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Nr. 188

Donnerstag den 13. August 1931

Seite 3

Stadt Aa«au

Schuljugend und Rundfunk

In der N. Leipz. Zeitung teilte Dr. Rob. Stein die Ergebnisse einer vom Deutschen Institut für Zei­tungskunde in Berlin veranstalteten Umfrage mit, die sich auf die Stellung der Jugendlichen zum Rund­funk bezog. Von 1854 befragten höheren Schülern im Alter von 12 bis 18 Jahren hören nach eigener Angabe nur 294 (also knapp der sechste Teil) keiner­lei Rundfunk. Von den am Rundfunk interessierten Hörern sind 665 gelegentliche und 895 regelmäßige Hörer. Bei den gleichaltrigen Schülerinnen höherer Lehranstalten sind die Zahlen entsprechend, hörten doch von 934 Befragten 151 überhaupt keinen Rund­funk, 381 gelegentlich und 402 regelmäßig. Bei den 1214jährigen Volksschülern und -schülerinnen, des­gleichen bei den 1218jährigen höheren Schülern iind Schülerinnen der Provinz Brandenburg sowie bei den 1518jährigen männlichen und weiblichen Berufsschülern ist die Hörerschaft etwas geringer, er­gibt sich doch hier im ganzen folgender Durchschnitt: Von den 4799 Befragten hörten 1060 nach ihrer An­gabe keinen Rundfunk. Unter den übrigen Schülern befanden sich 2063 regelmäßige Hörer, während die übrigen als gelegentliche Hörer gebucht werden konnten. Von besonderem Interesse waren auch die Angaben über die von den Hörern bevorzugten Stoffgebiete. Im Vordergrund stand bei der Mehr­zahl ganz gleich, ob sie höhere, Berufs- oder Volks- fchüler waren, ob sie in Berlin oder draußen in der Provinz wohnten, die Unterhaltungsmusik. Danach kam die ernste Musik, während Vorträge weniger beliebt sind. Den Vorträgen stehen die Tagesnach­richten in der Bewertung durch die Jugendlichen etwa gleich.

SerrvksttettkavtettdevRerchsbah«

Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, wird die Deutsche Reichsbahn in Kürze die von verschie­denen Kreisen geforderte Bezirksnetzkarte einführen. Die grundsätzliche Bereitwilligkeit, diese Neuerung vorzunehmen, ist vorhanden und es ist nur noch eine Frage der technischen Durchführung, ob die neuen Bezirksnetzkarten bereits am 1. November ausge­geben werden können. Es handelt sich zur Zeit vor allem um die Abgrenzung der in Frage kommenden Bezirke, da die bisherigen Grenzen der Reichsbahn­direktion den Bedürfnissen der neuen Bezirksnetz­karten in den meisten Fällen nicht entsprechen. Die wirtschaftliche Zusammengehörigkeit der in Frage kommenden Gebiete usw. muß erst gründlich unter­sucht werden, ehe man den Geltungsbereich der neuen Karten festlegen kann. Für solche Personen, die häu­figer reisen, erhofft die Reichsbahn auf diese Weise Erleichterungen. Allerdings hat sie sich nicht entschlie­ßen können, dem Beispiel der Schweiz und der Nie­derlande zu folgen und Generalabonnements für den ganzen Bereich der Reichsbahn einzuführen. Es sollen 15 Netze geschaffen werden, die sich teilweise überschneiden. Der Preis für die 3. Klasse wird 100 Mk., für die 2. Klasse 140 Mk. und in Ostpreußen sogar nur 75 bzw. 100 Mk. betragen. Neben diesen Netzkarten sind noch besondere Bezirkskarten vorge- schen, bei denen für 600 Kilometer Höchstentfernung in der 3..We 4U Mk. bezahlt werden mutz.

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Erleichterung des Ausflugsverkehrs

Nach dem zwischen der Deutschen Reichsbahn- Wesellschaft und der Deutschen Reichspost am 1. Juni v. I. in Kraft getretenen Abkommen über den Gemeinschaftsbetrieb sind im Bereich des Reichs- bahnbeauftragtsn für das Kraftfahrwesen für die Direktionsbezirke Frankfurt, Köln, Karlsruhe, Stuttgart, Trier und teilweise Wuppertal im Be­nehmen mit der Kraftpost-Betriebsleitung Südwest Frankfurt eine Reihe von Vereinbarungen zustande­gekommen, die eine begrüßenswerte Erleichterung des Ausflugverkehrs bringen.. Im Anschluß an be­

Auch «Stottern" will gelernt sein

Sutzanseln im BefteUfchein - âaufvertrSse genau durchlefeu!

Früher war es eine Seltenheit, wenn jemand auf Abzahlung kaufte. Es geschah zuweilen bei Möbeln, aber auch hier nur von den ärmeren Schichten des Volkes, die große Summen nicht auf einmal bezahlen können. In der Regel sparte man, bis man das nötige Geld beisammen hatte, erst dann machte man größere Anschaffungen. Heutzu­tage ist das allmählich anders geworden. Die unge­heure Verschlechterung unserer wirtschaftlichen Lage hat es mit sich gebracht, daß fast alle Schichten ge­nötigt sind, Möglichkeiten der Abzahlung in An­spruch zu nehmen. Auch werden nicht nur größere Anschaffungengestottert", man kauft alles und jedes auf Abzahlung.

Ein Unterschied ist zu machen, ob man in einem Geschäft am Platz kauft, wo man in der Regel auch den Vorteil der Teilzahlung zugesichert erhält oder ob man die Bestellung an der Glastüre abschließt. Natürlich gibt es auch hier reelle Geschäfte, aber es ist Vorsicht geboten. Den Verlusten, denen diese typischen Abzahlungsgeschäfte auch ausgesetzt sind, suchen sie durch einen Aufschlag auf die Preise aus­zugleichen, sie versuchen noch auf andere Weise möglichst gefahrlos zu arbeiten. Eine der dabei an­gewendeten Methoden ist die

einseitige Formulierung der Bestellscheine, die dem Verkäufer alle Rechte geben, dem Käufer aber fast gar keine lassen. Dieser hat also allen An­laß, bei der Unterzeichnung von Bestellscheinen vor­sichtig zu sein. Auf einige der häufigsten Fallstricke sei daher hier zur Information des Abzahlungs­käufers hingewiesen.

Nehmen wir einen praktischen Fall. Eine Ehe­frau ließ sich durch einen Reisenden eines auswärti­gen Wäschegeschäftes bewegen, Wäsche zu kaufen unb einen Bestellschein zu unterschreiben. Sie machte, jedoch zur Bedingung, daß die Bestellung nicht gel­ten solle, wenn ihr Mann etwas dagegen hätte. Da­mit war der Reisende einverstanden. Der Mann widersprach der Anschaffung, und die Frau schickte der Firma eine Postkarte, worin sie ihr ent­sprechende Mitteilung machte. Sie glaubte die Sache erledigt, war daher sehr erstaunt, als sie trotzdem die Wäsche zugeschickt bekam. Die Firma berief sich auf einen Satz des Bestellscheines, wonach

mündliche Rebenabreden zwischen dem Reisen­den und dem Säufer ungültig

seien. Die Frau ließ es auf einen Prozeß ankom­men, wurde aber verurteilt. Woraus sich die Lehre ergibt, daß man alle Nebenabreden in den Schein hineinschreiben muß.

Die Gerichte verlangen im allgemeinen, daß der, der einen Bestellschein unterschreibt, ihn vor der Unterschrift genau durchlieft. Sonst muß er eben den Inhalt gegen sich gelten lassen, wenn er für ü)n auch noch so unangenehm ist. Man scheue sich da­her nicht, sich der kleinen Mühe des Durchlesens zu unterziehen. Wer ohne Brille nicht lesen kann, hole sie ruhig herbei, denn auch eine Weitsichtigkeit ist keine Entschuldigung. Zwar werden meistens die Reisenden ungeduldig, wenn man mit der Lektüre des Bestellscheins Ernst macht. Plötzlich haben sie gar keine Zeil t mehr und erklären,

daßweifet nichts darin steht." Dadurch lasse man sich nicht abhalten. Der Reisende hat Zeit, und sollte er sie tatsächlich nicht haben, so

stehende Reichsbahnverbindungen wurden für die hauptsächlichsten Ausflugstage der Woche, Mitt­woch, Samstag und Sonntag, Postkraftverbindun- gen nach besonders beliebten Ausflugspunkten ein­gerichtet, ebenso auch für die Rückfahrt. Die Fahr­karten für die Kraftpoststrecken sind ermäßigt, sie werden bei den Fahrkartenausgaben der Reichsbahn ausgegeben. Eine weitere vorteilhafte Verein­barung besteht darin, daß das Gepäck nach den Poftanstaüen dieser Kraftpostlinien durchgehend ab­gefertigt wird. Diese Postanstalten geben auch um­

bekommt man für dasselbe Geld überall die gleiche Ware.

Wenn man aber einmal den Bestellschein durch­lieft, so sollte man sich auch die Bedeutung der ein­zelnen Bestimmungen klar machen. Sonst hat die ganze Mühe keinen Zweck.

Wenige nur wissen, was es heißt, wenn da steht:

Gerichtsstand ist Sitz der Lieferfirma"

oder was dassebe bedeutet:Erfüllungsort der Sitz der Lieferfirma." Dieser Passus kann sich für den Besteller sehr unangenehm auswirken. Ist der Sitz der Firma beispielsweise Berlin, so kann sie den Käufer beim Amtsgericht Berlin-Mitte verklagen, sie braucht die Klage nicht bei dem gesetzlich für den Besteller zuständigen Gericht, nämlich an dessen Wohnort, zu erheben. Die Folge ist, daß der Käu­fer nicht zur Sühneverhandlung erscheinen kann, was auch dann von Bedeutung ist, wenn er nur nicht zahlen kann, aber sonst keine Einwendungen erheben will. Normalerweise würde nun ein Ver­gleich über kleinere Raten geschlossen werden. Jetzt aber ist das unmöglich. Es ergeht Versäumnisurteil, und der Gerichtsvollzieher erscheint bei dem Käufer. Es kann daher nur geraten werden, die Stelle über den Gerichtsstand zu streichen, bevor man un­terschreibt. Der Reisende schließt bestimmt auch so ab.

Ein anderer Fallstrick ist der Passus:

Sie können die Lieferung innerhalb einer Woche ablehnen."

Der Satz wird immer wieder falsch verstanden, so auch in einem Falle, der kürzlich vorkam. Jemand war auf den Kaufpreis für einen Staubsauger ver­klagt. Er erklärte, daß er von seiner Befugnis, in­nerhalb einer Woche zurückzutreten, Gebrauch ge­macht habe. Seine Unterschrift gelte daher nicht mehr. Sehr erstaunt war er, zu hören, daß er sich in einem Irrtum befinde. Er hatte ja mit obigem Satze die Lieferfirma angeredet, da e r ja den Schein unterschrieb. Also hatte er der Firma die Befugnis gegeben, seinen Vertragsantrag innerhalb einer Woche abzulehnen. Beim Durchlesen hatte er sich verständlicherweife für den Angeredoten gehal­ten. Man ersieht daraus, wie vorsichtig man solche Scheine durchlesen muß.

Viele Firmen lassen den Bestellscheim außer von dem Käufer

noch von einem Bürgen unterschreiben.

Das ist eine gefährliche Sache, vor der nur gewarnt werden kann. Der Reisende versichert aber dem Bürgen prompt, es handele sich nur um eine Form­sache, oder, er unterschreibe nur als Zeuge. Nichts davon ist natürlich wahr. Die Bürgschaft gilt, der Bürge kann durchaus in Anspruch genommen wer­den, wenn der Käufer nicht zahlt.

So unterschrieb in einem Betriebe jemand für seinen Kollegen, der sich einen Radioapparat kaufte. Dr- Kollege wurde nicht viel später arbeitslos, und der Bürge mußte für ihn nach und nach fast 200 Mark zahlen. Dafür bekam er noch nicht einmal den Apparat, da dieser wegen eines Destktes auf den Boden gestellt worden war, wo er gestohlen wurde. Vorsicht also bei der Uebernahme von dergleichen Bürgschaften.

gekehrt Fahrkarten für die Reichsbahnstrecken aus und fertigen das Gepäck ebenfalls durchgehend ab.

hohes Alter. Seinen 83. Geburtstag feiert am Freitag Herr Adam Brehm, Mittelstr. 30, in voller Rüstigkeit.

Arbeitsjubiläum. Heute kann Herr Philipp Haas, Hanau a. M., Gärtnerstraße 59, auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma Ochs u. Bonn zurückblicken

* preuß. Slassenlotlerie, Am 3. ZSehunystag« wurden unter aâren folgende Nummern gezogen (ohne Gewähr): 79 603 79 611, 79 720, 105 876, 164 517, 169 571, 307 046, 244 368, 268 668, 268 693, 284 379, 307 221, 317 668, 333 439, 346 343, 360 759.

* Hospitalkirche. Heute abend 8 Uhr Bibelstunde durch Pfarrer Göckel.

* Gefunden. In der Zeit vom 4. bis 10. August 1931 sind als gefunden angezeigt worden: 1 braunes Herrenportemonnaie mit 2.07 RM und kleinem Schlüsiel am Karabinerhaken; 1 Augenglas (Zwik- ker); 1 künstliches Oberkiefergebiß; 1 Schlüsselring mit neun versch. Schlüsseln; 1 linker Damen-Glacè- handschuh; 1 AnstecknadelD. T. 25"; 1 Rentenaus­weis für die Postanstalt Hanau; 1 Paar hohe schwarze Kinderschuhe; 1 Schlüsselring mit 3 großen Schlüsieln; 1 rechter roter Kinderschuh, Größe 33; 1 Ohrring mit dunklem dreieckigem Stein; 1 Schlüs­sel und 1 Hund (Bastard) Kreuzung zwischen Dober­mann und Schäferhund. Die Eigentümer wollen sich im Fundbüro der Polizeidirektion, Zimmer 196a, in der Zeit von 812 Uhr, melden.

* Radfahrer: Achtet auf eure Räder. In der letz­ten Zeit häufen sich die Anzeigen über entwendete Fahrräder. In fast allen Fällen ist das Abhanden­kommen dadurch erleichtert worden, daß die Räder nicht angeschlossen waren. Diese tagtägliche Erschei­nung und die Zunahme der Fahrraddiebstähle mah­nen zu größerer Vorsicht. Es empfiehlt sich, die Fahr­räder, auch wenn diese nur für kurze Zeit abgestellt werden, fürsorglich anzuschließen. In den weitaus meisten Fällen dürfte damit Zeit und Aerger oder gar der dauernde Verlust des Rades erspart bleiben.

* Verschlechterung der Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Rassau. Ueber die Arbeitsmarktlage in Reffen und Hessen-Nassau berichtet das Landes­arbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M.: Die Ver­schlechterung der Arbeitsmarktlage hat auch in der zweiten Julihälfte angehalten. Die Zahl der Arbeits­suchenden ist um 3050 auf 255 630 gestiegen. Durch die Zunahme sind besonders stark belastet die Grup­pen Lohnarbeit wechselnder Art mit 1349, Beklei­dungsgewerbe mit 665, Metallindustrie mit 580, Bau­gewerbe mit 337 und Gastwirtschaft mit 131. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ist um 4210 auf 67 829 zu­rückgegangen, was meist auf Aussteuerung und Nichtgewährung von Unterstützung an Jugendliche zurückzuführen ist. Krisenunterstützung haben am 31. Juli 1931 60 981 Personen bezogen, das sind 4149 mehr als am 15. Juli 1931.

* Der Unfallhilfsdienst der Reichsbahn. Bei Un­fällen ist das Bestreben der Reichsbahn vor allem darauf gerichtet, sofort einen umfassenden Hilfsdienst einzurichten, damit schnellstens Hilfe geleistet wer­den kann. Dieser Hilfsdienst hat sich auch bei dem D-Zug-Attentat bei Jüterbog wieder bewährt. Die Reichsbahn weist jetzt aus Anlaß dieses Attentats erneut auf die Organisation dieses Hilfsdienstes hin. Verbandskästen für die erste Hilfsleistung befinden sich in jedem Packwagen der Züge und auf allen Stationen, die außerdem mit den Tag und Nacht hilsbereiten Bahnärzten in Verbindung stehen. Bei jedem Zugunfall eilen Hilfszüge zur Unfallstelle. Im ganzen hat die Reichsbahn 118 solcher Hilfszüge, die auf größeren Bahnhöfen stets zur Abfahrt sind. Sie bestehen aus Hilfsgerätewogen, Aerzte- u. Mann­schaftswagen und können 15 Minuten nach Eingang der Unfallmeldung abfahren. Die Hilfsgerätewagen enthalten alle Geräte und Werkzeuge, die für Auf räumungsarbeiten erforderlich sind. Sie sind aud; mit einem Laufkran zum Aufsetzen und Einholen der schweren Geräte versehen. Der Arztwagen birgt die ärztlichen Instrumente und eine größere Anzahl von Krankenbetten. In dem Mannschaftswagen halten sich die Aufräumungsmannschaften während der Fahrt auf.

Zur Gesichts-Bräunung

aber auch zur Bräunung des ganzen Körpers bei Sonnen­bädern verwende man die reizmildernde und kühlende Leodor- Fètt-Creme. Tube 60 Pf. und 1 Mk. Wirksam unterstützt durch Leodor-Edelseise Stück ö0 Ps. Zu haben in allen Chlorvdont- Verkaufsstellen.

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Von Toni Rolhmund

Copyright by Union Deutsche Verlagsgesellsohaft

Stuttgart, Berlin, Leipzig

J4. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

»Ich muß Euch schon gesehen haben," sagte er grübelnd. Der Fuchslocher lachte gutmütig.Ja, das ist hast einmal mein Los. Jeder meint, er "rußt' mich kennen. Ich kann an den fremdesten ^rt kommen, sagt sicher einer:, wie gleichet aber auch meinem Vetter oder meinem Tochter­mann oder meinem Großonkel feinem Schwieger- Oder es fragt einer auf der Straße: »Excüsee, sind Sie vielleicht der Herr Müller oder "gesicht?" ^61'$ h°b" ^ f° ein Allerwelts- "So wird es fein," sagte Zwygart und entfernte M dann gleichmütig. Aber irgend ein dunkler ^sgwohn blieb in seiner Seele, von dem er sich «ne Rechenschaft zu geben wußte. Die Stimmung 'dm verdorben, und er war froh, als die eiZten Gäste gegangen waren und mit ihnen auch S unheimliche Mensch denLetzten Heller" ver- hatte.

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brannte ein Lichtlein im Schwanderhof, das gav einen sanften Schein. Die Tage gingen leichter reibungsloser hin als früher. Hie und da hörte an ein fröhliches Lachen aufklingen und manch- 3 mn kleines Lied. Waldblumensträuße,standen xj beu Tischen, und frische Vorhänge leuchteten an Ku,» mustern. Es schien ein wenig Schönheit und aJ® aufzublühen in dem lieblosen Haus. Die alte humpelte wieder herum und ging schweigsam ü^Arbeit nach, und der kleine Leonhard erholte ®Ie rin Pflänzlein, das Regen tonten darf. trank und fluchte nicht mehr, und Margrit " sie es war, um derentwillen er sich warJ^ Zügel anlegte, gut gegen das Büblein iimL^n. nachsjchstg ^gen Judiths Launen. Das sinken X ^ ^uh, daß sie den ganzen Tag hätte gri? ?iUnVa#en können. Dem Kätter hatte Mar- cit h!men ^meu Nachmittag in der Woche erwirkt, ien fn^u 5 ^ Sachen flicken und zusammenrich- der i»^E- und Märti, der Knecht, sowie der Jörgli, ^""8e,-liebten sie schon der Frau zum Trotz.

bishor-^6 Schwester zu gewinnen, war Margrit J r gelungen. Für gewöhnlich verstand

Judith es zwar trefflich, ihre Gesinnung gegen sie zu verbergen. Nur manchmal zeigte sie ihr wahres Gesicht.

Eines Abends stand Margrit nachdenklich vor der Magdkammer, in der Kätters eigentümlicher Duft herrschte, ein Duft, den sie überall in ihren Kleidern mit sich trug und wie eine unsichtbare Wolke um sich herum verbreitete. Da Judith zu­fällig vorüber ging, rief Margrit die Schwester an.

Höre, Judith, hast du etwas dagegen, wenn ich dem Leonhard sein Bettlein zu mir in die Kammer tue? Dahinnen, in der Kammer der Magd, ist immer so eine dumpfe, schwere Luft."

Sie standen sich allein gegenüber, kein Mensch war in hörbarer Nähe. Judith schaute finster drein. Zu was? Es hat's bisher getan für das Büble, es wird's auch weiter tun."

Aber ich hätt' es so gern in meinem Zimnnr, und dir kann's doch gleich fein, wo es schläft."

Nein, es ist mir nit gleich. Ich will überhaupt nit, daß du so eine Wirtschaft mit dem Kind machst. Es hat keinen Wert."

Für dich vielleicht nit, für das Büblein schon. Du machst dir ja doch nix aus dem Kind, da kannst du doch nix dagegen haben, wenn ich es zu mir nimm.

Was weißt du, ob ich mir etwas aus ihm mach' oder nit? Du bist ja nit feine Mutter."

Es war das erstemal, daß Judith sich vor ihr zu dem Kinde bekannte. Aber Margrit spürte keine Liebe aus ihren Wartens nichts als eine erstickt« Qual.

Wenn ich schon seine Mutter wär', so wollt ich's wenigstens nit so umeinanderstoßen wie ein Stück Holz," sagte sie aufgebracht.

Judith maß die Schwester mit einem langen Blick.Das geht keine Menschenseel' was an, und dich am wenigsten. Ich lass' mir keine Vorschriften machen, und von dir schon gar nit. Du kommst nur daher und tust allen schön, so daß es einen ekelt, wenn man es anfehen muß. Sogar dem Kätter flattierst du, und den Knechten gehst du um den Bart. Alle Mannsbilder machst du verrückt mit deinem scheinheiligen Getue. Den Thomas vorab. Der meint ja nun auch, daß du besser seist als wir alle. Es werden ihm schon noch die Augen aufgehn über dich. Aber mir machst du nix vor, Margrit, ich kenn' dich. Ich schau dich durch und durch."

Margrit stieg das Blut zu Kopf.Der Thomas ist gut zu mir, das ist alles. Ich will nichts von. ihm, und er nichts von mir."

Das brauchst du mir nit weiszumachen, du! Ich hab' doch auch meine Augen im Kopf. Ich seh' doch, wie du ihm nachstreichst und wie er hinter dir drein ist."

Das ist nit wahr!" stieß Margrit heraus. Sie zittert am ganzen Leibe vor Zorn.

Ob du's ableugnest oder eingestehst, das ist mir ganz gleich. Aber daß du's nur weißt, ich lass' mir meinen Mann nit nehmen. Und mein Kind erst recht nit. Ehnder schlag' ich's tot, als daß ich's dir gib."

So behalt's. Ich hab's gut gemeint, und du dankst mir's übel," sagte Margrit hart.

Wenigstens weißt du jetzt, wo du dran bist," gab Judith kalt zurück. Margrit hatte in einer schweren Schule gelernt, ihren Zorn zu beherr­schen. So breite sie der Schwester schweigend den Rücken und ging in ihr Zimmer. Sie schob den Riegel vor, setzte sich auf den Bettrand und starrte verstört vor sich hin. Nie in chrem Leben hatte sie ein Antlitz so von Haß verzerrt gesehen wie das weiße, entstellte Gesicht ihrer Schwester Judith.

Von diesem Tage an ging Margrit ihrem Schwager aus dem Wege. Sie wich ihm aus, wenn er über den Hof ging, und sie schwieg auch bei den gemeinsamen Mahlzeiten und hielt ine Augen auf den Teller gesenkt. Gegen den kleinen Leonhard wagte sie nur noch im Geheimen freundlich zu sein, denn sie wußte, jeden guten Blick von ihr mutzte er mit einem harten der Mutter, jede Liebkosmig von ihr mit einem Puff Judiths büßen. Sie suchte wohl, ihrem veränderten Betragen den Schein von Groll und Gekränktheit zu nehmen, aber ihre Trau­rigkeit konnte sie nicht verbergen, und das war, wie wenn eine Regenwolke über dem finsteren Hause stand. Alle spürten ihre Kälte und Dunkel­heit und sehnten sich nach dem warmen Sonnen­strahl zurück. Leonhards große, dunkle Aug»l, die ratlos und sehnsüchtig waren wie die eines Tieres, folgten Margrit, wo sie ging und stand. Thomas stieß gereizt mit den Gerätschaften herum, und Kätter machte einenKopf" ein vom ganzen Hause gefürchteter Zustano. Einzig Judith schien zufrieden, wiegte sich in den Hüften, wenn sie durch die Stube ging und mit den Gästen plauderte, und mühte sich sogar, gegen Thomas freuMich zu sein, der es ihr aber mit absichtlicher Käüe dankte. Dies wiederum ward auf Margits Schuldkonto ge­setzt, dis ein recht ungutes Leben mit der Schwester hatte. Wenn bie Gotte nicht als dröhnendes Schreck­

gespenst vor ihr aufgesttegen wäre, sie hätte sich wieder nach Hergattngen hinaufgeflüchtet, zu dem einzigen Menschen, dem Niedrigkeit und Bosheit der Wett nicht höher stieg als bis an die Stiefel­sohlen.

Eines Tages las Margrit auf den Matten hin- term Gchöft das gefallene Frühobst auf, und der kleine Knabe half ihr dabei. Da sah sie Thomas gerade auf sich kommen, und ihr Herz fing an, un­sinnig zu klopfen. Denn es gab keine Matte rings­um, die man nicht vom Hofe aus hätte sehen kön­nen. Wenn Judith sie aber mit Thomas zusammen erblickte, so gab es wieder einen Sturm zu be­stehen. Sie wandte sich also, ergriff den Korb und wollte sich eilends entfernen. Er vertrat ihr aber den Weg.Was hab' ich dir getan, Margrit, daß du so gegen mich bist?"

Nichts. Du bist der einzige Mensch, der gut zu mir ist. Aber Judith ist eifersüchtig, und ich mag ihr keinen Anlaß dazu geben."

Hat sie was zu dir gesagt?

Freilich hat sie das.

Er runzelle die Brauen.Darum redest du kein Wort mit mir und schaust mich nimmer an und tust, als ob ich Luft wär'!"

Es ist besser so," sagte sie traurig.

Aber er geriet in einen heftigen Zorn.Das brauch' ich mir nit bieten lassen! Ich will nit dem Judith sein Tanzbär sein, ich will ihm das schon eintränfen, daß es mir das so macht!"

Tu's nit, Thomas. Ich bin die einzige, die 's büßen muß hernach."

Er maß sie mit flackerndem Blick.Sie plagt dich, gelt? Um meinetwillen plagt sie dich. Das einzige bissel Sonnenschein in dem verfluchten Haus will sie noch 'naussperren. Was ist denn Böses dabei, wenn ich mit dir red'"

Nichts. Aber sie erträgts nit. Red nit mit mir, schau mich nit an, tu, als wenn ich garnit da wär'. Es ist das Beste so auch für mich," fügte ie leise hinzu.

Wenn's so ist dann will ich's versuchen," agte er mit heiserer Stimme.Ja, vielleicht hast )u recht, und es ist das Beste für uns beide.

Damtt ging er, und Margrit bückte sich weiter nach den blaßaelben Augustäpfeln. Und piele Tränen fielen dabei ins Gras.

(Fortsetzung folgt.)