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* Reichsregierung und Reichsbahnverwaltung haben je 50 000 RM für die Ergreifung der Atten- üter auf den Schnellzug BafelBerlin ausgesetzt.

* Der Berliner Polizeipräsident hat 20 000 RM zur Ermittlung der Mörder der beiden Polizei- offiziere ausgesetzt.

Reichspräsident von Hindenburg empfing am Montag den Reichskanzler Dr. Brüning zur Be- c-chterstattung ü ber den Besuch des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers in Rom

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3n der gestrigen Sitzung des Reichskabinetts wurden die Berichte des Reichskanzlers und des Rcichsaußenministers über ihre Besprechungen in Rom entgegengenommen. Außerdem befaßte sich daß Reichskabinett eingehend mit der Abänderung der Pressenotverordnung. Es wurde besblossen, die Abänderung der Pressenotoerordnung durch eine entsprechende Notverordnung zu veröffentlichen.

Die Reichsregierung hat für Francois Poncet als französischen Botschafter in Berlin und für den bisherigen bulgarischen Gesandten in Bukarest, Romenoff als bulgarischen Gesandten in Berlin das Agrement erteilt.

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Im Zusammenhang mit den Unruhen am Bü­lowplatz in Berlin wurden von der Polizei 164 Verhaftungen vorgenommen. Das Karl-Liebknecht- Haus wird bis zum 20. August polizeilich besetzt bleiben.

Auf Grund des letzten Reichsbankausweises echnet man noch für diese Woche mit einer Sen- ung des Reichsbankdiskontsatzes auf etwa 10 Prozent.

^as Bundesamt des Stahlhelm kündigt iA einer Kundgebung zum Volksentscheid an, daß der Stahl­helm das Ergebnis des Volksentscheides wegen der besonderen Umstände, unter denen es zu­stande kam" anfechten werde.

Paris midi", erklärt bei Besprechung des Er­gebnisses des Volksentscheids u. a., die' unmittel­bare Auswirkung würde zunächst darin bestehen, daß Laval und Briand die Reise nach Berlin in spätestens 14 Tagen antreten würden. Dieser Ent­schluß der französischen Minister werde unverzüg­lich amtlich bekannt gegeben werden.

* In der Nacht zum Montag kam es auf dem Luisenplatz in Stargard in Pommern zu blutigen Zusammenstößen zwischen Linksradikalen und Reichswehrfoldaten. Mehrere Reichswehrsoldaten wurden schwer bzw. leichter verletzt. Eine größere Anzahl von Linksradikalen wurde verhaftet.

. Die Verhängung des Belagerungszustandes über Havanna ist infolge eines Staatsstreichsversuches des früheren Präsidenten Menocal erfolgt. Der Ver­such ist mißglückt. Menocal konnte an Bord seiner Luxusyacht entkommen. Sein Sohn, ferner drei Brüder und 13 andere Oppositionsführer sind ver­haftet worden. In Lugano kam es zu einem Feuer- Gefecht. Drei Aufständische wurden getötet. Sieben Polizisten trugen Verletzungen davon.

In den Sprengstoffwerken Reinsdorf bei Wit- ^berg ereignete sich am Montag vormittag eine schwere Explosion, durch die zwei Personen getötet und mehrere verletzt wurden.

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Der beim Arbeitsgericht Bremen tätige Richter Dr. Meyer hat sich am Samstag erschossen. Dr. -neyer hat die Tat anscheinend in einem Anfall "an seelischer Depression ausgeführt.

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Die ungarische Post hat den Postanweisungs- 'serkehr nach dem Auslande gänzlich eingestellt. In Wertbriefen dürfen mit Bewiligung der ungari= Nationalbank Beträge auch weiterhin ohne ^Beschränkung nach dem Auslande geschickt

Am Samstag abend kam es in Bruchsal im Lokal r, Fortuna zu einer schweren Schlägerei zwischen "onalsozialisten und Kommunisten. Dabei ging 5". mit Messern, Biergläsern und Stuhlbeinen useinander los. Mehrere'Personen, darunter der ^wt, wurden z. T. erheblich verletzt. Die Polizei Straß °'e wieder her und räumte die

Instrumete der Erdbebenwarte auf dem J Selbberg im Taunus verzeichneten Montag Mf, â außerordentlich schweres Erdbeben, "steu Einsatz um 22 Uhr 27 Minuten 52 Se- erfolgt. Die Herdentfernung beträgt .^Kilometer. Das Maximum lag 22 Minuten

D°n öer französischen Regierung nachgesuchte der ^lr Unterstaatsfekretär Francois-Poncet, lin âM grillen Botschafter de Margerie in Ber- worden^E ^ ' "«n der Reschsregierung ertâ

Näheres siehe km politischen Teil.

ZOtwozeniise Herabsetzung der âiessßchuwen 7

Londön, 10. Aug. Das SonntagsblaktThe People", das demselben Besitzer gehört wie das ArbeiterblattDaily Herold", aber in keiner offiziellen Verbindung mit der Labour- Party steht, veröffentlichte gestern als Hauptmeldung eine Mitteilung über die geheimen Besprechungen zwischen dem britischen Premierminister Macdonald und dem amerikanischen Staatssekretär Stimson im schottischen Hochland. Das Blatt glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß diese Besprechungen das Vorspiel zu einer allgemeinen Streichung der Kriegsschulden sein könnten.

Macdonald und Stimson stimmten, wie das Blatt wissen will, darin überein, daß die Nationen nicht länger diese riesigen Lasten tragen könnten. Sie hätten die Vor- und Nachteile dieses Planes einer allgemeinen Verminderung der Kriegsschulden um 50% erörtert, die kürzlich hinter der Szene in Fi­nanzkreisen angeregt wurde. Stimson habe bereits den zweiten Schritt unternommen und den ameri­kanischen Botschafter in Paris ersucht, nach England zu kommen und die Schuldenfrage mit ihm vom französischen Standpunkt aus zu besprechen. Weitere Beratungen würden mit anderen Diplomaten und Staatsmännern stattfinden, bevor Stimson nach Amerika zurückkehre. Stimson prüfe jede Seite der europäischen Meinung, damit er sofort nach seiner Rückkehr nach Amerika dem Präsidenten Hoover ein vollständiges Bild unterbreiten könne. Unterrichtete Persönlichkeiten würden daher, so schließtThe People", nicht erstaunt sein, wenn als Ergebnis aller dieser Besprechungen ein neues Angebot Hoo­vers auf Herabsetzung aller Kriegsschulden um hun- M^MMMWäMMMW^A^WWM fern wurde. Ein solches Angebot könne man Noch vor der Weltabrüstungskonferenz erwarten. Es würde jedoch fast bestimmt von sehr drastischen Ver­minderungen der Rüstungsausgaben aller in Be­tracht kommenden Länder abhängen.

Die 4-ntevvedttttg Gtkmson-Maed-nald

London, 10. Aug. Eine Bestätigung der Mel­dung des Sonntags blatt esThe People'' wird heute von derDaily Mail" gebracht, derzufolge Mac­donald letzte Woche mit dem amerikanischen Staats­sekretär Stimson Besprechungen über die Behebung der Finanzschwierigkeiten der Welt gepflogen hat. Daily Mail" erklärt, der britische Premierminister fasse die Möglichkeit einer Verminderung oder Streichung der Kriegsschulden ins Auge. Das Blatt hebt hervor, daß gestern abend der amerikanische Botschafter in Paris, Edge, der eine bedeutsame Rolle bei den kürM-chen Vorschlägen Hoovers für ein Schiuldenmoratorium gespielt habe, aus Le

Der Meuchelmord an den beiden OolizeioMzieven

V e r l i n, 10. Aug. Zu den gestrigen Vorfällen auf dem Bülow-Platz erfahren wir aus dem Polizeipräsidium, daß es sich nach den bisherigen Feststellungen offensichtlich um einen Meuchelmord an den beiden Polizeioffizieren handelt. Der Polizeioberwachtmeister Willig, der in der gleichen Schießerei, bei der die beiden Polizeioffiziere getötet wurden, schwer ver­letzt wurde, hat bei seiner Vernehmung eine eingehende Darstellung des Vorfalles gegeben, aus der sich die heimtückische und beabsichtigte Ermordung klar ergibt.

Der Reoiervovstöher, Hauptmann Anlauf, war bemüht, Ansammlungen auf dem Bülow-Platz zu vermeiden, um es überhaupt nicht erst zu Zu­sammenstößen tommen zu lassen. In Verleitung des Hauptmanns Lenk und des Polizei obermacht- Meisters Willig kontrollierte Hauptmann Anlauf die Maßnahmen feiner Beamten und kam dabei auch am Karl Liebknecht-Haus vorbei. Die beiden Ofsiziere gingen vorne, hinter ihnen der Oberwacht- mcifter. Plötzlich hörte dieser hinter sich die Worte:

Du nimmst Schweinebacke, du Husar und ich den anderen!"

(Schweinebacke ist der Spitzname des Rsoiervor- stehers Anlauf, Husar der des Obermidybmeifters Willig, der Hauptmann Lenck, der nur ausnahms­weise am Bülo-Plotz Dienst machte, war den Tätern offenbar nicht bekannt.) Sofort nach diesen Worten fielen eine Anzahl Schüsse; Ob erwacht meister Willig riß ebenfalls sofort seine Pistole heraus und feuerte die ganzen acht Schuß des Magazins nach hinten ab. Hauptmann Anlauf brach mit töd­liche,: Verletzungen am Unterleib sofort zusammen; Hauptmann Lenck wurde anscheinend auch sofort tödlich getroffen, stürzte aber, offensichtlich schon zu Tode getroffen, noch in den Eingang des Kinos Babylon und brach dort zusammen. Obernvackst- ineister Willig würd schwer aber nicht lebensgefähr­lich verletzt.

Nach Ansicht der zuständigen Stellen des Poli­zeipräsidiums beweisen die ganzen Vorfälle am Bülow-Platz nicht nur die beabsichtigte planmäßige Ermordung, sondern zeigen auch tim Zusammenhang

Douquet nach Schottland ab gefahren sei, wo er viel­leicht mit Macdonald zusammentreff en werde. Der Korrespondent derDaily Mail" in Loß wem auch meldet, es bestehe alle Möglichkeit, daß Macdonald seinen Erholungsurlaub im schottischen Hochland abbrechen und nach London zurückkehren werde. Macdonald gab in einer Erklärung dem Korrespon­denten gegenüber sein Bedauern über das ungün­stige Wetter Ausdruck und bemerkt«, er werde fo- fort nach einem Flugzeug telephonieren und gleich nach London abfliegen, da er in enger Fühlung mit den Dingen sein wolle. Macdonald teilte mit, daß er jetzt die Prüfung des Berichtes des Sparaüs- fchufses beendet habe. Nichts sei beschloßen worden oder könne beschlossen werden, bis eine Sitzung des Vertrauensausschusses des Kabinetts in London ge­gen Ende August stattgesunden habe. Macdonald hob jetzt hervor, daß die Regierung nicht allein für die weitere Entwicklung auf der Grundlage des Berichts verantwortlich fein könne, da die Kon­servativen und die Liberalen an der Schaffung des

Partei zwei Vertreter im Ausschuß habe. Er be- mertte: Die beiden Vertreter der Regierung unter­zeichneten einen Minderheitsbericht, der mit einigen Anempfehlungen des Siusschuffes nicht überein­stimmt. Tatsache ist, daß die Konservativen und Li­beralen es haben wollen, daß wir die Verantwor­tung übernehmen. Macdonald drückte sich sehr be­friedigt über die inoffiziellen. Unterredungen, die er mit dem amerikanischen Staatssekretär hatte, aus.

London, 10. Aug. Eine Bestätigung der Meldung des Sonntagsblattes The People wird heute von der Daily Mail gebracht.

^Ab-uvd mtb lächerlich" fast Washington

Washington, 10. Aug. Im Staatsdepartement bezeichnet man die englische Nachricht, wonach Macdonald und Stimson über eine Herabsetzung der Kriegsschulden um 50 Prozent gesprochen hätten, alsabsurd und lächerlich".

mit den früheren Morden an Polizeibeamten, daß der illegale R o t f r o n t k ä m p f e rb u n d einen Teil feiner Mitglieder mit der Schußwafse und militärisch s y st è m a t i s ch ausbildet, um Polizeibeamte niederzuschieben.

S2<5<5<3<5 KM Nelobnuos

Berlin, 10. Aug. Am 9. Aug. ö. 3s. wurden am Bülow-Platz der Polizeihaupkmann Anlauf und der Polizeihauptmann Lenk hinterrücks erschaffen, der Polizeioberwachtmeister Willig durch zwei Schüsse schwer verletzt.

Am 1. August d. 3 s. wurde in der Frankfurter Allee der Polizeihauptwachkmeisler Fiebig durch einen Brustschutz lebensgefährlich verletzt.

Am 30. 3uni d. 3s. wurde der Polizeioberwachk- meister Emil Kuhfeld in der Frankfurter Allee niedergefchossen.

Am 29. Wai d. 3s. wurde am Senefelder Platz der Polizeihauptwochtmeisker Zänkert durch einen Schuß getötet.

Nach den polizeilichen Ermittlungen kann kein Zweifel daran bestehen, daß es sich in allen vor- genannten Fällen um planmäßige Wordtaten han­delt. Kommunistische Terrorgruppen haben cs sich zur Aufgabe gesetzt, die Exekutivorgane des Staates mit Witteln organisierten Meuchelmordes zu be­kämpfen.

Nach den weiteren polizeilichen Ermittlungen ist anzunehmen, daß die einzelnen kommunistischen

(Fortsetzung auf Seite 2)

zwölf Lahve NeiMSvevsassung

Der 12. Geburtslag ber deutschen Reichs­verfassung fällt in eine Zeit erdrückender wirt­schaftlicher Not und größter innenpolitischer Beunruhigung. Von einer ungeheuerlichen Krise in ihren Fundamenten schwer bedroht, kämpft die deutsche Wirtschaft um ihre Selbst­erhaltung. Mit schwerer Mühe und Aufbie­tung aller staatserhaltenden Kräfte der Nation ist es soeben der Regierung gelungen, die Ge­fahr des finanziellen Zusammenbruchs des Rei­ches abzuwenden. Und ist es nicht der größte Fluch unserer schiksalsschweren Zeit, daß Mil­lionen fleißiger Hände zu einer aufgezwun­genen Muße verurteilt sind? Die ganze Welt blickt gespannt auf das verzweifelte Ringen des deutschen Volkes mit den Symptomen wirt­schaftlicher und politischer Zersetzung, die einen mit ehrlicher Anteilnahme, die anderen mit schlecht verschleierter Schadenfreude.

In diesen Tagen, in denen jeder deutsche Kopf voller Sorgen und jedes deutsche Herz von Angst und Bange um die nächste Zukunft be­klommen ist, fällt es schwer, Feste zu begehen und sich in eine feierliche Stimmung zu ver­setzen.

Aber gerade der Tag, der an die Schaffung der. neuen Reichsverfassung erinnert, sollte uns Anlaß dazu- sein, unseren Blick von der Not der Stunde abzuwenden und ihn auf die weite historische Perspektive zu richten, die allein ge- demHeute" zu verneinen und mit demMorgen" auszuföhnen.

Mögen von verschiedenen Seiten viele und auch nicht unbegründete Vorwürfe gegen die Schöpfer der Weimarer Verfassung gerichtet werden, mögen sie in der leidenschaftlichen Er­regung des Fieberzustandes, in dem sich das deutsche Volk zur Zeit befindet, für die unheil­volle Entwicklung der Nachkriegsjhhre mitver­antwortlich gemacht werden, jeder Mensch, dem innerpolitische Zwistigkeit und wirtschaftliche Misere nicht den letzten Sinn für Gerechtig­keit genommen haben, muß zugeben, daß durch das Werk der Weimarer Verfassung das Größte und Wichtigste gerettet wurde, was das deutsche Volk besaß und zugleich das einzige, was ihm heute noch auf dem mit Gewitterwol­ken bedeckten Himmel als Hoffnungsstrahl er­scheint: die deutsche Einheit.

Einig in seinen Stämmen . . .". Auf die verfassungsmäßige Auswirkung dieser Prä­ambel der Weimarer Verfassung haben die Männer, denen vor 12 Jahren die gewaltige Aufgabe anvertraut war, dem aus tausend Wunden blutenden Volke nach dem fürchter­lichen Zusammenbruch des Weltkrieges neue Grundlagen feines staatlichen Lebens zu ge­ben, mit Recht den größten Wert gelegt. Durch die Stimme der ersten Nachkriegsjahre, durch Ruhrbesetzung und Inflation, hatte sich dieser reichserhaltende Grundgedanke der Reichsver­fassung bewährt.

Auf diesem Fundament deutscher Reichsein­heit wird die Zukunft weiter bauen können, in­dem sie die Vergangenheit mit der Gegenwart in einer schöpferischen Synthese vereint. Dieses von Reichskanzler Brüning in seiner letzten großen Rundfunkrede an das deutsche Volk geprägte Wort von schöpferischer Synthese ent­hält in sich jene ruhige Zuversicht, jenen uner­schütterlichen Glauben an die Zukunft des gro­ßen deutschen Volkes, der eine unbedingte Vor­aussetzung für die Ueberwindung der heutigen Lage bildet.

Mag die Last, die uns alle jetzt bedrückt, noch so unerträglich schwer sein, sicher ist und bleibt das über alles erhabene Bewußtsein, daß ein 65Millionenvolk von solchen hohen kul­turellen Eigenschaften und wirtschaftlichen Fähigkeiten, wie sie das deutsche Volk besitzt, wenn es nur in seinen Stämmen einig bleibt, allen Gewaltaten der politischen und wirtschaft­lichen Weltkonjunktur und aller vorübergehen­den inneren Zerfahrenheit zum Trotz, letzten Endes doch zum Herrn seines Schicksals wer-e den muß und werden wird.

In diesem Sinne muß uns der 12. Jahres­tag der Reichsverfassung eine Mahnung sein, aus dem Tiefstand, in dem wir uns befinden, unseren Blick in höhere Regionen der Unver-

Ms bettüge Stammes umsatzi 8 «Setten