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Wasser und Sonne als Freund und Feind. — Gefahren, an die man nicht denkt. —

6 Gebote

für die Vadefaifon. Von Dr. S. Werner

Vaden?? Aber das ist doch im Grunde das schönste am ganzen Sommer, an den Ferien, an der Reise! Je höher das Thermometer klet­tert, um so erquickender ist das Bad. Man kommt erhitzt, ermüdet, angestrengt von der täglichen Arbeit, man hat sich mit ungewohntem Sport im Urlaub angestrengt — nun aber rasch ins Wasser. Kopfüber hinein — nur Abküh­lung, Erfrischung . . .! Um dann,das feuchte Llenient zu genießen, ja länger, um so schöner...

Es jibi eine Unzahl von Gefahren, die das freundliche Element birgt, und die der Laie nicht kennt oder übersieht. Die größte Zahl der Un­fälle ließe sich vermeiden, wenn man sich dieser Gefahren einmal bewußt würde. Da ist zunächst als wichtigster Punkt

1 ver große Temperaturunterschied

zu beachten. Es ist verständlich, daß man auf rrhitzt ist. Ja, häufig wird durch einen Dauer­lauf oder durch Turnen noch eine stärkere Er­hitzung hervorgerufen, ehe man sich erleichtert mit einem Kopfsprung ins Wasser stürzt. Wie sieht die Sache medizinisch aus?

Vorsicht beim Kopf, sprang —

Der Körper hat durch die Anstrengung oder Sonnenwärme seine Eigentemperatur von 36 auf 37 Grad oder mehr gesteigert. Die Herztätigkeit ist verstärkt, der Blutstrom kreist rascher. Die Temperatur des Wassers beträgt beispielsweise 22 Grad. In dem Augenblick, da er ins Wasser stürzt, wird der Körper einem Tem­peraturunterschied von 15 Grad ausgesetzt.

Diese hohe Wärmedifferenz wirkt sich zunächst els starler Chok auf die Haut aus, die sich wie im Krampf zusammenzieht. Die Blutmengen, die Mj bei der Erhitzung in die äußeren Gewebs« teile drängten — der Mensch wird „hochrot" — werden mit großer Schnelligkeit in die Adern Surückgejagt, um die Blutwärme und Eigen­temperatur nach Möglichkeit zu schützen.

. Das durch die vorhergehende Anstrengung ichon überlastete Herz ist dem gewaltigen Rück- ström der Blutmengen nicht aewachsen. Es

dehnt sich übermäßig aus und gibt nach einigen krampfhaften Schlägen die Arbeit auf — Herz­lähmung (im Volksmund „Herzschlag" ge­nannt, obwohl mit diesem Ausdruck gerade das Gegenteil des organischen Vorgangs bezeichnet wird).

Eine derartige Ueberanstrengung des Her­zens, die zu. einem Aussetzen der Herztätigkeit, des Pumpvorganges führt, kann unter normalen Umständen behoben werden. Auf einen Baden­den jedoch, der durch eine Herzlähmung besin­nungslos geworden ist, wird man in der Regel erst aufmerksam, wenn die Wiederbelebungs­versuche, nachdem der Erkrankte ans Ufer ge­bracht wurde, schon keinen Erfolg mehr haben. Zu den Wiederbelebungsversuchen bei Herzläh­mung rechnet man künstliche Atmung, Herz­massage und Galvanisierung des Herzens.

Darum gilt als erstes Gebot beim Baden:

Abkühlen vor dem Hineingehen, bei Er­hitzung vorsichtiges Eintauchen des Kör­pers ins Wasser.

In 95 von 100 Fällen mag auch eine Nichtachtung dieses Gebotes keine sofort sichtbaren schädlichen Folgen

Wasser vorwagen. Urplötzlich stehen sie an bwt meist sehr starken Abfall des Bodens, sie r/er- lieren jeden Halt unter den Füßen und erleiden in der sekundenlangen Todesangst einen Nerven- chok im Gehirn. Sie sinken unter Wasser und „ertrinken" an einer verhältnismäßig flachen

haben. Ratsam ist es in keinem Falle, auch das gesündeste Herz diesem außerordentlichen Temperaturchok auszusetzen.

Fast ebenso gefährlich ist d a s flacheAuf - schlagen der Körperfläche auf das Wasser beim Sprung. Anfänger und Uebervorsichtige neigen leicht dazu, beim Kopf­sprung den Körper nicht stark genug in senk-

Sie fürchten sich zu überschlagen.

Man unterschätzt bei dieser Vorstellung die Länge des Körpers. Dabei ist diese Gefahr weit­aus geringer als die des flachen Aufschlagens. Hierbei tritt im ungünstigsten Falle ein Chok

des Unterleibsnerven- Plexus ein, der in der Wirkung dem Boxhieb gegen den Magen ähn­lich ist. Darum heißt das zweite Gebot:

Kopf so tief als mög­lich, Kreuz hohl, Beine nach oben schnellen!

Eine dritte Gefahr, wenig beachtet, bieten die unerwartet tiefen Stellen des Wassers für Nicht­schwimmer und Aengstliche. Häufig liest man in den Anzeigen der Unfälle--„er ging vor den Augen der Angehörigen unter". — Zu­meist handelt es sich dabei um Nichtschwimmer, Vie an flachen Ueferstellen in Gesellschaft baden

______ . . . . ______ _______ Lieber öfter und mit Unterbrechungen baden, und sich neugierig weiter und weiter ins offene wenn überhaupt so lange.

Größte Vorsicht Bei unbekannten Gewässern.

Vermeidung von übertriebenen Anstren­gungen,

Stelle. Ein häufiger Fall, der manchen „un­erklärlich" scheint. Das gleiche gilt bei Wirbeln in'Flüssen und Stromschnellen. Auch hier wirkt sich in der Regel weniger die reißende Kraft des Wassers aus als das psychische Moment der höchsten Angst. Drittes Gebot: ___________

Der Krampf im Wasser ist ebenfalls keine seltene Erscheinung. Bei übergroßer An­strengung oder starker Einzelbewegung kann ein Muskelkrampf eintreten, im Bein, Arm oder Rumpf. Bei den Extremitäten in der Regel einseitig. Auch dann wirkt er sehr störend, wenngleich die Erscheinung durchaus nicht be­sorgniserregend sein muß und schon nach kurzer Zeit in Ruhelage am Land behoben ist. Schwre- riger liegt der Fall bei Menschen, die zu Krampf­adern neigen. Hier tritt sehr häufig ein doppel- fettiger, sehr schmerzhafter Venenkrampf ein, der nur bei äußerst gewandten Schwimmern über­wunden werden kann. Nicht selten führen starke Krampferscheinungen, wenn sich der Schwimmer der Beintätigkeit beraubt sieht, zum Tode durch Ertrinken. Viertes Gebot:

zumal einseitiger Beanspruchung von Beinen oder Armen. Größte Vorsicht ist Menschen ge­boten, die zu Krampfadern neigen.

gen. Bei einer

Die Herzlähmungs­erscheinungen, die durch Hautchok beim allzu raschen Inswassergehen hervorgerufen werden, treten ebenfalls ge­legentlich auf, wenn der Badende sich all­zulange im kal­ten Wasser auf­hält. Blaue Lippen und Schüttelfrost sind die letzten Alarm­signale des Körpers. Der gute Schwimmer ist weniger gefährdet als der Badende, weil er durch starke Bewe­gung die Eigentempe­ratur des Körpers er­hält. Auch unter Ver- meidung des ärgsten Falles ist übertrieben langes Baden häufig die Ursache schwerer Erkältungserscheinun- Durchschnittstemperatur des

Wassers von 22 Grad sind 15 bis 25 Minuten die höchste Zeitgrenze für Nichtschwimmer. Es versteht sich von selbst, daß, je wärmer das Wasser ist, um so geringer auch die Gefahr. Dennoch heißt das 5. Gebot:

Niemals zu lange im Wasser bleiben.

Diese Pausen- können beispielsweise durch Sonnenbäder ausgefüllt werden. Und selbst d/as vermeintlich so harmlose Sonnenbad ist nicht ungefährlich. Hier gilt das gleiche — nur um­gekehrt —, was von dem übertrieben schnellen Inswassergehen gesagt wurde. Jeder krasse, un­vorbereitete Temperaturunterschied ist für den Körper schädlich. Den feuchten, abgekühlten Körper der sengenden Sonne auszusetzen, ist in keinem Falle günstig.

Eine gesunde Sonnenbräune — zur Sommer­zeit von jung und alt gleichermaßen ersehnt — wird viel eher durch gleichmäßige Sonnen­bestrahlung erzielt, wie Luftbaden auch ohne grelle Sonne, als durch rigoroses Sonnenbaden. Wasser, Sand, Gletscher, reflektieren die Strah­len so stark, daß auf eine direkte Bestrahlung in der Regel verzichtet werden kann. Denn die Bräunung der Haut solljaalsZeichender Gesundheit des Körpers gelten — nicht durch einen langen Leidensweg erworben wer­den. Der Sonnenbrand, hervorgerufen durch übergroße Bestrahlung, ist eine örtliche Fieber­erscheinung — Blasen — die durch ungewöhn­lich starke Zersetzung und Auflösung der Gewebs­flüssigkeiten entsteht. Eine Verbrennungs- erschcipung ersten Grades. Wird die Haut trotz des Sonnenbrandes rücksichtslos weiterer Be­strahlung ausgesetzt, so bleibt es nicht allein bei Verbrennungserscheinungen der Epidermis, son­dern auch die darunterliegende Hautschicht, die Eutis, wird verletzt, im ärgsten Falle sogar das Unterhautzellgewebe. Ganz zu schweigen von Verunreinigungen der Wunde, die zu Vergif­tungen führen. Hat die Verbrennungsfläche eine

gewisse Größe erreicht, so kann der Tod durch Erfrieren eintreten. Die Schutzdecke des Körpers, die Haut, ist in diesem Falle nicht mehr imstande, die Körperwärme zu binden, bis Wärmeabgabe wird zu groß, der Mensch er< friert.--

Darum heißt das 6. Gebot:

Lieber etwas weniger braun » M? nUr

kein Sonnenbrand.