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Almau Gtadè und Land

Generalanzeiger für

1931

Kv. 185

Montas den

10. Ans«»

arscheiat täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 301.1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 R-Psg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg^ im ReNameteil von 68 mm »reife 25 R-Pfg. z Qsfertengebühr so R-Pfg.

ErMtungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. z Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aüf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.--Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956,3951, »58

Der VolVsentscheid seschettert

«uv 32 Prozent stimmten mit ^a*

11

in

6-

I KEZ^ Iwtyt^f^vw

* Reichskanzler und Dr. Cuytius haben am Sonntag nach ihrer Audienz beim Papst die Heim­reise angetreten.

* Bei Jüterbog wurde auf den Schnellzug BaselFrankfurtBerlin ein raffinierter Spreng­stoffanschlag verübt, wobei drei Personen schwerer I und 19 leichter verletzt wurden.

* Der Abstimmungstag ist in Berlin tagsüber ruhig verlaufen. Am Abend kam es am Bülowplatz zu Schießereien, wobei zwei Polizeihauptleute ge­tötet wurden.

* In Köln wurde der Stahlhelmführer Heister von den Kommunisten erschossen.

An einem nach Atlanta startenden Flugzeug explodierte der Motor. Die sechs Insassen, darunter eine Frau und die beiden, Piloten, fanden den Tod.

Ein schweres Explosionsunglück ereignete sich am Sonntag in einer Feuerwerkskörperfabrit in Göte­borg, die nach mehreren Explosionen in Brand ge- k riet. Bei den Löscharbeiten wurden sieben Feuer­wehrleute schwer verletzt. Drei von ihnen dürsten kaum mit dem Leben davonkommen. Die Fabrik brannte vollständig nieder.

ntorg dort bleiben.

V Wie Havas aus Grenoble berichtet, hat eine Ab­teilung eines französischen Gebirgsartillerie-Regi­ments an der französisch-italienischen Grenze in den Alpen auf dem Gletscher bei der Orsille-Spitze mit dem Fernglas ein Flugzeug gesichtet, das dort not­gelandet sein dürfte und sich anscheinend seit länge­rer Zeit, vielleicht feit dem letzten Winter, dort befindet. Eine Patrouille, ist unterwegs, um auf der 3300 Meter hohen Orsille-Spitze die notwendi­gen Nachforschungen anzustellen.

Wie dem Journal aus Madrid gemeldet wird, hat der Verfassungsausschuß gestern den Artikel fest­gelegt, der die Beziehungen des Staates zur Kirche regelt. Er lautet: Spanien hat keine Staatsreligion. Der Staat unterstützt keine Institutionen konfessio­nellen Charakters. Die religiösen Orden werden auf­gelöst und ihre Vermögen verstaatlicht.

Ein englisches Militärflugzeug stürzte in der Nähe von Folkestone ab und ging in Flammen auf. Alle Versuche, den Führer aus einem brennen­den Gefängnis zu retten, scheiterten an der großen Hitze, so daß er vollkommen verbrannte. Starker Nebel scheint die Ursache des Unglücks gewesen zu sein.

*

Der württembergische Staat stellt für die öffent­lichen Sparkassen eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 35 Millionen RM zur Verfügung, über die dem Landtag demnächst eine Vorlage zugeht. Das Anerbieten ist mehr eine freundliche Geste als die Erfüllung einer Notwendigkeit, denn die Lage der Württembergischen Sparkassen ist so sicher, daß die Bürgschaft des Staates praktisch nicht in Anspruch genommen werden wird.

Die Westfälische Landeszeitung in Münster ist wegen einer Stahlhelmänzeige für die Zeit von vier Wochen ab 10. August verboten worden.

Die Sowjetregierung hatte die Absicht, dem Führer des Zeppelin-Luftschiffes Dr. Eckener an- wßljch des geglückten Arktisfuges den Lenin-Orden Zu verleihen. Auf eine Anfrage des Berliner Sow- Etgesandten bei Dr. Eckener, ob er diese Auszeich­nung annehmen würde, antwortete Dr. Eckener, daß er den Lenin-Orden nicht annehmen könne.

Sämtliche indischen Delegierten, mit Ausnahme von Gandhi, haben die Einladung der englischen Negierung zur Wiederaufnalme der erweiterten Sudaner Verfassungskonferenz im September bzw. Oktober angenommen. Unter den Zusagen befindet auch die der indischen Dichterin, Frau Naidu: va sie zum engeren Gefolge Gandhis gehört, be» neben >etzt kaum noch Zweifel daran, daß der Ma- ebenfalls bereit ist, nach London zu kommen uno vaß er seine Zusage nur noch aus Gründen 'nn-rpolitischer Taktik zurückhält.

Mit dem SchnelldampferBremen" ist James m.L ter' der Bürgermeister Newyorks, in Bre- ^erhaven eingetroffen.

> Näheres stehe im politischen Teil.

Das Endergebnis

Berlin, 9. Aug. Die vorläufige Endzählung aus sämtlichen 23 Wahlkreisen hatte folgendes Ergebnis: Stimmberechtigt 26 459175, 3a 9 793 728, Lein 362 885, Ungültig 184143. Es haben also rund 37 v. H. für die Auflösung des Preußischen Landtages ge­stimmt. Das Gesetz zur Auflösung des Landtages hak somit die erforderliche Anzahl von Ja-Stimmen nicht erhalten.

Die Ergebnisse in -en Abstimmungskreisen

Der Angabe der erforderlichen Ja-Stimmen (51 v. H. der Stimmberechtigten) sind die berichtigten Zahlen der Septemberwahlen zugrunde gelegt. Sie unterscheiden sich von den bis jetzt ver­öffentlichten Zahlen dadurch, daß nicht die Zahl der abgegebenen, sondern korrekter die der ausgestell­ten Stimmscheine verwandt wurde. Das ergibt ein Mehr von rund 31000 Stimmberechtigten. Die Zahl der Stimmberechtigten am 9. August kann erst auf Grund der Abstimmungslisten nach dem Volks­entscheid festgestellt werden. Sie dürfte um 450 000500 000 höher sein als bei den Septemberwahlen des Vorjahres.

Die hinter dem Volksentscheid stehenden Parteien umfassen die Nationalsozialisten, die Deutsch­nationalen, die Deutsche Volkspartei, die Christlich-Soziale Volksgemeinschaft, die Wirtschaftspartei, das Deutsche Landvolk, die Konservative Volkspartei, die Deutsch-Hannoversche Partei, den Christ­lich-Sozialen Volksdienst, die Volksrechtspartei, die Deutsche Bauernpartei und die Kommunisten.

Stimmkreise

Abgegebene

Ja-Stimmen

Erforderliche Ja-Stimmen

Insgesamt abgegebene Stimmen

Zahl der am 14. Sept, l 930 t d. Dolksent- scheidpart.ab- gegeb. Stimm.

Ergebnis bei Volksbegehrens vom April 1931

,1. Ostpreußen s

ë

658 053

690 774

715 047

714 083

714083

2. Berlin . .

6

6

461129

783 717

486 001

787 614

151952

3. Potsdam II s

452133

695 642

474 225

698 429

245956

4. Potsdam I

6

556 075

692 506

593 793

748 481

311322

5. Frankfurt a O.

519 140

542 466

561 374

573 392

383523

6. Pommern . .

659 351

603 978

710499

699 333

531614

7. Breslau . . .

495 556

637 738

538 868

559 622

345601

8. Liegnitz . . .

358 951

405 796

391 599

376 159

252502

9. Oppeln . , ,

290 782

436 337

319 954

327 799

173209

10. Magdeburg .

373 691

441 738

402 402

434 118

277506

11. Merseburg . .

528 369

487105

561009

624119

352342

1 CQ fV^Q

, _ 114233.

13. Schleswlg-Holstem

494 433

228 522

520 854

553 145

298591

14. Weser-Ems .

164 621

172 514

179 391

110484

15. Osthannover

16. Südhannover .

348 293

354 771

360 663

384 507

238134

346 178

500 982

370 691

445 340

234425

17. Westfalen-Nord

*

400 773

734 816

425 327

606 626

187366

18. Westfalen-Süd

551 217

844106

582 534

749 032

276265

19. Hessen-Nassau

554 557

860 099

576 534

764 376

323559

20. Köln-Aachen .

*

245 442

756 157

258 002

541 233

89398

21. Koblenz-Trier

212 324

410 514

2 22 253

257 885

126397

22. Düsseldorf-Ost

531 055

744 741

559 755

803 771

212947

23. Düsseldorf-West

401 847

607 828

415 488

557 059

184327

Insgesamt

9 793 614

13 199 928

10 407 469

12 594 559

5 955 996

Ekmelevsebnisse

Köln. Nach dem vorläufigen Endergebnis, das aus 580 Wahlbezirken in Köln-Stadt vorliegt, sind im ganzen 74158 Jastimmen abgegeben worden, 1812 Neinstimmen, ungültig sind 662 Stimmen. Die Zahl der Stimmberechtigten beträgt 540 021. Bei der letzten Reichstagtzwahl wurden von den Volksentscheidsparteien in Köln 200 343 Stimmen abgegeben, bei dem Volksbegehren betrug die Stimmenzahl 24 000.

Kassel. Der Tag des Volksentscheids ist in der Stadt Kassel ohne jede Störung verlaufen. Die

Blutige Ausschreitungen in Berlin

Zwei Polizeihauptleute erschossen

Berlin, 9. Aug. Zu schweren Zusammenstößen kam es gegen 20.15 Uhr am Bülow- Platz. Vor der Boten Fahne Halle sich eine große Menschenmenge angesammelt, um Wahl­ergebnisse zu erfahren. Die Polizei hatte mehrere starke Patrouillen ausgefandt. Plötzlich fielen vor dem Kino-Theater Babylon mehrere Schüsse, durch die der Polizeihauptmann An­lauf und der Pollzeihauplmann Lenk getötet wurden. Sofort eingesetzte Schupomannschaf- len säuberten mit blanker Waffe und gezogener Pistole den Bülow-Platz. Ein Zivilist wurde verletzt. Alles flüchtete in die anliegenden, fast dunklen Lebensfragen. Zurzeit Hörl man immer wieder Schüsse fallen. Der Platz und die anliegenden Querstraßen sind menschenleer. Die Flüchtenden haben sich in den dunklen Hausfluren zusammengeballt. Alle vorüberkommenden Passanten, Automobilisten und Motorradfahrer werden auf Waffen durchsucht. Die Polizei richtet ihr Hauptaugenmerk auf Fenster und Dächer.

Dev Ängviff dev Kommunisten

Berlin, 9. Aug. Ueber die Ausschreitungen am gegen die Ansammlungen einschreiten und die Bülowplatz werden noch folgende Einzelheiten be- Menge auseinanderdrängen. Bei^ einer dieser kannt: , .

Straße zeigte das gewohnte Bild sonntäglicher Ruhe. Äon 128 680 Stimmberechtigten stimmten nur 37 511 mit Ja und 722 mit Nein. Die Zahl der Ja-Stimmen geht nur knapp über die Stimmen­zahl hinaus, die die Kommunisten und National­sozialisten allein bei der Wahl vom 14. September auf sich vereinigten. Die Parteien des Volksbegeh- rens erzielten damals zusammen 59 779. Die ersten Meldungen vom Lande lassen erkennen, daß dort durchschnittlich eine Wahlbeteiligung von 25 bis 30 Prozent erzielt wurde.

(Fortsetzung auf Seite 2)

2Iuif dem Bülowplatz kam es in den Abendstum- den zu immer stärker werdenden Ansammlungen von Kommunisten. Die Polizei mußte wiederholt

------------- Bei einer dieser I manchen 15 Tote zu verzeichnen sein. Von Polizei-

dt turnen erfolgte plötzlich gegen 20.15 Uhr aus den | [j^er S^ite wird jedoch auf Anfrage erklärt, daß diese

I Reihen der Kommunisten ein regelrechter Feuer- ' überfall auf die Polizei.

Ein« ganze Reihe von Pistolenschüssen krachte, und im nächsten Augenblick lag eine Gruppe von Polizeibeamten, zwei Offiziere und ein Oberwacht­meister, die vor dem Eingang des Kinos Babylon standen, in ihrem Blut. Es handelte sich um die Hauptleute Anlauf und Lenk. Beide Offiziere, von denen Anlauf einen Kopfschuß erhielt, waren auf der Stelle tot, während der bei ihnen stehende Oberwachtmeister durch einen Armschuß verwundet wurde. Im nächsten Augenblick hatten die auf dem Bülowplatz tätigen Polizei beamten ihre Schuß­waffen gezogen und feuerten nun ihrerseits auf die Menge, die in wilder Flucht auseinanderstob.

Die Zahl der dabei verletzten Personen steht im Augenblick noch nicht fest. Von allen Seiten eilten Polizeiverstärkungen herbei, die den Karabiner in der Hand, in Schützenlinie vorgingen, um die Kommunisten zurückzutreiben und gleichzeitig die ganze Umgebung des Bülowplatzes abzuriegeln. Ueber all, wo sich Personen an erleuchteten Fenstern zeigten, wurde ihnen zugerufen:Fenster schließen, Licht aus, sonst wird geschossen." In kurzer Zeit lagen alle Häuser am Bülowplatz in völliger Dunkel­heit. Während in der Dunkelheit immer wieder ein seine Schüsse sowohl aus den Reihen der Auf­rührer wie von der Polizei fielen, wurde ein un= durckdringlicher Polizeikordon um das ganze ehe­malige Scheunenviertel gezogen. Alles, was sich in dem abgesperrten Gebiet befand, mußte sich mit er­hobenen Händen einer Durchsuchung auf Waffen unterziehen. Gleichzeitig setzte eine systematisch« «äuberungsakaon Oer benachbartem Wohnhäuser ein, in deren Hausfluren sich die Menge, Kundgeber und Unbeteiligte, zusammendrängte. Bei der Saube- rungsaktion fand man an mehreren Stellen verletzte Zivilpersonen, die von dem Abwehrfeuer der Poli­zei getroffen worden waren. Gegen 10 Uhr abends war die Aktion, die Kommandeur Heimannsberg selbst leitet, noch in vollem Gang.

Der erschossene Hauptmann Anlauf stammte aus Waldenburg in Schlesien, war vor dem Kriege Feldwebel beim 5. Jägerbataillon und wurde im Krieg zum Offizier befördert. Er trat später in den Polizeidienst und hatte das gefährliche Revier am Bülowplatz mehrere Jahre.

Eiinbernnssaktion dev Volirek

Berlin, 9. Aug. Da die Schüsse am Bülowplatz, die die beiden Hauptleute töteten, gerade vor dem Eingang des Kinos Babylon fielen, erfolgte gegen 21.30 Uhr eine systematische Durchsuchung dieses Kinos. Sämtliche Insassen wurden auf Waffen durchsucht. Die inzwischen eingetroffenen Beamten der Abteilung la wandten ihre Aufmerksamkeit dem Karl-Liebknecht-Haus zu, um festzustellen, wer sich dort in dem Hause befindet. Weitere Durchsuchungen von Häusern fanden statt in der Lothringer Straße. Gegen 21.15 Uhr erschienen auf dem Revier 7, dessen Führer der getötete Hauptmann Anlaus war, Polizeipräsident Grzesinski, der Polizeivizepräsident Dr. Weiß sowie der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei Heimannsberg, die im Verein mit den anderen Führern einen Plan zur durchgreifenden Säuberung des ganzen Komplexes um den Bülow­platz durchsprachen. Bei der Durchsuchung der Miisiker-Festsäle in der Kaiser-Wilhelm-Straße mußte die Polizei vom Gummiknüppel Gebrauch machen, da die Teilnehmer an der Kundgebung viel­fach renitent wurden. Dabei gab es sechs Verletzte, die eingeliafert wurden.

nächst wurden mehrere Beamte, die

Wie weiter gemeldet wird, begannen die Beamten der Abteilung la am Tatort sofort mit den Fest­stellungen. Zunächst wurden mel Augenzeugen des Feuerüberfalles waren, vernom­men. Es wurde festgestellt, daß der Schütze den drei in Betracht kommendem Beamten von vorn ent-

gegengetreten ist. Der Schütze feuerte feine Pistole aus etwa fünf Schritte Entfernung ab. Haupt­mann Anlauf brach sofort tot zusammen, während Hauptmann Lenk dem Schützen, der in den Vor­raum des Kinos geflüchtet war, sofort nachstürzte. Nach einigen Schritten brach aber Hauptmann Lemk infolge seiner schweren Verletzung gleichfalls zu- 'amnien. Im allgemeinen Tumult gelang es dann )em Attentäter zu entkommen. Den Zeugenver­nehmungen wohnte auch der Vizepräsident Weiß und )er Kommandeur der Schutzpolizei bei.

Die Lahl der Todesopfer der Verlüt. ZufammenfiStze

Berlin, 9. Aug. Gerüchten zufolge sollen bei der Schießerei am Bülow-Platz auf Sekten der Ko-m-