Almau Gtadè und Land
Generalanzeiger für
1931
Kv. 185
Montas den
10. Ans«»
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Der VolVsentscheid seschettert
«uv 32 Prozent stimmten mit ^a*
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* Reichskanzler und Dr. Cuytius haben am Sonntag nach ihrer Audienz beim Papst die Heimreise angetreten.
* Bei Jüterbog wurde auf den Schnellzug Basel—Frankfurt—Berlin ein raffinierter Sprengstoffanschlag verübt, wobei drei Personen schwerer I und 19 leichter verletzt wurden.
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* Der Abstimmungstag ist in Berlin tagsüber ruhig verlaufen. Am Abend kam es am Bülowplatz zu Schießereien, wobei zwei Polizeihauptleute getötet wurden.
* In Köln wurde der Stahlhelmführer Heister von den Kommunisten erschossen.
An einem nach Atlanta startenden Flugzeug explodierte der Motor. Die sechs Insassen, darunter eine Frau und die beiden, Piloten, fanden den Tod.
Ein schweres Explosionsunglück ereignete sich am Sonntag in einer Feuerwerkskörperfabrit in Göteborg, die nach mehreren Explosionen in Brand ge- k riet. Bei den Löscharbeiten wurden sieben Feuerwehrleute schwer verletzt. Drei von ihnen dürsten kaum mit dem Leben davonkommen. Die Fabrik brannte vollständig nieder.
ntorg dort bleiben.
V Wie Havas aus Grenoble berichtet, hat eine Abteilung eines französischen Gebirgsartillerie-Regiments an der französisch-italienischen Grenze in den Alpen auf dem Gletscher bei der Orsille-Spitze mit dem Fernglas ein Flugzeug gesichtet, das dort notgelandet sein dürfte und sich anscheinend seit längerer Zeit, vielleicht feit dem letzten Winter, dort befindet. Eine Patrouille, ist unterwegs, um auf der 3300 Meter hohen Orsille-Spitze die notwendigen Nachforschungen anzustellen.
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Wie dem Journal aus Madrid gemeldet wird, hat der Verfassungsausschuß gestern den Artikel festgelegt, der die Beziehungen des Staates zur Kirche regelt. Er lautet: Spanien hat keine Staatsreligion. Der Staat unterstützt keine Institutionen konfessionellen Charakters. Die religiösen Orden werden aufgelöst und ihre Vermögen verstaatlicht.
Ein englisches Militärflugzeug stürzte in der Nähe von Folkestone ab und ging in Flammen auf. Alle Versuche, den Führer aus einem brennenden Gefängnis zu retten, scheiterten an der großen Hitze, so daß er vollkommen verbrannte. Starker Nebel scheint die Ursache des Unglücks gewesen zu sein.
*
Der württembergische Staat stellt für die öffentlichen Sparkassen eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 35 Millionen RM zur Verfügung, über die dem Landtag demnächst eine Vorlage zugeht. Das Anerbieten ist mehr eine freundliche Geste als die Erfüllung einer Notwendigkeit, denn die Lage der Württembergischen Sparkassen ist so sicher, daß die Bürgschaft des Staates praktisch nicht in Anspruch genommen werden wird.
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Die Westfälische Landeszeitung in Münster ist wegen einer Stahlhelmänzeige für die Zeit von vier Wochen ab 10. August verboten worden.
Die Sowjetregierung hatte die Absicht, dem Führer des Zeppelin-Luftschiffes Dr. Eckener an- wßljch des geglückten Arktisfuges den Lenin-Orden Zu verleihen. Auf eine Anfrage des Berliner Sow- Etgesandten bei Dr. Eckener, ob er diese Auszeichnung annehmen würde, antwortete Dr. Eckener, daß er den Lenin-Orden nicht annehmen könne.
•
Sämtliche indischen Delegierten, mit Ausnahme von Gandhi, haben die Einladung der englischen Negierung zur Wiederaufnalme der erweiterten Sudaner Verfassungskonferenz im September bzw. Oktober angenommen. Unter den Zusagen befindet auch die der indischen Dichterin, Frau Naidu: va sie zum engeren Gefolge Gandhis gehört, be» neben >etzt kaum noch Zweifel daran, daß der Ma- ebenfalls bereit ist, nach London zu kommen uno vaß er seine Zusage nur noch aus Gründen 'nn-rpolitischer Taktik zurückhält.
Mit dem Schnelldampfer „Bremen" ist James m„.L ter' der Bürgermeister Newyorks, in Bre- ^erhaven eingetroffen.
•> Näheres stehe im politischen Teil.
Das Endergebnis
Berlin, 9. Aug. Die vorläufige Endzählung aus sämtlichen 23 Wahlkreisen hatte folgendes Ergebnis: Stimmberechtigt 26 459175, 3a 9 793 728, Lein 362 885, Ungültig 184143. Es haben also rund 37 v. H. für die Auflösung des Preußischen Landtages gestimmt. Das Gesetz zur Auflösung des Landtages hak somit die erforderliche Anzahl von Ja-Stimmen nicht erhalten.
Die Ergebnisse in -en Abstimmungskreisen
Der Angabe der erforderlichen Ja-Stimmen (51 v. H. der Stimmberechtigten) sind die berichtigten Zahlen der Septemberwahlen zugrunde gelegt. Sie unterscheiden sich von den bis jetzt veröffentlichten Zahlen dadurch, daß nicht die Zahl der abgegebenen, sondern korrekter die der ausgestellten Stimmscheine verwandt wurde. Das ergibt ein Mehr von rund 31000 Stimmberechtigten. Die Zahl der Stimmberechtigten am 9. August kann erst auf Grund der Abstimmungslisten nach dem Volksentscheid festgestellt werden. Sie dürfte um 450 000—500 000 höher sein als bei den Septemberwahlen des Vorjahres.
Die hinter dem Volksentscheid stehenden Parteien umfassen die Nationalsozialisten, die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, die Christlich-Soziale Volksgemeinschaft, die Wirtschaftspartei, das Deutsche Landvolk, die Konservative Volkspartei, die Deutsch-Hannoversche Partei, den Christlich-Sozialen Volksdienst, die Volksrechtspartei, die Deutsche Bauernpartei und die Kommunisten.
Stimmkreise
Abgegebene
Ja-Stimmen
Erforderliche Ja-Stimmen
Insgesamt abgegebene Stimmen
Zahl der am 14. Sept, l 930 t d. Dolksent- scheidpart.ab- gegeb. Stimm.
Ergebnis bei Volksbegehrens vom April 1931
,1. Ostpreußen s
•
ë
658 053
690 774
715 047
714 083
714083
2. Berlin . . „
6
6
461129
783 717
486 001
787 614
151952
3. Potsdam II s
•
452133
695 642
474 225
698 429
245956
4. Potsdam I
6
556 075
692 506
593 793
748 481
311322
5. Frankfurt a O.
•
•
519 140
542 466
561 374
573 392
383523
6. Pommern . .
•
•
659 351
603 978
710499
699 333
531614
7. Breslau . . .
495 556
637 738
538 868
559 622
345601
8. Liegnitz . . .
•
358 951
405 796
391 599
376 159
252502
9. Oppeln . , ,
•
•
290 782
436 337
319 954
327 799
173209
10. Magdeburg .
•
•
373 691
441 738
402 402
434 118
277506
11. Merseburg . .
528 369
487105
561009
624119
352342
1 CQ fV^Q
, _ 114233.
13. Schleswlg-Holstem
494 433
228 522
520 854
553 145
298591
14. Weser-Ems .
164 621
172 514
179 391
110484
15. Osthannover
16. Südhannover .
348 293
354 771
360 663
384 507
238134
•
•
346 178
500 982
370 691
445 340
234425
17. Westfalen-Nord
•
*
400 773
734 816
425 327
606 626
187366
18. Westfalen-Süd
•
551 217
844106
582 534
749 032
276265
19. Hessen-Nassau
554 557
860 099
576 534
764 376
323559
20. Köln-Aachen .
*
245 442
756 157
258 002
541 233
89398
21. Koblenz-Trier
•
212 324
410 514
2 22 253
257 885
126397
22. Düsseldorf-Ost
531 055
744 741
559 755
803 771
212947
23. Düsseldorf-West
401 847
607 828
415 488
557 059
184327
Insgesamt
9 793 614
13 199 928
10 407 469
12 594 559
5 955 996
Ekmelevsebnisse
Köln. Nach dem vorläufigen Endergebnis, das aus 580 Wahlbezirken in Köln-Stadt vorliegt, sind im ganzen 74158 Jastimmen abgegeben worden, 1812 Neinstimmen, ungültig sind 662 Stimmen. Die Zahl der Stimmberechtigten beträgt 540 021. Bei der letzten Reichstagtzwahl wurden von den Volksentscheidsparteien in Köln 200 343 Stimmen abgegeben, bei dem Volksbegehren betrug die Stimmenzahl 24 000.
Kassel. Der Tag des Volksentscheids ist in der Stadt Kassel ohne jede Störung verlaufen. Die
Blutige Ausschreitungen in Berlin
Zwei Polizeihauptleute erschossen
Berlin, 9. Aug. Zu schweren Zusammenstößen kam es gegen 20.15 Uhr am Bülow- Platz. Vor der Boten Fahne Halle sich eine große Menschenmenge angesammelt, um Wahlergebnisse zu erfahren. Die Polizei hatte mehrere starke Patrouillen ausgefandt. Plötzlich fielen vor dem Kino-Theater Babylon mehrere Schüsse, durch die der Polizeihauptmann Anlauf und der Pollzeihauplmann Lenk getötet wurden. Sofort eingesetzte Schupomannschaf- len säuberten mit blanker Waffe und gezogener Pistole den Bülow-Platz. Ein Zivilist wurde verletzt. Alles flüchtete in die anliegenden, fast dunklen Lebensfragen. Zurzeit Hörl man immer wieder Schüsse fallen. Der Platz und die anliegenden Querstraßen sind menschenleer. Die Flüchtenden haben sich in den dunklen Hausfluren zusammengeballt. Alle vorüberkommenden Passanten, Automobilisten und Motorradfahrer werden auf Waffen durchsucht. Die Polizei richtet ihr Hauptaugenmerk auf Fenster und Dächer.
Dev Ängviff dev Kommunisten
Berlin, 9. Aug. Ueber die Ausschreitungen am gegen die Ansammlungen einschreiten und die Bülowplatz werden noch folgende Einzelheiten be- Menge auseinanderdrängen. Bei^ einer dieser kannt: , .
Straße zeigte das gewohnte Bild sonntäglicher Ruhe. Äon 128 680 Stimmberechtigten stimmten nur 37 511 mit Ja und 722 mit Nein. Die Zahl der Ja-Stimmen geht nur knapp über die Stimmenzahl hinaus, die die Kommunisten und Nationalsozialisten allein bei der Wahl vom 14. September auf sich vereinigten. Die Parteien des Volksbegeh- rens erzielten damals zusammen 59 779. Die ersten Meldungen vom Lande lassen erkennen, daß dort durchschnittlich eine Wahlbeteiligung von 25 bis 30 Prozent erzielt wurde.
(Fortsetzung auf Seite 2)
2Iuif dem Bülowplatz kam es in den Abendstum- den zu immer stärker werdenden Ansammlungen von Kommunisten. Die Polizei mußte wiederholt
-------------— Bei einer dieser I manchen 15 Tote zu verzeichnen sein. Von Polizei-
dt turnen erfolgte plötzlich gegen 20.15 Uhr aus den | [j^er S^ite wird jedoch auf Anfrage erklärt, daß diese
I Reihen der Kommunisten ein regelrechter Feuer- ' überfall auf die Polizei.
Ein« ganze Reihe von Pistolenschüssen krachte, und im nächsten Augenblick lag eine Gruppe von Polizeibeamten, zwei Offiziere und ein Oberwachtmeister, die vor dem Eingang des Kinos Babylon standen, in ihrem Blut. Es handelte sich um die Hauptleute Anlauf und Lenk. Beide Offiziere, von denen Anlauf einen Kopfschuß erhielt, waren auf der Stelle tot, während der bei ihnen stehende Oberwachtmeister durch einen Armschuß verwundet wurde. Im nächsten Augenblick hatten die auf dem Bülowplatz tätigen Polizei beamten ihre Schußwaffen gezogen und feuerten nun ihrerseits auf die Menge, die in wilder Flucht auseinanderstob.
Die Zahl der dabei verletzten Personen steht im Augenblick noch nicht fest. Von allen Seiten eilten Polizeiverstärkungen herbei, die den Karabiner in der Hand, in Schützenlinie vorgingen, um die Kommunisten zurückzutreiben und gleichzeitig die ganze Umgebung des Bülowplatzes abzuriegeln. Ueber all, wo sich Personen an erleuchteten Fenstern zeigten, wurde ihnen zugerufen: „Fenster schließen, Licht aus, sonst wird geschossen." In kurzer Zeit lagen alle Häuser am Bülowplatz in völliger Dunkelheit. Während in der Dunkelheit immer wieder ein seine Schüsse sowohl aus den Reihen der Aufrührer wie von der Polizei fielen, wurde ein un= durckdringlicher Polizeikordon um das ganze ehemalige Scheunenviertel gezogen. Alles, was sich in dem abgesperrten Gebiet befand, mußte sich mit erhobenen Händen einer Durchsuchung auf Waffen unterziehen. Gleichzeitig setzte eine systematisch« «äuberungsakaon Oer benachbartem Wohnhäuser ein, in deren Hausfluren sich die Menge, Kundgeber und Unbeteiligte, zusammendrängte. Bei der Saube- rungsaktion fand man an mehreren Stellen verletzte Zivilpersonen, die von dem Abwehrfeuer der Polizei getroffen worden waren. Gegen 10 Uhr abends war die Aktion, die Kommandeur Heimannsberg selbst leitet, noch in vollem Gang.
Der erschossene Hauptmann Anlauf stammte aus Waldenburg in Schlesien, war vor dem Kriege Feldwebel beim 5. Jägerbataillon und wurde im Krieg zum Offizier befördert. Er trat später in den Polizeidienst und hatte das gefährliche Revier am Bülowplatz mehrere Jahre.
Eiinbernnssaktion dev Volirek
Berlin, 9. Aug. Da die Schüsse am Bülowplatz, die die beiden Hauptleute töteten, gerade vor dem Eingang des Kinos Babylon fielen, erfolgte gegen 21.30 Uhr eine systematische Durchsuchung dieses Kinos. Sämtliche Insassen wurden auf Waffen durchsucht. Die inzwischen eingetroffenen Beamten der Abteilung la wandten ihre Aufmerksamkeit dem Karl-Liebknecht-Haus zu, um festzustellen, wer sich dort in dem Hause befindet. Weitere Durchsuchungen von Häusern fanden statt in der Lothringer Straße. Gegen 21.15 Uhr erschienen auf dem Revier 7, dessen Führer der getötete Hauptmann Anlaus war, Polizeipräsident Grzesinski, der Polizeivizepräsident Dr. Weiß sowie der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei Heimannsberg, die im Verein mit den anderen Führern einen Plan zur durchgreifenden Säuberung des ganzen Komplexes um den Bülowplatz durchsprachen. Bei der Durchsuchung der Miisiker-Festsäle in der Kaiser-Wilhelm-Straße mußte die Polizei vom Gummiknüppel Gebrauch machen, da die Teilnehmer an der Kundgebung vielfach renitent wurden. Dabei gab es sechs Verletzte, die eingeliafert wurden.
nächst wurden mehrere Beamte, die
Wie weiter gemeldet wird, begannen die Beamten der Abteilung la am Tatort sofort mit den Feststellungen. Zunächst wurden mel Augenzeugen des Feuerüberfalles waren, vernommen. Es wurde festgestellt, daß der Schütze den drei in Betracht kommendem Beamten von vorn ent-
gegengetreten ist. Der Schütze feuerte feine Pistole aus etwa fünf Schritte Entfernung ab. Hauptmann Anlauf brach sofort tot zusammen, während Hauptmann Lenk dem Schützen, der in den Vorraum des Kinos geflüchtet war, sofort nachstürzte. Nach einigen Schritten brach aber Hauptmann Lemk infolge seiner schweren Verletzung gleichfalls zu- 'amnien. Im allgemeinen Tumult gelang es dann )em Attentäter zu entkommen. Den Zeugenvernehmungen wohnte auch der Vizepräsident Weiß und )er Kommandeur der Schutzpolizei bei.
Die Lahl der Todesopfer der Verlüt. ZufammenfiStze
Berlin, 9. Aug. Gerüchten zufolge sollen bei der Schießerei am Bülow-Platz auf Sekten der Ko-m-