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Nr. 175

Attttwoch. den 29. Iull 1931

Sette 7

Wissenschaftliche «olav- sovschung

Alte und neue Methoden Frauen in der Antarktis Don L. E. Bernacchi, dem Mannten Forscher und Physiker der Scottschen Südpolar-Expeditton

Es ist ausgeschlossen, heute an die Antarktis zu denken, ohne unser« draufgängerischen Methoden vor drei Jahrzehnten mit den Kenntnissen zu ver­glichen, mit denen der Fortschritt der Wissenschaft den modernen Forscher ausgerüstet hat. Damals glichen mir im Dunkeln tappenden Kindern; unsere Unkenntnis hinsichtlich der WettevverhältniUe, ge­eigneter Ernährung und nichtiger Transportmittel war schwerlich zu übertreffen.

Die Welt sieht heute im Flugzeug oder Luft­schiff das wertvollste Hilfsmittel für moderne For- schungsreiisen. Gewiß fällt es am meisten in die Augen. Indessen bedauern mir, die wir bereits vor drei Jahrzehnten die Antarktis kennen lernten, weniger, daß wir über keine Flugzeuge verfügten, als daß wir den Wert der Nahrungsmittel nicht richtig zu beurteilen vermochten. Wir wußten we­der was, noch wieviel mir essen sollten; mir unter­schätzten völlig die Menge Löbensmittel, die ein Mensch braucht, um in der starken Kälte leistungs­fähig zu bleiben. Wir lebten von Büchsen- und Robbenfleisch, vornehmlich von letzterem, mit der Folg«, daß wir leicht Skorbut bekamen und dann natürlich nichts leisten konnten.

Admiral Byrd war besser unterrichtet, als er vor zwei Jahren seinen großen Vorstoß zum Süd­pol machte. Er nahm groß Mengen vitaminreicher Lebensmittel mit, wie beispielsweise Datteln und Käse. Von jenen Früchten als einem wichtigen Posten der Speisekarte hat auf derDiscovery" körn Mensch auch nur geträumt. Man hätte sicher darüber gelacht. Und doch sind sie wegen ihres hohen Gehalts an Bitaminen und Zucker in der fürchterlichen Kälte des eisigen Erdteils von un­schätzbarem Wert. Zucker ist von höchstem Nutzen in einem Gebiet, wo das Thermometer sich stets unter Null bewegt. Ich vertret« die Ansicht, daß eine ausschließlich mit Datteln ernährte Schlitten- inannschast weit leistungsfähiger ist als sine solche, die von Fleisch lebt.

Auch halte ich noch heute Hundeschlitten für das einzige wirklich brauchbare Transportmittel, wenn es sich um erfolgresche geographische Vermessungen im Polargebiet handelt. Vn Hundgespann, dem mân je Tier hundert Pfund auf den Schlitten legt, vermag diese Last ohne Mühe zu zichen. Hätte Scott mehr Hunde gehabt, würde er viel mehr er? reicht haben; aber er ahnte nicht, daß die strenge Kälte ihnen kaum etwas ausmacht, und ließ deshalb feine Schlitten m erster Linie von feinen Leuten ziehen.

Di« Unterschied« zwischen der Scottschen Expe­ditton vor fast drei Jahrzehnten und dem Byrds chen Unternehmen sind in der Tat bemerkenswert. Scotts Lager befand sich am Westrand« der großen Roß-Barriere, Byrds dagegen am östlichen. ' Scott wählt feinen Platz am McMurdo-Sund in einer vor dem Eindruck hinlänglich geschützten Bucht, um fein Hauptquartier auf derDiscovery" belassen zu können. Byrd zog es vor, an Land zu gehen und sich dort einzugraben. Unter im übrigen glei­chen Verhältnissen war das Leben auf der eigens für diese Expedition gebautenDiscovery" ver- mutlich vorzuziehen. . Aber die VerhcWMe lagen

Roß-Barriere wird das Eis von den großen Glet­schern zerbrochen, und es treibt von den Bergen des Viktoria-Landes herab. Am Ostende ist es da­gegen viel glatter, und daher ließ sich der Angriff auf den Pol mittels Flugzeug oder Schlitten von dort viel leichter durchführen. Ein eigenartiges Zusammentreffen brachte es mit sich, daß Amund­sens und Byrds Lager sich an derselben Stelle be­fanden.

Scotts früherer Versuch und Byrds erfolgreicher Vorstoß zum Pol glichen sich nur darin, daß beide ihre Ausgangslager etwa 1100 Kilometer vom Pol entfernt hatten und jeder zu seinem Unternehmen über die gleiche Anzahl Leute verfügte: Scott 44, Byrd 42.

Drathlose Telegraphie hat sich selbstverständlich als von größtem Nutzen erwiesen. Byrd verfügte in dieser Beziehung über die vollkommenste Aus­rüstung und stand dauernd mit der Außenwelt in Verbindung. DieDiscovery dagegen lag zwei Jahre und zwei Monate in vier' Meter starkem Eise festgefroren, ohne eine Möglichkeit, Nachrichten von sich zu geben. Uns blieb nicht übrig, als zu warten, auf ein Ersatzschiff zu hoffen und unsere immer mehr zusammenschmelzenden Vorräte durch Robbenfleisch zu ergänzen.

Seit den Tagen derDiscovery" ist viel erreicht, und unendlich wertvolle Erfahrungen sind gesam­melt worden. Scot, Shackleton, Amundsen und Byrd haben jeder zu seinem Teil nach besten Kräf­ten dazu beigetragen. Aber sehr viel bleibt noch zu tun. Es gibt ausgedehnte Küstenstrecken, die noch niemand gesehen, viel weniger vermessen hat. Meteorologie, Erdmagnetismus und Geologie stellen "och unzählige Probleme zur Lösung. Ein unge= neurer Kontinent erwartet den Abenteurer, und an- gosichtz des Riesentempos, mit dem die Entwick­lung von Flugzeug, drahtloser Telegraphie und des Transports besonders durch Raupenschlepper vor sich geht, sollte man eine ernsthafte, gründ­liche Erforschung der Antarktis nicht mehr lange hinausschieben.

Wie sehr sich auch die heutigen antarktischen Ex­peditionen von denen aus dem Anfang unseres Jchrhunderts unterscheiden, das kommende Jahr­zehnt wird noch größere Aenderungen sehen. Es besteht heut kein Grund mehr, die Frauen, wofern !>e nur die erforderlichen wissenschaftlichen An­spruch« erfüQen, von Polarunternehmungen auszu- ichueßen, und ich erwarte zuversichtlich, daß die Antarktis sich schon in wenigen Jahren nicht län= rühmen kann, als einziger Erdteil noch von ^iNer Frau betreten zu sein. Rohe Kraft verliert un Bedeutung, seit der wissenschaftliche Fortschritt mechanischen Ersatz liefert. Die Zeiten sind vorbei, Mo der Polarforscher seine Vorräte selbst über die Eisfelder zog und Arbeit in der Antarktis gleich­bedeutend war mit Entbehrungen und rein törper=

Anstrengungen. Als Geologinnen, drahtlose ^tegraphjstjne'n, Lichtbildnerinnen und Zeichne- ^lnnen könnten Frauen der Polarforschuna unschätz- are Dienste leisten. Die letzten Jahre haben be- hhl , kaß die Frau Mut und Ausdauer besitzt liert ^^ *n kritischer Lage nicht die Nerven ver-

Die Antarktis weist gegenüber allen anderen Erd­eten den großen Vorteil auf, daß Krankheiten unbekannt sind. Wegen der strengen Kälte und Fehlens jeden Tier- und Pflanzenlebens kön- Krankheitsköime sich dort nicht halten.

3m Leichen 6er Wettwtttschaftskvise

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Strlliegende Ozeandampfer im Hamburger Hafen

Ein getreues Spiegelbild der furchtbaren Weltwirtschaftskrise bietet gegenwärtig der Hamburger Hafen, in dem über 80 moderne Seeschiffe aufliegen, deren Fracht- und Passagierraum nicht aus- genutzt wird.

Vunies Alleslei

Des Äussatz hai seine Gchveâen vevloven

Das Lepraproblem ist für die Vereinigten Staa­ten keineswegs auf Hawai und die Philippinen be­schränkt. Auch auf amerikanischem Boden gibt es noch Aussätzige. In Carville im Staat Louisiana be-

lus-

steht ein staatliches Leprahospital,, das mehrere hundert Kranke beherbergt. Allerdings ist der A satz in Amerika und Kanada im Rückgang begriffen. Auch in Hawai ist die Zahl der isolierten Kranken im letzten Jahrzehnt von 1200 auf 700 gesunken, da­gegen sind auf den Philippinen mindestens 200 000 Leprakranke zu verzeichnen. Von einer Gefahr wird

man aber nicht sprechen können, da es heute möglich ist, die Erkrankung frühzeitig festzustellen und Maß­nahmen gegen die Verbreitung zu treffen. Wenn aber auch die Lepra für die Vereinigten Staaten selbst keine brennende Frage darstellt, so beansprucht doch die Abwanderung von mexikanischen Arbeitern nach den Vereinigten Staaten besondere Aufmerksamkeit' weil in Mexiko Leprafälle noch immer recht zahl­reich sind. Mit der Erwerbung der Hawai-Jnseln und der Philippinen hat das Lepra-Problem für die amerikanische Regierung erhöhte Bedeutung gewon­nen. Der Erwerb der Hawai-Jnseln bedeutete für Menschen, deren Mehrzahl an der Seuche erkrankt war, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Chinesen dort eingeschleppt wurde. Aber auch dort ist die Zahl der Leprakranken im ständigen Sinken begriffen, und im Durchschnitt werden gegen­wärtig nur noch 50 Fälle im Jahr festgestellt, die ausnahmslos auf die eingeborene Bevölkerung ent­fallen. Als im Jahre 1898 die Philippinen in den Besitz der Vereinigten Staaten gelangten, bedeutete das einen Bevölkerungszuwachs von 7 Millionen Köpfen, die inzwischen auf 13 Millionen angewachsen sind. Unter den Bewohnern dieser Inseln ist aber die Lepra eine allgemein verbreitete Krankheit. Die Zahl der Kranken ist, wie schon erwähnt, auf min­destens 200 000 zu schätzen. Die Mehrzahl der Kran­ken wird nach der entlegenen Leprakolonie auf der Insel Culion geschickt, wo sich gegenwärtig 5000 bis 6000 Kranke in Behandlung befinden. Entsprechend der Steigerung der Krankheitsfälle hat man neuer­dings an verschiedenen Punkten neue Stationen für die Behandlung der Lepra gegründet. Ihren eigent­lichen Schrecken hat die Krankheit aber verloren, nachdem man in der Behandlung ständig Fortschritte gemacht hat, die es gestatten, der Weiterverbreitung einen Riegel vorzuschieben. Den wichtigsten Punkt in der modernen Lepratherapie bildet die Einfüh­rung des Chaulmoogra-Oels. In vielen Fällen hat man dank diesem Mittel Erfolge erzielt, die sonst nur in Monaten und Jahren erreicht wurden. Wenn auch die Lepra vielleicht nie ganz verschwinden wird, so gehört sie doch heute schon zu jenen Krankheiten, die durch moderne Heilmethoden geheilt werden können; jedenfalls hat man heute die Mittel an der Hand, eine Ausbreitung der Krankheit zu verhin­dern.

s« eine Dankesschuld elnklagbav ?

Ein namhafter Pariser Chirurg hat kürzlich bei dem Gericht in Toulon eine Dankesschuld einge­klagt. Vor Jahren hatte er an einem steinreichen Grundbesitzer der Riviera eine Reihe von beson­ders schwierigen Operationen ausgeführt. Der Pa­tient erkannte dankbar an, daß er, der von allen Aerzten bereits aufgegeben war, feine Wieder­herstellung nur dem' Arzt zu danken hatte. Er schrieb ihm bei der Uebersendung des Honorars: Ich bin mir bewußt, daß ich Ihnen viel mehr schulde als die liquidierte Summe. Ich erkenne hierdurch an, daß ich Ihnen weitere 250 000 Francs schulde, und daß ich Ihnen diesen Betrag zahlen

Gegen duvch âatafivovben

Ein furchtbares Erdbeben rettet das edelste Meisier- werk dec antiken Malerei

Die neuerlichen Ausgrabungen in der vielge­nanntenVilla der Geheimnisse" in Pompeji haben einen der wertvollsten Funde ans Licht gebracht, die in Pompeji je zutagegefördert wurden. Was die Darstellung betrifft so wollen viele darin einen Hin­weis auf die Eleusinischen Mysterien sehen, die ur­sprünglich in Athen und Eleusis, später aber auch in Pompeji gefeiert wurden. Die Ergebnisse der Aus­grabungen werden jetzt von Professor Amedeo Mai-

werde, wenn es Ihnen eines Tages unmöglich sein sollte, Ihren ärztlichen Beruf weiter auszu­

üben".

Darüber waren Jahre vergangen. Der

Chirurg war von

einer schweren Krankheit heim­

gesucht worden, welche die Amputation beider Seine notwendig gemacht hatte. Um leben zu können, war er gezwungen, seine Praxis wieder aufzunehmen, in einem Krankenstuhl sitzend, opera­tive Eingriffe auszuführen. Die behandelnden Aerzte hatten ihm aber erklärt, daß eine weitere Ausübung seiner Praxis für ihn mit Lebensgefahr verbunden sein werde. So entschloß er sich, an den reichen Mann, dessen Leben er damals gerettet hatte, mit der Bitte heranzutreten, sein Versprechen einzulösen. Sein Ersuchen wurde mit der Begrün­dung abgelehnt, daß er ja noch nichtvöllig ar­beitsunfähig" sei. Das Gericht in Toulon wird nun darüber zu entscheiden haben, ob die Forderung des klagenden Chirurgen einen gesetzlich begrün­deten Anspruch auf Erfüllung hat.

Me Fvauen M an des ÄssavVMe schuld!

Wenn man Mr. Bilsaire, dem Präsidenten einer

der größten amerikanischen Nahrungsmittelgesell

so tragen Le ame? krankhafte Scheu, rosten Teil der Ver-'

rikanifchen Frauen durch ihre

ihrer Figur zu schaden, einen großen Teil der Ver- antwortung für die Ueberfülle an Getreidevor-

röten, die zurzeit eine ernste Gefahr für das Wirt­schaftsleben der Vereinigten Staaten bebeutet. Wenn die Frauen nicht von der beständigen Sorge geplagt würden, ihre schlanke Linie zu ver­lieren, wenn ihnen nicht die schreckhafteste Vor­stellung, dick zu werden, beständig vor den Augen stände", so führte Bilsaire aus,'so würden sie selbst glücklicher und die Nation wohlhabender sein. Wenn die diesjährige Weizenernte zu den schon an­gehäuften Vorräten hinzukommt, so muß allein für die Aufbewahrung der Vorräte ein Lagergeld von 3 Millionen Dollars ausgegeben werden. Niemand kann sich länger der Gefahr verschließen, die in der Masienhäufung von Getreidevorräten liegt. Es drängt sich unwillkürlich die Frage auf, ob nicht die Zeit gekommen ist, die Millionen und Aber- millionen von Amerikanerinnen, die sich heute aus Furcht, dick zu werden, des Brotes und des Ge­bäckes enthalten, zu mahnen, etwas weniger an die schlanke Figur zu denken, dafür aber sich der Pflicht zu erinnern, der nationalen Wirtschaft zu Hilfe zu kommen."

Die wobktMsett Folgen dev Vewähvungsfvrst

Im Laufe der letzten beiden Menschenalter . die Kriminalität in England stark zurückgegangen; der Zustrom in die Gefängnisse hat demgemäß ab-

ist

genommen. Diese erfreuliche Entwicklung ist auf die Hebung der allgemeinen Lebensverhältnisse und auf die Erziehungseinflüsse zurückzuführen. Freilich würden diese beiden Ursachen nicht ausreichen, um einen so auffälligen Wandel zu erklären. Bor 50 Jahren verschwanden von 10 000 Engländern 600 Ehrlich hinter Gefängnismauern. Im Jahre 1914 Daren es nur noch 370, heute sind es nur noch 120. Es steht außer Zweifel, daß dieser Erfolg größten­teils auf das Gesetz des Jahres 1907 zurückzufüh­ren ist, das Strafaufschub und Bewährungsfrist vorsieht. Der englische Jurist Sir Robert Wallace war einer der ersten, der in der Oeffentlichkeit da­für Verständnis erweckte, daß man einen Rechts­brecher, der zum ersten Male mit den Gesetzen in Konflikt geraten ist, eine Möglichkeit geben muß, auf den rechten Weg zurückzufinden. Das Gefäng­nis ist in fast allen Fällen das sicherste Mittel, einen Menschen, der einmal gestrauchelt ist, in einen hartgesottenen Verbrecher zu verwandeln.

uri, dem Leiter der italienischen Ausgrabungen, in einem reichillustrierten und prächtig ausgestatteten Buche der Oeffentlichkeit bekanntgegeben.

Obwohl die Ausgrabungen der Villa bereits im Jahre 1909 begannen, wurden die in Farben und Schönheit wunderbar erhaltenen Wandgemälde erst in jüngster Zeit freigelegt. Man will in ihnen, wie gesagt, einen Hinweis auf die Riten des Geheim­dienstes von Eleufis sehen, des bedeutenden helle­nischen Mysteriums. Worin diese Riten im Einzel­nen bestanden, ist uns nicht bekannt, wir wissen aber, daß der römische Senat im Jahre 182 v Chr. be­reits eine Verordnung erlassen hatte, die sie mit der Begründung verbot, daß die Feier zu skandalösen

Der

Einheitsanzug macht den Maßschneider überflüssig. (Götz").

Orgien ausgeartet sei. Man nimmt nun an, daß die Villa der Geheimnisse" der Versammlungsort der Mysten" war, der Eingeweihten, die sich dem Kull des Dionysos geweiht hatten. Dieser Annahme widerspricht freilich Professor Maiuri; er will in den Gemälden nur Darstellungen aus dem Sagenkreise des Dionysos sehen, dessen Kult im Bezirk Neapel sowohl in der republikanischen, als auch in der Kaiserzeit Roms allgemein verbreitet war. Alle Versuche der Regierung, den Kult auszurotten, der sich im Laufe der Zeit zu der ekstatisch-mystischen Form des Dionysosdienstes mit seiner wilden Rase­rei über Italien verbreitet hatte, erwiesen sich als Fehlschläge.

Zwischen das Ende der Republik und das Kaiser­reich des Augustus fällt die glücklichste Zett der Villa der Geheimnisse". In dieser Zeit entstanden auch die einzig dastehenden Wandgemälde, die zu­sammen mit den schimmernden Mosaikpflastern für den raffinierten Kunstgeschmack der Besitzer beredtes Zeugnis ablegt. Aber wer waren diese Besitzer? Wir wissen es nicht! Ihre Namen sind der Vergessenheit anheimgefallen. Immerhin findet sich noch gelegent­lich ein Hinweis, der als Fingerzeig gelten darf. Das gilt beispielsweise für eine an der Nordwand des Atriums der Villa befindliche Karikatur, die ein Witzbold mit flüchtigen Strichen umrissen hat. Sie stellt einen Kahl­köpfigen mit langer Nase dar und trägt die Unter­schriftRufus est". Aber wer dieser Rufus war. bleibt ein Geheimnis. Dann kamen auch für die Villa schlechte Zeiten. Das Erdbeben des Jahres 63 nach Christi Geburt, der Vorbote des furcht­baren Vesuvausbruchs des Jahres 79, war ein schwerer- Schlag für die wirtschaftliche Blüte der <5tabt. Es trat eine starke Senkung der Grund­stückpreise ein, denn die Geldverluste, die die Rei­chen erlitten, schreckten sie von einem Hausankauf ab angesichts der Summen, die für Erneuerung und Ausgestaltung der Gebäude ausgebracht wer­den mußten. Ein zu Reichtum gelangter Freige­lassener hatte die schöne Villa gekauft, sein Name ist durch ein in den Trümmern eines Nachbar­hauses aufgefundenen Bronzegiebel auf uns ge­kommen. Es war ein gewisser Lucius Jstacidius Zosimus. Der reichgewordene Landwirt, der das gerade Gegenteil des feingebildeten früheren Be­sitzers war, wollte die herrliche Villa zu einem Ge­treidespeicher umbauen. Gerade, als er im Be­griff stand, den wunderbaren Saal mit den Wand­gemälden für seine Zwecke herzurichten, erfolgte das furchtbare Erdbeben, das in Verbindung mit dem Aschenregen die Stadt begrub.

So trug die furchtbare Katastrophe dazu bei, uns den herrlichen Kunstschatz derVilla der Ge­heimnisse" zu erhalten. Wer den Saal betritt, glaubt sich von lebenden Gestalten umgeben, die ihre Blicke auf den Eindringling richten, so lebens­getreu und belebt erscheinen die Gestalten, die aus den Wandbildern herauszutreten scheinen. Ueber- all erscheint der Gott Dionysos in Begleitung seiner irdischen Gattin Ariadne, umgeben von Sa- tyren und Mänaden in Szenen und Stellungen, in denen sich das Menschliche mit dem Uebermensch- lichen, das Reale mit dem Phantastischen in reiz­vollen Bildern mischt. Es sind malerische Offen­barungen, die durch die absolute Neuheit ihres Inhalts und die Realistik der Auffassung ver- .LiHen.

Profefsor Maiuri will in dem Bilde eine. Alle­gorie der Verbindung des Dionysos mit- der "viadne sehen. Andere Gelehrte wieder deuten

die dargestellten Szenen unter Hinweis darauf,

daß Dionysos auch als Sohn des Zeus und der Demeter genannt wird und in deren Geheimdienst als Knabe erscheint, als Enthüllungen der Elu eisinischen Mysterien. Eine dritte Gruppe von Kommentatoren endlich will in dem geheimnis­vollen Wandgemälde derVilla der Geheimnisse" nur ein Anschauungsmittel sehen, das dazu be­stimmt war, junge Gattinnen in den Geheimkult der Mysterien einzuweihen. Jedenfalls aber haben wir es hier mit einem Werk zu tun, wie es in der Malerei der Antike fast einzig dasteht. Und Pro­fessor Maiuri sagt nicht zu viel, wenn er die Fresken derDilla der Geheimnisse" dasedelste und eindrucksvollste. Meisterwerk" nennt, das die Antike uns in der Kunst der Wandmalerei hinter­lassen hat."

Rundfnnk-pvosvamm

Mittwoch, 29. Juli 1931

5.55: Wettermeldung. Anschließend Morgen- gymnastik. 7.30: Don Bad Bertrich: Frühkonzert. 12: Schallplattenkonzert. 12.20: Den Stuttgart: Promenadenkonzert. 14: Werbekonzert 15.20: Stunde der Jugend. 16.30: Nachmittagskonzert. 18.15:Warum ist die neue Kunst so schwer ver- ständttch?", Dortrag. 18.45:Umsturz in der Lite­raturgeschichte", Vortrag. 19.15: Russische Volks­lieder. 20: Don Cannstatt: Abendkonzert. 20.45: Versuchung", Hörspiel. 22.15: Don Berlin: Zeit­bericht. 23: Nachrichtendienst.

Ällevle! tVUienSwevteS

Ein Ameisenstaat besteht aus etwa 100000 Einzelwesen.

Das Fleisch enthält in rohem Zustande 76 Pro­zent Wasser.

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