Freitag, den 31. 3utt 1931
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Stadt Ka«<m
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Der August reicht dem Jahr den Erntekranz. Er ist der Monat der reifen Schönheit So blau sich der Himmel wölbt, so heiß die Sonne auf wogende Aehrenfelder, fruchtschwere Gärten und grüne Wälder herniederstrahlt — es geht abwärts, vom Hochsommer in den Spätsommer und den Herbst hinüber. Schon rieseln, spärlich erst, dann immer dichter, von den Bäumen die ersten trockenen Blätter, die Sommerwiesen werden ärmer an Farben, und die wogenden Getreidemeere verwandeln sich bald in kahle Stoppelfelder. Seinen Namen hat der Monat seit dem Jahr 7 v. Chr. Bei den Römern hieß er bis dahin Sextilis, der sechste Monat. Kaiser Augustus taufte ihn bei der Berichtigung des Kalenders um und gab ihm feinen i Namèn, weil er im Sextilis die meisten Siege erfochten hatte. Der älteste deutsche Name des August i ist Aranmânoth, d. h. Erntemonat; im Mittelalter unterschied man einen „ersten August", das war der Juli, und einen „anderen August", das war der I eigentliche August. Im Tegernseer Kalender heißt I er der Schnittmonat, und noch heute sagt man im Böhmerwald für die Zeit Ende Juli und August: „im Schnitt" oder „in der Schnitterzeit" Außerdem heißt er Kochmonat und bei den Banater Schwaben Hitzemonat.
Was die Sommersonne in Feld und Flur hat reifen lassen, wird jetzt heimgebracht. Der August bringt die Ernte an Getreide und Obst. Früher, ! als es noch kaum Treibhäuser gab und die Einfuhr ‘ non Obst und Gemüse aus Ländern mit anderem i Klima nur für Luxusbedürfnisse in Betracht kam, : brachte nicht nur jede Jahreszeit, sondern fast jeder Monat ganz bestimmte Obst- und Gemüsearte,i auf den Markt. Die hochentwickelte Obst- und Gartenkultur der Gegenwart hat diese scharfe Abgrenzung 1 beseitigt; die Erzeugung des einen Monats greift i in die des nächsten über, und was ehedem im August reiste, ist jetzt schon Ende Juni und im Laufe des Juli auf den Märkten erhältlich. Das Meiste freilich stammt aus den Treibhäusern des Inlandes oder aus dem Ausland. Wenn auch diese verschiedenen Arten von Obst und Gemüse nicht mehr als Luxusartikel anzusprechen sind, als Frühobst und Frühgemüse stehen sie hoch im Preis. Nun aber kommt die gute Zeit für die Hausfrauen und die Anhänger der vegetarischen Lebensweise. Denn der August überschwemmt den Markt mit einer verschwenderischen Fülle an allen erdenklichen Gemüse- und Obstarten. In langer Reihe erscheinen sämtliche Kohlarten: Grünkohl, Rot- und Weißkohl, Wirsing. dazu Gurken und Blumenkohl. Noch reich- baltiger ist die Tafel mit Obst beschickt. Neben den Tomaten, die noch halb zum Gemüse zälsten, erscheinen Pflaumen, Birnen, Melonen, Pfirsiche und Aprikosen, an Strauchobst Blaubeeren und Johannisbeeren. Aus dem Ausland bringt der August frisch: grüne Haselnüsse und junge Walnüsse.
Die Lostoge des August sind ganz seinem Charakter als Erntemonat angepaßt. Die Kalendarien westdeutscher Klöster im Mittelalter begannen im August aus wirtschaftlichen Gründen wegen der Neuverpachtung der Ländereien ein neues Jahr. Der 5. August ist der Oswaldstag. Oswald war , ein König in Nordengland, der später heilig ge- Imd als Patron der Schnitter ver-
Vorstellungen sind auch heute noch g (10.) lebendig. In katholischen an d^em Tag Wallfahrten statt, )e; auch die Geistlichen erscheinen st dem Laurenziberg bei dem rhein- laulsheim findet eine weithin be- t dieser Art statt, bei der die werden. Unverkennbar sind hier ge unserer Vorfahren erhalten ge- is Pferd als ein heiliges Opfertier das Pferdeopfer unerläßlich schien, zu erlangen. Auch der Tag Mariä ) ist als eine christliche Abwand- und altgermanischer Feiertage zu igust tritt die Sonne ins Zeichen ad die alten Römer begingen am fest der Jungfrau Diana, während
Das Bild in der Wohnung
Bilder sind lebendige Eigendinge, die verstanden sein wollen. Und Bildkultur ist mehr eine angeborene oder ausgebildete Geschmacksempfindung ganz persönlicher Art, so daß sie eigentlich nicht gelernt werden kann, aber vielleicht genügen ein paar Anregungen, sie zu erwecken, denn meist ist sie infolge einer großen eingenommenen Dosis Gewohnheit nur. schlafen gegangen.
Jedes Bild wird ganz bedeutend in seiner Ausdruckskraft von der Güte des Rahmens beeinflußt. Hier wird gern gesündigt, so daß oft die besten Werke durch zu schwere Rahmen erdrückt werden oder durch zu schlichte unbetont bleiben. Gerade das feine Anpassen der Umkleidung ist die größte Kunst. Es kommt bei ihnen außer der primärsten Frage, der Farbe, auch auf ihre Stimmung und den dar- stetlerischen Inhalt an. Gemälde, in denen vorwiegend Grün enthalten ist, wirken gut in Goldrahmen, solche mit Blau kann schwarzer Lack sehr heben, zu Tiefblau paßt Silber gut, zu Rot Schwarz und Gold. Neuerdings kennt man die sehr hübschen, antikisierten, schlichten Gold- oder Silber- rahmen, die trotz chrer glatten Linien prunkvoll wirken. Manchmal fehlt' auch nur in einer zu schweren, dunklen Einfassung ein schmales Gold- leistchen, das einfach zwischen Bild und Rahmen eingelegt wird und den Charakter des Bildes außerordentlich günstig verändert. Oft wirkt ein neuer Rahmen Wunder, so daß ein völlig neues Bild entsteht.
Pastellbilder stellen biefelben Bedingungen wie das Oelbild. Sie müssen alle zur Schonung ihrer Farben unter Glas selm, ebenso 'die Aquarelle. Die Einfassung kann bei ihnen etwas leichter sein, da die Farben meist zarter und heller gehalten sind. Silber paßt beinahe immer dazu, jedenfalls ein nicht zu schwerer oder dunkler Rahmen.
Radierungen sehen in schmalen Lack- oder polierten Hartholzleisten am besten aus. Auch pastellfarbene Schleiflackstäbe in Reseda, Himbeer oder Nil, auch Creme sind gut, wenn sie zur Einrichtung passen. Selbst gute Radierungen in schlechten Rahmen verblassen in der Wirkung und werden gegenstandslos.
Bei antiken Bildern muß man sich ganz nach deren Zeitgeschmack richten und hängt ihre Wirkung noch mehr als bei den modernen vom äußeren Kleid, das sie tragen, ab. Auch hier muß das Bild auf seine Zugehörigkeit zum Rahmen geprüft werden. Er darf nie fremd wirken, sondern muß in innigster Verbindung mit dem Bilde stehen und mit ihm als ein gemeinsames Ganzes wirrten. Es ist dies di^elbe Frage des Gefühls, wie für eine geschmackvolle Frau die Wahl der paßenden Toilette zur passenden Gelegenheit.
Nun zum Placieren; es ist ungefähr von derselben Wichtigkeit wie das „Anziehen". Große Bil
die allen Germanen um diese Zeit die Göttin Hulda, die liebliche Gotthell der Blumen und aller Kräuter, verehrten. Aus dieser Zeit stammt die Sitte der Kräuterweihe, die Anschauung, daß die an diesem Tag geweihten Pflanzen wunderbare Kräfte erhalten hatten? Diese Vorstellung ist der ganzen, dem Tag Mariä Himmelfahrt folgenden Zeit eigentümlich dem sogenannten „Frauendreißiger".
Dem Mscher bietet .Oer August gute Aussichten. Das Laichgeschäst fast sämtlicher S'ommerlaicher ist abgeschlossen, die Fische sind beißlustig und rege. Auch für den Jäger beginnt jetzt eine langersehnte Zeit. Die Blattzeit der Rehbock« hat schon Ende Juli begonnen und dauert noch an. Auch die Jagd auf Wildenten entwickelt sich im August erst richtig, dazu kommt noch die in einigen Ländern gegen Ende des Monats freigegebene Hühnerjagd.
Was das Auguftwetter betrifft, so verlangt der Landmann Sommerwärme, denn „was der August nicht kocht, macht auch der September nicht gar". Deswegen wird auf den Regen gern verzichtet, den die Frucht im letzten Stadium der Vollreife zeitweilig durchaus entbehren kann.
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der müssen stets genügend Raum haben, um sich auswirken zu können. Der beste Prüfstein dafür ist folgendes: Sieht man ins Herz eines großen Werkes, darf kein anderes feinen Gesichtskreis stören, d. h. das Bild muß diesen Kreis allein beherrschen, bis feine letzten Ausstrahlungen sich verlaufen haben und der des nächsten Bildes beginnt. Dann dominiert es und — wirkt.
Anders kleine Bilder, wie etwa Miniaturen. Sie können zusammengehängt eine sehr bildhafte Gesamtgruppe ergeben. Man überläßt ihnen am besten ein intimes Plätzchen, damit sie nicht verlieren und unpersönlich werden.
Symmetrie beim Aushängen der Bilder wird jeder mit persönlichem Eigengeschmack möglichst vermeiden, denn dadurch hebt sich gern der ledem Bilde eigene Charakter auf, außer handelt es sich um sogen. Pendants oder Serien, wie etwa Jagd- oder Schlachtenbilder. Diese wirken in einer schrägen Abstufung als interessante Bekleidung einer ganzen Wand ausgezeichnet.
Alte Kupferstiche und dergleichen wollen offizielle, leere Flächen, sie dürfen nicht in unmittelbarer Nähe leuchtender Oelbilder hängen, weil sie von diesen zu stark übertönt werden. Ueber- Haupt ist es wichtig, ein gutes Verhältnis der Bilder zueinander zu gewinnen. Nie sollten zwei zu bunte oder zu blasse Bilder in engster Nachbarschaft sein, da sonst ihre Eindrucksfähigkeit aufgehoben wird.
Auch die Tapete muß zu den Bildern passen und ist diesen unbedingt unterzuordnen. Dies muß der erste Gedanke bei der Neuwahl einer Wand- bekleidung sein. Große Mutter sind für eine gute Bildwirkung zu vermeiden, da sich diese in großen Blütenranken und ähnlichem verliert. Einfarbige Tapeten sind im Interesse der Bilder gut, damit wird diesen der Vorrang als Raumschmuck überlasten.
Von größter Wichtigkeit ist für jedes Bild die Beleuchtung. Diese hängt natürlich stark vom Lichteinfall im Raume ab, man kann aber dadurch Abhilfe schaffen, daß man nie dunkle Bilder in schlecht beleuchtete Ecken oder zwischen zwei Fenster hängt. Stark gefirnißte oder solche hinter Glas spiegeln gern, sie müssen ganz besonders sorgfältig untergebracht werden. Das beste ist, die Bilder an verschiedenen Flächen auszuprobieren.
Es ist überhaupt erstaunlich, wie sehr ein Bild gewinnen und jedem Vildevfreund zu einem neuen Erlebnis, beinahe zu einem neuen Besitz werden kann, wenn man mit der alten starren Tradition bricht und einmal seine Bilder etwas umhängt. Durch His andersartige Beleuchtung werden sie immer wieder neu belebt und schenken jedesmal eine bis jetzt unbekannt gebliebene Linie oder Stimmung.
Wenn es wrvklkih Sommer wâve!
Zum dritten Male blühen die Rosen, aber unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, denn die Oeffentlich- keit zieht sich in sich selbst und in die Räume zurück, wo man geschützt ist vor Unbill der Witterung. Mögen die Rosenfreunde nichts merken vom Wetter, die Rosen merken es. Es kann nicht länger ver- Jgmli^meijby^a^ej^toffijg^^ mäßig ist. Unvorschrrftsmaßig und unzulänglich!
Eine Sommer-Elegie spinnt sich durch diese Tage hindurch, die morgens schon grau und trübe sind, oder, wenn sie Sonne haben, fast in Glut ersticken, so daß die Menschen bedrückt ein Stückchen Schatten suchen. Noch sind die Tage so schön lang. Fast bis neun Uhr ist es hell. Der August beginnt und fängt an, das lichtvolle Gefieder des Sommers zu rupfen. Erst täglich ein paar Minuten, dann schon ein paar Viertelstunden. Ende August werden wir wissen, daß der Sommer sich neigen will.
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Ich habe schon Stave gesehen, die sich zur Reife sammelten. Es waren ungeheure Schwärme. Ihre Probeflüge führten sie unter großem Geschrei aus. Wer sagt ihnen, daß sie sich dazu halten müssen?
Kommt ein früher Herbst? — Die Haustiere haben den Instinkt verloren. Eine Glucke führte ganz junge Entlein ans Wasser. Die jungen Stere werden kaum flügge, bis der Winter heran ist. Die Menschen müssen sie in ihren Schutz nehmen. Die kleinen gelben Vögelchen froren. Die Sonne fehlt!
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Wahrhastig, die Herbstblumen sind da! Georginen und Astern lauschen über Hecke und Zaun. Hoch heben sie ihre Köpfe und sehen den Vorübergehenden nach. Wir roollen sie noch gar nicht haben- Noch müssen andere Blumengeschlechter im Flor sein, ehe diese ernsten Mahnerinnen heraufziehen und uns bedeuten, daß alles Menschenwesen vergänglich ist. Lustig, Freunde, lustig!
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Alt werden und jung bleiben — das war das Thema eines Gespräches, dem ich vor ein paar Tagen zuhörsn mußte. Zwei Damen führten es am Nachbartisch. Sie wußten, warum. Die Menschen sind ja so unhöflich, andere ihr Atter fühlen zu lassen, auch wenn sie es selbst nach nicht Wort haben wollen. „Wenn nur das H-rz jung ist", sagte die eine und lächelt« umflort. — Sie wünschten sich sicherlich, daß es bei ihnen noch einmal Sommer wäre. Vielleicht haben sie einen verregneten Sommer gehabt. Es war ja damals Krieg. Alt werden und jung bleiben, aber wie!?
2er Lautsprecher markiert Sommerübermut. Wie komisch das klingt! — Der Eiswagen oerfauft Kühlung. Wie kühl es schon ohne Eis ist! — Meine Nachbarn dichten sich eine Sommerfrische zusammen. Wirklich ein frischer Sommer! — Ich selber überlege mir, wie es wohl wäre, wenn es wirklich Sommer wäre---
* Daten für 1. August. 1798: Der englisch« Ad' miral Nelson vernichtet die französische Flotte bei Abukir. 1914: Mobilmachung Deutschlands und Frankreichs. Kriegserklärung Deutschlands an Rußland.
.* Letzter Appell an die Sfeuerfäumigen. Die Frist für die Abgabe der Vermögenserklärung ist heute abgelaufen. Gleichzeitig endete heute die Frist, innerhalb der die Steuerpflichtigen Steueramnestie erlangen können, wenn sie steuerpflichtiges Vermögen, das bisher der Besteuerung entzogen wurde, der Steuerbehörde anzeigen. Im Hinblick auf die erheblichen Verschärfungen, die nunmehr eintreten, gilt es im eigenen Interesse, umgehend seine Vermögensverhältnisse offen und rückhaltslos dem Finanzamt zu offenbaren. Bei sofortiger Anmeldung brauchen für die nochttäg- lich angegebenen Werte auch keine Nachzahlungen an rückständiger Vermögenssteuer, Aufbringungsumlage, Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer geleistet zu werden, wie auch eine Bestrafung wegen der früheren Verschweigung nicht eintritt. Die Zahlung rückständiger Steuern muß ebenfalls sofort bewerkstelligt werden, da säumige Zahler von jetzt an hohen Verzugszuschlägen unterliegen, die für den halben Monat 5 v. H. betragen. Die Verzugszuschläge sind ohne weiteres in Zukunft verwirkt, ohn« daß es einer Mahnung bedarf.
* Die unterschlagenen ürankenkassenbeilrägc. Einen recht übelen, Streich zielte ein Zöjähkiger -^ kaufmännischer Angestellter sieben Berufskollegen, 2 als diese ihm eines Tages insgesamt 207 RM Krankenkassen- und Verbandsbeiträge zur Abführung an ihren kaufmännischen Verband übergeben. Anstatt die ihm zu diesem Zweck anoertrauten Gelder ihrer Bestimmung zuzuführen, steckte sie der nette Kollege in die eigene Tasche und verbrauchte sie für seine Person. Dieses wenig kollegiale Benchmen trug ihm gestern 1 Monat Gefängnis ein, da er sich bereits einmal eines schweren Vertrauensbruches schuldig gemacht hatte, als er der Kasse eines hiesigen großen Turnvereins nach und nach ca. 1100 RM widerrechtlich entnommen und für sich verbraucht hatte. Damals war er mit 200 RM Geldstrafe davongekommen, die aber am scheinend nicht allzuviel gefruchtet hat. Obendrein ging der Angeklagte jetzt seiner sicheren Stellung verlustig, was ihn besonders schwer treffen sollte.
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Von Toni Rothmund
1 Copyright by Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart, Berlin, Leipzig
31 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Da lernte das Margritli ihm ab, wo er seine ânge verwahrte, denn es war ein System in innern Durcheinander. Sie wischte mit behut- Fingerlein den Staub von allen Sachen und ordnete alles genau, wie es gewesen war. Lob auch die Papierabfälle und Streichhölzer auf und wagte wohl gar, ein Blumensträußlein auf leinen Schreibtisch zu stellen. Er litt ihr lautloses i t^en "ich* ungern, und allmählich gefiel's ihm Most besser in einem reinlichen Stübchen als in «nem verstaubten.
». ^anz langsam gewann das Kind einen tieferen Anblick in des merkwürdigen Mannes Wesen und Lun als irgend eine Menschenseele sonst da oben.
Zeigte ihr wunderfeine Flechten, die auf dünnen viengelein purpurne Becher trugen oder grau- Mne Glöckchen oder viel zierliche Schllsselchen. "uer solche, die wie Greisenbart aussahen und die ^-unnwälder mordeten. Oder solche, die der mensch-
Lunge glichen und von den Hergatingern ™ Lungenkranke gesammelt und zu Tee gekocht wurden.
"Weil sie nämlich aussehen wie Lungen, den- die Leute, der liebe Gott habe sie so geformt, ihnen einen Fingerzeig zu geben, daß sie für unke Lungen gut seien."
»W es denn nicht so?"
"Ach, bewahre! Die Menschen nehmen sich viel N Mtig. Immer meinen sie, die ganze Welt sei ; Iw geschaffen. Das Lungenkraut breitet sein Freud .?^âsteltes Blattwerk aus zur eigenen eih^5 der Lehrer einmal fast mit Lebensgefahr Flechtenstück von einem steil über einen Ab- hängenden Felsstück losgeklaubt hatte und » M zeigte, stolz wie ein Jäger auf eine seltene i/Me, da fragte sie: „Was bedeutet das nun alles? "° warum sucht Ihr diese Pflanzen?"
*. ^r schaute sie an, wägend, wieviel Wahrheit glasten könne, und sagte dann halb zu sich selbst: »»s bedeutet: dem Ewigen dienen."
«Dem Ewigen? = Ist das der Herrgott?"
„Nein. Nicht, wie du meinst. Und doch wieder — in einem höheren Verstand — ja."
Das Margritli fragte nicht weiter, und der Mann vergaß das Gespräch, bis zu jenem Abend, wo es in fein Zimmer geschlüpft kam, um ihm gute Nacht zu wünschen. Ernsthaft blickte es auf die beschriebenen Blätter auf seinem Tisch. Als er, etwas gestört durch ihre Gegenwart, aufschaute, sah er in zwei dunkeltiefe, glaubende Kinderaugen.
„Ist das auch für den Ewigen, was Ihr da schreibt?"
„Für das Ewige," verbesserte er.
„Für das Ewige," wiederholte es ehrfurchtsvoll. „Ja.
Es gibt Augenblicke, wo sich Seelen grüßen, über Alter und Schranken hinaus. Josias Firn- halder strich mit der Hand über das Köpfchen, das sich andächtig über seine Arbeit geneigt hatte. Das Kind seufzte tief auf und verließ auf Zehenspitzen das Zimmer.
Der Herr Pfarrer gab in der Kirche die Kinderlehre. Und er sagte, daß man Haß mit Liebe, Feindschaft mit Güte, Bosheit mit Sanftmut überwinden müsse. Schon viele Jahre hat er das den dicken Bauernschädeln gepredigt, aber ohne viel Erfolg, denn die Herzen der Waldleute sind nicht so leicht zu rühren. Es gedeiht ein hartes Geschlecht da oben, der Kampf mit Schloßen, Schnee und Ostwinden hat es so gemacht. Ein wenig mutlos ist er geworden, der Pfarrer, ein wenig gleichgültig. Er richtet ja doch nichts.--
Zum erstenmal aber geht in einem Herzen unter seinen Worten ein heißes Wollen auf. Margrit will's versuchen, zu tun, wie der Herr Jesus sagt. Bei der Gotte anfangen, die ihr kein gutes Wort gibt den ganzen Tag. Und bei den Kindern, die sie Rotkops schelten und sie nicht mitspielen lassen, wenn sie Fanges oder Versteckes spielen.
Und sie versucht es. Nie hat ein heißeres Herz gegen kälteres Eis geglüht. Sie steht vor einer Wand und kann nicht durch. Sie verschenkt ihre armen kleinen Schätze, ihr« HaUchbildchen, ihre Lesezeichen, ihre Bandrestchen, aber sie tauscht kein freundliches Lächeln dafür ein. Einmal fragt sie ihre Schulkameradin Herriegel: „Jst's darum, daß ihr wüst zu mir seid, weil ich ein Rotes bin?"
„Rein, darum nicht allein. Du bist halt kein Hiesiges. Und dann ift's auch, meij dem Vater sich
umgebracht hat. Und überhaupt bist du eine vom Schwanderhof. Die sind alle nix."
„Weil mein Vater —?" Das Herz steht Margrit still.
„Er ist doch in den Rhein gegangen, damit sie ihn nit eingesperrt haben. Und in den Himmel kommt er auch nit, weil es eine zu große Sünd' ist, sich umzubringen. Darum muß er in der Höll' sein alle Ewigkeit."
„Das lügst du aber ganz sicher, Herriegel! Ich hätt's nicht gedacht, daß du so ein böses, verlogenes Ding bist!"
„Hör' einer die Lauskrott!" zetert die Herriegel in sittlicher Entrüstung. „Jetzt sagt die, ich lüg', wo es doch schon längst heraus ist, und daß sie nur da oben ist, weil sie sich drunten nit in der Schul' sehen lassen darf und —"
Ehe sie noch mehr schmutziges Spülicht über Margrit ausgießen kann, ist die ihr schon in jäher Wut an den Hals gesprungen. Ihre Augen schillern grün wie die einer Katze, ihre Finger krallen sich der Feindin um den Hals. Röchelnd taumelt die Angefallene zu Boden, und alsbald stürzt eine ganze Meute von Buben und Mädchen auf Margrit, reißt sie von ihrem Opfer los und spendet ihr reichlich Fußtrttte und Faustschläge, so daß sie in ihrer Angst schreit wie ein Tier in Todesnot.
Ein paar Bäuerinnen gehen vorüber und stiften Ruhe. Blutig und stauöig springt Margrit auf und flüchtet sich ins Schulhaus, in einen dunklen Winkel auf dem Speicher und starrt vor sich hin. Wenn da nur ein Wasser wär', ein großes, tiefes Wasser, sie spränge hinein und hätte Ruh'!
Sie meint in ohnmächtiger Wut und in einer großen Verzweiflung. Sie hätte gern fragen mögen, ob es wahr ist, was die Herriegel vom Vater gesagt hat, daß er sich umgebracht habe und nun in der Hölle brennen müsse in Ewigkeit.
Aber wen? Die Gotte kann sie doch nicht fragen. Den Lehrer? Ja, den! Sobald sie sich ein Herz fassen kann.
Aber sie weiß ganz gut, daß sie es niemals wagen wird. Sie hât eine viel zu große Scheu vor ihm. Sie muß alles für sich behalten und allein verwürgen.
Wenig Schritte weit ist das Zimmer, in dem Sofias Firnhalder sitzt und arbeitet. Die kleinsten Geheimnisse des geringsten Pflänzleins erforscht er mit Lupe und Mikroskop.
Und in dem finstern Speicherwinkel kauert ein
kleines Menschenkind und kämpft mit seinem ersten, großen Schmerz.
Nur eine Tür ist zwischen ihnen.
Niemand tut sie auf.
„Wie ist das — tot?"
„Wie kommst du darauf?"
„Ich weiß nicht, wie."
Sie sitzen auf einem vorspringenden Felsstück und schauen in die Täler, der Mann uird das Kind. Weit unter ihnen liegen die Häuser und Menschen. Ueber ihnen ziehen weiße, geballte Wolken an einem blaßblauen Himmel hin.
„Du hast es ja vom Pfarrer gehört in der Kinderlehre. Der Leib stirbt, und die Seele gehr zu Gott."
„Die Seele — ist das, was denkt und weint?"
„Weiß die Seele, wenn sie bei Gott ist, ich meine, weiß sie noch, was hier, wie sie, was auf Erden —" sie stockt. Sie kann das Unsagbare nicht in Worte bringen.
„Der Pfarrer sagt, sie ist in der ewigen Herrlichkeit."
„Ja. Aber was sagt Ihr?"
„Ich sage, sie ist in der ewigen Ruh'."
„Ist das was andres?"
„Leg dich einmal zurück und schau die Wolken an, die da hiutreiben. Ganz lang. Sich, da schwimmen sie so, und wenn sie schwer von Wasser sind, dann regnen sie. Und sonst baden sie im Licht und gleiten — gleiten. — Schau, so ein Wölkchen, das hat's gut. Es braucht nicht leiden, nicht lieben, nicht hassen, nicht wollen, es hat Frieden. So ist's, wenn man in der ewigen Ruh' ist."
„So wie das Wölkchen?"
„Ja."
Das Margritli ist ganz still. Es geht eine Lindigkeit von dem Lehrer aus, die ist wie ein guter Trost auf eine schwärende Wunde.
„Wenn aber einer böse war und eine Sünde getan hat, eine ganz arge, dann kommt er in die Hölle und in diè ewige Qual, sagt der Pfarrer, und so steht's im Katechismus. Ist das wahr?"
Der Lehrer antwortet nicht gleich. Er schaut sehr eifrig einem Ameislein zu, das sich abmüht, einen viel zu großen Halm zu schleppen. Und seufzt ein wenig. „Wenn man in der Welt ist, hat man Qual. Hölle gibt’s schon hier genug. Warum noch eine andre suchens (Fortsetzung folgte ,