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Sette 6

Dienstag den 11. August 1931

Nr. 186

Granate explodiert in einer Kindergruppe.

Triest, 10. Aug. Dier Kinder fanden Sonntag früh in der Nähe einer Schule eine Granate, die sie zur Entladung zu bringen versuchten. Plötzlich er- plodierte das Geschoß und verletzte ein Kind so schwer, daß es später im Krankenhaus starb. Ein zweites Kind wurde schwer, die beiden übrigen leichter verletzt.

Sentschlaudflug 1931

Flugstrecke 2230 klm. — Technische Prüfungen und Geschwindigkeiten — Totalisator beim Flugzeug­rennen? — Ohne Worczik. Die Chancen der Teil­nehmer

In der Zeit vom 11. bis 16. August findet das erste große deutsche Flugzeugrsnnen statt; denn in diesen Tagen wird der vom Aero-Klub von Deutsch­land organisierte Deutschlandslug 1931 durchgeführt. Die Veranstaltung zeichnet sich gegenüber früheren dadurch aus, daß man sie auch für das Publikum interessanter gestalten will, indem an den beiden letzten Tagen, an denen die Flüge über Deutschland ausgeführt werden, tatsächlich der vorn im Rennen liegt, der als Erster in den einzelnen zu befliegenden Orten eintrifft. Die früheren Deutschlandsflüge litten darunter, daß die technischen Wertungen erst zum Schluß vorgenommen wurden und ein Ueberblick über die Flugleistumgen im Einzelnen dadurch er­heblich erschwert worden ist. Diesmal finden tech­nische Prüfungen zu Beginn des Fluges statt, und zwar vom 11. bis 14. August. Danach werden die Auswertungen dieser Prüfung in Startverzöge- rungen umgerechnet. Wer also bei den technischen Prüfungen am besten abgeschnitten hat, wird auch als Erster starten, während die anderen, die un­günstigere Punktergebnisse erzielten, auf der reinen Flugrennstrecke noch die Gelegenheit haben, durch erhöhte Geschwindigkeit aufzuholen.

Der Flug selbst geht in zwei Etappen vor sich. Am ersten Tage führt die Flugroute von Berlin — Startplatz Staaken — über Lübeck, Münster, Duis­burg, Stuttgart nach München. Die Länge der Flug­strecke beträgt am 15. August 1140 Klm. An den er­wähntem Orten findet überall ein Zwangsaufenthalt statt, der mit Ausnahme von Münster, wo nur eine Viertelstunde vorgesehen ist, sich auf eine volle Stunde beläuft. In München findet eine Zwangs- übernachtumg statt. Schluß der Kontrolle ist um 20 Uhr.

Am nächsten Tage, Sonntag, den 16. August, ist der zweite Teil der Rennstrecke mit dem Ziel Ber­lin, abzufliegen. Es geht von München nach Wien, von dort nach Breslau und dann zurück nach Ber­lin. Diese Route ist etwas kürzer als die vom 15. August. Sie beträgt 1090 Klm. In Wien und Breslau finden Zwischenlandungen statt. Sieger des ganzen Wettbewerbes ist, wer als Erster in Berlin eintrifft.

Bisher vermag man nur schwer zu beurteilen, ob die technischen Bewertungen so reformiert wor­den sind, daß man damit allen Flugteilnehmern so­weit es eben geht, gerecht wird. Denn Tatsache ist, daß bei den früheren Flugveranstaltungen eine Reihe von Konkurrenten durch das Wertungssystem große Vorteile genoß, während andere ungerecht­fertigt benachteiligt sind. In den Einzelprüfungen wird folgendes gewertet: Dauer des Auf- und Ab- rüstens. Dauer des Anlassens, Prüfung der Anroll- und Ausrollstrecke bei Abflug und Landung. Prü­fung der geringsten Geschwindigkeit, des Brenn- ftoffoerbrau^ und der Ausrüstung.

Als weitere Neuerung, um die große Flugveran­staltung publikumswirksamer zu machen, wird man versuchn, einen Totalisatorbetrieb aufzunehmen. Ob dies Allerdings möglich ist, wird sich erst während des Flugwettrennens selbst herausstellen. Zweifel­los trägt der Deutschlandflug dazu bei, daß das Interesse an dem ©portfliegen nicht ganz einschläft und ^>aß auch den Sportsliegern eine Betätigungs­möglichkeit geboten wird. Die Städte, die vom Deutschlandflug berührt werden, haben einen Teil der Summen aufgebracht, die als Preis verteilt werden. An Geldpreisen stehen insgesamt 75 000 RM zur Verfügung, von denen der Erste 15 000 RM, -der Zweite 10 000 RM und der Dritte 5000 RM erhält. Außerdem werden vom 1. bis 30. Teil­nehmer jeder Führer, der die Wertung ordnungs­mäßig passiert, eine Beteiligungsprämie in Höhe von 1000 RM erhalten. Wie groß die Beteiligung überhaupt ausfallen wird, ist bisher noch nicht zu übersehen. Da man mit Absagen bis zum letzten Augenblick rechnen muß. Eine neue Rekordzahl von Fliegern dürfte kaum erreicht werden. Man glaubt, daß diesmal etwa zwei Dutzend Flieger sich am Deutschlandflug beteiligen.

Der Deutschlandflug 1931 war übrigens eine zeitlang gefährdet, da der Aero-Klub von Deutsch­land ernsthaft erwog, ob nicht die ganze Veran­staltung in diesem Jahr wegen der ungünstigen Ver­hältnisse ausfallen sollte. Man hat von einer sol­chen Maßnahme Abstand genommen, denn in der Ausschreibung hieß es ausdrücklich, daß ein Ausfall oder eine Verlegung des Wettbewerbes nur im Falle höherer Gewalt möglich sei. Ein solcher Fall hat jedenfalls nicht vorgelegen. Außerdem war zu berücksichtigten, daß die Ausschreibung bereits im Februar dieses Jahres ergangen ist, und daß beim Ausfall des Deutschlandsfluges viele Propaganda­arbeit unnütz getan wäre, und daß außerdem viele Flieger bereits eingehende Vorbereitungen für den Deufchlandflug getroffen hatten. Der Ausgang des Wettbewerbs ist solange offen, wie man keinen Ueberblick über technische Vorprüfungen hat.

Leider nimmt der zweimalige Sieger des Deutschlandfluges, Morczik, in diesem Jahre nicht teil, da die Bayrischen Flugzeugwerke, mit deren Apparate er so glänzende Erfolge erzielte, nicht mehr existieren, und der Sportflieger keinen an­deren Apparat gefunden hat, der ihm Aussicht auf die dritte Wiederholung seines Sieges verspricht. Durch den Ausfall Morcziks ist das Flugrennen ganz offen. Die besten Chancen werden dem Zwei­ten des Vorjahres, Reinhold Poß, gegeben. Ein aussichtsreicher Anwärter ist Fritz Siebel, der sich bei zahlreichen Sportveranstaltungen ausgezeichnet hat. Auch Elli Beinhorn, die am Deutschlandflug teilnehmen wird, hat gute Aussichten, falls sie nickst in den technischen Vorprüfungen allzuschlecht ab­schneiden sollte. Es muß hervorgehoben werden, daß im Gegensatz zu den früheren Jahren die Be­wertung der rein technischen Leistungen im Vergleich zu der Wertung der Geschwindigkeit zurückgetreten ist, so daß damit die Aussichten der schnellsten Flie­ger steigen.

MesertvagSdie im rUrward

Notlandung im Dschungel. — Irrfahrten im Urwald. — Kampf mit Riesenameisen. — vor Angst

dem Irrsinn verfallen. —

Die Tragödien der Pioniere der Kultur und Zivilisation nehmen kein Ende. Die Expeditionen nach dem Nordpol, die bisher Hunderte von Men­schenleben gekostet haben, werden in Zukunft dank unserer Lustschisfe gefahrlos bleiben. Aber überall drohen in unwegsamen Gebieten den kühnen Men­schen Gefahren und Tod. Zu den furchtbarsten Erlebnissen, die Expeditionen in den letzten Jahren zustießen, gehört die Tragödie zweier Flieger im brasilianischen Urwald.

Der italienffche Militärattachè in Brasilien, de Robilant, war vor einigen Wochen mit seinem Mechaniker Eluaranta aufgestiegen, um eine neue italienische Fluglinie über Urwald und Dschungel zwischen Sao Paulo und Matto Grosso zu über­fliegen. Durch ein Versagen des Flugzeuges sah er sich genötigt, mitten im Urwald zu landen. Da sein Kompaß versagte, so begann jetzt

eine entsetzliche Irrfahrt durch den Urwald, zumal weder der Offizier noch fein Begleiter Orts­kenntnis besaßen. Sie bahnten sich durch den un­wegsamen Urwald unter ungeheuren Schwierig­keiten einen Weg, und als sie glaubten, nach ihrer Karte in der Nähe einer bewohnten Siedlung zu sein, merkten sie zu ihrem Entsetzen, daß sie stun­denlang im Kreise gegangen waren, denn sie kamen wieder an eine Stelle, wo schon ein Jahr vorher eine Expedition ein „Lager 1930" errichtet hat, und an der sie schon sechs Stunden vorher gewesen waren. Sie hatten nur geringe Mengen von Nah­rungsmitteln bei sich, die sie wie das kostbarste Gut behandelten, denn sie wußten nicht, wann sie in bewohnte Gegenden kommen würden, um ihren Proviant zu ergänzen. Sie hatten weder Waffen noch Feuerzeug bei sich. Als die erste Nacht her­einbrach, legten sie sich schlafen, da sie in der Fin­sternis noch weniger einen Weg zu finden hoffen konnten als am Tage. In der Nacht wurden sie von

einem zahllosen Heer der gefräßigen Riesen­ameisen überfallen,

die den Schrecken der Urwälder bedeuten und deren sie sich nur mit Mühe erwehren konnten. So fan­den sie auch in der Nacht nach den Mühsalen und Strapazen des Tages keine Ruhe und Erholung. Am nächsten Morgen mußten sie zu ihrem Entsetzen feststellen, daß die Riesenameisen ihren ganzen Eß-

Der Millionär als Landstreicher

Der Wann, der

Ein merkwürdiger Fall des gespaltenen Be­wußtseins des sogenannten doppelten Ichs, wird aus Paris gemeldet.

Emer der angesehensten und reichsten Bürger von Nantes, der Großindustrielle Albert Blarez, der im politischen Leben seiner Vaterstadt in der jüngsten Zeit eine bedeutende Rolle gespielt hatte, war vor den. An einer Brücke der Loire sand man seine Kleider. Vergeblich suchte man nach seinem Leich­nam. Er war ein vorzüglicher Schwimmer, und man konnte daher nicht annehmen, daß er ohne weiteres ertrunken sei. Aber wo war er Hingekom- men? Kein Mensch wußte es. Seine Vermögens­verhältnisse waren in bester Ordnung, und mit seiner Familie lebte er in gutem Einvernehmen. Er war von heiterem Gemüt, und auch an Selbstmord konnte keiner, der ihn kannte, denken.

Wan stand vor einem unergründlichen Rätsel.

Albert Blarez war sehr religiös, daher tauchte die Vermutung auf, daß er vielleicht plötzlich der Welt entsagt und in ein Klöster getreten sei.

Die Polizei entwickelte eine fieberhafte Tätigkeit, um diesen mysteriösen Fall aufzuklären. In sämt­lichen französischen Zeitungen erschienen Aufrufe, und die Familie hatte eine hohe Belohnung ausge­setzt für den, der den Vermißten tot oder lebendig cmffinden könnte.

Eines Nachts nun fand ein Pariser Polizist einen Menschen schlafend auf einer Bank eines Parkes. Er war mit einer blauen schniirrigen Arbeiterbluse und ebensolchen Hosen bekleidet, und sein Schuh­werk war vollständig zerrissen. Der Polizist weckte den anscheinend obdachlosen Landstreicher und ver­langte seine Papiere zu sehen. Da er keine genü­genden Legitimationen bei sich führte, nahm er ihn auf die Wache mit. Dort mürbe er nach feinem Na-

WK Klusreus ht die Sivaioivbave

Junkers und Farman holten Rat bei Piccard — Sonstruklionsrätsel auf allen Seiten

Paris, 6. Aug. Aus besonderer Quelle erfährt das Karlsruher Tageblatt einiges über die wichtig­sten Geheimnisse des Farman-Stratosphären-Flug- zeuges, das gleichzeitig mit dem Junkers-Stratosphä- ren-Aeroplan konstruiert wird und im Bau bereits sehr weit fortgeschritten ist. Es handelt sich in beiden Fällen um Flugzeuge, die in der Lage sein sollen, in der Stratosphäre Geschwindigkeiten von 900 bis 1500 Kilometer zurückzulegen. Infolge der Tatsache, daß in beiden Ländern, d. h. in Frankreich und in Deutschland, an einem solchen Flugzeug gebaut wird, hat sich ein regelrechter Wettbewerb entwickelt, wer zuerst unter den besten Umständen startbereit ist. Nach einer Information, die von Henri Farman per­sönlich stammt, kann bereits in den nächsten Tagen an die Zusammenstellung des Stratosphären-Flug- zeuges herangegangen werden, während die Junkers angeblich ein wenig in das Hintertreffen geraten sind.

In einem berühren sich die Iunkerschen und die Farmanschen Arbeiten. Je ein Chefkonstrukteur von Junkers und von Farman persönlich haben ganz kurze Zeit nacheinander in Brüssel den Stratosphä- ren-Ballonisten Piccard interviewt und ihn über seine Meinung nach der besten Konstruktionsmöglichkeit befragt. Professor Piccard, dessen Aufstieg in 16 000 Meter Höhe eine aeronautische Glanzleistung war, hat bereitwilligst seine Erfahrungen mitgeteilt, aber dabei immer betont, daß er nur vom Standpunkt des Ballonpiloten sprechen könne.

Der Rumpf des Farmanschen Flugzeugs für die Stratosphäre soll rund neun Meter lang fein. Die

Selbstmord eines verirrten.

Vorrat aufgefressen hatten. Nichts war übrig ge­blieben. Nach stundenlanger Wanderung kamen sie an einen Fluß.

Alle Anstrengungen, ein schwimmendes Floß zu erbauen, scheiterten. Damit war ihre Hoffnung be­graben, den Urwald auf bequemere Weise durch­queren zu können. Sie mußten nun aufs neue jeden Schritt vorwärts im Kampf gegen Dickicht und Schlingpflanzen erringen. Sie litten entsetzlich unter Hunger und Durst. Der Mechaniker, ein schwächlicher Mann, bekam wunde Füße und wei­gerte sich weiterzugehen. Der Offizier mußte ihn auf feinen Schultern tragen, immer in der Hoff­nung, einen Weg in bewohnte Gegenden zu finden. Schließlich ermattete er und war nicht mehr im­stande, bei seiner Ermattung den Mann zu tragen. Es kam dazu, daß die Aufregungen, die Strapazen und die Angst in Verbindung mit Entbehrungen aller Art den Geist des Mechanikers verwirrt hatten.

Cr verfiel in Wahnsinn und Fieberdelirien.

Da der Flug nur wenige Stunden hatte dauern sollen und irgend ein Mißgeschick nicht zu befürchten war, so hatten die beiden Flieger nicht an die Mit­nahme von Medikamenten gedacht. Der Offizier stand also seinem schwer erkrankten Gefährten völlig hilflos gegenüber. Er mußte jetzt daran denken, irgendwoher Hilfe zu holen, um den Fieberkranken möglichst schnell in ärztliche Behandlung bringen zu können. Es war die Tragödie der Einsamkeit in ihrer furchtbarsten Gestalt, die die beiden Män­ner in dem Dickicht des Urwaldes erlebten, und der Offizier mußte alle feine Kräfte zusammenraffen, um nicht auch wie sein Gefährte zusammenzu­brechen, denn ihre Rettung hing jetzt nur von sei­ner Energie und seinem Glück ab. Er stieg auf einen hohen Baum, um nach dem Rettungsweg Ausschau zu halten. Als er nach kurzer Zeit wieder herabstieg, fand er den Mechaniker tot vor.

Er hatte sich in einem Anfall von Ver­folgungswahn den hals durchschnitten.

Damit waren die Qualen des Ueberlebenden noch nicht beendet. Erft 24 Stunden später wurde er durch Indianer, die zufällig des Wegs' kamen, gerettet.

fein Ich vergaß

men gefragt und man hielt ihn für einen Witzbold, als er sagte:

„Weinen Ramen habe ich vergessen“.

Man ließ ihn alle seine Gegenstände, die er bei sich führte ablegen. Es war ein seltsames Sammel­surium: eine Tabakspfeife, eine Parfüm flasche, eine goldene Zigarettendose, ein Beutel mit Tabak, ein eafraubenisWerTeiTtleeresi’con^

mit zwei Francs und 50 Centimes und ein ver­schnürtes Päckchen. Als man dieses öffnete, fand man, zum großen Erstaunen, Banknoten im Werte von 35 000 Francs und ein Scheckbuch auf den Na­men Albert Blarez. Jetzt sah man sich den merk­würdigen Landstreicher genauer an. und man er­kannte ihn als den langgesuchten Großindustriellen von Nantes. Als man ihm auf den Kopf zusagte, daß er der vermißte Albert Blarez sei, starrte er die Anwesenden sprachlos an. Dann griff er sich an iden Kopf und sagte: „Wartet mal! Wartet mal, ich muß einmal Nachdenken!" Dann nachdem er einige Minuten in tiefem Nachsinnen dagessen hatte, sprang er plötzlich auf und schrie:

„Ja, ja, ihr habt recht? Wie konnte ich das ver­gessen?"

Er -wußte nicht, wer er war, er wußte nicht, wie er nach Paris gekommen ist. Er hatte nicht die geringste Erinnerung, was in der Zeit feines Ver- schwindens mit ihm vorgegangen war.

Die Polizei überführte den Unglücklichen in ein öffentliches Krankenhaus und benachrichtigte sofort telephonisch die Angehörigen, die als bald eintrafen und Blarez abholten.

Die medizinische Welt Frankreichs beschäftigt sich jetzt mit diesem außerordeMich seltenen Fall des Vergessens der eigenen Identität. Albert Blarez hat im Kriege eine Kopfschußverletzung davonze- ttagen, und auf diese führt man seinen' gegenwär­tigen Zustand zurück.

Wandungen werden doppelt und teilweise sogar dreifach gebaut, um dem größten Druck — nicht von außen, sondern von innen heraus — Widerstand zu leisten, da ja in den zu erreichenden Höhen der Außendruck minimal ist. Man sieht sich sogar ge­zwungen, spezielle Sicherungen anzubringen, um ein Auseinanderspringen des Rumpfes bei dem stark verminderten Außendruck zu verhindern. Zu die­sem Zweck wurden ganz schmale Bänder aus einer besonderen Metall-Legierung verwandt, die nach dem Urteil von Fachleuten eine außerordentliche Sicherung gegen ein Auseinanderreißen bieten. Die größte Sensation des neuen Flugzeuges ist aber, daß der Pilot seiner eigentlichen Aufgabe weitestgehend in dem Augenblick enthoben ist, wo er die Stratosphäre erreicht hat. Er kann dann nach einer ganz bestimmten Schaltung die Ma­schine absolut sich selbst überlassen und zwar so- lange, bis das Stratosphären-Flugzeug sich wieder dem Erdboden nähert. Hier liegt ein Konstruk- tinosgeheimnls, das naturgemäß sehr streng ge­wahrt wird.

. ^bd) den Mitteilungen eines Augenzeugen wird das Farman-Flugzeug mit rund 600 bis 1000 PS betrieben werden. Auch für den Aufstieg und den Abstieg hat man etwas ganz Neues gefunden. Hierbei verdient es Erwähnung, daß die Idee von Professor Piccard ausging. Der Motor soll sehr stark überlastet werden, damit er nachher in der Stratosphäre in der Lage ist, zu arbeiten. In dem deutschen und in dem französischen Stratosphären- Flugzeug sollen Turbmen-Kompressoren Verwen­dung finden, um den Luftdruck im Innern der Ka­binen auf dem ungefähren Normal zu halten.

Man rechnet nicht damit, daß der weitere Bau des Apparates auf Schwierigkeiten stößt. Farman hat bereits einen der besten und ältesten Piloten der Farman-Linien, Couxet, beauftragt,, den ersten

Flug auszuführen, eine Aufgabe, die der Pilot an­zunehmen sich bereit erklärte.

Die LNattevhovnLlovdwand testest!

Die Erstbesteigung gelungen! — Line alpine hochlai

Wie aus Zermatt berichtet wird, ist es den Brü­dern Schmid aus München gelungen, die Maiter- Horn-Nordwand, die bisher noch nicht bestiegen war, zu erklettern. Als bekannt wurde, daß sich 3tret Deutsche an dieses waghalsige Unternehmen machen wollten, wurden die Brüder Schmid allseits ge­mahnt. Trotz der Warnungen begann man am Samstag der roroergangenen Woche mit dem Ex­periment. Am Samstag und Sonntag neigte man allgemein zu der Ansicht, daß die Brüder Schmid in dem Sturm und furchtbaren Unwetter, das an die­sen Tagen in der Schweiz herrschte, umgetomnien find. Das Matterhorn war ständig in Nebel und dichte Wolken gehüllt, so daß jegliche Aussicht un­möglich war. Der Aufstieg der beiden Münchener wurde mit Fernrohren verfolgt; das ungünstige Wetter gestattete jedoch keine Sicht.

Nach zwei bangen Tagen gelangte am Montag die telephonische Nachricht nach Zermatt, daß die Gebrüder Schmid in Belvedere gesund und wohl­behalten angekommen seien. Sie berichteten über den Aufstieg, daß sie bereits am Samstag nach großen Anstrengungen um 2 Uhr mittags den Gip­fel erreicht hatten. Das Unwetter war ungefähr eine Stunde vorher ausgebrochen; um diese Zeit aber waren die größten Schwierigkeiten schon über­wunden gemefem Wäre bas Unwetter einige Stun­den früher hereingebrochen, so wäre der Erfolg des Unternehmens sehr in Frage gestellt worden, und es ist sehr zu bezweifeln, ob dann die kühnen Kletterer noch weiter und mit heiler Haut davon­gekommen wären. Nach einem sehr mühsamen Ab­stieg in fortwährendem Schneesturm erreichten die Brüder abends gegen 6 Uhr die Solvayhütte, mo sie dann ausruhten und auf besseres Wetter war­teten.

Die Besieger der stolzen, unnahbar erscheinenden Nordwand werden in der Schweiz gebührend ge­feiert. Man hat ihnen zu Ehren ein Bankett ver-, anftaltet, an dem Vertreter des Zermotter und des Walliser Bergführervereins teilgenommen ^aben. Die Gebrüder Schmid haben diese Ehrung vollauf verdient, denn ihre Leistung ist unbedingt eint alpine Hochtat, wie eine solche selten vollbracht wurde. Die Brüder Schmid sind unanfechtbare Bergsteiger erster Klasse, die bereits wiederholt durch ihre waghalsigen Bergbesteigungen von sich reden gemacht haben. Die Erstbesteigung der Mat­terhorn-Nordwand wird als eine alpinistische Groß­tat in den Annalen der Alpinistik vermerkt werden.

Eine Durchschnittsnummer der „Times" umfaßt, nach Buchstaben gemessen einen Drucksatz von der Größe eines Bandes Schiller in der Cottaschen-Aus- gabe.

Don dev ârnovübne. ,

Modernes Theater. ^1f«t«^?. 4'ffin neuer Rens Clair. Nach dem Sensattonserfolg^den „Dächern von Paris" durfte man schon seine Erwartungen recht hoch schrauben. Man tat es, aber hier hat ein Künstler uns gezeugt, daß er un­sere Erwartungen weit übertreffen kann. Dieser Film ist köstlich. Mit französischer Leichtigkeit und Grazie ist alles gestattet und durchmischt mit Paro­dien einer Opernaufführung, des Film-verbrechers Milieus, der Verfolgungsszenen. Jeder Teil ein Kabinettstück. Die Bedeutung dieses Filmes w in dem Ausbau eines neuen Tonfilmstils, eines, Stils, der sich bewußt abwendet vom Photograph ' scheu Theater, der seine eigenen Gesetze hat sie anwendet. In dem deutschen Lustspiel „Die; von der Tankstelle" war ja zum ersten Mal dieser entrealisierte Stil angewandt worden. René Clail geht nun weiter und baut jene unwillkürliche P«0' distische Spielerei aus und schenkt uns dies köstliche Spiel. Das an Operettenkitsch und Detektivgèschich' ten gewöhnte Publikum hat nicht immer den vollen Kontakt, aber man war doch schon recht aufgeräumt und der künstlerische Tonfilm marschiert. Der Halt des Films ist höchst einfach. Es dreht sich um ein Lotterielos, das ein armer Künstler im feinen Jackett vergessen hat. Das Los bringt eine Million- Man sucht nach dem Billett, aber es hat schon seins! Wanderung angetreten. Das Jackett kam in die Hände eines Verbrecherkönigs, von dort wanderte es als Kostüm zu einem Opernsänger und so st" bis zum glücklichen Ende. Die simple Geschichte «°11 dem Suchen nach dem Lotterielos gibt Gelegen­heit zum Einleuchten in die originellsten Situatio­nen. Der Film gehört zu den wirklichen Spitzen von denen es nur so wenige gibt.

Rundfnnk-Vvosvamm

Dienstag, 11. August 1931

5.55: Wettermeldung. Anschließend: Morgengym­nastik 1 und 2. 7: Frühkonzert auf Schallplattee 12: Von Berlin: Verfassungsfeier. 13.05: Schall­plattenkonzert. 14: Werbekonzert. 15.15—15.4b- Hausfrauen-Nachmittag. 17: Nachmittagskonzerv 18.40: „Ein Handwerker-Dichter auf der' Walz vo 100 Jahren", Dortrag. 19.05: Don Mannheim- „Deutsche Krankenhilfe in der kanadischen Prärie - Dortrag. 19.35: Violinmusik. 20—21: Don Berlm- Feier des Derfassungstages. 21: „Pfälzer Ab e n^ - 22: „Verbrecher gegen Verbrecher", Dortrag. Tagesnachrichten.

Deverne- Oevsammlungen

Techn. Rolhilfe. Mittwoch, 12. August, ?H; Versammlung und Lichtbilder-Vortrag im rant „Sängerheim", Langstraße. Erscheinen em jeden Einzelnen Pflicht und Ehrensache. -

Deulsch-Cvangelischer Frauenbund. . Mütwâ 12. August, Ausflug nach Klein-Steinheim, Resi rant Kuschke. Kaffee dort, Gebäck mitbringen. irische ab Mark 2.59 Uhr, Viadukt umsteigen, verein ehem. 80er. Am Dienstag, H-, Monatsversammlung, abends 8.30 Uhr im ,. einslokal. Die Kameraden werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. , o

Gesangverein „Cinlrachl". Heute abend 8.30 Singstunde. Pünktliches und vollzähliges scheinen wird erwartet. Anschließend Versi- - litzimg.