimischen Geschäftstreibenden zu schützen. — Das Baugesuch des Grinst Köhler, Hanau, auf seinem Grundstück an der Offenbacher Landstraße, das außerhalb des Ortsbauplanes liegt, eine Er- frifchungshalle mit alkoholfreien Getränken zu er­richten, wurde vorerst zurückgestellt. — Steuerliche Begünstigung für die Bauenden wurde vorgeschla- gm, die Steuerbegünstigung wie der Staat auch ernerhin beizubehalten. — Der Voranschlag der Gemeinde für 1931 wurde vom Kreisamt zurück- gegeben mit den Bemerkungen, daß an den meisten Rubriken Abstriche gemacht werden müssen, die Durchberatung wurde bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt. — Dem Baugesuch des H. Knieriem, ™ Grundstück an der Uferstraße, bis zur Gr« Ai'wng der Straße provisorisch einzufriedigen, wurde stattgegeben. — Hierauf wurde in nichtöffent- , cher Sitzung die Erledigung der Umterstützungsge- lUche vorgenâmmen.

für den Rest des Jahres mit Kletterpartien ein- gedeckt ist. Ueber den Schneckenberg in WUHelms- bad wird fein Fuß für die nächsten Monate nicht kommen, na und das ist ja erträglich. Er phanta­siert schon 8 Tage vor Urlaubsende von nichts an­derem als von der Annchmlichkeit des eigenen Heims, wo man feine Begeumlichkeit hat, feinen Radio — 4-Röhrenapparat — an- und abstellen kann, wie man will und nicht dieses Kratzding an­hören muß, das der Wirt in einem Anfall von Größenwahn Radio zu nennen wagt. Zuhause kann

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man wenigstens die Symphoniekonzerte abstellen, aber hier muß man einfach alles über sich ergehen lassen. Nur die schöne Tanzmusik um 11 Uhr darf man richt hören, da das die Nachtruhe der Mitpensionäre tören könnte. Schauderhaft wie empfindlich die Menschen sind, denkt Papa Schulze. Auch Mama Schulze freut sich wieder auf ihren gemütlichen Haushalt. Sie vermißt Mäxchen, das ist der Papa­gei, der so schön die Schimpfworte nachspricht und noch immer den Schlager: „Ich küsse ihre Hand, Madanr" pfeift und dabei den Tauberschnörkel nicht vergißt, nur fällt ein Kutz mit feinem fchaxMi Schnabel meist recht blutig aus, aber Frau Schulze liebt ihr Mäxlein doch und nur das hat ihr Ruhe gegeben, daß Müllers von nebenan versprochen laben, täglich nach dem Tierchen zu sehen. Auch onft freut sich die ganze Familie auf die Heimkehr, auf die Post, die man sich diesmal nicht nachschicken ließ, denn man wollte mal „von bem ganzen Schwindel nichts hören und sehen". Ausspannen wollte man; deshalb hatte er sich auch die Zeitung nicht nachschicken lassen, aber nun schimpft Schulze, denn er vermißt seinen Hanz (H. Anz.) jeden Tag.

Na die Urlaubszeit, auf die man sich ein ganzes Jahr gefreut hatte und die so gründlich verregnet wurde, ist ja nun glücklich überstanden .... und rohens Sinnes fahren Schulzens im v-Zug gen

kennen lernen und alle Schulzens lernten sehr aus« giebig Seele kennen.

Die Heimkehr gestaltete sich dramatisch. Auf ein paar Mahnbriefe war man ja gespannt, aber was man im Briefkasten vorfand, überstieg alle Gren­zen. Mahnungen, Rechnungen, Mahnungen und wieder Rechnungen und die Verzugszinsen. Die ganze Bräune der Höhensonne, Original Bayerische Alpen, wich aus dem Gesicht des Herrn Schulze. Grün wurde er, grün wie der Laubfrosch, der sich über die Ferienzeit hinweg gehungert hatte. Aber o weh, was war mit Mäxchen. Ein Schrei des 'Enffetzens gellte durch die Wohnung. Schulze glaubte, feine Frau wäre verunglückt und er vergaß für 5 Minuten sogar seine Schulden. Als er in den Salon trat, fand er aber auch ein grausiges Bild Seine Frau war zusammengebrochen vor dem Käfig, in dem Mäxchen lag, verhungert und verdurstet. Lange hatte er es ausgehalten, aber als er zum taufend und einsten Mal den Schlager „Ich küffe ihre Hand, Madam" herausgeflötet und niemand gekommen war, ihm die Hand zu reichen, hatte er aui ewm leinen Schnabel geschlossen. Schuld waren nattirlich Müllers, die nicht nach dem Vieh "geguckt hatten. Aber das konnten sie auch garnicht, denn Müllers waren selbst verreist. Den Grund hatten sie nicht angegeben.

Vor der Korridortür aber stand eine Batterie Milchflaschen. Alles sauer. Zuerst hatte man sie garnicht beachtet, aber endlich ging allen ein Licht auf, man hatte vergessen, den Milchmann abzu­bestellen. Auch das noch. Es gab einen Riesen­krach bei Schulzes und das Familienoberhaupt ist jetzt der Ansicht, daß es in der Sommerfrische doch schöner war. Schulzes aber essen seit einigen Ta­gen nur saure Milch zum Abendbrot. Für die näch­sten 8 Tage habe ich meine Besuche bei meinem Freund Schulze eingestellt. Rü.

(Zeichnungen von A. Basttan.)

schien, folge durch

Die Untersuchung ist noch im Gange. In­des starken Regens konnten leider Spuren Polizeihunde nicht ausgenommen werden.

Traurige Familienverhältniffe

: Wegen Blutschande und Sittlichkeitsoer- brechens an Minderjährigen verurteilte das Große Schöffengericht den Arbeiter Fritz Deininger zu anderthalb Jahren Gefängnis. Nach Verbüßung von sechs Monaten soll D. für den Rest bedingt begnadigt werden. Der Angeklagte hatte zwei Stieftöchter, von denen die eine noch nicht drei­zehn Jahre alt war, als er sie mißbrauchte. Die andere Tochter, an der er sich ebenfalls eines Ver­brechens nach § 173 Abs. 2 schuldig »rächte, war älter. Dem 2sngeflagten wurden mildernde Um­stände gewährt und zwar mit Rücksicht auf das Milieu, "in der die Familie lebte und im Hinblick darauf, daß die Mutter nicht in genügender Weise für ihre Kinder sorgte u. sich zu harmlos gegenüber den Gelüsten des Vaters verhielt. Verwerflich war, daß der Vater zunächst alle Schuld auf eines der Kin­der schob, und daß dieses Mädchen dann in Für­sorgeerziehung zu Unrecht kam. Nachdem sich der Sachverhalt ergeben hatte, wurde das Mädchen

wieder Diesen folgten

aus der Fürsorge herausgenommen. Fall rechnete das Gericht dem Angeschul- besonders schwer an.

Mreks Gelnhausen

Falschmünzer verhaftet

)( Gelnhausen, 14. Aug. In Udenhain bei Wäch­tersbach hatte ein aus Sotzbach (Vogelsberg) stam- uender Arbeiter mit primitiven Werkzeugen ver- ucht, Drei- und Fünfmarkstücke herzustellen. Die Zendarmerie hatte jedoch frühzeitig Kenntnis von der Tätigkeit des Falschmünzers bekommen und nahm eine überraschende Durchsuchung seiner Werk-

statte vor, wobei einige fertige und halbfertige, schlecht gearbeitete Geldstücke beschlagnahmt wurden. Ler Falschmünzer wurde in das Landgerichts­gefängnis in Hanau eingeliefert.

Aus Frankfurt a. M

Die blutigen Hände des Einbrechers

: In der letzten Nacht gegen 2 Uhr, bemerkten vorübergehende Personen, daß aus einem Schuhge-

Raubüberfall in Frankfurt

: Ein auswärttger Kaufnrann hatte in einer Wirtschaft in der Innenstadt zwei Männer kennen- gelernt, die ihm bei ihnen Quartier angeboten hatten. Auf dem Wege nach Niederrad, wo die Männer angebllich wohnen sollten, in der Forst- Hausstraße, wurde der Kaufmann plötzlich von den Männern angegriffen, niedergeschlagen und seiner Uhr mit Kette beraubt. Beim Nahen eines Autos flüchteten die beiden Täter.

Zechkumpanen als Diebe

: In einem Frankfurter Weinlokal hatte vor einiger Zeit auf Kosten eines älteren Witwers eine Kneiperei stattgefunden, bei der ein großes Quan­tum Wein verzehrt wurde. 2ös die Zechgesellschaft fast völlig betrunken war, ließ der Witwer seine Brieftasche fallen, die etwa 1200 Mark in bar ent­hielt, so daß die Scheine im Lokal Herumflatterteri. Nach der Ernüchterung fand der Witwer nur noch 250 Mark in seiner Tasche; weitere 420 Mart brachte ihm später die Polizei zurück, nachdem er

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