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Brüning an das deutsche Volk

Süv internationale Zusammenarbeit - Srhicksalsvevbundenheit der Weltwirtschaft - Keine Inflation - Warnung vor «ebevspitzuns volitischer Gegensätze

Di« Abreise des Reichskanzlers Dr. Brüning und des ReichsaußenminisMs Dr. Curtius erfolgt heute abend gegen 22 Uhr vom Anhalter Bahnhof.

Di« Usbertragung der Radioansprache des deutschen Reichskanzlers in Amerika war ausge-

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Smet; sie wurde im ganzen Lande durch Rund- [ verbrettet.

Der Reichspräsident hat den Grafen Friedrich Werner von der Schulenburg zum Gesandten in Bukarest, den Geheimrat Ernst Eisenlohr zum Ge­sandten in Athen und Dr. Wipert von Blücher zum Gesandten in Teheran ernannt.

In einer halbstündigen Rundfunkrede, die über alle deutschen Sender verbreitet wurde, hat der Reichskanzler Dr. Brüning gestern abend einen Ueberblick gegeben über die politische und wirt­schaftliche Entwicklung der letzten Krisenwochen. Die Rede, in chrer nüchternen Sachlichkeit beson­ders wirkungsvoll, war einmal ein Rechenschafts­bericht über die von der Reichsregierung in letzter Zeit außenpolitisch und wirtschaftspolitisch unter­nommenen Schritte und zum anderen eine

Planes über die Gesamtheit der uns bedrängenden Nöte hinweg seien. Dieser Sorge hat diè Ent­wicklung der Zwischenzeit recht gegeben.

Das deutsche Volk hat die über alle Schichten hereingebrochene schwere Prüfung mit vorbild­licher Ruhe über sich ergehen lasse.. . f natürlichen Sinn für Ordnung und Führung bewährt,

ien und seinen

* Der Berliner nationalsozialistischeAngriff" ist bis einschließlich Donnerstag, 6. August, ver­boten worden. Das Verbot geht auf zwei Artikel zurück, in denen, wie es in der Begründung für das Verbot heißt, die Polizei beleidigt wird.

*

* Obgleich offiziell der unbeschränkte Zahlungs- lungsverkehr erst Mittwoch ausgenommen werden soll, haben die Berliner Großbanken schon ab Dienstag bei ihren Auszahlungen eine gewiss« Frei­zügigkeit walten lassen. Ueberall Haben die Ein­zahlungen die Auszahlungen bei weitem über-

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in die Staatsführung und in die Leistungsfähigkeit und in den Lebenswillen des deutschen Volkes.

Der Reichskanzler hat offen und ohne jede Schönfärberei gesprochen. Wer allerdings von der Rede des Reichskanzlers Aufschluß über die wei­teren Pläne, über die gegenwärtig im Schoße des Kabinetts behandeüen Selbsthilfemaßnahmen, er­wartet hatte, der wird nicht ohne eine leise Ent­täuschung von seinem Lautsprecher weggegangen sein. Die Rede war in ihrer Hauptsache ein Rück­blick, sie konnte wohl auch, wenn, die weiteren Be­ratungen des Kabinetts keine Störungen erfahren sollten, nur ein Rückblick sein.

Ueber das,

der die verdiente Anerkennung der ganzen Welt ge­funden hat. Die deutsche Oeffentlichkeit hat daher ein Recht darauf, von der Reichsregierung über

er

die GefchebttMe dev letzte« Ärsche«

unterrichtet zu werden, zumal die berufene Volks­vertretung, der Deutsche Reichstag, in staats­männischer Einsicht dem Wunsche der Reichsregie­rung gefolgt ist und von einer Sommertagung in diesen Krisenmonaten Abstand genommen hat.

Die Reichsregierung mußte in den vergangenen Monaten in ihren Maßnahmen, vor allem in der Reparationspolitik, ohne Rücksicht auf Agitations­bedürfnisse behutsam vorgehen, weil sie sich ge­wisser, in der Lage unseres Geldmarktes bedingter, l^^l6*rtÈÉiii^EilÈ^ni '

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Der spanische Arbeitsmiuister hat mehrere so­ziale Gesetze angekündigt, barunter das Gesetz über ein Kontrollrecht der Arbeiter in industriellen Be­trieben, das Gesetz zur Schaffung von Arbeits­börsen zur leichteren Erfassung der Arbeitslosig­keit sowie das Gesetz über Reglementierung der Arbettsunfälle in Landwirtschaft und Industrie.

Vor sechs Wochen sagte ich deshalb, daß das Gedeihen Europas und der Welt davon ab- Hänge, daß diejenigen, die ein trauriges Ge­schick im Weltkrieg zu Feinden werden ließ, nunmehr weitsichtig zu den Entschlüssen sich auf- rafften, welche die gemeinsame beklemmende

Rot von ihnen fordert.

Ich sagte insbesondere, daß sich die doutsche Re­gierung bewußt sei, welch« wichtige Rolle der zu­künftigen Gestaltung der Beziehungen zwischen Frankrsich und Deutschland zufällt.

Aus solchen Erwägungen, die trotz aller Hinder- niste in steigendem Maße bei den entscheidenden Faktoren sich durch^ufetzen beginnen, ist es inzwi­schen M dem deutschen Staatsbesuch in Paris g«- kommen, dem sich alsdann die Siebenmächtekonfe­renz in London anschloß. Dieser Konferenz folgten die Besuche der amerikanischen und englischen Staatsmänner in der Reichs-Hauptstadt. Morgen abend begebe ich mich, einer Einladung der italie­nischen Regierung folgend, in Begleitung des Herrn Reichsaußenministers nach Rom. Hoffentlich wer­den wir in einiger Zeit den in Paris auf genom­menen deutsch-französischen Gedankenaustausch bei den: Gegenbesuch der französischen Staatsmänner in Berlin in freimütiger Weise fortsetzen.

Die EvsebttMe dev a«tze«voltt;schen Bewsechunge« sind naturgemä aus Mem

«r _________ ' UM eine

-------- ------ »etutrort . soll. Zwischen den Erstlrngsevgebni'ssen solcher Zusam­menkünfte und den durch die dringende Not erreg­ten Hoffnungen wird immer eine schmerzliche Di­stanz bestehen. So sehr ich dieses Geschehen ver­stehe und bedauere, so bedauerlich wäre es doch, wenn solche Anfangsenttäufchungen imstande wä­ren, den «ch-schlossenen Willen Deutschlands zu hemmen, auf dem beschrittenen und auf die Dauer allein aussichtsvollen Weg« weiterzugehen. Was das bisher auf der Londoner Konferenz erzielte

Ergebnis

anlangt, so wiederhole ich Bekanntes, wenn ich sage, daß zunächst der an die Reichsbank bewilligte Kredit für drei Monate erneuert worden ist, daß durch gemeinsamen Beschluß der beteiligten Regie- rungen und durch Einwirkung auf die heimischen Banken weiterer Abzug von Krediten aus Deutsch­land verhindert worden ist, und daß schließlich das Komitee erster Banksachverständiger in den nächsten Tagen beraten soll, um die Frage weiterer deutscher Kreditbedürsnisse zu prüfen und geeignete Vorschläge zu machen.

emotionale

bauerb

prochen: Zielrichtung der Außenpolitik wird wei ter die dauerhafte internationale Zusammenarbeit sein, hinsichtlich der Selbsthilfemaßnahmen wird völlige wirtschaftliche Autokratie abgelehnt, diese Woche soll noch die Entscheidung über die Be­schränkung des Zahlungsverkehrs bei den Spar- kasien bringen, für die Banken wird eine Staats­aufsicht geschaffen werden. Ueber die weiteren Maßnahmen, über die auf fast allen Gebieten im

au!

Der englische FischdampferTitonian" ist in der Nähe von Husavik an der Nordküst« Islands von dem dänischen KanonenbootThor" angeblich we­gen Fischfangs innerhalb dänischer Hoheitsgewässer beschossen worden. DieThor" feuerte 18 Schuß und erzielte mehrere Treffer am Mast und an den Schornsteinen derTttonian", bevor diese sich er­gab. Verlust« an Menschenleben sind angeblich nicht zu verzeichnen gewesen.

Wie aus Aßling an der Grenze zwischen Süd- slawien und Kärnten gemeldet wird ereigneten sich am Montag mittag auch in der dortigen Grenz­station mehrere Bombenexplosionen. Der Anwei- fing des Verkehrsmiisteriums gemäß hatte man auf er Station die aus dem Ausland gekommenen Wagen abgehängt und durchsucht, wobei man einige Pakete mit Explosivstoffen fand. Die Kontrollorgane hatten jedoch bei der Durchsuchung eines Wagens mehrere Pakete übersehen, so daß kurze Zeit fpä- rer dennoch Explosionen erfolgten. Ein Wagen P und 2. Klasse wurde dabei schwer beschädigt. Menschenopfer sind nicht zu beklagen.

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Die am 14. Juli verschoben« Landuingsfahrt des -®raf Zeppelin" nach London wird am 18. August Borgens 7 Uhr angetreten werden. Die Landung auf dem Flugplatz Heston bei London wird .am

August abends gegen 18 Uhr erfolgen. Um 19 "Or erfolgt eine Rundfahrt um die englischen Jn- stln. Nach einer kurzen Zwischenlandung am

August tritt das Luftschiff seine Heimreise nach miedrichshafen an, wo es am 20. August früh 6 "hr auf dem Werftgelände landen wird.

3m Zusammenhang mit der Meldung, daß ^utfchland einen Kredit erhalten könne, wenn es mexikanisch« Baumwoll- und Weizenbestände an= mufe, verlautet, daß dieser Kredit eine Laufzeit an drei Jahren haben würde. Von einigen demo- suischen Senatoren wurde Einspruch gegen diesen «boben, da derartige Verkäufe des Farm f'aard di« Nachfrage nach der gegenwärtigen Ernte ^einträchtigen würden

Trotzdem soll der Wert der Kanzlerrede nicht verkleinert werden. Es war nötig, daß wieder einmal von der Reichsregierung die Fühlung mit dem Volk ausgenommen wurde, denn das hat der Reichskanzler selber unterstrichen ohne die tätige Mithilfe des gesamten Volkes nützen alle Notverordnungen nichts. Wir lassen hier die Rede Dr. Brünings im Wortlaut folgen:

Meine Damen und Herren! heute vor sechs Wochen habe ich mich schon einmal an dieser Stelle an das deutsche Volk gewandt. Damals standen wir unter dem Eindruck des großen historischen Schrittes des Herrn Präsidenten Hoover, durch den Deutsch­land auf ein Jahr von der Zahlung der Repa­rationsverpflichtungen befreit werden sollte.

Gleich damals habe ich vor der Illusion ge­warnt, daß wir bei Annahme dieses hochherzigen

t. .$« Einwanderungskommissar in Amerika gibt c daß die Zahl der Einwandcrnden seit dem . ^sswnskrieg nie si am 30. 6. abgell

N^-^.?lesem Jahr

io gering gewesen sei, wie in äuisenen Fiskaljahr. Insgesamt ueiem ^ayr nur 93139 Personen in den einiflten Staaten eingewandert. Davon ent- Deutschland 10 401 Eingewanderte gegen

192R'9a 5^ im Dcwjahre unö 75091 im Fiskaljahr Die Einwanderung aus England und a[ten seigt ähnliche Rückgänge.

Näheres siehe im politischen Teil.

iehende die politischen und wirtschaftlichen Er­eignisse in den letzten sechs Wochen geradezu über­stürzt.

Der Hoover-Plan ist in seinem wesentlichsten Inhalt Wirklichkeit geworden, wenn auch eine mehrwöchige Verzögerung schwere Rückwir­kungen auf die deutsche Wirtschaft ausgeübl Hal.

Die in diesen Wochen erfolgte Entziehung kurz­fristiger ausländischer Kredite in Milliardenhöhe aus den deutschen Banken bedeutet für unsere

Volkswirtschaft einen plötzlichen und gefahrvollen Blutverlust. ^Starke Störungen des Zahlungsver- «samten Wärt-

kehrs und Erschütterungen des gesamten schaftslebens waren die naturgemäße Folge.

Ein bedeutsamer Fortschritt ist aber als Er­gebnis dieser Krisis unverkennbar. Heute ist sich Sie gesamte Welt darüber einig, daß

die GeschkEe dev SöSkev mit eitt- a«dev auf das eusfte vevflochien sind, daß Störungen im Organismus eines so gro­ßen Wirtschaftskörpers wie Deutschland nicht ohne ernste Folgewirkungen auch im Auslande bleiben können. Kein Politiker kann mehr die Richtigkeit des Satzes bezweifeln, daß die Not eines Volkes nicht der Vorteil eines anderen fein kann.

Eine durchgreifende Finanzhilfe groß, ich trage keine Bedenken, dieses fest

ien Stils .

ist damit einstweilen nicht erreicht.

Des Betuch in Asm

Nie Wita Vovbevettungen in Rom

Rom, 4. Aug. Bereits gestern ist Mussolini aus dem Seebad in die römische Sommer­hitze zurückgekehrt, um die letzten Vorbereitungen für die politischen Besprechungen mit Brüning und Curtius zu treffen. Heute ist der italienische Botschafter in Berlin in Rom an­gekommen. Am Brenner wird Botschafter von Schubert die deutschen Minister empfangen und mit ihnen gemeinsam die Fahrt in einem von der italienischen Regierung zur Ver­fügung gestellten Salonwagen machen.

In Rom werden die deutschen Staatsmänner als Gäste der Regierung im Grandhotel wohnen. Freitag mittag gibt Grandi, Freitag abend Musso­lini ein Essen zu ihren Ehren. Samstag vormittag ist der Besuch beim Papst. Für Sainrstag nach­mittag ist ein Ausflug nach Nettuno geplant, wo Mussolini und Grandi bereits mit Stimson verhandelt haben. Die Besprechungen mit Mussolini sollen ohn« Dolmetscher auf deutsch geführt wer­den, das der Duce zur Genüge beherrscht.

In ihren Kommentaren ist die römische Presse, die offenbar schon unter dem Eindruck der italie- nnfchen Sommerhitze steht, bisher ziemlich zurück- haltend. Nur dasGiornale d'Jtalia" bringt einen halbamtlichen Bsgrüßungscmfsatz, in dem es unter anderm heißt:

Die italienische Nation schätzt die auswärtige und innere Arbeit des Kanzlers Brüning, der mit fester Hand viele stürmische Ereignisse zu meistern versteht und die nationalen Forderungen mit den Opportunitäten und Notwendigkeiten der inter­nationalen Lage zu vereinigen' weiß. Die italie­nische Nation schätzt auch die bewundernswerte An­strengung für den inneren Wiederaufbau und den

äußeren Aufschwung, den Deutschland nach den harten Lehren des Krieges, besonders in den letzten Jahren, mit Diflziplin durchführt. Deshalb wird der Besuch auf italienischer Seite ein freundschaft­liches Gefühl des Verständnisses haben, das frei von übertriebenen Reserven st und weiter glück­liche Entwicklungen offenläßt Nach der deutschen Presse, so schreibt das Blatt, soll in Rom über die vier Punkte Abrüstung, Zollunion, Zusammen­arbeit beim Völkerbund und über die Reparationen gesprochen werden. Das Verzeichnis stimme, aber es sei wahrscheinlich unvollständig. Mit der Zoll­union beschäftig« sich das Haager Gericht, und es sei zum wenigsten ungelegen seinem wohlerwogenen Urteil im voraus Betrachtungen vorauszu schicken.

Der Aufsatz schließt: Wir drücken dem Kanzler Brüning und dem Minister Curtius unsern ehrer­bietigsten und herzlichen Gruß aus. Sie können als willkommene Gäste Roms sicher sein, daß ihre Be­gegnung mit Mussolini und Grandi neue Klarheit und Festigkeit nicht mir in die europäischen. sonder auch zwischen Italien und Deutschland bestehenden Beziehungen bringen wird.

In der deutschen Oeffentlichkeit wurde da und dort von einer umfaßenden Ausländsanleihe gesprochen und der deutschen Reichsregierung der Vorwurf ge­macht, daß sie aus mißverstandenen Prestigegründen den Anleihegedanken nicht ernst genug verfolgt hätte. Dieser Auffassung ist die Reichsregierung be­reits mit Nachdruck entgegengetreten. Ich stelle er­neut fest, daß

eine große Ausländsanleihe augenblicklich und für geraume Zeit außerhalb der realpolitischen Möglichkeit liegt.

Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Das Wesent­liche liegt insbesondere in der Tatsache, daß zu einer solchen Anleihe die Garantie mehrerer großer Länder verlangt wird, deren Zusage zu erreichen, teils aus staatsrechtlichen, teils aus finanztechnischen Gründen zurzeit augefchlossen ist. Darum ist vorerst

De«tichla«d auf (Selbsthilfe a«sswSeien

Niemand möge hierbei die Besorgnis haben, daß die Stellungnahme der Reichsregierung der Ausfluß eines überspitzten Nationalismus sei. Keiner kann von der internationalen Interessenverflochtenheit überzeugter sein als die deutsche Reichsregierung. Es ist ausgeschlossen, daß wir Deutschland mit einer chinesischen Mauer umgeben könnten, innerhalb de­ren das deutsche Volk, unter Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse, ausschließlich eigenem Handel nachgehen könnte.

Deutschlands Wirtschaft ist und bleibt auf enge handelspolitische Zusammenarbeit mit dem Auslande angewiesen. Ohne Zaudern ist die

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